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06/2026 – HORA Magazin Nr. 59
NR. 59, JUNI 2026
MAGAZIN GRATIS ABONNIEREN UNTER:
hora.ch/kontakt
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
4–9
PRODUKTION
Ensemble-Mitglied Robin Gilly berichtet von seiner
Zeit bei den Proben für das Stück GESELLSCHAFT
MIT BESONDERER HINGABE (GMBH)
10–11
HORA‘BAND
Interview mit Band-Leiter Roli Strobel
12–13
DIE TODESINSEL
Eine illustrierte Geschichte von Simon Stuber
14–15
HORA-LABOR
Lernen von den HORAs
16
AKTUELLES
Neue künstlerische HORA-Leitung ab 2017/18
Aktuelle Produktionen und Projekte
19
HORA-CHRONIK
Dezember 2025 – Mai 2026
20 –22
FRIENDS OF HORA
23
ZUM SCHLUSS
Dank an/Förderer
Impressum
MEIN WEG ZUR ARBEIT
Vom 24.02. bis zum 06.03.2026 hatten
HORA-Schauspieler*innen im HORALabor einen Zeichen-Workshop mit dem
Illustrator Christian Zogg. Sie arbeiteten
an Bild-Geschichten, Comics, Illustrationen und Versuchen, eigene Geschichten in
gezeichneten Bildern zu erzählen. Arbeiten
aus diesem Workshop ziehen sich durch
diese Ausgabe vom HORA-Magazin: Die
Serie «Mein Weg zur Arbeit» durch das
gesamte Heft (S.9, 11, 15 und 21), in der
Heftmitte eine von Simon Stuber geschriebene und illustrierte Kurz-Geschichte, und
auf der Heft-Rückseite ein gemeinsamer
Plakat-Entwurf.
2
EDITORIAL
Liebe Leser*innen vom HORA Magazin,
liebe FRIENDS OF HORA!
Es war im Herbst 2023, als der Regisseur
Christoph Marthaler das erste Mal das
HORA Labor besuchte. Er kam, um die
HORAs und das Team kennenzulernen und
eine mögliche Zusammenarbeit mit uns
vorzubereiten. Was er in der HORA-Spielund Daseins-Weise erkannte, das benannte er mit dem Wort «Hingabe»: «Eine solche
Hingabe an den Moment habe ich selten
erlebt» – so (oder so ähnlich) formulierte
er es. Und so hat es das Wort zuerst in den
Titel der neuen HORA-Produktion GESELLSCHAFT MIT BESONDERER HINGABE
(GMBH) geschafft, und jetzt auch als
Motto dieser Ausgabe vom HORA Magazin. Zusammen mit ihm haben wir viel philosophiert über dieses Wort. Hin-Gabe, das
meint ein Weg-Geben, ein Schenken von
etwas (z.B. Aufmerksamkeit, Zeit, Leidenschaft, Fürsorge) – an eine Aufgabe, an
eine Person, an einen Vorgang. Hingabe
passt als Begriff vermeintlich wenig in unsere Zeit, in der so viel nach dem KostenNutzen-Prinzip bewertet wird. Aber bekommt man nicht auch etwas Kostbares,
wenn man sich so verschenkt? Zum Beispiel
Verbundenheit, Sinn, Selbst-Wirksamkeit?
Im Gespräch zwischen Robin Gilly und
Christoph Marthaler wurde sogar schon
über eine «Partei der Hingabe» phantasiert. Robin wollte das Partei-Programm
gleich an alle Haushalte in der Schweiz
verschicken. Eine schöne Idee eigentlich.
Vielleicht ist dieses Magazin ein ganz kleiner Ersatz? Viel Spass beim Lesen!
Yanna Rüger, Redaktion HORA-Magazin und künstlerische
Co-Leitung Theater HORA
PRODUKTION
4
«CHRISTOPH MARTHALER SAGTE DAS IST
EIN LEERLAUF PROZESS»
Ensemble-Mitglied Robin Gilly berichtet von seiner Zeit bei den HORA-Proben mit
Regisseur Christoph Marthaler und Mitgliedern vom Theater Basel
5
DIENSTAG, 10.03.
Guten Tag, M., hier spricht der Robin Gilly.
Ich will nur berichten, wie es gewesen ist
am ersten Proben-Tag: sehr gut. Wir waren
im Kreis. Dann haben wir uns vorgestellt –
mit den Namen. Ich bin der Gott des Geschäftes. Und das Orakel. Und ich habe
einen Plan. Mehr verrate ich nicht. Finde
es selbst heraus.
MITTWOCH, 11.03.
Sie haben heute mit dem Trompete gemacht
– sehr viele Töne. Und ich hab sehr viele Texte
gemacht. Es kommt mir aus dem Ohr und
den Nasen-Löchern raus. Dann habe ich
von oben nach unten geschaut. Das hat mir
Spass gemacht – weil wenn man von unten
schaut, dann sieht man es nicht so klar. Rest
kann ich dir erst morgen berichten. Vielen
herzlichen Dank, ihr Radio-Signal.
und so weiter und so fort. Ich würde gerne mit dir plappern. Aber wenn ich zu viel
plapper, dann verrate ich zu viel.
FREITAG, 13.03.
Liebe Damen und Herren, ich mach es
kurz: Heute haben wir 5 Texte, im Gesamten ist es 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 Texte gemacht.
Zu viele Texte – jetzt habe ich ein Burn
Out ein bisschen. Das Orakel geht jetzt
nach Hause. Und sonst, wenn du etwas
hast, dann erklärt es mir, bei www.dasOrakel-der-Gott.de.
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER HINGABE (GMBH), Aufführungs-Foto
(Fotograf: Ingo Hoehn, s.a. Fotos S. 2/3, 7, 8, 17, 18, 23 und Umschlag)
Das Stück GESELLSCHAFT MIT BESONDERER HINGABE (GMBH) ist entstanden
in phantastischer Zusammen-Arbeit von
Regisseur Christoph Marthaler, Theater HORA und Theater Basel. Herausgekommen ist ein absurdes, vergnügliches
und berührendes Theater-Stück, in dem
Mitarbeiter*innen von einem seltsamen
Test-Labor die Gegenwart testen: StaubSauger genauso wie Flöten, Bärte, Geheimnisse und Geburtstags-Feiern. Das
HORA-Ensemble-Mitglied Robin Gilly war
für die erste Proben-Phase als Mit-Dichter
und Mit-Denker engagiert. Seine HauptAufgabe: in einem Büro hoch über der
HORA-Probe-Bühne im Backstein in der
Roten Fabrik Texte erfinden. Zudem hat
er eine kleine Rolle übernommen, die für
die Aufführungen gefilmt wurde: das Robinakel / Orakel. Für Marcel Bugiel (M.)
vom HORA-Magazin hat er zudem Betriebs-Spionage betrieben: Per whatsappSprach-Nachrichten hat er protokolliert,
was er von den Marthaler-Proben mitbekommen hat. Nachfolgend Auszüge aus
seinem Bericht.
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
Blick von oben auf die Proben, von der
Empore aus, auf der sich das Schreib-Büro
von Robin Gilly befand
DONNERSTAG, 12.03.
Du willst wissen: Was ist GbH? Also es ist
so: GbH ist besondere Hingabe. Mit besonderen Geist. Es geht darum: Man muss
vom Kopf heraus was denken und dann
schreiben mit Phantasie. Das ist nichts für
mich. Das braucht so viel DurchhaltungsVermögen. Es wird immer mit dem Timer
geschaltet, und dann muss man losschreiben. Das führt zum Stress – für die anderen. Aber es kann auch spannend sein. Ja
Text-Gulasch von Robin Gilly für das Stück
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER HINGABE (GMBH)
DIENSTAG, 17.03.
Heute haben wir das Figur von Gott erfunden. Ich fühl mich ein bisschen unwohl,
dass man mich als Gott bezeichnet, und
nicht als Mensch. Das hat ein bisschen mit
der Religion zu tun. Und ich mache nicht
gerne einen Witz darüber.
MITTWOCH, 18.03.
Naa gut, dann sag ich es dir halt: Die Kostüme sehen aus wie Geschäfts-Männer,
wenn sie unterwegs wären nach Flughafen.
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
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Es ist sehr cool. Und das Bühnen-Bild sieht
aus wie ein Tür als ein zwei drei Türen. Also
es ist senkrecht, es wird viel mit StaubSauger, mit den Requisiten und Objekten
wird gearbeitet.
DONNERSTAG, 19.03.
Hör mal, mein Lieber, ich tu jetzt nicht mehr
protokollieren! Du kannst es vergessen! Nee,
ich glaub, ich hör auf mit dem Blödsinn.
Weil ich finde es langsam… Es braucht‘s
gar nicht mehr. Also ich kann schon weiter
machen mit dir. Aber ich möchte gern den
Grund wissen, warum dich das interessiert,
was wir machen…
FREITAG, 20.03.
Also weil du immer wieder fragst: ich hab
aufgeschrieben, wie war die Probe:
Am Morgen sind sie immer mit Stimm-Aufwärmen, dann singen sie. Jetzt ist es das
grosse Aufwärmen, das hat auch mit dem
Lied zu tun. Bewegung, die bewegen sich
sehr viel. Und dann werden Texte gemacht.
Ich habe ein bisschen zugeschaut, aber
dann war es mir zu viel.
Betriebs-Spion Robin Gilly in seinem GMBH-Büro
MITTWOCH, 25.03.
Also Du wolltest wissen: Wie ist der Christoph Marthaler? Ich kann jetzt nicht alles
vollquatschen, mein Lieber, weil sonst hab
ich zu viel gesagt. Ich kann nur sagen: Er
ist sehr ein angenehmer Mensch, ein aufgestellter Gentleman. Er sagt nicht: «Ich
weiss, wie die Welt funktioniert.» Nein, er
nimmt so, wie es kommt. Das ist schön. Und
er kann sich freuen wie ein kleines Kind. Er
sagt immer: «Ah, das HORA!» Und dann
fängt er an zu strahlen. Was die anderen
machen, das wird genau so wenig erzählt
wie üblich. Kannst du sie fragen wegen die
Interview? Weisst du, wenn ich sie frage,
dann kommt es forsch herüber. Ich mach
es, dein Interview, aber mir ist besser, dass
du sie fragst.
DIENSTAG, 31.03.
M., M., M., M., warum willst du von mir wissen, wie das Stück wird? Du weisst doch,
dass ich genauso viel weiss wie du: praktisch gar nichts. Ich kann ja nicht durch den
Kopf lesen. Ich bin kein Prophet. Aber was
sie spielen, das sehe ich nonstop: einmal
das, einmal das, also immer eine grosse
Abwechslung. Aber mir fehlen 3 Tage für
ein Interview.
MITTWOCH, 01.04.
Ich habe die Interviews gemacht:
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
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Robin Gilly (RG): Wie heisst deine Figur?
Simon Stuber (SS): Ja meine Figur heisst… äh… Thorsten.
Den Nachnamen hab ich vergessen.
RG: Cool, merci!
SS: Ja, und was wolltest du noch sagen?
RG: Du, das war‘s schon. Das war‘s schon.
SS: Ja.
RG: Mehr brauchts gar nicht.
sie tun ausprobieren, was der Staub-Sauger
kann, und was der Staub-Sauger nicht kann.
Also ehrlich gesagt: Zum Zuschauen ist es
ein bisschen langweilig. Sonst ist es alles
gut gewesen der Tag.
RG: Verzähl mal etwas über deine Figur.
Nikolai Gralak (NG): Über meine Figur kann ich noch nicht viel
sagen. Weil wir sind ja noch nicht so weit bei den Proben. So
Interviews muss man gegen den Schluss machen, nicht am Anfang.
RG: Und sonst noch? Gibt‘s noch etwas, das du möchstest
loswerden? Was dir manchmal nicht so gefällt bei den Proben?
NG: Wenn wir unnötig überziehen. Das ist glaub ich das Einzige.
FREITAG, 10.04.
Heut ist der letzte Tag für mich. Meine Kollegen fahren nächste Woche nach Basel. Mit
der Produktion: Alles gut eigentlich. Ich habe
nichts zum Aussetzen. Und der Rückblick von
diese ganze Jahre, was ich gemacht hab, das
ist: Ich habe Texte, Texte, Texte geschrieben.
Und ich bin das Fernseher-Orakel. Du bist
herzlich eingeladen. Das war‘s.
RG: Warum hast du Musik so gern?
Tiziana Pagliaro (TP): Weil ich hab gern Tuba.
RG: Du hast gern Tuba?
TP: Ja.
RG: Spielst du mängisch auch Laura Pausini?
TP: Also ich tu schon singen, aber Tuba tu ich reinsingen.
RG: Okay…
TP: 13 Mal.
RG: Okay. Und was heisst deine Figur?
TP: Ich bin Tigel ich bin äh Rolle und der ist der Probe das heisst
ich spiel sowas gerne Vorstellung Kostüm hab das gern und ich
hab gern alles heisst ja mitmachen.
RG: Ah ja, kenn ich. Ja das war‘s schon, dankeschön.
Was ich sehe, von meiner Seite, kann ich nur
sagen: Sie wollen wirklich so proben, wie es
früher gewesen ist. Es ist mit Staub-Sauger –
Premiere von GESELLSCHAFT MIT BESONDERER HINGABE (GMBH) war am
07. Mai am Theater Basel, weitere Vorstellungen gab es bis zum 12. Juni 2026. Eine
Wiederaufnahme ist für den Herbst 2026
geplant, Termine und weitere Infos auf
hora.ch.
MEIN WEG ZUR ARBEIT (I): REMO BEUGGERT AKA PITCH THE DRAGON
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
HORA‘BAND
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DIE KUNST, WEITER ZU GEHEN
Nach dem Tod ihrer Sängerin und kurz vor einer Pensionierungs-Welle versucht die HORA‘BAND,
sich noch einmal neu zu erfinden, ohne dabei die Nerven zu verlieren
11
eigenen Songs und benötigen dazu auch
keine Noten. Doch am Ende funktionierte
es trotzdem.
Wann konntet ihr wieder nach euren
eigenen Prinzipien arbeiten?
HM:
Anfang dieses Jahres, also über 1 Jahr
nach Denises Tod… Erst da wurde uns
auch wirklich klar, dass wir mit ihr nicht
nur unsere Sängerin verloren hatten, sondern den kreativsten Kopf der Band.
RS:
HM:
Die HORA‘BAND in aktueller Besetzung, hier als Britney-Spears-Cover- und Begleit-Band für Mitglieder vom HORA-Ensemble
Vieles bei der HORA‘BAND (seit 2004) deutet gerade auf Ende und Abschied hin: Ende
November 2024 ist Denise gestorben, die
Grande Dame, Sängerin und Songwriterin
der Combo – kurz nachdem die Band eine
Art abschließende Best-of-CD (vgl. S.16)
herausgebracht hatte. Drei der verbliebenen 6 Band-Mitglieder werden in 2 Jahren
in Rente gehen: Vree Ritzmann (WurlitzerOrgel), Enrico Rizzi (Banjo) und Bandleader
Roli Strobel selbst. Doch statt das Projekt
jetzt einfach ausklingen zu lassen, hat die
Band mit Harry Schneider sogar noch mal
ein neues Mitglied aufgenommen. Und versucht auch sonst noch einmal so etwas wie
einen (entspannten) Neustart. Ein paar Fragen dazu an Band-Leiter Roli Strobel.
«Die HORA‘BAND wird weitergehen, auch ohne Denise. Das scheint mir
im Moment das einzig Klare, was ich fühle»,
hast du fast unmittelbar nach dem Tod eurer
bisherigen «Haupt-Darstellerin» geschrieben.
Was ist passiert bei euch seitdem?
HORA-MAGAZIN [HM]:
Denise starb sehr unerwartet. Es ging alles so schnell. Und doch reagierte die Band auf ihren Tod erstaunlich
gefasst und ruhig. Für Dezember waren
Konzerte mit dem Orchester-Projekt «The
Big Ensemble» verabredet. Wir mussten
zuerst einmal praktisch denken und einen
Weg finden, um diese Konzerte dennoch
spielen zu können. Als Band zumindest
hatten wir keine Zeit zum Trauern oder
zum Nachdenken.
ROLI STROBEL [RS]:
Kaum waren die Vorstellungen von
«The Big Ensemble» abgespielt, kam schon
das nächste Projekt: OVERPROTECTED,
eure jüngste Koproduktion mit dem HORASchauspiel-Ensemble…
HM:
Ja und jetzt?
RS: Es ist wie immer: Wir machen das Beste
aus der Situation, mit dem Personal, das
wir jetzt eben haben. Die Musik wird sich
verändern. Wir finden neue Qualitäten.
HM:
Was ist die grösste Herausforderung?
Herauszufinden: Wie klingt die neue
HORA‘BAND? Bei Denise war die Stimme
so ein komisches Flug-Objekt. Was ist jetzt
der rote Faden (oder sozusagen der UnterStrom), der alles trägt?
RS:
Fühlt sich das jetzt ein bisschen so an,
wie eine komplett neue Band zu gründen?
HM:
Ja, wäre eigentlich die Idee. Nur braucht
das eben unglaublich viel Zeit und Geduld.
Und da merke ich manchmal schon, dass ich
diese Band jetzt schon über 20 Jahre fahre.
Und vielleicht auch dazu neige, gleich den
zweiten Nagel zur Hand zu nehmen, kaum
dass der erste sitzt. Aber vielleicht lassen wir
es diesmal einfach mal an einem Nagel hängen und drehen es nur ein bisschen. Und vielleicht geschieht auch so etwas ganz Neues.
RS:
In zwei Jahren gehen drei von euch in
Rente. Mit welcher Zielsetzung, für wen oder
was macht ihr das alles überhaupt noch?
HM:
Enrico wird weitermachen auch nach der
Rente. Auch Lukas [Sellinger, Schlagzeug]
hat signalisiert, dass er sich eine Fortsetzung
der Band nach mir vorstellen könnte. Und
Dario [Zanni, Solo-Gitarre] und Harry sowieso. Und statt mir wird es hoffentlich eine gute
neue künstlerische HORA‘BAND-Leitung geben. Ich selbst möchte mit der Band noch
eine gute Zeit haben. Und neue Songs machen, wie immer – weil das ist ja eigentlich
das, was uns am meisten Spass bereitet. Und
dann aufhören, wenn alle gut drauf sind. Das
ist für mich Minimal-Ziel. Allein das wirklich
zu erreichen wäre schon toll.
RS:
Das Gespräch führte Marcel Bugiel (Redaktion HORA-Magazin)
MEIN WEG ZUR ARBEIT (II): FRANK HÄUSERMANN
Bei diesem Projekt zu Britney Spears
haben wir letztlich als Cover- und BegleitBand für die HORA-Schauspieler*innen
fungiert. Diese Mitarbeit lief eigentlich
gegen einige unserer Grund-Prinzipien.
Denn wir erfinden in der Regel unsere
RS:
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
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HORA-LABOR
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LERNEN VON DEN HORAS
Was HORA-Schauspieler*innen Labor-Dozent*innen und -Mitarbeiter*innen beigebracht haben
Die Wochen im HORA-Labor sind durch einbis vierwöchige Workshops und RechercheWochen strukturiert: zu Theater- und TanzThemen ebenso wie zu Dingen wie Bildende
Kunst, Maskenbau, Stimmbildung, der Kunst
des Gehens usw.. So können sich die HORASchauspieler*innen (kurz: die HORAs) hier
fortlaufend weiterbilden. Es sind aber nicht
nur die HORAs, die im Labor etwas lernen
von den Workshop-Leiter*innen. Hier berichten 6 externe Künstler*innen und (ehemalige) Labor-Mitarbeitende, was umgekehrt sie von den HORAs gelernt, ja was die
HORAs ihnen beigebracht haben.
Probleme geredet wird. Im HORA kommen
Konflikte meist im täglichen Abschluss-Kreis
zur Sprache. Anschliessend wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht. So lässt es
sich viel einfacher miteinander arbeiten, als
wenn ich meinen Ärger in mich hineinfresse.
2) Zwei Mal am Tag tanzen tut mir gut.
3) Ich muss oft an Tizianas Ausruf «besser»
nach dem Essen denken. Ja, stimmt: nach
dem Essen geht es «besser». Deshalb ist es
meist eine sehr gute Idee, eine Mittagspause
einzulegen und etwas zu essen.
Ich habe von den HORAs etwas Wichtiges
gelernt: Arbeit kann Spass machen. Die
HORAs haben mich das durch die Art gelehrt, wie sie gearbeitet haben: mit Freude. Mit Energie. Mit echtem Interesse. Das
hat mich berührt. Und ich habe gemerkt:
Ein guter Arbeitsplatz ist sehr wichtig. Er
verändert vieles im Leben. Man fühlt sich
besser. Man ist glücklicher bei der Arbeit
– und auch zuhause. Für diese Erkenntnis
danke ich den HORAs.
Die HORAs lehren mich Ungezwungenheit,
Wärme und Herzlichkeit. Sie bringen mich
dazu, noch besser hinzuhören (wo sind
Grenzen und wo unbekannte Türen). Dank
der Art und Weise, wie sich die HORAs auf
einen Workshop einlassen, sind weniger
mentale Hürden zu überwinden – weniger
«Ich und meine Probleme», «Ich und meine speziellen Bedürfnisse», «Ich und meine
Sensibilität», «Ich und meine Geschichten» usw. als bei vielen Normal-Sterblichen.
Durch ihren Beruf als Schauspieler*innen
und durch die Erfahrungen in der Gruppe
sind sie durch eine gute Schule gegangen:
Sie sind geerdet. Und sie haben gelernt,
sich einzulassen! Ausserdem gibt es im Austausch mit den HORAs mehr Überraschungen. Das bereichert den kreativen Prozess.
Manuel Hasa (r.), hier mit HORA Lucas Maurer, hat im Labor seinen
Zivildienst gemacht und ist seitdem ein treuer Zuschauer aller
HORA-Produktionen und Labor-Veranstaltungen
An Chen, Musikerin und Stimmbildnerin, hat bereits dreimal einen
Workshop im HORA-Labor geleitet
Im HORA habe ich gelernt:
1) Es hilft, Konflikte nicht lange unausgesprochen zu lassen. Ich kenne Arbeits-Verhältnisse, wo jahrelang nicht über bestimmte
Vom HORA-Ensemble habe ich u.a. gelernt:
Wie sehr Theater ein Dialog ist, in dem permanent übersetzt werden muss, und wie viele Übersetzungsmöglichkeiten es gibt. Was es
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heisst, etwas auf den Punkt zu bringen, einen
genauen Plan zu machen mit klaren Ideen
und Situationen, und gleichzeitig offen zu
sein für den Moment. Wie sehr Schauspiel
von Imagination und Imagination von Begeisterung abhängt. Aber auch: Wie sehr in
der Gesellschaft permanent ein Theater der
Normalität aufgeführt wird – wohingegen
Theater etwas ist, das Vorstellungen von
Normalität durcheinander wirft. Und wie viel
Poesie möglich ist, wenn erstmal die Vorstellung des «Richtigen» überwunden wird.
Delia Dahinden (2.v.l.), hier mit den HORAs Cécile Creutzburg (l.)
und Noha Badir (r.), Regisseurin, Puppenspielerin und -bauerin,
hat im März 2026 ihren ersten Workshop im HORA-Labor geleitet
Magdalena Neuhaus, Schauspielerin und ehemalige HORA-Theaterpädagogin/-agogin sowohl im Labor als auch bei zwei Produktionen
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
in direktem Kontakt mit ihnen. Die Vielfalt
an Ausdruck und Körperlichkeit. Kennenzulernen, was mit ihnen zusammen entstehen
kann. Ihre Freude an der Zusammenarbeit
mit mir. Das Vertrauen, das sie mir dabei geschenkt haben. Und wie wir im offenen Labor schliesslich eine Einheit geworden sind.
Philippe Heule (r.), hier mit HORA Andy Böhni, ist langjähriger Workshop-Leiter im HORA-Labor und damit langjähriger HORA-Kenner
Drei Wochen lang durfte ich mit den HORAs
arbeiten. Was ich von ihnen geschenkt bekommen habe: die Normalität in der Arbeit,
Von den HORAs habe ich für mich gelernt:
Vertraue in deine Fantasie – such nicht
lange. Tauche ein und mach! Das verzaubert. Weniger ist tatsächlich viel mehr.
Sabina Winkler, Bühnen- und Kostüm-Bildnerin, kennt das Ensemble
sowohl von ihrer Mitwirkung an HORA-Produktionen als auch durch
die Leitung von Workshops im HORA-Labor
MEIN WEG ZUR ARBEIT (III): SIMON STUBER
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
AKTUELLES
Mit der Spielzeit 2027/28 gibt es den nächsten, ordentlichen Wechsel in der Künstlerischen Leitung von Theater HORA. An die
Stelle von Yanna Rüger und Stephan Stock,
die diese Funktion seit 2020 mit viel Erfolg
und Anerkennung ausüben, wird dann Julia
Reichert treten. Sie wurde aus rund 30 Kandidaturen ausgewählt – in einem mehrstufigen Bewerbungs-Verfahren, von einer Jury
und unter Einbezug vom HORA-Ensemble.
Julia Reichert ist Dramaturgin und
Theater-Macherin und lebt in Zürich. Von
2019 bis 2025 war sie Co-Direktorin vom
Theater Neumarkt. Zuvor arbeitete sie
als Dramaturgin an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich, am
Theater Freiburg, am Theater Neumarkt
und am Luzerner Theater, wo sie interimistisch die Sparte Schauspiel leitete. Zugleich
NÄCHSTE
PREMIERE
MY HEART WILL GO ON –
DAS TITANIC-PROJEKT (AT)
16.12.2026, Fabriktheater Rote Fabrik
Regie: Leonie Böhm
Eine Koproduktion von Theater HORA,
Fabriktheater Rote Fabrik Zürich &
Theater Basel
WEITERHIN IM
REPERTOIRE
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE (GMBH) (2026)
Eine Geschäftsidee von Theater HORA,
Christoph Marthaler & Theater Basel
DIE LEERSTEHENDEN HÄUSER
(2026)
Ein Regieprojekt aus dem HORA-Labor
von Matthias Brücker und
Frank Häusermann
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unterrichtete und mentorierte sie an verschiedenen Hochschulen. In ihrer bisherigen
Theater-Arbeit setzte Reichert den Fokus
auf Ensemble-Theater und künstlerisches
Experiment, Theater als sozialen Ort und
eine soziale Kunst, die Spass machen soll.
Die Arbeit von HORA verfolgt und
begleitet sie bereits seit mehr als 10 Jahren
– als regelmässige Zuschauerin ebenso wie
in unterschiedlichen Formen der ZusammenArbeit. Über HORA sagt sie: «Ich bin Fan.
Kaum ein Ort stellt die Frage nach Autonomie und Kunst (und dem Leben) radikaler.
Nirgends liegen künstlerische, soziale und
politische Utopien so nah beieinander. Selten kann man so viel lernen wie vom HORA
und den Menschen, die es prägen. ‹SoftSkills› (Rücksicht, Empathie, Konflikt- und
Fehlerkultur) und künstlerische Radikalität
LEONCE UND LENA – HORA TOTAL!
(2024)
Eine total inklusive Inszenierung von
und mit dem HORA-Ensemble,
dem HORA-Team und diversen GastKünstler*innen
SCHULE DER LIEBENDEN (2023)
Eine geile Show von/mit melanie bonajo,
Daniel Cremer, Yanna Rüger und dem
HORA-Ensemble
SACRE! (2023)
Ein Tanz-Stück von Teresa Vitucci und
Annina Machaz
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– vom HORA hab ich gelernt, wie sehr das
zusammengehört, dass das auf einen Kunstbegriff zu bringen ist. Das ist die Kunst, daran
lohnt es sich weiter zu arbeiten. Ich glaube
an die Kraft von HORA, an dieses Potenzial,
die Resilienz, den Humor, die Hingabe, den
Team-Geist, die Chuzpe, den klugen Spass.
Und freue mich nun auf die Förderung, Vertiefung, Radikalisierung und Veröffentlichung
dieser Kraft von innen heraus.»
HORA’BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über
Roland Strobel (Bandleader):
roli.s@gmx.ch
Best-of-CD: MAGIC GOLD ROCK –
HORA‘BAND 2004–2024
zu beziehen über Theater HORA oder
über Tudor (www.tudor.ch)
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odyssee in die Tiefen des
Universums der Arbeit (Regie: Yanna
Rüger, Stephan Stock, Heta Multanen)
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Film-Remake – live gespielt und abgefilmt (Regie und Kamera: Remo Beuggert)
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded unter der LiveRegie von Tiziana Pagliaro
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
OVERPROTECTED – DAS BRITNEY
SPEARS PROJEKT (2025)
Ein Musik-Theater-Projekt von
Theater HORA, HORA‘BAND und
der Band Pritney Bears
EXKLUSIV
FÜR FRIENDS
OF HORA
Mitmach-Tag beim Musik-Workshop
«Komposition» mit Roli Strobel
Donnerstag, 02.07.2026, 9:00-12:00 Uhr
Anmeldungen bis Montag, 29.06. unter
foerderverein.hora@zueriwerk.ch
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
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HORA-CHRONIK
19
DEZEMBER 2025 BIS MAI 2026
DEZEMBER 2025
Kurz vor der Winter-Pause gibt Britney
Spears ihr Comeback im Fabriktheater!
HORA-Ensemble und HORA‘BAND spielen
noch einmal 4 ausverkaufte Vorstellungen
von unserer Produktion OVERPROTECTED
– DAS BRITNEY SPEARS PROJEKT.
Die FRIENDS OF HORA spendieren
dem Ensemble einen Kino-Besuch und im
Labor beschäftigen sich die HORAs indes mit Stoffen: «Stoffe, textile» heisst der
Workshop von Kostümbildnerin Liv Senn,
«Stoffe, musikalische» der von Roli Strobel,
dem Leiter der HORA’BAND. Beim Offenen
Labor kurz vor Weihnachten wird das in
beiden Workshops entstandene Material
dann gemischt.
Marcel Bugiel kommt für einen Tages-Workshop zum Geschichten-Erzählen ins Labor,
danach wird zusammen mit dem Illustrator
Christian Zogg mit Bild-Geschichten und
Comic-Zeichen experimentiert. Eine Auswahl
der Ergebnisse findet sich in diesem Heft.
Das HORA-Labor zu Gast am
Kunsthaus Zürich
Beim vorweihnachtlichen Kino-Besuch,
spendiert von den FRIENDS OF HORA
JANUAR 2026
Das Jahr beginnt ruhig. Über ein Jahr nach
dem Tod ihrer Sängerin und Songwriterin
Denise Wick-Ross hat die HORA’BAND
endlich Zeit, herauszufinden, wie sie jetzt
eigentlich neu klingen könnte. HORA-Veteranin Nele Jahnke kommt ins Labor mit
einem Workshop zu dem Monolog «Sein
oder Nichtsein». Die Texte werden in Leichte
Sprache übertragen, dann geht es an die
szenische Arbeit. Danach kommen Regisseurin Leonie Böhm und ihr Team und machen eine Recherche-Woche für das kommende HORA-Stück MY HEART WILL GO
ON (AT). Premiere wird im Herbst 2026 sein.
FEBRUAR 2026
Auf Anfrage vom Kunsthaus Zürich beschäftigt sich das Labor 3 Wochen lang
mit den Werken der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark. Unter der Leitung von
Choreografin Nicole Seiler werden ihre
Werke ins Körperliche übersetzt.
5 Tage lang stellen sich Bewerber*innen für die kommende Künstlerische
HORA-Leitung dem Ensemble vor.
MÄRZ 2026
Die Suche nach der kommenden Künstlerischen HORA-Leitung geht in die vierte
und letzte Runde. Die Jury entscheidet sich
für Julia Reichert (vgl. S.16).
Im Labor arbeiten die EnsembleMitglieder in einem schönen und intensiven
Workshop mit der Puppen-Bauerin und
-Spielerin Delia Dahinden zum Thema «Begegnung mit grossen Klappmaul-Puppen –
Das andere Ich». Sie stellen eigene Puppen
her, üben sie zu führen und lernen die GrundTechniken für szenisches Puppen-Spiel.
Im Probe-Raum Backstein wird unterdessen eine besondere Gesellschaft
gegründet: Mit Christoph Marthaler und
Team beginnen die Proben für das Stück
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE (GMBH).
APRIL 2026
Die Proben von GMBH werden vom Zürcher Backstein-Probenraum ans Theater
Basel verlegt. Die HORA-Spieler*innen erobern sich dort die grosse Bühne!
Ins Labor kommt erneut An Chen:
In 4 Workshop-Tagen zum Thema «Resonanz» wird spielerisch erkundet, wie unsere
Stimme den Körper in Eigen-Schwingung
versetzen kann, und wie wir damit – ohne
Worte – in eine kreative Resonanz mit unserer Mitwelt treten.
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
Es folgte eine 4-wöchige Weiter-Entwicklungs- und Probe-Zeit mit Nils Amadeus
Lange, um das Eigen-Regie-Projekt DIE
LEERSTEHENDEN HÄUSER von Matthias
Brücker und Frank Häusermann zur Premiere zu bringen.
MAI 2026
Gleich zwei Premieren: zuerst am 2. Mai
DIE LEERSTEHENDEN HÄUSER im Backstein in der Roten Fabrik, dann am 7. Mai
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE am Theater Basel! Zudem erarbeiten Robin und Noha zusammen mit
Florian Lampert und einer Schulklasse ein
Stück für das Blickfelder Festival. Ausserdem gibt es endlich wieder ein Gastspiel
mit LEONCE UND LENA – HORA TOTAL:
am Theater Casino in Zug.
Co-Labor-Leiterin Amadea Schütz
erwartet ihr zweites Kind und geht in Mutterschutz. Wir freuen uns sehr, wenn sie
Anfang 2027 zurück ins HORA kommt und
wünschen ihr bis dahin alles Gute!
Im Labor Fortsetzung der von allen hoch geschätzten Zusammen-Arbeit
mit Philipp Heule. Unter dem Titel «SportTheater» wird das theatrale Potenzial verschiedener Sport-Arten untersucht. Eine
Woche vor dem Offenen Labor gibt es
dazu einen Gast-Auftritt an den National
Summer Games 2026 in Zug.
DIE LEERSTEHENDEN HÄUSER von
Matthias Brücker und Frank Häusermann
FRIENDS OF HORA
21
20
FRIENDS OF HORA –
MIT HERZ DABEI!
Warum Theater HORA (immer noch) Freunde und privat Fördernde braucht –
und warum die jetzt FRIENDS OF HORA heissen
Der Vorstand der FRIENDS OF HORA, von 12 bis 23 Uhr:
Benjamin Meyer, Sonja Studer, Barbara Falter, Laura Räber,
Balz Sprengler, Monika Michel Decker, Andrea Ackermann,
Gabi Schütz
Viele kennen das HORA. Weniger bekannt
ist der Verein im Hintergrund, der dieses
einzigartige Theater seit seinen Anfängen
begleitet. Eigentlich hat dieser Verein das
HORA vor 33 Jahren sogar gegründet und
war in den ersten 10 Jahren dessen Träger. Als HORA vor über 20 Jahren Teil der
Stiftung Züriwerk wurde, verwandelte sich
der Träger-Verein in einen Förder-Verein.
Obwohl HORA heute Beiträge vom Sozialamt (für die Schauspieler*innen) und
Kulturbeiträge von Stadt und Kanton erhält, muss es alles, was über die Grundfinanzierung hinausgeht (und das sind 65%
aller Erträge!), selbst erwirtschaften. So
ist das Theater auf Sponsoring und Spenden angewiesen – und auf den FörderVerein FRIENDS OF HORA. Die Gelder,
die durch den Verein generiert werden,
ermöglichen Planungs-Sicherheit, Agili-
tät und künstlerische Weiter-Entwicklung.
Über lange Zeit konnte der Verein mit fixen Mitgliedschaften rechnen und HORA
mit einem stattlichen jährlichen Beitrag finanziell unterstützen. Doch die Welt dreht
sich (schön und schnell), Mitglieder gehen
verloren – und damit auch Geld für spannende Projekte. Dass der Verein HORA
trotzdem weiter finanziell fördern kann, ist
treuen und neuen Mitgliedern, kreativen
Ideen und einem grosszügigen Legat zu
verdanken.
Weil uns HORA so wichtig ist, engagieren wir uns im Vorstand der FRIENDS
OF HORA ehrenamtlich. Die Arbeit inspiriert und berührt uns. Gemeinsame
Vorstellungs-Besuche oder zusammen mit
den HORA-Schauspieler*innen ins Kino
zu gehen (unser Geschenk an die Truppe
zu Weihnachten 2025), erweitern unseren
Horizont und bereichern unser Leben auf
witzige und wohltuende Weise. Und nach
jeder Vorstellung, jedem offenen Labor wissen wir wieder haargenau, warum wir uns
hier engagieren.
Letztes Jahr haben wir uns zudem umbenannt: Aus dem Förder-Verein Theater HORA
wurden die FRIENDS OF HORA. Freund*in
des HORA zu sein ist übrigens auch ohne formelle Mitgliedschaft möglich und kann vieles
heissen – unsere schönen Söckli oder Shirts
zu kaufen oder einfach einmal einen Fünfliber zu spenden. Wer gerne Mitglied wäre,
sich jedoch den Jahresbeitrag von CHF 150
nicht leisten kann, darf auch einen eigenen
Betrag bezahlen. Jedes Engagement fürs
Theater HORA zählt. Wir freuen uns, wenn
auch ihr in Zukunft dabei seid!
Euer Vorstand von den FRIENDS OF HORA
TIMELINE
1993
Der Theater-Pädagoge Michael Elber gründet in seiner
WG-Küche mit Freunden den Verein Theater HORA –
beflügelt vom Erfolg seiner ersten Theater-Arbeit mit
Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
1995
Ehrenamtlich und hart an der Belastungs-Grenze
ermöglichen die Vereins-Mitglieder das erste vom Verein
Theater HORA selbst produzierte Stück (samt Festival
und ausgedehnter Tour durchs Zürcher Umland), und bis
2002 auch alle folgenden HORA-Projekte
2000 Mit Giancarlo Marinucci erhält der Verein erstmalig
eine Geschäfts-Leitung
2002
Die (lang schon erträumte) Integration in die Stiftung
Züriwerk schafft erstmalig finanzielle Sicherheit für
HORA; der Verein verliert dadurch seine ursprüngliche
Funktion und wird zum Förder-Verein
2011 Als Dank für die langjährige treue Unterstützung durch
den Verein schenkt HORA den Vereins-Mitgliedern
die Zürichsee-Fähren-Performance DAS SCHIFF DER
TRÄUME
2012ff Vereins-Mitglieder begleiten ehrenamtlich die mehrjährige
Welt-Tournee von DISABLED THEATER
WERDE FRIEND OF HORA!
Du liebst Theater HORA und möchtest mehr
bewegen? Dann werde FRIEND OF HORA!
Mit deinem Beitrag – klein oder gross –
hilfst du, Zukunft zu gestalten. Mehr Infos,
Spenden- und Anmelde-Formular hier:
�
2020
Nicht nur der HORA-Betrieb als Ganzes, auch der Verein
unterzieht sich einer radikalen Verjüngungs-Kur.
Finanziell unterstützt er zukünftig vor allem das HORALabor als Bildungs- und inklusivem Begegnungs-Ort
und Zuhause des Ensembles
2025 Umbenennung des Vereins in FRIENDS OF HORA und
Schaffung neuer, unkomplizierter Formen der Unter
stützung des HORA-Projekts
MEIN WEG ZUR ARBEIT (IV): TIZIANA PAGLIARO
Ziemlich beste Freunde: das HORA-Ensemble und die
FRIENDS OF HORA (hier zusammen im Kino)
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
HORA-Magazin Nr. 59, Juni 2026
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
A Porta Stiftung, Beisheim Stiftung, Béatrice
Ederer-Weber Stiftung, Elisabeth Weber
Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle
Kultur Kanton Zürich, Förder-Verein Theater
HORA, Grütli Stiftung, Kulturpark ZürichWest, Landis & Gyr Stiftung, MIGROSKulturprozent, Mondriaan Fund (NL), Pro
Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Rudolf
und Romilda Kägi Stiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis,
Schweizerische Interpretenstiftung, Werner
H. Spross Stiftung und Bäckerei Hürlimann
SABINA ALBANESE
GRAFIKERIN UND AGOGIN
« … WEIL HORA DIREKT INS HERZ GEHT.»
GOTTFRIED BREITFUSS
SCHAUSPIELER
« … WEIL BEI DEN HORAS DEM GANZEN
MENSCHEN IMMER DIE STUNDE SCHLÄGT.»
HERMANN ARNOLD
STIFTUNGSRATSPRÄSIDENT
ZÜRIWERK
« …WEIL HORA VORBILD, IMPULSGEBER UND INSPIRATION FÜR
EINE INKLUSIVE GESELLSCHAFT IST.»
Die Werbung für den Förder-Verein wurde gestaltet von Sonja Studer.
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich,
Theater Basel, Konzert und Theater
St. Gallen, Münchner Kammerspiele,
Shedhalle Zürich, Theaterspektakel
Zürich
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass die FRIENDS OF
HORA weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die HORA-Projekte sein können.
IMPRESSUM
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Mitarbeit
Andrea Ackermann, Curdin Casutt, Team
HORA-Labor, Lena Luczak, Adrian
Mai, Gabi Mojzes, Jörg Schwahlen , Sonja
Studer & die Autor*innen/InterviewPartner*innen der einzelnen Beiträge
Fotos
Benjamin Meyer (19, 20), Flavio Karrer
(16), HORA-Labor (14, 15, 19), Ingo Hoehn
(1/24, 2/3, 4, 7, 8, 17, 18, 23), Svenja
Koch (10), Yanna Rüger (5, 6)
Zeichnungen
Frank Häusermann (11), HORA-Ensemble
kollektiv (24), Tiziana Pagliaro (20), Pitch
the Dragon (9), Simon Stuber (12, 13, 15)
Gestaltung
Stillhart Schindler, Zürich
LUKAS PICCOLIN
PRODUKTIONSLEITUNG
FABRIKTHEATER,
ROTE FABRIK ZÜRICH
SHIRLI PORATH
GYMNASIASTIN
LICEO ARTISTICO
PETER HAERLE
EHEMALIGER KULTURCHEF
DER STADT ZÜRICH
« … WEIL HORA MUT MACHT.»
« … WEIL HORA ZU HERZEN GEHT.»
« … WEIL HORA-THEATERABENDE
IMMER ÜBERRASCHEND SIND .»
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LIED WERETZEN
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FRIENDS CH, SOZIAL UND KULTU
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Papier und Versandfolie
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
Druck
Mattenbach AG, Winterthur
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
24
Aus den Augen kommt die Liebe.
-
12/2025 – HORA Magazin Nr. 58
Exklusiv mit 11 Sinn-Sprüchen von HORA-Haus-Philosoph Robin Gilly
NR. 58, DEZEMBER 2025
MAGAZIN GRATIS ABONNIEREN UNTER:
hora.ch/kontakt
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe Leser*innen vom HORA-Magazin!
4–10, 15
TITEL-THEMA «ÜBER-BEHÜTET?»
Die Möglichkeit des Fallens (zulassen)
Gespräch über Beistandschaft
«Eigenregie»-Projekte im HORA-Labor
Gespräch mit Remo Beuggert
Ausgangspunkt für das neue HORA-Stück
OVERPROTECTED: Die amerikanische
Pop-Sängerin Britney Spears. Sie war
26 Jahre alt und seit fast 10 Jahren ein
Welt-Star, als sie nach diversen Skandalen offiziell entmündigt wurde. Ab da war
ihr Vater (wieder) ihr Vormund – und kontrollierte sie privat ebenso wie in Bezug
auf ihre Geschäfte. Mit einer medialen
Kampagne unter dem Hashtag «#Free
Britney» versuchten ihre Fans daraufhin,
sie wieder aus diesem Zustand der Entmündigung zu befreien.
Auch viele Mitglieder des HORA-Ensembles stehen als Erwachsene noch unter
Vormundschaft: viele für ihr Leben wichtige
Entscheidungen werden ihnen privat von
einem so genannten «Beistand» abgenommen. Und selbst wenn die Jury vom Schweizer
Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring
bereits 2016 das HORA als Ganzes zu einer «freien Republik» (v)erklärt hatte – Fakt
ist: auch bei ihrer Arbeit im HORA bleiben
viele auf kontinuierliche künstlerische und/
oder pädagogische Begleitung angewiesen.
Oder etwa doch nicht? Die Geschichte des
amerikanischen Teenie-Idols war jedenfalls
auch für das HORA-Magazin ein willkommener Anlass, nachzudenken über die Widersprüche und oft nahtlosen Übergänge
zwischen (Selbst-)Ermächtigung, Selbstbestimmung (selbst gewählter oder vielleicht
auch verordneter), dem Recht, Fehler zu
machen, womöglichem Überfordert-Sein
von der eigenen Freiheit notwendiger oder
hilfreicher Unterstützung und Bevormundung – auch, aber nicht nur bei Menschen
mit kognitiven Beeinträchtigungen.
Wir wünschen viel Spass beim Lesen!
11–14
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von
8 HORA-Schauspieler*innen.
Thema der achten Ausgabe: «Zeitung 2»
16
HORA-MENSCHEN,
NEUE UND BISHERIGE
Janine Hürlimann
Ivan Schwarz
Simone Gisler
Serafin Michel
19–20
ROBIN GILLY INTERVIEWT
CHRISTOPH MARTHALER
21
HORA-CHRONIK
Juni – November 2025
22
FÖRDER-VEREIN
23–24
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Ko-Produzent*innen/
Kooperations-Partner*innen
Impressum
Kommende Premieren
Weiterhin im Repertoire
HORA‘BAND-CD
Exklusiv für Mitglieder der
FRIENDS OF HORA
ALLE WOLLEN EIN STÜCK VON DIR
WIR MACHEN EIN STÜCK FÜR DICH
WIR SIND MÄDCHEN FRÄCH UND SCHÖN
WIR SIND HOLLYWOOD GIRLS
WIR SIND EIN STAR
WIR HABEN EINEN TRAUM
WIR MACHEN EINE SHOW
ALLE WOLLEN EIN STÜCK VON DIR
WIR MACHEN EIN STÜCK FÜR DICH
WIR BRAUCHEN EIN SCHUTZSCHILD
WIR SIND DAS SCHUTZSCHILD
WIR SIND FREIHEITS ENGEL
WIR BRAUCHEN LUST ZU SEXY POP SONGS
WIR HABEN MUT UND ZÄRTLICHKEIT IM KÖRPER
ALLE WOLLEN EIN STÜCK VON UNS
WIR MACHEN EIN STÜCK FÜR DICH
WIR MACHEN EIN STÜCK FÜR UNS
Matthias Brücker nach Britney Spears
Yanna Rüger & Marcel Bugiel, Redaktion HORA-Magazin
Fotos Titel und links (S.2/3): Aufführungs-Fotos aus
OVERPROTECTED (Fotografin: Malí Lazell)
OVERPROTECTED
4
DIE MÖGLICHKEIT DES FALLENS (ZULASSEN)
Yanna Rüger, künstlerische Co-Leiterin von Theater HORA, über die heikle Balance zwischen unserem Bedürfnis
unterstützt zu werden (bzw. andere zu unterstützen) und einem womöglichen Zuviel davon
Es gibt sie, diese Momente im Leben, in
denen man sich wünscht, jemand könnte
kommen und einem die Last abnehmen, die
man gerade trägt: die Arbeit, die schwierige
Entscheidung, das komplizierte Gespräch,
die fällige Entschuldigung, den Einkauf, die
Steuern, den Haushalt. Momente, in denen
man sich wünscht, jemand könne einen behüten und beschützen. Ja, es gibt manchmal
vielleicht sogar Momente, in denen man
hofft, dieser ‹Jemand› – eine Göttin?, ein
Papa?, ein guter Hirte? – könnte am besten
gleich das ganze Leben für einen übernehmen. Doch wieviel Unterstützung fühlt sich
an wie eine wohlige Höhle? Und wann führt
ein Zuviel davon dazu, dass man sich selbst
immer weniger zutraut? Wann hindert einen Unterstützung daran, an Herausforderungen zu wachsen?
Ich erinnere mich noch, wie es war, als
ich als Kind Rollschuh-Fahren lernen wollte.
Aus Angst vor dem Hinfallen zog ich jede
denkbare Schutz-Kleidung an – Helm, Schoner, dicke Handschuhe… So sicher verpackt
konnte mir nichts passieren. Aber ich konnte
mich auch kaum mehr bewegen. Erst als ich
bereit war, die Möglichkeit des Fallens zuzulassen, begann ich wirklich zu fahren. Lernen, wachsen, Selbst-Bestimmung – all das
braucht Vertrauen. Es braucht aber auch die
Gelegenheit, eigene Erfahrungen machen zu
können – und auch Fehler. Genau wie es die
Gelegenheit braucht, selbst Verantwortung
für diese Fehler zu übernehmen. Wie oft hindert uns unser Bedürfnis nach Sicherheit
daran, wertvolle neue Seiten von uns und
der Welt kennenzulernen? Erst recht, wenn
wir andere in diesen Prozessen begleiten
wollen, müssen wir uns dieser Balance bewusst werden. Und uns immer wieder fragen:
Wie können wir anderen mehr sein als nur ein
Dach, das ihnen Schutz vor schlechtem Wetter bietet – ihnen aber auch die Sicht auf
den blauen Himmel einschränkt? Wie können wir ihnen vor allem ein stabiler Boden
sein, der nach oben so viel wie möglich offen
lässt und somit Wachstum erlaubt?
TITEL-THEMA «ÜBER-BESCHÜTZT?»
Die Möglichkeit des Fallens (zulassen) S.4
Gespräch über Beistandschaft S.5–6
«Eigenregie»-Projekte S.9
Gespräch mit Remo Beuggert S.10+15
Aufführungs-Foto aus OVERPROTECTED
Wer A sagt, sagt auch Aua.
OVERPROTECTED
5
«DER HAUPTGEDANKE UND
WUNSCH IST IMMER, DASS ES UNSEREN
KINDERN GUT GEHT»
Bea Brücker und Silvia Maurer, Mütter der OVERPROTECTED-Schauspieler Matthias Brücker (35) und
Lucas Maurer (28), über die Frage,ob ihre erwachsenen Söhne einen gesetzlichen Beistand brauchen oder nicht
In dem neuen HORA-Stück
OVERPROTECTED geht es, zumindest vordergründig, um die Pop-Sängerin Britney
Spears und die Frage nach ihrer (zeitweiligen) (Un)Mündigkeit, obwohl sie längst erwachsen war. Bea, auch ihr habt euch dafür
entschieden, dass euer Sohn Matthias als
Volljähriger weiter einen gesetzlichen Beistand hat – früher sagte man dazu: einen
Vormund. Warum? BEA BRÜCKER (BB): Schlussendlich hat Matthias das selbst so entschieden. Als die Richterin ihn damals gefragt hat,
ob ihm klar ist, dass bei einer Beistandschaft
einiges weiter seine Eltern entscheiden, da
hat er gemeint: «Ich kann nicht mit Zahlen,
nicht mit Geld, und meine Eltern machen das
gut. Ich will, dass es so bleibt.» HM: Welchen
Vorteil hat er davon? BB: Damit ist er abgesichert. Wenn er irgendetwas unterschreibt
oder Käufe tätigt, dann können wir das problemlos rückgängig machen. HM: Du, Silvia
hast dich im Gegenteil ganz klar dagegen
entschieden: Du wolltest für deinen Sohn weder einen beruflichen Beistand, noch selber
sein Beistand sein. Warum nicht? SILVIA MAURER
(SM): Weil ich nicht will, dass ein anderer
Mensch verantwortlich ist für ihn. Lucas ist
erwachsen: Er ist für sich selbst verantwortlich. HM: Die Wohn-Gruppe von Lucas hätte
lieber, dass er einen Beistand bekommt,
oder? SM: Der Lucas ist ein freier Vogel. Der
will nicht in einem Käfig sein. Und immer,
wenn es deswegen mal ein Problem gab,
haben sie in der Wohn-Gruppe gesagt: «Der
Lucas hat ja auch keine Beistandschaft…»
Als ob durch die Beistandschaft etwas besHORA-MAGAZIN (HM):
Die HORA-Schauspieler Lucas Maurer (ganz links) und Matthias
Brücker (ganz rechts) als Britney Spears im HORA-Stück
OVERPROTECTED (Bildmitte: Lea Whitcher, rechts hinter ihr:
Tiziana Pagliaro, im Hintergrund: die HORA‘BAND)
ser würde. Lucas macht Fehler, ja. Und natürlich: Er lernt langsamer als die Anderen.
Aber nur, wenn wir ihm den Raum geben, die
Erfahrung zu machen, dass er selbst die Verantwortung für seine Fehler trägt, und dass
Fehler auch dazu da sind, um aus ihnen zu
lernen, kann es irgendwann vielleicht anders
werden.1 HM: Aber heisst das, Lucas muss sich
durch alles allein durchschlagen und auch
Sachen bewältigen, die er kaum verstehen
kann? SM: Nein, denn natürlich unterstützen
wir ihn auch in vielem. Aber wir machen es
eben nicht als Beistand, sondern inoffiziell.
Das ist der Unterschied. HM: Bea hat eben
erzählt, der Matthias könne nicht mit Zahlen und Geld. Wie sieht das bei Lucas aus,
Silvia? SM: Also der Lucas hat seinen Lohn
1 Stephan Stock: «Ein Rechts-Experte von der Kinder- und Erwachsenen-Schutzbehörde hat uns erklärt: Im Schweizer Gesetz
wird auf jeden Fall erstmal vorausgesetzt, dass wir alle urteilsfähig
sind. Mit anderen Worten: Jeder Mensch hat das Recht, Scheisse
zu bauen. Man muss nicht vernünftig handeln, man muss nur vernunftgemäss handeln.»
Wenn die Erde sich dreht wird es rund.
6
vom HORA und mit diesem Lohn kann er
machen, was er will. Aber er bekommt dieses
Geld von uns wochenweise und nicht den gesamten Monats-Lohn auf einmal, weil sonst
wäre schon nach 2 Tagen nichts mehr da.
BB: Matthias bekommt von uns 20 Chf pro
Woche. Das ist nicht so viel, aber er muss ja
auch nicht Miete oder Essen oder so etwas
davon bezahlen. Also es gab noch nie das
Problem, dass er fand, er habe zu wenig…
HM: Wie geht ihr sicher, dass Meinungen oder
Entscheidungen wirklich die Entscheidungen
von euren Söhnen sind, und nicht die, die
ihr ihnen suggeriert habt? BB: Matthias sagt
eigentlich immer ganz klar, was er will oder
nicht. Er bestimmt ja auch, an welchem Wochen-Ende er zu uns kommt von der WohnGruppe. Er ist sehr strukturiert. HM: Und im
Theater? Wie weit fühlt ihr euch noch verantwortlich für das, was eure Söhne da auf
der Bühne machen sollen oder wollen? SM:
Wieso sollte ich mich in seine Arbeit einmischen? Er mischt sich ja auch nicht in meine
ein… BB: Die Frage ist ja auch: Wie viel Einfluss habe ich auf unseren Sohn, wenn ich
ihm sage: «Nein, wir wollen nicht, dass du das
und das tust auf der Bühne»? Aber wenn er
wirklich mit uns darüber reden würde, dann
wäre das Wichtigste für uns: dass er wirklich
versteht, was er da tut. Und was vielleicht die
Konsequenzen sind. HM: Gibt es auch Situationen, wo ihr das Gefühl habt, es überfordert eure Söhne vielleicht, dass sie Sachen
frei entscheiden können (oder müssen)? SM:
Ich glaube, dass Lucas ab und zu überfordert ist. Ganz klar. Dann probieren wir, ihm
zu helfen. Wir setzen uns mit ihm hin, besprechen das nochmal und versuchen herauszufinden, was er will. BB: Überfordert ist Matthias eher, wenn er zu viele Sachen auf einmal
machen muss. Weil er immer alles 300%ig
genau ausführen will und deshalb oft in
Zeitdruck kommt. Entscheidungen dagegen
nimmt er sehr gelassen. Weil er weiss: Wenn
7
es nicht geht, dann kann ich mit meinen Eltern oder meiner Schwester darüber sprechen. HM: Was wird mit dieser Beistandschaft
oder Nicht-Beistandschaft in 20 Jahren sein,
wenn ihr euch nicht mehr kümmern könnt?
Was passiert dann? BB: Wir haben jetzt
schon die Beistandschaft an unsere Tochter
Selina abgegeben. Sie kann das besser mit
diesen Online-Formularen, und sie hat einen besseren Draht zu ihrem Bruder als wir
alten Eltern. Sie und ihr Mann können das
irgendwie anders. Und für sie war immer klar,
dass sie keinen fremden Beistand will für ihn.
SM: Wenn wir das nicht mehr machen, dann
muss es jemand anderes machen, das ist
klar. Und da muss sich der Lucas dann mit
beschäftigen. Aber jetzt im Moment noch
nicht. BB: Ich denke, ob man die Beistandschaft vollumfänglich macht oder überhaupt
nicht, das muss in der Familie stimmen. Die
einen wählen diesen Weg, die anderen diesen. Aber ich glaube, der Hauptgedanke und
Wunsch ist immer, dass es unseren Kindern
gut geht. Dass sie zufrieden sind und das machen können und dürfen, was sie gerne tun
und was sie lieben.
Das Gespräch führten Stephan Stock und Marcel Bugiel
OVERPROTECTED – DAS BRITNEY
SPEARS PROJEKT
Ein Musik-Theater-Projekt von Theater
HORA, HORA‘BAND und der Band Pritney
Bears
Von und mit: Cendrine Altmann, Lulu
Applecheek, Remo Beuggert, Matthias
Brücker, Thomas Giger, Marcel Grissmer,
Frank Häusermann, Svenja Koch, Lucas
Maurer, Jane Mumford, Tiziana Pagliaro,
Sophie Reble, Vree Ritzmann aka Vree, Enrico Rizzi, Harry Schneider, Jörg Schwahlen,
Lukas Seliger, Roli Strobel, Lucy Lou Wartmann, Lea Whitcher, Ruth Wulffen & Dario
Zanni.
Die Premiere war am 24.09.2025 im
Fabriktheater Rote Fabrik. Die nächsten
Aufführungen dort gibt es am 18./19./20.
und 21.12.2025
Ausprobieren ist das Gegenteil von Gut.
8
HORA-LABOR
9
KÜNSTLERISCHES KENNZEICHEN:
EIGEN(REGIE)-PROJEKTE
«Eigenregie»-Projekte sind so etwas wie
das Herz der Labor-Philosophie. «Eigenregie» heisst: HORA-Schauspieler*innen können eigene Stück-Ideen ausprobieren, auch
selber Regie führen. Dabei geht es um Ermächtigung – künstlerisch und persönlich.
Die Idee, die künstlerisch-gestalterische Verantwortung weitgehend an die
HORA-Spieler*innen zu übergeben, gibt
es im HORA spätestens seit dem LangzeitProjekt FREIE REPUBLIK HORA (FRH,
2013–2019). Für die HORA-Spieler*innen
ist es also schon länger eine Selbstverständlichkeit, auch eigene Bühnen-KunstProjekte realisieren zu können. Neuer Ort
dafür war ab 2020 das in diesem Jahr gegründete HORA-Labor. Erste Ideen entstanden, und wurden – anfangs noch im
Lockdown-bedingten Home Office und geteilt über Zoom – auch gleich ausprobiert.
2022 schliesslich fand die erste analoge
«Eigenregie»-Woche statt: 5 EnsembleMitglieder bekamen jeweils einen Tag, um
mit den Kolleg*innen eine eigene ProjektSkizze auf die Bühne zu bringen. Noch im
selben Jahr wurde eine davon dann noch
einmal zwei komplette Arbeits-Wochen
lang weiter ausgearbeitet. Nicht weniger
als 6 «Eigenregie»-Projekte sind seitdem
realisiert worden – und Fortsetzung folgt.
«Eigenregie»-Projekte haben klare Strukturen und Rahmen. Der Prozess besteht
aus zwei Phasen: In der Konzept-Phase
formulieren (schreiben, skizzieren, zeichnen, erzählen) die Ensemble-Mitglieder
ihre künstlerischen Ideen – begleitet, unterstützt und ermuntert vom Labor-Team.
Eine davon wird ausgewählt und in Phase
2 in einem mehrwöchigen Workshop auf
Eine Bild Collage von Anfang 2023 als Konzept für ein «Eigenregie»-Projekt: ANATOMIE DER WELT – EIN KOLLEKTIVES
ZUSAMMENARBEIT von Robin Gilly, szenisch umgesetzt dann im November 2023
die Bühne gebracht. Die Konzept-Auswahl
findet nicht basis-demokratisch statt, sondern wird vom Team entschieden und dann
transparent kommuniziert. Ziel ist, dass im
Laufe der Jahre alle Ensemble-Mitglieder
die Möglichkeit erhalten, einmal ein eigenes
Projekt zu leiten. Wobei nicht alle HORAs
wirklich Regie führen wollen. Einige von ihnen interessieren sich für andere kreativgestalterische Bereiche, z.B. für Raum/
Bühnenbild oder Musik oder Bewegung
oder eine Story/ein Skript. So gesehen wäre
der allgemeinere Begriff «szenisches EigenProjekt» treffender.
Ein weiteres wichtiges Element für dieses Format: Eine künstlerische, kognitiv
nicht-beeinträchtigte Kompliz*in wird angefragt. Diese Person begleitet das Projekt als Mentor*in. Sie teilt idealerweise
die Interessen des jeweiligen EnsembleMitglieds und bringt eine Expertise mit, die
bestenfalls hilfreich ist für das Projekt. Im
Prozess wirkt sie zuhörend und anstupsend.
Sie unterstützt bei der Planung und Vorbereitung, macht Vorschläge und teilt eigene
Erfahrungen. Alle bisherigen Mentor*innen
verbindet viel Verständnis und die Bereitschaft zu einem gleichberechtigten ArbeitsVerhältnis. Gleichzeitig wächst über sie das
verbindende und professionelle Netzwerk
vom HORA-Labor.
Das Format der «Eigenregie»-Projekte
ist zukunfts-denkend. Es denkt tatsächliche Teilgabe und Teilhabe und inklusivere
künstlerische Arbeitsweisen voraus. Es
könnte/sollte sich als Modell auf den gesamten Bereich der performativen Künste
auswirken.
Gabi Mojzes, Co-Leiterin Labor
Die Liebe ist kein seltsames Spiel. Es geht eine zum anderen.
«EIGENREGIE»-PROJEKTE
10
«IN GEWISSEN MASSE BIN ICH FROH
UM DIE UNTERSTÜTZUNG HIER»
HORA-Schauspieler Remo Beuggert über die Chancen und Risiken beim eigenen Regie-Führen
Die «Eigenregie»-Projekt-Regisseure Simon Stuber (links)
& Remo Beuggert (Mitte) 2025 im Gespräch mit ihrer Mentorin
Sabina Leone (rechts)
Remo, erinnerst du dich
noch an euer Projekt MACHT WAS IHR
WOLLT UND WIE ES EUCH GEFÄLLT? Das
war 2013 und der Anfang von FREIE REPUBLIK HORA [kurz: FRH, Langzeit-Projekt,
bis 2019]. REMO BEUGGERT (RB): Ja. Da haben
Michi [Michael Elber, HORA-Gründer und
damals künstlerischer Leiter] und Nele [Nele
Jahnke, damals HORA-Mitarbeiterin] uns
einfach gesagt: «Geht auf die Bühne und
macht was ihr wollt.» HM: Wie hast du reagiert? RB: Mich hat das ein bisschen verunsichert. Ich hab mich gefragt: Was wollen die
da von uns? HM: Was war der Unterschied
zu den HORA-Projekten bis dahin? RB: Also
davor haben wir eigentlich immer mit einem
Thema angefangen. HM: Aber ihr habt doch
auch DIE LUST AM SCHEITERN gemacht,
ein Improvisations-Stück ohne jeden vorgegebenen Inhalt. Kann man da nicht auch
machen auf der Bühne, was man will? RB:
Nein. Bei LUST AM SCHEITERN muss
man vor allem schauen, was die anderen
machen, und darauf eingehen. HM: Und bei
MACHT WAS IHR WOLLT? RB: Naja, da
macht man von Anfang bis Ende was man
HORA-MAGAZIN (HM):
will... HM: Und was habt ihr gemacht, als ihr
einfach machen konntet, was ihr wolltet? RB:
Damian zum Beispiel hat Fussball gespielt,
ich habe jongliert oder gelesen… HM: Bei welcher Form hast du dich freier gefühlt – bei
LUST AM SCHEITERN oder bei MACHT
WAS IHR WOLLT? RB: Bei LUST AM SCHEITERN. HM: Und wie ist es dazu gekommen,
dass ihr irgendwann angefangen habt,
selbst Regie zu führen bei FRH? RB: Also ich
glaube, viele waren ein bisschen verloren
bei MACHT WAS IHR WOLLT. Bis unser
Kollege Remo Zarantonello irgendwann das
Durcheinander ein bisschen sortiert hat. Er
hat sozusagen die Regie übernommen. Das
fanden wir alle ziemlich gut. (Auch wenn
es das Publikum, glaube ich, nicht so gut
fand.) Daraufhin sind Michi und Nele auf
die Idee gekommen, auch uns anderen die
Möglichkeit zu geben, Regie zu machen
bei einem kleinen Projekt. HM: Ist damit ein
Traum für dich in Erfüllung gegangen? RB:
Eigentlich nicht. Eigentlich wollte ich immer
nur spielen. Aber dann habe ich ein Lied
gehört und hatte dazu eine Idee und wollte
es ausprobieren. Und dabei habe ich es,
glaube ich, entdeckt. HM: Seitdem hast du
Zum jetzt schon 8ten Mal in der Heftmitte: ein
von HORA-Schauspieler*innen selbst geschriebenes, illustriertes und gelayoutetes
Magazin im Magazin. Nach dem Thema
«Zeitung» in der Ausgabe Nr. 56 folgt in dieser jetzt die «Zeitung 2». Mit diesem eher
offenen Thema gab es erneut die Möglichkeit, sich frei jeweils dem zu widmen,
was einen gerade besonders beschäftigt
an der Welt, in der wir alle leben.
Probieren Sie es aus, es wird manchmal nicht gelingen.
15
5 eigene Projekte realisiert. Im Rahmen von
FRH: HORA DANCING (2014), DO YOU
WANT TO DREAM? THEN CLOSE YOUR
EYES! (2014), DIE VÖGEL sehr frei nach
Alfred Hitchcock (2015), KONTAKTKILLER (2018). Und jetzt, zusammen mit
Simon Stuber, das «Eigenregie»-Projekt
GRIZZY UND DIE LEMMINGE – DIE 235.
EPISODE (2025). Was ist der Unterschied
zwischen zwischen FRH damals und den
«Eigenregie»-Projekten, die ihr jetzt macht
im Rahmen vom HORA-Labor? RB: Wenn wir
bei FRH Regie gemacht haben, haben die
Chef*innen gar nichts gesagt. Es gab keinen
Kommentar. Das war beim FRH ja eine Regel: dass sie nichts sagen. Und jetzt haben
sie ihre Meinung dazu gesagt und auch Vorschläge gemacht. HM: Was verändert sich dadurch? RB: Sie haben natürlich ziemlich viel
Erfahrung. Also zum Beispiel wollten Simon
und ich das Publikum auf die Bühne holen.
Und dann haben sie gesagt, dass das nicht
so eine gute Idee ist. Und ich glaube, wenn
ich die Idee damals beim FRH gehabt hätte,
dann hätten sie mir nicht gesagt, ob ich das
darf oder ob das gut ist oder nicht. HM: Die
Chef*innen reden rein oder nicht rein – bei
welcher von diesen beiden Möglichkeiten
fühlst du dich wohler? RB: Ich glaube, ich fühle
mich schon wohl, wenn sie eine Unterstützung geben. Das bringt ein bisschen mehr
Sicherheit. HM: Was gibt dir das, selber Regie zu führen? RB: Das Coole daran ist, dass
man seine Ideen umsetzen kann. Und es tut
gut, wenn alle auf mich hören. Und wenn die
Idee klappt, dann macht mir das Spass
und ich bin stolz. HM: Und wo hört der Spass
auf? RB: Zum Beispiel beim KONTAKTKILLER: da musste ich einige Szenen streichen – unter anderem auch die einzigen
mit Robin Gilly. Und da habe ich mich dann
nicht so wohl gefühlt… HM: Könntest du dir
eigentlich auch vorstellen, einfach selbst-
Remo Beuggert 2018 als Live-Kameramann in seinem
Film-Remake KONTAKTKILLER
ständig als Künstler zu arbeiten? RB: Nein.
Als selbstständiger Künstler hat man ja
keine Unterstützer. Und in gewissen Masse
bin ich froh um die Unterstützung hier. HM:
Gab es nie auch mal den Moment, wo du
gedacht hast, du bist hier unfrei im HORA?
Also nicht so selbstständig und frei in deinen Entscheidungen, wie du gerne wärst? RB:
Nein, ich bin hier eigentlich ziemlich selbstständig. Und was ich jetzt neu kann hier
ist: die anderen Leute unterstützen. Ich bin
jetzt Peer-Berater geworden und es macht
mir recht Spass.
Das Gespräch führte Marcel Bugiel
BISHER IM LABOR REALISIERTE
«EIGENREGIE»-PROJEKTE:
Fredi Senn: ALTES ROM UND GLADIATOREN (2022, Mentorat: Fidel Morf)
/ Robin Gilly: ANATOMIE DER WELT –
EIN KOLLEKTIVES ZUSAMMENARBEIT
(2023, Mentorat: Marcel Bugiel) / Andy
Böhni & Tiziana Pagliaro: UNTERWASSERWELT (2024, Mentorat: Florian Lampert)
/ Frank Häusermann & Matthias Brücker:
DIE LEERSTEHENDEN HÄUSER (2024,
Mentorat: Nils Amadeus Lange; Das Projekt wurde eingeladen zu PREMIO 2025,
der nationalen Förder-Plattform der Darstellenden Künste) / Simon Stuber & Remo
Beuggert: GRIZZY UND DIE LEMMINGE –
DIE 235. EPISODE (2025, Mentorat: Sabina
Leone) / Andy Böni & Fabienne Villiger:
ICE-FREU(N)DE (2025, Mentorat Mikki
Levy-Strasser & Elijah Sallin))
Gute Gesellschaft macht die Manieren!
NEUZUGÄNGE & ABSCHIEDE
16
HORA-MENSCHEN, NEUE & BISHERIGE
Neu bei uns seit August: Janine Hürlimann.
Sie ist 22 Jahre alt, lebt mit ihrer Mama
in Tägerig im Kanton Aargau, hat schon
als Kleinkind gerne diverse Rollen gespielt
und gesungen, hat eine ältere Schwester,
schaut gerne Tanz-Videos auf Tiktok und
tanzt selbst Salsa, Bachata und Jazz-Tanz.
