Die 120 Tage von Sodom

Macht, Gewalt, perverse Sexorgien und am Ende die Kreuzigung einer Frau mit Down Syndrom: In einer Mischung aus Reenactment von und Kommentar zu De Sade und Pasolini suggeriert Milo Rau als inszenierender Autor – ähnlich wie bereits in der HORA-Arbeit Herz der Finsternis von 2007 – Parallelen zwischen dem historischen Stoff und unserer heutigen Gesellschaft, deren Umgang mit behinderten
Menschen er als Beleg für ihren Sozialdarwinismus und Normalisierungswahn ausstellt. Die Inszenierung sorgt für ein gewaltiges mediales Echo – allerdings mehr im Vorfeld der Premiere als angesichts dessen, was dann tatsächlich zu sehen ist. Teil des kalkulierten Skandals dieser Zusammenarbeit ist, dass sie Erwartungen schürt, die sie real auf der Bühne gar nicht halten will oder kann – und sich stattdessen eher
philosophisch-elegisch gibt.

Die Premiere fand am 10.02.2017 im Schauspielhaus Zürich, Schiffbau Box statt.

Mit N. Badir, R. Beuggert, G. Blumer, M. Brücker, N. Gralak, M. Grandjean, J. Häusermann, S. Hess, Robert Hunger-Bühler, Dagna Litzenberger Vinet, Michael Neuenschwander, Matthias Neukirch, T. Pagliaro, N. Tosconi, F: Villiger Text, Regie Milo Rau Bühne, Kostüm Anton Lukas Video Kevin Graber Licht Christoph Kunz Dramaturgie Stefan Bläske, Gwendolyne Melchinger Mitarbeit Rolf Bossart, Mirjam Knapp Assistenz Manon Pfrunder, Simon Sramek, Tiziana Angela Ramsauer, Jörg Hurschler

  • Fr., 10. Feb. 2017
    Schauspielhaus Zürich - Schiffbau / Box