Schauspielerin ist aber auch deshalb ihr
Traumjob, weil sie gerne im Mittelpunkt
steht. Herzlich Willkommen im HORA-Ensemble, wo das eigentlich fast alle tun!
Das HORA-Labor-Fachteam ergänzt seit
Mitte August Ivan Schwarz. Ivan hat ursprünglich eine gestalterische Berufs-Lehre
absolviert und ist im Theater-Bereich ein
Quer-Einsteiger. Als gelernter Arbeits-Agoge
und Gestalter bringt er viel Erfahrung mit
in der Begleitung von Menschen in ihrem
Berufs-Alltag. Es gefällt ihm, darin jetzt die
HORA-Schauspieler*innen zu unterstützen
und zu fördern. Die inklusiven Strukturen und
die kreativen Prozesse im Labor interessieren ihn aber auch darüber hinaus. Privat ist
er Vater von 3 Kindern und in seiner Freizeit
gerne draussen in den Wäldern unterwegs.
Schön, dass du jetzt bei uns bist, Ivan!
Sich vom HORA verabschiedet hat im Sommer Simone Gisler, dort auch bekannt als
Elena Gilbert. Sie war von 2014 bis 2016
Azubi in der HORA-Schauspiel-Ausbildung
und ab 2018 dann festes Mitglied im Ensemble. Als künstlerische Themen mochte
sie besonders Liebe und Freundschaft mit
Drama – gerne auch brutal, aber nie mit
Gewalt. Auf der Suche nach einer neuen
Herausforderung ist sie jetzt in ein anderes
Theater-Projekt gewechselt. Für ihren neuen
Job wünschen wir ihr alles Gute!
Ebenfalls zum Sommer das HORA verlassen hat Serafin Michel, genannt ‹Brüder›.
Er war sozusagen das jüngste HORA-Urgestein: bereits 2006, im Alter von 12 Jahren, besuchte er die sogenannte TheaterWerkstatt, war dann von 2014–2016 in der
HORA-Schauspiel-Ausbildung und ab 2017
festes Mitglied im HORA-Ensemble. Als
HORA-Schauspieler war er ein Vertreter
des absoluten Spiels. Den Alltag im Labor
bereicherte er als Spezialist u.a. für Liebe,
Kaffee, Macht-Spiele, Tanzen, Mode und
Anarchie. Wir wünschen auch ihm alles
Gute bei seiner beruflichen Umorientierung.
Der frühe Vogel kommt zu früh.
17
18
INTERVIEW
19
«WENN DU JETZT ZUM BEISPIEL
DEN ROY BLACK HÄTTEST BEI DIR: WIE
WÜRDEST DU IHN EINSETZEN?»
HORA-Schauspieler Robin Gilly, assistiert von Yanna Rüger, interviewt die Regie-Legende Christoph Marthaler
Grüss Gott, Sie sind der
Christoph Marthaler. Richtig? CHRISTOPH
MARTHALER (CM): Jawoll! RG: Herzlich willkommen beim Interview. CM: Freut mich sehr!
RG: Frage 1: Wie hast du deine Sprüche gelernt? CM: Meine Sprüche? Was meinst du
jetzt mit Sprüche? RG: Ja so philosophische.
CM: Ja du, also… Ich habe überall Menschen zugehört: im Zug, auf der Strasse,
in irgendeiner Kneipe. Ich hab das manchmal aufgeschrieben. Und das sind dann oft
auch Dialoge oder eben Sprüche geworden, die dann in Stücken vorgekommen
sind. Weisst du: Ich möchte im Theater am
liebsten das Leben, wie es ist, zeigen. Dann
mag ich auch Dinge verdrehen. Ich mag deinen Begriff ‹Text-Gulasch› [RGs Technik,
zufällig Aufgeschnapptes zu spontanen
(mündlichen oder schriftlichen) Text-Collagen zu verarbeiten]. Unter ‹Text-Gulasch›
kann man sich sofort was vorstellen. Wenn
wir irgendwelche Texte oder Sprüche zusammen mixen, dann kommt das ja auch
aus unserer Wahrheit und unserer Zeit.
Dann sind wir ja nicht irgendwann, sondern da kommen Dinge zusammen. Und
da ist oft so viel Wahrheit drin. RG: Das
habe ich nicht gewusst! Könnten Sie noch
einen Spruch sagen? Das brauchen wir…
CM: Das ist jetzt sehr spontan… Ich komme
noch drauf… YANNA RÜGER (YR): Das HORA hat
ja das Motto: ‹Je langsamer, desto schneller›. Das ist ein Spruch, den Christoph
auch unterschreiben kann, habe ich gehört. CM: Ja, ich liebe die Langsamkeit. Und
auch langsam zu denken – ich kann gar
nicht schnell denken. Ich finde das Motto
ROBIN GILLY (RG):
Farb-Bild-Stecke (Cover, S.2/3, S.7, S.17, S.18, S.23): Aufführungs-Fotos von Malí Lazell zu dem HORA-Stück OVERPROTECTED
ganz schön von euch. Ich sag auch ganz
oft auf Proben: Je weniger Zeit man hat,
desto mehr nimmt man sich. Da oben
muss man sie sich nehmen. Zeit ist im Kopf,
oder? RG: Wow! Das möcht ich gern noch
geschrieben haben. CM: Das schreib ich
dir auf, ja. RG: Die zweite Frage: Schreiben
Sie auch Texte für Philosophen? CM: Nein,
ich bin eben eigentlich kein guter Schreiber. Verstehst du, ich bin keiner, der sich
gut formulieren kann. Und deswegen habe
ich über Musik und über Bilder angefangen mich auszudrücken. Und drum hab ich
auch immer abgehört von Menschen, was
sie sagen. RG: Nächste Frage: Christoph,
wenn du Politiker wärst, wie wirst du es
erklären: Was heisst Hingabe? Wie willst
du das an die Politik sagen? Wenn du sie
triffst. CM: Die wirkliche Hingabe ist etwas
hinzugeben. Im Theater zum Beispiel geben wir etwas hin von uns. YR: Das wäre
aber eine schöne Partei, die sich dafür mal
einsetzt: Die Hingaben-Partei. Für mehr
Hingabe der Einzelnen, so wie sie sind. CM:
Oh, ich bin sowas von kein Politiker… Aber
das ist das Tolle am Theater: Da kann man
etwas hingeben, den Menschen etwas mit
Hingabe geben. Man kann sich selber hingeben. Man kann sich ausdrücken, frei. Ich
kann meine Phantasie entwickeln, ich kann
mit Leuten gemeinsam etwas entwickeln,
Utopien entwerfen… Dass man gemeinsam auch Freude haben kann. RG: Sehr
schön. Wirklich. Ich glaube, wir sind durch.
Ah nein! Jetzt kommt noch etwas Privates:
Was ist für dich HORA? Wie arbeitest du
mit uns? CM: Weisst du, es gibt ja auch so
Harte Schale, harte Nuss!
20
Der Regisseur Christoph Marthaler (links) und sein Interviewer
Robin Gilly im Büro vom Backstein-Probenraum in der Roten Fabrik
eitle Menschen im Theater, die immer nur
sich selber darstellen wollen. Und die erste
Begegnung mit euch: Da war Offenheit und
Ehrlichkeit, keine Eitelkeit. Ihr seid spontan
und direkt und ihr sagt auch ganz schnell,
was ihr denkt. Und das ist eine grosse Freude. Das ist für mich so ein kreativer Akt,
mit euch zu arbeiten. Ein grosses Privileg.
YR: Warum eigentlich hat das so lange gedauert, dass HORA und Marthaler zusammen arbeiten? CM: Ich weiss es nicht!
Es ist doch schon ziemlich lange her seit
der ersten Anfrage oder Kontaktaufnahme.
Aber es kam immer etwas dazwischen.
Die Freude war natürlich da von mir. Sehr.
Aber auch natürlich ein grosser Respekt.
Ihr seid so eine aussergewöhnliche Truppe.
Und da musste ich dann schauen: Was
mach ich mit euch? RG: Jetzt will ich etwas
Persönliches Sie fragen: Christoph, du als…
Was ist dein Beruf? CM: Ja, Regisseur offen-
bar. Sowas ähnliches. RG: Christoph, du als
Regisseur. Wenn du jetzt zum Beispiel den
Roy Black hättest bei dir (nur als kleines
Beispiel!): Wie würdest du ihn einsetzen?
Was ist deine Erfahrung mit dem Roy
Black und mit dem Peter Alexander? Weil
du hast ja vorhin grad was gesagt mit ‹Die
kleine Kneipe›… CM: Das ist der Peter Alexander, oder? Schönes Lied! RG: Kennst du
ihn? CM: Nein, Peter Alexander habe ich nie
kennengelernt. Aber Roy Black. Früher am
Flughafen habe ich einmal gesehen, dass
hinter mir Roy Black war. Und der Security musste ihn abtasten und hat gesagt:
«Entschuldigung Herr Black, ich muss das
machen.» Und Roy Black sagte: «Ja, bitte.»
Und dann hat der Security so abgetastet,
wie er das muss, und hat dabei gesagt:
«Würden Sie mir nachher ein Autogramm
geben?» Ich musste richtig lachen. Es war
so witzig und komisch. Und Roy Black hat
auch lachen müssen. RG: Okay. Danke. Das
ist der Christoph Marthaler vom Basler
Theater. Ich danke Ihnen sehr herzlich. CM:
Ich danke auch sehr herzlich.
Der Regisseur und Stück-Entwickler Christoph
Marthaler ist seit mehr als 30 Jahren der
vermutlich bekannteste Schweizer TheaterMensch überhaupt. Mit seinem Stück «Murx
den Europäer, murx ihn, murx ihn ab», das
1993 an der Berliner Volksbühne herauskam, wurde seine neuartige und gleichzeitig
eigentlich randständige Theater-Sprache
international bekannt. Ab da entwickelte
und inszenierte er seine Musik-TheaterArbeiten an den grössten Häusern und Festivals, war von 2000 bis 2004 auch Intendant vom Schauspielhaus Zürich und erhielt
so ziemlich alle wichtigen Bühnen-KunstAuszeichnungen und -Preise. Im Frühjahr
2026 probt Marthaler mit 6 HORASchauspieler*innen, 4 Spieler*innen vom
Theater Basel sowie mit Robin Gilly als MitDichter und Mit-Denker für sein neues Stück
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE (GMBH). Premiere ist am 7. Mai
2026 am Theater Basel.
Lernen ist etwas Schönes. Wenn man es kann.
JUNI BIS NOVEMBER 2025
21
HORA-CHRONIK
den verlassen uns mit den Sommer-Ferien.
Der Abschied von ihnen ist sehr emotional
und gleichzeitig wunderbar. Es gibt viele
Reden, Umarmungen, Tränen und Lachen.
Alles Gute, Elena und Brüder!
Christoph Marthaler zu Gast im HORA-Labor
JUNI 2025
Letzte Vorstellungen von DIE VÖGEL. Und
damit erstmal Abschied vom Schauspielhaus Zürich.
Für die HORA-Co-Produktion GESELLSCHAFT MIT BESONDERER HINGABE
(GMBH) mit Christoph Marthaler (Premiere
im Mai 2026 am Theater Basel) gibt es im
Labor eine Kennenlern-Woche. Es sind dichte
Tage mit viel Musik, Philosophie und Humor.
Dann geben 8 HORAs zusammen
mit Nele Jahnke und Yanna Rüger einen
Workshop für Schauspiel-Studierende an
der ZHdK. Thema «Null Improvisation: Aus
Nichts etwas Grosses machen».
Im Labor beschäftigen sich die HORASchauspieler*innen mit Füssen, Bällen, Masken und dem Zusammen-Spiel – im Rahmen
von Her Games, dem Zürcher Kulturprogramm zur Frauen-Fussball-EURO 2025.
Abschied von Elena und ‹Brüder›
JULI 2025
Kurz vor der Sommer-Pause beginnen für 5
Ensemble-Mitglieder, die HORA’BAND und
das Regie-Team die Vor-Proben für das kommende HORA- Stück OVERPROTECTED.
Im Labor blufft und improvisiert
HORA‘BAND-Leiter Roli Strobel mit dem
Ensemble «Kammermusik für Fortgeschrittene». Die Präsentation beim Offenen Labor ist zugleich der letzte Auftritt von Elena
Gilbert und Serafin Michel aka ‹Brüder› als
Mitglieder vom HORA-Ensemble: Die bei-
AUGUST 2025
Die neue Saison startet mit zwei neuen
Gesichtern: Janine Hürlimann wird neues
Ensemble-Mitglied. Und im Labor unterstützt ab jetzt Ivan Schwarz die HORASchauspieler*innen in ihrem Arbeitsalltag.
Im Backstein-Proben-Raum in der
Roten Fabrik starten die Proben von OVERPROTECTED in die heisse Phase! Vor allem
das wöchentliche Burlesque-Training mit
Lulu Applecheek zahlt sich langsam aus.
Der erste Labor-Workshop nach den
Sommer-Ferien ist ein toller, schweiss-treibender Tanz-Workshop: Salomé Schneebeli und Björn «Buz» Meier arbeiten mit
den HORA-Schauspieler*innen zum Thema
‹Tempo›.
Yanna Rüger und Caitlin Friedli besuchen Liebi+, eine inklusive Beratungs-Initiative zu Liebe und Sexualität. Sie stellen
dort den Film SCHULE DER LIEBENDEN
vor und geben einen kleinen Workshop.
SEPTEMBER 2025
Labor: Fortsetzung vom Tanz-Workshop
zum Thema ‹Tempo›. Dann kommt Marcel
Bugiel und in 4 Tagen entsteht die neue
Ausgabe vom ‹Magazin im Magazin› (vgl.
S.11–14). Schliesslich beginnt das Ensemble die Arbeit an dem «Eigenregie»-Projekt
ICE-FREUNDE – eine szenische Installation von Andy Böni. Fabienne Villiger
übernimmt die Co-Regie, und Mikki LevyStrasser und Ex-HORA-Zivi Elijah Sallin
unterstützen als künstlerische Mentoren.
Proben und Premiere von OVERPROTECTED – DAS BRITNEY SPEARS PROJEKT! Es folgen 3 weitere ausverkaufte Vorstellungen. Fortsetzung folgt im Dezember.
Und ein letztes Mal SCHULE DER
LIEBENDEN in der Shedhalle Zürich. Mit
schwerem Herzen verabschieden wir uns
von den scheidenden Leiter*innen Thea
Reifler und Phila Bergmann, deren Position nun ein neues Team übernimmt.
OKTOBER 2025
Das Labor präsentiert sich in der Roten
Fabrik: Beim Tag der Offenen Tür dort
zeigt es noch einmal GRIZZY UND DIE
LEMMINGE – DIE 235. EPISODE von
Das Glück liegt im Bett.
Simon Stuber und Remo Beuggert und
die Premiere von ICE-FREU(N)DE! Über
130 Menschen sehen die 3 Vorstellungen.
Es folgt im Labor ein Schreib-Workshop mit Erik Altorfer zur «Storyline des
Lebens im Spiegel der Welt».
Am Theater Basel findet unterdessen die Bauprobe für das MarthalerProjekt statt. Im Anschluss wird in einem
Workshop an Erfindungen für seine Bühne
und Kostüme gearbeitet: mit den Bühnenbildnerinnen von Lex Hymer und der Kostümbildnerin Sophie Reble.
Zusammen mit Studierenden vom
Studiengang «Architecture and Care» (ETH
Zürich) denken die HORAs dann über das
(Zusammen-)Wohnen nach. Zusammen bauen sie Modelle von Häusern und Wohnungen,
in denen sich alle wohlfühlen würden.
Die HORA‘BAND ist der Headliner
beim Soundsyndrom-Festival in der Roten
Fabrik – es ist ihr erstes eigenständiges
Konzert ohne ihre 2024 gestorbene Sängerin Denise Wick-Ross.
Abgeschlossen wird der Labor-Monat mit dem Workshop «Jetzt gehen wir».
Mit der Spazier-Künstlerin Marie-Anne
Lerjen untersuchen die Ensemble-Mitglieder das Gehen in all seinen Facetten.
Die HORA‘BAND in neuer Besetzung
NOVEMBER 2025
Mit unserem liebsten Tanz-Stück SACRE!
fahren wir nach Prag an das «4+4 Days in
Motion»-Festival. So eine weite Reise haben wir schon lange nicht mehr gemacht.
Wir freuen uns sehr!
Im Labor arbeitet der LEONCE &
LENA – HORA TOTAL!-Schauspieler und
-Choreograf Paul Behren mit dem Ensemble zu Bildern, Bewegungen und deren
Wechsel-Wirkungen. Danach kommt der
Dramaturg Bendix Fesefeldt und erforscht
mit den HORA-Schauspieler*innen Wesen
und Geister von Objekten.
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
22
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
A Porta Stiftung, Beisheim Stiftung, Béatrice
Ederer-Weber Stiftung, Elisabeth Weber
Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle
Kultur Kanton Zürich, Förderverein Theater
HORA, Grütli Stiftung, Kulturpark ZürichWest, Landis & Gyr Stiftung, MIGROSKulturprozent, Mondriaan Fund (NL), Pro
Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Rudolf
und Romilda Kägi Stiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis,
Schweizerische Interpretenstiftung, Werner
H. Spross Stiftung und Bäckerei Hürlimann
BENJAMIN MEYER
GASTRONOM, STUDENT
SOZIALE ARBEIT, EHEMALIGER
PRAKTIKANT IM HORA
« … WEIL DIE HORAS DIE GRÖSSTEN SIND!»
MYRIAM GÄMPERLI
AKA LULU APPLECHEEK
KÜNSTLERIN, TÄNZERIN
« …WEIL, WENN IM ANDERSSEIN QUALITÄT
ERKANNT UND GEFÖRDERT WIRD,
DARAUS MAGIE ENTSTEHT.»
LAURA RÄBER
BUCHHALTERIN FÖRDERVEREIN
FRIENDS OF HORA
« … WEIL HORA BEWEGT, BERÜHRT UND
BEEINDRUCKT.»
LENA THOMA
SWISS INCLUSIVE SPORT,
KOORDINATORIN FÜR
INKLUSION IM SPORT
« … WEIL DIE SCHAUSPIELER:INNEN SO
UNGLAUBLICH AUTHENTISCH SIND
UND MAN IHRE LEIDENSCHAFT VON DER
ERSTEN SEKUNDE AN SPÜRT.»
SANDRO LUNIN
THEATER- UND FESTIVALLEITER
« … WEIL HORA SICH ERFRISCHEND
AUF IMMER WIEDER NEUEN PFADEN
BEWEGT!»
PATRICK ILG
CO-LEITUNG MIGROS MUSEUM
FÜR GEGENWARTSKUNST
« … WEIL HORA ZIVILER UNGEHORSAM
BEDEUTET.»
DEN
LIED WERETZEN
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M
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ZEICHEN S
RELL EIN
OF HOR
FRIENDS CH, SOZIAL UND KULTU
ND POLITIS
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Die Werbung für den Förder-Verein wurde gestaltet von Sonja Studer.
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich,
Theater Basel, Konzert und Theater
St. Gallen, Münchner Kammerspiele,
Shedhalle Zürich, Theaterspektakel
Zürich
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte sein kann.
IMPRESSUM
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Mitarbeit
Robin Gilly, Lena Luczak, Adrian Mai,
Gabi Mojzes, Jörg Schwahlen,
Redaktion Magazin-im-Magazin
(vgl. MiM-Impressum S.14),
Stephan Stock
Bilder
HORA’BAND, HORA-Labor, Malí Lazell,
Yanna Rüger
«Als Erstes möchte ich mich für den tollen
Preis, den ich hier halte, bedanken. Ich danke
auch meinem Vater, meiner Mutter, meinem
Koch, Mike und Mike, meiner Ärztin, Max
und Martin, und allen, die es mir ermöglicht haben. Und auch euch möchte ich von
Herzen Danke sagen. Danke, dass ihr mich
unterstützt. Ohne euch wäre ich bestimmt
nicht hier. Und natürlich möchte ich auch
der Band danke sagen. (Stimmung kippt)
Wieso hol ich eigentlich den Preis ab und
nicht mein Vater… Wisst ihr eigentlich, wie
mein Leben aussieht? Seit acht Jahren werde ich von meinem eigenen Vater bevormundet. Ich darf nichts machen. Ich darf nichts
selbst bestimmen. Ich darf nicht entscheiden, was ich esse. Sie sagen, ich sei zu dick.
Wo bitteschön soll man hier noch etwas weg
nehmen? Einmal fragte ich meinen Koch, ob
ich ein Hamburger haben darf. Er sagte: «Tut
mir Leid, ich darf das nicht. Ich musste eine
Verzichtserklärung unterschreiben, dass
ich deinen Vater um Erlaubnis fragen muss.»
Sogar wenn ich aufs Klo gehe, führen sie
ein Protokoll. In meinem Zimmer haben sie
eine Abhörwanze platziert. Und auf meinem
Handy. Warum kriege ich nur Unterstützung,
wenn ich kontrolliert werde?»
Remo Beuggert (Pitch the Dragon) als
Britney in dem Stück OVERPROTECTED
Gestaltung
Susanne Häne-Burri,
Stillhart Schindler, Zürich
Papier und Versandfolie
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
Druck
Mattenbach AG, Winterthur
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
AKTUELLE PRODUKTIONEN UND PROJEKTE VON UND MIT THEATER HORA
KOMMENDE
PREMIERE
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE (GMBH)
7. Mai 2026, Theater Basel
Eine Geschäftsidee von Theater HORA
& Christoph Marthaler
WEITERHIN IM
REPERTOIRE
OVERPROTECTED – DAS BRITNEY
SPEARS PROJEKT (2025)
Ein Musik-Theater-Projekt von Theater HORA,
HORA‘BAND und der Band Pritney Bears
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
HORA’BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über
Roland Strobel (Bandleader): roli.s@gmx.ch
Best oft-CD: MAGIC GOLD ROCK –
HORA‘BAND 2004–2024
zu beziehen über Theater HORA oder über
Tudor (www.tudor.ch)
THE BIG ENSEMBLE (2024)
Eine Zusammen-Arbeit der HORA‘BAND mit
dem Tabula Musica Orchester aus Bern, Brandy
Butler und einem kleinen Streich-Ensemble
LEONCE UND LENA – HORA TOTAL!
(2024)
Eine total inklusive Inszenierung von und mit
dem HORA-Ensemble, dem HORA-Team und
diversen Gast-Künstler*innen
SCHULE DER LIEBENDEN (2023)
Eine geile Show von/mit melanie bonajo, Daniel
Cremer, Yanna Rüger und dem HORA-Ensemble
SACRE! (2023)
Ein Tanz-Stück von Teresa Vitucci und
Annina Machaz
ES WAR KEINMAL ODER DAS MÄRCHEN
VON DER NORMALITÄT (2021)
Ein Familien-Stück von Theater HORA und
Henrike Iglesias
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odysee in die Tiefen des
Universums der Arbeit (Regie: Yanna Rüger,
Stephan Stock, Heta Multanen)
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Film-Remake – live gespielt und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
EXKLUSIV FÜR
VEREINSMITGLIEDER
Mit-Mach-Tag beim Workshop
von Delia Dahinden
Dienstag, 17. März 2026, 13:15–16h
Besuch der zweiten Haupt-Probe
von GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE (GMBH) am Theater Basel
Dienstag, 5. Mai 2026
SAVE THE DATE
Mitgliederversammlung Förder-Verein HORA
am 14. April 2026 im Casinosaal
Anmeldungen und genauere Infos unter:
foerderverein.hora@zueriwerk.ch
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded unter der Live-Regie
von Tiziana Pagliaro
Aus den Augen kommt die Liebe.
-
06/2025 – HORA Magazin Nr. 57
… diesmal mit 16 Seiten Dossier zum inklusiven Zusammen-Arbeiten
NR. 57, JUNI 2025
MAGAZIN
GRATIS
ABONNIEREN
UNTER:
hora.ch/kontakt
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe Leser*innen vom HORA-Magazin,
4
HORA-CHRONIK
Juni 2024 – Mai 2025
So genanntes ‹inklusives Theater›, das
meint normalerweise: Theater-Projekte, in
denen Menschen mit (kognitiver) Beeinträchtigung auf der Bühne gemeinsam mit
nicht-behinderten Schauspiel-Kolleg*innen
agieren. Was aber hinter den Kulissen organisiert und entschieden wird, das ist
auch im inklusiven Theater oft alles andere als inklusiv: Es liegt in der Regel mehr
oder weniger ausschliesslich in den Händen nicht-behinderter Expert*innen. Mit
unserem Mega-Experiment LEONCE UND
LENA – HORA TOTAL! (2024) haben wir
versucht, dies einmal radikal anders anzugehen: Wir haben die Mitglieder des
HORA-Ensembles in sämtliche Phasen,
Teams und Entscheidungen einer TheaterProduktion mit einbezogen, und zwar von
Anfang an. Statt einer nicht-behinderten Regisseurin gab es also ein Regie-Team, statt einer Bühnen-Bildnerin ein Bühnenbild-Team
usw. – und in jedem Team war mindestens
ein Mitglied des HORA-Ensembles, und
hatte die selben Entscheidungs-Befugnisse
wie die nicht-behinderten Expert*innen. So
entstand «EIN SPINNE NETZ AUS VERSCHIDEN PROJEKT VON MENSCHEN
MIT UND ONE BEHINDERUNG HABEN
TEIL ZU HABEN VERSCHIDENE ARBEIT
VORSTELN SO WIE KUNSTFORMEN
ZU FÜREN MIT LOGISCHEN PROBENZEIT GETEILT VERANTWORTUNG
ÜBERLASSEN» (Co-Dramaturg Matthias
Brücker). Die Erfahrungen, die im Laufe dieses Prozesses gemacht wurden, erschienen
uns für jede Form des Zusammen-Arbeitens
so hilfreich und interessant, dass wir uns entschieden haben, ihnen den Grossteil dieser
Magazin-Ausgabe zu widmen. Und dafür
alles, was sonst noch im HORA passiert ist
im vergangenen Jahr, auf ein Minimum zu
reduzieren. Viel Spass bei der Lektüre!
5–20
DOSSIER
30 garantiert erprobte Tricks fürs total
inklusive Zusammen-Arbeiten
(aus dem Projekt LEONCE UND LENA –
HORA TOTAL!)
21
NACHRUFE
Denise Wick-Ross
Peter Keller
22
FÖRDER-VEREIN
23–24
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Ko-Produzent*innen/
Kooperations-Partner*innen
Impressum
Kommende Premieren
Weiterhin im Repertoire
HORA‘BAND-CD
Exklusiv für Mitglieder der
FRIENDS OF HORA
Rede König
ICH MUSS OFT DIE MENSCH DENCKEN
DAS MACH MIR KAPUT
MENSCHEN KANN MIR INS GEHIRN
VLANZEN
JEDE VERTAMTE TAG
KANN NUR DAS DENCHEN
MIEN SOHN KOMMT AU
DAS KANN ICH NICHT GUT SEIN
WAR SEIN
MIENE LIEBE
ODER KANN DAS WARE LIEBE SIEN
DAS KANN MIR NICHT SO ALLES
MIEN KOPF BEHALTEN
IMMER MUSS ICH ALLES DENCKEN
HORZEIT WIE KANN DAS SEIN
WARUM MUSS ICH LAUFEN
ICH BIN MüDE
MIEN LEBEN IST SO SCHWER
ICH BRAUCHE KEINE SITZUNG
WIR BRAUCHE ANWALT.
Matthias Brücker, Team Texte
Yanna Rüger und Marcel Bugiel, Redaktion HORA-Magazin
HORA-CHRONIK
4
HORA-CHRONIK JUNI 2024 – MAI 2025
JUNI 2024
Mit UNTERWASSER WELTEN nach einer
Idee der Ensemble-Mitglieder Tiziana Pagliaro und Andy Böni entwickeln wir in nur
3 Wochen ein Stück für die ganz Kleinen.
Und im Labor improvisiert das Ensemble
unter der Leitung von Choreografin Nicole
Seiler mit der Verschränkung von Körper,
Bewegung und Stimme. Dann beginnt die
Sommer-Pause.
Andy Böni in UNTERWASSER
WELTEN
JULI 2024
Erste Konzept-Woche von KAFI Q, einem
inklusiven Performance-Café am Theaterhaus Gessnerallee. Von und mit HORATheater-Pädagogin Anna Fierz und den
Ensemble-Mitgliedern Caitlin Friedly, Cécile
Creuzburg und Andy Böni.
AUGUST 2024
Nach den Sommerferien begrüssen wir unser
neues Ensemble-Mitglied Jacinto Simões,
lernen Caster*innen der Schweizer FilmSzene und SRF-Mitarbeitende kennen und
erarbeiten im Labor mit der Tänzerin und
Choreografin Valentine Paley «Dadas», die
wir am Ende in einem Offenen Labor zeigen.
SEPTEMBER 2024
Die Proben zum radikal-inklusiven MegaExperiment LEONCE & LENA – HORA
TOTAL! starten in die heisse Phase. Das
Labor wird dafür zur Bühnenbild-, Kostümund Doku-Werkstatt, die hier arbeitenden
Theater-Pädagoginnen mutieren zum Team
Flow. Gleichzeitig verabschieden wir uns
von Co-Labor-Leiter Oliver Roth, der aufbricht zu neuen Herausforderungen.
OKTOBER 2024
Finale Proben-Phase, Premiere und bis
Anfang November weitere 5 Vorstellungen
von LEONCE & LENA – HORA TOTAL!
am Fabriktheater Rote Fabrik – für alle im
HORA das Highlight des Jahres.
NOVEMBER 2024
Frank Häusermann gastiert mit SPACE
DUDES in Basel, Remo Beuggert, Matthias
Brücker und Stephan Stock fahren zu
einem Austausch inklusiver Theater nach
Nancy (F), DIE SCHULE DER LIEBENDEN
reist ans Berliner No Limits Festival, die
HORA’BAND veröffentlicht ihre wahrscheinlich letzte CD und hat in Bern mit Tabula Musica Premiere von THE BIG ENSEMBLE. Im
Labor unterdesen improvisiert das Ensemble
«Rotkäppchen-Variationen» und beginnt mit
der Erarbeitung vom ‹Eigenregie›-Projekt
DIE LEERSTEHENDEN HÄUSER von Frank
Häusermann und Matthias Brücker (Coaching: Nils Amadeus Lange). Dann stirbt
HORA-Urgestein Denise Wick-Ross (vgl. S.21)
– und im HORA steht die Welt still.
DEZEMBER 2024
Ein Harry Schneider taucht auf und wird
neues Mitglied der HORA’BAND. Gianni
Blumer und Fabienne Villiger starten
ihr Gast-Engagement im Kinder-Stück
«Die drei Räuber» am Konzert Theater
St. Gallen. Im Labor arbeiten die Ensemble-Mitglieder mit Autorin Julia Weber zum
auto-fiktionalen Schreiben, lassen Nele
Jahnke, Julia Reichert und Fidel Morf diese Texte inszenieren und entwickeln mit
HORA’BAND-Leiter Roli Strobel eine alternative Weihnachts-Geschichte.
Labor-Workshop zum auto-fiktionalen Schreiben mit Julia Weber
JANUAR 2025
Premieren von «Die drei Räuber» und der
ersten Ausgabe von KAFI Q. Das Labor
beschäftigt sich unterdessen mit Performance-Kunst, sowie unter der Leitung von
Autor und Regisseur Phillip Heule mit melodramatischem Schauspiel. Ausserdem beginnt die Dramaturgin Gabriella Mojzes
als Nachfolgerin von Oliver Roth ihre Arbeit
als Co-Leitung/Kuration im Labor. Gabi ist
Doppelbürgerin (CH-UNG) und dreifache
Mutter. Vom Labor erhofft sie sich Raum und
Möglichkeiten, um Zukunft bildende – solida-
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
rische, inklusive – Strukturen und Arbeitsweisen zu leben und auch für die künstlerische
Praxis zu erproben. Wir freuen uns sehr, dass
sie jetzt Teil vom Team ist!
Neue Co-Leiterin im Labor:
die Dramaturgin Gabi Mojzes
FEBRUAR 2025
Das ‹Eigenregie›-Projekt DIE LEERSTEHENDEN HÄUSER von Frank Häusermann und
Matthias Brücker reist als eine von 8 ausgewählten Inszenierungen zum Premio-Nachwuchs-Wettbewerb nach Lausanne. Dann
leitet Christian Bohdal einen Labor-Workshop zum Thema Ganz-Masken. Gleichzeitig starten Robin Gilly, Simon Stuber, Noha
Badir und Matthias Brücker ihr Gast-Engagement am Schauspielhaus Zürich bei Lilja
Rupprechts Inszenierung von DIE VÖGEL.
MÄRZ 2025
Gastspiel von LEONCE & LENA – HORA
TOTAL! am Konzert Theater St. Gallen. Im
Labor gibt es einen Musik-Workshop mit
dem Griessner Stadl sowie einen KunstWorkshop mit der ehemaligen HORASchauspielerin Sara Hess.
APRIL 2025
Vorstellungen von DIE VÖGEL und DIE DREI
RÄUBER, Frühlings-Ausgabe von Kafi Q an
der Gessnerallee und Beginn der Vor-Proben
für das nächste HORA-Stück: OVERPROTECTED! DAS BRITNEY SPEARS PROJEKT
(AT). Im Labor endet der Workshop von Sara
Hess mit einer Kunst-Auktion, die Musikerin
Sabine Leone arbeitet zum Thema Stimmund Körper-Arbeit und coacht danach
Simon Stuber und Remo Beuggert bei ihrem ‹Eigenregie›-Projekt GRIZZY UND DIE
LEMMINGE – DIE 235. EPISODE.
MAI 2025
Für drei Shows fährt unser sehr besonderes
Tanzstück SACRE! an das «Out of the box»Festival in Genf. Und im Labor gibt es die Premiere vom GRIZZY-Projekt, werden Konzepte
für zukünftige Eigenregie-Projekte entwickelt
und wird an einem Kurzfilm gearbeitet.
DOSSIER
6
7
30 GARANTIERT ERPROBTE
TRICKS* FÜRS TOTAL INKLUSIVE
ZUSAMMEN-ARBEITEN
* aus dem Projekt LEONCE UND LENA – HORA TOTAL! (2024)
TRICK NR. 1: ARBEIT TEILEN
«Ohne die anderen geht es nicht. Wir brauchen die Unterstützung.» (Gianni Blumer, Team Regie)
«Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass ohne
mich nichts passiert. Das fand ich anstrengend, weil ich einen anderen Anspruch an
das Projekt hatte. Ab Mitte des Probenprozesses begann es anders zu werden. Ich
glaube, da habe ich verstanden, dass es
ok ist, wenn mal nichts voran gegangen ist.
Die anderen haben dadurch automatisch
mehr Raum bekommen und ein eigentliches
Zusammen entstand.» (Sophie Reble, Team Kostüme)
«Dass nicht alle Verantwortung sozusagen
bei mir liegt, sondern man auch auf die
Kunst des Kollegen reagiert.» (Nele Jahnke, Team
Regie) «Die Leute in den Assistenz-Funktionen hatten im Kern auch die Aufgabe, die
HORAs in ihren künstlerischen Visionen zu
stärken, damit die mit ihren Partner*innen
gleichziehen. Also Gianni als Co-Regisseur
hat Svenja als seine Regie-Assistentin auch
dazu gebraucht, um mit ihr zusammen
dann gleich schwer auf der Wippe zu sein
wie seine nicht-behinderte Regie-Kollegin
Nele. Und wir als Team Flow haben den
Assistent*innen dafür teilweise Sachen abgenommen, die in anderen Produktionen
eben sie gemacht hätten. Das heisst wir haben sie gestärkt, damit sie die anderen stärken konnten.» (Anna Fierz, Team Flow) «Es macht
nicht nur jeder sein Zeugs für sich allein,
sondern alle geben auch zu dem der anderen was dazu. Damit das am Ende so ein
guter Kuchen wird.» (Svenja Koch, Team Regie-Assistenz)
TRICK NR. 3: BÜNDELN
Im Nachhinein genial finde ich unsere
Setzung, dass Fragen an die Regie-Assistenz nicht einfach zu irgendeiner Zeit kommen können, sondern dass man sie gesammelt um 14:00 Uhr in einen bestimmten
Chat schreiben muss. AMS: Es ging dabei
ums Bündeln. Weil es ist eigentlich nicht
schwierig, sich einmal kurz hinzusetzen und
zu überlegen. Aber für die Assistenz macht
es das Arbeiten viel einfacher. (Anna Fierz und
AF:
Amadea Schütz, Team Flow)
TRICK NR. 4: DRUCK
RAUSNEHMEN
Konzeptionelle Zusammen-Arbeit im Team Kostüme
TRICK NR. 2: AUSHALTEN
«Unterschiedliche künstlerische Handschriften nebeneinander stehen lassen.»
(Laura Knüsel, Team Bühne) «Auch mal Differenzen aushalten, nicht immer gleich nach
einem Kompromiss suchen.» (Nele Jahnke, Team
Regie) «Manchmal streiten mit Matthias.
Über Ideen. Das ist gar nicht schlimm.» (Andy
Böni, Team Kostüme) «Man will ja immer unterstützen, aber manchmal ist das viele Unterstützen-Wollen auch zu viel…» (Anna Fierz,
Team Flow) «Was ich noch lernen muss: Geduld zu haben, wenn ich keine Arbeit habe.
Ich habe Geduld. Nur in Abteilung Warten
habe ich noch keine Geduld. Das kann
man aber lernen. Jeder hat seine SchwachStelle. Also das behaupte ich einfach mal.»
(Remo Beuggert, Team Musik) «DUCHALTEN. UND
NICHT AUFEBEN. DAS. IST. EINE. TEIL.
FON. FRANK» (Robin Gilly über Frank Häusermann, Team
Betriebsbüro/Diffusion)
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
«RUHE ANKOMMEN UND RUHIG ANGEHN. ZUERST AUFRÄUMEN. KOMPUTER. AUFSTARTEN.» (Frank Häusermann, Team Betriebsbüro) «Es kommt wie es muss kommen muss…»
(Robin Gilly, Team Goldenes Buch) «Eigene Überforderung und Unsicherheit transparent machen
und gleichzeitig Stress aus dem Arbeitsprozess nehmen (Auflockerung/Ausgleich in
Stresssituationen).» (Laura Knüsel, Team Bühnenbild)
«Es geht langsam ran an den Speck, aber
ohne Spiegelei.» (Robin Gilly, Team Goldenes Buch)
Ideen-Sammlung zum Thema Fertig sein / werden
TRICK NR. 5: ENTSCHEIDUNGEN
ERLEICHTERN
«‹Entscheidungen› war ein Riesen-Thema.»
(Anna Fierz, Team Flow) «Manchmal hilft es, sich fol-
gende Fragen zu stellen: Muss ich die Entscheidung jetzt treffen? Kann ich noch mal
darüber nachdenken? Möchte ich andere
dazu fragen? Wie wichtig ist mir die Entscheidung?» (Amadea Schütz, Team Flow) «Manchmal kann es auch befreiend sein, bewusst
zu sagen: ‹Also das ist mir jetzt wirklich
nicht so wichtig. Entscheide du!›» (Anna Fierz,
Team Flow) GB schlägt vor: Beides zusammen. NJ:
Ah! Gar kein Entweder-Oder, sondern ein
Sowohl-als-auch… (Gianni Blumer und Nele Jahnke,
beide Team Regie, im Dialog) «Wir versuchen alles,
was geht, zusammen zu entscheiden, aber
manchmal merken wir auch: Man kann
nicht alles zusammen entscheiden. Manchmal braucht man auch Wissen und Erfahrung, um etwas entscheiden zu können –
wovon die eine mehr hat als der andere.»
(Julia Im Obersteg, Team Bühnenbild-Assistenz) «Und dann
gibt es auch die Möglichkeit zu sagen: Wir
haben eine Idee, für die ist unser Team so
Feuer und Flamme, eigentlich möchten wir
das gar nicht zur Entscheidung stellen. Sondern wir würden das gerne einfach setzen.
Und ihr schaut, wie ihr damit umgeht.» (Amadea Schütz, Team Flow) «Fragen zu Entscheidungen
treffen in der Gruppe: Es ist Auch ein Harten Arbeiten.» (Robin Gilly, Team Goldenes Buch)
Nele Jahnke & Gianni Blumer, Team Regie
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
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TRICK NR. 6: EXPERIMENTE WAGEN
«Meine Erwartung ist, dass alle mit einem
sehr offenen Blick in das Projekt hinein
gehen. Was dann rauskommt, sehen wir.»
(Anna Fierz, Team Flow) «Es ist ein anderes Projekt als sonst. Vieles ist neu – das machen
wir dann auch zum ersten Mal.» (Adrian Mai,
Team Betriebsbüro/Diffusion) «Keine abgeschlossenen Lösungen, sondern in Ambiguität und
Such-Bewegung sein.» (Laura Knüsel, Team Bühne)
«Es ist ja auch die ganze Zeit ein Herausfinden – das finde ich auch sehr cool an dem
Projekt. Und weil niemand den MasterPlan hat, ist das eine ziemlich gute ArbeitsGrundlage.» (Svenja Koch, Team Regie-Assistenz)
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«Wir haben
von Anfang an gesagt: Wir wollen künstlerisch gar nicht so fest rein-reden, aber wir
wollen, dass Gianni in dieser Produktion
künstlerisch rein-reden kann.» (Amadea Schütz,
Team Flow) «Das ist mir sehr geblieben: Wie toll
ein Team Flow ist! Und dass das eigentlich
alle Produktionen bräuchten. Dass das eine
schöne Erweiterung von Teams in TheaterProduktionen wäre.» (Nele Jahnke, Team Regie)
(Lotti Happle und Anna Fierz, Team Flow)
Team Flow unterstützt die Regie mit EntscheidungsKarten (v.l.n.r.: Amadea Schütz und Anna Fierz,
Team Flow, mit Gianni Blumer, Team Regie)
Team Betriebsbüro/Diffusion, v.l.n.r. Adrian Mai,,
Frank Häusermann und Jörg Schwalen
TRICK NR. 7: EIN FLOW-TEAM
EINRICHTEN
«Die Aufgabe vom Team Flow war, sicherzustellen, dass die Künstler*innen mit und
ohne Beeinträchtigung auf Augenhöhe
möglichst gleichwertig zusammen arbeiten
können. In Bezug auf künstlerische Mitsprache, aber auch in Bezug auf Verantwortung
tragen.» (Amadea Schütz, Team Flow) NJ: Ihr habt
Werkzeuge erfunden, um den Flow zu halten. FS: Und wir haben moderiert, wenn es
mal nicht geflowt hat. (Fiona Schmid, Team Flow, im
Gespräch mit Nele Jahnke, Team Regie) LH: Wir waren die
Verbinderinnen. AF: Wie so ein Sorgentelefon: ‹Ihr müsstet mal miteinander reden…›
«In dem Flow-Koffer waren Spiel-Karten mit Fragen
und Tipps zur Problem-Lösung und Stress-Bälle
für Entspannungs-Übungen. Wenn es ein Problem
gab, konnte man zum Koffer gehen und auf einem
Spiel-Feld so Pfeilen nachgehen, und herausfinden,
um was für ein Problem es sich handelt – und dann
eine Karte ziehen.» (Lotti Happle, Team Flow) «Vor
allem die Künstler*innen ohne Beeinträchtigung
haben den Flow-Koffer geliebt – selbst wenn sie ihn
vielleicht eher selten genutzt haben. Dass es diesen
Flow-Koffer gab, das war auf einer unbewussten
Ebene trotzdem extrem wichtig. Weil das so die
Spiel-Anlage von dem Projekt versinnlicht hat.»
(Yanna Rüger, Team künstlerische Gesamtleitung
des Projekts) «FLOW KOFFER WIR HABEN DISKUTIERT UND EINE KOMPROMIS FINDE» (Robin
Gilly, Team Goldenes Buch)
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
TRICK NR. 8: GRENZEN
ANERKENNEN
TRICK NR. 9: (SICH SELBER)
GRENZEN SETZEN
«Es gibt auch Punkte, wo wir gemerkt haben: ‹So geht das noch nicht.› Z.B. mussten wir realisieren, dass es im Ensemble
gar nicht sooo viele Leute gibt, die überhaupt Lust haben, an EntscheidungsProzessen mitzuwirken. Wie schwierig es
allein ist, einen Ensemble-Sprecher zu finden. Dass vielleicht doch nicht alle Positionen für alle gehen. Wie schwierig es ist,
die Formen, die wir hier erfunden und für
gut befunden haben, im HORA-Alltag zu
verstetigen. Und nicht zuletzt: wie schwierig es ist, Interessent*innen für Gastspiele
einer solchen Produktion zu finden.» (Yanna
Rüger, Team künstlerische Gesamtleitung des Projekts) «Wir
im Büro arbeiten manchmal sehr schnell.
Und ich merk dann, dass das in diesem
Projekt zu schnell ist. Ich bin zu schnell
für Frank.» (Jörg Schwalen, Team Betriebsbüro/Diffusion &
Produktionsleitung) «Was mir weniger gefallen
hat: dass man bei bestimmten Aufgaben
abgelehnt wird. Zum Beispiel wollte ich
beim Lift dabei sein, und dann hiess es
aber wieder: ‹Nein, du hast keine FahrPrüfung›. Die Theater-Pädagoginnen haben wirklich eine Laus am Kopf. Manchmal sind sie schlau, sie haben immer eine
Meinung dazu.» (Robin Gilly, Team Bühnenbild-Assistenz) «Ich würde lieber immer diese Art von
Projekt machen. Aber zur Realität gehört,
dass wir die Kosten von zwei TheaterProduktionen in dieses eine Projekt stecken mussten, um es überhaupt machen
zu können. Diese Realität führt dazu, dass
die HORA-Schauspieler*innen insgesamt
viel zu wenig in Theater-Produktionen sind.
Und wir im Labor im Gegenzug meist viel
zu viele von ihnen haben, und dabei oft an
unsere Grenzen kommen. Das ist den Leuten meist nicht bewusst: Inklusion kostet.»
«Ich schaff gern. Aber ich geh auch gern wieder heim.» (Nikolai Gralak, Team Regie-Assistenz) «‹Easy
bleiben›, Pausen machen, Arbeits-Pensum
nicht ausufern lassen» (Laura Knüsel, Team Bühne)
«Dass alle Beteiligten nur während der
HORA-Arbeits-Zeiten gearbeitet haben,
fand ich einen sehr wichtigen Aspekt von
diesem Projekt. Oft denke ich, ich müsste
mich abends nochmal hinsetzen und weitermachen und noch etwas herausfinden.
Aber jeweils um 5 aufzuhören und dann
auch wirklich aufzuhören: das hat so gut getan.» (Sophie Reble, Team Kostüme) «Ich packe meinen
Koffer. Hinein kommt nichts. Ich mache ihn
trotzdem zu.» (Elena Gilbert und Oliver Roth, Team Texte)
(Fiona Schmid, Team Flow)
Kostüm-Entwürfe von Andy Böni
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TRICK NR. 10: HUMOR
BEWAHREN
«Wie immer auch: dass es viel Humor
braucht.» (Nele Jahnke, Team Regie) «Die Erinnerung daran, dass ein guter Witz (fast) alles
retten kann…» (Paul Behren, Team Spiel)
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das zu versuchen, dazu braucht es auch
erstmal eine Lust. Auch dafür war das Spielerische von dem Projekt sehr hilfreich: damit diese Lust, seinen Job neu zu denken,
überhaupt möglich wurde.» (Anna Fierz, Team Flow)
TRICK NR. 11: JA SAGEN
«Ich wollte ja eigentlich ins Team Schauspiel. Stattdessen mache ich jetzt mit Hänsu die Musik. Da es nicht meine WunschAbteilung ist, fällt es mir schwerer als sonst.
Aber ich lerne auch sehr viel dabei. Das ist
auch was wert. Man kann sagen: Es macht
mir unerwartet Spass. Ich mache das Beste draus.» (Remo Beuggert, Team Musik) «Für die Entspannung haben wir ja Elena vom Team
Oase auf die Leute losgelassen. Sie hat
Stunden-Pläne gemacht und die Leute angesprochen: Nicht: ‹Willst du eine Entspannung?›, sondern ‹Wann willst du…?› Und
letztendlich haben das auch alle mega
geschätzt. Und wenns nur ein Spaziergang
war.» (Amadea Schütz, Team Flow) «DAS SCHTÜK
FON LEONCE UND LENA IST FÜR MICH
NICHT EIN LIBLINGS SCHTÜCK ABER
BIN EIN DEIL DAFON DER ARBEIT IST
NOCH OKY» (Robin Gilly, Teams Goldenes Buch und Bühnenbild-Assistenz)
TRICK NR. 12: SEINEN JOB
NEU DENKEN
«Wichtig war: die externen Künstler*
innen, die Regie, Bühnenbild, Kostüm, Musik, … beruflich gemacht haben, sollten Lust
bekommen, ihren Job noch einmal neu zu
denken. Sich noch einmal überlegen, wie
sie denn jetzt arbeiten und was sie vielleicht
auch verändern wollen. Denn hier war ja
eine andere Form von Regie, von Bühnenbild-Entwicklung, von … gefragt. Und um
TRICK NR. 14: KOMPLIZ*INNEN
WERDEN
Macht ihr alles zusammen die ganze
Zeit? NB: Ja. StSt: Okay. (Noha Badir, Team Bühne, im
Interview mit Stephan Stock, Team Dokumentation) «Das
gemeinsame Eintunen durch das Aufwärmen vor den Vorstellungen» (Paul Behren, Team
Spiel) «Die Zusammenarbeit mit Frank und
Jacinto hat sich so sehr auf Augenhöhe angefühlt wie fast noch nie bei mir. Auch, weil
wir alle drei vorher echt nicht so gut waren
im Filmen, und deswegen quasi zusammen
lernen mussten wie’s geht.» (Stephan Stock, Team
StSt:
Dokumentation)
Noha Badir: Grafik zur Frage: ‹Wie entsteht ein Bühnenbild?›
Fabienne Villiger, Team Spiel, mit Rollen-Profil
TRICK NR. 13: (ZUGÄNGLICHER)
KOMMUNIZIEREN
Team Dokumentation bei der Schreibtisch-Arbeit,
v.l.n.r.: Frank Häusermann, Stephan Stock, Jacinto
Simões
«Es ist immer eine Challenge, zusammen
zu schaffen. Unser Vorteil ist: Musik ist eine
Sprache, mit der man auch ohne Sprache
kommunizieren kann. Man kann einfach
zuhören – und aufeinander reagieren.»
(Hans-Jakob ‹Hänsu› Mühlethaler, Team Musik)
Team Musik bei der Arbeit
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
«LIV ZEIGT. ANDY WIE MAN NÄHT ANDY IST
GANZ VERTIEFT IN DIE ARBEIT ANDY IST GERAE DA RAN EIN KOSTÜM ZU NÄHEN FÜR
LEONCE UND LENA. ANDY HAT WIRKLICH
SEHR GROSSE FREUDE DA RAN ZU ARBEITEN MIT DEM KOSTÜM ANDY HAT NICHT
NUR KOSTÜME GENÄHT SONDERN AUCH
GEZEICHNET. UND PRÄSENTIEET. ANDY HATE
ES SEHR GROSSEN SPASS GEMACH BEI DER
KOSTÜM GRUPPE ARBEITEN ZU DÜRFEN»
(Simon Stuber, Team Goldenes Buch, über Andy
Böni und Liv Senn, Team Kostüme)
TRICK NR. 15: (VONEINANDER)
LERNEN
«Bar geschafft habe ich. Erstes Mal. Verschiedene Flaschen gelernt.» (Andy Böni, Team
Bar-Betrieb während der Aufführungen) «ich haBe Gelernt das ein regieassistent ähnlich viel arbeit hat wie der hauPtRegisseuR und wenn
rundum VIel LärM ist DANN braucht es vieL
Nerven» (Nikolai Gralak, Team Regie-Assistenz) «ICH
HABE ROBIN BESSER KENEN GELERNT
ALS ICH DAS BUCH MIT IHM ZUSAMMEN GEMACHT HABE» (Simon Stuber, Team Goldenes Buch) «Einmal konnte ich beobachten,
wie Hänsu vom Looper aus einen Song
rückwärts laufen liess. Als Nele dann etwas
zum Thema Mondschein haben wollte, hab
ich die Mondschein-Sonate von Beethoven
geloopt und auch rückwärts laufen lassen – daran hatte ich eine Scheiss-Freude
(sorry für den Ausdruck). Dieser Song war
dann sofort gekauft.» (Remo Beuggert, Team Musik)
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
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«Mir ist sehr geblieben, mit welchem SelbstBewusstsein und Stolz Andy Böni unsere
Entwürfe und Ideen vorgestellt hat. Die Art,
wie er das gemacht hat, möchte ich für
mich mitnehmen.» (Sophie Reble, Team Kostüme)
«Bewusstsein für Unklarheit der Sprache,
mit der ich sozialisiert wurde» (Laura Knüsel, Team
Bühnenbild) «Ich habe gerlrnt köper zeichnen
rolle leonce / Und bewegung er ist lageweile und müde» (Fabienne Villiger, Team Spiel)
TRICK NR. 16: LOSLASSEN
Manchmal denke ich, dass ich zu viel
festhalten oder kontrollieren will. FH: Aufhören! YR: Das versuch ich in dem Projekt:
Dass ich mehr loslasse. Dass ich auch
Sachen, die nicht so nach meinem Geschmack sind, laufen lasse. (Yanna Rüger, Team
YR:
Dramaturgie & Frank Häusermann, Team Doku)
TRICK NR. 17: NACH DEM LUSTPRINZIP ARBEITEN
«Wir konnten ab einem Punkt extrem gut
zusammen Entscheidungen treffen. Auch
sehr schnell. Weil wir sehr fest nach einem
Lust-Prinzip gearbeitet haben. Es entstanden wahnsinnig schnell ganz viele Dinge.
Und sie wurden mit einer grossen Leichtigkeit gesetzt und nicht mehr hinterfragt.»
(Sophie Reble, Team Kostüme) «Das Lustige am Transport-Team ist gewesen: wir hatten Disko,
auch ohne Snacks. Dafür hatten wir einfach
Spass im Auto. Wir haben manchmal dumme Sprüche gemacht. Laura ist im Auto
abgetanzt. Ich habe auch mitgemacht. Dafür habe ich meine 1 Liter Multi-VitaminSaft getrunken. Dann waren wir im Firma
angekommen.» (Robin Gilly, Team Bühnenbild-Assistenz)
«Was ist (in den 5 Monaten seitdem) geblieben von dem Projekt? U.a.: Die schönen
Erinnerungen an die sehr gute Zeit, die ich
mit den HORAs hatte. Sehnsucht auf ein
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Wiedersehen. Die schönen Erinnerungen an
die vielen Kuscheleinheiten zwischendrin.
Das starke Vermissen der überherzlichen
Begrüssung am Morgen.» (Paul Behren, Team Spiel)
TRICK NR. 18: MACHT-FRAGEN
STELLEN
«Grössere Sensibilität für Macht-Gefälle
und Hierarchien» (Laura Knüsel, Team Bühnenbild) «Es
ist nicht möglich, auch nur versuchsweise auf
Augenhöhe zu arbeiten, wenn am Ende die
zentralen Entscheidungen eben doch bei
der Regie liegen. Und die Regie Vorschläge
einfach so abschmettern kann – nicht böswillig, sondern einfach, weil die Strukturen
so sind.» (Amadea Schütz, Team Flow) «Führungart
wie 1. Autoritärer Fr 2. Charismatischer Fr
3. Kooperativer Fr 4. Demokratischer Fr 5.
Laisez-faire Fr» (Jacinto Simões, Team Dokumentation)
«Macht und Kontrolle sind wie ein Duo,
an dem die meisten Leute auch aus Angst
festhalten. Da loszulassen geht erstmal nur
spielerisch.» (Amadea Schütz, Team Flow) «Das fand
ich auch interessant: dass Macht abgeben
auch heisst, dass man darauf vertrauen
muss, dass die anderen Leute das dann
gut ausfüllen. Es geht beim Macht abgeben
also auch um Vertrauen.» (Yanna Rüger und Amadea
Schütz, Team künstlerische Leitung des Projekts)
Yanna Rüger & Matthias Brücker, Team Dramaturgie
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
TRICK NR. 19: MIT-REDEN
ODER SCHWEIGEN NACH DEM
STUFEN-SYSTEM
«Wer redet jetzt grad mit und wer nicht?
Die Frage hat sich in Bezug auf inklusives
Zusammen-Arbeiten immer wieder gestellt.
Und wir haben dann das so genannte Stufen-System eingeführt, bei dem Gianni als
Co-Regisseur jeweils entscheiden konnte,
wessen Meinung er gerade hören wollte und
wessen nicht. Dafür haben wir bei den Besprechungen die Leute auf drei verschiedene Sitzreihen aufgeteilt: In der ersten Reihe
sassen die, die aktiv mitreden durften. Die
Leute in der zweiten Reihe konnte er fragen
bei Bedarf – aber die durften nicht von sich
aus mitreden. Und die in der hinteren Reihe mussten einfach mal die Klappe halten.
Und ich hatte das Gefühl, das war für ihn
sehr cool.» (Anna Fierz, Team Flow)
TRICK NR. 20: NACHHALTIGKEIT
ANSTREBEN
«Ein Projekt wie dieses war nur möglich durch
unsere jahrelange Vor-Arbeit – durch unser
Langzeit-Projekt FREIE REPUBLIK HORA
(2013–2019), dann durch das Labor, wo die
Ensemble-Mitglieder auch danach immer
wieder eigene Projekte konzipiert und realisiert haben…» (Fiona Schmid, Team Flow) StSt: Hast
du schon mal mit Laura gearbeitet? NB: Nein,
das erste Mal. StSt: Und hast du vorher schon
mal ein Bühnenbild gemacht? NB: Ja, hab
ich. (Noha Badir, Team Bühne, im Interview mit Stephan Stock)
«LEONCE UND LENA ist inzwischen ein halbes Jahr her, doch man merkt den HORAs
ihre Arbeit in diesem Projekt immer noch an:
Sie arbeiten selbstverständlicher mit, sie sind
viel selbständiger, mehr von ihnen reden jetzt
einfach mit, sie haben ein anderes GruppenGefühl und mehr Geduld miteinander… Das
war so viel Arbeit, aber das war auch sehr
nachhaltig. Allerdings muss man da jetzt
auch dranbleiben. Weil sonst verschwinden
diese Effekte nach und nach auch wieder,
sonst geht das wahrscheinlich auch wieder
verloren.» (Fiona Schmid, Team Flow)
Oase-Session mit Elena Gilbert (oben). «Ich habe
sehr viel Vertrauen und in jeder Menschen und es
gibt sehr viel wäme um das Herz umgibt kenn, weil sie
haben sehr viel wunderschöne und wunderbaren Geborgenheit und des inneren des sees der Träume und
in den Gedanken. Ich habe einen grossen Plan gemacht und auch noch organisieren mit Lotti Happle
und dazu gestalten, Malen, Zeichnung, Schreiben,
zusammen arbeit, freien Wahl, mit bnten Farben gemaant, und es ist sehr Lustig gewesen. wir haben sehr
viele sachen gemacht zum Beispiel: Ich haben sehr
vielen Menschen massiert und mit den Stachelbälen,
Pinzeln, Händ, mit schönen ruhgien panflötemusik
und Ich habe mit Amadea einen Ausbildung gemacht mit Bällen und mit Helene, Ich habe sehr viel
vorbereiten und Ich habe sehr viel geleuten und nach
draussen bei den wunder schöne die sonnen und
Ich habe zwei mal eingekauft, Ich haben wunderbaren cocktail gemacht und dazu einen gesunden
snack gemacht und auch noch vorbereiten mit Lotti
Happle gemacht hast. wir haben sehr vielen Pausen
gemacht hast und zum Nachdenken weil wieder sehr
vielen Ideen zu haben kann und zu einen auszeiten
zu nutzen kenn und sehr viel schlafen Zeit nehmen
kann und Ich brauchen sehr viel Ruhe und Zeit haben
kann, ind Ich brauchen sehr guten nerven zu haben
kann. Ende.» (Elena Gilbert, Team Oase)
TRICK NR. 21: FÜR OASEN SORGEN
«Team Oase, das ist: Du kannst hinein und
erleben sich ein frische Früchte und Säfte. Das ist ein Augen-Schmauss. Du kannst
eine gesundes Sachen ernähren. Beispiel
bei Früchten: Müsli, Humus und Zwetsch-
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
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gen, Rübli. Und ganz viel Liebe im Detail
bei Oase. Und es wird Massage mit ein
Ball – es wird Entspannung. Ein Gefühl
auch bei Oase – ein entspanntes, gesundes Paradies.» (Matthias Brücker, Team Dramaturgie)
TRICK NR. 22: PRAGMATISCH
BLEIBEN
«Wie ist das Buch entstanden? Auf
Deutsch gesagt: Das Buch haben wir gekauft mit dem Herrn Stephan Stock zusammen. Es war schwarz, da haben wir es
umgeändert auf Gold auf Schwarz.» (Robin
Gilly, Team Goldenes Buch)
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TRICK NR. 24: SHARINGS
ORGANISIEREN
«Sharing hiess: Die Teams zeigen sich in regelmässigen Abständen, woran sie arbeiten
– und zwar allen.» (Amadea Schütz, Team Flow) «Das
Zeigen vom aktuellen Arbeits-Stand hat uns
auch gegenseitig inspiriert. Da wurden auch
Sachen gezeigt wie: Ich bin mit dem Zivi einen Tag lang rumgefahren und hab Schrott
geholt! Und alle haben gejubelt und gesagt:
‹Wie geil seid ihr, dass ihr das gemacht
habt!› Damit ist auch sichtbar geworden,
was eigentlich so alles gemacht wird in so einer Produktion.» (Anna Fierz, Team Flow) «Ein wichtiger Dreh war, dass die Gruppe, die etwas
präsentiert, eine Frage stellt: Was wollen sie
wissen von denen, die zuschauen? Damit
nicht nur unnötiges Feedback kommt. Sondern es konstruktiv wird und etwas am Knochen hat. Denn die Gruppe sollte ja etwas
davon haben.» (Amadea Schütz, Team Flow)
Doppelseite aus dem ‹Goldenen Buch› von Robin Gilly und
Simon Stuber zum Thema Kostüme. PDF des vollständigen Buchs
unter https://hora.ch/wp-content/uploads/2024/10/Dasgemeinsame-goldene-Arbeitsbuch.pdf (s.a. S.19)
Im Unterschied zu den Sharings (vgl.
Trick Nr. 24), wo alle zusammen gekommen sind, waren ‹Schleusen› Verabredungen zwischen zwei oder drei Teams. AF:
Aber das Besondere war: Es gab einen
Zeitraum, in dem alle Zeit für eventuelle
Schleusen haben mussten. AMS: So mussten wir nie einen Termin suchen. AF: Das
war wirklich cool und schlau. (Amadea Schütz
und Anna Fierz, Team Flow)
Cécile Creuzburg, Team Spiel: Handabdruck mit
Tüpfeli; Quadrat in Fuß, Rundumli, Viereck, Strichli
Strichli, Dreieck und dazu gehörende Spiel-Figuren.
Die Erläuterungen der Künstlerin dazu im Interview:
«Das ist ja Muster.» Ob sie beim Spielen in LEONCE
UND LENA auch Muster mache? «Ja da mach ich
auch Thema Muster. Also in Bewegung, ja.»
TRICK NR. 26: (UM)STRUKTURIEREN
«Wenn die Struktur gut vernetzt und gedacht ist, dann fällt viel weniger KleinScheiss an.» (Amadea Schütz, Team Flow) «Wie ist die
Arbeits-Klima?» (Frank Häusermann, Team Dokumentation)
«Es braucht eine Struktur, die überhaupt
möglich macht zu sagen: ‹Wir gehen jetzt
zusammen zum Töpfern…› Weil wenn Stress
ist, dann sagt die schnellere Person eben
leicht: ‹Ach, das töpfere ich besser kurz alleine…›» (Anna Fierz, Team Flow) «Ich würde das,
was Team Flow in diesem Projekt gemacht
hat, als Struktur-Kunst bezeichnen.» (Curdin
Casutt, Gesamtleitung Theater HORA) «Rahmen schaffen, der Halt gibt, der aber nicht so eng ist,
dass er Passivität befördert.» ( Laura Knüsel, Team
Bühne) «Unser Koproduktions-Partner Fabriktheater hat uns mit einer frühen technischen Einrichtung und so verlängerten
Bühnen-Zeiten ermöglicht, die HORAEnsemblemitglieder auch bei Aufgaben wie
Aufbau, Licht-Design und Ton-Setup mitzunehmen.» (Abschlussbericht) «Der Produktionszeitraum war in diesem Projekt einfach
doppelt so lang wie sonst in Produktionen
üblich. Dieses Mehr an Zeit und Aufwand
hat es extrem gebraucht – um das Spiel so
spielen zu können, wie wir es spielen wollten.»
(Yanna Rüger, Team Dramaturgie)
TRICK NR. 23:
SCHLEUSEN-ZEITEN
FREIHALTEN
AMS:
Arbeit zwangsläufig um Leben und Tod gehen muss. Es hat eine total schöne Atmosphäre geschaffen, die viel mehr dazu eingeladen hat, Sachen auszuprobieren und neu
zu machen.» (Yanna Rüger, Team Dramaturgie) «Spielerisch wurden Ideen in den Raum geworfen,
und auf die wurde wieder reagiert – und so
entstanden noch mal ganz eigene Formen
der Produktion.» (Nele Jahnke, Team Regie) «Weil’s
ein Spiel gewesen ist, fiel es etwas leichter,
Macht und Kontrolle abzugeben, war die
Möglichkeit des Scheiterns etwas weniger
gefährlich.» (Amadea Schütz, Team Flow)
Bühnenbild-Besprechung mit Regie-Team und
Dramaturgie, v.l.n.r.: Matthias Brücker, Laura Knüsel,
Noha Badir, Gianni Blumer, Nele Jahnke
TRICK NR. 27: DIE TO-DO-LISTE
OFFENLEGEN
TRICK NR. 25: SPIELEN
«Es gab einen Ort, an dem ein grosses
Blatt Papier hing mit offenen To-Dos. Da
standen Sachen drauf wie ‹Klebband kaufen›. Und egal wer konnte dieses To-Do erledigen – z.B., weil man im eigenen Team gerade Leerlauf hatte, oder warten musste.»
AS: «Durch diese Liste war die Aufgabe nicht
mehr nur bei einer bestimmten Person, die
das nach 17:00 Uhr noch machen muss.»
«Der vielleicht grösste Coup von Team Flow
bestand darin, der Produktion so etwas wie
einen Game-Charakter zu geben: mit SpielRegeln und Spiel-Karten und so weiter. Dieses Spielerische hat sich dann als Grund-Ton
durch die gesamte Produktion gezogen. Es
hat auf angenehme Weise diese Vorstellung
untergraben, dass es in der schöpferischen
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
YR:
(Amadea Schütz, Team Flow, im Gespräch mit Yanna Rüger)
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
18
TRICK NR. 28: MEHR UTOPIE WAGEN
«Es gab den Moment, wo alle sich erstmal
wünschen konnten: Was brauchen wir, um
gut eine Produktion zu machen? Daraus ist
dann zum Beispiel das Team Oase entstanden, da gabs immer Massage…» (Nele Jahnke,
Team Regie) «Das ganze Projekt ist eigentlich
auch ein Plädoyer dafür, diesen Posten eines
Team Flow zu investieren in Produktionen.
Diese Art von Struktur-Arbeit ernst zu nehmen, und als durchaus auch künstlerisch/
gestalterisch anzuerkennen.» (Yanna Rüger, Team
Dramaturgie) «Ich hab gelernt, wie entspannend
Co-Regie auch sein kann. Dass das für mich
als Künstler*in auf jeden Fall auch ein Modell der Zukunft ist.» (Nele Jahnke, Team Regie) RG:
Was brauchst du? EG: Verschiedene Arten
von Gefühl. Glücklich. Zufriedenheit. FS: Ich
brauch immer wieder Zeit zum Nachdenken.
Dann brauche ich andere Meinungen. Und
immer wieder Ruhe. Und dass man sich gegenseitig Energie gibt. Und Vertrauen brauch
ich viel. Und noch viel mehr, glaub ich. (Elena
Gilbert, Team Oase, und Fiona Schmid, Team Flow, im Interview mit
Robin Gilly, Team Dokumentation)
TRICK NR. 29: (ZUSAMMEN)
VERSCHIEDEN SEIN
«Unterschiedliche künstlerische Handschriften nebeneinander stehen lassen.» (Laura Knüsel,
Team Bühne) «Laura Ferikeit ist underzeitdruk.»
(Robin Gilly, Team Bühnenbild-Assistenz) «Matthias hat einen sehr sturen Kopf. Aber das heisst bei ihm
auch: Er brennt für die Sache.» (Yanna Rüger, Team
Dramaturgie) «Ich finds auch cool, dass die beiden Regisseur*innen so verschieden sind. Gianni ist eigentlich viel genauer (der ist immer
schon am Polieren), während Nele die Szene
erstmal so grob anlegen will.» (Svenja Koch, Team
Regie-Assistenz) «Ich glaub, ich bin immer ein bisschen schnell. Das ist manchmal auch zu viel
für Leute, ich weiss.» (Nele Jahnke, Team Regie) «Was
19
HORA so einzigartig machen kann, ist ja gerade, dass die Ensemble-Mitglieder gleichzeitig auch so interessante Texter*innen,
Bühnenbildner*innen, Regisseur*innen, …
sein können. Und in ein Projekt Eigenheiten
bringen können, die fehlen, wenn sie ‹nur› als
Schauspieler*innen eingesetzt werden. Klar,
sie haben ihren Spass auch in Projekten,
wo ausser beim Spielen eher nicht inklusiv
gearbeitet wird. Aber die interessantesten
HORA-Projekte sind für mich einfach die,
wo sie auch auf anderen Ebenen die Ästhetik mitbestimmen.» (Fiona Schmid, Team Flow)
LEONCE & LENA – HORA TOTAL!
Von und mit Team Regie: Nele Jahnke,
Gianni Blumer Team Bühne: Laura Knüsel,
Noha Badir Team Kostüme: Andy Böni, Sophie Reble, Matthias Grandjean Team Musik: Hans-Jakob Mühlethaler, Remo Beuggert Team Spiel: Paul Behren, Fabienne
Villiger, Lucas Maurer, Tiziana Pagliaro,
Caitlin Friedly, Cécile Creuzburg Team
Texte: Simon Stuber, Elena Gilbert,
Matthias Brücker, Oliver Roth Team Dramaturgie: Yanna Rüger, Matthias Brücker
Theater-Pädagogik / Team Flow: Fiona
Schmid, Anna Fierz, Amadea Schütz, Lotti
Happle Team Regie-Assistenz: Svenja
Koch, Nikolai Gralak Team BühnenbildAssistenz: Julia Im Obersteg, Robin Gilly
Team Kostüm-Assistenz: Elena Gilbert,
Liv Senn Choreographische Beratung:
Paul Behren Team Oase: Elena Gilbert,
Fiona Schmid, Lotti Happle, Helene Bott
Körper-Training: Simon Stuber Team Betriebsbüro/Diffusion: Adrian T. Mai, Frank
Häusermann, Jörg Schwahlen Technische
Leitung: Micha Bietenhader Team Konzept:
Amadea Schütz, Nele Jahnke, Yanna Rüger
Team künstlerische Gesamt-Leitung des
Projekts: Amadea Schütz, Yanna Rüger
Produktions-Leitung: Jörg Schwahlen Team
Dokumentation: Jacinto Simões, Stephan
Stock, Frank Häusermann Team Goldenes
Buch: Simon Stuber, Robin Gilly Praktikum: Helene Bott Zivil-Dienst: Tim Huber
Gesamt-Leitung Theater HORA: Curdin
Casutt Recherche-Phasen: 22.–26.5.23,
4.–8.3.24, 1.–12.4.24, 3.–8.6.24 ProbenZeitraum: 9.9.–24.10.24 Premiere: 25.10.24
TRICK NR. 30: DIE ZEIT SPÜREN.
UND NEHMEN. UND
GEBEN. WIE IM SOMMER
«Man braucht genug Zeit. Genug Zeit, dass
es keinen Stress gibt.» (Svenja Koch, Team Regie-Assistenz) «Ein Grund, warum wir uns manchmal
neue Spiel-Regeln ausgedacht haben, war
auch: um bestimmte Prozesse zu verlangsamen. Weil sie nur so überhaupt noch einmal
hinterfragt wurden.» (Amadea Schütz, Team Flow) «Die
Bevölkerung wird auf Zeitreise geschickt am
Ende. Und plötzlich ist alles klar. Dass die Zeit
wichtiger ist als Arbeiten. Es gibt das Sonnensystem. Das heisst die Sonne ist wie die
Zeit. Sie kommt am morgen am Abend wirds
dunkel. Das heisst die Zeit geniessen. Die Zeit
ist da drin im Herzen. Die Zeit spüren. Und
nehmen. Und geben. Wie im Sommer. Alles
fallen lassen. Und geniessen. Wie ein Stück
Kuchen.» (Matthias Brücker, Team Dramaturgie)
Matthias Grandjean und Sophie, Team Kostüme
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
im Fabriktheater Rote Fabrik Zürich Weitere
Vorstellungen: 27./29.10. und 1./2./3.11.24,
sowie am 13. und 14.03.25 am Theater
St. Gallen. Rahmen-Programm im Fabriktheater: Ausstellung und anschliessendes
Publikums-Gespräch mit wechselnden
Gesprächs-Partner*innen. Schwerpunkte:
Regie / Regie-Assistenz (25.10.), Bühnenbild /
Bühnenbild-Assistenz / Buch (27.10.), Doku /
Flow (29.10.), Musik / Oase (1.11.), Dramaturgie / Text / Büro / Körpertraining (2.11.), Kostüm / Kostüm-Assistenz / Schauspiel (3.11.)
Die Doku-Filme
zu den einzelnen Teams
auf youtube
Das Goldene Buch
von Robin Gilly
und Simon Stuber als pdf
NACHRUFE
21
ABSCHIED VON DENISE WICK-ROSS
UND PETER KELLER
Oktober 2024: Die CD zum 20sten Geburtstag der HORA‘BAND war frisch aus dem
Presswerk gekommen, die dazu gehörende Sonder-Ausgabe des HORA-Magazins
noch nicht in den Briefkästen, und die Premiere von THE BIG ENSEMBLE, dem Projekt der Band mit Tabula Musica, gerade
verklungen, da erreichte uns die Nachricht,
dass Denise Wick Ross, HORA-Urgestein,
Gründungs-Mitglied, Sängerin und Grande
Dame der HORA‘BAND auf der IntensivStation des Spital Triemli in Zürich gestorben war. Auf diesem unruhigen Planeten
Erde hatte Denise Wick Ross eine einsame
Insel bewohnt. Auf der es ihr jedoch gelungen war, eine Art Sende-Turm zu errichten,
um von dort aus ihre ur-eigenen Signale in
die Welt hinaus zu senden. Der Zufall (oder
eben auch nicht der Zufall) hatte es gewollt,
dass auf dieser Insel immer wieder schiffbrüchige Musiker*innen angespült worden
waren. Sie hatten Denises leisen Gesang
gehört und ihren geheimnisvollen Worten
gelauscht und zusammen mit ihr eine Band
gebildet, in der Denise das sein durfte, was
sie war: einzigartig. Auf ihre ganz eigene Art.
So wie wir alle. Danke! Thank you, Denise!
Danke dafür, dass es Dich gab, und dass Du
genau dort warst, wo Du eben warst.
Er hat das HORA so massgeblich geprägt
wie kaum ein anderer: Peter Keller. In seiner
Zeit im Ensemble war er Darsteller zahlreicher Ausnahme-Erscheinungen, und war
dabei doch vor allem selber eine: ein
wirklicher Verwandlungs-Künstler und ein
Vorbild an Menschlichkeit, Meister der unbekümmerten Schwerelosigkeit, TheaterKumpel und Blues-Bruder. Vor allem aber
war er der unangefochtene Grossmeister
der Null-Improvisation, wie sie in DIE LUST
AM SCHEITERN (2000) praktiziert wurde –
ein Stück, das ohne ihn vielleicht nicht
einmal erfunden worden wäre. Zuletzt zog
er das Publikum weltweit als heimlicher
Haupt-Darsteller von Jérôme Bels Ensemble-Stück DISABLED THEATER (2012) in
seinen Bann. 2014 kehrte er dem Theater
den Rücken, kurze Zeit darauf ging er ganz
in Rente. In den letzten Lebens-Jahren wurde sein Radius immer kleiner. Im Oktober
2024 hat er im Alter von 67 Jahren seine
letzte Reise angetreten.
HORA-Magazin Nr. 57, Juni 2025
22
DANK
Unterstützer*innen Theater HORA
A Porta Stiftung, Beisheim Stiftung, Béatrice
Ederer-Weber Stiftung, Elisabeth Weber
Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle
Kultur Kanton Zürich, Förderverein Theater
HORA, Grütli Stiftung, Kulturpark ZürichWest, Landis & Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent, Mondriaan Fund (NL), Pro
Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Rudolf
und Romilda Kägi Stiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis,
Schweizerische Interpretenstiftung, Werner
H. Spross Stiftung und Bäckerei Hürlimann
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich, Konzert
und Theater St. Gallen, Münchner Kammerspiele, Shedhalle Zürich, Salzburger Festspiele, Schauspielhaus Zürich, Theaterspektakel Zürich, Festival ZÜRICH TANZT
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein weiterhin ein wichtiger Unterstützer
für die HORA-Projekte sein kann.
IMPRESSUM
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Mitarbeit
HORA-Ensemble, Amadea Schütz, Noah
Beeler, Helene Bott, Lotti Happle, Tim
Huber, Fiona Schmid, Roli Strobel, Curdin
Casutt, Adrian Mai & Jörg Schwahlen
Bilder
Malí Lazell (Aufführungsfotos LEONCE UND
LENA und Porträts Gabi Mojzes (S.4)
und Denise Wick-Ross (S.21)), Robin Gilly
(Umschlag-Gestaltung Dossier (S.5+21)),
Denis Darzaq (Porträt Peter Keller (S.21)),
HORA-Team (S.4, 6, 7, 8, 10, 11, 14, 15, 16)
und HORA-Ensemble (S.9, 10, 16, 17, 19)
Gestaltung HORA-Magazin
Susanne Häne-Burri,
Stillhart Schindler, Zürich
Papier und Versandfolie
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
Druck
Mattenbach AG, Winterthur
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
Die Werbung für den Förder-Verein wurde in
dieser Ausgabe exklusiv gestaltet von den
Ensemble-Mitgliedern Caitlin Friedly, Nikolai
Gralak und Simon Stuber (ursprünglicher
Entwurf: Sonja Studer)
KOMMENDE
PREMIEREN
OVERPROTECTED – DAS BRITNEY
SPEARS PROJEKT, Premiere am 24.9.2025
im Fabriktheater der Roten Fabrik.
GESELLSCHAFT MIT BESONDERER
HINGABE (GMBH) – EINE GESCHÄFTSIDEE VON THEATER HORA &
CHRISTOPH MARTHALER, Premiere
am 7.5.2026 am Theater Basel.
WEITERHIN IM
REPERTOIRE
DIE VÖGEL (2025), THE BIG ENSEMBLE
(2024), LEONCE UND LENA – HORA
TOTAL! (2024), DINO LOVE (2024),
SCHULE DER LIEBENDEN (2023), DER
KAUKASISCHE KREIDEKREIS (2023),
SACRE! (2023), ES WAR KEINMAL ODER
DAS MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT (2021), PLANET HORA – DER FILM
(2021), KONTAKTKILLER (2018), RANDEN
SAFT HORROR (2016)
BEST-OF-CD
MAGIC GOLD ROCK – HORA‘BAND
2004–2024, zu beziehen über Theater
HORA oder über Tudor (www.tudor.ch)
EXKLUSIV
FÜR VEREINSMITGLIEDER
Besuch bei einer End-Probe zum kommenden
HORA-Stück OVERPROTECTED am Montag,
22.9.2025 im Fabriktheater Rote Fabrik.
Mitmach-Tag im Labor am Donnerstag,
6.11.2025 von 13–16 Uhr mit dem Schauspieler
und Choreograf Paul Behren.
Anmeldung unter:
foerderverein.hora@zueriwerk.ch
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
-
06/2024 – HORA Magazin Nr. 56
NR. 56, JUNI 2024
MAGAZIN
GRATIS
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UNTER:
hora.ch/kontakt
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
3
EDITORIAL
Liebe Leser*innen vom HORA-Magazin,
4–5
WAS MACHT DIE MACHT MIT MIR?
Adrian T. Mai über Macht, sein
Verhältnis dazu und das HORA-Büro
als Macht-Zentrale
Bis ich meinen Zivildienst bei Theater
HORA angefangen habe, hatte ich weder
zu HORA noch zu Theater allgemein irgendeinen Bezug. Ich war 3 Jahre auf der Wirtschafts-Mittelschule, und habe danach
18 Monate Praktikum bei einer Bank
gemacht. Ich hatte einfach nur Lust, bei
meinem Zivildienst etwas zu machen,
das komplett anders ist als das, was ich
gewohnt war. Im ersten Labor-Workshop,
den ich mitgemacht habe, haben wir uns
drei Abende hintereinander am NeumarktTheater dasselbe Stück angesehen. Es
war das erste «richtige» Theater-Stück,
das ich in meinem Leben gesehen habe.
Auf Englisch. Ohne richtige Handlung. Mit
zwei nackten Leuten auf der Bühne – die
sich dann auch noch unter das Publikum
gemischt haben. Aber weil ich es mit dem
HORA geschaut habe, war ich überhaupt
nicht eingeschüchtert davon. Wie bei
allem, was ich mit dem HORA erlebt habe,
habe ich es einfach akzeptiert. Ich fand
es normal, auch wenn es vielleicht speziell war. Und etwas Spezielles ist auch da-
nach eigentlich laufend passiert in meiner
Zeit hier. Eine spezielle Arbeits-Stelle finde
ich das HORA auch, weil hier ziemlich auf
«Augen-Höhe» zusammen gearbeitet wird:
Egal ob Ensemble-Mitglied, Zivi oder Teil
der Leitung: Jede*r zählt hier gleich viel.
Man achtet aufeinander. Und es gibt niemanden, der rumkommandiert. Ich finde:
Für Menschen mit einer Beeinträchtigung
ist HORA wie der beste Job auf der Welt. Es
gibt dort so viele Möglichkeiten, sich selbst
zu verwirklichen und zu entwickeln. Mega
vielseitig. Es wäre cool, wenn es für Menschen mit einer Beeinträchtigung mehr solche Jobs geben könnte wie die bei HORA.
Schon als Mensch ohne Beeinträchtigung
würde ich es cool finden, mein Leben hier
verbringen zu können. Jetzt gehe ich erstmal auf Reisen. Ich mache einen Monat
Interrail durch Nordeuropa – Berlin, Malmö,
Stockholm, Amsterdam, London, Paris…
Danach fliege ich nach Bali. Später will ich
BWL studieren. Trotzdem hoffe ich, dass
ich in der Zukunft immer wieder etwas mit
dem HORA zu tun haben werde. Einmal ein
HORA, immer ein HORA.
6, 9
ALLE MACHT
DER ZUSAMMENARBEIT!
Ein Kollektiv-Text über das kommende
Projekt LEONCE & LENA –
HORA TOTAL!
10
DIE MACHT BEIM TEXTE-SCHREIBEN
Oliver Roth über seine ersten Zusammenarbeits-Erfahrungen in dem Projekt
LEONCE & LENA – HORA TOTAL!
11–14
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von 8
HORA-Schauspieler*innen. Thema der
sechsten Ausgabe: «Zeitung»
15
JEDER HAT DAS RECHT, EINEN
PREIS ZU BEKOMMEN!
Ein Gespräch über
das Ausgezeichnet-Werden
16
VERMISCHTES
HORA-Chronik
20 Jahre HORA‘BAND
Mach,s gut, Fredi …
19
DAS HAT ALLES MIT DR. LOVE ZU TUN
Das HORA-Stück SCHULE DER
LIEBENDEN aus der Perspektive von
5 Mitwirkenden
Manuel Hasa, Zivi im HORA-Labor von 2023 bis 2024
20–21
LOGBUCH LABOR (VIII)
Am Anfang standen diese lustigen,
aufblasbaren Dino-Kostüme…
22
FÖRDERVEREIN
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Spenden und Koproduzent*innen
Impressum
24
AKTUELLE PRODUKTIONEN UND
PROJEKTE VON UND MIT THEATER
HORA
Bildstrecke dieser Ausgabe: Filmstills und
Aufführungs-Fotos aus dem HORAStück SCHULE DER LIEBENDEN (2023).
Mehr zum Stück auf S. 19
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
MACHT
4
WAS MACHT DIE MACHT MIT MIR?
Adrian T. Mai, Produktionsleitung Labor/Gastengagements & Öffentlichkeitsarbeit/Betriebsbüro,
über das grosse Thema dieser Magazin-Ausgabe: MACHT
Die Team-Mitglieder der «HORA-Macht-Zentrale», von links nach rechts: Andrian T. Mai, Jörg Schwahlen
(Produktionsleitung), Frank Häusermann (Ensemble, unten) und Curdin Casutt (Gesamtleitung)
Man hat mich gefragt, ob ich nach all den
Jahren, in denen ich nun schon für das
Theater HORA tätig bin, nicht auch gerne
einmal etwas für das Magazin schreiben
möchte. Zum Thema Macht. Als wäre genau das mein Thema. Als wäre genau ich
ein Spezialist für die Fähigkeit, eine oder
mehrere Personen zu einem bestimmten
Denken und/oder Verhalten zu führen.
Denn das ist die Definition von Macht. Was
kann ich dazu sagen? Ich habe mir nie
Gedanken dazu gemacht. Es liegt und lag
mir immer fern, Macht zu besitzen, nach
Macht zu streben. Weder beruflich, noch
privat. Es ist mir nicht wichtig. Viel mehr
interessieren mich die Dinge, die Macht
auf mich ausüben und mein Leben bestimmen. Literatur, Musik, Oper, Theater,
Kunst, Kochen, Essen – das sind meine
grossen Leidenschaften. Sie bestimmen
mein Leben. Sie haben Macht über mich.
Sie nehmen viel Raum in meinem Leben ein,
in meiner Freizeit. Sie diktieren meinen Alltag, machen süchtig, wecken den Wunsch
nach mehr, schaffen es häufig, dass ich
unvernünftig bin. Und um ganz ehrlich zu
sein, führe ich bei HORA ein komplett anderes (Berufs-)Leben als davor. Ich bin hier
machtlos, nicht mit Macht ausgestattet.
Das ist in Ordnung. Ich vermisse nichts.
Ich fühle mich wohl. Ich bin angekommen.
Die HORA-Schauspieler*innen haben die
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
5
Vorstellung, dass bei uns im Büro in der
Baslerstrasse das «Macht-Zentrum» von
HORA ist. Und dass ich ein Teil davon bin.
Eine unbestimmte Vorstellung vielleicht,
ein eher abstraktes Bild, aber doch immer
ein Thema in unseren Begegnungen mit
ihnen. Die Realität sieht so aus: Da sitzen
drei Männer zwischen 40 und 55 – intern
ist von den «Golden Girls» die Rede – die
administrieren, organisieren, Gelder beschaffen, Verträge erstellen, Gastspiele
planen, Budgets erstellen, verwalten, kontrollieren, abschliessen und schauen, dass
dieser Laden läuft – mit all seinen unterschiedlichen internen und externen Ansprüchen und Bedürfnissen.
Die achtgeben, dass dieses grosse und
manchmal auch schwere Schiff HORA
immer genug Wasser unter dem Kiel hat.
Und gemeinsam verbringt dieses Drei-Gestirn eine «mächtig» gute, harmonische,
manchmal hysterisch plappernde und aus
dem bunten Leben erzählende, jedoch
immer arbeitsreiche Zeit. In diesem Fall
kommt Macht dann wohl von «machen».
Hier wird gemacht. Hier wird weggeschafft.
Und das neue Projekt, die Produktion
LEONCE & LENA – HORA TOTAL! wirft
schon die ersten Schatten voraus, vielmehr den ersten Licht-Strahl: Frank Häusermann ist zu Gast in der «Macht-Zentrale
Baslerstrasse». Und beschert uns zwei
gemeinsame Tage. Frank will anpacken,
Dinge erledigen, seine gemeinsam mit
uns erstellte To-Do-Liste abarbeiten. Telefonieren und Schreiben. Schalten und
Walten. Frank geht auf in seinem Element.
Er verkündet mit der ihm ganz eigenen
deutlichen Endgültigkeit, die keinen Widerspruch duldet: Genau das und nichts anderes hat er schon immer machen wollen.
Und wir sind dabei. Und machen das ge-
meinsam mit ihm. Ich frage mich, wie ist
das mit der Macht bei uns im HORA? Gibt
es Macht-Positionen? Übt jemand Macht
aus? Wer hat hier Macht (über mich)?
Was macht die Macht mit mir? Macht ist
ein relationaler Begriff, lese ich irgendwo
im Netz. Macht war für mich bisher ausschliesslich negativ besetzt. Macht ist in
der Regel auf beiden Seiten einer Beziehung vorhanden, lese ich weiter. Dieser
Satz versöhnt mich. Ich habe Macht,
merke ich. Ich habe die Macht, Dinge zu
steuern, zu bewegen, dafür zu sorgen,
dass es läuft, dass alles funktioniert – ich
habe die Macht, diesen HORA-Apparat
am Leben zu erhalten. Das gefällt mir.
MEINE MACHT
Ich liebe Autorität.
Ich mache sehr gerne Macht-Spiele
Ich habe sehr gerne Herrschafts-Gewalt.
Ich beeinflusse gerne.
Ich bin gerne in der Macht-Stellung.
Ich mag die Stärke.
Ich liebe das Vermögen.
Ich habe gerne Geld.
Ich mache gerne Liebe.
Sex.
Be-trü-gen.
Ich täusche.
Ich führe in die Irre.
Ich gaunere.
Ich hintergehe.
Ich bedankle.
Ich behumpse.
Ich bescheisse.
Ich würde auch über Leichen gehen…
Kollektiv-Text von Matthias Brücker, Elena
Gilbert, Oliver Roth, Simon Stuber für
das Stück LEONCE & LENA – HORA
TOTAL! (mehr zu seiner Entstehung
in dem Beitrag von Oliver Roth auf S.10)
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
MACHT
6
7
ALLE MACHT DER ZUSAMMEN-ARBEIT!
Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung als eigenständige TheaterKünstler*innen: das war schon immer der
Kern der «HORA-Philosophie». Deshalb
haben HORA-Schauspieler*innen nie nur
die Ideen von anderen ausgeführt. Von
Anfang an haben sie viel von den HORAStücken selbst mitgestaltet. Auch unser
nächstes Stück – LEONCE UND LENA
– HORA TOTAL! – steht wieder ganz im
Zeichen der künstlerischen Ermächtigung unserer Ensemble-Mitglieder. In der
Tradition von Projekten wie DIE LUST
AM SCHEITERN (2000) und vor allem
von FREIE REPUBLIK HORA (2013–19)
geht es erneut darum auszuprobieren:
Ist im Theater nicht noch viel mehr Teilhabe von Menschen mit einer kognitiven
Beeinträchtigung möglich? Könnte man
die Entscheidungs-Macht bei der Entstehung inklusiver Kunst-Projekte nicht noch
ganz anders aufteilen?
Die Idee diesmal: Wir machen «ganz klassisch» eine neue HORA-Produktion. «Ganz
klassisch» meint: mit Regie, Dramaturgie,
Bühne, Kostüm…, Diffusion und Werbung.
Aber: Wir besetzen alle Funktionen «gemischt». «Gemischt» meint: mit Teams, in
denen jeweils HORA-Schauspieler*innen
mit externen Künstler*innen oder nichtbeeinträchtigten HORA-Mitarbeiter*innen
zusammen arbeiten: also Regie, Dramaturgie, Bühne, Kostüm…, Diffusion und
Werbung zusammen machen. Und zwar
möglichst gleichberechtigt. Dieses Zusammen-Arbeiten steht bei dem Projekt im
Vordergrund. Alle künstlerisch-ästhetischen
Entscheidungen sollen daraus hervorgehen.
Wir wollen zeigen: Alles wird interessanter,
wenn Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen arbeiten. Und erst recht,
wenn sie von Anfang an zusammen arbeiten,
und in allen Bereichen: auf der Bühne und
hinter der Bühne. Wir wollen herausfinden:
Wie können im Proben-Prozess Entscheidungen gefällt werden, die für alle transparent sind? Wie kann neu gedacht werden,
wer für was verantwortlich ist? Was braucht
es, damit in einem solchen Prozess alle zu
Wort kommen? Verschiedene Menschen
mögen verschiedene Sachen in der Kunst.
Und jede*r macht Kunst mit einer anderen
Logik. Welche Vorlieben sind wichtiger?
Welche Logiken sind richtiger? Oder können verschiedenen Logiken und Vorlieben
auch nebeneinander stehen auf der Bühne? Wann müssen Kompromisse gefunden
werden? Was ist das Gute, das Interessante, der Vorteil einer solchen Art von
Theater-Machen? Was geht beim gemeinsamen Entscheiden nicht mehr? Und wie
kann unter solchen Arbeits-Bedingungen
ein Flow entstehen?
Wir versuchen, alles so zu gestalten, dass
ein Zusammen-Arbeiten auf Augenhöhe
möglich werden kann: durch die Art, wie wir
proben. Durch die Art, wie wir über unsere
Inszenierung nachdenken und kommunizieren (Austausch-Runden, Flow-Sitzungen,
Sprechstunden, Showings, «goldene Briefe»
und ein Produktions-Briefkasten). Und vor
allem durch die Art, wie wir künstlerische
Entscheidungen treffen: demokratisch.
� Fortsetzung auf Seite 9
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
Elena Gilbert im Film vom HORA-Stück SCHULE DER LIEBENDEN
Ein Kollektiv-Text über das kommende HORA-Projekt LEONCE UND LENA – HORA TOTAL!
9
v.l.n.r. im Uhrzeiger-Sinn: Noha Badir, Elena Gilbert, Matthias Grandjean, Fabienne Villiger, Simon Stuber, Gianni Blumer, Caitlin Friedly
und Nikolai Gralak im Film vom HORA-Stück SCHULE DER LIEBENDEN
8
� Wie immer wird auf den Proben jeden
Tag vieles anders sein: Leute werden zusammen arbeiten, die noch nie zusammen gearbeitet haben. Neue Situationen
und neue Formen von Zusammen-Arbeit
werden entstehen. Bestimmte MachtVerhältnisse werden uns zum ersten Mal
überhaupt auffallen. Sie müssen ganz neu
geklärt werden. Viele dieser EntscheidungsProzesse, Konflikte und Lösungen werden
die Zuschauer*innen am Ende nicht mehr
sehen können. Deshalb soll ein eigenständiges künstlerisches Team nichts anderes
tun, als diesen Proben-Prozess zu dokumentieren. Natürlich ist auch dieses Team
«inklusiv». Es wird die Proben filmen. Es wird
Fotos machen, Proben-Tagebücher schreiben und Interviews führen. Am Ende soll
daraus ein Film entstehen – ein eigenständiges künstlerisches Werk. Dieser Film gibt
einen Einblick in diesen sehr besonderen
Entstehungs-Prozess. Film und Inszenierung
zusammen werden ein Gesamt-Kunstwerk.
Ein Gesamt-Kunstwerk zwischen künstlerischer Forschung, inklusivem Experiment
und ausuferndem Chaos.
LEONCE & LENA – HORA TOTAL!
Premiere am 25. Oktober 2024 im Fabriktheater der Roten Fabrik. Weitere Vorstellungen am 27. und 29. Oktober, sowie am
1., 2. und 3. November.
«Im Stücke get um Macht und sich selbst
verlibt sich ein. Sie ist ein eifersücht Frau
Rosetta. Es kommt eine Fantasi verückt
Welt und genissen in Detail. Valerio. Leonce
und Lena beite sind Liebesparr. Darum hat
er wunsch einmal sich selbst Gedanke sich
gemacht. Er bricht sich um und einmal die
Welt austerben lasen will er Lena bei sich
haben. Ein König Macht Hunger und sich
selbst verliert. Ein Untertaner kann nicht
sich nicht einmal sich selbst sein. Eine Tante
hat ganz viele Sorgen. Lena sie ist die
schönste Frau wie im Buch. Sie hat dausent
Geschichte auf Bapier geschriben in dausende Liebes Roman.»
Matthias Brücker (Text selbst getippt und auf
Wunsch des Autors nicht korrigiert)
Das Regie-Team des kommenden Projekts LEONCE & LENA – HORA TOTAL! (Nele Jahnke und Gianni Blumer)
beim Begutachten eines Bühnenbild-Entwurfs von Noha Badir und Laura Knüsel (Team «Bühne»)
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
10
MACHT
DIE MACHT BEIM TEXTE-SCHREIBEN
Oliver Roth, Team «Texte», bei LEONCE & LENA – HORA TOTAL!,
über die ersten Zusammenarbeits-Erfahrungen in dem Projekt
Beim ersten Treffen von unserem Team sage
ich: «Ich bin nicht der Chef». Ich sage: «Wir
sind alle verantwortlich für die Texte». Aber
schon in der ersten Proben-Woche bin ich
es, der die Schreib-Aufgaben bestimmt.
Alles läuft über mich. Ich bespreche einzeln
mit jedem*jeder. Ich koordiniere. Ich überblicke. Ich überarbeite und schreibe mit.
Immer wieder versuche ich, das zu hinterfragen oder zu ändern. Aber es «flowt» so halt
einfach am besten. Und wir kommen mit dieser Arbeits-Weise sehr schnell zu sehr spannenden Resultaten – also zu tollen Texten,
finde ich. Matthias möchte klare Aufträge
von mir. Als ich ihn frage, ob er nicht einfach
ganz frei mal von sich aus überlegen möchte,
was für einen Text er zum Stück schreiben
will, sagt er sehr entschieden: «Nein». Er
möchte, dass ich ihm sage, was er schreiben
soll. Ich bin nicht unbedingt zufrieden damit,
akzeptiere es aber vorläufig.
Ich möchte, dass wir als Gruppe eine
gemeinsame Autorschaft an den Texten haben (Thema: Tod des Autors). Das gelingt so
halb. Immer wieder ist es eben doch wichtig,
wer was geschrieben hat. Und wir kommen
in einen bestimmten Arbeitsmodus: Ich gebe
individuelle Schreibaufträge. Elena, Simon
und Matthias schreiben. Ich schreibe an
ihren Texten weiter. Eine Art Ping Pong etabliert sich. Einmal nutze ich die Bild-Sprache von Matthias’ Text, um daraus etwas
komplett Neues zu schreiben – mit seinen
Bildern. Matthias ist mit dem Resultat gar
nicht einverstanden. Er sagt, er werde dazu
nochmal etwas ganz anderes schreiben. Bei
einem anderen Text fehlen mir die Wörter.
Simon brainstormt daraufhin mit mir zu-
sammen. Einmal schreibt Elena einen sehr
persönlichen Text. Ich verfremde ihn, nehme
ihn etwas weg von ihrer Person. In diesem
Verfahren ist unter anderem auch der Text
«Meine Macht» entstanden (siehe S. 5).
Am Ende von den ersten 2 RechercheWochen akzeptiere ich: Es gehört zu meinen Fähigkeiten, die Übersicht zu behalten.
Zu überlegen, welche Schreib-Aufgaben
gerade zu wem im Team am besten passen. Zu überlegen, wie wir weiter kommen.
Auch mit Schreib-Blockaden kämpfen wir.
Aber bin ich deshalb der Chef? Ist das
überhaupt wichtig? Und zum Schreiben
gehört schliesslich noch mehr als Worte
aufschreiben. Nämlich auch: Diskutieren.
Ideen suchen. Über die Welt nachdenken.
Darüber nachdenken, welche Art von Text
man schreiben könnte. Texte laut vorlesen
– sich anhören, wie Texte klingen, ihre Wirkung beobachten. Ich frage mich, wie sich
unsere Macht-Verhältnisse so entwickeln,
wenn die erste Deadline kommt. Wenn wir
abliefern müssen. Wenn’s stressig wird. Und
wenn wir unser Team noch um die Künstliche Intelligenz von ChatGPT erweitern?
Was macht das dann wohl mit unserem
Gruppen-Gefüge? Es bleibt spannend.
Bereits zum 7. Mal in der Heftmitte: ein von
HORA-Schauspieler*innen selbst geschriebenes, illustriertes und gelayoutetes Magazin im Magazin. Thema diesmal: «Zeitung».
Was den Mitwirkenden die Möglichkeit gab,
sich frei jeweils dem zu widmen, was sie gerade besonders beschäftigt an der Welt – und
darüber auch weitere Aspekte beitrug zum
allgemeinen Thema dieser Ausgabe: Macht.
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PREISE
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JEDER HAT DAS RECHT,
EINEN PREIS ZU BEKOMMEN!
Ein Gespräch mit Matthias Grandjean (HORA-Ensemble), Frank Häusermann (HORA-Ensemble) und
Stephan Stock (künstlerische Co-Leitung von HORA) über das Ausgezeichnet-Werden
Ich sitze hier gleich 3 Preisträger*innen gegenüber: Stephan Stock als
einem der 4 Regisseur*innen von RIESENHAFT IN MITTELERDE – eingeladen zum
Berliner Theatertreffen 2024. Matthias
Grandjean, der als HORA-Schauspieler
vom Zürcher Regierungsrat dieses Jahr die
Goldene Ehrenmedaille für sein Lebenswerk bekommt. Und Frank Häusermann,
der 2013 den Alfred-Kerr-Darstellerpreis für
die herausragende Leistung eines jungen
Schauspielers gewonnen hat. Mich würde
interessieren: Als ihr das gehört habt, dass
ihr einen Preis bekommt, wie hat
sich das angefühlt in eurem Körper? STEPHAN STOCK (SST): Ich weiss
noch: Ich hab mich so genau 5
Sekunden gefreut. Und dann wurde es sofort stressig eigentlich.
Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt,
mich ein bisschen zu freuen. MATTHIAS
GRANDJEAN (MG): Ja ich han einmal
Freud gehabt, auch Frieden, und
ich fand so Glück han Plausch Han auch.
Also Telefon-Anruf, das ist denn dem Frau
schon gehabt. Auch gratulieren für. YANNA
RÜGER (YR): Frank, wie war das bei dir, damals vor 11 Jahren, als du den Alfred
Kerr-Preis gewonnen hast? FRANK HÄUSERMANN (FH): Ich weiss noch, dass mein Körper
extrem nervös war. Freud hab ich gehabt.
Weil ich wollte berühmt sein. Und dann
war die Erleichterung: Jetzt hab ich’s! Ich
hatte eine Urkunde. Ich weiss nicht, wo
das jetzt ist… Aber ich weiss noch, es hat
sich sehr sehr gut angefühlt, so viel Geld
zu haben. YR: Wie hast du das überhaupt
geschafft mit diesem Preis? Immerhin
YANNA RÜGER (YR):
warst du damals erst 20 und gerade mal
fertig mit deiner Ausbildung… FH: Ich hab
den Preis gekriegt, weil ich so ehrlich bin
zu den Menschen. Weil ich eben gut mit
Menschen bin. Ja, und das hat mich so
gross gemacht. YR: Stephan, Matthias, für
welche künstlerische Leistung gab es bei
euch die Auszeichnung? SST: Ich hoffe, weil
die Jury gespürt hat, dass bei RIESENHAFT die vielen verschiedenen Menschen
auf der Bühne so gut zusammen spielen.
YR: Und bei dir, Matthias? MG: Ich han
dem viele auch HORAs Leute umgeht. YR:
Weil du anderen Leuten auch
was beibringst und hilfst? MG:
Auch alles. Ich habe so schön
auch Glück auch mir auch gut
passt mir. YR: Gab es auch Leute, die eifersüchtig reagiert haben? SST: Nicht direkt. Aber es
gab Leute, die mir suggeriert
haben, dass das mich jetzt irgendwie verändert hätte. Oder
mir gesagt, dass ich gucken muss, dass ich
nicht so oder so werde. Oder so Witze
gemacht haben. Das fand ich befremdlich. FH: Einmal hat mir ein Kollege gesagt:
«Wieso nimmt denn nur die anderen und
nicht mich?» Dass ich den Preis bekommen habe. Für ihn ist das sehr stressig, immer nur zu sehen und er hat einfach nix.
Weil er das auch braucht. Jeder hat ein
Recht, einen Preis bekommen! YR: Jeder? FH:
Ja, genau. Ich kann sagen: Es fühlt sich toll
an. YR: Was hast du eigentlich mit diesem
Geld gemacht, das du damals gewonnen hast? FH: (lacht) Ich weiss es nicht. YR:
Ist es weg??? FH: Ja. Es war einfach toll!
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
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HORACHRONIK
20 JAHRE
HORA‘BAND!
MACH‘S GUT,
FREDI…
DEZEMBER 2023: Kurz vor Weihnachten wird es sinnlich: SCHULE DER
LIEBENDEN hat Premiere in der Shedhalle
in Zürich! Es wird fleissig gekuschelt und
gelernt.
JANUAR 2024: Probenstart für Frank
Häusermann in Berlin. Er hat ein GastEngagement bei der Produktion «Space
Dudes» – dem neuen Stück der Gruppe
Henrike Iglesias. Und am All Abled Arts
Festival an den Münchner Kammerspielen
werden das Stück HORROR UND ANDERE
SACHEN und der Film aus SCHULE DER
LIEBENDEN gezeigt.
FEBRUAR 2024: Wiederaufnahme
von RIESENHAFT IN MITTELERDE in
Zürich. Erneut sind alle Vorstellungen
in der grossen Schiffbau Halle ausverkauft! Auswärts-Spiele: Die HORA-Schauspieler*innen Caitlin Friedly, Matthias
Brücker und Nikolai Gralak sind mit der
Produktion «Theater der Klient*innen» am
Kleintheater Luzern. Und an den Sophiensaelen Berlin hat Frank Häusermann mit seinem Gast-Engagement bei der Produktion
«Space Dudes» Premiere.
MÄRZ 2024: Wiederaufnahme von
SACRE! für die Swiss Dance Days am Tanzhaus Zürich. Und Beginn der Vor-Proben
für das neue Gross-Projekt von Theater
HORA: LEONCE UND LENA – HORA
TOTAL!. On Tour: Der Film aus SCHULE
DER LIEBENDEN ist bis Juni Teil einer
grossen Ausstellung von Melanie Bonajo in
der Kunsthalle Mainz. Und DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS wird in Augsburg
und Winterthur gezeigt.
APRIL 2024: Proben zu DINO LOVE,
der ersten Produktion direkt aus dem
HORA-Labor. Premiere ist im Rahmen
vom Festival Zürich Tanzt. Und der Film
aus SCHULE DER LIEBENDEN wird am
Festival Love is a verb am HAU Hebbel am
Ufer Berlin gezeigt.
MAI 2024: RIESENHAFT IN MITTELERDE fährt mit über 50 Beteiligten
zum Berliner Theatertreffen! Gleichzeitig
sind es die letzten Vorstellungen von Ensemble-Mitglied Fredi Senn, der uns auf den
Sommer hin verlässt. Auch die SCHULE
DER LIEBENDEN tourt weiter: in einer kleinen Version als Workshop und Gespräch in
die Kunsthalle Mainz. Und als Film an das
Idyllerei Festival nach Nürnberg.
Ende des Jahres feiert die HORA’BAND
ihren 20sten Geburtstag: zwei Jahrzehnte
Musizieren, Instrumente-Stimmen, Proben, Reisen, Städte-Besuchen, KonzerteSpielen, Bühnen-Testen, Hotels-Checken,
Musik-Alben-Produzieren, Kaffee-Trinken,
Möglichst-viel-Rauchen und und und. Und
haut ihre wahrscheinlich letzte CD raus. 20
Lieder sollen es sein: Zehn Lieder aus ihren
ersten vier Alben (die allesamt vergriffen
und total ausverkauft sind!) plus zehn neue
Lieder. Darunter Juwelen wie eine fantastische Pantheon-Szene aus BOB DYLANS
115TER TRAUM, live aufgenommen im
Pfauen vom Zürcher Schauspielhaus! Für
die Aufnahme von wei-teren sieben brandneuen HORA’BAND-Songs sind wir zu
Jeannot Steck in sein Soundcheck Studio
nach Bachenbülach gefahren. Sein grosses
Mischpult mit den vielen blinkenden Knöpfen hat uns sehr beeindruckt, und unsere
Hits klingen nun wie frisch gewaschen und
gebügelt. Merci, Jeannot! Im Herbst wird
das Album veröffentlicht und mit einer Plattentaufe im El Lokal gehörig gefeiert. (Zu
einer grossen Grillparty bei Jeannot haben
wir uns bereits im Sommer eingeladen.)
Dazu machen wir noch ein buntes Büchlein
mit tollen Erinnerungsphotos, scharfen Aufnahmen unserer schönsten Konzertplakate
und der Präsentation von allerlei Seltenheiten und Infos. Und dann gehen wir bereits
mit «The Big Ensemble» auf Tournee. Doch
mehr darüber dann im nächsten Magazin
oder auch per Newsletter.
Roli Strobel, Leiter HORA’BAND
Zur Sommerpause 2024 verlässt Fredi
Senn (vgl. Foto S.17) das HORA-Ensemble.
Er kam 2017 für die Produktion BOB
DYLANS 115STER TRAUM als Quereinsteiger zu HORA. Seitdem bereicherte er
das Ensemble als Wagnerianer auch ohne
Wagner, als Spezialist für «Concorde und
Kampfjet» (O-Ton Senn), für Mafia und
Gladiatoren-Kämpfe, als Kraftwerk und
Skeptiker zugleich, und als jemand, der es
liebt «abzugehen», in einer Mischung aus
Aggression und guter Laune. Sein Schauspieler-Kollege Robin Gilly charakterisierte ihn einmal als «Vaterunser mit Heavy
Metal», und fand ihn «als eine Rockband
enorm Weltklasse» Von der äußerlichen
Erscheinung her Thor, Hulk und Rocky in
einem, sagte er selbst einmal über sein
Rollen-Profil: «Wenn ihr mir sagt, ich soll
eine Prinzessin spielen, würde ich antworten: ‹Ihr könnt mich mal am Hintern und
kreuzwiis.› Aber sonst spiele ich alles – aber
am liebsten Leichen oder Zombie, mit viel
Kunst-Blut.» Mehr Performer als psychologischer Schauspieler, ist er zugleich ein
begnadeter Sprecher, mit oft tiefem TextVerständnis, Spass an Kalauern und auch
am verbalen Improvisieren. Zuletzt auf der
Bühne zu sehen war er in der Produktion
RIESENHAFT IN MITTELERDE. Unvergessen bleibt für ihn selbst vor allem seine Mitwirkung in TRISTAN UND ISOLDE (2019)
von und mit dem Berliner Opern-Kollektiv
Hauen & Stechen – auch, weil er es grundsätzlich liebt, Party zu machen. Machs gut,
Fredi – wir werden dich alle sehr vermissen!
Fredi Senn im Film vom HORA-Stück SCHULE DER LIEBENDEN
VERMISCHTES
Die Mitglieder der HORA‘BAND – ohne Sängerin Denise – im Studio von Jeannot Simmen
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
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RÜCKBLICK
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DAS HAT ALLES MIT DR. LOVE ZU TUN
Das HORA-Stück SCHULE DER LIEBENDEN aus der Perspektive von 5 Mitwirkenden
Vergangenen Dezember
hatte in der Shedhalle in der Roten Fabrik
die dritte Neu-Produktion im Jubiläums-Jahr
2023 Premiere: SCHULE DER LIEBENDEN. Worum ging‘s in dem Stück? ELENA
GILBERT (EG): Ich weiß nur: Ich bin Venus gsi. So
von den Händen gelesen. Gedanken auch.
Spüren. Und die Klitoris gestreichelt. CAITLIN
FRIEDLY (CF): In einer Art Pflanze. NOHA BADIR
(NB): Die Szene von Muskeln, verschiedene
Posen gemacht. Und nachher gekuschelt
mit Steinen. HM: Ich bin mir nicht sicher, ob
ich folgen kann… GIANNI BLUMER (GB): Es war
so: Wir alle hatten verschiedene Positionen.
Und ich hab Tee gemacht und den Leuten
gegeben. Und die Leute durften nicht mit
Schuhen rein. CF: Und Simon hat Fragen gestellt beim Publikum. Zum Beispiel: Weisst
du, was eine Klitoris ist? Möchtest du gern
mehr angefasst werden? Und einfach so
allgemeine lustige Fragen. GB: Und Fabienne
hat erzählt über ihren Körper. CF: Zum Beispiel sie hat eine Brille, sie hat so Hörgeräte.
Und sie sagt noch über sich Sachen, so:
Das ist ihr Leben, ihre Entscheidung. Und
ich habe sie interviewt über ihre KörperBlase. Warum sie die Leute nicht reinlässt.
GB: Später haben wir den Film geluegt. HM:
Was konnte man lernen in der SCHULE
DER LIEBENDEN? CF: Dass behinderte
Menschen auch Sex und Berührungen haben können. Und dass es nicht so ein Tabu
ist. HM: Habt ihr selbst auch was gelernt? GB:
Ja und Nein. CF: Ich habe gelernt, dass man
nicht unbedingt in jemanden verliebt sein
muss. Sondern dass man auch so nahe sein
kann, kuscheln kann, ohne dass das sexuell
sein muss. GB: Das hat alles mit Dr. Love zu
tun. CF: Ich würd sagen, man ist mehr liebevoller miteinander umgegangen. Und mit
Noha Badir und Elena Gilbert im Film vom HORA-Stück SCHULE DER LIEBENDEN
HORA MAGAZIN (HM):
einigen hab ich eine schöne Freundschaft
entwickelt. Also durch dass diese Gruppe
schön war. HM: Wisst ihr jetzt so viel über Liebe, dass ihr mir die Fragen aus dem letzten
HORA-Magazin beantworten könnt? Also
zum Beispiel: Wieso tut Liebe weh? NB: Eifersüchtig. FREDI SENN (FS): Wenn du verknallt bist
und dann abblitzt, tut‘s weh. HM: Oder: Wie
könnt ihr euch selbst so berühren, dass es
sich gut anfühlt? NB: Beispiel im Dusche gehen, selber anlangen, mehr Körperkontakt.
Oder Kopf Haarwäsche. GB: Ich will zuerst
mit anberühren, wenn ich Lust hätte: dann
bin ich nicht ganz allein als Mensch. Das
heisst erst anlangen am Kopf, an der Nase,
Hände. HM: Wie findet man eine passende
Partnerin? FS: Dass man flirtet. NB: Zuerst suchen. Und nachher muss ich noch schauen,
ob gefällt: gleiche Alter. Oder dann anrufen,
verzählen was ich alles mach. HM: Aber wie
flirtet man mit einer Person, die einem gefällt? Zum Beispiel an der Bus-Haltestelle? FS:
Weiss nicht wie. Ich habe noch nie geflirtet.
GB: Wie sie mit ihrem Lächeln mit mir umgeht, spüre ich das eben, dass es eine Liebe
ist. Und mit dem Maul sie ein bisschen anlächeln und winken. NB: Also Beispiel schöne
Frau im Bus Tankstelle anluege. Und dann
kommt bizzli Gefühl raus. Und machen
dann nachher ein Date. HM: Und wie umarmt
man so, dass es sich für die andere Person
gut anfühlt, und nicht alle gleich flüchten?
FS: Zärtlich. GB: Zuerst würde ich die Dame
fragen. Und dann gibt es Mitbestimmen, ob
sie es gern hat oder nicht. Vorsichtig sein.
Fragen, ob sie Lust hätte. Wenn es nein ist,
mach ich es nicht. NB: Also ich mache auch
gern Umarmung mit den Leuten. Erst fragen
und dann machen. Dann ist schön.
(Fragen: Marcel Bugiel)
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
LABOR
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LOGBUCH LABOR (VIII)
Am Anfang standen diese lustigen, aufblasbaren Dino-Kostüme…
Und wieder sind viele aufregende Dinge
passiert im HORA-Labor. Neben unserem
wie immer aufregendem Workshop-Programm (siehe Kasten) das Aufregendste:
dass wir im Labor erstmals auch ein Stück
entwickelt haben. Ein Versuch: Gemeinsam
mit dem Choreografen und Tänzer Bruno
Catalano erprobten wir, ganz dem LaborGedanken folgend, ohne Druck und möglichst Prozess-orientiert zu arbeiten.
DIE LABOR-WORKSHOPS IM ERSTEN HALBJAHR 2024
Für die Labor-Workshops kommen externe (und manchmal auch
interne) Künstler*innen für 1–3 Wochen ins HORA-Labor. Diese
Themen gab es im ersten Halbjahr 2024: «Gefundene Objekte»
mit Ernestyna Orlowska. «Ohrspitz» mit Ketty Ghnassia & Franziska Bruecker. «Übertriebene Figuren» mit Annina Machaz. «Eigenprojekt: immersive Eisenbahn- und Quallen-Unterwasser-Welt» mit
Andy Böhni, Florian Lampert und Tiziana Pagliaro. «Magazin im
Magazin» mit Ivna Žic und Marcel Bugiel. «Sachensucher:innen»
mit Anna Fierz und Oliver Roth. «Care City» mit Stephan Stock
und Architekt*innen der ETH Zürich. «Die Kunst des Zuschauens»
mit Marcel Bugiel. «Spielen aus dem Moment heraus» mit Nele
Jahnke, Yanna Rüger und dem Bachelor Schauspiel der ZHdK.
«Stimmtraining» mit An Chen. «Spazieren» mit Griessner Stadl, FX
Mayr und Korbinian Schmidt. «Improvisation: Körper, Bewegung,
Stimme» mit Nicole Seiler. «Eigenprojekte ausgehend von Open
Calls» mit dem Labor-Team. «Ton-Spielen» mit Roli Strobel.
Am Anfang standen diese lustigen, aufblasbaren Dino-Kostüme. Vielleicht nicht
die Umwelt-freundlichste Variante, aber
auch mit unseren bescheidenen Mitteln
finanzierbar. Vor allem aber haben die
wabbelnden Kostüme bei uns viel Freude
und Lust ausgelöst. Ja, diese Kostüme sind
sperrig und manchmal mühsam, aber darin liegt eben auch viel Potenzial.
T-Rexe werden in der Pop-Kultur oft als
Einzelgänger*innen gesehen. Wir fanden es
spannend, sie im Gegenteil als eine Gruppe
von sozialen, liebevollen Tieren zu zeigen.
Wir wollten auch unsere persönliche Liebe
für Dinos ausdrücken. Und die gesamt-gesellschaftliche. Denn irgendwie können sich
alle für Dinos begeistern. «Dino Love» halt.
Es ist ein Wohlfühl-Stück entstanden. Es
scheut sich nicht davor, auch Unterhaltung
zu sein. Und dennoch hat es einen poetischen
Anspruch. Wenn sich die Spieler*innen am
Anfang mit viel Zeit in die Kostüme begeben
zum Beispiel: Das erinnert an PerformanceKunst. Und dann wird später wieder in einem
Solo zu Tayler Swift abgetanzt. Auch zum
Kitsch haben wir mutig «ja!» gesagt.
Es ist erstaunlich, wie wir in kurzer Zeit
und mit wenigen personellen Ressourcen zu
Resultaten kamen, die uns als Labor-Team
alle gefielen. Vieles haben wir geschafft,
weil wir alle mit angepackt haben. Und obwohl unsere eigentlichen Jobs weiterliefen:
Amadea nähte zuhause Kostüme zusammen. Oli schickte Einladungen raus. Adrian
kümmerte sich zusätzlich um alles Organisatorische mit Zürich Tanzt. Vorne auf der
Probe übersetzte Fiona, was das Zeug hält.
Remo Beuggert lud jeden Tag 70 Batterien
auf. Remo Benz, der neue Labor-Zivi, holte
noch kurz eine Trillerpfeife. Und Undine als
Bühnen-Assistenz half in die Kostüme rein.
Präsentiert wurde das Ergebnis bei Zürich
Tanzt. Also wirklich eine aufregende Sache!
Und jetzt: Sommerpause. Meer in Sicht.
Ahoi.
Captain Oli für das Labor-Team
P.S.: Wussten Sie eigentlich, dass man sich
auf unserer Webseite unter HORA-LABOR/
ARCHIV anschauen kann, was alles schon
im Labor lief? Ganz schön viel und ganz
schön spannend. Ein Klick lohnt sich!
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
HORA-Magazin Nr. 56, Juni 2024
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
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ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Beisheim Stiftung, Béatrice Ederer-Weber
Stiftung, Elisabeth Weber Stiftung, Ernst
Göhner Stiftung, Fachstelle Kultur Kanton
Zürich, Förderverein Theater HORA, Kulturpark Zürich-West, Landis & Gyr Stiftung,
MIGROS-Kulturprozent, Mondriaan Fund
(NL), Alexis Victor Thalberg Stiftung, Pro
Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Stadt
Zürich Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis, Schweizerische Interpretenstiftung
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich, Konzert
und Theater St. Gallen, Münchner Kammerspiele, Shedhalle Zürich, Salzburger Festspiele, Schauspielhaus Zürich, Theaterspektakel Zürich, Festival ZÜRICH TANZT
Spenden ab 500 CHF
Francis Helen Uhler, Schlieren
Vincenzo Equestre, Florenz
Silvia Hollstein, Thalwil
Kath. Pfarramt St. Anton, Zürich
Irma Spillmann
ADRIAN MARTHALER
REGISSEUR
« … WEIL DAS SPIEL VON HORA
EIN WUNDERBAR UNGEFILTERTES
MENSCHENBILD SPIEGELT.»
KORNELIA DÄNGELI
PFARRERIN
« … WEIL MICH DIE HORA THEATERAUFFÜHRUNGEN FASZINIEREN, ÜBERRASCHEN,
BEGEISTERN UND ZUGLEICH EINE ANDERE
SICHT AUFS GROSSE GANZE GEBEN.»
ANNINA MACHAZ
PERFORMERIN & KÜNSTLERIN
« … WEIL HORA IMMER AUFS
GANZE GEHT! ES GIBT KEINE HALBEN
SACHEN UND IST IMMER VOLL IM
MOMENT. ICH ZIEHE DEN HUT.»
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte sein kann.
IMPRESSUM
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Mitarbeit
Die Autor*innen, Curdin Casutt, Amadea
Schütz und Jörg Schwahlen
Konzept und Leitung Magazin im Magazin
Marcel Bugiel und Ivna Žic
Bilder
melanie bonajo (Filmstills und AufführungsFoto SCHULE DER LIEBENDEN),
Malí Lazell (S.21), Adrian T. Mai (S.4),
Tiziana Pagliaro (S.15), Yanna Rüger (S.9),
Jeannot Steck (S.16)
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
BARBARA FALTER
SCHAUSPIELERIN UND
PSYCHIATRIEPFLEGEFACHFRAU
« …WEIL HORA IMMER DEN HORIZONT
ERWEITERT.»
RUEDI HÄUSERMANN
BOOGIE WOOGIE TÄNZER
KATJA FRÜH
SCHAUSPIELERIN, REGISSEURIN UND DRAMATURGIN
« … WEIL BEI DEN HORAS
SOGAR VERKEHRT RICHTIG IST.»
« … WEIL ES SEELE HAT. WEIL ES
WAHRHAFTIG IST. UND EINFACH
WUNDERSCHÖN.»
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Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
Druck
Mattenbach AG, Winterthur
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
AKTUELLE PRODUKTIONEN UND PROJEKTE VON UND MIT THEATER HORA
DIE NÄCHSTE
PREMIERE
LEONCE UND LENA – HORA TOTAL!
25. Oktober 2024, Fabriktheater Rote
Fabrik Zürich. Eine Neuproduktion von
Theater HORA in Koproduktion mit dem
Fabriktheater Rote Fabrik und dem
Konzert und Theater St. Gallen
WEITERHIN IM
REPERTOIRE
DINO LOVE (2024)
Ein Tanzstück aus dem HORA-Labor von
Bruno Catalano
SCHULE DER LIEBENDEN (2023)
Eine geile Show von/mit melanie bonajo,
Daniel Cremer, Yanna Rüger und dem
HORA-Ensemble
DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
(2023)
Ein Stück von Helgard Haug/Rimini
Protokoll nach Bertolt Brecht
RIESENHAFT IN MITTELERDE ™ (2023)
Eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus
Zürich und dem Kollektiv Das Helmi
(Regie: Der Cora Frost, Florian Loycke,
Nicolas Stemann & Stephan Stock)
SACRE! (2022)
Ein Tanzstück von Teresa Vittucci und
Annina Machaz
DAS KRANKE HAUS (2022)
Ein Stück von und mit vorschlag:hammer
und Theater HORA
ES WAR KEINMAL ODER DAS
MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
(2021)
Ein Familienstück von Theater HORA
und Henrike Iglesias
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odysee in die Tiefen des
Universums der Arbeit
(Regie: Yanna Rüger, Stephan Stock,
Heta Multanen)
Foto S.23: Aufführungs-Foto aus SCHULE
DER LIEBENDEN, v.l.n.r.:
Caitlin Friedly, Simon Stuber, Noha Badir,
Fabienne Villiger, Gianni Blumer
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Filmremake – live gespielt und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded unter der Live-Regie
von Tiziana Pagliaro
HORA’BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über
Roland Strobel (Bandleader): roli.s@gmx.ch
FÜR VEREINSMITGLIEDER
Die Mitglieder-Versammlung 2024 vom
Förderverein Theater HORA findet
am 28. Juni im HORA-Labor im Casinosaal
Aussersihl statt – im Anschluss an
das Offene Labor von Nicole Seiler
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
-
05/2024 – HORA Magazin Sonderausgabe HORA’BAND
2
Die HORA’BAND [ˈho:ra‘bænd, geschrieben
in Grossbuchstaben und mit Apostroph]
entstand 2004 als sechsköpfige Combo um
die beiden ehemaligen HORA-Schauspielerinnen, Komponistinnen und Sängerinnen
Denise Wick Ross und Sandra Grande.
Seitdem hat sie insgesamt 5 Alben veröffentlicht und über 400 Shows gespielt:
in angesagten Konzertlokalen und altehrwürdigen Schauspielhäusern ebenso wie
in Institutionen für Menschen mit einer Beeinträchtigung und geschlossenen psychiatrischen Kliniken, auf verregneten Rathausplätzen und in Fussballstadien – eigentlich
überall, wo Menschen sind und leben. Die
HORA‘BAND ist zwar eine Abteilung von
Theater HORA Stiftung Züriwerk, arbeitet in der Regel aber völlig selbständig. Sie
trifft ihre eigenen Entscheidungen, macht
eine eigene Planung und auch das Booking
und die Organisation von Tourneen unabhängig von der Theater-Gruppe. Sie hat eine
eigene künstlerische Leitung (Roli Strobel).
Und probt in einem eigenen Proberaum und
eben mit Musiker*innen statt mit Schauspieler*innen. Aber auch bei der HORA‘BAND
stehen Künstler*innen mit Beeinträchtigung im Zentrum, die hier ihre Kunst als
Werkstatt-Arbeit machen können und ihre
eigenen Ideen, Vorlieben und Eigenheiten
voll ins Spiel bringen. Bis auf wenige Ausnahmen erfindet die Band deshalb auch ihre
eigene Musik und Texte. Gleichzeitig hat sie
einen professionellen Anspruch: Sie versteht
Musikmachen als Kunstform und als Arbeit,
und deren pädagogischen, therapeutischen
und Teilhabe-Effekte allenfalls als willkommene Nebenwirkungen. Nach vereinzelten
Personalwechseln im Verlauf ihrer 20-jährigen Geschichte spielen in ihr heute Denise
Wick Ross (Gesang), Roli Strobel (Elektrische Gitarre, Gesang, Leitung), Enrico Rizzi
(Banjo, Dobro), Vree Ritzmann (Wurlitzer
Orgel, Gesang, Assistenz), Lukas Selinger
(Schlagzeug) und Dario Zanni (Elektrische
Gitarre, Gesang).
«MAN KRIEGT IMMER IRGENDWAS HIN.
ES IST VIELLEICHT NICHT DAS,
WAS WIR ANGESTEUERT HABEN, ABER IRGENDWIE
KOMMT IMMER ETWAS RAUS.»
Roli Strobel
1
2
INHALTSVERZEICHNIS
1
DIE HORA‘BAND
2–4
INTRO
5–12, 15–20, 29–30, 33–36
BRUCHSTÜCKE ZUR
GESCHICHTE DER HORA‘BAND
8, 11, 15, 16, 30, 35
KÜNSTLERBIOS
der aktuellen Mitglieder der
HORA‘BAND
13–14, 31–32
KOMMENTARE ZUR
HORA‘BAND
von Esther Banz (13–14),
Chris Weinheimer (31–32)
Krishan Krone (32) und
Roli Strobel (37–38)
21–28
BANDFOTOS AUS 20 JAHREN
39–48
ANHANG
Die Ehemaligen, Diskografie,
Neue CD, Kooperationen, Dank,
Impressum
INTRO
3
4
ÜBERSETZUNG INTRO
Hallo. Ich bin Denise Wick Ross. Willkommen
bei der HORA‘BAND-Ausgabe des HORAMagazins. Ich bin Sängerin in der Band und
schreibe meine Lieder und leite die meiste
Musik und mit Roli, Roland Strobel. Ich habe
Mandoline und Tambourin gespielt. In meiner ganzen Geschichte im HORA-Theater
haben Roli und Michael Elber auch einige
andere Lieder für mich ausgesucht. Zu einigen meiner Texte gehören u.a. We walk down
country roads and we walk down heaven‘s shoals, Voyagers beyond the shepherd‘s trails, big
dark sky pours starry down, a 1000 voyagers
hit the town on the sea of rhyme, I see the lovelight in your eyes, they glimmer such a sweet
surprise und Indian, Indian summer, floating
down the river, cool now in heat fever. Die Lieblingsmomente mit dem Publikum werden von
einer süssen, aufgeregten Frau nach einer
3D-Aufführung zusammengefasst, die alles
wie ein ehemaliger Mitarbeiter Samuel auszudrücken scheint. Wir haben als Band etwa
400 Konzerte gehabt und sind u.a. in den
Theaterproduktionen THE DEMOCRATIC
SET, BAD ADVICE, FAUST 1&2, BOB
DYLANS 115TER TRAUM über Bob Dylan
aufgetreten. Ein Highlight ist der Film PLANET
HORA, an dem Kristian und Thomas mitgewirkt haben und in dem auch Theater HORA,
Stephan und Curdin mitspielen. Die Band
5
gehört zu den Top-Musikern der Welt und ich
habe gute Freunde. Wir haben gute Zeiten,
Grillfeste und Schwimmen. Jetzt planen wir
eine aufregende Zeit von mindestens 2 Jahren
mit dem Berner Tabula Orchester mit Denis
und Noel. Ich liebe die Treue in der Band
und könnte so lange weitermachen, wie
andere Künstler es bereits getan haben,
und Roli sagt, er könnte es. Ich wollte immer in einer festen Band sein, seit meiner
Arbeit mit Frank Sinatra, Lee Hazlewood,
Shocking Blue, The Climax Blues Band und
den Eagles. Wir sind in der ganzen Schweiz
unterwegs und waren schon in Deutschland und Österreich. Frankreich wäre ein
Traum. Ich zögere zu sagen, dass ich mit
Sonny Bono gearbeitet habe, aber ich
habe es getan. Fantastische Momente sind
die Brückenbilder in Luzern zu sehen, und
das Kleine Theater, und zu einem kleinen
Ort am Vierwaldstättersee zu gehen mit
schöner Aussicht und Bergen. Wir haben
viele Produktionen und der Master Mixer
Jeannot hat mit uns an der CD zu 20 Jahren
HORA’BAND gearbeitet. Ich möchte all den
erwähnten Personen und all den lieben Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten,
und Freunden und geliebten Personen meine
Herz-Gefühle ausdrücken.
Denise Wick
ZUR GESCHICHTE DER HORA-BAND
Marcel Bugiel
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1. «Liebe Roli, Can you call me Saturday
morning at 7? My alarm doesn‘t work on
the weekend» Denise Wick Ross (im Weiteren: DWR; vgl. auch S.8).
2. Alles beginnt Ende der 1990er Jahre. Mit
DWR, einer in Zürich gestrandeten Amerikanerin, und mit Sandra Grande (im Weiteren: SG; vgl. auch S.40). Unabhängig voneinander zeigen beide Interesse, in der kommenden Inszenierung des damals gerade
mal 5 Jahre alten Theater HORA mitzuspielen. Und auf einmal sind im HORA-Ensemble zwei Personen mit kognitiver bzw.
psychischer Beeinträchtigung, die nicht nur
schauspielen wollen, sondern auch singen
– und sich dafür eigene Songs ausdenken.
3. Meistens allerdings sitzt DWR – eine
grosse Frau, die trotz ihrer Fülle zerbrechlich wirkt – einfach nur unbeweglich da. Und
raucht. Und wenn sie spricht, so die spätere Beschreibung der Journalistin Sarah
Stähli, «öffnet sie ihren Mund kaum und
formuliert ihre Sätze ganz langsam». Wenn
sie aber ihren Mund zum Singen öffne, so
Stähli weiter, dann sei ihre Stimme «klar
und sanft wie die eines Mädchens».
4. DWR bittet HORA-Gründer und -Regisseur Michael Elber (im Weiteren: ME)
dann auch gleich darum, in dem damals
anstehenden Stück – die HORA-Version
von Shakespeares «Sommernachtstraum»
– singen zu dürfen. Auch SG (damals noch
Andreas oder «Res») legt ME während der
Proben eine Kassette mit selbst aufgenommenen Songs hin. ME: «Mit einem ganz
billigen Keyboard hat der irgendwelche Akkorde mit seiner einen Hand gedrückt, und
dann hat er mit seiner Rattenstimme dazu
gesungen. Das war so was von eigenartig …
Mich hat das total fasziniert».
5. Es sollen allerdings noch 6 Jahre vergehen
und es braucht einige glückliche Fügungen,
bis aus diesem Eintritt von DWR und SG
ins HORA-Universum schlussendlich die
HORA‘BAND entsteht: SG wird spektakulär nicht weniger als das gesamte HORA
vor dem Bankrott retten, und ME wird sich
zum Dank ein HORA-Stück ausdenken eigens für die Songs von SG und DWR: UP
AND DOWN (2000) Weil das Resultat eher
mässig ausfällt, wird es ein paar Mal abgewandelt und schrittweise reduziert. Bis am
Ende eine Art wöchentliche Musikwerkstatt
übrigbleibt, die um 2004, dem eigentlichen
Beginn der Geschichte, mehr oder weniger
ratlos vor sich hinprobiert.
6. «Mir war schon da klar, dass es mehr
nach Tom Waits klingen, dass es rumpeln
und humpeln musste» (ME).
7. Dann kommt ein Musiker, der seinen Lebensunterhalt als Gruppenleiter in einer
Werkstatt bei der Stiftung Züriwerk verdient: Roli Strobel (im Weiteren: RS; vgl.
auch S.11). Darum gebeten, doch mal in
der HORA-Musikwerkstatt vorbeizuschauen und ein bisschen zu beraten, stellt der
«WHEN I WAS A CHILD, I HAD DREAMED OF
BEING A NURSE, ACTRESS AND
SINGER MUSICIAN. I WAS DIPLOMED AS
A NURSE, AND HORA WAS AN
ADDITIONAL CHANCE TO BE THE OTHER.»
Denise Wick Ross
fest: So kann das nicht funktionieren. Niemand leitet, niemand spielt wirklich. Er
versucht sich als Coach. Und wird nach
ein paar Wochen von den Musiker*innen
darum gebeten, die Leitung der Proben zu
übernehmen.
8. Eine der ersten Sachen, um die sich RS
kümmert, ist ein harmonisches Gerüst. Er
bittet Wanda Wolfensberger (im Weiteren:
WW; vgl. auch S.41), die in der Musikwerkstatt bisher Flöte und Percussion gespielt
hat, sich an die Wurlitzer-Orgel zu setzen.
9. Eine weitere glückliche Fügung will es,
dass genau zu der Zeit, als RS hier anfängt,
sich das Wohnheim an der Renggerstrasse bei HORA meldet: Zwei musikalische
Jungs, die dort leben, hätten Interesse, in
einer Band zu spielen. Es sind der Gitarrist
Enrico Rizzi (im Weiteren: ER; vgl. auch S.15)
und der Schlagzeuger Ibi Yildiz (im Weiteren: IY; vgl. auch S.41). «Plötzlich hatten wir
einen Schlagzeuger, einen Gitarristen, eine
Organistin, Sängerinnen… Es war alles da
auf einen Schlag. Und das war dann der
wirkliche Start…» (RS).
10. «Eine Band ist grundsätzlich etwas
Schönes. Man ist verbunden, solidarisch,
gehört zusammen und gibt seine gesamte
Energie in etwas hinein. (…) Als ich realisierte, dass wir wirklich eine Band sind, wusste
ich, es kommt gut» (RS am 25. Juli 2005 in
der Aargauer Zeitung).
11. Bei ER gab es eine Zeit, in der er nach Noten spielte. Mehr oder weniger sein ganzes
Leben hat er Musik gemacht. Allein und in
unterschiedlichsten Formationen, verschiedenen Musikrichtungen und mit diversen
Instrumenten. Allerdings schränkt ER ein: «Es
war schon damals nicht einfach, die cheiben [verflixten] Stücke auswendig zu lernen.
Ich weiss nicht. Es war einfach harmonisch,
vom Ton, sehr modern. Du musstest dreissig
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8
DENISE WICK ROSS
(Gesang, Glockenspiel, Mandoline, Text und Musik, seit 2004)
… geboren 1954 in Columbia, South Carolina, USA. Als «erdenschwere Raumstation des
fast schon Überirdischen» (Roli Strobel) ist
sie seit den allerersten Anfängen die Grande
Dame der HORA‘BAND. Sie wuchs in evangelikalem Umfeld auf, wo sie in diversen
Kirchenchören mitsang. In ihrer Jugend war
sie zudem Balletttänzerin. Später studierte
sie an der South Carolina University und am
Baptist College in Columbia und lebte unter
anderem mit den Jungs von der US-amerikanischen Country-Rock-Band «Eagles» in einer WG. Auch mit vielen anderen Koryphäen
der damaligen Zeit war sie bekannt (u.a. Lee
Hazelwood, Climax Blues Band, Shocking
Blue, Canned Heat, Marianne Faithfull).
Als Tierärztin behandelte sie 113 Tiere, darunter auch Elizabeth Taylors Katze Fluffy.
Dann heiratete sie den Schweizer Terry Wick
und folgte ihm 1979 nach Zürich, wo auch
ihre Tochter zur Welt kam. In Folge psychischer Schwierigkeiten landete sie in einem
Wohnheim für Frauen und beruflich in einer
geschützten Werkstatt der Stiftung Züriwerk, über die sie zum Theater HORA fand.
Als dort – u.a. für sie – die HORA‘BAND
gegründet wurde, war sie bereits 50 Jahre
alt. Heute ist sie 70 und Grossmutter, denkt
aber nicht ans Aufhören. Auch wenn sie inzwischen fast seit einem halben Jahrhundert
in der Schweiz lebt, spricht sie bis heute eigentlich nur Amerikanisch. Ihre mystischen,
metrisch absolut exakten, strahlend astralen Texte für Songs mit Titeln wie «Blue Sea
Mermaid», «I’m holding on a moonbeam»,
oder «I’m Always Chasing Rainbows», abgefüllt in kleinräumige, kurze Melodiebögen,
und der Klang ihrer absolut tiefenentspannten Stimme waren von Beginn an eine der
wichtigsten Grundlagen für die Kompositionen der HORA’BAND. 2018 veröffentlichte
Theater HORA die zweiteilige Publikation
«Nothing about Bob Dylan» mit Texten,
Bildern und Facebook-Posts von ihr.
Stücke ungefähr in drei Wochen einbringen,
weisst du. Ich bin dann nachher nicht mehr
da hingegangen. Also das ist dann einfach
eine Überlastung gewesen. Und dann hab
ich den Roli kennengelernt, also».
unverzichtbaren Bestandteil der Musik begreift. Statt die Musiker*innen in irgendeine
vorgefundene Form von Musik hineinzutrainieren, wird auf ihre Autonomie, ihren
eigenen, inneren Antrieb gesetzt.
12. Auch Schlagzeuger IY hat sich bereits
als Kind das Schlagzeugspielen von seinem
Onkel Werner abgeschaut. Der trommelte damals für die Hardrock-Combo New
Heaven. Also «einfach Röhre. Marshall voll
aufdrehen bis es pfeift…»
14. Der Gesang von DWR: leise, lispelnd, oft
dunkel und tendenziell tonlos. Und wenn er
melodiös wird, dann meistens in Melodien,
die nur aus wenigen Tönen bestehen. Ihr
beim Singen zuzuhören sei, so RS, «als hörten wir der Zeit beim Arbeiten zu. So statisch, so unendlich, so unantastbar, ewig.
So sicher, dunkel und hell gleichsam, so
langsam, so alles».
13. Dass RS bei dem Projekt landet, hat
ME später als «absoluten Glücksfall» bezeichnet. Denn RS hat einen unverkennbaren Draht zu diesen Musiker*innen sowie
einen Geschmack und Musikstil, der perfekt mit dem von SG und DWR harmoniert. Und er ist in der Lage, zu erkennen
und wertzuschätzen, was die Musikalität
von SG und DWR, von ER und IY sowie der
ausserdem zur Band stossenden PaukenSpielerin Brigitte Odermatt (vergl. S.41) so
einzigartig, interessant und wertvoll macht.
Zusammen werden sie eine Musiksprache
erfinden, die ihre individuelle Eigenheiten
nicht nur irgendwie aushält, sondern als
15. ER, so RS, habe «in seinem Hirn wohl
mehr Crashs erlebt als die gesamte zivile
und militärische Luftfahrtsgeschichte zusammengerechnet» Aber gerade dadurch,
dass er sich nicht mehr als 8 Töne in Folge
merken könne, entwickele er «musikalische
Freiheiten und Fähigkeiten, um die ihn selbst
gestandene Jazzmusiker beneiden.»
16. Bald nach der Gründung zieht die HORA’
BAND um, weg vom Casinosaal in RSs privaten Proberaum nach Zürich Hottingen. Da
«JA, FRÜHER HAB ICH EBEN
LEIDER MEHR DIXIELAND GEMACHT.»
Enrico Rizzi
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«ICH MEINE, WELCHE BAND AUSSER UNS
ÜBT SCHON MORGENS FRÜH?»
Roli Strobel
müssen die Bandmitglieder zum Musizieren nicht jedesmal zuerst auf- und hinterher dann wieder abbauen.
17. Der Proberaum: «Im vorderen Keller riecht
es nach Kaffee; eine Ecke mit Tischchen,
Lampe und Sesseln lädt zum Verweilen
ein. Im hinteren Raum Kabel, Verstärker,
Gitarren, Boxen, Kaffeetassen, Poster, ein
weicher Teppich, viel Krimskrams und ein
einziges kleines Fenster – ein Übungsraum,
wie man ihn kennt oder sich vorstellt.» (Aargauer Zeitung, 25. Juli 2005)
18. Weil das Projekt HORA‘BAND als (Teilzeit-)Arbeit in einer geschützten Werkstatt
organisiert ist, finden die wöchentlichen
Proben vormittags statt. «Jeden Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr kommen wir hierher,
wir trinken einen Kafi, gehen hinüber, und es
beginnt zu klingen. Es beginnt einfach, es
kommt dann so in die Gänge. Ich liebe das
mittlerweile: wenn die Knochen noch so steif
sind. Es wird alles warm gespielt. Aber nicht
so im Sinne von Fingerübungen. Es wird Musik gemacht. Also wir haben nicht das Gefühl, wir sind am Üben, obwohl wir eigentlich
zu diesem Zeitpunkt noch am Ausprobieren
sind» (RS). Seit inzwischen 20 Jahren finden
diese Proben statt, ganz regelmässig und
immer noch an diesem Ort. Sie sind der
Taktgeber für das gesamte Bandleben.
19. Gespielt wird nach Gehör, nicht nach Noten. «Wir spielen so, dass es für alle technisch
machbar ist und funktioniert. Bei unseren
wöchentlichen Proben wachsen die Stücke
dann und werden immer komplexer» (RS).
20. Musikmachen bei der HORA’BAND ist
ein ernstes Spiel. Es bedeutet: kontinuierlich arbeiten und dranbleiben, hartnäckig
dranbleiben, korrigieren, noch mal versuchen, wach bleiben, wachsam bleiben, bewusst bleiben, aufmerksam bleiben, zart
bleiben, weiterarbeiten. «Res, du bist zu
langsam», korrigiert RS, «schneller rein in
die Strophe, nicht reinbröseln wie Zwieback.» Oder: «Scheu, Ibi, dein Schlagzeug
muss scheu tönen.»
21. «Ich merke mehr und mehr, welche Fähigkeiten in den verschiedenen Menschen stecken und arbeite daran, dass sie bestmöglich
umgesetzt werden können», erklärt RS 2005
der Aargauer Zeitung. In dieser Hinsicht ist
die Musik der HORA‘BAND weniger «inklusive Musik» – Musik, an der egal wer teilhaben
kann – als Musik, die ohne genau diese Individuen, die sie spielen, nicht möglich wäre.
ROLI STROBEL
(Elektrische Gitarre, Komposition,
Gesang und Leitung, seit 2004)
22. «Enrico hat eine sehr eigene Art, Gitarre zu spielen, Sandra hat eine sehr eigene
Art zu singen. Das macht ja die Band aus!
Es ist immer so eine Summensache» (RS).
23. Aber nicht nur das Hyperindividuelle
der einzelnen Mitglieder macht den besonderen Zauber der HORA‘BAND aus,
sondern wie sie es schaffen, sich dieser Hyperindividualitäten zum Trotz aufeinander
einzuschwingen. Wie sie über die Musik zu
einem mitunter fragilen, dafür aber umso
interessanteren Zusammenspiel finden und
etwas Gemeinsames schaffen. Etwas, das
grösser ist als die Summe der einzelnen Teile.
24. Bald schon erleidet WW eine Erschöpfung, und verlässt ihren Platz an der Wurlitzer-Orgel. Dies ist der erste Ausstieg aus
dieser Band, aber leider nicht der letzte.
Und mit jeder Änderung der Besetzung
wird eine Form von Neuanfang nötig, in
dem auch die Logik, wie diese Band funktioniert, neu gefunden werden muss.
25. Die Geschichte der HORA’BAND ist
auch die Geschichte eines einzigartigen,
nunmehr 20 Jahre andauernden Suchens.
Nach einem musikalischen Weg, der für die
jeweiligen Individuen in genau dieser Kombination gangbar ist.
… 1963 in Männedorf geboren, studierte in
Zürich am Konservatorium Klavier und Komposition und arbeitete danach zum Broterwerb u.a. in einer Werkstatt von Züriwerk.
Für das Abenteuer HORA’BAND kündigte
er diese 80-Prozent-Anstellung und entwickelte nicht weniger als eine Art neue Musiksprache. Es gab dafür kaum Vorbilder, keine
Lehrmittel oder Vergleichbares, auf das
man hätte aufbauen können. Er ist dreifacher Familienvater und spielte und sang
als Multiinstrumentalist neben der HORA’
BAND bis vor kurzem noch in diversen
Zürcher Indie-Bands. Zusammen mit dem
HORA’BAND-Schlagzeuger Lukas Selinger
bildet er seit 2021 das Duo «L‘Air Maureen».
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26. Von der HORA’BAND lässt sich lernen:
Die Kunst, zusammen verschieden und verschieden zusammen zu sein, besteht genau
nicht darin, dass alle immer alles mit- und
zusammen machen. Eher darin, miteinander
eine Art sich ständig veränderndes Puzzle zu
bilden. Immer neu aufeinander aufzubauen
und einander zu ergänzen, die verschiedenen
Eigenarten und Bedürfnisse so zu komponieren, dass alles, zumindest aber möglichst vieles seine eigene Zeit haben kann.
27. Ein Song der HORA’BAND entsteht in
der Regel so: DWR (und bis 2016 auch SG)
nimmt Text und Melodie zuhause auf Kassette auf und bringt sie zu den Proben mit.
RS hört sich die Aufnahmen an, und das,
was bei ihm hängen bleibt, wird gemacht.
28. RS: «Das ist total luxuriös: Ich kann mich
einfach auf das stützen, von dem ich finde,
dass was dran ist. Dann schaue ich, ob Denise
das wieder so hinkriegt. Und wenn ja, weiss
ich, dass sie’s auch in hundert Jahren noch so
machen wird, denn dann ist es eine fixe Idee.
Wenn nicht, war’s nur eine Idee, die sie einmal
auf Band gesungen hat und nie wieder so hinkriegen wird, auch nicht mit Üben. Meistens
hat sie Melodie und Text aber genauso im
Kopf, wie sie auf der Aufnahme sind.»
29. Manche Songs von DWR seien recht
schwierig zu spielen, «weil Denise Viererund Dreiertakte macht. Ich dachte zuerst:
Das ist Unkonzentriertheit – aber das
stimmt nicht, viel mehr ist es strukturell bedingt. Denise macht es immer gleich und
wird das nie wieder ändern. Manche Songs
sind deswegen super kompliziert» (RS).
30. Andere Songs entstehen auf den Proben, aus dem Zusammenspiel der Band
heraus, bei Sessions in langweiligen Momenten und auch wenn jemand nicht da
ist oder krank. Text und Gesang kommen
dann erst später hinzu.
31. Ein knappes Jahr nach den ersten Proben: Erste öffentliche Auftritte werden geplant. «Mir schlottern schon ein bisschen
die Knie. Sie haben es ja heute bei der Probe gesehen: Wir sagen ‹jetzt›, spielen los,
«I SING IT, AND I, WELL… WHAT
I’M GOING TO DO IS… I JUST BRING THE CORD
TO ROLI THAT HE CAN PLAY IT.»
Denise Wick Ross
WAS ICH VON DER HORA‘BAND GELERNT HABE
Esther Banz, Journalistin
Ich war einen Moment ermattet und still, nachdem ich
einem geliebten Menschen gerade erzählt hatte, was mich
an jenem Tag so aufwühlte. Der Freund hatte sich alles aufmerksam angehört. Als ich nichts mehr zu sagen wusste,
sagte er einen einzigen Satz: «Ich wünsche dir mehr Gelassenheit.» Das ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. Der Satz
begleitete mich fortan. Er schlummerte und wirkte. Er irritierte mich auch. Denn nicht gelassen bin ich ja nicht nur,
wenn ich mich ärgere, gestresst oder verunsichert bin. Nicht
gelassen bin ich auch, wenn ich freudig aufgekratzt bin.
Gelassenheit ist das Gegenteil von Aufregung und Aufregung ist Energie, Kraft, Ausdruck von Emotionen aller Art. Ich
verstand schon, dass der geliebte Mensch mich nicht ruhig
stellen wollte. Aber was genau er meinte – ich verstand es
einfach nicht. Dann verbrachte ich vor elf Jahren viel Zeit mit
der HORA’BAND. Roli Strobel hatte mich angefragt, fürs
HORA-Buch (ja, dieses riesige, selbstbewusste Manifest
des Hier-und-Bedeutungsvoll-Seins) über die Band zu
schreiben. Ich war dabei, als sie sich in Rolis Übungsraum in
Zürich-Hottingen auf einen Auftritt vorbereiteten, ich traf
sie einzeln zum Kaffeetrinken und Erzählen und begleitete
13
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sie schliesslich an einem kalten, aber klaren Herbsttag zu
einem Konzert auf dem Land. Irgendwann in dieser Zeit
erzählte mir Roli von der Unberechenbarkeit der HORA‘
BAND. Davon, dass sie vor einem Konzert stets damit
rechnen mussten, einmal mehr unvollzählig auf die Bühne
zu steigen und improvisieren zu müssen. Und dass es noch
immer gut gegangen sei. Ohnehin wollten sie, so der Bandleader, «immer mal wieder eine Abzweigung verpassen,
im lustvollen Bewusstsein». Diese «Lust am Scheitern», wie
auch ein Stück des Theater HORA heisst und auf die Roli
verweist: Wie wahrhaftig ist sie? Empfinden sie das wirklich
so? Ich weiss es nicht. Aber als die Band fern von Zuhause
auf die Bühne trat – ich glaube unvollständig – tat sie es
mit einer Gelassenheit, die mich einnahm und betörte. Da
war durchaus eine Aufregung spürbar – aber keine Angst.
Und ich verstand endlich, was mein Freund mir Jahre zuvor
gewünscht hatte. Seither denke ich in Momenten, in denen
ich mich am liebsten verkriechen oder einen Rückzieher
machen würde, an die HORA’BAND und ihren Auftritt.
Und als ob diese Erinnerung wie ein Lichtschalter wäre,
der sich drücken lässt, gehe ich sodann mit einem kühnen
Lächeln dem Ungewissen entgegen. Ich werde euch ewig
dankbar sein, ihr gelassenen Mutigen! Für eure wunderbare Musik – und für eure Weisheit.
und nach 15 Sekunden gibt es ein Chaos»
(RS im Sommer 2005, ein paar Monate vor
dem ersten Konzert).
ENRICO RIZZI
(Banjo, Dobro-Gitarre, seit 2004)
32. Doch was im Vorfeld noch als grosse
Furcht erlebt wird, wird sich schon bald als
die vielleicht grösste Stärke dieser Band erweisen: ihre Entspanntheit und Offenheit
im Hier und Jetzt des Konzertmoments.
33. Da die Band technisch autonom ist,
vor Ort für ein Konzert nicht mehr benötigt
als sechs Stühle und eine Steckdose, kann
sie eigentlich überall dort spielen, wo Menschen sind und leben. Und wird selten weniger als 25 Konzerte pro Jahr geben.
34. Mai 2006: RS kündigt seine 80-ProzentAnstellung in der Werkstatt, um sich beruflich fortan ausschliesslich der HORA‘BAND
zu widmen.
35. Rund einen Monat später: Open-AirAuftritt in Bubikon, «bei traumhaften äusseren (und inneren) Bedingungen, ein Konzert im Garten», so RS im Rückblick, «bis
das Licht hinter der Wiese versank und die
Schweiz 2:0 gegen Südkorea gewonnen
hatte. Nur knapp 30 Stunden später sassen die Musikerinnen und Musiker im Bus,
um eine zehnstündige Fahrt nach Graz in
Angriff zu nehmen. That’s Rock ’n’ Roll!»
36. Es gibt von Anfang an bei der HORA’
BAND einen so genannten Professionalitätsanspruch. Immer geht es auch darum,
… geboren 1962 in Zürich, hat mehr oder weniger sein ganzes Leben lang Musik gemacht.
Schon früh als Kind lernte er Ukulele, dann
Geige und schliesslich Fagott. Später bediente er in einer Dixieland-Band einen Kontrabass und stieg irgendwann auf Gitarre um.
Bei der Späth AG in Rapperswil machte er
eine Lehre als Orgelbauer, wo ihm ordentlich
Pfeifen und Bohrer um die Ohren flogen. Er
ist Gründungsmitglied der HORA’BAND und
der Erfinder einer Art Glasperlenspiel mit
ständig variierten Tönen, die weitergehen,
bis die Musik irgendwie endet. Neben der
HORA‘BAND arbeitet er seit Jahrzehnten
schon noch als Friedhofsgärtner bei Grünstadt Zürich und lebt zufrieden in einer Wohngruppe am Dialogweg in Zürich-Oerlikon.
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VREE RITZMANN
(Wurlitzer Orgel, Komposition, Gesang,
Assistenz, seit 2009)
… geboren 1964 in Schaffhausen, ist Berufsmusikerin und sorgt bei der HORA‘BAND
für professionelle Stabilität. Sie vollführt
Kunststücke auf einer alten Wurlitzerorgel,
liefert den Schmalz und die fetten Bässe,
singt zusammen mit Denise, Roli und Dario
und findet: «Zusammen Musik machen ist
das Beste in der Welt!». Eine grossartige
Künstlerin und eine sehr liebenswerte und
verlässliche Person, die Wandern in der
Natur, fein essen und trinken und vor allem
Pflanzen liebt. Neben der HORA‘BAND musizierte sie bis vor Kurzem auch noch bei
der Rockband «Quince», bildete am Bügelbrett mit Nora Wonder zusammen das
umwerfende Duo «Casiofieber» und arbeitet
als Klavierlehrerin im Zürcher Weinland.
Leute davon zu überzeugen, «dass Behinderte nicht nur auf Behinderten-Festivals
spielen können, sondern auf irgendeiner
Bühne in der Stadt» (WW) – und zwar
nicht aus menschenrechtlichem Anspruch,
sondern aufgrund der Qualität ihrer Musik.
37. «Denise und Sandra singen. Manchmal haarscharf an den richtigen Tönen
vorbei, manchmal nicht hundertprozentig
im Takt, meistens nuschelnd und lispelnd
– so eben, wie sie auch sprechen. Und
dennoch passiert Magie, wenn das Sextett – manchmal auch um eine oder zwei
Personen reduziert – aufspielt» (die Journalistin Esther Banz).
38. «Die HORA‘BAND ist poetisch», sagt
DWR, deren Songtexte myteriös, kryptisch und nicht von dieser Welt sind. Auf
der Bühne, während eines Konzerts, hält
sie sich immer wieder konzentriert ihre
Hand ans Ohr, und es scheint, als wolle
sie in sich hineinhorchen. RS hat sie einmal als «erdenschwere Botschafterin des
fast schon Überirdischen» bezeichnet, sie
scheine «wahrhaftig ihr eigenes Universum
zu bewohnen». Eine Schwäche für SpaceThematiken in allen Variationen hat sie
auf jeden Fall.
39. Juni 2006, «Tingeltangel»-Festival in
Graz. Auf dem Markt begegnet ER einem
Pilzexperten. Die beiden beginnen zu fachsimpeln. Der Mann spendiert zum Abschluss
Grappa für alle.
40. Dann das Konzert, «bis ein abendlicher
Blitz in eines unserer Lieder einschlug. Der
folgende Hagelschlag lehrte uns, den reibungslosen Bühnenabbau in Zukunft etwas
besser zu üben. Wir haben direkt vor dem
Rathaus gespielt, und dann ist also wirklich
eine schwarze Wolkenwand gekommen.
Und wir haben uns gesagt: ‹Ja, das kommt
… Aber wir spielen einfach.› Und dann ist
es losgegangen. Also wirklich. Das hat den
Platz überschwemmt, es ist wirklich ein
unglaublich harter Sturm gekommen, der
auch Scheiben eingeschlagen hat, es ist
voll abgegangen. Und wir sind… Jeder hat
sein Instrument gepackt – und ist ins Rathaus rein» (RS).
41. ER, der geheime Motor der Band, gerät manchmal ins Stottern und muss immer
mal wieder in eine Klinik. Da werden dann
Abklärungen gemacht und meist eine neue
Einstellung der Medikatation ins Auge gefasst. Zeitweise ist er über Wochen oder
auch Monate in der geschlossenen Abteilung einer Heilanstalt. Dorthin geht die
Band ihn dann besuchen.
42. In Bezug auf die angestrebte Professio- 17 17
nalität der Band hatte RS in ihren Anfängen den Anspruch formuliert: «Ich will an
denselben Orten in Zürich spielen, wo ich
auch mit meinen anderen Bands auftreten
würde». Und doch gehört zur Realität der
HORA‘BAND, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil ihrer Konzerte in BehindertenInstitutionen stattfindet, in Wohnheimen,
Werkstätten und zu Anlässen rund um das
Thema «Inklusion». Das sind meist alles andere als Konzert-Locations, oft nüchterne
Mehrzwecksäle mit einer Atmosphäre, wie
man sie in fast jedem Kirchgemeindehaus
antrifft, ohne Deko und spezielles Licht,
ohne Bühne oder allenfalls mit einer improvisierten. Und doch sieht die Band diese Orte nicht negativ. Es komme meist viel
schneller etwas zurück bei Leuten, die in
solchen Institutionen leben.
43. Im Jahr 2008 Veröffentlichung und Plattentaufe vom Debütalbum SO SCHÖN WIE
NIE im Theater Stadelhofen in Zürich. Die
ersten 1000 Exemplare sind schnell verkauft,
die nachgepressten 500 auch.
«DAS WÜRDE DEN LEUTEN
NATÜRLICH SEHR FEHLEN, DIESE GEISTIGE
INSPEKTION, EINFACH SO.»
Ibi Yildiz auf die Frage, was fehlen würde ohne die HORA‘BAND
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44. Mai 2008, Nouveau Monde, Fribourg,
beim Fest der Fachschaft Heilpädagogik,
der schönste HORA’BAND-Abend aller
Zeiten: Der lange Holztisch, wo die Band
tafelt, liegt direkt unter der Bühne. Danach
steigen die Musiker*innen hoch über eine
Treppe direkt auf die Bühne. Als sich der
Bühnennebel legt, beginnen sie zu spielen.
Mucksmäuschenstill ist es, und die Halle
rappelvoll. Die Ekstase perfekt. SG: «Das
ist einfach eine total geile Stimmung gewesen.» ER: «Ja.» SG: «Ist wirklich genial gewesen. Das vergessen wir nie.» RS: «Du weisst
nicht, wie das geschieht. Du kommst auf die
Bühne und es ist Magie von A bis Z. Das hat
aber irgendwie auch mit dem Ort und mit
den Leuten zu tun. Die haben das einfach
geschafft, etwas genau auf den Punkt zu
organisieren.»
45. Dezember 2008: Erstes Zusammenspannen mit dem HORA-Schauspiel-Ensemble für eine Inszenierung von Goethes
FAUST 1&2. Regelmässig wird die Band ab
da immer mal wieder für Theaterprojekte
tätig sein – für HORA ebenso wie für andere
Künstler*innen und Gruppen (Cie Drift, Back
to Back Theatre, …). Und jedes Mal wird sich
die Musik dieser Band mit ihren zurückgenommenen, introvertierten Musiker*innen
als wundervoll theatergeeignet erweisen.
46. RS: «Also hey, von zehn Stunden Fahrt
nach Berlin ist neun Stunden Schweigen.»
IY: «Es ist das Geistige einfach. Dort habe
ich geistig gearbeitet.» RS: «Eben, siehst
du.» SG: «Also wenn überhaupt gesprochen wird, dann heisst es: Wann gehen wir
bei der nächsten Raststätte raus, um eins
zu rauchen?»
47. Das Debütalbum SO SCHÖN WIE NIE
wird vom Musikjournalisten Albert Kuhn
zum einem der zwei besten Alben des Jahres 2008 gewählt (zusammen mit dem von
Züri West). Albert Kuhn: «Ist wohl so, dass
es die sogenannten Defekte und Nichtkompatibilitäten in den Menschen sind, die zu
guter Musik führen.»
48. «I needed one ferien day completely
mixed with a sick day» (DWR).
49. Dass die Mitglieder der HORA‘BAND
unter anderen psychischen und sozialen
Bedingungen Musik machen als andere
«ES IST ETWAS INTUITIVES EIGENTLICH,
DAS UNS OFT UM DIE KURVE HILFT.»
Roli Strobel
2015 STÖSST DER RAPPER LUCA TONI
ZUR BAND UND VERLÄSST SIE 10 MINUTEN VOR
DEM ERSTEN KONZERT WIEDER.
Musiker*innen, ist Teil des Spiels, steht
aber nicht im Vordergrund. RS kennt ihre
psychiatrischen Diagnosen nicht, und er
hält es auch nicht für produktiv, seine
Bandkolleg*innen auf diese Weise zu betrachten. Die Diagnose sei nicht wichtig für
das, was sie täten in der Band. Hier stehe
die Musik im Vordergrund. Er nehme die
Menschen, wie sie seien, und versuche,
davon ausgehend etwas mit ihnen auf die
Beine zu stellen.
50. Es gibt auch keine gesonderte agogische Betreuung in der HORA‘BAND. Auch
dass das Musikmachen im Zeitraum der
Band-Aktivitäten die Leute gewissermassen
von ihrer Beeinträchtigung emanzipieren
kann, gehört zum Utopischen an diesem
Projekt.
51. Die Wurlitzer-Orgel übernimmt 2009
die Profi-Musikerin Vree Ritzmann (im Weiteren: VR; vgl. auch S.16) mit ihrer feinen,
zurückhaltenden musikalischen Art. Sie hat
explizit keine andere Aufgabe, als Musik zu
machen. Sie schenkt der Band musikalische
Stabilität, und bereichert zugleich deren
Klang um weitere, subtile Dimensionen.
52. August 2009: Das heisseste HORA’
BAND-Konzert aller Zeiten, in einer schönen
alten Aula in Winterthur, vor 150 Diplomierten sowie 800 Freunden und Familienangehörigen. Draussen 35 Grad Celsius, drinnen
45. Der Rektor hat ein hellblaues Hemd
an, das sich während seiner Rede schwarz
einfärbt. Keiner weiss, ob er das Ende seiner Rede lebend erreichen wird. Exakt vier
Monate später: Das kälteste HORA’BANDKonzert aller Zeiten, draussen am Schiffssteg bei minus 18 Grad als Begleitmusik für
die Aktion Friedenslicht, aber kältebedingt
praktisch ohne Friedenslichter.
53. Er habe noch nie so viel Freude gehabt
mit einer Band wie mit dieser, wird RS der
Journalistin Esther Banz einmal erzählen.
Auch diese findet, die Band strahle «ein geheimnisvolles Glück» aus.
54. Am Sonntag, den 12. Dezember 2010
erlebt die zweite CD der HORA‘BAND ihre
Plattentaufe im Zürcher El Lokal: RAUMSCHIFF HORA. Das Album setzt erstaunlich
nahtlos da an, wo das erste geendet hat.
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55. «Ich hab es einfach gern, wenn es fliesst.
Wenn nicht nach jedem Lied alles fertig ist,
rums, und dann stellt man wieder das Gerüst um, und dann kommt das nächste. Ich
hab es gern, wenn eines aus dem anderen
herauswächst» (RS).
56. Ende 2013 spielt die Band über 30 Konzerte im In- und Ausland. Und kommt damit
«an die Grenze, wo es wirklich nicht mehr gut
ist, wo wir uns einfach abfräsen» (RS). Sie
beschliesst, für die Zukunft eine Obergrenze
von 25 Konzerten pro Jahr einzuführen.
57. Ohnehin hat die HORA‘BAND schon
früh für sich festgestellt, dass in der Kunst
Dinge auch aus dem Herunterfahren erwachsen können, aus der Selbstbeschränkung und einem gewissen Minimalismus.
58. Im Jahr 2014: Clubtour durch die besten
Musiklokale der Schweiz: El Lokal Zürich,
Café Kairo Bern, Café Mokka Thun, Zum
goldenen Fass Basel, Kammgarn Schaffhausen, Atelier Hinterrüti Horgen und Le
Salon in Gockhausen. Und Veröffentlichung
der Mini-CD BLACK SHEEPS, ausschliesslich mit Coversongs.
59. Der Text des Songs «Sleepwalk» auf
BLACK SHEEPS – ein Cover von «Grand
Machine No.12» der Indietronic-Gruppe
Electric President – klingt wie ein Manifest
oder Glaubensbekenntnis der HORA‘BAND:
«This damn machine, this damn machine, this
broken head doesn‘t work. / So they‘re selling
it off again. / These crooked legs, these twisted arms, these tired feet lost their worth. /
Soon they‘ll dismantle them. / But we‘re all
just part of some giant grand machine. / Too
big to really understand. (…) / We‘re all just
part of someone‘s elaborate plan. / Chess
pieces in some grandiose scheme. / But we‘ll
do our jobs till we break down and fall.»
60. Wenn es im Vergleich mit anderen Bands
etwas Typisches gebe, so RS, dann sei das:
die Unberechenbarkeit – und die Flexibilität.
Dies betrifft sowohl die Bandmitglieder als
auch die Art, wie ein Song jeweils gespielt
werde. Er müsse immer damit rechnen, dass
jemand ausfällt. Und jeder Song könne abheben, aber in bestimmten Situationen
eben auch abstürzen – oder zumindest aus
der Spur geraten. RS: «Da versuchen wir einen lustvollen Umgang mit zu haben: Beides
kann auf der Bühne Teil des Ganzen sein».
Bildstrecke S.21–28: Aufnahmen der HORA’BAND in nur bedingt chronologischer Reihenfolge: 2005
beim No Limits Festival Berlin, 2008 fürs Cover von SO SCHÖN WIE NIE, 2015 für die Produktion
BAD ADVICE mit der Cie Drift, 2021 für ein Pressefoto, 2006 am Strassenfestival Bad Radkersburg,
2019 beim Soundsyndrom Festival in der Roten Fabrik, 2018/19 im Kontext von BOB DYLANS 115TER
TRAUM, 2023 an der Plattentaufe von «Heitere Scheibe» (Bern) und 2024 im Theater Rigiblick.
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«ICH WÜRDE SAGEN,
WENN WIR FIT SIND GESUNDHEITLICH:
BIS ZUM LETZTEN ATEMZUG!»
Ibi Yildiz, ein Jahr, bevor er 2015 die Band verliess
61. ER: «Also, wie sagt man, das Letzte, wie
hat das geheissen? ‹Ta ta ta ta ta›. Das
habe ich einfach wieder vergessen!» IY: «Das
ist ‹Desire› gewesen.»
hatte sie kurz vorher noch geantwortet: «Also
ich wüsste nicht mehr, wohin ich mit meinen
Witzen könnte.» Jetzt zieht sie der Liebe wegen nach Deutschland.
62. «Manchmal fangen wir einen Song an,
dann kommt Enricos Einsatz, und er weiss
es nicht mehr. Aber er riskiert etwas. Er geht
einfach rein, er beginnt zu spielen, und dann
merkst du schon mal: Oh oh, dieser Lauf
ist komplett neu… Und manchmal findet
man dann dadurch was Neues, oder wir
machen einfach eine Kurzversion.» (RS)
Abgebrochen und neu angefangen jedenfalls wird dann nicht. «Wenn ein Song z.B.
zu schnell oder zu langsam ist, dann ist das
halt so, dann versuchen wir daraus etwas zu
machen. Dann hat Ibi eben einfach dieses
Tempo gegeben, und dann verteilen sich die
Klänge anders.»
64. Die Band ist nunmehr nur noch vierköpfig: eine Band ohne Schlagzeug und mit nur
einer Sängerin. Also weitermachen, trotzdem
weiter Konzerte spielen, ein monatliches Format im El Lokal beginnen, auch ohne Schlagzeuger, ohne diese zweite Sängerin, die der
grösste Entertainment-Faktor der Band war,
und schauen, was sich findet und unter diesen neuen Bedingungen machen lässt. «Es ist
auch eine Sicherheit in dieser Band, denn wir
sind schon so viele Bahnen abgefahren auf
alle Arten, haben Abzweigungen Richtung
nirgendwo genommen… Und es ist noch immer gut gekommen…» (RS).
63. Nach über 10 Jahren verlässlichem Trommeln verlässt Schlagzeuger IY 2015 die Band.
Kurz darauf, 2016, dann der definitive Weggang von SG. Auf die Frage, was ein Leben
ohne HORA’BAND für sie bedeuten werde,
65. Und siehe da: Nach fast zwei Jahren
HORA’BAND ohne Trommeln findet sich
mit Lukas Selinger ein neuer Schlagzeuger, und die Band setzt sogleich wieder zu
Höhenflügen an. So zunächst ab der zweiten Jahreshälfte 2017 bei einer weiteren
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LUKAS SELINGER
(Schlagzeug, Stimme, Melodika,
Navigation, seit 2016)
… geboren 1979 in Zürich, kam 2016 zur
HORA’BAND und weiss immer, wo diese
sich gerade in der Musik befindet. Deshalb
navigiert er auch den Fahrer des Bandbusses durch die verwinkelten Innenstädte.
Er ist eigentlich studierter Arzt, arbeitet
seit 10 Jahren aber auf dem 2. Arbeitsmarkt
als Elektronikmitarbeiter und interessiert
sich speziell für das Geistige im Menschen.
Schlagzeug spielt er genau wie ein Chronometer und liefert zwischendurch legendäre
Rolls. Manchmal greift er auch zur Melodika,
um eine wunderbare Melodie-Linie in die
Luft zu zeichnen. Neben der HORA’BAND
spielt er mit Roli Strobel zusammen im Duo
«L’ Air Maureen» und seit kurzem auch im
«Tabula Musica Orchester».
Zusammenarbeit mit dem HORA-Schauspiel-Ensemble für BOB DYLANS 115TER
TRAUM. Die HORA’BAND ist Teil des Bühnengeschehens, das sie musikalisch begleitet. Denise, unbeweglich im Ohrensessel vergraben, steht für den rauchenden und Bourbon aus der Flasche trinkenden Bob Dylan.
66. Das vierte Album, die Schallplatte SOLD
THE ROCKET TO THE MOON erscheint
2018. Sie klingt wie die Remix-Version eines
anderen Albums (das nie erschienen ist) –
noch deutlich spaciger, sphärischer und verhallter, wummernder, reduzierter und verlangsamter als die Live-Version der HORA’
BAND. Denn ausser den originalen Gesangsstimmen von DWR, SG und IY werden nur
montierte Klänge, Beats und Geräusche aus
digitalen Sounddateien benutzt. Alles Authentische – Persönliche, Analoge, Fehlerhafte – hingegen: komplett gestrichen. «Nur
die Umrisse, die darunterliegende Struktur
der Songs habe ich stehenlassen. Ich wollte
wissen, wie das klingt. Das war sehr egomanisch und ich konnte das der Band (die sich
schon auch wunderte) nicht richtig erklären. Es war der Wunsch nach etwas völlig
Unbekanntem» (RS).
67. Als am 15. September 2019 spätabends
im Casinotheater nach über 50 Vorstellungen von BOB DYLANS 115TER TRAUM mit
der Derniere auch die letzte Flatternote der
HORA’BAND im Raum verklungen ist, das
PET-Fläschli von ER zum wiederholten Mal
umgefallen und die verschwitzten Hemden
NICHT SO SEHR EINE BAND –
EHER EIN RAUM
Chris Weinheimer, Musiker
Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber: Die HORA’BAND
ist für mich nicht so sehr eine Band. Sie ist wie ein Raum.
Ich kann da reingehen. Wenn ich mir eine Platte anhöre.
Oder wenn ich ein Konzert sehe. Ich bin dann in diesem
speziellen Raum. Was das Besondere ist an dem Raum:
er entsteht aus der Band. Von innen heraus. Aus dem,
was die Band macht. Das ist melodiös, aber nicht glatt.
Das groovt, aber es treibt einen nicht durch die Gegend.
Das hat was Versponnenes und doch Klares. Und das
Komische an dem Raum: er hat keine Wände und keine
Decke. Bei dem Bob Dylan-Stück hat die Band – so ist
das jedenfalls in meiner Erinnerung – in einer Art verrumpeltem Wohnzimmer gesessen. Irgendwie zwischen
Verstärkern und Stehlampen. Keine Wände, keine Decke. Das hat total gut gepasst. Der Raum war wie ein
Haufen, aus dem heraus die Sachen entstanden sind.
Altes. Neues. Vergessenes. Gefundenes. Ausgedachtes.
Wirkliches. Manchmal weiss man bei der HORA‘BAND
gar nicht so genau, wann der Song anfängt. Wie bei der
indischen Musik, wo ich auch nicht immer weiss: stim-
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men die noch, oder hat es schon angefangen? Und deshalb hat der Raum keine Wände. Man ist schon drin,
bevor man es gemerkt hat. 2, 3 Mal hab ich schon mit
der Band gespielt. Da war ich dann mit in dem Raum
und hab selbst gespielt. Es ist entspannt da. Es geht
um Sound. Um Groove. Um Klang. Um Musik. Nicht um
Sport. Nicht um Ego. Nicht um Hierarchie. Deswegen ist
die HORA‘BAND eher ein Raum als eine Band für mich.
Ein Freiraum.
WO UND WIE SICH JEDER EINZELNE KLANG
ZUM GANZEN GESELLT
Krishan Krone, Schauspieler
Es gibt Teams, da ist jede und jeder genau an dem Platz,
wo sie oder er sein möchte, wo sie oder er hingehört. Ich
finde, die HORA’BAND ist so ein Team. Und so wie ihre
Mitglieder an ihrem Ort sind, so sind es auch die Töne.
Der ganze Sound ist so klar, dass du jede Ton-Nuance
nicht nur hörst – sondern du kannst geradezu sehen von
wo und wie sich jeder einzelne Klang zum Ganzen gesellt.
Einzigartig!
gewechselt sind, fühlt sich alles still an. Aber
grundsätzlich, so RS, schaffen Stille und
Leere Platz für neue Ideen.
der befinden sich monatelang zuhause und
unterhalten sich mit Kakteen (ER) oder mit
sich selbst (DWR).
68. Die neuen Ideen kommen dann auch, und
zwar «in so überwältigender Menge und Fülle,
dass wir uns gar nicht alles merken konnten.
So zum Beispiel das Instrumental ‹Velvet›,
das wir sogleich wieder vergassen. Das nächste Instrumental, eine Woche später, hiess
dann ‹New velvet›. Nach einer erneuten Finsternis entstand dann endlich ‹New new Velvet›. Bei welcher Version wir mittlerweile sind,
das wissen wir nicht mehr so genau» (RS).
71. «Enrico, auf seiner Wohngruppe festgesetzt, schicke ich jetzt Aufnahmen unserer Musik und sehe dann auf einem Video,
wie er dazu Gitarre spielt und wie sehr es
ihn schmerzt, wenn er einen falschen Ton
spielt. Das ist mir bisher so extrem gar
nicht aufgefallen und berührend zu sehen»
(RS).
69. Oktober 2019: Der junge Dario Zanni
stösst neu zur HORA’BAND. Der sehr klare,
prägnante, austarierte und wohlarrangierte,
typische Sound der HORA’BAND gerät in
eine Art Waschanlage. Es wird teils schmuddlig, unübersichtlich, chaotischer. Eine Prise
Freiheit kombiniert mit angemessenem Starrsinn. Ein Abenteuer also, eine Erneuerung
eigentlich, an der alle irre Freude haben.
70. Corona-Pandemie 2020–22: Die Band
muss immer wieder pausieren. Auch Konzerte sind nicht mehr erlaubt. Die Bandmitglie-
72. RS und LS beschliessen, am Freitagmorgen zu zweit eine kleine Übungseinheit
zu bilden, ihre Lieblingssongs an die Wand
zu spielen und dabei richtig laut zu sein. Als
Side-Project der HORA’BAND gründen sie
zusammen das Duo «L’Air Maureen».
73. Dreharbeiten zu PLANET HORA –
DER FILM (2021) im Proberaum der
HORA’BAND. Mit dem Film feiert das neue
Leitungsteam des HORA-Schauspiel-Ensembles seinen Einstand. Die HORA’BAND
hingegen macht, wie immer eigentlich, einfach weiter. Badet im Juli 2022, nach Konzerten in Wismar an der Ostsee, im warmen
«LIKE I TOLD CURDIN IN AN EMAIL,
THE TABLE IS FULL OF THINGS TO DO.»
Denise Wick Ross
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«DAS UNIVERSUM IST WIE
EINE SCHILDKRÖTE, WENN DER MENSCH
AUFHÖRT ZU GEHORCHEN.»
Songtext-Zeile von Denise Wick Ross, ins Deutsche übersetzt
Meer (ohne Maske!). Gibt 2023 ein Konzert
in der noblen Schweizer Botschaft in Berlin
Mitte, und der interimistische Botschafter
hängt lieber im Cheminée-Backstage mit
den HORAs ab, als mit seinen illustren Gästen zu plaudern (sehr sympathisch!). Nimmt
2024 sieben neue Songs im Soundcheck
Studio von Jeannot Steck in Bachenbülach
auf, für eine neue CD mit insgesamt 20
Songs zum 20sten Geburtstag der Band.
Und bildet ein «Big Ensemble», zusammen
mit dem Tabula Musica Orchester aus
Bern, der Sängerin und Komponistin Brandy
Butler und zusätzlich noch einem kleinen
Streichorchester. (Seitdem sitzen die Bandmitglieder immer mal wieder im Smoking
mit Fliege oder im passenden Abendkleid
im ICE nach Bern und fahren an die Proben
in die Vidmarhallen. Und hinterlassen überall «Brösmelis» von den vielen Sandwiches.)
74. Alles entwickelt sich also weiter ohne
Unterlass in dieser Band, und seit LS und
DZ für frischen Wind sorgen, hat ihr Sound
noch einmal einen ganz neuen Dreh, um
nicht zu sagen: eine Art Verjüngungsspritze bekommen. So offensiv, so vorwärts-
gewandt wie bei dem von DZ gesungenen,
von LS getrommelten «Fireman» hat man
die HORA’BAND noch nie gehört!
75. Und doch ist das letztlich sehr viel Bemerkenswertere an der HORA‘BAND, dass
sie sich trotz aller Wandlungen in den 20
Jahren ihres Bestehens so erstaunlich gleich
geblieben ist. Dass ihre Mitglieder nur ein
bisschen in Würde ergraut sind gemeinsam,
im Herzen aber immer noch so wach und
verträumt und still und radikal und erfindungsreich wie am ersten Tag. Und dass
sie diese Jahre vor allem gemeinsam in der
schönen Regelmässigkeit ihrer Donnerstagvormittagsproben verbracht haben, von
denen DWR behauptet, sie hätte die gesamten 20 Jahre keine einzige davon verpasst.
Und aufgegangen sind in den geplanten
Ausnahmezuständen ihrer Auftritte, deren
Erzählungen klingen wie eine schier unendliche Abfolge magischer Konzert-Momente
und -Begleitumstände.
76. Anlässlich des nunmehr 20-jährigen Bestehens bezeichnet RS die «Reise ins Unbekannte», die er mit Gründung der Band an-
getreten hatte, trotz aller Turbulenzen als
«die wundervollste, längste, schönste und
friedlichste Reise meines Lebens». Und die
HORA’BAND als «eine ganz wunderbare
Heimat und eine Art menschliches Asyl»,
einen «Ort des Schutzes, der Sicherheit,
der Stabilität und Zuverlässigkeit».
77. In weniger als vier Jahren wird RS, dieser Zen-Meister im musikalischen Leiten,
das Rentenalter erreicht haben. Etwa
zeitgleich mit ER, dem genialen Gitarristen und der geheimen Seele des Projekts,
und mit VR, der magischen Organistin.
Sängerin DWR, die Grande Dame der
Band, wird dann bereits Mitte 70 sein. Für
die jüngeren Bandmitglieder, den hyperorientierten Schlagzeuger LS und den
umtriebigen dritten Gitaristen DZ, wird
schon langsam nach alternativen Bands
und Orchestern gesucht. Und das HORA
als Träger dieser Band wird sich überlegen müssen, ob es auch in Zukunft wieder
ein Musikprojekt haben will, und wenn ja,
in welcher Form.
78. «Maybe we can have a pizza party on
my 70th birthday» (DWR).
79. Was soll überhaupt noch kommen?
Schon jetzt erscheinen die HORA‘BAND
und ihre Mitglieder wie ein Relikt aus einer
strahlenden Zukunft ‹inklusiver› Kunst, die
dann doch nie richtig eingetreten ist. Auch,
wenn es vielleicht unrealistisch ist: Man
kann eigentlich nur hoffen, dass die Band
DARIO ZANNI
(Elektrische Gitarre, Komposition,
Gesang, seit 2020)
… 1987 im Chuderbode bei Schachen LU
geboren, besitzt eine Fender-Gitarre und
vier Gibson. In der HORA’BAND spielt er
die blaue über einen scheppernden alten
Marshall Verstärker von Roli. Wenn er dann
zusätzlich noch seinen Verzerrer aktiviert,
dann ist einiges los in der Welt der Klänge
und seltsamen Geräusche. Musik ist wirklich
seine Leidenschaft, und wenn er sie nicht
selbst spielt, dann hört er sie: ganz verschiedene Sachen, von Silbermond bis Metallica.
Er ist der geborene Solist und liefert der
Band unzählige musikalische Ideen, die alle
sogleich in die Gänge bringen. Zudem hat er
damit angefangen, kurze Texte zu schreiben
und live zu singen. Neben der HORA’BAND
spielt er auch noch in der Insieme Band.
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einfach immer weiter macht. Wenn schon
nicht in unserem, dann zumindest in einem
der anderen Sonnensysteme.
80. Es lässt sich so unendlich viel lernen von
ihnen, während man nichts zu tun glaubt als
ihnen zuzuhören beim Spielen ihrer traumschönen, spintisierenden, leicht irren und
anregenden Herzensmusik, in der beachtliches musikalisches und handwerkliches
Können gepaart ist mit einem seltenen Sinn
fürs Relativieren der vorgegebenen Textur.
81. «Zerscht isch es Cis-Moll und dänn alle
Chaibs!» (ER im Intro-Song «Sixties» des
Debütalbums SO SCHÖN WIE NIE (2008).
82. Bereits 2013, auf die Frage, was wäre,
wenn es die HORA‘BAND irgendwann nicht
mehr gäbe, war von DWR zu hören: «Ich
hoffe… I want that… I would be very sad…
I know… familiar… great to be… going on»,
gefolgt von einem langen Schweigen. Dem
ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Abkürzungen Personennamen: DWR: Denise
Wick Ross, DZ: Dario Zanni, ER: Enrico Rizzo,
IY: Ibi Yildiz, LS: Lukas Selinger, ME: Michael
Elber, RS: Roli Strobel, SG: Sandra Grande,
VR: Vree Ritzmann
Die Bruchstücke wurden zusammengesucht
und geschrieben von Marcel Bugiel und greifen auf zahllose Texte, Aussagen und Formulierungen von Mitgliedern der HORA‘BAND
sowie auf Medienberichte zurück, die nicht
immer explizit als Zitat gekennzeichnet sind.
Wichtige schriftliche Quellen, derer sich hier
bedient wurde, sind neben bisher unveröffentlichten Aussagen, Emails und Texten
von Roli Strobel: Esther Banz: «Die HORA‘
BAND», Marcel Bugiel: «Gespräch mit der
HORA‘BAND», «Theater HORA – Die unendliche Geschichte», sowie «Wir können
mit Musik von Profis mithalten» und «‹Nicht
wie Zwieback reinbröseln› – UP AND DOWN
Band mit behinderten und nicht behinderten Musikern hat grosse Ziele» aus der Aargauer Zeitung/MLZ vom 25. Juli 2005, Sarah
Stähli: «Wo das Universum einer Schildkröte
gleicht» aus dem Tages-Anzeiger, vom 28.
Januar 2008. Alle diese Texte sind komplett
nachzulesen in dem Buch «Theater HORA
– Der einzige Unterschied zwischen uns und
Salvador Dalí ist, dass wir nicht Dalí sind»,
erschienen 2014 im Verlag Theater der Zeit.
MOON BEGINS
UND MANCHMAL STEHT
PLÖTZLICH EINER AUF UND GEHT NACH
DRAUSSEN ZUM RAUCHEN.
Roli Strobel
Da stellt er dann fest, dass er keinen Tabak dabei hat. So
macht er sich dann halt einfach auf den Weg, um welchen
zu kaufen. In einer Stadt, die er nicht kennt. Tabak gibt es
ja an jeder Ecke zu kaufen. Und sonst biegt man halt ein
paar mal um die Ecke, da findet man dann sicher einen
Kiosk, wo man welchen kaufen kann. Da dreht man sich
dann zufrieden eine, raucht und denkt nach über Rauch,
über sich, über fremde Orte und Ecken und wie es sich
so anfühlt, all dies zu denken. Dann ist die Zigarette zu
Ende geraucht und man macht sich wieder auf den Weg.
Nur wohin eigentlich? Man kennt diesen Ort gar nicht
und weiss auch nicht mehr, wie man überhaupt hierher
gekommen ist. Was war der Plan? Was tue ich hier? Hm.
Höchste Zeit, um darüber nachzudenken und sich nochmal in Ruhe eine Zigi zu drehen. Alles etwas seltsam hier,
das stimmt schon. Doch die Erfahrung lehrte uns einst:
Der Rauch zeigt einem den Weg. Und deshalb wird uns
die nächste Zigi mit Sicherheit weiterhelfen in der Erkenntnis. Plötzlich hält ein Taxi direkt vor der Nase und der
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Fahrer fragt, wo man denn hin möchte, man stehe hier
schliesslich schon seit einer halben Ewigkeit auf dem
selben Fleck herum. Diese Frage dünkt uns etwas blöd,
denn man weiss die Antwort ja selber nicht. Jetzt winkt
der Taxifahrer diesen verwirrt und ratlos dreinschauenden Menschen zu sich ins Taxi und sagt: «Komm, ich
denke, ich habe da eine Idee, wo du hinwillst!» Der Mann
steigt etwas unsicher ein, und der Taxifahrer kurvt um
ein paar Ecken zu einem Konzertlokal, wo er anhält und
diesen seltsamen Typen wieder aussteigen lässt. Hier erinnert sich diese Person plötzlich wieder daran, dass sie
ein Musiker ist und dass da drin seine Band spielt. Gerade als er ins Konzertlokal reinkommt, da hat das Konzert
bereits begonnen und seine Band spielt bereits. Ohne zu
zögern betritt der Mann sicheren Schrittes die Bühne. Er
schnappt sich seine Gitarre und setzt sich neben einem
ihn verwundert anschauenden Mitmusiker auf den dort
bereitstehenden leeren Stuhl. Jetzt kommt sein Einsatz,
und er erinnert sich plötzlich auch an das Lied und die
Töne, die er darin spielt. Alles funktioniert. Bestens. Er ist
ein wahrer Meister seines Fachs. Und es fühlt sich gut
an. Eigentlich wie immer. Jetzt bin ich wieder hier. Alles
ganz normal.
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«MEIN TIPP ANS HORA: WEITER SO!
BEIM MUSIZIEREN: COOLE SOLOS SPIELEN.
DAS MACHE ICH AM LIEBSTEN.»
Dario Zanni
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DIE EHEMALIGEN
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SANDRA GRANDE
(Gesang, Melodika, Text und Melodie, 2004–2016)
… geboren 1974 in Deutschland, begann
schon im Alter von 6 oder 7 Jahren kleine
Gedichte zu vertonen und textete ihren ersten komplett eigenen Song mit 10 oder 12,
eifrig inspiriert von ihren musikalischen Vorbildern Peter Maffay und Michael Jackson.
Später legte sie sich ein kleines Keyboard
zu, nahm ihre Kompositionen auf Kassette auf und verkaufte sie. Noch mit tiefer,
sonorer Stimme und als Schauspieler Res
(Andreas) Grande war sie 1998 zum Theater HORA gestossen und dann mehr und
mehr zur Sängerin Sandra Grande geworden. Sie war massgeblich an der Gründung
der HORA’BAND beteiligt. Als begnadete
Entertainerin mit umwerfendem Charme
und viel Humor hielt sie dort bis 2016 das
Publikum bei Laune und bildete einen sehr
umtriebigen, sehr kommunikativen und
sehr schnellen, aber immer angenehmen
Gegenpol zur ansonsten eher ruhigen und
garantiert unspektakulären Art der anderen Musiker*innen in der Band. Ihre Kompositionen und ihre Art zu singen erinnerten
viele an Tom Waits. Ihre Songtexte waren
meistens auf Deutsch und erfüllten alle
Kriterien eines mehrseitigen Fortsetzungsromans. Auch ein eigenes Buch hat sie geschrieben: «Die Geschichte von Sonja und
Paula». Nach einer Stimmoperation war
der Zustand ihrer Stimmbänder fragil, etliche Tonlagen erreicht sie nicht mehr. Sie
verliess die Band aber nicht deshalb, sondern der Liebe wegen. Sie lebt heute verheiratet in Konz, Rheinland Pfalz, Deutschland.
WANDA WOLFENSBERGER
(Co-Leitung, Keyboard, Wurlitzer-Orgel,
2004–2006). Von Haus aus Puppenspielerin, leitete sie zusammen mit Angelo
Sansone die letzte Vorstufe der späteren
HORA‘BAND als eine Art Musikwerkstatt
an einem Abend pro Woche. Sie holte Roli
Strobel mit an Bord und war bei dessen
Neukonzeption des Projekts noch als Wurlitzer-Orgel-Spielerin mit dabei, verliess die
Gruppe dann aber bereits 2006 aufgrund
einer Erschöpfung. Die von ihr eingeführte
Orgel mit ihrem Sound und ihrer Originalität
ist aber bis heute eines der prägenden Markenzeichen der HORA‘BAND.
IBRAHIM (ALIAS IBI) YILDIZ
(Schlagzeug, Gesang, bis 2015). War zusammen mit Enrico Rizzi Gründungsmitglied der ‹ursprünglichen› HORA‘BAND.
Sein hochenergetischer, in der Regel aber
zurückgehaltener Schlagzeug-Stil – oszillierend zwischen ungestümem Heavy Metal
und den hochpräzise gesetzten, punktuellen Einsätzen eines klassischen Schlagwerkers –, seine ganz eigene Art des «Square
Dance Grooves» und seine geradezu magische Bühnenpräsenz sowie sein grundehrlicher Gesang prägte den Sound der
HORA’BAND bis 2015 massgeblich.
BRIGITTE ODERMATT
(Pauke, Stimme, Shruti-Box, Geräusche,
2005–2008). Haute in den ersten Jahren
der Band auf die Pauke und spielte zeitweise auch eine Shruti-Box. Ihre magistralen Einsätze wurden ihr von Roli Strobel
über ein fussgesteuertes, rotierendes, blau
blinkendes Warnlicht angezeigt.
SALOMÉ SCHWARZBACH
(Wurlitzer-Orgel, Akkordeon, 2006–2009).
Hielt trotz selbstdiagnostizierter Tastenphobie ein paar Jahre die Orgel bei Laune.
ELVIRA MEIERHOFER
(Shrutibox, 2009–2012). Stiess als Begleiterin, Fan und damalige Freundin von Sandra Grande zur Band und entdeckte die
heilende Wirkung des Shruti-Spiels. Und
die Band entdeckte die heilende Wirkung
von Elvira.
NADJA ZELA
(Gitarre, Bass, 2017–2019). Ist eine grossartige Musikerin und hat die HORA’BAND
in den grossen Sälen von BOB DYLANS
115TER TRAUM musikalisch und menschlich verstärkt. Dank ihr konnte sogar eine
Show ohne Roli gespielt werden. Das kann
nur sie allein!
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DISKOGRAFIE
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SO SCHÖN WIE NIE
CD, 2008 (vergriffen*)
RAUMSCHIFF HORA
CD, 2010 (vergriffen*)
SCHWARZE SCHAFE / BLACK SHEEPS
2011–2013, Mini-CD, 2014
SOLD THE ROCKET TO THE MOON
LP, 2018
Das Debütalbum. «Diese Songs kommen,
um zu bleiben. Sind es die dunklen, festen Stimmen der beiden Sängerinnen, die
schroffen Gitarren und die ausgemergelten
Arrangements, die eine Art Sucht zum
Wiederhören auslösen? Abgehobener NeoFolk und elektrische Riffs finden auf dieser
Platte zusammen, die daran erinnert, das
die beste Musik von Leuten gemacht wird,
die auf ihre innere Stimme hören» (Berner
Zeitung, 16. Januar 2008).
Mit den Songs: Sixties, Faces On the
Wall, Blue Sea Mermaid, Küss Mich Jetzt!,
Magic Gold Rock, Trees, Neues aus unserem und anderen Sonnensystemen, Monster Bash, Don‘t Walk Away, Moon Dust, Die
Wüste lebt, Desire, Für die Liebe.
Das zweite Album dokumentiert die Entwicklung der Band von 2008–2010. «Die
Texte spielen mit Wörtern und Sätzen, drehen den Sinn hin und her. Die Songs oszillieren zwischen Rock, Pop und Folk. (…)
Gemächlich und gut gelaunt heben wir mit
«Heaven’s Shoals» ab und steigen, getragen
von beschwingten akustischen Gitarrenklängen, zum Mond hinauf. Im Weltall angekommen schwelgen hohe kosmische SynthiKlänge in Sphärenharmonie» (Blokkupation!,
22. Mai 2013).
Mit den Songs: Heaven‘s Shoals, Take
it Easy on Yourself, Coca Light, Up and Down,
Indian Summer, Raumschiff HORA, Always
Chasing Rainbows, In the Morning, The Dagger, Going Underground, Eifach Gah.
Eine Mini-CD mit vier Songs (veröffentlicht als
Beilage zum dicken HORA-Buch), bei denen
es sich – HORA‘BAND-untypisch – nicht um
Eigenkompositionen, sondern um CoverVersionen handelt. Schwarze Schafe, die
die HORA‘BAND trotzdem aufgenommen,
gehegt, gepflegt und ihre Geschichten zu verstehen versucht hat. 2 Liedtexte wurden dafür
aus dem Englischen ins Schweizerdeutsche
übersetzt, und entgegen sonstigen Gewohnheiten hat sich Denise um die Schnelleren und
Flinkeren gekümmert, während Sandra sich
der Beschaulicheren und Trägen annahm.
Mit Cover-Versionen von «Grand Machine No. 12» von Electric President, «Morning Hollow» von Sparklehorse, «Radio Cure»
von Wilco und «Starbox» von Raphelson.
Eine Schallplatte (Vinyl), deren Entstehung
sich über einen Zeitraum von sieben Jahren
erstreckt, und die dann in einem radikalen
Experiment mündete: Denn nach der üblichen Aufnahme der Songs mit der Band
wurde, bis auf die Stimmen der Sängerinnen,
«alles Authetische der HORA‘BAND komplett
in den Abfall geschmissen und das eigentlich
Geistige (Strukturelle) der Songs mit Klängen, Beats und Geräuschen aus digitalen
Soundbibliotheken nachgebaut» (RS).
Mit den Songs: Butoh, Welcome to the
Club, Everything is Coming up Clover, Celebrity, 17 Spottet a Leopard, Dream Weaver,
Sieh in mein Gesicht, HORA‘BAND, Uf eim
Bei, Moonbeam, Do the Cha Cha, Portraits,
Day Tripper, Tristan, Song.
* Die bei Tudor Recording AG veröffentlichten Alben sind als CDs vergriffen, aber bei Spotify verfügbar.
44
NEUE CD
45
MAGIC GOLD ROCK
HORA‘BAND 2004–2024
Zum zwanzigsten Geburtstag der HORA’
BAND erscheint ihre wahrscheinlich letzte
CD aller Zeiten, passend zur Jubiläumszahl mit genau 20 Songs drauf. Mit frisch
gewaschenen und gebügelten Hits aus den
verschiedenen Alben, von allen wichtigen
Stimmen und Personen der Band. Alles wunderbare Tracks, die auf Tonträger sonst nirgendwo mehr erhältlich sind (da sie allesamt
vergriffen und total ausverkauft sind). Dazu
kommen einige Highlights aus Proben und
Theater-Aufführungen, wie zum Beispiel ein
Live-Mitschnitt aus der Premierenaufführung
von BOB DYLANS 115TER TRAUM am 28.
Januar 2018 auf der Pfauenbühne im Zürcher Schauspielhaus. Zusätzlich sind auf der
Platte auch sieben brandneue Songs drauf,
die wir speziell für unser Jubiläum im Soundcheck Studio von unserem Freund Jeannot
Steck aufgenommen und abgemischt haben.
Mit den Songs: Starbox (2014), Sieh in
mein Gesicht (2017), Indian Summer (2010),
Grand Machine No. 12 (2014), Uf eim Bei
(2017), The Beach Of My Soul (2024), Will
You Shut the Door, Please (2013), 21 Century Man (2024), Eifach Gah (2010), Das Pantheon (2018), Fireman (2024), Trees (2007),
Neues aus unserem und anderen Sonnensystemen (2007), The Beginning (2024), Day
Tripper Session (2017), Lovelight (2024),
Coca Light (2010), Sea Of Rhyme (2024),
Züri-Bärn (2024), The Passenger (2018).
Aufnahmen und Mix von sieben neuen Songs (2024): Jeannot Steck, Soundcheck Studio,
Bachenbülach. Mastering und Remastering: Dan Suter, Echochamber Zürich.
Gestaltung CD und Booklet: Stillhart Konzept und Gestaltung, Zürich.
Urheber der verwendeten Fotografien: HORA’BAND, Nadja Zela und Simon Hitzinger.
«Magic Gold Rock» ist zu beziehen übers Büro vom Theater HORA (vgl. S.47) oder über das
Label Tudor (www.tudor.ch).
46
KOOPERATIONEN
AB 8. NOVEMBER 2024:
THE BIG ENSEMBLE
Das 2017 gegründete Tabula Musica Orchester aus Bern versteht sich als Kompetenzzentrum für barrierefreie Musik. Neben
traditionellen Instrumenten arbeitet es auch
mit Musiktechnologien, die Musizieren für
alle ermöglichen. 2023 fragte Denis Huna,
der Leiter des Orchesters, die HORA‘BAND
an, zusammen mit ihnen, der Sängerin und
Komponistin Brandy Butler und zusätzlich
noch einem kleinen Streichorchester zusammen ein «Big Ensemble» zu bilden: für ein experimentelles und interdisziplinäres Bühnenwerk, das Musiker*innen und Tänzer*innen
mit und ohne Behinderung vereint. Von jeder
Formation sollten drei eigene Songs (oder
auch Tänze) ausgewählt und vom Dirigenten Noel Schmidlin orchestriert werden. Die
HORA’BAND, die sich bislang immer selbst
dirigiert und niemals nach Noten gespielt
hatte, sagte zu, und steuerte u.a. die Songs
«21 Century Man» und «Züri-Bärn» bei.
Premiere ist am 8. November 2024 an
den Bühnen Bern. Weitere Infos und aktueller
Spielplan unter www.tabulamusica.ch/thebig-ensemble.
ZUSAMMENARBEITEN MIT
THEATER-, TANZ-, PERFORMANCEUND FILM-PROJEKTEN
2008: Theater HORA: FAUST 1&2
(Regie: Michael Elber)
2009: Neue Bühne Villach: DIE SEXUELLEN
NEUROSEN UNSERER ELTERN (Verwendung von HORA‘BAND-Songs von CD)
2011: Theater HORA: FAUST 1&2
(neue Version) / Back to Back Theatre:
THE DEMOCRATIC SET
2012: Theater HORA: BOX
(zusammen mit Pascal Grütter)
2015: Cie Drift: BAD ADVICE – REVUE
MÉCHANTE AVEC ORCHESTRE
(Regie: Béatrice Jaccard, Peter Schelling)
DANK
IMPRESSUM
Unterstützer*innen Theater HORA
À Porta Stiftung, Beisheim Stiftung,
Béatrice Ederer-Weber Stiftung, Elisabeth
Weber Stiftung, Ernst Göhner Stiftung,
Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Förderverein Theater HORA, Grütli Stiftung
Zürich, Kulturpark Zürich-West, Landis &
Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent,
Mondriaan Fund (NL), Alexis Victor Thalberg Stiftung, Pro Helvetia Schweizer
Kulturstiftung, Rudolf und Romilda Kägi
Stiftung, Stadt Zürich Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis, Schweizerische
Interpretenstiftung und Bäckerei Hürlimann
Redaktion
Marcel Bugiel
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein weiterhin ein wichtiger Unterstützer
für die HORA-Projekte sein kann.
Mitarbeit
Roli Strobel, Rosa Luczak
Dank an
Esther Banz, Krishan Krone und Chris
Weinheimer für ihre Text-Geschenke
Bilder
Michael Bause (S.21), Simon Brodmann
(Cover, S.24 hinten), Fatma Evren (S.23
hinten), Fabienne Farbig (S.32),
HORA‘BAND (S.27), Béatrice Jaccard (S.23
vorne), Li Lee (S.28), Salomé Schwarzbach
(S.24 vorne), Dragan Tasic (Porträts), Zoe
Tempest (S.22, 40), Nadja Zela (S.25, 26)
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
2018: Theater HORA: BOB DYLANS
115TER TRAUM (Regie: Michael Elber)
Druck
Mattenbach AG, Winterthur
2021: THEATER HORA: PLANET HORA
– DER FILM (Regie: Heta Multanen,
Yanna Rüger, Stephan Stock)
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
47
48
FÖRDERVEREIN
ADRIAN STERN
MUSIKER, SONGWRITER,
PRODUZENT
«… WEIL DIE MUSIK DER
HORA’BAND HEILENDE
WIRKUNG HAT.»
49
IRENE BRÜGGER
AKA FRÖLEIN DA CAPO
KABARETTISTIN,
MUSIKERIN, AUTORIN
«…WEIL DIE VIELFALT DER
HORA’BAND DIE HERZEN
BERÜHRT.»
DAS
SECONDHAND
ORCHESTRA
GRATULIERT
DER
HORA’BAND
ZUM 20.
GEBURTSTAG
FÖRDERVEREIN HORA —
JETZT MITGLIED WERDEN
UND POLITISCH, SOZIAL UND
KULTURELL EIN ZEICHEN SETZEN
ROMAN RIKLIN
MUSIKER, SONGWRITER,
AUTOR
«…WEIL DIE MUSIK DER
HORA’BAND VERTONTE
MENSCHLICHKEIT IST.»
DANIEL SCHAUB
MUSIKER, SONGWRITER,
AUTOR
«… WEIL NICHTS
AUTHENTISCHER IST ALS DIE
MUSIK DER HORA’BAND.»
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Eine Sonderausgabe des
HORA-Magazins
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12/2023 – HORA Magazin Nr. 55
NR. 55, DEZEMBER 2023
MAGAZIN
GRATIS
ABONNIEREN
UNTER:
hora.ch/kontakt
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe Leser*innen des HORA-Magazins,
4–5
SCHULE DER LIEBENDEN
Über die dritte Neu-Produktion im
HORA-Jubiläums-Jahr 2023
ich nutze dieses Editorial, um mich Ihnen
vorzustellen: Mein Name ist Jörg Schwahlen.
Die letzten 20 Jahre habe ich immer am
Theater gearbeitet. Am Theater Freiburg,
am Schauspielhaus Düsseldorf, am Schauspielhaus Zürich und am Theater Neumarkt.
Als Assistent. Als Regisseur. Als ProduktionsLeiter. Als Produktions-Leiter arbeite ich
seit einem Jahr auch am Theater HORA. Ich
arbeite im HORA-Büro in der Baslerstrasse,
zusammen mit Curdin Casutt und Adrian
Mai. Ein lustiges Büro. Wir haben sehr viel
Spass. Im Büro schreibe ich viele Emails.
Und ich telefoniere. Ich kümmere mich
um neue HORA-Produktionen. Und ich
kümmere mich um Gastspiele. Ich bereite
Verträge vor. Ich scanne Rechnungen. Ich
bestelle Sachen für Kostüm und Bühne.
Ich versuche, über Kultur-Stiftungen Gelder zu bekommen. Und ich muss kontrollieren, dass eine Produktion nur so viel Geld
ausgibt, wie sie hat. Ich schaue auch, dass
alle die Informationen bekommen, die sie
brauchen. Zum Beispiel bei einem Gastspiel: Wann treffen wir uns am Bahnhof?
Mit welchem Zug fahren wir dann? Wer ist
in welchem Hotel untergebracht? Zur Zeit
bereite ich eine kleine Gastspiel-Tournee
von DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
vor. Auf SCHULE DER LIEBENDEN freue
ich mich sehr! Die Premiere ist im Dezember in der Shedhalle in Zürich. Vielleicht
sehen wir uns dort? Auf jeden Fall wünsche
ich Ihnen viel Spass mit diesem Magazin.
5
WAS HAT ‹DER KAUKASISCHE
KREIDEKREIS› MIT LIEBE ZU TUN?
Aussagen aus einem Gespräch mit
den vier Darsteller*innen
6+9
«ICH WÜNSCHE MIR, DASS ES BEI
ANDEREN ORTEN AUCH SO IST»
Theater HORA bei den Salzburger
Festspielen aus Sicht von
zwei Festival-Techniker*innen
10
3 SONGS
Über ein wichtiges Ritual im
HORA-Labor
11–14
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von 6
HORA-Schauspieler*innen. Thema der
sechsten Ausgabe: «Neuanfang»
15
«ES WAR LIEBE AUF DEN
ERSTEN BLICK»
Der Autor, Regisseur und Schauspieler
Philippe Heule über seine Arbeit im
HORA-Labor
16
LOGBUCH LABOR (VI)
Über das HORA-Labor-Programm in
der zweiten Jahres-Hälfte 2023
19
«HALLO DR. VREE,
WAS SOLL ICH MACHEN?»
Die HORA‘BAND-Organistin Vree
Ritzmann über sich selbst
20 –21
«ICH FINDE: DIE MACHEN DAS
SOOO GUT!»
Der treueste HORA-Fan aller Zeiten:
Ursula Badir
21
HORA-CHRONIK
22
FÖRDERVEREIN
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Spenden und Koproduzent*innen
Impressum
24
AKTUELL IM
HORA-REPERTOIRE
Jörg Schwahlen, Produktions-Leitung Neu-Produktionen &
Gastspiele bei Theater HORA
LIEBEN LERNEN
4
SCHULE DER LIEBENDEN
Über die dritte Neu-Produktion im HORA-Jubiläums-Jahr 2023
Im Theater HORA sind Liebe und Sexualität immer wieder grosse Themen. Eigentlich sind die ja privat. Manchmal ist es aber
nicht so einfach, sie bei der Arbeit draussen zu lassen. Da werden Verlobungen geschlossen und aufgelöst. Da wird verführt
und geschwärmt. Es wird verwirrt und gekitzelt, fallen gelassen und abserviert. Dabei ist
uns aufgefallen: Viele Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung haben niemanden,
mit dem oder der sie mal ganz ausführlich
über die Themen «Liebe und Sexualität»
sprechen können. Viele sind neugierig und
würden gerne mehr wissen: darüber, wie
man eigentlich überhaupt eine passende
Partnerin findet. Oder wie man so umarmt,
dass es sich für die andere Person gut anfühlt, und nicht alle gleich flüchten. Wie
funktioniert eigentlich mein eigenes Geschlecht? Wie kann ich mich selbst so berühren, dass es sich gut anfühlt? Wie werde
ich (nicht) schwanger? Wie flirte ich an einer Bushaltestelle mit einer Person, die mir
gefällt? Was für Unterwäsche gibt es? Und
welche davon gefällt mir? Was ist «nichtbinär»? Wieso tut mir Liebe weh? Sind wir
nur Freunde? Wie viel Sex möchte ich haben? Was fühlt sich gut an und was nicht?
Möchte ich ein Kind bekommen? Warum
darf ich keine Beziehung mit dem Zivi haben? Was möchte ich anziehen? Und was
ist meine sexuelle Identität?
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
5
Die Themen «Liebe und Sexualität» beschäftigen eigentlich jeden Menschen. Deshalb gründen wir eine Schule. Die SCHULE
DER LIEBENDEN. Wir gründen eine Schule, um all die Sachen zu lernen über Sexualität und Liebe und sexuelle Identität, die
uns nie jemand beigebracht hat. Wie man
über Intimität und Sexualität so sprechen
kann, dass alle sich wohl fühlen. Wie wir
gleichzeitig Wissen vermitteln können und
Kunst machen. Wie wir mit unseren Körpern
lernen können anstatt mit unseren Köpfen.
Und wie wir Lehr-Körper werden und andere in diesen Themen unterrichten können.
Dafür nutzen wir die Kraft der Kunst und
des Theaters. Video Artist und Somatic
Sex Coach Melanie Bonajo dreht mit dem
Ensemble einen Aufklärungsfilm 2.0. Die
Szenografin Carolin Gieszner erfindet einen Raum, in dem Lernen lustvoll ist. Und
die Regisseur*innen Yanna Rüger und Daniel Cremer erwecken zusammen mit den
HORA Performer*innen die Lehr-Körper
dieser Schule zum Leben. Manchmal hilft
es, sich zu verwandeln, um neue Seiten an
sich zu entdecken. Und eine Welt zu erträumen, in der wir ohne Angst und Scham die
Themen Liebe und Sexualität für uns klären
können.
Yanna Rüger
SCHULE DER LIEBENDEN
Eine geile Show von Melanie Bonajo, Daniel
Cremer, Yanna Rüger und Ensemblemitgliedern von Theater HORA.
Performance: Noha Badir, Gianni
Blumer, Caitlin Friedly, Simone Gisler,
Matthias Grandjean, Nikolai Gralak, Fredi
Senn, Simon Stuber, Fabienne Villiger.
Premiere 8. Dezember 2023. Weitere
Vorstellungen am 10./14./15./16. Dezember
2023 und am 5./6./7. Januar 2024.
WAS HAT
‹DER KAUKASISCHE
KREIDEKREIS›
MIT LIEBE ZU TUN?
Was hat das Stück DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS von
Helgard Haug/Rimini Protokoll und Theater HORA mit dem Thema
«Liebe» zu tun? Aussagen aus einem Gespräch von Yanna Rüger
mit den vier (Live-)Darsteller*innen der Produktion, die ihre Premiere im Sommer 2023 bei den Salzburger Festspielen feierte.
BEZIEHUNG HABEN
Grusche (Hauptfigur) hat Verlobten: Simon. Schmetterlinge im
Bauch, sehr schöne Gedanken, schöne Gefühle, alles in Pink, Liebe,
Romantik, Leidenschaft, Zärtlichkeit. Das ist meine richtige Liebe –
Beziehung haben. Da kann man auch heiraten. (Elena Gilbert)
FREIHEIT
Wen oder was ich am meisten liebe? Als Richter Azdaq in KREIDEKREIS: die Macht, glaube ich. Privat, als Remo: meine Freiheit. Also
dass ich keine Beziehung hab, dass ich keine Freundin hab, dass ich
kann machen was ich will. (Remo Beuggert)
HEIMWEH
Beispiel Salzburg: Heimweh haben. Meine Familie, meine Eltern,
meine Brüder, meine Schwester vermissen. Ich vermisse auch meine
Freunde. Und das Glacé und den Papa. Und meinen Onkel ich hab
auch so fest vermissen. Das ist mein Gefühl. (Tiziana Pagliaro)
LIEBLINGS-STÜCK
Ich mag DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS, weil es endlich für
mich wieder mal eine Herausforderung ist. Vorher ist ja QUASIMODO mein Lieblings-Stück gewesen. Aber das hier kommt dem
schon nahe. (Remo Beuggert)
MUTTERLIEBE
Grusche hat Mutterliebe. Die spür ich auch im Herzen. Natur natürlich auch, gesundheitlich und so. Und das Baby : beschützen,
gut nach ihm schauen, Verantwortung und so. Und nicht so viel
Unfug machen. Mütterlich halt. Wie meine richtige Mami. Das
kenn ich gut. Aber das nervt. (Elena Gilbert)
SALZBURG
Was liebt ihr an Salzburg? Die Magie. Der schöne Park da mit der
Wasserfontäne mit Licht. Wunderschön! Und meine Sachen da mal
abstellen. Geniessen. Das ist wie Yoga fast für mich. (Elena Gilbert)
TECHNIK
Salzburg ist mega grosse Bühne. Und schöne Technik. Ich liebe das.
(Tiziana Pagliaro)
VERSE
Ich hab vorher ein bisschen aufgeschrieben: DER KAUKASISCHE
KREIDEKREIS – Ein Vorspiel von 5 Akt Drama. Verse, das mag
ich schon sehr. Das lieb ich. (Robin Gilly)
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
LIEBEN LERNEN / DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
6
«ICH WÜNSCHE MIR, DASS ES
BEI ANDEREN ORTEN AUCH SO IST»
Theater HORA bei den Salzburger Festspielen aus Sicht von zwei Festival-Techniker*innen
Guten Tag.
Heute geht es um DER KAUKASISCHE
KREIDEKREIS. Ein gute Interview was Sie
heute gesehen haben. Also was ist euch
wichtig. Also euch Technikern. Begegnung
mit dem HORA. Hast du etwas gelernt?
ROBIN GILLY, HORA-SCHAUSPIELER:
Wollen wir
vielleicht vorne anfangen, Robin?
SVENJA KOCH, THEATERPÄDAGOGIN:
ROBIN GILLY:
Ja, gerne.
Jakob, Lea, als
Techniker*innen bei den Salzburger Festspielen erlebt ihr ja viele unterschiedliche
künstlerische Teams, und auch verschiedene
Arbeitsweisen. Wie war die Zusammenarbeit
mit dem HORA im Vergleich dazu?
Ja, das
kann man eigentlich nicht mit anderen
Teams vergleichen. Weil hier ging es viel
mehr um die Menschen. Und es wurde
immer sehr auf das Ganze geachtet. Und
dadurch war das auch schwierig teilweise.
JAKOB BOGENSPERGER, LICHTTECHNIKER:
Wie schwierig?
Wir sind es ja gewohnt,
dass alles so nach Schema F abläuft: In
der Minute muss das passieren, und da
muss das. Und jeder muss funktionieren zu
100 %. Und hier war man aber ein Mensch!
Der Druck war schon da, aber er war nicht
so spürbar. Es war immer ein Miteinander
mit allen. Und das war halt wirklich nach
dem ersten Proben-Tag so eine richtiges
Aha-Erlebnis für uns.
JAKOB BOGENSPERGER:
Und auch die Helgard
als Regisseurin hat das super geschafft, dass
sie jede Person, so wie sie ist, mitnimmt und
nicht zu irgendwas zwingt oder zu irgendwas
verbiegt. Da war sie sehr einfühlsam und
hat auch wahnsinnig viel Geduld gehabt.
JAKOB BOGENSPERGER:
Ihr von der Technik wart aber
auch sehr fürsorglich und unterstützend.
Seid ihr immer so?
SVENJA KOCH:
SVENJA KOCH, THEATERPÄDAGOGIN:
ROBIN GILLY:
Das ist ein guter Punkt. Kannst
du das mal aufschreiben, Svenja?
ROBIN GILLY:
Also ich muss
schon sagen, dass wir uns in dem Fall
auch mehr Mühe gegeben haben, aufgeschlossen und hilfsbereit zu sein. Aber ihr
wart auch die entspanntesten und nettesten Schauspieler*innen, mit denen ich bis
jetzt zusammen gearbeitet habe. Es gab
bei euch nicht so diese Trennung zwischen
Kunst und Leuten, die für die Künstler*innen
arbeiten, sondern es war ein gemeinsames
Arbeiten. Was es halt viel einfacher macht,
nett und aufgeschlossen zu sein.
LEA ROMM, BÜHNENTECHNIKERIN:
Ja, und ihr seid gleich
am ersten Tag auf uns zugegangen, wart
sofort so nett und habt nachgefragt: «Wie
geht es dir, wie heisst du, hast du eine
Freundin, oh schade, okay…» Ihr habt uns
ja sofort mitgenommen!
JAKOB BOGENSPERGER:
Dankeschön! Was denkt ihr
eigentlich über die Theater-Pädagogen?
Zum Beispiel Magdalena oder Svenja oder
Noah Beeler?
ROBIN GILLY:
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
Pressefoto zu SCHULE DER LIEBENDEN (auf dem Bild: Caitlin Friedly)
8
9
Also ich bin schwer
beeindruckt von diesem Job. Wie ihr da
mitgefiebert habt und mitgeschrieben und
versucht habt bei den Proben. Es ist so
eine Freude, euch zuzuschauen! Weil ihr
so liebenswert seid! Auch wenn dann mal
jemand grantig ist.
JAKOB BOGENSPERGER:
Okay, also du meinst, die Theater-Pädagogen machen ihre Arbeit gut.
ROBIN GILLY:
Ja. Also auf jeden Fall Gehaltserhöhung, durchgehend jeden Monat.
JAKOB BOGENSPERGER:
Also das kannst du mal notieren
bitte, Svenja!
ROBIN GILLY:
Wie war das eigentlich für dich,
Robin, so lange weg zu sein und so viel Zeit
mit uns zu verbringen?
SVENJA KOCH:
Ja das wollte ich auch
nochmal sagen! Oft gehen im Theater Proben einfach unendlich lang durch. Aber
dadurch, dass wir ja jetzt die Proben-Pläne
eigentlich um eure Gewohnheiten gestrickt
haben, war’s so klar: So, jetzt ist die Probe
beendet. Und dann haben wir alle gemeinsam gegessen, und danach haben wir uns
ausruhen können, haben ein bisschen geredet und danach sind wir gestärkt wieder an
die Arbeit gegangen.
JAKOB BOGENSPERGER:
Genauso fühl ich mich! Ich find’s
einfach schön, wie jetzt die zusammen so
eng gefreundet sind.
ROBIN GILLY:
JAKOB BOGENSPERGER:
gewachsen sind.
ROBIN GILLY:
Ja, wie wir so zusammen-
Ja, wir sind ziemlich gewachsen.
Es war für mich wie ein Erlebnis.
Ich wünsche mir, dass es bei anderen Orten
auch so ist.
ROBIN GILLY:
Manchmal hat’s aber schon
auch gekracht, oder?
SVENJA KOCH:
Ja, ich sage mal: Blitz und Donner! Aber ich finde, das gehört einfach
manchmal zum Leben. Es gibt ja so viele
verschiedene Meinungen. Das muss man
dann, wie heisst das, ausbaden.
ROBIN GILLY:
Was ich noch gut fand: dass
ich mich so an euren Gewohnheiten orientieren konnte in der Zeit. Dass es so regelmässig Essen gibt und so. Weil manchmal
vergesse ich das im Alltag. Aber eigentlich
tut mir das auch gut. Oder die Dinge langsamer machen.
SVENJA KOCH:
Illustration der Gesprächs-Situation von Robin Gilly. Seine Erläuterungen dazu: «Das Gastspiel ist einfach ein tolles Stück. Die Herausforderung hat mich einiges geholfen und in bewusst gebracht.
Das Spielen und allgemein mit eurem Team zu arbeiten ist einfach
ein tolles Team. Sie schätzen unsere Leistung und Fähigkeiten. Mit
euch zum Essen gehen und im grossen Platz beim Feuerwehr-Auto
war alles lecker und fein der Aufenthalt ist genau so schön wie
eine Mozart-Musik. Zum Bild sind die Erinnerung, was ich mit euch
gemacht habe. Liebe Grüsse, Robin»
� Remo Beuggert, Robin Gily und Simon Stuber (Projektion) in DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
LABOR
10
DREI SONGS
Florian Lampert, 2023 Praktikant bei Theater HORA, über ein wichtiges Ritual im HORA-Labor
Der Boden ist schwarz. Ein Tanz-Boden. Darauf liegt Staub. Gestern wurde viel gearbeitet. Arbeiten heisst bei uns (auch) proben.
Oben hängen Scheinwerfer. Die Wände
sind weiss. An einer Wand im HORA-Labor
hängt ein grosses Blatt Papier. Eine Liste mit
Songs. Der Titel wird hingeschrieben oder die
Sänger*innen bzw. Bands oder beides. Und
manchmal steht auch da, wer diesen Song
aufgeschrieben hat. Es ist eine Wunsch-Liste.
Jeden Morgen werden im HORA-Labor drei
Songs gespielt. Mit dem ersten Ton stehen
einige schon auf dem Tanz-Boden. Es wird
im Kreis gerannt, am Boden gelegen, getanzt, ausgekitzelt, den andern zugeschaut,
Sport gemacht, umarmt… und vieles mehr.
Wenn einer der Songs gespielt wurde, wird
er auf der Liste durchgestrichen.
Die drei Songs sind ein Übergang. Eine
Zeit-Spanne gefüllt mit Musik. Wir verabschieden uns vom Alltag und kommen im
Probe-Raum an. Es ist ein gemeinsames
Ritual, das jede Person im HORA auf ihre
eigene Weise nutzt. Eine Person tanzt die
drei Songs durch und ist am Schluss ausser Atem. Eine andere singt laut mit dem
zweiten Song mit. Eine dritte schaltet erst
zum letzten Song den Laptop aus und
kommt auf den Tanz-Boden. Und wenn
dieser dritte Song aus ist, machen wir einen Kreis und die Probe beginnt.
Das Ritual der 3 Songs ermöglicht, zurück
zu lassen, was störend war oder einen unsicher gemacht hat. Vielleicht hatten wir
gestern einen Streit oder sind schlecht
aufgestanden. Jetzt aber ist ein neuer Tag.
Das Zusammen-Sein und Zusammen-Arbeiten beginnt von Neuem.
Wollen Sie es selbst versuchen? Schreiben
Sie sich eine Liste. Wählen sie jeden Tag drei
Songs aus. (Natürlich dürfen Lieblings-Songs
immer wieder auf der Liste stehen.) Und
dann tanzen Sie im Büro, rennen Sie in der
Küche rum, schauen Sie aus dem Fenster,
kitzeln Sie sich selbst… und mit dem Ende
des dritten Songs beginnt etwas Neues. Um
Ihre Liste zu starten, haben die HORASchauspieler*innen ein paar Musik-Tipps:
Auch diesmal in der Heftmitte: ein von 6
HORA-Schauspieler*innen selbst geschriebenes, illustriertes und gelayoutetetes Magazin im Magazin, entstanden an 4 LaborArbeitstagen Mitte September. Thema diesmal: «Neuanfang». Marcel Bugiel, Manuel
Hasa, Florian Lampert, Oliver Roth, Fiona
Schmid und Amadea Schütz moderierten
und assistierten punktuell. Die Entscheidungen (zu Thema, Inhalten, Formen und
Struktur) aber fällten wie immer allein die
Mitglieder der Redaktion.
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
11
14
LABOR
15
«ES WAR LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK»
Der Autor, Regisseur und Schauspieler Philippe Heule über seine Workshops im HORA-Labor
Es war Liebe auf den ersten Blick: Ich weiss
noch, wie ich DISABLED THEATER geschaut
habe. Ich war tief beeindruckt von den
HORAs und ihren Talenten. Dann wurde
ich eingeladen, sie persönlich kennenzulernen. Ich war nervös. Aber Tiziana meinte,
ich solle mich nicht stressen. Wir haben ein
Namens-Spiel mit einem Kissen gespielt.
Sehr schnell habe ich mich wohl gefühlt.
Frank hat mich später beim Mittag-Essen
als Löwe liebevoll attackiert. Ich wurde gefragt, ob ich bei einem Projekt mitmache,
aber leider hatte ich keine Zeit. Dann aber
durfte ich den ersten Workshop im neu entstandenen Labor leiten. Es
war während der Pandemie
und alle HORAs waren dabei. Wir hatten eine Woche
Zeit und die Präsentation
wurde live gestreamt im
Rahmen eines Festivals in
Deutschland. Es war eine
ziemliche Challenge: eine grosse Gruppe,
alle trugen Corona-Masken und man durfte sich eigentlich nicht berühren. Trotzdem
wurde ich mit Liebe empfangen. Wir haben
uns mit der Schweiz beschäftigt, und ob
die Schweiz auch lustig sein kann. Fantasie
und Spiellust waren riesig. In kürzester Zeit
wurden viele fantastische Szenen erfunden. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine
chaotische Armee oder an ein brutales
Tennis-Match. Ich habe gemerkt: Am Theater HORA ist nichts unmöglich. Titel vom
zweiten Workshop war «1001 WeihnachtsGeschichten während dem Welt-Untergang». Wir haben auf unterschiedlichste
Arten Geschichten erfunden, aufgeschrieben, aufgenommen und nachgespielt. Es
gab unendlich viele Ideen, auch wenn ich
irgendwann Harry Potter verbieten musste. Es sind trotzdem immer wieder Figuren
aus Harry Potter aufgetaucht, mit anderen
Namen. In kürzester Zeit ist ein richtiges
Stück entstanden. Es gab wahnsinnig viele
Kostüm-Wechsel und mehrere Jesus-Kinder.
Jesus war auch Harry Potter.
Vor ein paar Wochen durfte ich zum
dritten Mal einen Workshop anleiten. Es
wurde zu Lieblings- und Hass-Liedern
performt. Wir haben nach dem Gegenteil gesucht, was eigentlich nicht zu einem
Lied passt, aber vielleicht genau deshalb
lustig ist. In der zweiten Hälfte haben wir
bekannte Film-Szenen live
mit neuen Texten synchronisiert. Wir haben herausgefunden, dass die Mischung zwischen passend
und unpassend am Lustigsten ist: Einerseits muss
die Situation beschrieben
werden, andererseits muss etwas dazu erfunden werden. Wir hatten viel Spass bei
der Arbeit, aber es war auch Arbeit.
Mir gefällt am Theater HORA die echte
Begeisterung. Mir gefallen auch die Diskussionen und Widerstände. Mir gefällt, dass es
genaue Vorstellungen gibt. Mir gefällt, dass
immer wieder Lösungen gefunden werden.
Es gibt immer wieder Überraschungen und
Wunder. Das Labor ist für mich ein Ort, wo
ich selbst viel lerne. Zum Beispiel geduldig
zu sein oder genau zu sein – mit wenigen
Worten sagen, was ich meine. Auch dieses
Mal habe ich vieles aus dem Labor mitgenommen. Ich glaube aber, ich habe meine
Turn-Schuhe vergessen.
Mit einem Workshop zu der Frage «Ist die Schweiz lustig und
wenn ja warum?» war Philippe Heule 2020 der erste GastKünstler im HORA-Labor überhaupt
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
LABOR
16
17
LOGBUCH LABOR (V)
Co-Labor-Leiter Oliver Roth über bunte Monate und eine illustre Mischung von Gast-Dozierenden
im HORA-Labor-Programm in der zweiten Jahres-Hälfte 2023
Nach der Sommer-Pause sind wir ohne Umschweife direkt in die neue Saison gestartet.
Gemeinsam mit Dramaturgin Felizitas Stilleke haben wir (nach der Kopier-Methode
«Do What You Saw») zwei Wochen lang
sogenannte performative Einführungen für
das Theater Spektakel kreiert. Diese haben
wir dort je am Wochenende auf der Zentral-Bühne präsentiert.
Kaum verdaut, kam Regisseur Philippe
Heule – schon zum dritten Mal – für einen
Workshop zu uns. Dabei konnten wir erleben, wie sich mit wiederkehrenden Besuchen von Dozierenden ruhiger und konzentrierter arbeiten lässt. Und wie einige
aus dem Ensemble grosse Fortschritte gemacht haben, wenn es um das Sprechen
von Text geht. Beim Synchronisieren von
klassischen Film-Szenen haben wir beim
Offenen Labor Tränen gelacht. Zu lustig
war es, als Humphrey Bogart sich in Casablanca von Ingrid Bergmann mit den Stimmen von Frank und Andy verabschiedete.
Mit der Künstlerin Eva Meyer-Keller
haben wir uns mit der Frage beschäftigt:
Wie bringt man Objekte zum Sprechen
und Tanzen, ohne selber im Vordergrund
zu stehen?
Was passiert, wenn zwei super spannende Denker aufeinander treffen, haben wir bei der Eigenprojekt-Idee von
Robin Gilly erlebt. Robin wurde bei seinem Projekt von Marcel Bugiel mentoriert, der mit ihm die Idee einer performativen Diskussions-Runde weiterentwickelte. Bei einem ungewöhnlichen
Offenen Labor wurde das Publikum
verblüfft und applaudierte lange.
Mit der Stimm- und Gesangs-Trainerin
An Chen haben wir uns unserem fast
wichtigsten Organ gewidmet und den
Casino-Saal mit unseren Stimmen mal
richtig zum Vibrieren gebracht.
Mit der Bühnen-Bildnerin und langjährigen HORA-Mitstreiterin Sabina
Winkler konnten wir endlich wieder
mal mit den Händen arbeiten und mit
Material im Raum werken. Ein buntes,
Raum-füllendes Offenes Labor hat diesen Prozess abgerundet.
Ein frohes neues Jahr wünschen euch
Olli und das Labor-Team
Aber das war erst der Anfang. So ging es
weiter:
Während einer Woche hat dann eine kleine Gruppe von HORAs an der Baslerstrasse gemeinsam mit Marcel Bugiel am
neuen Magazin-im-Magazin gearbeitet.
Simon Stuber (Projektion), Elena Gilbert und Tiziana Pagliaro in DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS �
Szenen-Foto aus DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
HORA‘BAND-MITGLIEDER IM SELBSTPORTRÄT (V)
19
«HALLO DR. VREE,
WAS SOLL ICH MACHEN?»
Die (Wurlitzer-)Organistin der HORA‘BAND über sich selbst
Ich bin Vree und spiele die Wurlitzer-Orgel
in der HORA‘BAND. Ich singe auch zusammen mit Denise, Roli und Dario. Die Musik,
die wir in der HORA‘BAND machen, gefällt
mir sehr. Schon 14 Jahre bin ich dabei! Besonders spannend finde ich es, wenn wir Festivals spielen können. Dann reisen wir nach
Deutschland, verbringen ein paar Tage zusammen und lernen neue Orte kennen. Und
uns lernen wir auch besser kennen.
Eine Zeit lang habe ich mich Dr. Vree
genannt. Aber nicht weil ich studiert habe.
Sondern wenn es mir sehr schlecht geht,
rufe ich mich an und sage: «Hallo Dr. Vree,
was soll ich machen?» Dann bin ich mein
eigener Doktor und manchmal kann ich helfen. Sonst spiele ich auch noch in anderen
Bands. Und ich gebe Klavier-Stunden für
Robin Gilly und Minhye Kho (im Hintergrund) in DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
Kinder und Erwachsene. Also Musik ist in
meinem Leben sehr wichtig, sie ist mein Beruf und mein Hobby. Ich finde: Zusammen
Musik machen ist das Beste in der Welt.
Es gibt aber auch andere Dinge, die
mir wichtig sind: Wandern in der Natur,
in den Bergen, am Meer. Und dann fein
essen und Wein trinken! Das mache ich
oft mit meinen Schwestern. Wir nennen
uns die Tour-Sistas. Und ich möchte noch
möglichst viele Pflanzen kennen lernen.
Ich habe Bücher dazu und eine App. Ehrlich gesagt: Pflanzen sind mir die liebsten
Lebewesen auf dem Planeten Erde.
Herzliche Grüsse, Vree
Hörproben der HORA‘BAND unter
https://soundcloud.com/sound-hora-ch
oder QR-Code nutzen
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
INTERVIEW
20
«ICH FINDE, DIE MACHEN DAS SOO GUT!»
Der treuste HORA-Fan aller Zeiten: Ursula Badir
Ursula, du bist die Mutter
von HORA-Schauspieler Noha Badir. Und
du bist wahrscheinlich die Person, die von
allen Menschen auf der Welt am meisten
Vorführungen von Theater HORA gesehen
hat: Ausbildungs-Stücke, Inszenierungen,
Werkstatt-Präsentationen,… Warum guckst
du dir das alles an? Ursula Badir (UB): Ja, ich find’s
interessant. H-M: Trotzdem gibt es nicht so
viele andere, die sich so viel vom HORA
ansehen kommen wie du… UB: Ja, das ist
schade, und ich versteh es eigentlich nicht.
H-M: Schaust du auch im Leben gern? Also
sitzt auf der Parkbank oder im Cafe und
guckst dir die Welt an, siehst den Leuten
zu oder sowas? UB: Ja, sehr gern. H-M: Wenn
dich Leute fragen: Warum soll ich mir das
HORA ansehen? Was antwortest du denen? UB: Meine zwei anderen Kinder sagen
immer: Die machen Sachen, das würden
wir gar nicht können so. Die machen das
soo gut! Wenn andere Eltern manchmal
sagen: «Das Stück ist so ein Seich gewesen», dann antworte ich oft: «Ach, das hab
ich gar nicht gesehen. Ich hab vor allem
darauf geachtet, wie die Schauspieler
spielen. Und die hab ich wieder mega cool
gefunden.» Also ich kann es gar nicht anders sagen: Ich bin einfach recht fasziniert
von dem, was die machen. H-M: Selbst von
dem Langzeit-Projekt FREIE REPUBLIK
HORA (2013–2019) damals hast du dir
fast alles angesehen, jedes Try Out, jeden
noch so unfertigen Versuch. Dabei stand
gerade dieses Projekt bei den HORA-Eltern
in einem eher schlechten Ruf… UB: Beim
Michi [Michael Elber, dem künstlerischen
HORA-Leiter bis 2019], da hab ich mir eh
alles angeschaut – ich war ja ein totaler
Michi-Fan. Während die anderen Eltern
HORA-Magazin (H-M):
gefunden haben: «Oh nein, dieses FREIE
REPUBLIK HORA, das ist ja furchtbar,
kann man sich ja nicht ansehen!» Doch!
Das kann man sich ansehen. Man sieht
immer neue Sachen, die unsere Kinder da
machen. Ich hab mir das immer wieder
angeschaut, weil ich gefunden habe: Ich
will sehen, was die gelernt haben aus dem,
was man bei ihnen kritisiert hat. H-M: Und?
Was haben sie gelernt aus der Kritik ihrer
Eltern? UB: Ich glaube, sie haben insgesamt
gefunden: «Eh, nein, das ist doch gut. Wir
machen weiter das, was wir gern haben.»
Sie haben nicht so viel verändert. H-M: Ich
hab in Erinnerung, dass die Kritik von den
Eltern zum Teil sehr hart war. Viele Eltern
fanden, dass sich ihre Kinder sich da… UB:
… zum Affen machen. H-M: Ja, genau. Fandest du das auch? UB: Nein. Das Tolle an
Theater ist ja genau, wenn jeder das machen kann, was er gerne macht. Und das
haben sie dort eigentlich, oder? Ich hab
gedacht: Wir Eltern würden uns das nie
trauen. Aber unsere Kinder, die machen
das, die finden das cool. Und da ist nichts
Schlimmes dabei. H-M: Und wie war das
2016, als Milo Rau am Schauspielhaus
mit den HORA-Schauspieler*innen DIE
120 TAGE VON SODOM gemacht hat?
Für viele war spätestens da eine Grenze
erreicht… UB: Die wichtige Frage ist doch
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
21
eigentlich nur: Dürfen sie sagen bei der
Probe, was sie machen wollen und was sie
nicht wollen? Oder müssen sie tun, was
die Regie will? So lange sie selbst damit
einverstanden sind, finde ich einfach: Sie
sind Schauspieler. Du hast dein Kind ins
HORA geschickt, und im HORA arbeiten
heisst Schauspieler sein. Also sie sind nicht
in einer Weise behindert, dass man das
mit ihnen nicht machen kann. Es ist okay.
Für mich war das ein Stück und sie waren
darin als Schauspieler, und sie haben das
super gemacht. H-M: Von allem, was du gesehen hast: Was kommt dir als Erstes in
Erinnerung? UB: KATASTROPHENFILM,
ein Stück, wo der Noha selbst Regie geführt hat. Das ist wirklich eine Katastrophe
gewesen, total. Mega gut, denn es ging ja
auch um eine Katastrophe, um den Weltuntergang. Ach, es hat einfach immer so
viele tolle und interessante Momente gegeben bei HORA! Zuletzt RIESENHAFT IN
MITTELERDE: das war dem Noha wirklich
auf den Leib geschrieben. Also mehr Noha
kann man gar nicht haben… Das ist einfach extrem gut gewesen! . H-M: Guckst du
dir auch Sachen von HORA an, wo dein
Sohn nicht mitspielt? UB: Ja klar. Ich frag
dann: «Hey Noha, die anderen spielen.
Gehen wir uns das anschauen?» Und der
Noha sagt dann meistens ja. Und oft hab
ich dann das Ticket schon gekauft, wenn
er sagt: «Ich hab’s schon gesehen.» Aber
er mag das dann gleich ein zweites Mal
nochmal schauen. H-M: Was wünscht du
dem HORA für die Zukunft? UB: Dass es
möglichst lang weiterläuft. Also ich kann
mir den Noha woanders nicht vorstellen.
Ich sag oft: «Wir können von Glück reden,
dass unsere Kinder so etwas arbeiten dürfen. Weil so kreativ kannst du sonst in keinem Beruf sein.»
HORA-CHRONIK
JUNI 2023
Nach 15 ausverkauften Vorstellungen vor jeweils 300 Zuschauer*
innen verabschieden wir uns von RIESENHAFT IN MITTELERDE ™
und der Phantasy-Welt der Schiffbauhalle. Alle sind erfüllt und bewegt
von einer intensiven Begegnung zwischen Theater HORA, Das Helmi
und den «Hausis», den Leuten vom Schauspielhaus Zürich.
Unser Film-Klassiker PLANET HORA läuft am Heyoka Festival in
Ulm! (Kleiner Tipp für Weihnachten: Er ist auch über die HORAHomepage als DVD erhältlich.)
JULI 2023
Während sich die meisten Mitglieder von Ensemble und Team in die
Sommer-Ferien verabschieden, geht es für die HORA-Schauspieler*innen Remo Beuggert, Simone Gisler, Robin Gilly und Tiziana
Pagliaro erst richtig los: Die finale Proben-Phase von DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS beginnt, zunächst noch in Zürich. Regie
führt Helgard Haug von der Gruppe Rimini Protokoll. Gleichzeitig
wird die Hörspiel-Version des Stücks aufgenommen.
AUGUST 2023
End-Proben von DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS im verregneten
Salzburg. Dann startet die neue HORA-Saison – mit einem historischen Ereignis: Mit der Premiere des Stücks an den Salzburger
Festspielen bekommen erstmalig Menschen mit einer kognitiven
Beeinträchtigung an diesem renommierten Festival eine Bühne.
Anna Fierz, Theaterpädagogin am Theater HORA, gründet mit
anderen Verbündeten, darunter den HORA-Ensemblemitgliedern
Cécile Creutzburg, Andy Böhni und Caitlin Friedli, das KAFI Q.
Ein kuratiertes Café, das Queerness und Inklusion feiert und verschiedene Menschen am Theaterspektakel Zürich zusammenbringt.
SEPTEMBER 2023
Wir starten in die dritte Eigenproduktion im Jahr 2023: Die SCHULE DER LIEBENDEN unter der Leitung von Yanna Rüger, Daniel
Cremer und Melanie Bonajo. Die Proben beginnen mit Workshops
und Vorbereitungen für einen Film, der Teil des Stücks werden soll.
OKTOBER 2023
In einem Greenscreen Studio in Schlieren drehen wir einen Kurzfilm
zu SCHULE DER LIEBENDEN.
Für das Jubiläumsfest 30 Jahre Theater HORA in der Roten Fabrik
lassen wir das Kultstück DIE LUST AM SCHEITERN wieder aufleben. Und feiern mit der HORA‘BAND am See.
DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS beginnt seine Gastspiel-Reise
am Grenzenlos Kultur Festival Mainz und am HAU Hebbel am
Ufer in Berlin.
NOVEMBER 2023
Die SCHULE DER LIEBENDEN geht in die zweite Proben-Phase
und arbeitet an der Live-Show in der Shedhalle Zürich. Sowohl der
Film als auch die Performance werden ab dem 8. Dezember dort
zu sehen sein.
Die Fragen stellte Marcel Bugiel
HORA-Magazin Nr. 55, Dezember 2023
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Elisabeth Weber Stiftung, Ernst Göhner
Stiftung, Fachstelle Kultur Kanton Zürich,
Förderverein Theater HORA, Kulturpark
Zürich-West, Landis & Gyr Stiftung,
MIGROS-Kulturprozent, Mondriaan Fund
(NL), Alexis Victor Thalberg Stiftung,
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung,
Stadt Zürich Kultur, Gemeinnützige
Stiftung Symphasis, Schweizerische Interpretenstiftung
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
HAU Hebbel am Ufer*, Berlin; Münchner
Kammerspiele; Fabriktheater/Rote Fabrik,
Zürich; Shedhalle Zürich; Salzburger Festspiele; Schauspielhaus Zürich; Staatstheater
Mainz / Festival Grenzenos Kultur; Theater
Winterthur; Theaterspektakel Zürich
Spenden ab 500 CHF
Thomas Guy, Daniel Brunner
Besonderen Dank an
Miriam Haltiner & Adrian Schiess,
Content Park Operations AG
BORIS BLANK
MUSIKER UND KOMPONIST
DER BAND YELLO
« … WEIL HORA DIREKT, KREATIV,
AUTHENTISCH UND BERÜHREND IST.»
EVITA RIGERT
KOSTÜM DESIGNERIN
SAMUEL STREIFF
SCHAUSPIELER
« …WEIL HORA MICH IMMER WIEDER
INSPIRIERT UND FASZINIERT,
DAS LEBEN BRAUCHT EIN HORA
ALS BRUTPLATZ DER FANTASIE!»
« … WEIL WIR GEMEINSAM MIT HORA
UNSERE EIGENARTIGKEITEN
AM SCHÖNSTEN FEIERN KÖNNEN.»
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte sein kann.
IMPRESSUM
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Konzept und Leitung Magazin im Magazin
Marcel Bugiel und Ivna Žic
Bilder
Ursula Badir (S. 20), Melanie Bonajo (S. 2, 7),
Robin Gilly (S. 9), HORA‘BAND (S.19),
Labor-Team (S. 10, 15, 16), Malí Lazell
(S. 3), Monika Rittershaus (S. 1, 2–3, 8,
17, 18, 23).
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
CARLOS BECKER
SCHAUSPIELER,
THEATERSCHAFFENDER
« … WEIL IN WERTVOLLER TEAMARBEIT EIN
GROSSER REICHTUM AN AUSDRUCKSMÖGLICHKEITEN ERSCHAFFEN WIRD —
IN DER HEUTIGEN TECHNIK- UND MEDIENORIENTIERTEN ZEIT WICHTIGER DENN JE.»
CHRISTOPH SIGRIST
PFARRER AM GROSSMÜNSTER
« … WEIL HORA INNERHALB UND AUSSERHALB VON KIRCHEN DIE WELT AUF
DEN KOPF STELLT UND DAS SO GUT IST.»
URSINA HÖHN
CO-LEITUNG KINDER- UND
JUGENDTHEATER METZENTHIN
« … WEIL HORA DIREKT
INS HERZ TRIFFT.»
DEN
LIED WERETZEN
G
IT
M
T
Z
A — JET
ZEICHEN S
R
EIN
EREIN HO
ULTURELL
FÖRDERVLITISCH, SOZIAL UND K
UND PO
Papier und Versandfolie
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, theater@hora.ch
www.hora.ch
AKTUELLE PRODUKTIONEN VON UND MIT THEATER HORA
DIE
NÄCHSTEN
PREMIEREN
SCHULE DER LIEBENDEN
8. Dezember 2023, Shedhalle Zürich.
Eine immersive Performance von/mit
Melanie Bonajo, Daniel Cremer, Yanna
Rüger und dem HORA-Ensemble
WEITERHIN
IM
REPERTOIRE
DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
(2023)
Ein Stück von Helgard Haug/Rimini
Protokoll nach Bertolt Brecht
RIESENHAFT IN MITTELERDE ™
(2023)
Eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus
Zürich und dem Kollektiv Das Helmi
(Regie: Peter Frost, Florian Loycke, Nicolas
Stemann & Stephan Stock)
SACRE! (2022)
Ein Tanzstück von Teresa Vittucci und
Annina Machaz
HORROR UND ANDERE SACHEN
(2022)
Eine Kooperation mit den Münchner
Kammerspielen (Regie: Tiziana Pagliaro)
DAS KRANKE HAUS (2022)
Ein Stück in Zusammenarbeit mit
vorschlag:hammer
ES WAR KEINMAL ODER DAS
MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
(2021)
Ein Familienstück in Zusammenarbeit
mit Henrike Iglesias
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odysee in die Tiefen des
Universums der Arbeit
(Regie: Yanna Rüger, Stephan Stock,
Heta Multanen)
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Filmremake – live gespielt und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded unter der Live-Regie
von Tiziana Pagliaro
DIE LUST AM SCHEITERN (2000)
Nullimprovisation (Konzept: Beat Fäh
und Michael Elber)
HORA’BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über
Roland Strobel (Bandleader): roli.s@gmx.ch
FÜR
MITGLIEDER
IM FÖRDERVEREIN
TRATSCHEN & KLATSCHEN
Die letzten Vorbereitungen und das Prickeln
kurz vor einer öffentlichen Präsentation –
ein Besuch im HORA-Labor kurz bevor das
Publikum kommt. 15. Dezember 2023,
Casinosaal Aussersihl.
PROBEN-BESUCH BEI
«SCHULE DER LIEBENDEN»
Ein exklusiver Blick auf die Entstehung
der neuen HORA-Produktion.
5. Dezember, 19 Uhr, Shedhalle Zürich.
Um Anmeldung wird gebeten.
MITMACH-TAG IM LABOR
Theater-Spiele und Übungen aus
unserem Trainings-Betrieb zum Mitmachen.
Begrenzte Teilnehmer*innen-Zahl.
12. Februar 2024,
13–16 Uhr, Casinosaal Aussersihl.
Anmeldungen per Mail an
verein@hora.ch
Mitglied werden unter
hora.ch/foerderverein/
NEUES BUCH!
THEATER HORA – JE LANGSAMER,
DESTO SCHNELLER
erscheint als Teil der Reihe Postdramatisches Theater in Portraits,
Alexander Verlag, Berlin.
(in Vorbereitung)
Theater
HO RA
Je
a
langs mer,
desto
schneller
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
-
06/2023 – HORA Magazin Nr. 54
NR. 54, JUNI 2023
MAGAZIN
GRATIS
ABONNIEREN
UNTER:
hora.ch/kontakt
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
3
EDITORIAL
Liebe HORA-Freund*innen,
4–5
«DAS IST OKAY, DASS DAS JETZT
ALLE ANDERS SPIELEN»
Stephan Stock im Gespräch mit
Yanna Rüger
30 Jahre ist es her, dass Theater HORA
das Licht der Welt erblickte – zunächst
noch nicht als Teil der Stiftung Züriwerk,
sondern in Form eines einfachen Vereins,
begründet von einem Häuflein ziemlich
selbstbewusster und tatkräftiger Enthusiast*innen. Seit diesen Anfängen haben
sich etliche Schlüsselfiguren, eine ganze
Heerschar von Schauspieler*innen, Mitarbeitenden, Freiwilligen sowie zahllose
Unterstützer*innen mit Herzblut und oft
bis zur Erschöpfung für die Idee HORA
hingegeben. Die Summe aller Erfahrungen,
Menschen und Situationen, Tränen- und
Freudenmomente haben HORA zu dem
gemacht, was es heute ist: eine Realität,
ein einzigartiger Ort, eine Utopie, ein Rückzugsort, ein Universum, eine Familie, ein
Netzwerk, eine Kompagnie und eine Institution mit internationaler Strahlkraft und
Relevanz, eine Haltung, ein Kompetenzzentrum, eine Band und vieles mehr.
Wenn es also darum geht, 30 Jahre
Theater HORA zu feiern, so muss in erster
Linie all jenen Menschen gedankt werden,
die dieses heterogene Wesen «HORA»
mitgeprägt, mitgestaltet und auf seinem
langen Weg zur Seite gestanden haben.
Allen voran auch dem Publikum und all den
Angehörigen, die neben allen gefälligen
Produktionen auch die weniger gefälligen,
die durchgeknallten und anarchischen
stoisch über sich ergehen liessen, aber
stets wussten: Wir sind Teil eines grossen
Ganzen, und ohne ‹Lust am Scheitern›
kommen wir nicht in eine bessere Zukunft.
Heute nach 30 Jahren mutet es für Aussenstehende vielleicht seltsam an, dass
die Idee HORA so oft bedroht war – und
noch immer ist. Denn trotz aller Preise, Leistungsnachweise, internationaler Anerkennung, guter Betriebsstruktur, einer Grund-
finanzierung durch die Stiftung Züriwerk
und einer Erhöhung der öffentlichen sowie
privaten Unterstützung bleibt HORA defizitär. Ohne die beständige Erneuerung der
Engagements – ob durch Mitarbeitende,
die HORAs selbst, die Angehörigen, private
Gönner*innen, offizielle Förderstellen oder
die Stiftung Züriwerk, welche die Defizite
ihres populärsten Kindes seit Jahren geduldig trägt, gäbe es HORA schon lange
nicht mehr. Wenn Sie also wirklich Gutes
tun wollen, denken sie an uns, unterstützen
Sie uns! Besuchen Sie unsere Produktionen, unser Labor, werden Sie Mitglied im
Förderverein. Und erzählen Sie einfach allen
davon, dass es HORA gibt und eine tolle
Idee ist! Denn auch, wenn die Teilhabe
beeinträchtigter Menschen am regulären
Kulturbetrieb um vieles selbstverständlicher ist als vor 30 Jahren: wir sind noch
lange nicht am Ziel. Bis dahin braucht die
Welt HORA: als Pionierbetrieb, als Labor
und als Wegweiser zu dem, was noch kommen kann und möglich ist.
6
WIE HALTEN WIR ES GEMEINSAM
AUS?
Oliver Roth über Strategien aus dem
HORA-Labor
9
«ABER MIT MIR WÄRE ES TAUSEND
MAL SCHÖNER…»
Remo Beuggert und Robin Gilly
im Gespräch
10
«UNSER SOUND GEFÄLLT
MIR GUT & AUCH MENSCHLICH
STIMMT‘S BEI UNS»
Der Schlagzeuger der HORA‘BAND
über sich selbst
11–14
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von 8
HORA-Schauspieler*innen. Thema der
vierten Ausgabe: «Zusammenhalten»
15
LOGBUCH LABOR (VI)
16, 19–20
«FÜR MICH WAR THEATER ERSTMAL DIE MÖGLICHKEIT, IN
FIGUREN REINZUSCHLÜPFEN, DIE
EIGENTLICH NICHT ZU MIR
GEPASST HABEN»
Walter Andreas Müller (WAM)
im Gespräch
20
HORA-CHRONIK
21–22
30 JAHRE VEREIN THEATER
HORA – WEIL HORA
UNTERSTÜTZER*INNEN UND
VERBÜNDETE BRAUCHT!
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Spenden und Koproduzent*innen
Impressum
24
AKTUELLE PRODUKTIONEN
UND PROJEKTE VON
UND MIT THEATER HORA
Curdin Casutt, Gesamtleiter Theater HORA
ZUSAMMEN VERSCHIEDEN SEIN
Wie können wir jede*r einzigartig und
verschieden von den anderen sein, und
trotzdem gut zusammen auskommen?
Ausgehend von dem neuen HORA-Stück
RIESENHAFT IN MITTELERDE ™ kreist viel
in dieser Ausgabe um diese Frage: Darüber
unterhalten sich die künstlerischen CoLeiter*innen Yanna Rüger und Stephan
Stock, darüber hat Labor-Co-Leiter Oliver
Roth Perspektiven und Stimmen aus dem
HORA-Labor gesammelt, dazu hat Marcel
Bugiel die Ensemblemitglieder Remo
Beuggert und Robin Gilly befragt. Auch
das Magazin-im-Magazin befasst sich mit
einem fast identischen Thema: «Zusammenhalten». Aber auch die Beiträge von
HORA‘BAND-Schlagzeuger Lukas Sellinger,
das Interview mit WAM und das Statement
der neuen Vereinspräsidentin Monika
Michel-Deckert können wertvolle Impulse
zur Beantwortung dieser Frage liefern. Viel
Spass beim Lesen!
ZUSAMMEN VERSCHIEDEN SEIN
4
«DAS IST OKAY, DASS DAS JETZT
ALLE ANDERS SPIELEN»
Stephan Stock im Gespräch mit Yanna Rüger über die Zusammenarbeit von Theater HORA, Das Helmi, Nicolas Stemann
und dem Schauspielhaus-Ensemble bei ihrem gemeinsamen Projekt RIESENHAFT IN MITTELERDE ™
5
Das hat mit dem Singen
angefangen. Da hat man gemerkt: Das
macht allen irgendwie Spass. Und mit
unserer gemeinsamen Choreografie, die
am Ende von der Aufführung ja auch mit
dem Publikum getanzt wird. Die hatte der
HORA-Schauspieler Gianni Blumer mitgebracht. Die haben wir jeden Tag gemacht,
und das war wie so ein Ritual. Und über den
Spass hat man sich auch gefunden. Viele
von den HORAs lieben diesen Stoff! Und so
einen Zauberer oder Ork oder Elbenkönig
zu spielen – das macht einfach Spass. Weil
man da so übertreiben kann. Weil man da
einfach loslassen und sich in eine Phantasiewelt hineinbegeben kann.
STEPHAN STOCK:
Und wie ging das, sich mit
mehreren Leuten die Regie zu teilen?
YANNA RÜGER:
1. Indem wir uns am Anfang
auch viel abgewechselt haben. 2. Indem
wir viel diskutiert haben. Aber respektvoll.
3. Weil wir ein gemeinsames Ziel hatten:
dass jeder in dem Stück seine Momente
hat. 4. Indem wir gar nicht so richtig Regie
gemacht haben. Sondern vor allem Räume
geöffnet haben, wo die Leute eigene Sachen
erfinden konnten.
STEPHAN STOCK:
An einem grossen Haus wie dem Schauspielhaus zu arbeiten bedeutet oft: Nur für
seinen eigenen Beitrag die Verantwortung
zu tragen. Und bei dem anderen besser
nicht mitzureden. Und also klar wissen
zu wollen: Was ist meine Aufgabe? Beim
Berliner Kollektiv Das Helmi dagegen
machen alle ein bisschen alles. Und alles
entsteht erst bei diesem Machen. Wie
kann man da auch noch mit HORASchauspieler*innen zusammenarbeiten
– die gleichzeitig einen stabilen Rahmen
brauchen, oft aber auch spontan agieren?
Die es gewohnt sind, viele eigene Ideen ein-
zubringen, aber auch, dass sich vieles nach
ihnen und ihren eigenen Ideen richtet?
Die 3 Ensembles haben eine Zusammenarbeit versucht: In dem Projekt RIESENHAFT
IN MITTELERDE ™ nach der PhantasyTrilogie Herr der Ringe. Yanna Rüger, die
künstlerische Co-Leiterin von Theater
HORA, hat sich mit ihrem Kollegen Stephan
Stock – in diesem Projekt einer der CoRegisseure – darüber unterhalten.
Wie haben diese sehr unterschiedlichen Gruppen im Verlauf der Proben
zusammengefunden?
YANNA RÜGER:
HORA-Magazin Nr. 54, Juni 2023
Gab es einen Moment, wo du
gedacht hast: «Das ist jetzt auch schwierig,
sich in dieser Verschiedenheit zu finden?»
YANNA RÜGER:
Solche Momente gab es viele...
Ein Beispiel, die Rats-Szene: Elben und
Zwerge und Menschen kommen zusammen.
Sie wollen beraten, was sie mit dem Ring
machen – und streiten sich eigentlich
nur. Und beim Üben dieser Szene haben
auch wir uns am meisten gestritten. Die
Schauspieler*innen vom Haus spielen
gern so präzise. Und waren sauer, wenn
ihre Stichwörter nicht kamen. Und der
STEPHAN STOCK:
HORA-Schauspieler Nikolai Gralak – der
grösste Herr der Ringe-Fan überhaupt –
konnte sich nicht darauf einlassen, dass
es nicht genauso ist wie im Film. Und dann
hat er manchmal 15 Minuten lang Dinge
geredet, die gar nicht im Skript standen.
Und die Helmis fanden das grossartig,
und haben Witze dazu improvisiert. Aber
deshalb haben die Anschlüsse auch nicht
geklappt. Und immer sind diese verschiedenen Spielweisen so gecrasht. Sonst gibt
es ja viel Atmosphären oder Bilder oder
Lieder an dem Abend. Aber das war eine
richtige, aufgeschriebene Theaterszene.
Und da hat man gemerkt: Jetzt wird‘s
schwierig. Da mussten wir uns mehrmals
zusammen hinsetzen und sagen: «Das ist
okay, dass das jetzt alle anders spielen.»
YANNA RÜGER: War das der Ring, den ihr gemeinsam begraben musstet oder vernichten, um als Gemeinschaft zusammen sein
zu können?
Ja, genau: Dass man seine
eigenen Bedürfnisse nicht wichtiger findet
als die der anderen. Und deswegen denkt,
man hat mehr Rechte als die anderen.
STEPHAN STOCK:
Das finde ich einen wichtigen
Gedanken: dass Zusammenarbeit nur funktionieren kann, wenn man nicht nur seinen
eigenen Job gut erledigt. Sondern ein Stückchen mehr gibt, als man geben müsste.
YANNA RÜGER:
STEPHAN STOCK: Und dass man nicht trennt
zwischen «Das ist Kunst» und «Das ist, damit es allen gut geht». Es war toll, dass die
Mitarbeitenden am Schauspielhaus unser
Ensemble so gut unterstützt haben. Aber
es war genauso wichtig, dass auch sie sich
wohl fühlen. Ich finde: Wenn die Art gut ist,
wie man zusammen arbeitet, dann ist meist
auch das gut, was dabei herauskommt.
HORA-Magazin Nr. 54, Juni 2023
ZUSAMMEN VERSCHIEDEN SEIN
6
7
WIE HALTEN WIR ES GEMEINSAM AUS?
Co-Labor-Leiter Oliver Roth über die Kunst, seine Arbeitstage mit manchmal
mehr als 20 sehr verschiedenen Menschen zu verbringen – in mehr oder weniger einem Raum.
Wir sind viele Leute. Wir sind viele unterschiedliche Leute. Wir haben viele unterschiedliche Bedürfnisse. Wir haben unterschiedliche Jobs. Unterschiedliche Launen.
Manchmal sind einige von uns langsam.
Manchmal sind einige von uns sehr schnell.
Zu schnell. Zu langsam. Manche von uns sind
Spieler*innen. Manche von uns arbeiten
mehr im Büro. Oder vor der Probe und nach
der Probe im Büro. Manche arbeiten auf der
Bühne. Manche neben der Bühne. Manche
spielen und einige schauen zu. Manche leiten. Oder leiten an. Manche brauchen Zeit
für sich. Im Home Office oder in der Ecke.
Einige arbeiten nur an manchen Tagen. Ein,
zwei, drei Personen stehen nicht gerne früh
auf. Vier, fünf Personen gehen nicht gerne
früh ins Bett. Zwei machen gerne um 17 Uhr
Feierabend. Jemand geht nicht gerne direkt
nach Hause. Jemand will um 16:59 Uhr die
Sachen packen und gehen. Wer ist eigentlich ein Morgenmuffel? Wer kommt zu
spät? Wer ist eigentlich eine Nacht-Eule?
Wer redet denn jetzt schon wieder so viel
und so schnell? Warum schreist du immer
so? Wer stampft denn hier schon wieder
über die Bühne? Wer hat denn jetzt schon
wieder gefurzt? Ich öffne mal das Fenster.
Mir ist aber kalt. Die Heizung läuft nicht…
Hier einige Tipps aus dem Team und Ensemble, wie wir es zusammen schaffen:
«Einfach mal das Hirn ausschalten.»
«Einfach den Chat auf stumm schalten.»
«Eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen einen Tee machen.»
«Ich drehe mir eine Zigarette und gehe
eine rauchen, bevor es weitergeht.»
«Ich spiele in der Mittagspause dieses
Handygame mit den Blasen.»
«Ich mache mehrmals am Tag kleine, fünfminütige Meditationen.»
«Mir tut es gut, wenn ich am Morgen von
zuhause zur Arbeit spaziere. Dann habe
ich mich schon bewegt.»
«So wenig wie möglich persönlich nehmen.»
«Sich die Kopfhörer überstülpen und Mittagsschlaf machen.»
«Bei den drei Songs kann ich schauen, wie
sich die anderen fühlen. Es ist wie ein Stimmungsmesser.»
«Ich schaue einer Person ganz tief in die
Augen. Dann kann ich mich wieder empathisch zeigen.»
«Ich umarme die Leute.»
«Ich verstecke Dinge, die rumliegen. Zum
Beispiel unter dem Teppich.»
«Wenn ich aufgebracht bin, drehe ich eine
Runde um den Block.»
«Nein.»
«Wieder mal zusammen ein FeierabendBier trinken gehen.»
«Prosecco!»
Vielleicht hilft euch der ein oder andere
Tipp für euren eigenen Arbeitsalltag…
Oliver Roth
Szenen-Fotos aus RIESENHAFT IN MITTELERDE ™ �
8
ZUSAMMEN VERSCHIEDEN SEIN
9
«ABER MIT MIR WÄRE ES TAUSEND
MAL SCHÖNER…»
Die HORA-Schauspieler Remo Beuggert und Robin Gilly über die Kunst, es miteinander auszuhalten
Wenn das ganze Ensemble im Labor ist,
dann seid ihr mit über 20 Leuten zusammen.
Wie haltet ihr das aus?
ROBIN GILLY: Gute Frage. Das hab ich
mich noch nie gefragt.
REMO BEUGGERT: Wenn wir am Schaffen
sind, dann sind wir ja doch gut verteilt. Und
wir kennen uns. Das macht es einfacher.
Remo, du wohnst allein. Warum wolltest
du nicht mit anderen zusammen wohnen?
REMO BEUGGERT: Tagsüber bin ich ja
mit Leuten. Und in meiner Wohnung kann
ich einfach mal nur mit mir selber sein.
Robin, du wohnst bei deinem Vater. Richtig?
ROBIN GILLY: Immer noch. Mein Vater und
ich: Wir sind eine gute, glückliche Familie.
Manchmal suche ich auch gerne nach Problemen. Dann reden wir von Mann zu Mann.
Remo, stell dir vor: Du sitzt in deiner Wohnung und es klingelt an der Tür. Robin steht
da und sagt: «Mein Vater hat mich vor die Tür
gesetzt. Kann ich eine Weile bei dir wohnen?»
Wie würdest du reagieren?
REMO BEUGGERT: «Ich hab ein Sofa, wo
du kannst schlafen.» Also für eine Nacht
wäre es okay. Aber am nächsten Tag müsste
man dann einfach schauen, wo er hin kann.
Und wenn er einen Monat bleiben würde?
REMO BEUGGERT: Ich glaub nicht, dass
das eine gute Idee wäre. Weil wir manchmal
ziemlich gegeneinander rasseln. Das legt
sich natürlich wieder. Aber wenn ich ihn 24
Stunden auf dem Buckel habe, dann dreh
ich glaube ich durch.
Robin, wie wäre das: bei Remo zu wohnen?
ROBIN GILLY: Also zum Beispiel kann man
Schwarzer Peter spielen. Und ich koche
etwas für ihn. Dass er seine Ratatouille isst.
Hüttenkäse. Oder mit Eiern. Dann ist er
happy. Ich will ihm einfach helfen: Es geht
nicht um aussen, wie man sich fühlt – es
geht um‘s Herz. Das hat er mir mal gesagt.
REMO BEUGGERT: Das hab ich vergessen.
ROBIN GILLY: Das ist das Schönste: Wenn
man etwas vergisst, dann kommt‘s vom
Arbeitskollegen. Ich hab von ihm sehr
viele Sachen gelernt: Zum Beispiel: Wenn
ich auf seinem Platz sitze, dann malt er
mich mit Kreide an. Alles, wo es um Scheiss
machen geht, das hab ich von ihm gelernt.
Remo, wär das nicht viel besser, mit jemandem wie Robin zusammen zu wohnen als
allein?
REMO BEUGGERT: Nein, ich lebe lieber
mit meinem Spiegelbild zusammen.
ROBIN GILLY: Ich weiss schon warum: In
seinem Alter ist er gern allein. Aber mit
mir wäre es tausend Mal schöner…
Fragen: Marcel Bugiel
Robin Gilly (links) und Remo Beuggert (rechts)
� Szenen-Fotos aus RIESENHAFT IN MITTELERDE ™
HORA‘BAND-MITGLIEDER IM SELBSTPORTRÄT (IV)
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«UNSER SOUND GEFÄLLT MIR GUT
& AUCH MENSCHLICH STIMMT’S BEI UNS»
Der Schlagzeuger der HORA‘BAND über sich selbst
Ich bin Lukas Adrian Selinger, geboren am
02.11.1979 und aufgewachsen in Thalwil ZH.
Da wohne ich auch heute wieder, in einer
gemütlichen kleinen Dachstockwohnung.
15 Minuten zu Fuss und ich bin in meinem
Übungsraum. Mit 10 Jahren habe ich
begonnen, Schlagzeugstunden zu nehmen,
da ich fasziniert war von diesem Instrument.
In der HORA’BAND bin ich nun schon seit
über 6 Jahren. Unser Sound gefällt mir sehr
gut, und auch menschlich stimmt’s bei uns.
Das letzte Jahr war sehr erfüllend
für mich, es gab viele Highlights. Wir
waren mit der Band dreimal in Deutschland
unterwegs, haben an den Winterthurer
Musikfestwochen gespielt. Und ich war
seit langem wieder einmal im Urlaub am
Meer. Auf Gran Canaria. Zum Jahresende
war ich als Drummer an einer mongolischen Neujahrsparty engagiert.
Ich arbeite seit 10 Jahren als Elektronikmitarbeiter im 2. Arbeitsmarkt. Ich montiere Stecker an verschiedenste Arten von
Kabeln oder löte Platinen, baue Steuergeräte zusammen. Einfache Arbeiten, die
mich nicht mehr besonders inspirieren.
Eigentlich bin ich studierter Arzt. Ich hatte
das Studium aus purem Interesse am
menschlichen Körper absolviert.
Nebenbei interessiere ich mich für das
Geistige im Menschen. Mit 17 Jahren wurde
mir durch spirituelle Lektüre bewusst, wie
viel wir mit unserer Einstellung, unserer
Geisteshaltung erreichen können. Ich habe
mich mit Krishnamurti befasst, buddhistischer Philosophie, Schamanismus und
Anthroposophie. Ich pflege einen sehr
meditativen Lebensstil, bewege mich gerne
in der freien Natur. Ich höre gerne gute
Musik von Jazz über Trip-Hop bis zu Rock,
Funk, Soul, Worldmusic, Chillout. Ich liebe
es, an Konzerte zu gehen oder an einer Party
abzutanzen. Und jetzt starten Roli Strobel
und ich durch mit unserem Duo-Bandprojekt L’Air Maureen. Wir haben Plattentaufe gefeiert im El Lokal. 100 Gäste. Unsere
Platte SONGS FROM THE UNEXPECTED
ist ein Bijou. Hört sie euch an. Wir werden
weitere Konzerte geben dieses Jahr. Auch
mit der HORA’BAND werden wir wieder
so einiges erleben. Ich freue mich sehr.
Hörproben der HORA‘BAND unter
https://soundcloud.com/sound-hora-ch
oder QR-Code nutzen
HORA-Magazin Nr. 54, Juni 2023
Auch diesmal in der Mitte vom HORA-Magazin: ein von 8 HORA-Schauspieler*innen
selbst geschriebenes, illustriertes und
gelayoutetes Magazin im Magazin, entstanden an 4 Arbeitstagen Anfang Mai.
Marcel Bugiel, Manuel Hasa und Ivna Žic
moderierten und assistierten, die Entscheidungen (zu Inhalten, Formen und Struktur)
aber fällten allein die Mitglieder der Redaktion. Dass das verbindende Thema («Zusammenhalten») diesmal so nah am Thema
des Magazins drumherum liegt, ist Zufall.
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LOGBUCH LABOR
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LOGBUCH LABOR (VI)
Co-Labor-Leiter Oliver Roth über die Labor-Workshops seit Dezember 2022 und das ‹Offene Labor›
Unsere Laborworkshops, die eingeladenen
Künstler*innen und die Inhalte sind ja ein
einziger grosser Mix – genau wie die Inhalte
der Workshops selbst. Zusammen ist das
wie ein Kochtopf, der da so brodelt mit ganz
vielen Leuten drin: Aktivist*innen, Autor*
innen, Bildende Künstler*innen, Choreograf*
innen, Dramaturg*innen, Musiker*innen, Performance-Künstler*innen, Radio-Macher*
innen, Tänzer*innen und viele Leute mehr.
Im letzten halben Jahr waren das unter
anderem: Erik Altorfer, Marcel Bugiel, der
Verein diversum, Michael Fehr, Leonie
Graf, Nele Jahnke, Maya Minder, Fidel
Morf, Yanna Rüger, Salomé Schneebeli,
Studierende der Zürcher Hochschule der
Künste (ZHdK) und Ivna Žic. Mit ihnen gab
es Workshops zu Antirassismus, «Clownscape like in landscape», Eigenprojekte,
Improvisation, Kunst und Kochen, «Orte
und Inszenierungen», Performance von
eigenen Texten, Schauspiel- und RegieGrundlagen, wilde Radioschnipsel, Zeitung
machen und Zuschauen.
Seit einiger Zeit gibt es bei uns auch das
‹Offene Labor›. Das hiess früher ‹Werkschau›. Das sind Präsentationen von Workshops, zu denen jeder kommen kann. Man
muss sich nicht anmelden. Man braucht
kein Ticket. Man kann auch noch kommen,
wenn man zu spät ist – wir lassen die Tür
auf. Man muss auch nicht still sitzen. Und
wenn man genug hat, dann kann man auch
einfach so wieder raus gehen. Das Publikum ist richtig toll: Szene-Leute, Familienmitglieder, Freunde, Leute aus Wohnheimen – alle bunt gemischt. Fredi Senn hat
sein Stück «Römer und Gladiatoren» bei
so einem Offenen Labor präsentiert – ein
Seh- und Hörerlebnis. Er selbst verkörperte
leidenschaftlich gut Cäsar. Minutenlang
Applaus gab es auch bei den WorkshopPräsentationen von Salomé Schneebeli
oder Leonie Graf. Der Höhepunkt aber
war für mich die Show nach dem ClownsWorkshop mit Micha Goldberg: Was da in
2 Wochen mit 18 Leuten entstanden war,
diese aussergewöhnlichen, witzig-energievollen Theater-Momente: Das war toller
als an jeder regulären Kunst-Ausbildung!
P.S.: Im April ist Amadea aus ihrer Babyzeit ins Labor zurückgekommen. Wir freuen
uns sehr darüber!
HORA-Magazin Nr. 54, Juni 2023
INTERVIEW
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«FÜR MICH WAR THEATER ERSTMAL DIE
MÖGLICHKEIT, IN FIGUREN
REINZUSCHLÜPFEN, DIE EIGENTLICH
NICHT ZU MIR GEPASST HABEN»
WAM (Walter Andreas Müller) im Gespräch mit Yanna Rüger und den HORA-Schauspieler*innen
Gianni Blumer, Andy Böhni, Nikolai Gralak und Fabienne Villiger
Also erspielt. Ich habe Glück gehabt
bei den Antworten. Und dann hab ich
aber gesagt: «Ich will das Geld aufteilen.
Die Hälfte fürs HORA-Theater. Und die
andere Hälfte für ein Kinder-Hilfswerk in
Brasilien.»
WAM:
Das ist mega lieb, was du
machst mit uns.
GIANNI BLUMER:
Am 11. Februar 2023 gab es ein ‹JahrzehnteSpecial› der SRF1-Quizshow 1 gegen 100.
Der Prominente Walter Andreas Müller
(kurz: WAM) war angetreten für die 1970er
Jahre. Die Hälfte von seinem Gewinn hat
er an Theater HORA gespendet. Deshalb
haben wir ein Interview mit ihm gemacht.
Alle mussten erstmal tief durchatmen. Erst
dann konnte Gianni Blumer die erste Frage
stellen.
Ich hätte mal die erste Frage:
Du hast ja jetzt eine halbe Million gewonnen.
Was machst du mit dem Rest, wo nicht
ans HORA geht?
GIANNI BLUMER:
Also ich hab bei dem Spiel einen recht
ansehnlichen Betrag gewonnen. Aber keine
Million. Das ist ein anderes Spiel. Ich hab
24 000 Franken gewonnen.
WAM:
ALLE:
Waaauuuuu!!!!
Ich hab so Freude an dem, was ihr
macht. Das ist grossartig! Und jetzt komm
ich natürlich auch an die Premiere hier im
Schiffbau.
WAM:
Alle:
Uhhhh wauuuu!! Oh jaaaa! Geil!
Aber gell, damit du dann gut
verstehst: Wir machen unsere ganz eigene
Geschichte vom Herr der Ringe.
GIANNI BLUMER:
Ja natürlich! Da bin ich gespannt:
Was macht ihr aus der Geschichte?
WAM:
YANNA RÜGER:
Bist du denn Herr der Ringe-Fan?
Ich muss sagen: eigentlich nicht. Harry
Potter und Herr der Ringe und all die Sachen:
das ist mir einfach zu hoch gewesen, als das
rauskam. Ich bin da nicht mitgekommen!
WAM:
Ja, Harry Potter und Herr der
Ringe sind zwei verschiedene Autoren. �
NIKOLAI GRALAK:
Szenen-Fotos aus RIESENHAFT IN MITTELERDE ™ �
� Fortsetzung von S. 16
WAM:
19
Richtig, stimmt.
Ja, und die Zaubersprüche in
Harry Potter sind alle lateinisch. Und bei Herr
der Ringe ist es eine erfundene Sprache.
NIKOLAI GRALAK:
Ich mache mich also auch noch ein
bisschen schlau davor.
WAM:
Ich hab eine Frage. Willst du bei
uns mitspielen?
ANDY BÖHNI:
Die Idee ist natürlich toll! Eigentlich
würde ich das wahnsinnig gerne machen.
WAM:
Ich weiss was: Zum Beispiel
könntest du bei uns mal ein Praktikum
machen. Bei uns im HORA. (lacht sich
schlapp)
GIANNI BLUMER:
Ein Praktikum? Hast du das Gefühl,
ich muss nochmal von vorne anfangen?
WAM:
GIANNI BLUMER:
Lachen)
Warum hast du damals Schauspieler gelernt? Und das dann dein ganzes
Leben lang gemacht?
YANNA RÜGER:
Genau! (Alle kugeln sich vor
Du lachst jetzt, Gianni, aber du hast
natürlich Recht. Weil wenn ich bei euch
mitarbeiten würde: das ist ja eine ganz
andere Form und Art zu arbeiten. Und
da müsste ich tatsächlich nochmal ganz
von vorne anfangen. Weisst du: Ich hab
immer versucht, Menschen mit einer Behinderung ernst zu nehmen. Das ist ganz
wichtig: Dass man mit ihnen nicht wie mit
einem Kind spricht. Mir passiert das jetzt
manchmal ähnlich. Ich bin jetzt 78 Jahre
alt. Und wenn ich jemandem begegne, der
jünger ist, dann redet der manchmal mit
mir wie mit einem kleinen Kind…
WAM:
Also für mich war das Theater erstmal
die Möglichkeit, in Figuren reinzuschlüpfen,
die eigentlich nicht zu mir gepasst haben.
Im Hörspiel zum Beispiel: da habe ich mit
einer sehr tiefen Stimme geredet (macht
die Stimme vor). Und dann haben alle gedacht: ‹Der ist sicher 1 Meter 80 gross…›
Und dann haben sie mich gesehen. Und
haben gemerkt: ‹Oh, der ist ja ganz klein!›
Ich bin als junger Mensch sehr unsicher gewesen. Aber durch den Schauspieler-Beruf
habe ich Selbstbewusstsein bekommen.
WAM:
Mich würde noch interessieren: Du warst ja bei 1 gegen 100. Wie viele
Personen sind da dabei gewesen? Die du
geschlagen hast?
GIANNI BLUMER:
Naja, 100! Deswegen heisst die Show
ja so. (Alle lachen)
WAM:
Ich hab noch eine Frage an
euch HORAs: Was sollen wir denn jetzt mit
dem Geld-Geschenk vom WAM machen? �
YANNA RÜGER:
Also der wo dich nicht ernst
nimmt: dem würde ich aber einen zünftigen
Schuh in den Arsch geben!
NIKOLAI GRALAK:
� Szenen-Fotos aus RIESENHAFT IN MITTELERDE ™
20
Zum Beispiel mit den 12 000
Franken könnten wir das Labor umbauen…
GIANNI BLUMER:
Nein! Also das haben wir
doch gerade erst gemacht.
NIKOLAI GRALAK:
Ich würde einen Raum für
das Team zum Vorbereiten bauen. Also
zum Gipfeli essen.
GIANNI BLUMER:
Ich würde das Geld gleichmässig unter uns verteilen. Weil unser Lohn
ist einfach zu wenig!
NIKOLAI GRALAK:
ANDY BÖHNI: Oder herumreisen! Mit euch allen!
Ich würde gerne mit den
12 000 Franken auch einen Ausflug machen.
Zeit verbringen. In Zürich, z.B. auf dem Schiff.
FABIENNE VILLIGER:
Wir haben uns auf jeden Fall
gedacht, wir machen damit was, was für
alle ist – wo alle was von haben!
YANNA RÜGER:
WAM:
Ja, das wär mir wichtig.
30 JAHRE VEREIN THEATER HORA
HORA-CHRONIK
DEZEMBER 2022
Die letzte HORA-Reise im Jahr 2022 geht nach Hamburg zur
Kulturfabrik Kampnagel. Dort gibt es eine Zusammenarbeit mit
sieben anderen Gruppen. Das Projekt heisst: DEMOCRATIC
BOOTCAMP. Für HORA mit dabei sind: Caitlin Friedli, Robin Gilly,
Tiziana Pagliaro und Stephan Stock. Partnerin von HORA ist die
deutsche Gruppe Skart.
Die Vorproben zu DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS nach Bertolt
Brecht beginnen. Autorin und Regisseurin ist Helgard Haug von
Rimini Protokoll.
Und kurz vor der Winterpause feiern wir die erste HORA-Premiere
im Tanzhaus Zürich: mit dem Tanzstück SACRE! von Teresa Vitucci
und Annina Machaz. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Wir gehen
erschöpft, aber glücklich in die Ferien.
JANUAR 2023
An den Münchner Kammerspielen zeigen Remo Beuggert und
Tiziana Pagliaro endlich wieder ihr Stück HORROR UND ANDERE
SACHEN.
Im Labor gibt es erste Recherchen für ein neues HORA-Projekt:
SCHULE DER LIEBENDEN. Das Projekt wird geleitet von den
Regisseur*innen Melanie Bonajo, Daniel Cremer und Yanna Rüger.
FEBRUAR 2023
Am Schauspielhaus Zürich starten die Proben zum MammutProjekt RIESENHAFT IN MITTELERDE ™. Das Stück ist eine
Zusammenarbeit von Theater HORA, dem Schauspielhaus Zürich,
Nicolas Stemann und dem Kollektiv Das Helmi. Bei der Konzeptionsprobe sitzen mehr als 50 Leute an einem Tisch!
21
30 JAHRE VEREIN THEATER HORA
– WEIL HORA UNTERSTÜTZER*INNEN
UND VERBÜNDETE BRAUCHT!
Theater HORA gibt es seit 1993. Seit dem
Jahr 2002 gehört es zur Stiftung Züriwerk.
Seitdem ist HORA nicht mehr nur eine
Theatergruppe, sondern auch eine KulturWerkstatt. Davor war HORA einfach eine
Theatergruppe. Und ein Verein: der Verein
Theater HORA. Diesen Verein gibt es noch
immer. Er heisst inzwischen: Förderverein
Theater HORA. Denn für HORA braucht
es mehr Geld als für andere Werkstätten
von Züriwerk: für Gast-Künstler*innen,
Bühnenbilder, Kostüme, Musik, Werbung…
Damit HORA weiter so gute Kunst-Projekte
machen kann wie bisher. Seit diesem Jahr
ist Monika Michel-Deckert die neue Vorsitzende vom Förderverein Theater HORA.
Hier erklärt sie, warum sie diesen Verein
so wichtig findet:
MÄRZ 2023
Im März sind wir viel in München an den Kammerspielen: Wir
spielen HORROR UND ANDERE SACHEN und DEMOCRATIC
BOOTCAMP. Und Matthias Brücker ist dort Teil einer Redaktions-Gruppe für das Buch Perlen und Wölfe (AT) mit Texten von
Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.
WALTER ANDREAS MÜLLER
… ist in der Schweiz auch unter der Abkürzung WAM bekannt. Er wurde 1945 in
Zürich geboren. Er ist Schauspieler/Sprecher, und war jahrzehntelang Moderator
bei Radio SRF1. Berühmt sind seine Parodien diverser Persönlichkeiten. 28 Jahre lang
war er auch zu hören in der Radio-Satiresendung «Zweierleier». Am bekanntesten ist
er bei Kindern als GLOBI geworden – mit
über 3 Millionen verkauften Tonträgern. Er
lebt im Zürcher Oberland, in einem Erdhaus
vom Architekten Peter Vetsch.
APRIL 2023
Das Highlight im April ist die Premiere von RIESENHAFT IN
MITTELERDE ™. Mehr als 20 Perfomer*innen verkörpern Figuren
aus Herr der Ringe. Es ist eine begehbare Installation für bis zu
300 Zuschauer*innen. Spielort ist die riesige Schiffbau-Halle am
Schauspielhaus Zürich. Ein wirklich grosses Ereignis.
MAI 2023
Es gibt viele Vorstellungen von RIESENHAFT IN MITTELERDE ™.
Und es gibt immer neue Medienberichte über das Stück. Wir sind
glücklich! Aber irgendwann auch ein bisschen erschöpft.
Auch die Vorproben zu DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
gehen weiter. Premiere ist mitten in der Sommerpause: an den
Salzburger Festspielen! Wir sind schon sehr gespannt.
HORA-Magazin Nr. 54, Juni 2023
Die neue Vereinspräsidentin Monika Michel-Deckert.
«Ich verfolge die Arbeit von HORA jetzt seit
30 Jahren. Ich fand das immer grossartig.
Einfach Theater pur. So viele Menschen
haben so viel Energie und so viel Liebe und
so viel von sich selber da reingesteckt. Da
ist etwas daraus entstanden, das sollte man
sorgfältig pflegen und weiterstricken. Nicht
nur, damit es mehr Geld für die HORAProjekte geben kann. Sondern auch, um
zeigen zu können: ‹Ich bin wirklich an
HORA interessiert. Ich gebe da wirklich
mein Herz rein.› Denn diese Mitgliedschaft
ist ja nicht nur Geld, sondern auch eine
Form von kulturellem Engagement. Und
sowas kann die Welt gut brauchen: ein
bisschen mehr Commitment. Einfach mal
wieder den Rücken gerade machen, für
etwas einstehen. Weil: Wir brauchen solche
Geschichten wie HORA. Und natürlich:
Als Teil einer Familie mit einem Kind mit
einer Behinderung, mit einem nicht-neurotypischen Kind, schlägt mein Herz eh für
solche Projekte. HORA macht mein Leben
ein bisschen besser, ein bisschen gesünder.
Und ich bin sicher: HORA macht auch die
Welt ein bisschen besser.»
Theater HORA braucht Verbündete und
Unterstützer*innen! Mitglieder im Förderverein leisten einen wichtigen Beitrag für die
Existenz dieses einzigartigen Projekts. Die
Mitgliederbeiträge kommen ausschliesslich
Theater HORA und seinen Projekten zugute.
Der Jahresbeitrag beträgt für Einzelpersonen 150 CHF, für in einem Haushalt
lebende Paare insgesamt 250 CHF und
kann auf Antrag auf 60 CHF reduziert
werden. Mitglied im Förderverein erhalten
zwei Freikarten pro Kalenderjahr, exklusive
Einblicke in den Labor- und Theaterbetrieb
und lernen, wenn sie wollen, eine Menge
ultranette, interessante und ungewöhnliche
Leute kennen. Weitere infos unter www.hora.
ch, per Email an verein@hora.ch oder telefonisch unter 044 405 71 40.
HORA-Magazin Nr. 54, Juni 2023
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle Kultur
Kanton Zürich, Förderverein Theater
HORA, Kulturpark Zürich-West, Landis &
Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent,
Alexis Victor Thalberg Stiftung, Pro Helvetia
Schweizer Kulturstiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis,
Schweizerische Interpretenstiftung
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
Münchner Kammerspiele, Fabriktheater/
Rote Fabrik, Zürich, Theaterspektakel
Zürich, Shedhalle Zürich, Salzburger Festspiele, Schauspielhaus Zürich
Spenden ab 500 CHF
Kedves Stiftung Guetrain, Röm.-Kath.
Kirchengemeinde St. Anton,
Ruth Gisler, Walter Andreas Müller/SRF
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte sein kann.
MONIKA SCHÄRER
JOURNALISTIN UND
FILMEMACHERIN
ANNINA GIERÉ
KLASSISCHE SÄNGERIN UND
SCHAUSPIELERIN
KÖBI GANTENBEIN
LANGJÄHRIGER CHEFREDAKTOR
HOCHPARTERRE UND MUSIKANT
IMPRESSUM
« …WEIL OHNE HORA DIE WELT WEIT
WENIGER BUNT WÄRE.»
« … WEIL SICH DIE MENSCHEN IM HORATHEATER IN WERTVOLLER THEATERARBEIT KÜNSTLERISCH UND AUCH
MENSCHLICH FREI ENTFALTEN KÖNNEN.»
« … WEIL HORA GUTES THEATER
MACHT — ANREGEND, BILDERSTARK,
SICH IN MEIN GEDÄCHTNIS SPIELEND.»
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Mitarbeit
Die Autor*innen, Manuel Hasa, Florian
Lampert, Adrian Mai und Fiona Schmid
Konzept und Leitung
Magazin im Magazin
Marcel Bugiel und Ivna Žic
Bilder
Philip Frowein (S. 4, 7, 8, 17, 18), HORALabor (S. 6, 9, 15), Simon Hitzinger (S. 10),
Malí Lazell (S. 21), Yanna Rüger (S. 19),
Roli Strobel (S. 10)
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
PETER SCHNEIDER
PSYCHOANALYTIKER UND
PUBLIZIST
« … WEIL HORA SCHLECHTHIN
PHANTASTISCH IST.»
Papier und Versandfolie
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
CORINA GIERÉ
PIANISTIN UND CO-LEITERIN
OPERELLA – DIE TASCHENOPER
TINU HEINIGER
LIEDERMACHER UND
MUNDART-SÄNGER
« … WEIL IM HORA JEDER MENSCH
ALS EINZIGARTIG GESCHÄTZT WIRD
UND ALLE SEINE SCHLUMMERNDEN
FÄHIGKEITEN IN PROFESSIONELL
GELEITETEM THEATER GANZHEITLICH
ZU LEBEN ERWECKT WERDEN.»
« … WEIL ICH KREATIVE
MENSCHEN MAG.»
DEN
LIED WERETZEN
G
IT
M
T
Z
A — JET
ZEICHEN S
R
EIN
EREIN HO
ULTURELL
FÖRDERVLITISCH, SOZIAL UND K
UND PO
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, theater@hora.ch
www.hora.ch
AKTUELLE PRODUKTIONEN VON UND MIT THEATER HORA
DIE
NÄCHSTEN
PREMIEREN
DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS
12. August 2023, Salzburger Festspiele
Ein Stück von Helgard Haug/Rimini
Protokoll nach Bertolt Brecht
SCHULE DER LIEBENDEN
8. Dezember 2023, Shedhalle Zürich
Eine immersive Performance von/mit
Melanie Bonajo, Daniel Cremer,
Yanna Rüger und dem HORA-Ensemble
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded unter der Live-Regie
von Tiziana Pagliaro
DIE LUST AM SCHEITERN (2000)
Nullimprovisation (Konzept: Beat Fäh und
Michael Elber)
HORA’BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über
Roland Strobel (Bandleader): roli.s@gmx.ch
WEITERHIN IM NEUES BUCH!
REPERTOIRE
RIESENHAFT IN MITTELERDE ™ (2023)
Eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus
Zürich und dem Kollektiv Das Helmi
(Regie: Peter Frost, Florian Loycke, Nicolas
Stemann & Stephan Stock)
THEATER HORA – JE LANGSAMER,
DESTO SCHNELLER
Bd. 9 der Reihe Postdramatisches Theater
in Portraits, Alexander Verlag, Berlin.
Ab Sommer im Buchhandel
Originalausgabe
SACRE! (2022)
Ein Tanzstück von Teresa Vittucci und
Annina Machaz
Postdramatisches Theater
in Portraits
HORROR UND ANDERE SACHEN (2022)
Eine Kooperation mit den Münchner
Kammerspielen
(Regie: Tiziana Pagliaro)
Herausgegeben von
Marcel Bugiel
DAS KRANKE HAUS (2022)
Ein Stück von und mit vorschlag:hammer
und Theater HORA
Erscheint im August 2023
ES WAR KEINMAL ODER DAS
MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
(2021)
Ein Familienstück von Theater HORA
und Henrike Iglesias
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odysee in die Tiefen des
Universums der Arbeit
(Regie: Yanna Rüger, Stephan Stock,
Heta Multanen)
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Filmremake – live gespielt und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
Der neunte Band der Reihe
stellt das inklusive Theater
HORA vor, das zu den bekanntesten Ensembles der
Schweiz gehört.
THEATER HORA –
JE LANGSAMER,
DESTO ScHNELLER
ca. 160 Seiten, Broschur
zahlr. farbige Abbildungen
ca. 12,90 € (D)/13,40 € (A)
ISBN 978–38951-605-5
ISBN 978-3-89581-605-5
9
783895 816055
»Speerspitze
der www.hora.ch
Postdramatik!«
Aktuelle
Spieltermine unter
oder QR-Code nutzen
Kulturnews
Das Zürcher Theater HORA, gegründet 1993 von dem Theaterpädagogen Michael Elber,
aktuell geleitet von Curdin Casutt, Yanna Rüger, Stephan Stock, Amadea Schütz und Oliver Roth, arbeitet in den Bereichen Theater, Tanz, Performance, Oper und Film, meist
in Zusammenarbeit mit anderen wichtigen Künstler:innen und Kollektiven aus dem Inund Ausland. Mit seinem in vielerlei Hinsicht unkonventionellem Ensemble aus achtzehn
Schauspieler:innen mit kognitiver Beeinträchtigung hinterfragt es in seinen Stücken
ebenso wie durch seine Arbeitsweise immer wieder die Regeln, nach denen die Gesellschaft, aber auch die Darstellenden Künste aktuell funktionieren.
Mit einem einführenden Essay von Marcel Bugiel, einem von den HORA-Schauspieler:innen
selbst gestalteten Buch-im-Buch, Antworten von aktuellen HORA-Mitarbeiter:innen auf
häufig gestellte Fragen, zahlreichen Abbildungen und einem Werkverzeichnis.
»HORA ist die beste, berühmteste und erfindungsreichste Theatertruppe für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.« Süddeutsche Zeitung
»Seit es mit Jérôme Bels Disabled Theater zum Theatertreffen 2013 eingeladen
wurde, gilt das Zürcher Theater HORA nicht mehr als Inklusionstheater, sondern
als Speerspitze der Postdramatik.« Kulturnews
Alexander Verlag Berlin · Herbst 2023
9
Marcel Bugiel arbeitete
viele Jahre als freischaffender Dramaturg und Kurator
für Künstler:innen, Gruppen,
Tagungen und Festivals im
Bereich Kunst und Behinderung. Mit Theater HORA
verbindet ihn eine langjährige
Arbeitsbeziehung, u. a. war
er Mit-Kurator des HORAeigenen Theaterfestivals
OKKUPATION!, Dramaturg bei
diversen Projekten und immer
wieder in beratender Funktion
für die Geschäftsleitung tätig.
Bis heute ist er Redakteur des
HORA-Magazins und leitet
Workshops im HORA-Labor.
theater
-
12/2022 – HORA Magazin Nr. 53
NR. 53, DEZEMBER 2022
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
4–5
EIN ZUHAUSE IN DER ZEIT
6
«DARUM WERDE ICH EIN
OPFER SEIN»
9
«MEIN TIPP ANS HORA:
WEITER SO! BEIM MUSIZIEREN:
COOLE SOLOS SPIELEN.»
10
LOGBUCH LABOR (V)
11–14
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von 6
HORA-Schauspieler*innen. Thema der
dritten Ausgabe: «Neues Stück»
15–16
«WIR VERMITTELN ZWISCHEN
DEN ZEITLICHKEITEN»
19–21
WIE GEHT‘S DEN EHEMALIGEN
HORA-KOLLEG*INNEN HEUTE?
21
HORA-CHRONIK
22
FÖRDERVEREIN
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Spenden und Koproduzent*innen
Impressum
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AKTUELLE PRODUKTIONEN VON
UND MIT THEATER HORA
Die Zeichnungen in dieser HORA-MagazinAusgabe sind von HORA-Schauspielerin
Cécile Creuzburg (zu sehen auf dem Foto
auf dieser Doppelseite). Die Fotos von
Yanna Rüger zeigen Kostüm-Entwürfe für
das neue HORA-Stück SACRE!.
Cécile Creuzburg in ihrem Kostüm-Entwurf
für das Stück SACRE! �
Liebe HORA-Freund*innen,
Am 15. Januar 2023 wird sie genau 30 Jahre
her sein: Die Premiere vom ersten HORAStück aller Zeiten. Das Stück hatte den Titel:
ABER ZEIT IST LEBEN. UND DAS LEBEN
WOHNT IM HERZEN. Die Geschichte war
von einem Roman für Kinder: «Momo» von
Michael Ende. Eine Figur in diesem Roman
ist Meister Hora: der Herr der Zeit.
Ich finde: Es kann keinen besseren Namen für unser Theater geben als HORA!
Meister Hora ist ein weises Wesen. Mit
einem Nickerchen rettet er die ganze Welt:
vor Dauer-Stress und dem Wahnsinn der
Selbst-Optimierung. Wer sonst sollte der
Schutzpatron unseres Ensembles sein?
Denn auch die HORA-Schauspieler*innen
sind Meister*innen der Zeit – ihrer eigenen
Zeit – unbeirrbar und ruhig. Wenn Menschen neu zum HORA kommen, dann beschreiben sie oft diese Ruhe. Eine Ruhe, die
in ihnen entsteht nach ein paar Tagen im
Proberaum. Denn Zeit vergeht im HORA
wirklich anders: In einem stetigen Fluss.
Angebunden an das Jetzt. Wenn ich mit unserem Ensemble zusammen probe, dann
fühle ich mich ganz im Moment – wie sonst
nie in meinem Leben. Dann habe ich Zeit.
Und je mehr Zeit wir uns schenken, desto
mehr gibt es davon. Kein Wunder: Wo sonst
soll man Zeit geschenkt bekommen als in
einem Raum voller Meister*innen der Zeit?
Danke an Michael Elber, dass er damals nicht nur das HORA erfunden hat.
Sondern auch, dass er speziell diesen Namen dafür gefunden hat! Ihnen viel Spass
beim Lesen – und alle Zeit der Welt!
Stephan Stock, künstlerischer Co-Leiter Theater HORA
RITUALE
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EIN ZUHAUSE IN DER ZEIT
Yanna Rüger über Rituale und was sie mit Theater HORA zu tun haben
Im neuen HORA-Stück SACRE! von Teresa
Vittucci und Annina Machaz geht es um
ein grosses, grausames Ritual. Die meisten
Rituale aber sind friedlich. In vielen Momenten können sie helfen.
Warum gibt es überhaupt Rituale? Vielleicht
deshalb: Vieles im Leben ist jedes Mal anders und neu. Das ist aufregend und schön.
Aber Veränderungen können auch Angst
machen. Dann sind wir froh über alles, was
jedes Mal gleich ist: Der Wechsel der Jahreszeiten. Die Sterne am Weihnachts-Baum.
Dass es immer wieder ein neues HORAMagazin gibt. Wenn man Sachen schon
kennt und wiedererkennt, dann kann einem
das Sicherheit geben. Weil man dann schon
ungefähr weiss: Das passiert als nächstes.
Rituale sind Sachen, die man extra immer
gleich macht. Weil einem das Halt gibt. Und
weil sie einem wichtig sind.
Hier sind zwei Rituale aus dem HORALabor: Jeden Morgen tanzen wir zu 3 Liedern. Die Lieder sind immer unterschiedlich.
Aber es sind immer 3. Und sie werden immer
um 9 Uhr 30 gespielt. Anderes Beispiel: Der
Abschlusskreis, immer um 15 Uhr 30. Und
immer wird dabei mindestens 6 Mal der
Zungenbrecher «Dr Papst hat sein SpeckBsteck zpät bstellt» aufgesagt, in verschiedenen Varianten. (Für manche im HORA ist
das ganz wichtig). So ein Ritual stiftet auch
Verbindung zu den Anderen in der Gruppe.
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
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Andere Rituale haben mehr mit der eigenen
Geschichte zu tun. HORA-Schauspieler
Remo Beuggert zum Beispiel hat eine Weile
lang jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Lied gehört. Das Lied hat ihn
an seinen Vater erinnert. Der Vater war
nämlich krank. Er lag im Sterben. Während dem Lied hat Remo aus dem Fenster geschaut. Das Lied war «Der Weg»
von Herbert Grönemeyer, aber gesungen
von Joel Brandenstein – weil der es etwas
feiner singt. Im Moment hat Remo ein anderes Ritual: Abends vor dem Schlafengehen sagt er der Stadt vor dem Fenster:
«Tschau Züri, Gute Nacht». Und morgens:
«Guten Morgen, Züri».
HORA-Schauspielerin Fabienne Villiger
hat auch ein interessantes Ritual: Sie hat
viele bunte Tücher. Für jede Person in ihrem
Leben hat sie eins. Wenn sie allein ist, lässt
sie diese Tücher sprechen und tanzen:
Über Dinge, die passiert sind. Und über
Dinge, die sie sich vorstellt. Sie macht das
nur für sich. Das macht ihr ein ganz glückliches Gefühl im Herz, sagt sie.
so sieht, dann ist das auf der Bühne gar
nicht mehr so gross. Sich zur Premiere ein
Geschenk machen ist für Annina ebenfalls wichtig. Sie findet: Bei den Proben
für ein Stück wachsen Menschen in kurzer
Zeit oft schnell sehr eng zusammen. Premierengeschenke sind ein Ritual, um sich bei
den anderen für dieses Zusammenwachsen
zu bedanken. Und um diese gemeinsam
verbrachte Zeit zu feiern.
Rituale erleichtern den Umgang mit der
Welt, mit schwierigen Situationen, mit
Aufregung: zum Beispiel vor Theateraufführungen. Das Toitoitoi-Wünschen vor einer Premiere ist so ein Ritual. Das TheaterRitual von HORA-Labor-Co-Leiter Oli Roth
ist: vor einer Probe oder einer Vorstellung
will er allein im Raum sein. Wenn alles noch
still ist. Und bevor die anderen kommen.
Auch SACRE!-Regisseurin Annina
Machaz hat ein Ritual gegen TheaterAngst: Sie denkt sich von der TheaterBühne hinaus an die Grenzen des Universums. Sie macht sich klar: Die Bühne ist
in einem Theater. Das Theater ist in einer
Stadt. Die Stadt ist auf einem Kontinent.
Der Kontinent ist auf der Erde. Die Erde ist
im Weltraum. Und so weiter. Wenn sie es
So ein «Zuhause» ist für viele das Theater
HORA: gerade in diesen bewegten Zeiten.
Vielleicht auch, weil das HORA ein Ort von
vielen kleinen und grossen Ritualen ist.
Aber auch Theater selbst ist natürlich ein
Ritual: Stücke werden immer wieder gespielt. Und jedes Mal so gleich wie möglich. Und auch, wenn es sehr verschiedene
Arten von Theater gibt: Vieles ist trotzdem
immer ziemlich ähnlich. Bei jedem neuen
Stück. In egal welchem Theater.
Der Philosoph Byung Chul-Han hat geschrieben: «Rituale verwandeln das In-derWelt-Sein in ein Zu-Hause-Sein. Sie machen
aus der Welt einen verlässlichen Ort. Sie
sind in der Zeit das, was im Raum eine
Wohnung ist.»
Yanna Rüger, künstlerische Co-Leiterin Theater HORA
HORA-Schauspieler Lucas Maurer zu der Frage:
Was würdest du opfern?
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
ÜBER SACRE!
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«DARUM WERDE ICH EIN OPFER SEIN»
Die Schauspieler Matthias Brücker, Matthias Grandjean und Lucas Maurer über die HORA-Interpretation von Igor Stravinskys
Ballett-Klassiker «Le Sacre du Printemps» (Inszenierung: Teresa Vitucci und Annina Machaz)
Mit dem Tanzstück SACRE! von Teresa
Vittucci und Annina Machaz interpretiert
Theater HORA zum ersten Mal einen
Ballett-Klassiker: «Le Sacre du Printemps»
von Igor Strawinsky. Im Original-Stück
wird ein junges Mädchen in einem archaischen Ritual geopfert: damit es einen
fruchtbaren Frühling gibt. Doch was ist ein
gutes Opfer? Muss ein gutes Opfer jung,
gesund, nicht behindert und schön sein?
Und überhaupt: Was wäre jede*r bereit zu
geben für die Gemeinschaft? Wir haben 3
Mitwirkende nach ihrer Sicht auf Stück
und Thema gefragt:
LUCAS MAURER::
Opfer bedeutet vertrauen
nicht Angst haben. Anstatt zu Angst haben,
Beispiel im Springbrett, einfach nicht Angst
haben, rein springen! Beispiel im schlafen,
bei der doppel bett, versuchen zu schlafen.
nicht Angst haben. Ich bin immer für dich da.
MATTHIAS GRANDJEAN::
Sit uns was Für aber
Leben Gros Fater Nicht Mit Sterben Schlus
Austragen Mus Enden Tragen Aus den
Ende Stuck Der Get Fragen hat es Fragen
Aus Dem Mit und Machen Der Torter Fater
hat Brust Lust Legen Stragen Schlus Ende
Dan Für Das Gehen Dran sit Schlus Gehen
MATTHIAS BRÜCKER :
Ich tanze. Ich tanze von
meinem Herzen. Meine Liebe ist so gross
wie ich dass ich auf die Welt gekommen
bin. Ich habe diese Person aus mein Kopf.
Ich denke viel an meine Freundin. Ich fühle
so tief wie sie. Darum tue ich tanzen als
meine Leidenschaft. Darum werde ich ein
Opfer sein. Dass meine Liebe mich weiter
und weiter auf mein Leben zu stehen und
sage: Anna Reinhart ist meine Freundin. Ich
tue für dich alles machen das ich nur dich
liebe aus meinem menschlichen Blut werd
ich an dich denken. Dass du aus Pfäffikon
gekommen bist. Mein Gefühl ist da. Auf der
Bühne werde ich ein Superheld sein für dich.
Ich bin der Clark Kent. Ich kämpfe für dich.
Dass du meine Nähe bist. Ich vernichte deinen Exfeindin. Ich vernichte diese Qualen.
Ich nehme sie, ich tue sie verdrücken, verhauen und vermoxeren. Wie das Stück früher war, das ist nur Skandal. Es bleibt Skandal. Dass auf der Bühne zeigen was heisst
Leben. Darum werd ich nicht weiter sagen.
Das ist nur Legende. Und fertig. Aber mich
machen neu. Neue frische, neue Idee und
einfach nur frech. Das ist unser Stück.
Die Statements von Lucas Maurer und Matthias Grandjean
erfolgten schriftlich und wurden orthografisch nicht korrigiert. Das
Statement von Matthias Brücker wurde diktiert.
Premiere ist am 9. Dezember 2022 im Tanzhaus Zürich. Weitere
Vorstellungen am 11., 12., 15. und 16. Dezember.
Matthias Brücker in seinem Kostüm-Entwurf für das Stück SACRE! �
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HORA‘BAND-MITGLIEDER IM SELBSTPORTRÄT (III)
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«MEIN TIPP ANS HORA: WEITER SO!
BEIM MUSIZIEREN:
COOLE SOLOS SPIELEN.»
Der dritte Gitarrist der HORA‘BAND über sich selbst
Ich heisse Dario Zanni und bin am 13. März
1987 geboren. Ich mache gerne Musik. Allgemein Musik ist meine Leidenschaft. Musik
hören und selber Musik machen. Sonst
mache ich nicht viel. Ich habe nicht so
viele Interessen. Den ZSC noch. Da gehe
ich manchmal an die Live-Spiele in Zürich.
Diese Jahr sicher. Ein Saison-Abo habe ich
gekauft.
Ich spiele E-Gitarre in der HORA’BAND.
Daheim habe ich vier Gibson und noch
eine Fender. Für die Proben mit der Band
nehme ich eine blaue Gibson mit.
Ich höre verschiedene Musik. Manchmal
auch ruhigere, wie Silbermond. Oder etwas
lautere Sachen wie Metallica und andere.
Bis Ende Oktober arbeite ich noch in der
Brühlgut-Stiftung. Ich habe dort gekündigt.
Ich habe das nicht mehr gewollt und war
müde. Ich habe da in der Küche gearbeitet.
Den ganzen Tag. Viel Abwaschen, Putzen,
Gewürzmischungen-Abpacken in Gläser.
Ich wohne in Winterthur. Ich habe da eine
Einzimmer-Wohnung. Alleine. Zweimal in
der Woche kommt eine Wohn-Begleitung.
Wir kochen manchmal zusammen. Sie hilft
aufräumen, beim Putzen, Rechnungen zahlen und so.
Die HORA’BAND macht Spass hier zu
musizieren.
Dieses Jahr waren wir viel in Deutschland. Das hat Spass gemacht. Es war
aber manchmal auch recht anstrengend.
Die Auftritte sind schon gut gegangen. Aber
so weit fahren, diese vielen Leute… Meistens ging es gut. Bremen und Wismar:
Das war gut. Kirchheimbolanden: Diese
ganze Woche da, das war für mich recht
anstrengend und auch ermüdend. Das andere ging.
Mein Tipp ans HORA: Weiter so! Beim
Musizieren: Coole Solos spielen. Das mache
ich am liebsten.
Den Text hat Dario Zanni in Zusammenarbeit mit
Roli Strobel geschrieben.
Hörproben der HORA‘BAND unter
https://soundcloud.com/sound-hora-ch
oder QR-Code nutzen
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
LABOR
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LOGBUCH LABOR (V)
Nach der Sommer-Pause sind wir erstmal
unter uns geblieben. Wir haben uns vorbereitet auf das Zürcher Theater Spektakel.
Wir haben Plakate für den öffentlichen
Raum entworfen. Und wir haben an den
«Eigenprojekten» gefeilt.
Dann war das Spektakel und wir waren
2 Wochen dort. Wir haben «HORAkel»Videos über die Stücke gedreht. Schaut
sie euch an auf unserem VIMEO-Kanal.
Mit Erik Altorfer haben wir wieder geschrieben. Mit Bildern als Vorlage haben wir uns
Geschichten ausgedacht.
Mit Marcel Bugiel haben wir Seiten für das
nächste HORA-Buch gestaltet. Das Buch
wird nächstes Jahr im Sommer erscheinen:
Zum 30sten Geburtstag von Theater HORA.
Co-Labor-Leiterin Amadea Schütz ist
in den Mutterschutz gegangen. HORATheater-Pädagogin Fiona Schmid (siehe
S. 15–16) ist ihre Vertretung.
Die bildende Künstlerin Olivia Wiederkehr
hat zehn Expeditions-Zelte ins Labor mitgebracht. Mit diesen Zelten wurde getanzt.
Sie wurden bemalt und zerschnitten. Und
sie wurden als Rückzugs-Orte genutzt. In
einem «Offenen Labor» haben wir das alles am Ende gezeigt.
Mit der Regisseurin Nele Jahnke haben
wir über Regie nachgedacht: Dafür wurde
eine typische Theater-Szene immer neu
und immer anders auf die Bühne gebracht.
Die Tänzerin und Choreografin Cosima
Grand war zum ersten Mal im Labor. Sie
hat mit den HORAs Schütteln und Schaukeln geübt. Auch hier gab es am Ende eine
Präsentation beim «Offenen Labor».
Florian Loycke von den Helmis hat einen
Puppenspiel-Workshop gegeben. Dabei
hat er Ideen für das nächste HORA-Stück
RIESENHAFT gesammelt – zusammen
mit seinem Regie-Kollegen Nicolas Stemann:
dem Intendant vom Zürcher Schauspielhaus.
Bis zu den Weihnachts-Ferien werden wir
noch
mit der Musikerin Belia Winnewisser
«unlimitierte Klänge» entdecken,
mit der Künstlerin Maya Minder die
Kunst des gemeinsamen Kochens
probieren,
mit dem Künstler Fidel Morf eins der
HORA-«Eigenprojekte» umsetzen.
Wir stecken mitten in einem superspannenden halben Jahr. Wir sind topmotiviert.
Und wir freuen uns, endlich wieder Leute bei
uns im Casinosaal begrüssen zu dürfen!
Oli und das Labor-Team
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
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LABOR
«WIR VERMITTELN
ZWISCHEN DEN ZEITLICHKEITEN»
Die Theater-Pädagoginnen Anna Fierz und Fiona Schmid über ihre Arbeit bei Theater HORA
Anna, Fiona, mit euch hat Theater HORA
seit 2020 auch zwei Theater-Pädagoginnen.
Wird eure Arbeit gesehen?
Ja, schon. Und sie wird auch
geschätzt. Und wir fühlen uns auch anerkannt. Aber oft haben die Leute erstmal
falsche Vorstellungen von Theater-Pädagogik. Und was Theater-Pädagogik alles
bedeuten kann.
FIONA SCHMID:
Was ist Theater-Pädagogik bei HORA stattdessen? Wie definiert ihr das, was ihr tut?
Wie sieht euer Arbeits-Alltag aus?
Also erstens sind wir keine Betreuerinnen. Sondern wir begleiten KunstProzesse. Wir vermitteln zwischen den
HORAs und den Gastkünstler*innen. Wir
übersetzten in Leichte Sprache. Konzepte
zum Beispiel müssen wir für die HORAs oft
erstmal auseinander bröseln. Wir setzen
ANNA FIERZ:
auch Pausen durch! An grossen Häusern
müssen wir oft auch strukturell vermitteln:
die Betriebs-Abläufe verlangsamen zum
Beispiel. In diesem Sinne ist «Pädagogik»
ein irreführender Begriff: Wir erziehen keine
Menschen. Aber wir unterstützen sie.
Wir vermitteln zwischen den
unterschiedlichen Zeitlichkeiten: zwischen
der Zeitlichkeit der HORAs und der Zeitlichkeit der Gast-Künstler*innen. Was ist
möglich an 4 oder 8 Labor-Tagen (so lange
gehen bei uns Workshops)? Wie muss man
ein Vorhaben aufteilen auf Tage und Zeiten? Wie können in diesem Rahmen gemeinsame Kunst-Prozesse gestaltet werden? Wir nehmen auch viele Ängste weg.
Und wir bauen Hürden ab. Wir geben Mut
zum Ausprobieren und zum Scheitern.
FIONA SCHMID:
Auch der Mut zu konstruktiver
Kritik ist manchmal wichtig bei der Arbeit
ANNA FIERZ:
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
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mit den HORAs. Sie sind Profis. Sie brauchen keine Positivitäts-Blase. Und sie müssen nicht vor intellektueller Überforderung
geschützt werden.
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Und es bräuchte in jedem Prozess TheaterPädagog*innen!
Das Gespräch führte Oliver Roth.
Was sind für euch magische Momente
im Labor? Also wo ihr denkt: «Wow, jetzt
passiert grad etwas Spezielles!»
So etwas gibt es ganz, ganz
oft: dass auf beiden Seiten etwas passiert.
Dass es einen richtigen Austausch gibt.
Dass nicht nur einer lehrt und die anderen
müssen lernen. Ich empfinde uns und die
HORAS als sehr offen. Und meistens sind
auch die Leute offen, die ins Labor kommen. Dann haben alle eine gute Zeit. Wo
ich am Abend denke: «Wir haben grad
echt viel gemeinsam erarbeitet.» Das freut
mich und macht froh.
FIONA SCHMID:
Die grosse Herausforderung ist
ja genau die: Dass die eingeladenen Künstler*innen ihr Ding machen. Aber dass sie
trotzdem flexibel bleiben. Und sich beeinflussen lassen. Das braucht auch Mut! Und
wenn dann etwas Unerwartetes passiert:
Das ist dann der Wow-Moment. Oder
wenn dabei spannende neue GruppenKonstellationen bei uns im Ensemble entstehen. Dann sind wir jedes Mal von neuem
verblüfft, was alles möglich ist.
ANNA FIERZ:
ANNA FIERZ
…machte 2019 ihren Master in TheaterPädagogik an der Hochschule für Musik
und Theater in Rostock. Seitdem ist sie fest
beim HORA angestellt. Sie sucht ständig
ihre Sachen. Deshalb trifft man sie meistens
reich-behangen an: mit Handy, Feuerzeug,
Schlüssel und dicken Ketten.
In welchem Verhältnis steht das Labor zur
Zürcher Kulturszene?
Viele eingeladene Gastkünstler*innen sagen uns hinterher: Eigentlich
möchten sie immer so arbeiten können wie
bei uns im Labor. Und es müsste überall in
der Kultur solche Rituale wie unseren Abschlusskreis geben. Oder zwei Mal am Tag
die 3 Songs, bevor die eigentliche Arbeit
beginnt.
FIONA SCHMID:
FIONA SCHMID
…studierte von 2012 bis 2018 an der ZHDK
Theater-Pädagogik im Bachelor und Master.
Seit 2020 ist sie fest beim HORA mit dabei.
Sie liebt Redewendungen und benutzt diese
oft. Sie sind aber meist falsch formuliert.
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
REPORTAGE
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WIE GEHT‘S DEN EHEMALIGEN
HORA-KOLLEG*INNEN HEUTE?
Ein Besuch bei den Ex-HORA-Schauspieler*innen Sara Hess und Franky Thomas
Der HORA-Schauspieler Nikolai Gralak
findet: Nicht nur die jetzigen EnsembleMitglieder sind wichtig fürs Theater HORA.
Sondern auch die ehemaligen. Einfach,
weil sie mal da waren.
Zwei von diesen Ehemaligen sind Franky
Thomas und Sara Hess.
Die Ensemble-Mitglieder Noha Badir,
Andy Böhni, Matthias Brücker, Frank Häusermann, Elena Gilbert, Nikolai Gralak
und Lucas Maurer wollten herausfinden:
Wie geht es ihnen heute?
BEI FRANKY THOMAS
IN DER VERPACKUNGS-WERKSTATT
Franky Thomas war gleich 3 Mal im HORAEnsemble (zum ersten Mal von 1998 bis
2008, zum letzten Mal 2016). Heute arbeitet
er bei Züriwerk in der Baslerstrasse: in der
Verpackungs-Werkstatt. Noha Badir, Andy
Böhni, Elena Gilbert und Fiona Schmid
haben ihn dort besucht.
Über den Beginn der Exkursion dorthin schreibt Noha Badir: «Am morgen
Aufwärmen im HORA theater Truppen
ich machen mit machen Pause und nache
umzhen Mittagessen kleine pause 4 lüte
mit öv faren nach freihofstrasse und dann
Kaufen schogi laufen im baslerasse». Als sie
ankamen, war Franky noch in der Mittagspause. Es war megaschönes Wetter, und
deshalb konnten sie draussen im Hof auf
ihn warten. Alle kannten irgendwen bei Züriwerk: deshalb kam es immer wieder zu überraschenden Begegnungen. Irgendwann kam
auch Franky. Er wurde herzlich begrüsst.
Hier kommt eine Bildlegende
Franky Thomas, gezeichnet von Andy Böhni
Elena hat dann die Interview-Fragen gestellt. Und Andy Böhni hat ihn gezeichnet.
Franky Thomas hat sich gefreut darüber:
Er fand es toll, interviewt zu werden.
Das haben die Kolleg*innen beim Interview mit Franky Thomas herausgefunden: Es geht ihm gut – er ist zufrieden. Er
steht immer erst um 9 auf und geht dann
los. Die Arbeit in der Werkstatt macht er
gerne. In den Pausen redet er mit Leuten
und macht Witze. Am Dienstag war er in
der Massage. Seine Hobbys sind Ausgang,
Musik, in Zürich einkaufen mit Mami, Party
und Tanzen. Seine Lieblingsmusik ist Rap,
DJ Bobo, ABBA, überhaupt ganz viel.
Im Theater HORA würde er auch gerne mal wieder mitmachen. Wieso er weggegangen ist? Das weiss er nicht mehr.
Aber sonst kann sich an vieles noch gut erinnern: An sein RÄUBER-Stück, wo er selber Regie gemacht hat. An Tizianas Stück
(RANDEN SAFT HORROR). An «Sommernachtstraum». An LUST AM SCHEITERN.
Und an Nele. Es ist schon länger her, dass
er Theater gespielt hat. Er hat es gern. Er
vermisst es ein bisschen. Und er kommt sicher wieder mal. Denn er hat HORA gern.
� Matthias Grandjean in seinem Kostüm-Entwurf für das Stück SACRE!
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Nach dem Interview hat Franky Elena und
Fiona noch seinen Arbeitsplatz gezeigt.
Dann haben sich alle von Franky verabschiedet. Im Innenhof haben sie noch mal
über das Interview gesprochen. Und darüber, dass alles so gut funktioniert hat.
Noha Badir: «Pause genssen schöne wetter sonne schön tag gewissen und nache
ich noha machen laufen im Kappelli zuhause». Elena Gilbert fasst die Begegnung so
zusammen: «Erst bin ich sehr aufgerecht
hat das heisst für mich wieder die allen
Gedanken gehabt und ich habe sehr viel
Freude gehabt und die Freude wieder zusehen kann. Ich habe die Sachen von den
sehr schöne Erinnerungen und das macht
sehr schöne Gefühle zu haben kann.»
Wie lange bist du jetzt hier?
Jetzt glaub drei Jahre.
Kommst du noch gerne an unsere Stücke?
Natürlich!
Und wohnst du jetzt ganz alleine?
Ja. Ich habe einmal in der Woche eine
Wohn-Begleitung. Aber ich mache sonst
alles selber.
Nach dem Interview haben Frank, Lucas
Maurer, Nikolai Gralak und Matthias
Brücker ihre Gedanken über Sara in einem
gemeinsamen Text zusammengefasst:
An was seid ihr gerade dran in der Kunstfabrik?
Ich bin gerade an einem Bild. Da habe ich
viele Vierecke zusammengeklebt aus Karton. Und jetzt mache ein Eidechsli darauf.
Und der Hintergrund wird farbig. Und das
Eidechsli sieht man nicht überall: weil da
lauter Vierecke darauf sind.
Wie lange arbeitet ihr am Tag? Und wie
viele Pausen macht ihr?
Wir fangen um 9 Uhr an und dann machen wir um 10 Uhr eine Pause. Und danach bis um 12 Uhr. Dann haben wir Mittagspause. Und dann um 15 Uhr haben
wir nochmals eine Pause. Und um 16 Uhr
sind wir fertig.
Sara Hess war 13 Jahre bei HORA. Jetzt
arbeitet sie in Wetzikon in der «Kunstfabrik». Matthias Brücker, Anna Fierz, Frank
Häusermann, Nikolai Gralak und Lucas
Maurer sind dort hingefahren und haben
dieses Interview mit ihr gemacht:
Das ist wie im HORA. Hast du es gut mit
deinen Arbeitskolleg*innen? Wie viele seid
ihr?
Wir haben’s gut. Wir sind zu viert. Das ist
ein grosser Unterschied zum HORA. Also
das vermisse ich immer noch manchmal:
In einer grossen Gruppe zu arbeiten.
Jeden Donnerstag arbeite ich auch noch
in einem Bistro in Wald. Das Bistro heisst
WABENE.
Warum bist du weg vom HORA, Sara?
Ich habe es vermisst mit den Händen zu arbeiten. Und das Kreative. Mein Wunsch war
auch selbständig zu wohnen, in einer eigenen Wohnung. Das war ein Hauptgrund.
Und eine eigene Wohnung und Vollzeit am
HORA zu arbeiten ist ein bisschen zu viel.
Hast du einen Gegenstand, der dich ans
HORA erinnert?
Das farbige Plakat mit euch allen. Und
das Karten-Buch! Ich habe mir überlegt,
was ich von den HORA-Reisen mitnehmen
kann. Und dann war das fast immer eine
Postkarte.
BEI SARA HESS IN DER KUNSTFABRIK
21
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
Die sara ist ein fröliche mensch und sie ist lustig
Sie arbeitet im kunst fabrik in wezikon
Und sie hat auch feunde dort und sie ist gerne bei inen
Und etwas anzufassen mit den händen das mag sie.
Sie ist wie ein vogel mit ganz villen farben
Mal rot mal gelb mal orange
Wir sind immer mit ihr verknüpft
Sie macht kunst und wir auch
Und sie weiss was sie will
Und das macht sie aus
Wir vemissen die sara und ihre sprüche
Und ihr lachen
Sie ist wie der sommer
Sie ist ein glace im sommer.
Sie wussten jetzt: «Dort ist sie glücklich
wo sie ist.» Frank: «Und sie hat dort auch
Freunde gefunden. Und meine Schulkollegin: eigentlich heisst sie Alexandra, aber
sie nennt sich Alexa.» Was alle besonders
schön fanden: Als Erinnerung trägt Sara
zum Malen einen Pullover aus der HORAZeit. Matthias Brücker: «Sie denkt immer
daran.» Frank: «Was ich mitnehme ist das
Lachen von ihr. Ihr Humor und Witzigsein.
Wie sie sich anzieht. Und ihr Musikstil. Und
ja, ich vermisse sie jetzt noch mehr.»
Theaterpädagogische Begleitung: Anna Fierz und Fiona Schmid.
Die Text-Beiträge des Reportage-Teams wurden orthografisch nicht
korrigiert. Mehr über die Kunstfabrik unter kunstfabrik-wetzikon.ch
HORACHRONIK
JUNI 2022
2 Gastspiele und ein Heimspiel: Wir spielen
ES WAR KEINMAL bei den Ruhrfestspielen
Recklinghausen und DAS KRANKE HAUS
am Theater Bremen. Und wir spielen auch
endlich wieder KONTAKTKILLER von Remo
Beuggert: am Theater Neumarkt in Zürich.
Ensemble-Mitglied Andy Böni hat sein erstes
Gast-Engagement: Für das Stück «Karl!» am
Theater Konstanz hat er einen Video-Dreh in
den Bergen. Und: Der Film PLANET HORA
läuft in den Schweizer Kinos!
JULI 2022
Auch das Grenzgänger-Festival hat uns
eingeladen: Wir spielen EGOTOPIA an den
Münchner Kammerspielen. Es ist die letzte
HORA-Reise dieser Spielzeit. Danach gehen
alle in die heiss ersehnten Sommerferien.
AUGUST 2022
Wir starten ausgeruht in die neue Spielzeit
– und gleich in das erste Projekt: Für die
HORAkel-Videos beschreiben die HORASchauspieler*innen Stücke vom Zürcher
Theater Spektakel.
SEPTEMBER 2022
Die Vor-Proben zum neuen HORA-Stück
SACRE! beginnen. Und wieder gibt es
Gastspiele: ES WAR KEINMAL reist zum
Festival «Grenzenlos Kultur» in Mainz. Und
zum Festival «Politik im Freien Theater» in
Frankfurt.
OKTOBER 2022
HORA macht bei einem besonderen Experiment mit: «Democratic Bootcamp». Leute
aus verschiedenen Theater-Gruppen begegnen sich. Und sie tauschen sich aus über
Kollektives Arbeiten. Für HORA mit dabei
sind Caitlin Friedly, Robin Gilli, Tiziana
Pagliaro und Stephan Stock.
NOVEMBER 2022
Endproben für das neue HORA-Stück
SACRE!. Ins HORA-Labor kommen der
Regisseur Nicolas Stemann und die Gruppe Das Helmi. Sie bereiten das nächste
HORA-Stück vor: RIESENHAFT. Die Premiere ist im Frühling 2023 am Schauspielhaus Zürich. Und wieder geht HORA auf
Reisen: Wir zeigen DAS KRANKE HAUS
und PLANET HORA beim No Limits Festival
in Berlin.
HORA-Magazin Nr. 53, Dezember 2022
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle Kultur
Kanton Zürich, Förderverein Theater
HORA, Kulturpark Zürich-West, Landis &
Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent,
Alexis Victor Thalberg Stiftung, Pro Helvetia
Schweizer Kulturstiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis,
Schweizerische Interpretenstiftung
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innen
Münchner Kammerspiele, Fabriktheater/
Rote Fabrik, Zürich, Theaterspektakel
Zürich, Gessnerallee Zürich, Theater
Neumarkt Zürich, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanzhaus Zürich, Schauspielhaus
Zürich
Spenden ab 500 CHF
Renato Blum, Daniel Brunner, JeanJaques Faber, Kedves Stiftung Guetrain,
Fredy und Hanna Neuburger-Lande,
Markus Richel, Röm.-Kath. Kirchengemeinde
St. Anton, André Steiner, Rolf Steffen
ISABELLA SPIRIG
HEAD OF INTEGRART
FIDEL MORF
KÜNSTLER
GABI SCHÜTZ
VORSTAND FÖRDERVEREIN
«… WEIL HORA NEUE PERSPEKTIVEN AUFZEIGT, DIE THEATERLANDSCHAFT AUFMISCHT, BUNT, SINNLICH,
FACETTENREICH, UNGESTÜM UND NICHT
MEHR WEGZUDENKEN IST!»
«…WEIL KÜNSTLERISCH GUTE
UND POLITISCH WICHTIGE ARBEIT
GELEISTET WIRD.»
«WEIL DIE SELBSTVERFASSTEN
TEXTE DER HORAS IN IHREN THEATERSTÜCKEN MICH JEDES MAL SELBER
ZUM NACHDENKEN ANREGEN.»
Wir freuen uns über die Zusammenarbeit
und Partnerschaft mit «Hauser & Partner»
und danken für die grosszügige Unterstützung.
Ein herzliches Dankeschön auch an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte sein kann.
IMPRESSUM
Redaktion
Marcel Bugiel und Yanna Rüger
Bilder
Zeichnungen von Cécile Creuzburg
(S. 1, 4, 6, 8, 15, 17, 23, 24) und Andy Böhni
(S. 19). Fotos von Yanna Rüger (S. 2–3,
5, 7, 18), Roli Strobel (S. 9), Labor-Team
(S. 10, 20, 21), Malí Lazell (S. 16)←
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
ESTHER HÄUSERMANN
MUTTER VON HORASCHAUSPIELERIN JULIA
«…WEIL ICH DIE HORAS LIEBE UND
SIE MICH MIT IHREM SPIEL
BERÜHREN, BEZAUBERN UND
ZUM LACHEN BRINGEN.»
MICHEL SCHRÖDER
REGISSEUR UND
CO-LEITER FABRIKTHEATER
THEA REIFLER
KÜNSTLERISCHE
CO-LEITUNG SHEDHALLE
« … WEIL DIE HORAS UNSER LEBEN
INTERESSANTER UND REICHER MACHEN,
ALS ES IST.»
« … WEIL HORA EINFACH KRASS GUTE
KUNST MACHT.»
DEN
LIED WERETZEN
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ZEICHEN S
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Papier und Versandfolie
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier.
Die Versandfolie besteht zu mindestens
50 % aus nachwachsendem Rohstoff und
zu einem weiteren Anteil aus recyceltem
Polyethylen.
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, theater@hora.ch
www.hora.ch
AKTUELLE PRODUKTIONEN VON UND MIT THEATER HORA
DIE
NÄCHSTEN
PREMIEREN
SACRE!
9. Dezember 2022, Tanzhaus Zürich
Ein Tanzstück von Teresa Vittucci und
Annina Machaz
RIESENHAFT
22. April 2022, Schiffbau Halle
Eine Koproduktion mit Nicolas Stemann/
Schauspielhaus Zürich und dem Kollektiv
Das Helmi
WEITERHIN
IM SPIELPLAN
HORROR UND ANDERE SACHEN
(2022)
Eine Kooperation mit den Münchner
Kammerspielen
(Regie: Tiziana Pagliaro)
DAS KRANKE HAUS (2022)
Ein Stück von und mit vorschlag:hammer
und Theater HORA
ES WAR KEINMAL ODER DAS
MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
(2021)
Ein Familien-Stück von Theater HORA
und Henrike Iglesias
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odysee in die Tiefen des
Universums der Arbeit
(Regie: Yanna Rüger, Stephan Stock,
Heta Multanen)
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Film-Remake – live gespielt und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktions-Kunst reloaded
unter der Live-Regie von Tiziana Pagliaro
DIE LUST AM SCHEITERN (2000)
Null-Improvisation
(Konzept: Beat Fäh und Michael Elber)
GASTENGAGEMENTS
VON HORASCHAUSPIELER*
INNEN
Julia Häusermann in «No Gambling» (2021)
von und mit Simone Aughterlony,
Julia Häusermann und Nele Jahnke
HORA‘BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über Roland
Strobel (Bandleader): roli.s@gmx.ch
FÜR
MITGLIEDER
IM FÖRDERVEREIN
TRATSCHEN & KLATSCHEN
Die letzten Vorbereitungen und das Prickeln
kurz vor einer öffentlichen Präsentation –
ein Besuch im HORA-Labor kurz bevor das
Publikum kommt. 27. Januar 2023, Casinosaal Aussersihl.
MITMACH-TAG IM LABOR
Theater-Spiele und Übungen aus unserem
Trainings-Betrieb zum Mitmachen. Begrenzte
Teilnehmer*innen-Zahl. 20. Februar 2023,
13–16 Uhr, Casinosaal Aussersihl.
PROBEN-BESUCH BEI «RIESENHAFT»
Ein exklusiver Blick auf die Entstehung der
Koproduktion von HORA, Das Helmi und
Nicolas Stemann/Schauspielhaus Zürich.
Begrenzte Teilnehmer*innen-Zahl. Zeit
und Ort bei Anmeldung.
Anmeldungen per Mail an verein@hora.ch
Mitglied werden unter hora.ch/foerderverein/
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
-
06/2022 – HORA Magazin Nr. 52
NR. 52, JUNI 2022
INHALTSVERZEICHNIS
2
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe Leser*innen des HORA-Magazins!
4–6
KANN MAN MIT THEATER
MENSCHEN HEILEN?
Das Thema Gesundheit hat uns alle in den
letzten zwei Jahren viel beschäftigt. Jetzt
haben wir dazu ein Stück gemacht. Es
heisst DAS KRANKE HAUS. Denn auch
ein Krankenhaus kann krank werden. Zum
Beispiel, wenn die Leute dort zu viel arbeiten. Und keine Pause machen. Oder wenn
es nicht genug Leute gibt, die die Arbeit
machen. Das ist im Theater nicht anders.
Deswegen freuen wir uns, dass wir einen
neuen Mitarbeiter bei HORA haben. Sein
Name ist Manuel Gerst. Er wird uns als
zweiter Produktionsleiter unterstützen.
Auch Oliver Roth ist neu im Team. Er übernimmt die Stelle von Ivna Žic und leitet jetzt
zusammen mit Amadea Schütz das Labor.
Herzlich willkommen, Oliver und Manuel!
2 Jahre lang war Ivna Žic Teil von
Theater HORA. Mit all ihrer Kraft und Klugheit hat sie geholfen, das HORA-Labor
auszudenken und zu dem tollen Ort zu
machen, der er jetzt ist. Danke dir, Ivna!
Sie wird sich nun darauf konzentrieren,
ein neues Buch zu schreiben. Etwas, das
ihr sehr viel Freude macht. Das macht den
Abschied leichter. Denn deshalb wissen
wir: Es geht ihr gut. Und sie hat tolle Aufgaben vor sich.
Auch das hat etwas mit Gesundheit
zu tun: Entscheidungen für sich treffen,
mit denen es einem gut geht. Da sind wir ja
schon wieder voll im Thema. Und deshalb
wünsche ich Ihnen allen auch ganz kräftig
GESUNDHEIT! Obwohl Sie vielleicht gar
nicht geniesst haben. Aber Gesundheit
kann man immer gebrauchen.
7–8
«ICH WOLLTE HORROR MACHEN.
DANN HABE ICH FREUDE GEHABT.»
11
HORA-CHRONIK
November 2021 – Mai 2022
12
ICH BIN ENRICO RIZZI
13–16
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von 10
HORA-Schauspieler*innen. Thema der
dritten Ausgabe: «Fantasy»
17–18
OLIVER ROTH STELLT SICH VOR
21
LOGBUCH LABOR (IV)
22–24
«‹ICH› IST NIE ‹ALLE›.
DOCH JEDES ICH ZÄHLT»
25
AKTUELLE PRODUKTIONEN VON
UND MIT THEATER HORA
26
FÖRDERVEREIN
27
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Spenden und Koproduzierende
Impressum
28
SIMON STUBER ÜBER ZEIT
MITGLIEDERVERSAMMLUNG
FÖRDERVEREIN:
Dienstag, 14. Juni um 19.00 Uhr
Casinosaal Aussersihl
Die Farbfoto-Strecke dieser Ausgabe sind
Aufführungs-Fotos aus dem Stück
DAS KRANKE HAUS von Theater HORA
und vorschlag:hammer (ausser Foto S.9)
Stephan Stock, künstlerischer Co-Leiter Theater HORA
P.S.: Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen: Auch im HORAMagazin nutzen wir seit einiger Zeit die Sternchen-Schreibweise.
Wir schreiben zum Beispiel «Leser*innen». Warum wir das tun? Das
Sternchen im Wort bedeutet: Alle Menschen sind gemeint. Egal, ob
sie sich selbst als Männer fühlen, als Frauen oder noch anders.
HORA-STÜCKE
4
KANN MAN MIT THEATER
MENSCHEN HEILEN?
Yanna Rüger im Gespräch mit Fabienne Villiger, Gianni Blumer und Stephan Stock über Krank-Sein,
Operationen, Gesund-Werden und ihr Stück DAS KRANKE HAUS
5
Das haben auch alle Ärzte
gesagt: Das war wie ein Wunder, dass deine
Heilung so gut geklappt hat.
STEPHAN STOCK:
Ratzeputz. Ich bin recht stolz
gewesen auf meinen Körper.
GIANNI BLUMER:
Fabienne, auch du erzählst in
dem Stück, wie du eine Operation hattest.
Kannst du das noch mal berichten: Was
war da passiert?
YANNA RÜGER:
FABIENNE VILLIGER: Ich hab die Frage verstanden, dass meine Narbe ein Gefühl ist.
Als ich gesehen habe, wie du
das gespielt hast, dachte ich: Das ist eine
Ärztin wie ich sie mir wünschen würde.
Eine Ärztin, die nicht nur gut eine Naht
machen kann. Sondern: Diese Ärztin sorgt
auch sonst gut für dich. Ist die so in echt,
die Frau Dr. Babitsch?
Was ist das für ein Gefühl, von
der eigenen Krankheit zu reden? Ich meine:
Diese Narbe war ja mal eine Wunde. Hilft
das Reden, diese alte Wunde noch einmal
besser zu heilen? Verstehst du, was ich
meine?
«Jeder Mensch hat eine
Krankheit» heisst: Jeder Mensch wird mal
krank. Aber er wird auch wieder gesund.
Da zeigt man eigentlich dem Körper das
Vertrauen. Ja, du musst keine Angst haben.
Der hat das im Griff. Du musst auch locker
bleiben. Der Körper macht das.
GIANNI BLUMER:
So war das, Gianni, als du
selbst schlimm krank warst, oder?
STEPHAN STOCK:
Das ist gewesen, wo ich bei mir
zu Hause umgeflogen bin – Hirn-Schlaganfall. Da bin ich einfach vom WC runter
gefallen. Und dann mit dem Krankenwagen
ins Spital. Da hab ich dann geschlafen. Die
Seite von meinem Körper ist zu gewesen,
und da haben sie innen reingestochen –
damit es weggeht, und damit das Blut wieder fliesst. (Gianni zeigt, wie sie durch den
Bauch die Hauptschlagader operiert haben.)
Und dann musste ich Medikamente schlucken und viel schlafen. Und dann gab es
eine Therapie: Damit ich wieder sprechen
kann und Sachen wieder heben kann und
auch die Flöte wieder balancieren kann.
Das konnte ich alles nicht mehr. Und die
Seite war gelähmt. Und jetzt geht’s mir gut.
GIANNI BLUMER:
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
wenn du auf der Bühne deine Krankenhaus-Erfahrungen nachspielst? Du musst
ja jetzt auch im wirklichen Leben zu diesen
Herz-Untersuchungen.
YANNA RÜGER:
Also da bin ich klein gewesen. Ich war im Berner Spital. Und ich
hab Narbe am Bein. Und dann hab ich im
Rollstuhl müssen sitzen. Und ich hab viel
Narkose gehabt und Diagnose. Ich hab
plötzlich komisch Beine gehabt.
Hey Fabienne, hey Gianni, hey
Stephan! Ihr habt gerade das Theater-Stück
DAS KRANKE HAUS gemacht. In dem
Stück geht es um Gesundheit und Krankheit. Einmal sagt Robin: «Jeder Mensch hat
eine Krankheit». Was meint er damit?
YANNA RÜGER: Und wie ist das für dich, Gianni:
Also wenn ich auf der Bühne
spiele, dann bin ich ja eine andere Person.
Ich spiele nämlich eine Frau, die ich sehr
gut kenne: Das ist die Frau Dr. Daniela
Babitsch. Und der Serafin spielt mich, also
den Patient. Ich spiele, wie ich ihm helfe
und heile. Und ich rede da auch viel mit
mir selber: «Ist es für dich ok? Ist es unangenehm oder angenehm?» Und: «Es wird
ein bisschen kühler.» Das sagt ja sonst die
Frau Dr. Babitsch zu mir.
FABIENNE VILLIGER:
YANNA RÜGER:
Ja, ich bin eigentlich schon
glücklich. Und jetzt bin ich wieder gesund.
FABIENNE VILLIGER:
Und hilft dir das, dem Publikum
davon zu erzählen? Oder macht dich das
nervös?
GIANNI BLUMER:
YANNA RÜGER:
In Richtigkeit ist die Frau Dr.
Babitsch genau so. Und am Schluss tut sie
mir auch aufhelfen.
YANNA RÜGER:
GIANNI BLUMER:
Ich habe eine Krankheit,
dass ich nicht «r» kann sagen. Das ist eben
schwierig. (Versucht mehrmals «r» zu sagen,
alle müssen lachen.)
Um gesund zu werden: Ist es
da wichtig, dass jemand so ist wie Frau Dr.
Babitsch?
FABIENNE VILLIGER:
Also mir ist das total egal, ob
du deutlich reden kannst oder nicht. Viel
wichtiger ist doch, was du zu erzählen hast
und wie du es erzählst. Ich habe beim Zuhören ganz viele warme Gefühle bekommen.
YANNA RÜGER:
YANNA RÜGER:
Also wenn die Frau Dr.
Babitsch gesund werden will, muss sie viel
trinken, nicht so viel Stress haben und ab
und zu mal eine Pause machen.
GIANNI BLUMER:
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
6
Was denkt ihr: Kann man mit
Theater Menschen heilen?
YANNA RÜGER:
GIANNI BLUMER:
Ähh… schwierig.
Wenn Fabienne und Gianni
sich hinstellen auf die Bühne und von sich
erzählen: Ich glaube, das kann Menschen
helfen. Sie merken: Für eine Krankheit
muss man sich nicht schämen. Wenn man
krank ist, fühlt man sich oft traurig, hilflos
und machtlos. Wenn man dann hört, wie
jemand darüber redet: Das kann helfen
und auch Hoffnung geben.
STEPHAN STOCK:
Ja, dass ich dem Publikum
Kraft gebe. Wir sind die Profis. Und wir
sind Schauspieler. Wir spielen Ärzte und
auch die Patienten. Und das ziehen wir als
gemeinsame Gruppe durch.
GIANNI BLUMER:
Stimmt schon, Gianni. Das ist
ein grosser Teil von der heilenden Kraft von
Theater: Es gibt eine Gemeinschaft. Das
kann für viele Leute heilsam sein. Menschen
kommen zusammen und sprechen offen
über Dinge, die eigentlich Angst machen.
Wenn du krank bist, fühlst du dich oft sehr
allein – zu Hause oder im Krankenhaus.
Aber Menschen brauchen auch andere
Menschen, um heilen zu können.
YANNA RÜGER:
Das hast du richtig gesagt.
Wir sind eine Gruppe, wo auch uns hilft.
Zum Beispiel der Fabienne, wenn sie einen
Fehler macht. Wir sind da, um einander zu
helfen. Und dass das Stück gut wird, mit
voller Energie. Damit das Publikum auch
weiss: Aha, jetzt geht’s los. Und dass DAS
KRANKE HAUS auch wirklich schön wird.
Dass es im Publikum auch Berührungen
gibt. Und zweitens: dass es auch gefällt.
GIANNI BLUMER:
HORA-STÜCKE
7
«ICH WOLLTE HORROR MACHEN.
DANN HAB ICH FREUDE GEHABT.»
Die HORA-Schauspieler*innen Tiziana Pagliaro und Remo Beuggert über die Arbeit an ihrem neuen Stück HORROR –
UND ANDERE SACHEN. Premiere war Anfang Mai an den Münchner Kammerspielen
Guten Morgen! Nach der Premiere an den Münchner Kammerspielen:
Wie geht’s?
YANNA RÜGER:
Ja, es geht gut. Ich habe
einfach ein bisschen konzentriert gsi. Ich
habe so so so viel geübt. Aber das isch au
lässig gefunden. Weil ich wollte Horror machen. Dann hab ich Freude gehabt.
TIZIANA PAGLIARO:
Ich bin jetzt 2 Monate am
Musikmachen gewesen. Das ist eine höllisch geile Arbeit. Das ist auch ganz anders geworden als beim RANDENSAFT
HORROR. Also das sind Welten!
REMO BEUGGERT:
Ich hab gehört, dass du Remo
jetzt ja auch ganz viele Fans hast dort am
Haus. Und dass das auch mit der Art zu
tun hat, wie du in der Produktion zwischen
den Leuten vermittelt hast. Und wie du die
Leute zusammengebracht hast.
YANNA RÜGER:
Ja, wo Nele mit dem Frangiskos nicht mehr weiter gekommen ist,
musste ich ein bisschen unterstützen. Das
ist wahnsinnig, dass sie mir mehr zuhören,
was sie machen sollen, als auf die Chefs.
REMO BEUGGERT:
Könnt ihr ein bisschen erzählen,
wie ihr gearbeitet habt?
YANNA RÜGER:
Nele hat überlegt: Wie kann
man das machen. Dann haben wir besprochen, was Tiziana übernehmen will, und
was ich übernehmen will. Die Erfahrung ist
recht toll gewesen.
REMO BEUGGERT:
Wir sind unten gewesen. Wir
haben im Minus-3-Keller zusammen geprobt.
Und nachher hab ich ein Stück gemacht.
Weil der Frangiskos er spielt ES, macht die
Kinder umbringen. Und er ist flach gewesen
hinten und hat da Narbe, und da und da,
Zähne, und Auge ist goldig Augen (zeigt wie
ES geschminkt war). Haben auch mal Video
geschaut, Chucky Mörderpuppe, und nachher Freddy Krüger. Es ist scharfe Messer
TIZIANA PAGLIARO:
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
8
(zeigt lange Fingernägel) mit Handschuhe
an. Und nachher «zack!» macht (zeigt, wie
sie mit den langen Nägeln schneidet).
Habt ihr von den KammerspieleSchauspieler*innen Neues gelernt?
Ja, wenn es für die stimmt,
ist es ja gut. Aber für mich wäre das auf
Dauer nichts. Die ganze Quatscherei, die
macht mich verrückt.
REMO BEUGGERT:
YANNA RÜGER:
TIZIANA PAGLIARO:
Nein. Schwierig.
9
YANNA RÜGER
Und du Tizi?
TIZIANA PAGLIARO:
Ja: Mit Text improvisieren.
Wenn ich Text hatte bisher, dann hab ich
den immer stur runtergelesen. Und die
Leute hier haben mit den Texten rumgespielt. Das ist höllisch geil! Wenn ich das
nächste Mal einen Text bekomme, werde
ich das auch versuchen.
Das gleiche.
Tizi, weisst du was? Als ich
dich gestern auf der Bühne gesehen hab,
dachte ich: Du bist viel selbstbewusster geworden in diesen 2 Monaten. Das ist doch
was, was du gelernt hast! Aber vielleicht
fühlt sich das für dich von innen schon
wieder ganz normal an. Du bist einfach du.
REMO BEUGGERT:
YANNA RÜGER:
Tizi, ich hab gehört: Es gab
einen Moment, da haben Olivia und Nele,
eure Dramaturginnen, überlegt, dass das
Blut doch nicht vorkommt in dem Stück.
Und dann hast du gesagt: «Ich brauch das
unbedingt.» War das so?
Ja genau. Ich bin ja auch
schon 16 Jahre im Theater!
YANNA RÜGER:
TIZIANA PAGLIARO:
TIZIANA PAGLIARO: Ich brauch unbedingt Blut, ja.
Wenn sie euch jetzt anbieten
würden, dort zu bleiben im Ensemble.
Würdet ihr das machen?
YANNA RÜGER:
Also wenn man vom HORA
angestellt bleiben kann und so halb ab
und zu in den Kammerspielen arbeiten:
Dann würde ich das machen. Aber nicht die
ganze Zeit. Weil die Leute an den Kammerspielen haben andere Gesprächsthemen,
und ich kann vielleicht nicht immer mithalten. Da wäre ich dann wahrscheinlich eher
ein Einzelgänger.
REMO BEUGGERT:
Aber im Ensemble der Kammerspiele gibt es doch jetzt auch Leute mit
Beeinträchtigung…
YANNA RÜGER:
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
Szenen-Foto aus HORROR – UND ANDERE SACHEN von Tiziana Pagliaro
HORA-CHRONIK
11
HORA CHRONIK
NOVEMBER 2021 – MAI 2022
NOVEMBER 2021
Premiere von SALZIGE TRÄNEN im
Gemeinde-Zentrum Buchegg in Zürich. Die
HORA-Schauspieler*innen Caitlin Friedly
und Matthias Grandjean begeistern in
einem Kinder-Stück von Leonie Graf.
DEZEMBER 2021
Vorweihnachts-Zeit: Premiere und 6 ausverkaufte Vorstellungen von ES WAR
KEINMAL ODER DAS MÄRCHEN VON
DER NORMALITÄT. Danach sind wir alle
erschöpft: von allem, was in diesem Jahr
passiert ist. Wir freuen uns über das Ausruhen in den Weihnachts-Ferien.
JANUAR 2022
Für den HORA-Schauspieler Noha Badir
beginnt das neue Jahr im Theater an der
Parkaue in Berlin: Im Residenz-Programm
ICH KANN MIR ALLES VORSTELLEN
kann er 4 Wochen lang an Ideen für ein
neues eigenes Stück arbeiten.
Die HORA-Schauspielerin Simone Gisler
beginnt ihr Gast-Engagement bei dem
Stück ÜBER WUNDEN von Yanna Rügers
Gruppe «Infinite Cooperation».
FEBRUAR 2022
Proben-Beginn von DAS KRANKE HAUS.
Immer wieder fallen Proben aus, weil
Schauspieler*innen in Corona-Quarantäne
müssen. Krankheit ist dadurch nicht nur
das Stück-Thema: Krankheit spielt auch
bei den Proben eine traurige Rolle.
MÄRZ 2022
Mit einer Woche Verspätung hat auch das
Stück DAS KRANKE HAUS endlich Premiere. Bald gibt es im Fabriktheater keine
Corona-Masken-Pflicht mehr – dabei
passen die Masken der Zuschauer*innen
eigentlich gut zum Thema «Krankenhaus».
An den Münchner Kammerspielen beginnen
die Proben von HORROR – UND ANDERE
SACHEN, ein Projekt von HORA-EnsembleMitglied Tiziana Pagliaro. Mehr als 2
Monate lang ist Tiziana dafür in München.
Ihr Kollege Remo Beuggert begleitet sie. Er
kümmert sich um die Musik. Ein sehr besonderes Projekt: Jemand mit Trisomie 21 als
Regisseurin an den berühmten Münchner
Kammerspielen: Das gab es noch nie!
APRIL 2022
Proben-Beginn für Matthias Brücker, Nikolai
Gralak und Caitlin Friedly. Sie haben ein
Gast-Engagement in dem Stück THEATER
DER KLIENT*INNEN von Corsin Gaudenz.
MAI 2022
In diesem Monat gibt es gleich zwei Premieren von und mit Ensemble-Mitgliedern von
Theater HORA: An den Münchner Kammerspielen: HORROR – UND ANDERE
SACHEN von Tiziana Pagliaro und Remo
Beuggert. Und am Fabriktheater Rote Fabrik
in Zürich: THEATER DER KLIENT*INNEN
von Corsin Gaudenz.
Premiere von ÜBER WUNDEN im Fabriktheater in Zürich.
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
HORA‘BAND-MITGLIEDER IM SELBSTPORTRÄT (II)
12
13
«ICH BIN ENRICO RIZZI»
Der Gitarrist der HORA‘BAND über sich selbst
Ich bin Enrico Rizzi, angestellt als Gärtner
bei der Grünstadt Zürich im Friedhof
Schwandenholz. Ich mache gerne Musik.
Meine Hobbys sind Zeichnen, Lernen,
Bücher lesen, Pilze sammeln und Gitarre
spielen.
Bei der Dixieland-Band, da habe ich Kontrabass gespielt. Da war ich etwa fünfzehn
Jahre alt. Zwei Zug-Posaunen, Trompete,
Flügel-Horn, Schlagzeug. Und einer ist
Gitarrist gewesen, und ich habe Bass gespielt dort. Ein Saxophon war auch noch.
Dixie Stompers haben sie geheissen. Am
Goldbrunnenplatz und in der Freizeitanlage Untermoos, zusammen mit der
Knaben-Musik. Ich bin ja in Altstetten Zürich
geboren. Da haben sie einen Proben-Raum
gehabt. Und da sind wir hin zum Spielen. Es
hat gut geklungen. Dreissig Stücke haben
wir etwa gemacht.
Zinngiesser habe ich gelernt. Orgelbau.
Pfeifen aus Metall. Löten und Zeichnen
und nachher Hobeln und Zurichten, Inserieren, Zuschneiden mit so Haken, Löten,
Grundieren dann am Schluss. Und dann
kommt der Intonateur, und der muss die
ganze Körperlänge abrichten und stimmen. Wir haben meist Prospektpfeifen
gemacht, auch Blei – doch Blei war eher
selten. Das war aus der Tschechoslowakei
oder Russland, fast alles vorgefertigt. Wir
mussten nur löten, stimmen und wieder einbauen. Das machten die mit der Meisterprüfung von sieben Jahren. Ich habe nur
dreieinhalb Jahre gemacht.
Bei der HORA’BAND haben wir mehr
Lieder gemacht. Die gibt es seit etwa 20
Jahren. Mich haben die Instrumente interessiert. Auch dass man Menschen traf,
die man zuvor noch nie gesehen hat.
Musik habe ich schon immer gerne gemacht. Deshalb spiele ich ja auch im HORA-Theater. Dixieland, Jazz, Fagott habe
ich auch gespielt. Geige ganz am Anfang.
Nachher habe ich Ukulele weitergespielt
und bin dann auf Gitarre umgestiegen.
Fagott habe ich klassisch gespielt. BachFugen, Händel, Mozart nicht, nein. Es waren auch volkstümliche Stücke darunter.
Ich gehe gerne auf Reisen. Ausser mit dem
Schiff, da bin ich nicht so gut. Das ist nicht
so meine Art. So hohe Wellen. Wo wir dort
nach England sind, da waren 12 Meter hohe
Wellen! Da ist es mir schlecht geworden.
Die Produktionen mit den HORAs haben
mir immer Spass gemacht. Auch wenn ich
als Schauspieler nicht so begabt bin. Doch
es hat mich interessiert, was sie machen.
Der Text wurde Roli Strobel von Enrico Rizzi diktiert.
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
17
LABOR
OLIVER ROTH STELLT SICH VOR
Der neue Co-Leiter im HORA-Labor
Hallo zusammen. Ich bin neu hier. Seit
Februar leite ich zusammen mit Amadea
das Labor. Es ist alles sehr aufregend: Es
gibt viele neue Gesichter und Menschen
(neue Kolleg*innen, ein riesiges Ensemble).
Ich habe eine neue Email-Adresse. Es gibt
einen schmalen Schreib-Tisch und eine
neue Kaffee-Maschine (die nicht macht,
was ich will). Und es gibt viele neue Regeln
(kleine und grosse, geschriebene und ungeschriebene Regeln).
Was habe ich gemacht, bevor ich ins
HORA gekommen bin? Nun, sehr verschiedene Sachen: Ich war Performer. Ich habe
Bühnen-Bilder entworfen. Ich war Dramaturg. Ich war mal dies und mal das. Ich habe
ein bisschen alles gemacht, irgendwie. Und
irgendwann habe ich angefangen, mir auch
eigene Stücke auszudenken. Kleine Stücke
und grosse Stücke: Mein erstes Stück war
eine Beerdigung für meine Mutter. Das
Stück danach war eine Art GeburtstagsParty. In noch einem anderen Stück wollte
ich Männern das Patriarchat austreiben.
Männer sollten nicht mehr alles bestimmen.
Das wollte ich Männern beibringen in dem
Stück.
Letztes Jahr hatte ich eine Theater-Krise.
Ich fand die Theaterwelt
elitär (Theater-Leute halten sich oft für
etwas Besseres),
in einer Bubble (Theater-Leute verbringen
ihre Zeit oft nur mit anderen Theater Leuten – irgendwann vergessen sie, dass
es auch noch eine Welt um das Theater
herum gibt),
oft langweilig (Theater-Leute machen
oft gar nichts anderes mehr als Theater,
und denken auch an nichts anderes mehr).
Ich dachte: Job wechseln, Neuorientierung,
neue Ausbildung, fertig.
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
18
Dann bin ich trotzdem wieder ins Theater
gegangen. Ich musste feststellen: Ich fand
es wunderbar, wenn Leute sich auf einer
Bühne bewegen. Ich fand es schön, wenn
Leute sich auf einer Probe-Bühne Welten
ausdenken. Ich fand es spannend, dass
Theater nicht wie das normale Leben ist.
Ich dachte: «Ganz so falsch bin ich im
Theater vielleicht doch nicht».
Und dann kam das HORA. Das HORA ist
für mich sinnvoll: Im HORA dürfen sich die
Leute Zeit lassen. Im HORA nehmen die
Leute Rücksicht aufeinander. Im HORA
darf jeder Einzelne einzigartig sein. Und
so weiter. In der Welt draussen ist das oft
anders. Und das gefällt mir nicht. Aber das
HORA ist anders ist als die Welt draussen.
Und dafür liebe ich das HORA. (Okay
stopp! Jetzt werde ich romantisch…)
Mein erster Besuch im HORA begann
gleich mit einem Höhepunkt: Aufwärmen
mit den 3 Songs. Ich mag Popmusik. Und
ich mag es, mich dazu ganz frei zu bewegen.
Abzugehen.
An diesem ersten «Schnupper-Tag» im Labor
habe ich sogar zwei Mal geweint. Einmal,
als ich auf dem Boden lag: Ich habe alle vier
Glieder ausgestreckt. Und ich konnte mich
endlich mal entspannen. Beim Loslassen
kamen die Tränen.
Das zweite Mal habe ich geweint, als
wir uns auf der Bühne Szenen vorgeführt
haben. Diese kleinen Szenen waren natürlich noch garnicht richtig geprobt. Jede*r
hat dabei viel von sich selbst gezeigt. Und
alles war sehr frei. Das hat mich berührt.
Und mir sind wieder die Tränen gekommen.
19
An einem Labor-Tag hat mal jemand
gesagt: «Wir müssen etwas langsamer
machen. Weil sonst springt noch jemand
vom Schnellzug ab.» Damit war gemeint:
Es ist wichtig, dass alle gut mitkommen.
Darum müssen wir allen die Zeit geben,
die sie brauchen. Das hat mir gut gefallen.
Ich selber bin auch oft viel zu schnell.
Meine Gedanken rasen manchmal durch
meinen Kopf wie ein Ferrari. Dann muss ich
aufpassen, dass dieser Ferrari nicht stehen
bleibt. Weil der Motor zu heiss geworden ist.
Was mir auch gefällt: Der Schlusskreis am
Ende vom Labor-Tag. Manchmal weiss
jemand nicht, was sie oder er da sagen
soll. Dann wird oft ein Zungenbrecher aufgesagt: «De Papst hät s Späck Bsteck
z’spat bstellt». Diesen Satz übe ich jetzt
ab und zu mit meinem Sohn.
Meine Nervosität vom Anfang hat sich ein
bisschen gelegt. Ich komme langsam an.
Damit meine ich: Ich verstehe immer mehr,
wie hier alles funktioniert. Ich lerne die
HORAs und die Kolleg*innen vom Team immer besser kennen. Und darüber freue ich
mich sehr. Und vor allem: Ich habe wieder
richtig Lust auf Theater. Und auf alles, was
auf einer Bühne passieren kann!
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
Aufführungs-Foto aus dem Stück DAS KRANKE HAUS (weitere auf den Seiten 1/28, 2, 3, 4, 5, 10, 20, 27)
LABOR
21
LOGBUCH LABOR (IV)
Das Labor-Jahr 2022 hat mit Sound und
Rhythmus angefangen: Eine Musik-Workshop-Woche mit Roli Strobel, dem Leiter
der HORA‘BAND.
Schreiben» lernen kann – Theatertexte
schreiben. Gemeinsam mit ihnen haben wir
ausprobiert: Was passiert mit ihrem Geschriebenen, wenn es auf die Bühne kommt?
Danach kamen zwei Wochen HORA-Regie:
Verschiedene HORA-Schauspieler*innen
konnten mehrere Tage lang Regie führen.
Mit ihren Kolleg*innen als Darsteller*innen
haben sie neue Welten erschaffen.
Die Tänzerin und Choreografin Salomé
Schneebeli war sogar drei Wochen im
Labor. Sie hat mit den HORAs getanzt.
Und sie hat ein komplettes Tanzstück mit
ihnen erarbeitet. Dieses Stück wurde am
Ende digital auf Zoom übertragen. Eine
grossartige Werkschau!
Mit der Schauspielerin Florentine Krafft
haben wir im Februar eine ganz besondere
Reise gemacht: eine Gedanken-Reise. Wir
sind auf einem Kreuzfahrtschiff gefahren.
Leider haben ein paar HORAs Corona
bekommen in dieser Zeit, und wir mussten
ins Home-Office (mal wieder). Die WerkSchau am Ende konnte aber zum Glück
live stattfinden – in Zug in der Chollerhalle.
Ende gut, alles gut. Was für eine Reise!
Im März haben wir Besuch aus Österreich
bekommen: Studierende vom «DRAMA
FORUM Text» in Graz, wo man «szenisches
Hier kommt eine Bildlegende
Auch die Kostümbildnerin Sophie Reble
hat wieder einen Workshop gemacht. Die
HORAs sollten überlegen: Welches Bild
habe ich von meinem Körper? Für diese
Körper-Bilder haben wir dann Kostüme
entworfen.
In der Leitung vom Labor hat es einen
Wechsel gegeben in diesem Frühjahr: Oliver
hat den Job von Ivna übernommen. Denn
Ivna wünschte sich wieder mehr Zeit zum
Schreiben. Wir danken Ivna von ganzem
Herzen für ihre zwei Jahre im HORA-Labor!
Bis zum Abschluss der Saison freuen wir
uns noch auf einige weitere Workshops:
Einen Workshop von Schauspieler und
Performer Max Reichert,
einen Live-Hörspiel-Workshop mit Phil
Hayes,
einen Workshop mit Nele Jahnke,
einen weiteren Workshop mit Roli von
der
HORA’BAND.
Und kurz vor den Ferien dann probieren
wir den Wechsel von Mann zu Frau und
wieder zurück: in einem Drag Workshop
mit Gossipa und Milky Diamond – und
in einem Auftritt auf der Pride!
Ganz herzlich, Oliver & Amadea und das Labor-Team
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
LABOR
22
«‹ICH› IST NIE ‹ALLE›. DOCH
JEDES ICH ZÄHLT»
Ein Abschiedsgespräch mit Ivna Žic, Autorin und vormaligen Co-Leiterin des HORA-Labor.
Über das Schreiben der HORA-Schauspieler*innen und im Allgemeinen
23
richtig und falsch zu tun. Und nichts mit
irgendwelchen gesellschaftlichen Ansprüchen. Sondern es ist einfach ein künstlerischer Ausdruck.
Das haben die HORAs dann
eigentlich relativ schnell realisiert, oder?
HORA-MAGAZIN:
Ja, absolut. Es geht im Labor schon
lange nicht mehr nur darum, zu sagen:
Schreiben ist okay und wir versuchen es einfach mal. Inzwischen ist eine Art von Professionalisierung möglich: Die HORAs wissen,
dass sie schreiben können. Jetzt können wir
weiter gehen: Die Vorgänge und die Texte
ernst nehmen. Über Texte auch sprechen.
Und schauen: Welche Möglichkeiten stecken in diesen Texten noch? Das alles ist
jetzt möglich, weil inzwischen wirklich Texte
da sind. Weil Leute jetzt schreiben.
IVNA ŽIC:
Ivna, es ist wahrscheinlich
kein Zufall, dass die HORAs in den 2 Jahren,
als du mit Amadea das Labor geleitet
hast, auch mit literarischem Schreiben
angefangen haben – immerhin bist du
selbst ja auch Autorin. Es ist aber trotzdem nicht selbstverständlich, dass du
Menschen mit einer so genannten intellektuellen Beeinträchtigung so etwas zugetraut hast…
HORA-MAGAZIN:
Ich glaube, viel wichtiger war,
dass sich die HORAs selbst die Erlaubnis
gegeben haben. Das ist ja überhaupt bei
jedem Menschen der erste Schritt, um ins
literarische Schreiben zu kommen. Sich zu
sagen: Ich darf das. Selbst wenn es alle
verrückt finden sollten.
IVNA ŽIC:
Was braucht man sonst
noch, um mit Schreiben zu beginnen?
HORA-MAGAZIN:
Sehr wenig. Eigentlich nur Stift
und Papier. Es klingt so blöd, aber: Literarisches Schreiben kann eigentlich jeder.
Jeder, den es interessiert. Jeder, der auch
eine Lust darauf hat.
IVNA ŽIC:
Und die HORA-Schauspieler*
innen hatten Lust auf Schreiben?
HORA-MAGAZIN:
Es gibt im HORA sowieso immer
eine große Bereitschaft, Dinge einfach mal
zu tun. Das kann man als Lebens-Haltung
gut lernen hier. Trotzdem gab es beim ersten Schreib-Workshop mit Eric Altorfer
auch noch so eine Stille, so eine Unsicherheit, so einen Respekt vor dem, was da
kommt. Deshalb war die Haupt-Aufgabe
in dieser ersten Schreib-Woche eigentlich
vor allem, diesen schulischen Respekt vor
dem Schreiben abzubauen. Zu realisieren:
Schreiben hat grundsätzlich nichts mit
IVNA ŽIC:
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
Wenn die HORA-Schauspieler*
innen schreiben im Labor, ist eine der ersten
Sachen, die man realisiert: Diese grosse
Vielfalt an Formen, wie da geschrieben wird.
Die einen schreiben auf dem Computer, die
andere mit der Hand. Wieder andere diktieren ihre Texte oder schreiben mit Assistenz.
Unter denen, die mit der Hand schreiben,
schreiben die einen auf riesigen Blättern
wenige Worte mit dickem Filzstift, während
andere auf kleinen Papieren oder fast kalliHORA-MAGAZIN:
grafisch schön schreiben. Die einen schreiben zusammen an einem grossen Tisch, die
anderen weit zurückgezogen in einer Ecke…
Auch das ist ein wichtiger Aspekt
beim literarischen Arbeiten. Herauszufinden:
Mit welchen Mitteln kann ich selbst am
besten schreiben? Und: Wo will ich sein
beim Schreiben? Allein in einer Ecke oder
zusammen mit anderen? In einem ruhigen
Raum, oder eher in einem lauten? All das
fliesst ja in den Text mit ein.
IVNA ŽIC:
Du hast eben gesagt, es geht
beim literarischen Schreiben nicht darum,
«richtig» zu schreiben, sondern um künstlerischen Ausdruck. Kannst du das nochmal
genauer erklären?
HORA-MAGAZIN:
Schreiben ist einfach eine Möglichkeit, in der Welt zu sein, mit der Welt in
Kontakt zu sein. Mit etwas Glück kann
ich mit dem Schreiben eine Form finden,
mit der ich dem eigenen Blick auf die Welt
ganz nah komme. Einen sprachlichen, einen
klanglichen oder einen rhythmischen Ausdruck für die Welt, so wie ich – und vielleicht nur ich – sie spüre, sie sehe. Ich
nehme mir die Freiheit, mir eine eigene
Sprache zuzulegen. Zu meiner eigenen
Sprache zu stehen. Zu erkennen, was meine
eigene Sprache eigentlich ist. Zu diesem
Ich zu stehen, und das ernst und gross zu
nehmen. Und zu realisieren, dass dieser
sprachliche Ausdruck etwas sein kann,
das lustvoll ist und das Freude macht und
das Spass macht. Wenn Menschen das
für sich entdecken, dann berührt mich das
immer sehr. Eben weil Schreiben für mich
selbst etwas so Lustvolles ist.
IVNA ŽIC:
Kannst du Beispiele dafür
aus dem HORA-Ensemble nennen?
HORA-MAGAZIN:
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
24
Die Art, wie Matthias Brücker
schreibt, ist für mich ein Beispiel für eine
sehr direkte Übersetzung, wie jemand
Welt greift und erzählt. Oder Robin Gilly,
der beim Schreiben für sich die CollageTechnik entdeckt hat, als Mittel, um mit
Sprache seine Weltsicht zu erzählen.
Sehr eindrücklich fand ich auch den
Prozess von Cecile Creutzburg. Sie hat am
Anfang eigentlich fast gar nicht geschrieben. Und jetzt veräussert sie sich in so
einer unglaublichen Expressivität! Da ist so
eine Art Anarchie, eine Lust an Versprachlichung und Klängen und einer Sprache,
die total eigen und wirklich ihre Sprache
ist. Oder das Schreiben von Simon Stuber,
der in einer sehr poetischen Sprache einen
sehr genauen, feinen Blick auf so Alltägliches findet. Ach, ich könnte jetzt fast das
gesamte Ensemble durchgehen. Remo, der
lange Erzählungen schreibt, Frank, der
gerne Serien «überschreibt», Nikolai in seinen Fiktionen, die sehr nahe gehen und mit
autobiographischem Material umgehen,
Simone Gisler mit ihren sehnsuchtsvollen
sprachlichen Beschwörungen von Liebe
und Schönheit, Lucas, Noha, Caitllin,
Andy Böhni, …
IVNA ŽIC:
Wo würdest du die HORATexte einordnen im Spektrum literarischen
Schreibens allgemein?
HORA-MAGAZIN:
Oft sind die Schreib-Wege im HORA
anders als zum Beispiel bei Autor*innen,
die konventionell «realistisch» schreiben. Schreiben mit so einem realistischallwissenden Blick auf die Welt: das ist im
HORA vermutlich das Letzte, was jemand
machen würde. Die Texte hier sind oft
viel verdichteter. Sie haben eine andere
Sprache, einen anderen Klang, einen anderen Rhythmus. Aber genau das kommt
IVNA ŽIC:
AKTUELLE PRODUKTIONEN VON/MIT THEATER HORA
hier ja dann auch so gross: Die ernsten
Themen – dass selbst Alltags-Phänomene
hier mit einem sehr poe-tischen Blick alle
ganz ernst genommen werden. Und das liebe
ich am Schreiben der HORAs: Dass sie sich
die Freiheit nehmen, die Welt mit der eigenen
Subjektivität zu beschreiben. Dass ihre
Texte sagen: Ich bin nur ich, und ich stehe
nicht für alle. Aber meine Erfahrungen, und
mein Blick auf die Welt, die zählen. Und
weil diese Haltung hier mit einer so grossen
Selbstverständlichkeit gelebt wird, und
weil ich «realistisches Schreiben» eh nie
gemocht habe, darum wird das HORA
immer einer meiner Lieblingsorte auf der
Welt bleiben.
P.S.: Auch nach ihrem Weggang vom HORA wird Ivna Žic
weiter das «Magazin im Magazin» auf den vier Innenseiten dieses
Hefts betreuen. Zusammen mit Marcel Bugiel, der auch die Fragen
in diesem Interview stellte.
WAS IST ZEIT
Zeit bedeutet, dass wenn der Grosse Zeiger
auf 12 steht, ist es 11. Wenn der Kleine Zeiger
auf 4 steht und der grosse auf 6, dann ist
es halb 4.
Die Zeit bedeutet also Vergangenheit,
ein Baby, ein Teenager, immer erwachsener,
immer selbständiger, immer mehr und
immer mehr. Meine Vergangenheit ist
Brasilien. Ich habe viel Unfug gemacht als
Baby und in der Schule. Ich sehe Strand
und Meer, Muscheln wenn ich an die Zeit
denke. Freunde. Viel abgemacht mit meinen Kollegen vom HORA und ausserhalb.
In der Zukunft. Kino, Bowling, Baden
gehen, Squash und verschieden Wasserrutschbahnpark.
Um 12 Uhr mittags ist Zukunft. Zeit um
zu essen. Mittag-Essen-WeiterschaffenPause-Weiterschaffen-SchlusskreisZusammenpacken-Nach-Hause-gehenAbend-Zimmerputzen-Zimmerputzen
immer am Mittwoch-Znacht-essen-NachtSchlafen.
Wenn ich schlafe, vergeht die Zeit
langsam und schnell, und ich denke an Jemanden im Traum. Nach Bern fahren. Ich
suche jemanden träume ich.
Lucas Maurer
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
DIE NÄCHSTEN
PREMIEREN
SACRE (AT)
9. Dezember 2022
Tanzhaus Zürich
Ein Tanzstück von Teresa Vittucci
und Annina Machaz
WEITERHIN
IM REPERTOIRE
HORROR UND ANDERE SACHEN
(2022)
Eine Kooperation mit den Münchner
Kammerspielen
(Regie: Tiziana Pagliaro)
DAS KRANKE HAUS (2022)
Ein Stück von und mit vorschlag:hammer
und Theater HORA
ES WAR KEINMAL ODER DAS
MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
(2021)
Ein Familienstück von Theater HORA
und Henrike Iglesias
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odysee in die Tiefen des
Universums der Arbeit
(Regie: Yanna Rüger, Stephan Stock,
Heta Multanen)
ICH BIN’S FRANK (2020)
Ein Projekt an den Münchner
Kammerspielen
Von und mit Julia Häusermann
(Regie: Nele Jahnke)
25
EGOTOPIA (2018)
Selbsterklärte und geborene König*innen
(Regie: Nele Jahnke)
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Filmremake – live gespielt
und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded
unter der Live-Regie von Tiziana Pagliaro
DIE LUST AM SCHEITERN (2000)
Nullimprovisation
(Konzept: Beat Fäh und Michael Elber)
GASTENGAGEMENTS
VON HORASCHAUSPIELER*
INNEN
Julia Häusermann in «No Gambling»
(2021) von und mit Simone Aughterlony,
Julia Häusermann und Nele Jahnke
HORA‘BAND
Wundervolle Songs in einzigartiger
Interpretation – von einer der speziellsten
Bands der Welt. Booking über Roland
Strobel (Bandleader): roli.s@gmx.ch
Aktuelle Spieltermine unter
www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
HORA-Magazin Nr. 52, Juni 2022
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle Kultur
Kanton Zürich, Förderverein Theater
HORA, HKF Berlin, Kulturpark Zürich-West,
Landis & Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent, Alexis Victor Thalberg Stiftung,
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung,
Stadt Zürich Kultur, Gemeinnützige
Stiftung Symphasis, Schweizerische Interpretenstiftung
Koproduzent*innen/
Kooperationspartner*innene
Münchner Kammerspiele, Fabriktheater/
Rote Fabrik, Zürich, Theaterspektakel
Zürich, Gessnerallee Zürich, Theater
Neumarkt Zürich, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Tanzhaus Zürich
WALTER ANDREAS MÜLLER
SCHAUSPIELER
«…WEIL HORA DER WUNDERBARE,
GRELLE FARBTUPFER IST, WELCHER
IN DER THEATERSZENE FEHLT.»
SONJA STUDER
DESIGNERIN
«…WEIL HORA NICHT NUR DIE
THEATERSZENE SONDERN NEUERDINGS
AUCH DEN FILM AUFMISCHT.»
MAXIMILIAN REICHERT
SCHAUSPIELER
« … WEIL DIE HORAS ANTENNEN
AUF DEM KOPF HABEN, DIE BEI
DEN MEISTEN SCHON ABGEKNICKT
SIND UND ES DAS GENIALSTE
THEATER DER STADT IST»
Gestaltung Kampagne Förderverein Sonja Studer, Zürich
Tausend Dank an Claudio Caviezel,
Florian Fehlmann & Jonathan Schole
vom Universitätsspital Zürich für die
Hilfe bei der Recherche zu DAS KRANKE
HAUS sowie an «Hauser & Partner» für
die Zusammenarbeit, Partnerschaft und
grosszügige Unterstützung.
Ein herzliches Dankeschön auch an all
unsere Mitglieder und Spender*innen.
Mit ihrer Treue, ihren Beiträgen und ihren
Spenden sind sie eine wichtige Unterstützung
für die Projekte von Theater HORA.
Spenden ab 500 CHF
Kedves Stiftung Guetrain, Tägerwilen
Röm.-Kath. Kirchengemeinde St. Anton,
Zürich, Daniel Brunner, Zug
IMPRESSUM
Redaktion
Yanna Rüger und Marcel Bugiel
Prüfgruppe Textverständlichkeit
Remo Beuggert, Frank, Robin Gilly,
Simon Stuber
Bilder
Judith Buss (S. 7, 9), Labor-Team (S.21),
Malí Lazell (S. 1, 2, 3, 4, 6, 10, 11, 19,
20, 27, 28) Katharina Manojlovic (S. 23),
Roli Strobel (S.12)
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
HETA MULTANEN
VIDEOKÜNSTLERIN UND
FILMERIN
«… WEIL ‹THINKING OUT OF THE BOX›
DEN HORAS IRGENDWIE LEICHTER
FÄLLT ALS VIELEN ANDEREN KÜNSTLERN.
ICH BIN IMMER BEGEISTERT VON
DEN RICHTIG GUTEN IDEEN!»
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
URSULA BADIR
MUTTER VON HORASCHAUSPIELER NOHA BADIR
«… WEIL DIE SCHAUSPIELER:INNEN
DES HORA-THEATERS PURE LEBENSLUST UND FREUDE VERBREITEN.»
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WERD EN
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HORA D KULTURELL EIN
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ÖRDER
SOZIA
CH,
OLITIS
UND P
Versandfolie
Besteht zu mindestens 50 % aus nachwachsendem Rohstoff und zu einem
weiteren Anteil aus recyceltem Polyethylen.
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
theater@hora.ch
www.hora.ch
Simon Stuber, HORA-Schauspieler
-
12/2021 – HORA Magazin Nr. 51
NR. 51, DEZ 2021
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe Freund*innen des Theater HORA!
Es ehrt und freut mich, in dieser Ausgabe vom HORA-Magazin als Mitglied des
Förderverein-Vorstands das Editorial übernehmen und weihnachtsengelgleich verkünden zu dürfen: Im Kanon der kulturellen
Kräfte ist HORA unersetzbar, ein Treiber,
der vorausprescht, der Normen und Konventionen sprengt: trashig, sinnlich, chaotisch. Immer innovativ, erhellend und aussergewöhnlich. Wer je eine Aufführung von
HORA gesehen hat, weiss: Menschen mit
Einschränkungen erweitern das Spektrum
im Theater – an Gebärden, an Emotionen,
an Einsichten. Sie schaffen Mehrwert.
Und darum engagiere ich mich im
Förderverein Theater HORA. Denn ein
Projekt wie HORA braucht finanzielle Sicherheit. Damit das Theater die Welt retten kann, müssen wir das Theater retten.
Dazu braucht es Sie. Sie ganz persönlich.
Die öffentlichen Subventionen reichen bei
weitem nicht aus, um den Betrieb am Laufen zu halten.
Es stimmt mich nachdenklich, wenn ich
sehe, dass wir von unserem Magazin pro
Ausgabe 4300 Exemplare verschicken, im
Förderverein aber nur 250 Mitglieder ausweisen. Das zeigt doch, dass das Interesse
am Theater HORA grösser ist als das Bewusstsein um dessen Existenzgrundlage.
HORA ist die heisseste Theater-Combo, die ich kenne. Oder wie es meine Kollegin
Monika Michel vom Förderverein-Vorstand
so wundersam formuliert: HORA ist materialisierter intergalaktischer Sternenstaub
im Universum des Unmöglichen. Drum, mit
allem vorweihnachtlichen Schmelz und
Charme: Studieren Sie die letzte Innenseite dieses Magazins, werden Sie Mitglied
im Förderverein, oder spenden Sie einfach.
Sie wissen schon: Jeder Franken zählt.
4
SPIEGLEIN, SPIEGLEIN
AN DER WAND
Ein Moment aus den ersten Proben
für ES WAR KEINMAL
5–6
SCHÖNHEIT HAT OFT MIT
REIBUNG ZU TUN
Die Kostümbildnerin Sophie Reble
im Gespräch
6
VON KOPF BIS FUSS FIND
ICH MICH SCHÖN
Statements von Gianni Blumer,
Matthias Brücker, Frank und Robin Gilly
9
LIEBESBRIEF MIT MASKE
… an die HORA-Schauspieler*innen,
die in Mads Dinesens und Mali Lazells
Foto- und Designworkshop die Bildstrecke dieser Ausgabe produziert haben
10
VOM WERT DER CARE-ARBEIT
HORA-Zivi Noah Beeler über das, was als
Leistung gesehen wird und was nicht
11–14
MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von
zwölf HORA-Schauspieler*innen. Thema
der zweiten Ausgabe: «Zukunft»
15
LOGBUCH LABOR (III)
16
ICH BIN DENISE WICK-ROSS
19–21
DAS IST DA EINFACH PASSIERT,
WIE EINE OFFENBARUNG
Matthias und Verena Grandjean
im Gespräch
21
HORA-CHRONIK
Mai – Oktober 2021
22
FÖRDERVEREIN
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen
Spenden und Koproduzierende
Impressum
24
AKTUELL IM HORA-REPERTOIRE
Alex Oberholzer, Vorstand Förderverein
P.S.: Die jährliche Mitgliederversammlung des Fördervereins findet
übrigens am 7. Dezember im Casinosaal statt – samt Podium
und einer exklusiven Filmvorführung von Planet HORA. Herzlich
Willkommen!
SCHÖN-SEIN
4
SCHÖN-SEIN
5
SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND
SCHÖNHEIT HAT OFT MIT
REIBUNG ZU TUN
Sophie Reble, die Kostümbildnerin von PLANET HORA – DER FILM, im Gespräch mit Yanna Rüger
YANNA RÜGER :
Sophie, bei unserem Film
PLANET HORA hast du zusammen mit
Sabrina Bosshard die Kostüme gemacht
und dabei zum ersten Mal mit den HORASchauspieler*innen gearbeitet. Was hast
du dabei erlebt?
Ich hab immer noch so nachhaltig diesen ersten Moment im Kopf: Wo
ich das allererste Mal mit den konkreten
Massen der HORA-Schauspieler*innen
in der Hand in einem Kleidungsgeschäft
stand. Also ich kenne diese Körper und
ich kenne die Geschäfte und ich kenne die
Modeindustrie. Aber wirklich mit diesen
Zahlen in der Hand vor diesen kaufbaren
Kleidungsstücken zu stehen, das war wie
ein Fuck You ins Gesicht. Das hat mich
nachhaltig beschäftigt.
SOPHIE REBLE:
Schönheit ist ein mächtiges gesellschaftliches Konzept. Und Märchen sind Geschichten, in denen meist vollkommen klar
ist, was schön ist (zum Beispiel Prinzessinnen und Feen) und was nicht (etwa Hexen und Stiefmütter). Für ihre gemeinsame
Produktion ES WAR KEINMAL ODER
DAS MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
(Premiere am 11.12.2021 im Theaterhaus
Gessnerallee) möchten die Spieler*innen
von HORA und der Gruppe Henrike Iglesias aus Berlin solche Ideen von Schönheit
hinterfragen und nehmen dafür das Genre ‹Märchen› nach allen Regeln der Kunst
auseinander. Dafür haben sie in den ersten
Probentagen vor allem viel zusammen
ausprobiert. Es wurden Figuren gesammelt, eigene Märchen erfunden, auch das
eigene Leben als märchenhaft dargestellt
und überhaupt jede Menge Geschichten
erzählt. Ganz besonders war der Moment,
als Eva G. Alonso von Henrike Iglesias eine
kleine abgetrennte Kammer mit einer Kamera drin aufgebaut hat. Jede*r von uns
ging dort hinein und hat seine Maske abgenommen und die berühmte Szene aus
«Schneewittchen» gespielt: «Spieglein,
Spieglein an der Wand, wer ist der oder
die Schönste im ganzen Land?». Draussen
konnten die anderen auf einem Bildschirm
zusehen. Eine Person nach der anderen
schälte langsam ihr so viel verstecktes Gesicht aus der Maske und betrachtete sich
selbst neugierig und eindringlich in diesem
‹Spiegel›. Die Kamera nahm dieses Schauen auf und gab es ans Publikum weiter. Ein
Mensch, der sich selbst ansieht, in Vorbereitung der Frage, wer der oder die Schönste im ganzen Land ist. Eine Mischung aus
Unsicherheit und Freude über das eigene
Aussehen, in den Augen eine eingehende
Selbstbetrachtung – und plötzlich ist die
Antwort auf die Frage bei den Zuschauenden ganz klar: «Alle!». Alle sind der oder
die Schönste im ganzen Land, wenn sie
in der Lage sind, sich selbst so offen und
neugierig und erwartungsvoll in einem
Spiegel anzuschauen! Ein Moment wahrer und tiefer Schönheit war auf der Probe
entstanden. Und ihr, liebes Publikum, dürft
gespannt sein, was für Momente die Probenden bis zur Premiere noch alle gefunden haben werden, aus denen sich dann
ihr ganz eigenes Märchenstück zusammensetzen wird.
Stephan Stock, künstlerischer Co-Leiter des HORA-Ensembles
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
Dass es Körper gibt auf dieser Welt, die
einfach nicht mitgedacht werden in der
Massenproduktion?
YR:
Ja, genau. Und dass das auch nicht einfach durch Kürzen von Ärmeln und Hosenbeinen passend gemacht werden kann. Sondern dass grundsätzlich die Proportionen
nicht stimmen. Und dann nicht die Kleidung
falsch an den Körpern aussieht, sondern die
Körper falsch in der Kleidung. Was ja auch
verrückt ist. Dass man nicht denkt: Was ist
denn das für ein komischer Pulli? Sondern:
Ah, der Körper stimmt irgendwie nicht. Wie
sieht der denn aus? Obwohl eigentlich an
dem Körper nichts falsch ist. Er wird nur in
eine Form gedrängt, die für ihn nicht stimmt.
SR:
In dem Laborworkshop, den du mit den
HORA-Schauspieler*innen gemacht hast,
hast du sie auch malen lassen, wie sie
selbst ihre Körper sehen.
YR:
Ja, genau: Nicht das Bild, das wir von
unserem Körper haben, sondern das, was
ich wirklich sehe, wenn ich mich anschaue.
Als wär‘s das erste Mal. Angefangen bei
den Zehen, und dann hoch die Beine, die
Knie, die Oberschenkel, der Po, der Bauch
bis zum Kopf. Einige haben sich sofort ausgezogen. Das war ja per Zoom, da ließ sich
einfach die Kamera ausstellen. Das fand
ich mega schön, dass das gar keine Frage ist, halt wirklich den ganzen Körper zu
zeichnen. Und was ich auch sehr berührend fand, war das Thema Behaarung,
auch bei den Frauen… Zum Beispiel bei
den Zehen auch noch über Haare nachzudenken, war irgendwie nackter als einfach
nur ein Fuss.
SR:
Und warum wolltest du das in deinem
Workshop?
YR:
Gerade für Kostüm und Kleidung gehen ja sehr viele Modedesigner*innen von
ihrem eigenen Körper aus. Weil das die
Proportionen sind, die man am liebsten
kennt, an Hand derer man am leichtesten
anfangen kann, über Mode und Formen
nachzudenken. Dabei geht es auch um
eine Lust: Was hab ich Lust anzuziehen?
In diesem Sinne wollte ich, dass auch die
HORA-Schauspieler*innen ausgehend von
ihren eigenen Proportionen denken.
SR:
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
6
Ich hab ja oft das Gefühl, dass viele
HORA-Schauspieler*innen sehr stolz sind
auf ihren Körper. Und dass sie sich auch
gerne im Spiegel anschauen und sich auch
gerne zeigen!
YR:
SR:
Voll!
Noch mal viel grösser nachgedacht:
Was ist für dich Schönheit?
YR:
SR :
Schönheit ereignet sich oft im Moment.
Wenn jemand in sich ruht und darum etwas
ausstrahlt – und es genau nicht um Präsentation geht. Ich glaube, Schönheit hat
oft auch damit zu tun, dass Aspekte aufeinandertreffen, die sich erstmal abstossen oder reiben. Auch in den Emotionen.
Und die durch die Reibung etwas auslösen,
das grösser ist als die einzelnen Teile. Das
ist auch das, was ich an vielen HORASchauspieler*innen extrem schön finde:
Ihr Aussehen strahlt so eine Tiefe aus, oft
auch etwas Trauriges, und gleichzeitig so
viel Direktheit und Lust und Riesenfreude.
Es hat etwas Emotionales. Etwas, das mich
unvermittelt und tief berührt.
7
VON KOPF
BIS FUSS
FIND ICH
MICH SCHÖN
Ich find mich schön, so wie ich bin: Neutral.
Arbeitsam. Und ehrgeizig. Mir geht’s nicht
um die Schönheit. Mehr innerliche Seiten.
Und was sie können. Von aussen kann man
erst gut sagen, wenn man zuschaut als
Publikum. Ich finde alle Menschen schön,
natürlich. Zum Beispiel wenn einer von China kommt und einen Workshop leitet. Sie
heisst Mangfan.
Robin Gilly
Also mein Herz ist schön. Und mein Kopf.
Dass ich gern dusche jeden Morgen. Und
auch meine Achselhöhlen – dass ich da
Deo ranmache. Und meine Freundin ist
schön. Weil sie gern strahlt. Und verliebt ist
in mich. Schön zum Anschauen finde ich
auch: Babys. Jungs. Und ältere Menschen.
Und Jugend ist schön zum Coolsein. Aber
ältere Menschen ist gut zum Verstehen –
zum Hören und zum Reden. Es geht um Akzeptieren: dass normale und nicht normale
Menschen zusammenarbeiten.
Matthias Brücker
Was ich mich selber schön finde ist meine
Brusthaare und meine Haare und die Muckis. Allgemein von Kopf bis Fuß find ich
mich schön. Und die Brille. Wenn ich eine
fremde Frau seh, dann find ich schön, dass
sie blonde Haare hat. Und einen langen
Rock. Und die Augen. Bei den Männern
find ich den Noah Badir schön, und bei den
Frauen ist es die Fabienne Villiger.
Gianni Blumer
Was an mir schön ist: Mein Gesicht und die
Arme. Und wenn ich eine andere Person
will, dann muss sie richtig angezogen sein.
Sie muss eine anständige Person sein, wo
hübsch ist und wo kann denken. Und wenn
ich mit jemandem zusammen bin, dann
muss ich bisschen anpassen. Ich muss
schauen: Wie ist sie angezogen, wie kann
ich dazu gehen, wie ist meine Kleidung?
Wenn die Person eine Abendgarderobe
anhat, dann muss ich auch etwas Schickes
anziehen. Kombinieren: Wenn sie was Weisses hat, dann ziehst du etwas Schwarzes
an. Dass es gut aussieht, aber nicht gleich.
Frank
Fuss-Zeichnung von Noha Badir
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
Foto & Maske: Robin Gilly, Modell: Simon Stuber, Kostüm & Bild-Inszenierung: Simon Stuber & Robin Gilly
Foto &Maske: Noha Badir, Modell: Tiziana Pagliaro, Kostüm und Bild-Inszenierung: Tiziana Pagliaro & Noha Badir
SCHÖN-SEIN
9
LIEBESBRIEF MIT MASKE
zu Mads Dinesens und Mali Lazells partizipativem Foto- und Designworkshop «MIT MASKE,
Inszenierung von Identitäten und Alter Egos»
1
Dies ist ein Liebesbrief! Von Mads und Mali
an die HORAs. Ein Liebesbrief mit Maske.
Wir (der Kostümbildner Mads Dinesen
und die Fotografin Mali Lazell) haben im
September im HORA-Labor 2x3 Tage lang
einen partizipativen Foto- und Designworkshop mit euch gemacht. Wir haben
uns kennengelernt und verliebt. Wir wussten am Anfang nicht genau, wie wir euch
diese kleine, feine Frage stellen sollten, die
eigentlich so einfach ist, oder? Wer bist
du? Wer ist dein Ich? Und was ist mit dem
anderen Ich? Das Ich, das innen drinnen
steckt. Das Alter Ego?
Mali kennt ihr ja schon als Regie-Assistentin, Fotografin und Tour-Begleitung. Für
Mads war The HORA Experience komplett
neu! Wir wollten etwas sehr Persönliches
von euch. Dass ihr uns von euren Identitäten
erzählt! Uns in eure innere Welt reinlasst,
wo der Realität keine Grenzen gesetzt sind,
und die Imagination die schaffende Kraft
ist. Und ihr habt uns mitgenommen!
Zusammen sind wir in eine Untersuchung all dieser Fragen eingetaucht. Mit
Kameras, die ihr von Mali bekommen habt,
habt ihr jeden Schritt des Arbeitsprozesses
dokumentiert. Von den Moodboards am
ersten Tag über das Bauen von Masken
2
3
und Kopfbedeckungen und die Plünderung
des Kostümfundus bis zum Aufbau von Set
und Bühnenbild. Die Räume des HORALabors waren voller Materialien. Alte Fahrradschläuche, Lampenschirme, CDs, Brillenlinsen, Yogamatten oder goldenes Schokoladenverpackungspapier. Lampenfilter,
Nebelmaschinen, Ventilatoren, Plastikplanen und sehr laute Musik. Es ging uns darum, die innere Gefühlswelt nach aussen
zu bringen.
1,2, Polizei – aber es gab keine Regeln. Alles war erlaubt, und wir haben uns
gegenseitig vertraut, in dieses Ungewisse
einzutreten. Fantastische Wesen und Universen sind entstanden. Ihr seid nahtlos
hin- und hergesprungen zwischen den Rollen Gestalter*in, Fotograf*in, Regisseur*in,
Kostümbildner*in, Creative Director*in
und Künstler*in. Und wir durften das alles mitverfolgen, dabei sein, beraten, lernen. Wir haben unglaubliche Alter Egos
geschaffen. Wir haben Fotoshootings gemacht, die poetisch, laut und provozierend
waren. Wir haben andere Ichs gefunden,
und neu definiert. Und es war SCHÖN.
Danke!
&
(1) Foto & Maske: Nikolai Gralak, Modell: Matthias Grandjean, Kostüm & Bild-Inszenierung: Nikolai Gralak & Matthias Grandjean
(2) Foto und Maske: Lucas Maurer, Modell: Gianni Blumer, Kostüm und Bild-Inszenierung: Lucas Maurer, Gianni Blumer, Andy Böhni
(3) Foto & Maske : Matthias Brücker, Modell: Remo Beuggert, Kostüm & Bild-Inszenierung: Serafin Michel, Remo Beuggert, Matthias Brücker
ZIVILDIENST BEI THEATER HORA
10
VOM WERT DER CARE-ARBEIT
HORA-Zivi Noah Beeler über das, was als Leistung gesehen wird und was nicht
Zu Beginn meines Zivildiensteinsatzes wurde der Film PLANET HORA gedreht, der
sich mit dem Thema Arbeit befasst und
die heutige Leistungsgesellschaft in Frage stellt. Aber auch abseits von PLANET
HORA musste ich am Theater HORA meine bisherige Vorstellung von Arbeit und
Leistung hinterfragen.
Bevor ich hierher kam, war mein Arbeitsalltag einer, wie ihn wohl viele als
«normal» erachten. Als Zeichner in einem
Architekturbüro arbeitete ich grösstenteils selbständig am PC, mit klaren Aufgaben und Abläufen. Eine produktive Arbeit, wo sich anhand beantworteter Mails
und gezeichneter Linien messen lässt, wie
viel man geleistet hat. Sehr gegensätzlich
dazu gestaltet sich die Betreuungsarbeit
am Theater HORA. Sie lässt sich oftmals
nicht so klar an einem Endprodukt messen, wie ich das bisher kannte. Angesichts
der Erfahrung, dass die Arbeit, die ich
hier mache, nicht minder wichtig oder
anstrengend ist, musste ich meine Bewertungsmassstäbe für Leistung neu definieren. Zu Beginn meines Einsatzes hatte ich
manchmal das Gefühl, ich sei kaum hilfreich für das Team. Erst im Laufe der Zeit
konnte ich den Kern meiner Aufgabe erkennen: körperlich sowie emotional präsent zu sein, um auf Dynamiken, Sorgen
und Probleme im HORA-Ensemble reagieren zu können.
Im Politischen und Gesellschaftlichen
nehme ich wahr, dass diese Einsicht vielerorts fehlt. In einer kapitalistischen Logik ist
Leistung etwas Egoistisches. Soziales Miteinander und Füreinander wird bestenfalls als Privatsache, schlimmstenfalls als
Zeit- und Geldverschwendung betrachtet.
Dabei wäre es unbedingt geboten, CareArbeit einen höheren Wert beizumessen.
Aktuell zeigt sich dies insbesondere in der
Pflege, wo das Personal durch eine Wechselwirkung von pandemiebedingter Überlastung und Geringschätzung ihrer Arbeit
zermürbt wird und viele Leute der Branche den Rücken kehren.
Abgesehen davon, dass die Tätigkeit
im Zivildienst in der Regel deutlich sinnvoller ist als jene im Militär, gibt es also
einen tollen Nebeneffekt. Nämlich, dass
mehr Menschen für die Wichtigkeit und
den Wert von sozialen Berufen sensibilisiert werden. Und wer Glück hat, darf diesen Sensibilisierungsprozess an einem so
wundervoll bunten Ort wie dem Theater
HORA durchleben.
Noah Beeler hat dieses Jahr von März
bis November einen Zivildiensteinsatz am
Theater HORA absolviert. Ansonsten arbeitet er als Zeichner und ist Theaterschaffender in der freien Szene. Ginge es nach
Robin Gilly, wäre Noah nach seinem Zivi
als Schauspieler ins HORA-Ensemble aufgenommen worden. Weil dafür die nötige
Zertifizierung fehlte, hat er jetzt stattdessen vor, Theaterpädagogik zu studieren.
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
11
LABOR
15
LOGBUCH LABOR (III)
Willkommen in der zweiten Spielzeit des
HORA-Labors!
Nach einer wirklich ereignisreichen
ersten Spielzeit (wer hätte mit Lockdowns,
Homeoffice, Umbau, und vielem mehr gerechnet — aber wir haben alles gemeinsam
gemeistert und sind stärker zusammengewachsen!) konnten wir ab Mai endlich
so arbeiten, wie wir es uns von Anfang an
gewünscht hatten: alle zusammen im frisch
renovierten Casino-Saal.
Nach der Sommerpause begannen wir
dann mit einer besonderen Woche: Wir
besuchten gemeinsam das Theaterspektakel Zürich! Das Theaterspektakel hatte
Theater HORA eingeladen, jeden Abend
ein Stück zu besuchen und somit aktiv am
Festivalleben teilzunehmen. Wir waren an
der Landiwiese und ebenso beim Format
«Dezentral» in vielen Quartieren der Stadt
präsent und schauten Theater aus der
ganzen Welt. So wohltuend für uns Theatermenschen nach so langer Theaterpause! Die Theaterbesuche werden jetzt übrigens fortgesetzt, und wir versuchen einmal
pro Monat mit einem Teil des Ensembles
ein Theaterstück in Zürich zu besuchen.
Dann kam das Kollektiv vorschlag:
hammer zu Gast ins Labor. Sie werden später in der Saison eine Produktion im HORA
machen. Wie immer war es für alle sehr
schön und wichtig, dass Künstler*innen,
die mit den HORAs länger zusammenarbeiten werden, eine Ausprobier-Woche im
Labor haben und sich die Zeit nehmen, das
HORA mit Ruhe kennenzulernen.
Im September ging es weiter mit
einem Workshop des fabelhaften Schriftstellers, Erzählers und Musikers Michael
Fehr. Wie erzählen wir?, stand dabei als
Frage im Zentrum. Ganz unterschiedlich,
war die Antwort darauf, ganz eigen, jeder
für sich eine Erzählweise.
Der Monat wurde schliesslich mit
einem fulminanten gestalterischen Workshop zum Thema «Selbstporträt» beendet.
Wie sehe ich mich selber? Wie inszeniere
ich mein (eigenes) Alter Ego? Es besuchten
uns dafür der Mode- und Kostümdesigner
Mads Dinesen und die Fotografin Mali
Lazell. Das Ensemble fertigte Masken und
Körperobjekte an und inszenierte diese fotografisch. Die Fotos aus diesem Workshop
sind in diesem Magazin sichtbar. Es war
wirklich ein Fotografie-Fest!
Neben dem vollen Workshop-Programm
führen wir eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Bildenden Künstler Fidel
Morf und dem Leiter der HORA´BAND,
Roli Strobel, weiter. Ebenso wird der Herbst
mit Yoga gefüllt: Sabrina Marforio bietet jeden Montag Yoga an. Und auch die
HORA-Redaktion war wieder in Aktion und
bereitet gemeinsam mit Marcel Bugiel die
zweite Ausgabe des Magazins im Magazin
vor (es befindet sich in der Mitte des Hefts).
Wir haben ganz besonderen Besuch
diesen Herbst im Labor: Die Künstlerin
Mengfan Wang aus Peking ist für drei Monate im HORA zu Besuch, dabei ist sie
wöchentlich ein paar Tage im Labor und
gibt auch einen eigenen Workshop. Wir
freuen uns sehr, dich und deine sehr feine
Art, Kunst zu machen, kennenzulernen,
liebe Mengfan!
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
Ebenso neu im Labor ist unser Praktikant
Sabur Khel! Herzlich willkommen, lieber
Sabur!
Richtung Weihnachten wird es ein
Special im Labor geben: Der Regisseur
Philippe Heule, der schon letzte Spielzeit
im Labor einen grossartigen Workshop
zum Thema Humor gegeben hat, wird seine Arbeit mit dem Ensemble im November fortführen und dabei auf eine ganz
besondere Werkschau hinarbeiten: Am
zweiten und dritten Adventwochenende
wird das HORA-Labor im Jelmoli sein und
das Kaufhaus auf unsere eigene Art und
Weise bespielen und erobern...
Das Jahr wird schliesslich beendet
durch einen Besuch der Otto-Falckenberg
Schauspielstudierenden, angeleitet durch
Nele Jahnke. Und kurz vor Weihnachten
besucht uns die internationale Tanzcompany «Cocoon». Eine neue Begegnung,
auf die wir uns freuen!
Das nächste Jahr wird sicher genauso spannend, da verraten wir die Pläne
aber noch nicht... und freuen uns auf alle
Überraschungen, die kommen.
Passt weiterhin gut auf euch auf, wir
tun es auch! Und freuen uns, dass wir die
Tage gemeinsam und mit so vielen unterschiedlichen Menschen und ihren künstlerischen Inputs verbringen dürfen!
Ganz herzlich,
Euer Labor-Team
HORA’BAND
16
ICH BIN DENISE WICK-ROSS
Hallo, ich bin Denise, Denise Wick Ross. Ich habe 1998 bei HORA angefangen mit Proben für ALL THE WORLD IS A STAGE. Als Kind
habe ich davon geträumt, einmal Krankenschwester, Schauspielerin und Singer-Songwriterin zu werden. Ich wurde dann diplomiert als
Krankenschwester, und das Theater HORA war die zusätzliche Gelegenheit, auch das Andere zu sein. So etwa mit Frank und mir, Lee
Hazelwood, Climax Blues Band, Shocking Blue, und ich habe auch die Sache mit Steve und Canned Heat gehört. Über die Jahre waren
da gute Theaterstücke. 3D ist mir dabei besonders in Erinnerung. Es war eine schöne und grossartige Arbeit, die ganze Zeit über mit
dem Theater HORA und mit Michi. Später kamen noch mehr Musik und die HORA’BAND dazu. Ich bin dankbar dafür, dass ich meine
spirituelle Poesie ausdrücken kann, und auch, dass ich einen Teil dieser Musik aufnehmen konnte. Ich denke, dass die Leute Songs wie
«Indian Summer» und «Honey Bee» wirklich mögen. Ich bin dankbar, dass wir CDs und ein Vinylalbum haben, und dass auch «Honey
Bee» auf einer Schallplatte sein wird. Ich hoffe auf weitere gute Jahre und Veröffentlichungen. Credo: Der Geist des Herzens ist im Fluss.
(Der Text endet mit den Lyrics von Denise Wick Ross Song ‹Carol Bells›, Übersetzung: Roli Strobel)
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
Foto & Maske: Fabienne Villiger, Modell: Simone Gisler, Kostüm & Bild-Inszenierung: Simone Gisler & Fabienne Villiger
INTERVIEW
19
DAS IST DA EINFACH PASSIERT,
WIE EINE OFFENBARUNG!
Matthias Grandjean und seine Mutter Verena Grandjean
über fast 20 Jahre mit Theater HORA und das Schauspielen als Beruf(ung)
Matthias, mich würde mal interessieren, was eigentlich dein Geheimnis
ist. Weil ich finde, du bist einer der besten
Schauspieler, die ich kenne in Zürich. Du
bist immer so wach auf der Bühne, hörst
alles, siehst alles, bist ganz präsent… Wie
machst du das? MATTHIAS GRANDJEAN: Also ich
hen schon wie den A4 Zettel, mir den durchlesen, auch morgens und nachmittags,
auch zu Hause und so, irgendwann kann ich
dann schon ich runterlesen. Und so ein Teil
auswendig kann. YR: Das ist mir auch schon
aufgefallen: Du bereitest dich sehr gut vor.
Wenn wir zu einem bestimmten Thema ein
Stück machen, dann recherchierst du im
Computer, und bringst Sachen mit, oder
Kostüme. Du beschäftigst dich zuhause damit… Verena, bekommst du denn mit, wenn
Matthias sich zuhause vorbereitet auf eine
Rolle? VERENA GRANDJEAN: Nein, das will er nicht.
Das meiste, was mit dem Theater zusammenhängt, ist für uns immer ein Geheimnis.
Wir haben keine Ahnung, was läuft. Nüd.
YANNA RÜGER:
Foto und Maske: Andy Böhni, Modell: Gianni Blumer, Kostüm und Bild-Inszenierung: Andy Böhni, Gianni Blumer, Lucas Maurer
Würdest du denn gerne mehr wissen,
was passiert im Theater? Bist du da neugierig? VG: Ja ja sehr. Und ich frage ihn auch
gerne. Und bohre. Und hier und da kommt
dann mal was… ein Stichwort. Dann muss
ich mir das ein bisschen zusammensetzen. Das ist Puzzlearbeit. Aber oft treff ich
dann gar nicht, was die Wirklichkeit ist. Ich
stell mir dann einfach was vor. YR: Matthias, was hast du eigentlich gemacht, bevor
du ins HORA gekommen bist? Da hast
du doch auch schon gearbeitet wahrscheinlich, oder? MG: Ah das ist ich hen
dem Wettingen schaffe, das ist denn Metall schaffen. Und zugemacht, bohren,
schleifen, einstecken. YR: In einer Metallwerkstatt? Hat das Spass gemacht da? MG:
Also schon. Also den Spass immer Spass
sein. YR: Und wie seid ihr dann Anfang der
2000er Jahre auf das Theater HORA gekommen? VG: Das musst du erzählen! Das
ist doch so lustig! MG: Ah ja! Also ich bin
schaffen… Also T-Shirt zusammenfalten und
YR:
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
so, und dann hat kommt Michael Elber. Dem
Fenster han ich gesehen, also dem Michael
Elber, und ich habe Fenster aufgemacht
und dann Michael gesagt: Kommst du
auch Theater HORA? VG: Aber weisst du
noch, dass der Michael dich fragen gekommen ist, weil sie «La Strada» (gemeint ist
die HORA-Produktion IL SOGNO DELLA VITA von 2004, frei nach Federico
Fellini, Anm. d. Red.) geprobt haben? Da
hat er jemanden gesucht, der Trompete
spielen kann – die kurze Melodie, die in
dem Film vorkommt. Und dann hat sich ein
anderer Schauspieler das Knie verdreht
während einer Aufführung. Und du hast in
die Ratlosigkeit rein gesagt: Ich könnt die
Rolle doch auch übernehmen! Und dann
ist er dabei gewesen. Und ist nicht mehr
weg. YR: Und wieso konntest du Trompete spielen? MG: Also ich hen denn ich dem
Kurs auch gemacht. Also auch Züriwerk.
YR: Und wie war das für dich, Verena? Als
er gesagt hat, er möchte gerne zum Theater? VG: Grosse Überraschung natürlich!
Aber es hat mir gefallen, das ist sehr positiv
gewesen. Das hat natürlich eine Riesentüre
2004 in IL SOGNO DELLA VITA
aufgemacht. Für vieles Neues. YR: Und wie
hast du dann Theater spielen gelernt? MG:
Ich habe nur gelernt mit dem Michael Elber schon gelernt hat. YR: Du hast gelernt,
indem du’s einfach gemacht hast. Gleich
gespielt. Cool. MG.: Ja. YR: Verena, wie hast
du die Entwicklung von Theater HORA seit
Matthias‘ Anfängen dort erlebt? VG: Es ist
20
INTERVIEW / HORA-CHRONIK
irgendwann von einem schönen Theater
ins Experimentieren rein gegangen. Es ist
immer frecher geworden und freizügiger
und weiss nicht was. Also bei Matthias haben wir schon gemerkt, dass er das gern
gemacht hat und sich auch ausleben konnte. Aber trotzdem dachte ich manchmal:
Da muss man aufpassen, dass die Spieler
nicht überfahren werden. Aber gleichzeitig
im Ensemble ist – seit bald 20 Jahren. Alle
anderen von früher sind weg. Wie ist das
für dich? MG: Also das ist der also andern
zu alt, einer geht und hinein, auch weg und
so. Ganz viel ist denn neu eingestiegen. Ich
bin schon älter, bis heute schon, und ich
hen auch zeigen das geht. Also WC, Hilfe,
Hilfbereich, also zeigen wo oder dem Abfall also Eimer zeigen. YR: (lacht) Ja, aber du
zeigst den Jüngeren ja nicht nur, wo das WC
ist und der Abfalleimer, sondern du zeigst
denen ja auch ganz viel auf der Bühne, was
du weisst übers Spielen. MG: Und ich auch
anderes machen bald. YR: Ja, das sagst du
manchmal... Du hörst bald auf, gäll? Warum eigentlich? MG: Das ist dem auch gute
Gefühl haben. Und genau da auch Schauspieler weiter schaffen wird. YR: Verena, du
schüttelst den Kopf… du findest das eine
blöde Idee? VG: Also ich fänds sehr schade,
wenn er aufhören würde, ja. YR: Ich fände es
auch sehr schade. Aber es ist ja dein Leben,
Matthias. MG: Ja das gibts schon. VG: Das ist
doch ein Geschenk, das man nicht in ein
Päckli packen kann: dass er beim HORA
so viel Selbstsicherheit bekommen hat.
Weisch, dass du gemerkt hast, ich kann ja
was! Ich bin gut in etwas, was mein Bruder
nicht kann, oder meine Eltern. Und das gibt
dann richtig Kraft. Also das hat dir sicher
ganz viel… MG: Ja, geholfen! VG: Gäll, an dich
zu glauben. Weil: was wir dir sagen, ist nicht
wichtig. Man muss es selber erfahren.
2. v.r. 2011 in SCHIFF DER TRÄUME
hat es so unvorstellbare Resultate gegeben,
das ist manchmal wunderschön gewesen.
Und so, glaube ich, war es auch sehr schön
für die Schauspieler: die Reisen die sie gemacht haben, die Erfahrungen mit den verschiedenen Regisseuren… YR: An welches
HORA-Stück mit Matthias erinnerst du
dich besonders gerne? VG: Ich glaub fast an
das erste (IL SOGNO DELLA VITA)! Es
hat viele schöne gehabt, aber das ist einfach für uns die grosse Überraschung gewesen. Da haben wir unseren Matthias von
einer völlig neuen Seite kennengelernt. Wir
sind alle sonst in der Designerbranche, alle
eigentlich eher so die Einzelgänger, die ganze Familie. Und alle eher… MG: Zurückzieht.
VG: Ja genau. Und plötzlich steht da unser
Sohn auf der Bühne und lässt raus, was er
kann… Das ist da einfach passiert, wie eine
Offenbarung. So hat er eben auch in der
Familie einen speziellen Part übernommen.
Das ist schön gewesen für die ganze Familie. MG: Bis heute! YR: Da ist dann auch viel
Stolz? VG: Ja. (lacht) YR: Inzwischen bist du,
Matthias, der, der von allen am längsten
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
21
HORACHRONIK
Mai – Oktober 2021
MAI 2021
Rückkehr in den Live- Betrieb nach 6 Monaten ‹Home Office› – im umgebauten
Casino-Saal. ICH BINS FRANK von und
mit Frank aka Julia Häusermann beim Heidelberger Stückemarkt – als Live-Stream
aus den Münchner Kammerspielen. Auch
Tiziana Pagliaro und Remo Beuggert verbringen dort ihre erste Recherchewoche, zu
einer neuen Arbeit, die im April 2022 Premiere haben wird: ICH BRAUCHE DEN
HORROR. UND ANDERE SACHEN.
JUNI 2021
Das Streamen geht weiter: Diesmal wird
Tizianas Klassiker RANDENSAFTHORROR
live aus Zürich nach Leipzig übertragen –
zur Eröffnung des dortigen TURBO-Festivals. Und Julia aka Frank Häusermann
startet zusammen mit Simone Aughterlony
und Nele Jahnke in die Proben zu ihrem gemeinsamen Stück «No Gambling».
JULI 2021
Premiere von «No Gambling» am Theaterformen-Festival in Hannover.
AUGUST 2021
(Vor-)Premiere von PLANET HORA – DER
FILM im Rahmen des Zürcher Theater
Spektakels. Am Ufer des Zürichsees, mit
rotem Teppich, Popcorn, Vollmond und
vielen glücklichen Gesichtern.
SEPTEMBER 2021
Endlich wieder richtig spielen! Und reisen!
Es geht nach Berlin, zur um zwei Jahre verschobenen Wiederaufnahme von TRISTAN
UND ISOLDE! Nach dreieinhalb Stunden
Vorstellung sind alle überwältigt vom rauschenden Applaus.
OKTOBER 2021
Gleich mit drei Stücken ist Theater HORA
im Programm vom Grenzenlos Kultur Festival in Mainz vertreten. Die Proben zu ES
WAR KEINMAL. ODER DAS MÄRCHEN
VON DER NORMALITÄT mit dem Kollektiv Henrike Iglesias beginnen. Und Caitlin
Friedly und Matthias Grandjean starten
mit Leonie Graf die Arbeit am Kinderstück
«Salzige Tränen».
2021 in PLANET HORA – DER FILM
HORA-Magazin Nr. 51, Dezember 2021
FÜR MEHR DIVERSITÄT AUF DER BÜHNE
UNTERSTÜTZE HORA
BECOME A FRIEND
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle Kultur
Kanton Zürich, Förderverein Theater
HORA, HKF Berlin, Kulturpark Zürich-West,
Landis & Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent, Alexis Victor Thalberg Stiftung,
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung,
Stadt Zürich Kultur, Gemeinnützige
Stiftung Symphasis
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein weiterhin ein wichtiger Unterstützer für
die HORA-Projekte sein kann.
Spenden ab 500 CHF
Kedves Stiftung Guetrain, Tägerwilen
Luise Beerli Stiftung
Koproduzierende
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
Gessnerallee Zürich
Ruhrfestspiele Recklinghausen
Theater Neumarkt, Zürich
Theaterspektakel Zürich
ANDREA ACKERMANN
VORSTAND FÖRDERVEREIN
«…WEIL HORA EINFACH
DER HAMMER IST.»
HENRICH KISKER
VORSTAND FÖRDERVEREIN
«…WEIL HORA FÜR DIE THEATERLANDSCHAFT IN ZÜRICH
UNABDINGBAR IST.»
MARK ZUMBÜHL
PRÄSIDENT FÖRDERVEREIN
«… WEIL HORA THEATER
MIT HERZ, KOPF UND VOLLER
WUCHT IST.»
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Yanna Rüger und Marcel Bugiel
Bilder
Sämtliche Farbfotos entstanden im Rahmen
des partizipativen Foto- und MaskenWorkshops von Mali Lazell und Mads
Dinesen. Weitere Infos auf S.9 sowie unter
www.malilazell.com. Andere Bilder: Noha
Badir (S.6), Michael Bause (S.22), Noah
Beeler (S.12), Familie Grandjean (S.19),
Heta Multanen (S.20), Stephan Stock (S.4)
sowie vom Labor-Team (S.15).
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Gestaltung Kampagne Förderverein (S.22)
Sonja Studer, Zürich
ALEX OBERHOLZER
VORSTAND FÖRDERVEREIN
« … WEIL HORA NORMEN UND
KONVENTIONEN SPRENGT: TRASHIG,
SINNLICH, CHAOTISCH, WITZIG;
IMMER ABER INNOVATIV, ERHELLEND
UND AUSSERGEWÖHNLICH.»
MONIKA MICHEL
VORSTAND FÖRDERVEREIN
«… WEIL HORA FÜR MICH
MATERIALISIERTER, INTERGALAKTISCHER
STERNENSTAUB IM UNIVERSUM
DES UNMÖGLICHEN IST.»
CURDIN CASUTT
GESAMTLEITER THEATER HORA
«… WEIL WIR DEN THEATERBEGRIFF ERWEITERN UND UNS MIT
KREATIVITÄT, SPIELFREUDE UND
AUTHENTIZITÄT FÜR MEHR TEILHABE
EINSETZEN.»
RDEN
GLIED WESETZEN
IT
M
T
Z
T
E
ZEICHEN
ORA — J
IN
EREIN H
LTURELL E
FÖRDERV CH, SOZIAL UND KU
TIS
UND POLI
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
Versandfolie
Besteht zu mindestens 50% aus nachwachsendem Rohstoff und zu einem
weiteren Anteil aus recyceltem Polyethylen.
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
AKTUELL IM HORA-REPERTOIRE
DIE
NÄCHSTEN
PREMIEREN
11. Dezember 2021, Theaterhaus
Gessnerallee:
ES WAR KEINMAL ODER DAS
MÄRCHEN VON DER NORMALITÄT
Eine Relaxed Performance von und mit
Henrike Iglesias und Theater HORA
22. März 2022, Fabriktheater Rote Fabrik:
EMERGENCY ROOM ODER DAS
KRANKE HAUS (AT, 2022)
Ein Stück von und mit vorschlag:hammer
und Theater HORA
10. Mai 2022, Münchner Kammerspiele:
ICH BRAUCHE DEN HORROR.
UND ANDERE SACHEN (2022)
Ein Splattertanz in Live-Regie
von Tiziana Pagliaro
WEITERHIN
IM SPIELPLAN
GASTENGAGEMENTS
VON HORASCHAUSPIELER*
INNEN
Julia Häusermann in «No Gambling» (2021)
von und mit Simone Aughterlony,
Julia Häusermann und Nele Jahnke
Caitlin Friedly und Matthias Grandjean
in Leonie Grafs Tanzstück «Salzige Tränen»
(2021) für alle ab 4 Jahre
Noha Badir im Residenzprogramm
«Ich kann mir alles vorstellen»
(kuratiert von Leonie Graf) Anfang 2022
im Theater an der Parkaue Berlin
Simone Gisler in «Über Wunden» von
Infinite Cooperation im Fabriktheater Rote
Fabrik Zürich, Ende Februar 2022
PLANET HORA – DER FILM (2021)
Eine Space-Odyssee in die Tiefen des
Universums der Arbeit (Regie: Yanna Rüger,
Stephan Stock, Heta Multanen)
ICH BIN‘S FRANK (2020)
Ein Projekt an den Münchner Kammerspielen
von und mit Julia Häusermann
(Regie: Nele Jahnke)
EGOTOPIA (2018)
Selbsterklärte und geborene König*innen
(Regie: Nele Jahnke)
Aktuelle Spieltermine unter www.hora.ch
oder QR-Code nutzen
KONTAKTKILLER (2018)
Ein Filmremake – live gespielt und abgefilmt
(Regie und Kamera: Remo Beuggert)
RANDEN SAFT HORROR (2016)
Aktionskunst reloaded
unter der Live-Regie von Tiziana Pagliaro
DIE LUST AM SCHEITERN (2000)
Nullimprovisation
(Konzept: Beat Fäh und Michael Elber)
TItelbild von Caitlin Friedly (Kostüm, Bild-Inszenierung
und Modell), Frank (Maske) und Mali Lazell (Foto)
-
06/2021 – HORA Magazin Nr. 50
NR.
, JUNI 2021
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe HORA-Freund*innen,
nach diversen Geburtstagsausgaben
ist es diesmal nicht HORA, sondern das
Magazin selbst, das Jubiläum feiert! Ziemlich genau 25 Jahre ist es her, dass die erste
Nummer erschien – damals, 1996, noch
unter dem Namen «Zauberflöte». Seitdem
hat das Magazin, HORAtypisch, etliche
Metamorphosen durchgemacht, hat wiederholt nicht nur sein Layout, sondern sogar den Namen geändert.
4–5
«PLANET HORA IST FÜR MICH,
DASS ICH LEBE, MEIN LEBEN
GENIESSE»
Über Theater HORAs ersten Spielfim
6
HORA-MANIFEST
9
MONSTER MÖGEN
Über Simone Gislers Liebe zum Horror
10
«DIE GEILSTE PARTY DES
JAHRTAUSENDS»
Roli Strobel über den Dreh der Schlussszene von PLANET HORA
11–14
EIN MAGAZIN IM MAGAZIN
… geschrieben und gelayoutet von sechs
HORA-Schauspieler*innen. Thema
der ersten Ausgabe: «Herumreisen»
JUNI 2021
15
«ICH GLAUBE AUF IHN»
Ein kleiner Bericht über Kollegialität und
Zusammenarbeit
NR. 50,
16
LOGBUCH LABOR (II)
19–20
SCHREIBWERKSTATT, CHAT VOM
1. DEZEMBER
21
VERMISCHTES
Ehrengästeliste
HORA-Chronik November 2020 –
April 2021
22
THEATER HORA BRAUCHT IHRE
UNTERSTÜTZUNG
23
ZUM SCHLUSS
24
WIEDERHOLUNG
Auch in dieser 50sten Ausgabe präsentieren wir wieder stolz eine Neuerung: Ein
Magazin im Magazin, das acht HORASchauspieler*innen nicht nur eigenständig konzipiert, geschrieben und bebildert,
sondern auch selbst gelayoutet haben
– in dieser ersten Ausgabe zum sehnsuchtsvollen Thema «Herumreisen». Wen
wundert’s, nach einem geschlagenen halben Jahr im pandemiebedingten «Home
Office»… Besonders danken aber möchten
wir den Grafiker*innen Liliane Boltshauser
(Nr.1–14), Martin Stillhart, (Nr.15–36) und
Susanne Häne-Burri (seit Nr.37) wie auch
allen anderen, die in den vergangenen
25 Jahren zu unserem Magazin beigetragen haben! Und wünschen Ihnen, liebe
Leser*innen, viel Spass bei der Lektüre dieser Jubiläumsausgabe,
Curdin Casutt, Gesamtleiter Theater HORA
PLANET HORA
4
«PLANET HORA IST FÜR MICH, DASS ICH
LEBE, MEIN LEBEN GENIESSE»
Die Ensemblemitglieder über die Entstehung von PLANET HORA, Theater HORAs ersten Spielfilm – ein Science Fiction
Ein neuer Meilenstein in der HORA-Geschichte: Mit PLANET HORA hat das
Theater jetzt auch seinen ersten eigenen
Spielfilm gedreht. Regie führten Yanna Rüger und Stephan Stock, die künstlerischen
Leiter*innen des Ensembles, zusammen mit
der Filmerin Heta Multanen. Wie ist der Film
geworden? Tiziana Pagliaro: «Planet ist ein
brutaler Film. Wo viel Blut ist.» Und Nikolai
Gralak ergänzt: «Witzig und interessant. Es
hat Spannung, yeah! Und viel Witz.»
Die Dreharbeiten haben die Schauspieler*innen als «sehr lustig» (Andy Böhni),
aber auch als durchaus anspruchvoll
wahrgenommen. Matthias Grandjean erinnert diesbezüglich an das Grundhandwerk des Filmschauspielens: «Hör zu und
auch henn auch Geduld haben und warten.» Gianni Blumer: «Wir mussten viel war-
ten und es war anstrengend für uns. Aber
wir sind Profis und wir haben es durchgezogen. Ein paar haben Text zum Auswendiglernen bekommen, und andere haben
improvisiert. Wir haben es wirklich sehr professionell und grossartig gemacht. Und ich
bin der Einzige, der mit der Querflöte darf
spielen, Ave Maria.»
Als erstes eigenes HORA-Projekt der
neuen künstlerischen Leitung ist PLANET
HORA zugleich eine (durchaus autobiografisch geprägte) Suche nach weniger dystopischen künstlerischen Arbeitsbedingungen am Theater, eine einzige grosse Liebeserklärung ans HORA, filmisches Manifest
und «Science Fashion» (Robin Gilly). Remo
Beuggert: «Zwei Menschen (Yanna und Stephan) wollen nicht mehr auf der Erde leben
und gehen ins Reisebüro, weil sie gucken
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
5
wollen, wo sie am liebsten wohnen wollen. Dann gehen sie von Planet zu Planet.
Und die letzte Station ist eben der HORAPlanet. Und dort gefällt es ihnen am besten. Dort wollen sie bleiben.» Was ist dieser Planet HORA? Robin Gilly erklärt es
so: «Die HORAs haben einen eigenen
Planet zum Schaffen. Dass sie es selbst
kann entwickeln. Das heißt: Sie haben eine
Fahne, und darauf steht ‹HORAs Planet›.
Da siehst du nur die HORAs. Also alle Leute von hier. Und die winken die ganze Zeit.»
Fabienne Villiger: «Planet HORA ist für
mich, dass ich lebe, mein Leben geniesse.»
Remo Beuggert: «Die Aussendrehs waren sehr speziell, das hat mir am besten
gefallen. Es waren spezielle Orte, an denen ich noch nie war – Umgebungen, in
denen ich mich noch nie bewegt habe.»
Matthias Brücker gibt Beispiele: «Roboter
auf Fabrik Planeten sind in die Kiesgrube
gekehrt. Und immer Alien haben wir in der
Baslerstrasse gedreht, in dem Keller. Wir
haben noch Zeit-Planeten gedreht in
Friedhof. Und in Marsbar.»
Als sehr besonders in Erinnerung geblieben sind auch die Kostüme. Simone
Gisler findet: «Sabrina und Sophie haben ganz tolle Kostüme gemacht, man
muss ihnen danke sagen! Ich danke für die
schöne Zeit und dem ganzen Teams.»
Lieblingsszenen gab es etliche. Nikolai
Gralak: «Auf dem Planet, wo Remo und ich
arbeiten, da müssen wir immer arbeiten.
Und das für nur 300 Credits (damit ist die
Währung gemeint – wie bei uns die Schweizer Franken) – im Jahr, nicht am Tag. Meine
Figur, die regt sich darüber auf und will eine
Revolution starten. Darum der Name: Ringo
the Revolutioner. Yeah!» Gianni Blumer:
«Wir sind dann mit den Monster-Aliens in
den Keller gegangen und es gab Schleim
und plötzlich kommt so ein Mensch hervor
wie neu geboren. Und dann kommt das Telefon und der Tanz, der Chagga Chagga.»
Simone Gisler: «Ich bin das Orakel gsi.
Und die Ente im Raumschiff. Ich hab es
auch super toll gemacht mit dem gelben
Schleim, mein Kostüm ist pitschnass gewesen – es hat sich speziell angefühlt.»
Robin Gilly: «Dass ich die Schlagermeditation mit einem Mikrofon machen konnte, habe ich sehr gerne gemacht. Und das
beste Text war: ‹Homini oeconomici› – das
hat mir am meisten gefallen. Und auch das
Büro-Planet mit dem Herrn Löffel und dem
Chef Gipfeli. Mir hat alles gefallen.»
Premiere ist im Spätsommer «in einem
schönen Kinoabend» (Robin Gilly) am Ufer
des Zürisees. Matthias Grandjean: «Also
wichtigste Schlussszene mit dem Ende ist
dem August, dem alle Leute zeigen am
Theaterspektakel. Und dem Ende ist heiraten.» Fiktion oder real gelebte Utopie? Auf
dem PLANET HORA ist alles möglich…
Premiere am 21. August am Theaterspektakel Zürich
(2. Vorstellung am 22.08., dann online vom 23.08.–5.09.).
Karten und Streaming über www.theaterspektakel.ch.
DANKE ANS FILMTEAM!
Danke Heta Multanen für die fantastischen Bilder, danke Thomas Jeker für
Ton, Klang und die Musik, danke Thomas
Giger und Charlotte Martin für Räume
und Raumschiffe, danke Sophie Reeble
und Sabrina Bosshard für die coolsten
Kostüme, danke Anna Fierz für die beste
Orga aller Zeiten, danke Ralf Fiedler für
kluge Gedanken und die richtigen Worte,
danke Christian Eckstein für das Licht im
Dunklen und den Transport von schweren
Dingen, danke Lara Hausherr für helfende
Hände überall, danke Fiona Schmid für
Begleitung und Beistand, danke Adrian
Mai für die Rückendeckung aus dem
Office, danke Magdalena Neuhaus und
Noah Beeler für so viel Einsatz von Herz
und Verstand und für Spiel und Spass am
Nachmittag. DANKE! DANKE! DANKE!
Yanna und Stephan
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
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Filmstill aus PLANET HORA
PLANET HORA
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
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PLANET HORA
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MONSTER MÖGEN
Filmstill aus PLANET HORA
Über Simone Gislers Liebe zum Horror
Im Theater HORA gibt es solche und solche Schauspieler*innen. Es gibt die, denen bei Blut und Grusel schlecht wird, die
nicht schlafen können nach einer Szene
aus «Alien», die nichts wissen wollen vom
Schrecken im Dunkeln. Und es gibt die,
die Monster mögen. Denen nichts zu brutal, zu grausam sein kann. Zum Beispiel
Simone Gisler. Simone liebt den Horror.
Sie schreckt wirklich vor nichts zurück. Bei
den Dreharbeiten von PLANET HORA ist
sie durch dunkle, mit Spinnweben behangene Gänge gekrochen, hat sich in Schleim
und Blut in alten Heizungstanks gesuhlt,
ohne mit der Wimper zu zucken, und schrie
und kreischte dabei, bis sie keine Stimme
mehr hatte. Selten habe ich so einen körperlichen und geistigen Einsatz gesehen
wie bei Simone in ihrer Rolle als Tentakelmonster in unserem Film. Es scheint ihr eine
grosse Lust zu machen, diese Dinge zu sehen und zu verkörpern. Auch in ihren Texten schreibt sie oft über Wunden, Monster,
Vampire und Blut. Aber immer gepaart
mit Diamanten, Feen, Glitzer und anderem Schönen. Ich glaube, darin liegt der
Zauber. In dieser Umdeutung des Wilden.
Als ich ein Kind war, hatte ich schrecklich grausame Alpträume. So schlimm,
dass ich mich weigerte, überhaupt zu
schlafen. Ich hatte auch vor allem möglichen Angst: vor der Dunkelheit, vor dem
Alleinsein, vor Höhe, vor vielen Menschen.
Irgendwann beschloss ich, diese Ängste
zu vertreiben. Und dafür tauschte ich alle
Backstreet-Boys-Plakate gegen die Fotos aus «Alien» von H.R. Giger aus dem
Zimmer meines Bruders. Ich umgab mich
mit Monstern und Texten über Massen-
mörder und Spukereignisse. Die ersten
Nächte waren wirklich schlimm. Aber mit
der Zeit verloren all die Bilder an Schrecken und auch meine Ängste im Alltag
besserten sich oder verschwanden ganz.
Im Gespräch erzählt Simone mir, dass
sie sich schon fürchtet. Aber sobald sie
selbst das Monster spielen kann eben nicht
mehr. Sie macht sich die übernatürlichen
Kräfte des Monsters zu eigen und wächst
über sich hinaus. Und sie sagt auch, dass es
natürlich nur funktioniert, weil die Monster
nicht echt sind. So wie der Horrorfilm nur
Spass macht, weil er irgendwann aufhört
und man versteht, dass es nur ein Film war.
Heute weiss ich, dass es in der Verhaltenstherapie bei Angststörungen Konfrontationstherapie gibt. Und dass das meistens
richtig gut hilft. Monster bekämpft man
am besten mit Monstern. Der Trick ist nur,
sie sich vertraut zu machen. Dann werden
sie zu Verbündeten. Mit ihrer ganzen Kraft.
Yanna Rüger
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
PLANET HORA
10
DIE GEILSTE PARTY DES JAHRTAUSENDS
Roli Strobel über den Dreh der Schlussszene von PLANET HORA, die gleichzeitig
Film-Fiktion war und eine echte, fünfstündige Feier
Es hatte sich bereits im
Vorfeld herumgesprochen: die besten Parties
feiern wir mit den Schauspieler*innen des Theater
HORA. Denn die HORAs
sind Meister*innen der
Zelebration! Alles wird
zelebriert, ist euch hoffentlich auch schon aufgefallen. Auch
das Bereitlegen eines Sandwichs ist eine
Handlung mit fast schon sakralem Hinterund natürlich Vordergrund. Wir können
uns nicht sattsehen, was da abgeht. Also
feiern kann die Truppe! Mit und manchmal auch ohne Grund.
Aber neulich hatten wir einen Grund.
Wir wurden sogar offiziell dazu aufgefordert. Von der Filmcrew des Films mit dem
speziellen Namen PLANET HORA. Das
war natürlich gleich ein Grund zum Feiern.
Zumal ja in dem Drehbuch stand, dass es
eine Feier sein sollte.
Die Ankunft unserer geschätzten neuen künstlerischen Leitung in Begleitung von
Caitlin, Fredi und Andy hat uns natürlich
mega gefreut. Sogar Gott (nach einem
kurzen Ohnmachtsanfall) ist im Körper von
Lucas aufgetaucht, nur um diese Fremdlinge auf der Erde willkommen zu heissen.
Auch wenn wir die Handlung von dem Film
(wo ist überhaupt das Drehbuch?) nicht
wirklich klar verstehen konnten: Die Feier
konnte endlich beginnen. Mit Disco (Sound
DJ Coverix), Rauchschwaden, entblössten
Seelen und tanzenden, vibrierenden Körpern. Auch war da im Hintergrund ein Cop,
so ein total cooler Typ mit entblösstem
Oberkörper, um für Ruhe
und Aufregung zu sorgen. Das ist mir extrem
eingefahren. Auch diese seltsamen ausserirdischen Wesen in ihren
abgefahrenen Kostümen.
Wir wussten nie, ob wir
es mit einem von uns
oder einem dieser Ausserirdischen zu tun
hatten. Das war ausgezeichnet, was da
abging! Eine Party, ein Rausch mit Tänzen,
Sirupcocktails, Hupen und wilden Schreien.
Auch eine Frau mit einer richtigen Kamera
war da. Da war sie endlich, die Party auf
die wir so lange haben warten müssen. Mit
unseren geliebten HORAS, nach pandemischer, schmerzhafter, schier endloser
Pause nun endlich glücklich inmitten galaktischer Freude und Freunde. Umgeben vom
gelähmten, stillen Leben einer fast toten
Stadt. Vamos, amigos!
Roli Strobel ist Bandleader der HORA’BAND, die zu
PLANET HORA den Soundtrack beigesteuert und auch
mitgespielt hat.
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
Neu ab dieser Ausgabe des HORA-Magazins: Ein Magazin im Magazin, entstanden in Alleinregie der HORA-Schauspieler*innen. Die Redaktion – bestehend aus Remo Beuggert, Gianni Blumer,
Matthias Brücker, Andy Böhni, Caitlin
Friedly, Frank, Nikolai Gralak, Serafin
Michel und Tiziana Pagliaro – hat dafür
selbst das Thema bestimmt (in dieser
ersten Ausgabe: «Herumreisen»), Texte
geschrieben, Grafiken und Bilder erstellt
und schliesslich auch noch das Layout
übernommen.
ZUSAMMENARBEIT
15
«ICH GLAUBE AUF IHN»
Ein kleiner Bericht über Kollegialität und Zusammenarbeit, von Stephan Stock aus dem Zug nach München,
im Gespräch mit den HORA-Ensemblemitgliedern Tiziana Paligaro und Remo Beuggert
Wir sitzen zu dritt im Zug nach München
auf dem Weg in die Kammerspiele: Tiziana,
Remo und ich, Stephan. Es geht um Tizianas
grosses Regieprojekt dort nächstes Jahr.
Remo ist dabei, weil er Musik machen wird,
und ich begleite die beiden. Wir fahren durch
wunderschöne Alpenlandschaften, reden
über München, die Aufgaben einer Regisseurin und Kollegialität. Denn Tizianas erste
Entscheidung von so vielen, die sie bei dieser
Regiearbeit wird treffen müssen, war: Remo
muss dabei sein! «Ich brauche ihn einfach»,
sagt Tiziana auf meine Frage, warum es so
wichtig ist, dass er dabei ist. «Ohne ihn geht
es nicht». Das interessiert mich.
In meiner Zeit als künstlerischer CoLeiter des Theater HORA ist mir besonders
stark die Verbundenheit innerhalb des Ensembles aufgefallen. Diese besondere Mischung aus Freundschaft, Professionalität,
Erfahrung, gemeinsamer Geschichte, Konkurrenz, Liebe und Eifersucht. Menschen,
die sich jetzt zum Teil schon seit mehr als
15 Jahren fast täglich sehen. Sich miteinander auseinandersetzen, diskutieren,
sich freuen, streiten, trauern und lachen.
In diesem Ensemble hat Tiziana das Regieführen für sich entdeckt und entwickelt,
mit ihren Kolleg*innen, ihren langjährigen
Begleiter*innen. Jetzt fährt sie nach München zu einem ganz anderen Ensemble,
einer anderen Gemeinschaft mit anderer
Geschichte. Aber nicht ohne Remo!
Remo hat schon bei Tizianas erstem
grossen Regieprojekt RANDEN SAFT HORROR die Musik gemacht. Das Ganze entstand eher zufällig. Remo sass an seinem
Laptop und hat für den HORA-Blog ge-
schrieben. Und Tiziana war gerade mitten
im Inszenieren und hat Remo zugerufen:
«Remo, kannst du Horrorfilm-Musik machen?» Remo hat dann auf YouTube den
Soundtrack von «Der weisse Hai» angemacht, und der Rest ist HORA-Geschichte.
Die Zusammenarbeit war wichtig und hat
Sicherheit gegeben. «Ich glaube auf ihn».
Auf mein Nachfragen, wie sie gemeinsam arbeiten, sagt Remo: «Ich versuche,
mich nicht reinzumixen. Ich will, dass es ihr
Stück ist und nicht meins. Aber beim Musikmachen, da lässt sie mir freie Hand.» Tiziana hat Vertrauen in Remo. «Er kennt meine
Arbeit, er weiss, was ein Horrorfilm ist und er
hat ein Talent als DJ.» Kollaboration auf Augenhöhe mit Respekt vor der Position, die
der oder die andere im Probenprozess hat.
Das ist auch manchmal herausfordernd,
klappt auch mal nicht, kann anstrengend
sein. Remo sagt: «Manchmal ist es herausfordernd für mich, weil es oft sehr lange
braucht, bis ich Tiziana erklären kann, was
ichmeine und sie mich versteht. Aber das
ist okay.» Kommunikation ist schwierig, anstrengend, aber wichtig zwischen den verschiedenen Menschen, die zusammen ein
Theaterstück machen.
Auf meine Frage, ob Tiziana das Angebot, an den Münchner Kammerspielen
Regie zu führen, auch ein bisschen nervös macht, sagt sie: «Ja, aber wenn man
mit neuen Leuten zusammenarbeitet, die
man nicht kennt, muss man einfach fragen.» Ja, einfach fragen, kommunizieren,
sich respektieren und den anderen Freiheiten lassen. Herausfordernd und schön.
Wir freuen uns auf München!
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
LABOR
16
LOGBUCH LABOR (II)
statt wie die Erfindung von neuen. Wir
beschäftigten uns auch mit Körperbildern,
Musikvideos, Werbung und der Frage,
was eigentlich «Schönheit» bedeutet. Die
Werkschau am Ende war ein grosser Erfolg und konnte, da sie auch auf Zoom
stattfand, von vielen Menschen in unterschiedlichen Städten und Ländern besucht werden. Mit Nele Jahnke zusammen
kamen im Februar Schauspielstudierende
der Otto-Falckenberg-Schule München
zu einem Online-Workshop, bei dem die
HORAs mit den Studierenden gearbeitet,
improvisiert und sich ausgetauscht haben.
Ein wunderbarer Auftakt einer langfristig
geplanten Zusammenarbeit. Ende Januar
waren Noha Badir und Matthias Brücker
auf Zoom Teil des von Nele Jahnke und
Saša Asentić kuratierten «Workshop 1: Bei.
Spiele» an den Münchner Kammerspielen.
Hier leiteten sie einen Tag lang einen SpielWorkshop mit Schauspieler*innen des dortigen Ensembles, ausgehend von Lasse Hallströms Film «Casanova» mit Heath Ledger.
Ende Februar ging das Labor in eine
grosse Pause, da das komplette Ensemble
beim Film PLANET HORA mitmachte und
dort intensiv gebraucht wurde. Inzwischen
kam langsam der Frühling, die CoronaZahlen nahmen eine vorsichtige positive
Wende, vor allem aber wurde fast das gesamte Ensemble geimpft, sodass wir zum
Frühlingsstart im Labor entschieden, wieder live zusammen zu arbeiten. Nicht nur
das war Anfang Mai aufregend, sondern
auch der Ort, an dem wir uns trafen: der
frisch renovierte Casinosaal! Mit einiger
Verspätung zwar und noch nicht ganz
abgeschlossenen Bauarbeiten, aber in
frischem Glanz erwartete uns der Saal als
LABOR-Homebase.
Auch ein Teil vom Team ist seit dem
Frühling neu, und gerne möchten wir sie
euch hier vorstellen: Noah Beeler, unser
neuer Zivi, bleibt bis November im HORA
— juhei! Noah ist gelernter Hochbauzeichner, möchte sich aber in Richtung Theater
oder Theaterpädagogik umorientieren.
Magdalena Neuhaus ist bis zum Sommer
als Praktikantin im Labor. Die Schauspielerin mit viel Praxiserfahrung bringt
einen klaren und ruhigen Blick ins Team.
Wir freuen uns sehr über die Unterstützung der beiden im Team! Eine weitere
schöne Neuigkeit ist Anna Fierz, die seit
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
Mai eine feste Agogik-Stelle im Labor
hat. Wir freuen uns sehr, Anna jetzt fest
im HORA wissen zu dürfen. Sie ist dem
HORA lange schon verbunden und hat
zuletzt die Regieassistenz bei PLANET
HORA gemacht. Sie wird parallel zu ihrer
Stelle auch weiterhin mit Simone Burckhardt die Schulworkshops des Labors
vorbereiten und ab Herbst durchführen.
So viele Neuigkeiten und gute Dinge, die
passieren. Nun ist es erst Mai, soeben
wurde eine HORA-Magazin-Redaktion
des Ensembles gegründet und vieles steht
uns noch bevor: Nele Jahnke kommt wieder und erarbeitet eine Werkschau im
Debattierhaus «Karl der Grosse» zum
Thema «Wut». Im Juni haben wir einen
Monat lang eine Kooperation mit dem
Theater Neumarkt. Es wird Workshops
mit Erik Altorfer, Teresa Vittucci und vielen
Filmstill aus PLANET HORA
Während Sie dieses Magazin in der Hand
halten, neigt sich im neuen Labor-Betrieb
die erste und sehr besondere Spielzeit ihrem Ende zu. Bevor es soweit ist, schauen
wir noch einmal zurück auf die zweite Hälfte dieser besonderen Spielzeit, die trotz
und mit Corona und Homeoffice produktiv
und gemeinsam gemeistert wurde.
Das neue Jahr 2021 haben wir jede*r
bei sich zuhause begonnen, wo uns —
zum grossen Glück! — alle eingeladenen
Künstler*innen online besucht haben und
mit uns über Zoom Workshops gemacht
haben.
Ein grosses Highlight dieser Spielzeit war der dreiwöchige Zoom-Workshop
der Performancegruppe «Henrike Iglesias»
aus Berlin. Ihre Interessen und Themen
liegen im Populären, Persönlichen und
Politischen. Sie haben es sich dabei «zur
Aufgabe gemacht, diese Themen aus explizit feministischen Perspektiven zu beleuchten», schreiben sie auf ihrer Homepage. Als Vorbereitung zu ihrem grossen
Projekt mit Theater HORA im Winter 2021
haben Anna Fries, Marielle Schavan,
Sophia Schroth, Eva G. Alonso und Malu
Peeters im Labor mit dem HORA-Ensemble das Thema «Märchen» untersucht.
Eine spannende Befragung von bekannten Märchen fand dabei ebenso
Mitarbeiter*innen des Theater Neumarkt
geben. Wir freuen uns und hoffen, dass es
trotz und mit hohen Schutzmassnahmen
zu schönen Begegnungen und einem interessanten Austausch kommt. Roli Strobel
wird einen Musik-Workshop geben und wir
haben auch Plakate gemacht, die ab Juli
überall in Zürich zu sehen sein werden…
Haltet also die Augen und Ohren
offen, in der Stadt oder wenn ihr am
Casinosaal vorbei spaziert: werft einen
Blick durch die Fensterscheiben, es gibt
immer etwas zu sehen.
Bis dann, alles Gute, bleibt gesund
Ivna & Amadea und das Labor-Team
Robin Gilly als Superheld
LABOR
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SCHREIBWERKSTATT,
CHAT VOM 1. DEZEMBER
Mit Erik Altorfer (EA), Andy Böni (AB), Matthias Brücker (MB), Caitlin Friedly (CF), Matthias Grandjean (MG),
Nikolai Gralak (NG), Lucas Maurer (LM), Simon Stuber (SS), Ariana Sardinakis (AS), Fiona Schmid (FS),
Fredi The Bruce Lee Senn (FTBLS) und Fabienne Villiger (FV).
the christmas chronicles 1 und 2
ist ein Film über Weihnachten 10:48:08, EA an LM
(privat): Lieber Lucas 10:48:23: Du hast einmal
ein schönes Gedicht geschrieben 10:48:29:
Hast du es noch? 10:49:03, EA an FTBLS (privat):
Lieber Fredi – das war richtig super, was
du geschrieben hast! 10:49:17: Du hast der
Geschichte eine coole Wendung gegeben.
10:49:27: Gratuliere! Gut gemacht. 10:50:57, EA an
LM (privat): Es beginnt so: 10:51:12 deine welt ist
schön 10:53:20, FS an EA (privat): weisst du schon
mit wem du sprechen willst heute? 10:53:42:
um 11.50 wieder? 10:53:57, EA an FS (privat): noch
nicht … viele Kandidat*innen – was denkst
du? 10:54:21, CF (über iPhone): bin raus geflogen
10:55:12, FS an EA (privat): ja viele Kandidat*innen,
kannst es auch aus dem Bauch raus entscheiden. 10:55:32, EA an FS (privat): ok 11:04:24, EA:
deine welt ist schön 11:05:13, EA: deine Musik
ist 11:05:28, EA: wichtig 11:05:43, EA: deine Traurigkeit ist gut 11:08:12, EA: deine XXXX ist XXX
11:09:00, CF (über iPhone): deine liebe Ist schön
11:10:38, AS: deine Toilette ist sauber 11:10:38,
EA: dein Gedanke ist schwer 11:10:52, MB: und
wunderschön 11:10:58, CF (über iPhone): deine
hand ist warm 11:11:05, EA: dein Geschenk
ist schwer 11:11:27, CF (über iPhone): dein lächeln
ist wunderschön 11:11:53, NG: dein herz ist
gross 11:11:57, MB: für immer und fien 11:12:03,
EA: dein Blut ist kalt 11:12:12, FV: Ich mag gerne Schnee 11:12:20, MB: mega grosss 11:12:28, EA:
dein Schnee ist weiss 11:12:35, AS: Deine Nase
ist krumm 11:12:48, FS: deine Traum ist wolkig
(…) AS: Dein Lächeln ist entzückend 11:23:20,
CF (über iPhone): dein Lachen ist ansteckend
11:23:20, FV: Ich habe mega freue 11:24:13, NG:
Filmstill aus PLANET HORA
10:39:41, LM:
dein lachen ist ansteckend 11:24:22, FS: Leben
ist Freud Weihnachten ist lieben Tannenbaum auf Kerzenmusik 11:24:33, MB: erzckent
anstecken 11:24:43, SS: dein gesicht ist so
wunder schön dein augen leuchten wie die
sternen am Himmel 11:25:05, FTBLS: Du hast
Durst nach Blut 11:25:43, MB: himmel blut herz
11:25:55, FS: Dein Herz ist gebrochen 11:26:02, EA:
dein Blut ist durstig 11:26:08, EA: dein Durst
ist blutig 11:26:09, FV: Ich war in den dunkel
in habe ich Stern gesehen 11:26:11, MB: für
immer 11:26:39, AS: Dein Stern ist hell 11:26:44,
FV: Für ewihkeit 11:26:47, FS: dein Blut ist blau
11:26:54, EA: dein Stern ist dunkel 11:27:07, FV: Für
ewigkeit 11:27:09, EA: deine Dunkelheit ist sternenklar 11:27:12, MB: ich setrn mit ganz vill blut
11:27:30, FTBLS: Ich habe immer durst nach Blut
ich bin Blut rünstig 11:28:08, AS: Dein Planet ist
eckig 11:28:13, FS: ich Stern mit ganz viel Blut
11:28:52, FV: Ich habe en Schnee mann 11:29:07,
FS: dein Mann ist aus Schnee 11:29:15, MB: blut
ist mien tranck 11:29:42, LM: zum Liebe muss
man warten Langsam weil Frauen braucht
Zeit zum Schmetterling im Bauch haben
ist sehr wichtig für Frauen Schmetterlinge im Bauch und Gefühle zu haben Liebe
Grüsse von Lucas 11:29:44, FS: dein Schnee ist
Mann 11:29:52, CF (über iPhone): dein blut ist warm
11:30:48, SS: durch dein liebe fühle ich mich
wie neu geboren 11:30:49, MB: mann stirbt vol
blut 11:30:52, FTBLS: Ich habe alles gerne mit
blut Blut , blutwürst, blutiges fleisch. 11:30:58,
AS: Dein Popel ist gelb 11:31:28, MB: menschen
blut 11:31:51, CF (über iPhone): Blut ist rot 11:31:55,
MB: poel obel 11:32:21, FS: dein Leben ist eine
Lüge 11:32:23, FTBLS: Ja menschen Blut ich bin
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
20
ein Vampier 11:32:40, SS: deine liebe gibt mir
sicher heit und kraft 11:32:57, EA: dein Vampir ist lichtscheu 11:33:11, LM: das stimmt nicht
Fiona 11:33:26, MB: ich fressen menschen
flisch 11:33:33, CF (über iPhone): und dein vampir
mag kein Knoblauch 11:33:40, AS: Deine Milch
ist ranzig 11:33:46, FS: Freud Stern Abend ist
morgen schneeweiss Wald liebe Frau ist
schön 11:34:53, MB: schwess und blut 11:35:45,
MB: morgen rot 11:35:55, AS: Dein Schweiss ist
lecker 11:36:00, CF (über iPhone): eclipse 11:36:05, EA:
dein Atem ist blumig 11:36:16, FTBLS: Ich lebe in
der Dunkelheit zum Schutz vor der Sonne
ich komme erst in der Nacht hervor und
gehe auf die jagt nach menscheen Blut
11:37:36, FS: Freud Stern Abend ist morgen
schneeweiss Wald liebe Frau ist schön
11:37:37, MB: soonne bult und Stern löckten
11:38:05, CF (über iPhone): leuchten 11:38:32, FS: Sonne, Blut und Stern leuchten 11:39:18, MB: hell
eist hölle 11:39:22, CF (über iPhone): dein Blut ist
berauschend 11:39:58, SS: durch deine lieb
fühle ich mich wie neu geboren du gibst mir
halt ich fühle mich zu hause bei dir 11:40:10,
MB: dien blut ist gut 11:40:14, FV: Die sonne ist
schon 11:40:32, FTBLS: eins lebte ich in Romänien
jetzt wohne ich auf jeden Friedhof als
Vampier 11:41:24, FV: Ich habe eine Schnee
sonne 11:41:46, AS: Hexenhaus 11:41:57, CF (über
iPhone): wenn blicken töten können 11:42:28, SS:
du bist mein engel auf erde 11:42:29, MB: die
sonne wohne ich friedof raben 11:43:02, MB:
engel in hölle 11:43:17, FS: liebe Frau ist schön.
Mann und Frau morgen Liebe uns Leben
Frau ist. 11:43:20, FV: Ich bin dä Heime alleine
ich bin zu frieden 11:43:27, FS: mir 11:43:31, FTBLS:
Es schaurig grussige Naacht ich euch eine
blutige Nacht Ha haha 11:43:37, NG: auf dem
Friedhof gibt es zombies 11:44:03, AS: Dein
Zombie ist tot 11:44:06, SS: ich kann nicht one
dich sterben 11:44:36, CF (über iPhone): ich auch
nicht 11:44:47, NG: Dein Vampir ist mächtig
11:44:49, FV: Deine liebe ist war 11:44:52, MB: liebe nacht ist blutig nacht 11:45:48, FTBLS: Richt
es gibt eine eine Blutige nacht 11:45:50, MB:
deien liebe ist brutal 11:46:06, FV: Meine
Sturm der Liebe ist spanet 11:46:54, MB: liebe bech und schwefel 11:47:12, SS: ich möchte
mich mit dir zusammen schmelzen 11:47:21,
NG: Dein sturm der liebe ist heiss 11:47:35, CF
(über iPhone): tränen blut und liebe 11:47:44, MB:
zussamen sterben 11:47:56, FTBLS: heiss wie
die sonne 11:48:23, FV: Ich mag 11:48:24, MB: so wi
ramstin 11:48:41, CF (über iPhone): ende 11:49:14, NG:
ENDE 11:49:47, MB: alles und ewig 11:49:50, FTBLS:
Ich liebe auch Ramstein wie du 11:50:46, SS:
für mich komte es vor wie an einem fussball match 11:50:49, MB: dancken fredi 11:51:43,
LM: Fussball masch isch kei Thema 11:53:28, EA:
Simon: wer gewinnt? wer hat mehr gute
Wörter geschrieben? der gewinnt. Die
Wörter sind wie Tore. 11:54:27, CF (über iPhone): es
kann auch unentschieden sein 11:54:38, EA:
Simon: Die Tastatur ist das Spielfeld und
die Wörter sind die Tore, die geschossen
werden. 11:56:10, SS: oder der am meisten
schlechte wörter geschrieben hat 11:59:35, CF
(über iPhone): THE END 11:59:43, LM: THE END
Erik Altorfer (Dramaturg, Hörspielregisseur) hat im Herbst 2020 jeweils am Dienstagvormittag einen Schreib-Workshop im
Labor gehalten. Dessen Inhalte fasst er so
zusammen: «Schreiben, lesen, schneiden,
zusammensetzen, diskutieren, schreiben.
Die neuen Texte präsentieren, am liebsten
performen. Vor Mikrophon. Laut. Und dann
von den Kolleg:innen ein Feedback einholen. HORA-Literaturclub. Euphorie und
Verzweiflung. Später dann nicht mehr zusammen im Raum, jede:r im eigenen Kämmerchen, Schreib-Jam-Sessions im Chat:
Dracula meets Liebesbrief, Alliterationsketten – erfinden, weiterspinnen, kommentieren. Leise und lärmig. Schreibrausch.
Staunen, was im Kollektiv entstanden ist.
Weiter schreiben. Romane, Briefe, Lyrik.»
Der Text auf diesen Seiten dokumentiert
einen Chat-Verlauf dieses Workshops. Die
verschiedenen Schreibweisen wurden original belassen, die Phase zwischen 11 Uhr
13 und 11 Uhr 23 wurde aus Platzgründen
übersprungen.
HORA-Magazin Nr. 50, Juni 2021
VERMISCHTES
EHRENGÄSTE
-LISTE
Zur Filmpremiere von PLANET HORA stehen u.a. folgende Ehemalige, Schlagerstars
und Querflötist*innen auf der Gästeliste des
Ensembles: Kurt Aechbacher, Das Team von
«Alarm für Cobra 11», Erik Althofer, Thomas
Anders, Antonio, Arianna, Das A-Team, Lionhard Badill, Urs Beeler und Britta, Jérôme
Bel, Alain Berset, Samuel Bickitt, Böhse
Onkelz, Damian Bright, Phillip Butles, Christian Colund, Katharina Cromme, DJ BoBo,
Michi Elber, Helene Fischer, Miriam Angela
Gampon, Ketty Ghnassia, Jasmin Gloor,
Sebastian Gramms, Lotti Happel, Nik Hartmann, Das Helmi, Henrike Iglesias, Sarah
Hess, Phillipe Heule, Carl Ludwig Hübsch,
Nele Jahnke, Katharina Kaditsch, Simone
Keller, Susanne Kunz, Conny Marinucci,
Giancarlo Marinucci, Andreas Matti (&
andere aus dem Wilder-Cast), Ulie Maurer,
Isabelle Menke, Fidel Morf, Hans Peter Müller, Silas Obertüfer, Rammstein, Milo Rau,
Matthias Reim, Daniel Rohr, Jonas Rohrmann (K11), Leute vom Schauspielhaus,
Ralf Schmitz, Arnold Schwarzenegger, Markus Signer, Florian Silbereisen, Sarah Spale,
Jasmin Strohmeier, Sebastian Taloz, Simone
Truong, Erik Vock, Chris Weinheimer, Walter
Weiss, Susanne Wille, Benjamin Zeiter…
21
HORA-CHRONIK
NOV 2020 – APRIL 2021
NOVEMBER 2020: Wegen der zweiten Welle der Corona-Pandemie befindet
sich das Ensemble ab dem 1.11. erneut im
‹Homeoffice›: Das tägliche HORA-Training,
ebenso wie alle anstehenden Arbeiten und
Projekte, finden in gemeinsamen ZoomMeetings statt. Proben zu WARTEN AUF:
WARTEN AUF GODOT. Nach kurzer Zeit
echtem Zusammensein am Theater Neumarkt auch hier Wechsel zu Zoom-Proben.
Gast-Engagement von Matthias Brücker in
«elle a élevé la voix au-dessus de la mêlée»
von Ketty Gnassia an der Gessneralle Zürich. Auch er ist nur über Zoom dabei. Pandemiebedingter Ausfall des Gastspiels von
DIE LUST AM SCHEITERN in Wehntal.
DEZEMBER 2020: Zweiter Monat
des Ensembles im erneuten ‹Homeoffice›.
Probenstart von Franks (fka Julia Häusermann) Gast-Engagement in «No Gambling»
von Simone Aughterlony – auch Frank ist
nur über Zoom dabei. Premiere wird am
09. Juli 2021 am Festival Theaterformen in
Hannover sein. 4. Dezember: Premiere von
WARTEN AUF: WARTEN AUF GODOT
am Neumarkt-Theater – aber ohne LiveDarsteller*innen. Wegen Corona wurde ein
Stück entwickelt, in welchem nur die Bäu-
me tanzen und die Schauspielenden auf
Bildschirmen agieren. Das Publikum ist an
der Premiere noch körperlich anwesend,
die weiteren Vorstellungen werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Pandemiebedingter Ausfall der Wiederaufnahme von
TRISTAN UND ISOLDE in Berlin.
JANUAR 2021: Dritter Monat des
Ensembles im erneuten ‹Homeoffice›.
FEBRUAR 2021: Vierter Monat des
Ensembles im erneuten ‹Homeoffice›. Erster Impfturnus!! Der Großteil des Ensembles und die Fachpersonen werden gegen
Corona geimpft!
MÄRZ 2021: Fünfter Monat des Ensembles im erneuten ‹Homeoffice›. Probenstart von PLANET HORA, zuerst ebenfalls
via Zoom. Nach der zweiten Impfung starten die Dreharbeiten, und die HORA-Mitglieder kommen in kleinen Gruppen wieder
live zusammen.
APRIL 2021: Sechster Monat des
Ensembles im erneuten ‹Homeoffice›. Abschluss der Dreharbeiten zu PLANET HORA.
Ende April nach langer Umbauphase Wiedereröffnung des Casinosaals Aussersihl und
Vorbereitung des Wechsels aus dem ‹Homeoffice› zurück in den ‹Präsenz-Betrieb›.
FÖRDERVEREIN
22
THEATER HORA
BRAUCHT IHRE UNTERSTÜTZUNG
Theater HORA ist seit 2002 Teil der Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich eine wiederkehrende Kultursubvention. Dennoch reicht die Summe aller
Zuwendungen nach wie vor nicht einmal
dafür, die Kosten des laufenden Betriebs
(feste Raum-, Personal- und Sachkosten)
zu decken.
Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung! Als Spende, und/oder als Mitglied im
Förderverein Theater HORA. Ihr jährlicher
Beitrag von nur CHF 150, ebenso wie jede
Spende, kommt ausschliesslich den Projekten und Produktionen des Theaters
zugute: den Bühnenstücken und Filmen
des einzigartigen HORA-Ensembles, den
Workshops, Aktionen und Präsentationen
im Labor, der zauberhaften HORA‘BAND
und seit dieser Ausgabe auch dem von einer Redaktion aus Ensemblemitgliedern
selbstgestalteten Magazin im Magazin.
Sie müssen nichts weiter tun, als unseren Anmeldetalon auszufüllen. Oder Sie
wenden sich direkt an verein@hora.ch.
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Gemeinde Köniz / Fachstelle Kultur, Ernst
Göhner Stiftung, Fachstelle Kultur Kanton
Zürich, Förderverein Theater HORA, HKF
Berlin, Kulturpark Zürich-West, Landis &
Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent,
Alexis Victor Thalberg Stiftung, Pro Helvetia
Schweizer Kulturstiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein weiterhin ein wichtiger Unterstützer für
die HORA-Projekte sein kann.
Spenden ab 1000 CHF
Katholische Kirchenstiftung St. Anton
Ev. Reformierte Kirchgemeinde Schlieren
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Theater Neumarkt, Zürich
Theaterspektakel Zürich
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Yanna Rüger und Marcel Bugiel
Redaktion Magazin im Magazin
Remo Beuggert, Gianni Blumer, Matthias
Brücker, Andy Böhni, Caitlin Friedly,
Frank, Nikolai Gralak, Serafin Michel
und Tiziana Pagliaro.
Begleitung Magazin im Magazin
Marcel Bugiel, Magdalena Neuhaus,
Ivna Žic
JA, ICH WILL!
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und Mitglied im Förderverein werden.
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für HORA-Veranstaltungen ihrer Wahl.
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Zahlungszweck: Neumitgliedschaft
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
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(S.1–2, S.4, S.7–8, S.10, S.17–18, S.21,
S.23–24), Amadea Schütz (S.16),
Ivna Žic (S.16)
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
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Besteht zu mindestens 50% aus nachwachsendem Rohstoff und zu einem
weiteren Anteil aus recyceltem Polyethylen.
Druck
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Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
Simon Stuber,
HORA-Schauspieler
-
12/2020 – HORA Magazin Nr. 49
NR. 49, DEZ 2020
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Liebe Freund*innen des Theater HORA!
Wenn Sie diese Ausgabe des HORAMagazins erreicht, wird das Ensemble pandemiebedingt bereits seit über einem Monat wieder im «Homeoffice» arbeiten. Eine
für uns sehr schwere, aus Sicherheitsgründen aber unvermeidbare Entscheidung.
Und eine, die für uns alle hier die Themen
Arbeiten und Zusammenleben in ein ganz
neues Licht rückt.
Arbeit: Was ist das eigentlich für ein Lebensmodell, das unsere Zeit ganz entschieden strukturiert, uns aber als so selbstverständlich erscheint, dass wir selten über
das Wie und Warum und Für wen nachdenken? Für PLANET HORA, das erste
grosse HORA-Projekt unter unserer Leitung, haben wir damit begonnen, «die Arbeit» in all ihren Facetten zu untersuchen.
Mehr dazu in diesem Heft.
Das vielleicht Erstaunlichste in Bezug
auf HORA-Arbeit im Corona-Jahr 2020
übrigens ist, dass trotz aller unangenehmen Konsequenzen der Pandemie
kontinuierlich weitergearbeitet wurde und
wird! Es gab digitale Werkschauen und
Kunstausstellungen. Es wurden Gedichte
geschrieben, Songs gemacht, wir haben
uns alle in einem Anti-Rassismus Workshop gemeinsam kritisch weitergebildet.
Und es gab eine grosse Premiere an den
Münchner Kammerspielen! All diese Dinge
strahlen hinaus in die Welt, auch während
des Lockdowns, und haben gezeigt, dass
wir uns nicht unterkriegen lassen. Dafür
danken wir unserem ganzen Team und
den HORA-Spieler*innen und ihren Familien für ihren unglaublichen Einsatz! Und
auch Ihnen vielen Dank dafür, dass Sie einen wichtigen Beitrag leisten, damit es das
HORA geben kann, oder dass Sie sich vielleicht genau in diesem Augenblick entschieden haben, das möglich zu machen (alles
Weitere dazu auf S. 18).
4–6
THEATER HORAS SPACE ODYSSEE
… in die Tiefen des Universums
der Arbeit
5
STREITEREIEN
… oder was das mit der Entstehung
von Kunst zu tun hat
9–10
«DIE HORAS SIND WIRKLICH
MEISTER DER RESILIENZ»
Yanna Rüger über künstlerisches
Zusammenarbeiten unter CoronaBedingungen
10
WARTEN AUF: WARTEN AUF GODOT
11
«ICH HABE DIESEN NAMEN
GENOMMEN, UM ZU SAGEN:
‹ICH BIN’S, FRANK›»
HORA-Schauspielerin Julia Häusermann
über ihr neues Solostück
12
LOGBUCH LABOR (I)
15–16
«IST DIE SCHWEIZ LUSTIG UND
WENN JA, WARUM?»
Nikolai Gralak, Philippe Heule,
Simon Stuber und Ivna Žic im Gespräch
17
VERMISCHTES
Alle Menschen innen und aussen
Warten
18
FÖRDERVEREIN
19
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Impressum
Stephan Stock und Yanna Rüger,
künstlerische Leiter*innen Theater HORA
PLANET HORA
4
THEATER HORAS SPACE-ODYSSEE
… in die Tiefen des Universums der Arbeit
Arbeit: Ein Wort, das ein einfaches und
doch unendlich komplexes Lebensmodell
beschreibt, das in unserer westlichen Gesellschaft ein weitgehend unhinterfragter
Mittelpunkt des Lebens ist. Wir müssen arbeiten, wir müssen etwas verdienen. Arbeit
ist Identität, Arbeit ist Überleben, Arbeit ist
Stress, Arbeit ist Zeitmanagement, Arbeit
ist Liebe, Arbeit kreiert in ihrer Abwesenheit Pausen und Freizeit. Arbeit ist Struktur.
Arbeiten ist etwas, das man gut oder nicht
so gut kann und wofür man Geld bekommt
oder Essen oder Anerkennung. Wenn man
Glück hat. Für manche Menschen ist es
schon Arbeit, mit sich selbst auszukommen.
Seit dieser Spielzeit gibt es viele neue
Mitarbeiter*innen im Theater HORA: Ivna
Žic, Stephan Stock, Yanna Rüger und Fiona
Schmid wachsen mit den alten Hasen und
Häsinnen als Team zusammen und erfinden
und erforschen ihre Form der Zusammenarbeit mit den HORAs. Als erstes Projekt unserer neuen künstlerischen Leitung möchten
wir uns die Zeit nehmen, mit dem Ensemble
nachzudenken, wie wir zusammen arbeiten
wollen und wie wir im HORA darüber ein
gutes Leben für uns alle schaffen können.
Und was das überhaupt ist: Arbeit.
Wir denken über verschiedene Fragen
nach: Wieviel Arbeit ist gesund? Wer verdient was und warum? Was bedeutet Verantwortung? Braucht es einen Chef und
wenn ja, warum? Wem gehört meine Zeit?
Wie lebt man ein erfülltes Leben in einer
überforderten Gesellschaft? Was für Formen von Zusammenleben gibt es?
Viele Theaterproduktionen beschäftigen sich mit Themen wie «Care Arbeit» und
Selbstpflege, verhandeln auf der Bühne
FÜR MICH IST THEATER MEINE LIEBE.
Theater ist mein Glück. Das ist das. Das ist
die Liebe. Ich tanze, ich fühle, ich bin da
im Raum. Ich bin da im Theater. Ich bin in
die Bühne verliebt. Ich bin verliebt. Dass ich
auftrete. Und ich würd gern… das ist wahre
Liebe. Ich liebe meinen Beruf, Ich liebe meinen Körper und deswegen geh ich da auf
die Bühne und zeige euch, was Liebe ist.
Auf der Bühne bin ich verliebt wie noch nie.
Matthias Brücker, HORA-Schauspieler
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
5
Sexismus, neoliberale Selbstausbeutung
und Unterdrückung. Gleichzeitig aber reproduzieren sie oft das Kritisierte in ihren
eigenen Arbeitsstrukturen. Das wollen wir
anders machen. Aus den Erfahrungen der
Recherche, der Gespräche, der Improvisationen und Exkursionen ergeben sich
für uns immer neue und immer klarere
Antworten darauf, was es auch in der eigenen Theaterarbeit bedeutet, auf Augenhöhe, selbstbestimmt, engagiert und sicher
agieren zu können und sich als Mensch zu
entfalten. Zusammen mit den 18 HORASpieler*innen, der HORA’BAND und dem
ganzen Team von Theater HORA wollen
wir deshalb ein alternatives Arbeitsmodell
entwickeln, das wir in Form eines Manifestes in die Welt hinaus tragen. Alle Institutionen, die mit dem Theater HORA kooperieren, sollen durch dieses Manifest unsere
Haltung zum Zusammenleben und Zusammenarbeiten spüren.
Schliesslich möchten wir all die entstandenen Gedanken, Antworten und neuen
Fragen in eine Theaterproduktion münden
lassen: PLANET HORA – ein riesiger Science Fiction Trip der Extravaganz, eine fulminante Space Opera mit theoretischen
Knalleffekten und überraschenden Perspektivwechseln. Dafür erfinden wir zusammen ein ganzes Sonnensystem – mit den
unterschiedlichsten Planeten, auf denen in
verschiedenen Formen zusammen gelebt
und gearbeitet wird.
Wir freuen uns jetzt schon darauf, Sie
im April im Fabriktheater auf eine unvergessliche Reise in die Tiefen des Universums
der Arbeit mitzunehmen. Premiere ist am
21. April 2021 im Fabriktheater der Roten
Fabrik. Weitere Vorstellungen gibt es am
23., 24., 25., 29. und 30. April. Auf geht’s
zum PLANET HORA!
STREITEREIEN
… oder was das mit der Entstehung von
Kunst zu tun hat. Von Roli Strobel, Bandleader der HORA’BAND
Seit Anfang September habe ich die Möglichkeit, zusammen mit den Schauspieler*innen
des Theater HORA, ein Labor zum grossräumigen Thema Musik zu betreiben. Das ist
(zumindest für mich!) sehr interessant und
führt immer mal wieder zu Situationen, die
so im Skript nicht vorgesehen waren. Diese
Situationen sind übrigens eine Spezialität
des Theater HORA.
So habe ich mich vor ein paar
Wochen gegenüber Remo Beuggert zu
der Bemerkung hinreissen lassen, dass
ich keinen Ort kenne auf dieser Welt,
wo mehr gestritten wird als in Proberäumen unter Musikern. Natürlich war das
eine mutige und extreme Aussage von
mir. Sie entsprach aber genau meinem
Empfinden und meiner Erfahrung mit
Rock`n`Roll-Bands. Doch eigentlich wollte
ich Remo und die anderen nur davor warnen, sich die kommende Aufgabe, zusammen mit anderen im Proberaum Musik zu
erarbeiten, nicht allzu romantisch vorzustellen. Auch hatte ich unterschätzt, dass
Yanna im Hintergrund mithörte. Jedenfalls führte diese Aussage von mir zu ihrer
Bitte, ich möge doch diese Gedanken hier
schriftlich genauer erörtern. Ich mache
das gerne, weil ich weiss, dass ich selber
gewisse Dinge besser verstehe, wenn ich
sie aufschreibe.
Die einfache Behauptung jedenfalls, dass die Situation im Theater mit
der Situation im Proberaum mit Musikern nicht vergleichbar wäre, ist schon
mal ziemlich gelogen. Das Gegenteil ist
der Fall. Im Theater HORA und in der
freien Theaterszene allgemein wird ähnlich gearbeitet wie in einer Band. Fragen
wie «wer hat eine Idee, wie spielen wir
was, mit wem, was gefällt uns, wie realisieren wir das?» tauchen auf und werden
gemeinsam besprochen und diskutiert.
Jede*r darf mal, alle Ideen werden
durchprobiert, falls immer möglich gleichberechtigt und auf Augenhöhe (FREIE
REPUBLIK HORA?). Natürlich erhöht diese Situation auf Augenhöhe leider auch
das Risiko eines blauen Auges. Was für ein
Theater! Aber so ist eben auch Rock`n`Roll.
Ihr seht, die Unterschiede schmelzen grad
zu Gemeinsamkeiten zusammen.
In der HORA`BAND sind Streitereien durch verschiedene Faktoren gemindert. Solange zum Beispiel niemand �
Yanna Rüger und Stefan Stock
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
6
Ausserdem ist jetzt unser neues Bandmitglied, der Gitarrist Dario Zanni mit dabei,
der uns seine Ideen so diffus, offen und
unverbindlich vorträgt, dass oft schon beim
zweiten Mal Spielen nicht mehr klar ist, was
eigentlich gemeint war. Das sind Impulse,
klar sind die wichtig, aber auch offen wie
ein Scheunentor. Dahinter blinzelt verwegen die Sonne durch die Balken des Universums. Schön, aber auch etwas unheimlich.
Vielleicht sollten wir uns öfter mal streiten.
Böse Zungen behaupten, die HORA’BAND funktioniere nur deshalb, weil wir
nicht verstehen würden, was der andere
eigentlich sagt. Das mag manchmal wahr
und auch ein leichter Vorteil sein, aber
nicht für lange. Vielleicht verstehen wir uns
nicht im Detail, im Allgemeinen aber verstehen wir uns erstaunlich gut. So ist uns
zum Beispiel allen klar, dass diese Band
nur miteinander funktioniert. Sie klingt
deshalb gut, weil jede*r seine Person und
Eigenheit voll einbringt und weil es jede*r
gleichwertig braucht. So hat auch jede*r
automatisch den Respekt der anderen.
Unsere wortkarge Art ist also keine versteckte Kritik, wir sind so!
Ein weiterer Grund für die Langlebigkeit der Band mag der einst gefasste
Beschluss sein, dass wir uns im Prinzip
gerne, aber möglichst nur ausnahmsweise öfter als zweimal pro Woche begegnen wollen. So zum Beispiel für die
intensivste Zeit der Vorbereitung auf eine
Theaterpremiere, auf Tournee oder mal
für ein paar Tage im Studio. Das reicht
uns vollkommen. Wohl deshalb sind wir
noch nie dagesessen und haben uns fragen müssen, was wir mit all der Zeit anfangen sollen. Obwohl mich persönlich
diese Frage brennend interessiert, für die
HORA`BAND ergibt sie keinen Sinn. Darüber lässt sich auch kaum streiten.
Weitere Episoden zum Blockbuster
HORA’BAND lasse ich auf Wunsch gerne
folgen.
Planeten-Collage von Fredi Senn, HORA-Schauspieler
� anderes Texte schreibt, schreibt sie
eben Denise. Das macht auch Sinn, weil
sie die Person ist, welche die Texte nachher überzeugend singen muss. Ich persönlich fände es grossartig, wenn die anderen auch singen täten! Unvergesslich und
immer ein Highlight, wenn unser früherer
Schlagzeuger Ibi grinsend hinter seinem Instrument hervorkroch, um den Song «Finde
das Glück» anzustimmen. Das war wie aus
einer anderen Welt. Da gab es dann nichts
mehr zu streiten.
Doch wie finden wir zu neuen Liedern? Da sind zum einen die Kassetten, die
Denise mit Worten und Melodien besingt
und immer mal wieder mitbringt. Da sind
teilweise aussergewöhnliche Momente
drauf, die uns zu Liedern inspirieren. Dann
sind da auch die berüchtigten Rauchpausen unserer Sängerin, welche wir aus
Langeweile zum Improvisieren nutzen und
wenn Denise zurückkommt, fehlt eigentlich
nur noch ein Text.
7
Die HORA’BAND in der Vor-Corona-Zeit
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
S. 2–3, 7, 8, 19 und Umschlag: Szenenfotos aus MEDEA, DIE von Maxi Schmitz
PLANET HORA
9
«DIE HORAS SIND WIRKLICH MEISTER
DER RESILIENZ»
Planeten-Collage von Robin Gilly, HORA-Schauspieler
Die neue künstlerische Co-Leiterin Yanna Rüger über HORA-Proben-Arbeit unter Corona-Bedingungen
PLANET HORA, euer erstes Projekt als
neue künstlerische HORA-Leitung, dreht
sich um Arbeiten, Zusammenarbeiten, Zusammenleben – im HORA und überhaupt.
Was wird aus solchen Themen unter CoronaBedingungen?
Als wir im Sommer angefangen haben (und
das Ensemble nach dem ersten Lockdown
überhaupt wieder im Proberaum zusammenkommen durfte), konnten wir erstmal
wenig Theater machen, sondern haben
vor allem Schutzmassnahmen umgesetzt.
Wie sahen diese Schutzmassnahmen aus?
Ein bisschen wie im Straflager. Wenn die
Leute kamen, mussten sie die Hände waschen, dann kriegten sie die Maske gewechselt, dann gingen sie zu ihrem Stuhl
und mussten sich komplett umziehen, weil
auch Strassenklamotten nicht mehr erlaubt
waren. Und überall mussten Leute erstmal anstehen – das waren wie so Schleusensituationen. Wir haben zehn Felder auf
dem Bühnenboden abgeklebt, und beim
Proben musste dann jeder in einem eigenen Feldchen bleiben. Und jeder hatte
seinen persönlichen Stuhl. Alles wurde immer wieder desinfiziert, jeder Stuhl, jeder
Lichtschalter, der Boden. Es gab Kisten für
die Trinkflaschen, und nur dort durfte man
die Masken abnehmen und trinken. Und
bevor man zum Mittagessen aufwärmen
die Mikrowolle aufmachte, musste man
sich auch die Hände desinfizieren. Wir
haben überall Punkte auf den Boden gemacht, um die Abstände zu visualisieren.
Und lauter so Zeugs.
Wie sind die HORA-Schauspieler*innen
mit dieser Situation umgegangen?
Sehr unterschiedlich. Manche waren eher
ängstlich und haben gut mitgemacht. Es gab
aber auch welche, die rebellisch unterwegs
waren und da Widerstände gegen hatten.
Die haben die Situation eher als Spiel gesehen und dann laufend ausgetestet. Vor allem
denen, die sehr körperbetont sind, fiel es
schwer, auf Dauer diese Distanz einzuhalten.
Welche besondere Situation ist dir in Erinnerung geblieben?
Einmal, am Anfang, da ist Nikolai Gralak aufgesprungen und hat geschrien: «Aber Leute,
was ist denn, wenn wir das nie wieder lernen?
Wenn wir für immer uns nicht mehr anfassen?
Wenn wir irgendwann unsere Gesichter gar
nicht mehr ertragen können? Was ist, wenn
wir verlernen, miteinander umzugehen?»
Das klingt alles sehr dramatisch…
Ja, aber das eigentliche Wunder ist, dass es
insgesamt trotzdem ein sehr viel kleineres
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
10
Drama war, als es hätte sein können.
Es gab trotz allem eine sehr gute Gruppenstimmung. Alle waren so dankbar,
dass man überhaupt zusammen sein
konnte. Und wir haben trotzdem viele
gute Szenen gesehen, gute Kunst, und
gute Diskussionen gehabt.
Und dann mussten Ende Oktober doch
wieder alle zurück ins «Home-Office»…
Einige hatten grosse Angst davor, weil
sie beim ersten Lockdown richtig depressiv geworden waren. Ich hoffe aber, dass
wir die ganz gut aufgefangen haben und
begleiten können durch die nächste Zeit.
Jetzt proben wir also wieder auf Zoom.
Das klappt erstaunlich gut! Ich habe nie
so lustige und lustvolle Zoom-Meetings
wie mit den HORAs erlebt, und auch da
entstehen tolle Arbeiten.
Also doch nur alles halb so wild wie es
scheint?
Angesichts der üblen Grundsituation muss
ich sagen: Die HORAs sind wirklich Meister der Resilienz! Allgemein sind sie die
allergrössten Improvisationstalente, die
ich kenne, wenn es darum geht, mit dem
umzugehen, was ist. Vielleicht, weil sie alle
schon – behinderungs-, und teilweise auch
krankheitsbedingt – die Erfahrung gemacht haben, dass man nicht unbeschadet durchs Leben kommt. Da sind sie wirklich grosse Vorbilder, wenn es darum geht,
trotz Herzfehler und Schicksalsschlägen
und Diskriminierungserfahrungen und
Angst und Trauer so zuversichtlich und
auch mit so viel Humor durchs Leben zu
gehen. Und Frank zum Beispiel sagt, dass
er im Lockdown glücklich gewesen ist. Der
mag so gern auf dem Sofa sitzen und «Verbotene Liebe» gucken, dass er da kaum
etwas vermisst hat.
THEATER HORA AN DEN MÜNCHNER KAMMERSPIELEN
Was ist für dich das Licht am Ende des
Tunnels?
Ich hab so oft schon darüber nachgedacht, was das für ein Moment sein wird,
wenn die Masken wieder weg sind. Wie
das ist, dann wieder die Gesichter sehen
zu können. Aber ich glaub auch, dass das
seine Spuren hinterlassen wird. Einmal,
weil einem schon jetzt viel bewusster geworden ist, was das für eine Privileg ist, in
der Gruppe Kunst machen zu können. Und
weil, wenn man so schwierige Zeiten geschafft hat, das auch ein Fundament für
kommenden Zeiten legt. Was soll denn da
noch kommen, wenn man sowas zusammen geschafft hat – als Gruppe und als
Betrieb? Dann ist man echt gut gewappnet.
Und hat vielleicht nicht mehr so viel Angst
vor kommenden Krisen, weil man schon
eine erlebt hat. Und durchgekommen ist.
WARTEN AUF:
WARTEN AUF GODOT
Ursprünglich war die HORA-Version von
Samuel Becketts WARTEN AUF GODOT,
eine Produktion des Theater Neumarkt, für
Frühjahr 2020 geplant – und wurde coronabedingt auf Dezember verschoben. Jetzt
ist das HORA-Ensemble erneut im Lockdown, und WARTEN AUF GODOT kommt
doch nicht. Oder noch nicht. Das Neumarkt-Theater glaubt, dass GODOT noch
kommt. Vielleicht noch nicht heute. Aber
morgen bestimmt. Oder im Frühling. Das
passt ja gerade auch, Warten. Wir sind jetzt
Expert*innen fürs Warten. Also lädt das Regieteam statt zu einer Theateraufführung
zu einer theatralen Installation ein, einer
«pandemiebedingten Materialskizze mit
abwesenden Performer*innen und Baum».
Mit Schatten all dessen, was war und Spuren davon, was sein wird, wenn‘s kommt –
oder doch nicht kommt. Termine: 4., 5., 8.,
9., 11. und 12. Dezember 2020 jeweils um
20 Uhr am Theater Neumarkt. Weitere Infos unter www.theaterneumarkt.ch.
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
11
«ICH HABE DIESEN NAMEN GENOMMEN,
UM ZU SAGEN: ‹ICH BIN’S, FRANK›»
HORA-Schauspielerin Julia Häusermann über ihr neues Solostück
Anfang Oktober hast du mit deinem Solo
ICH BIN’S, FRANK neben Stücken von
Falk Richter und Doris Uhlich die neue Intendanz an den Münchner Kammerspielen
eröffnet. Wie ist es dazu gekommen?
Nele hat gefragt: «Willst du ein Stück machen mit mir?» Da hab ich zugestimmt.
Warum heisst das Stück ICH BIN’S FRANK?
Ich habe mal einen Schauspieler gesehen,
den Christian Wunderlich. Sein Name in
«Verbotene Liebe» ist Frank. Und da habe
ich überlegt, dass ich ihn auch spielen
werde. Ich habe diesen Namen genommen, um zu sagen: «Ich bin’s Frank.» Um
den Leuten zu zeigen, dass ich es bin.
Und wie war es, dort allein auf der großen
Bühne zu stehen?
Ich bin da nicht so allein, denn ich hab noch
einen Bruder. Den Elvis. Aus «Free Willy 2».
Waren die Leute an den Kammerspielen
nett zu dir?
Ja, sehr lieb. Und wenn nicht, bin ich auch
nicht nett. Dann werd ich zum Raubtier.
Wie war die Premiere?
Vorher war ich ein bisschen aufgeregt: das
erste Mal auf der Bühne. Und Zuschauer
sehen zu, ganz viele Augen.
Wie liefen die Proben?
Gut. Wir waren im Backstein, da haben wir
Sachen ausprobiert. Zum Beispiel Helene
Fischer. Oder «Geboren dich zu lieben» von
DJ Ötzi, meine Lieblingsmusik. Dann haben
wir das geprobt, dann das nächste Lied.
Und wie war München?
Genial. Du musste es dir so vorstellen: Du
kommst nach München, und es ist gross.
Du kannst dich schnell verlaufen. Es hat
Geschäfte, wo krass reingehen. Und es hat
Kino. Aber mit Masken alles.
Und die Münchner Kammerspiele?
Auch super. Es hat dort eine Kantine, wo du
kannst essen. Aber da brauchst du einen
Bon, oder deinen Geldbeutel. Bei mir ist so
gewesen, dass jemand für mich gezahlt hat.
Und Nele Jahnke, deine Regisseurin?
Nele ist so cool. Aber sie hat eine Schwäche nach Zigaretten. Ich hab immer gesagt: «Das ist nicht gut, du beschädigst die
Lunge. Hör auf zu rauchen, oder du hast
mich zum letzten Mal gesehen.» Aber sie
macht einfach weiter. Ich will, dass das
morgen mal aufhört. Oder ich muss die
Polizei einschalten. Zigaretten und Masken. So geht es nicht. Es ist einfach zu gefährlich. Die draussen, die müssen lernen!
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
LABOR
12
LOGBUCH LABOR (I)
Die neue HORA-Spielzeit hat begonnen
und wir freuen uns sagen zu können: Das
Labor, der neue Grundbetrieb des Theater
HORA, ist ebenfalls gestartet! Vieles ist
neu, somit waren anfangs alle, das Ensemble genauso wie das Team, ziemlich
aufgeregt, doch nach zwei dichten ersten
Monaten können wir sagen: Es ist viel passiert und Corona macht es uns nicht nur
einfach, doch geht es uns gut!
Zum festen Laborteam gehören Ivna Žic
und Amadea Schütz, die das Labor zusammen leiten, Fiona Schmid, die sich neu die
Agogikstelle mit Amadea teilt und das HORA
auch schon länger kennt. Antonio Luque
kommt auch täglich, er macht seinen Zivildienst noch bis Ende Januar im Labor. Und
seit Anfang Oktober ist Ariana Sardinakis
als Praktikantin dabei. Über den Mittag hilft
uns während der Coronazeit Cécile Mauri
aus, damit das Ensemble auch während der
Mittagspause die Schutzmassnahmen gut
wahrnehmen und das Team einmal durchschnaufen und ebenfalls etwas essen kann.
So sieht eine Woche im Labor in diesem
Herbst aus: Am Montag kommt Sabrina
Marforio ins Labor und wir machen Yoga.
Den Rest vom Tag gestaltet Amadea mit
Tanz und künstlerischer Arbeit mit den
Händen.
Am Dienstagvormittag teilt sich das
Ensemble in zwei Gruppen auf, die abwechselnd entweder bei Roli Strobel sind
und sich mit Musik beschäftigen, oder
gemeinsam mit Erik Altorfer im Backstein
Texte schreiben.
Der Dienstagnachmittag gehört
Yanna Rüger und Stephan Stock von der
Künstlerischen Leitung, die im Moment die
Zeit mit dem Ensemble vor allem dafür
nutzen, um das Projekt PLANET HORA
vorzubereiten.
Von Mittwoch bis Donnerstag kommt
jeweils ein*e Gastkünstler*in ins HORA,
die gemeinsam mit dem Ensemble vertieft zu einem Thema oder einem künstlerischen Gebiet probt und forscht. Begonnen haben Ivna und Amadea mit
einem Workshop zum Thema Regie, da-
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
nach kam Philippe Heule ins Labor und
arbeitete mit dem Ensemble zum Thema
Humor im Theater. Das Ensemble erforschte die Frage «Ist die Schweiz lustig
und wenn ja, warum?» und zeigte die Ergebnisse bei einer grandiosen virtuellen
Live-Werkschau im Rahmen des Festivals
«Grenzenlos Kultur» in Mainz. Fidel Morf,
bildender Künstler, arbeitete mit dem
Ensemble zu den Fragen: Was ist Kunst?
Wann ist der richtige Moment? Was passiert, wenn lange nichts passiert? Eine tolle
Werkschau gab es auch da per Zoom.
Fiona hat eine Woche mit den HORAs
gestaltet zum Thema Improvisation. Anna
Fierz hat mit dem Ensemble erste Workshopformate erprobt, die nächstes Jahr
für Zusammenarbeiten mit Schulen angeboten werden können.
Ende Oktober haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir doch noch eine Stufe
sicherer arbeiten wollen, und haben ins
digitale Labor gewechselt, ins Homeoffice.
Der erste Workshop mit der Choreografin Teresa Vitucci hat trotz digitaler Distanz
sehr gut funktioniert und allen viel Spass
gemacht!
Wir erwarten noch Besuch von der
Kostümbildnerin Sophie Reble sowie von
der allseits bekannten Nele Jahnke. Ebenso werden zwei Laborwochen von der
künstlerischen HORA-Leitung und Gästen
gestaltet, um ihr Projekt PLANET HORA
vorzubereiten.
Schliesslich gab es noch einen besonderen Input: Rahel El-Maawi hat uns an
zwei Nachmittagen besucht und einen
Anti-Rassismus-Workshop gegeben. Diesen
wichtigen Input werden wir auch wieder
aufnehmen und weiterverfolgen.
Ivna Žic, Co-Leiterin Labor
Robin Gilly als Superheld
LABOR
15
«IST DIE SCHWEIZ LUSTIG UND WENN JA,
WARUM?»
Ein Gespräch zum gleichnamigen Labor-Workshop mit Regisseur und Theaterautor Philippe Heule (P),
den HORA-Schauspielern Nikolai Gralak (N) und Simon Stuber (S), moderiert von Ivna Žic (I)
Hallo zusammen! Schön, euch zu sehen!
Cool, dass du nochmal im Labor vorbeigekommen bist für’s Interview, lieber Philippe.
Erzählt doch mal, worum ist es denn in eurem Workshop gegangen?
S: Wir hatten also das Thema Schweiz.
Dazu haben wir erstmal Sachen ausprobiert und dann hat Philippe die Szenen
ausgewählt, die ihm gefallen haben, und
die haben wir dann geprobt und in der
Werkschau gezeigt. (Philippe lacht)
N: Wir haben ganz viel Verschiedenes gemacht. Zum Beispiel habe ich einen Vortrag gehalten übers Grab vom wirklichen
Wilhelm Tell, das 2003 gefunden wurde. Ich
habe auch einen General im Militär gespielt
und einen Autofahrer, der immer hupt.
P: Wir hatten eigentlich 2 Themen: Einmal
die grundsätzliche Frage im Theater: Was
ist Komik, was ist Humor? Was finden wir
lustig, was finden wir nicht lustig? Wir haben versucht, Mechanismen von Lustigkeit herauszufinden. Das hat viel zu tun
mit Überraschungen und mit Irritation.
Wir haben auch Lachyoga gemacht. Und
dann ist die Schweiz dazu gekommen.
Was finden wir lustig an der Schweiz? Was
können wir über die Schweiz erzählen? Es
entstand schliesslich eine Art Mini-Inszenierung. Ich habe das Gefühl, wir haben
alles, was sonst in einer Produktion passiert, in sechs Tagen gemacht: eine wilde
Ausprobierphase, dann eine Improvisierphase, dann ein Festmachen und Wiederholen und dann ein Präsentieren. Es war
intensiv und cool.
I:
Danke für die Beschreibung. Simon und
Nikolai, mich würde interessieren, was für
euch Humor im Theater ist?
N: Ja, Humor (lacht). Das ganze Stück ist
Humor gewesen!
S: Es gibt ja verschiedenen Humor: Es gibt
ernsten Humor, es gibt lustigen Humor. Für
mich ist eigentlich alles Humor, was man
im Theater macht.
N: Als ich einen General gespielt habe, in
der Szene im Militär, hatten wir immer einen, der in die falsche Richtung lief in der
Compagnie, echt eh. Das war eine Szene
zum Schiessen! (Alle lachen.) Es ist einfach
zum Schüsse gsi.
I: Nikolai, könnte man sagen, dass du Sachen, die andere Menschen eigentlich ärgern, lustig findest?
N: Ja, schon. Wobei: Ich war ja der General,
ich habe mich ja geärgert.
I: Ihr habt auch unterschiedliche Reden zur
Nation gehalten, unter anderem auch du,
Simon. Wie ist es zu dieser Idee gekommen?
P: Die Reden sind durch eine Solo-Aufgabe
an einem Tag entstanden. Jeder sollte seine eigene Schweiz beschreiben. Und daraus sind dann ein paar Texte entstanden,
wie Monologe. Mir sind sie wie Reden an
die Nation vorgekommen. Fabienne hat die
Fussballsituation gewählt, mit dem ganzen
Pathos und dem Köbi Kuhn Beerdigungssong. Simon hat erklärt, was schön ist an
der Schweiz, er hat den Aufbau von der
Landschaft von der Schweiz gezeigt und
als Beispiel auch den schönen Mensch aus
der Schweiz gezeigt.
I:
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
16
Am Schluss gab es eine richtig tolle Werkschau im Backstein, die per Livestream
beim Festival «Grenzenlos Kultur» in Mainz
ausgestrahlt wurde. Die Filmfrau Heta
Multanen war da, um alles mit der Kamera
aufzunehmen. Wie ist es euch damit gegangen? Im Backstein war ja ausser dem Team
kein Publikum.
S: Es ist schon ein anderes Gefühl als mit
echtem Publikum. Die Stimmung ist anders.
Für die Kamera muss man einfach genug
Vorstellungskraft haben, als wäre das Publikum da. Man muss die Kamera ausblenden.
N: Mir hat das gefallen. Es ist einfach mal
wieder genial gewesen.
I: Cool, das ist ja nicht selbstverständlich.
Philippe, wie ging es dir?
P: Das war auch meine erste digitale Werkschau. Ich war überrascht, wie sehr die
Kamera im Raum und das Wissen um die
Zuschauer beim Festival so ein richtiges
Aufführungsgefühl gemacht haben. Schon
im Vorfeld spürte man das, zum Beispiel
bei unserer Generalprobe, da war eine
richtige Spannung da: Jetzt zeigen wir es
dann! Und Heta hat auch so toll alles eingefangen. Eine gute Erfahrung, besser als
erwartet.
I: Es ist auch sehr gut angekommen. Insgesamt gab es online 80 Zuschauer. Im Backstein wäre das in echt ein richtig voller Raum
mit Zuschauern! Okay, eine letzte Frage an
euch, sagt mal: Ist die Schweiz lustig?
S: Wie soll ich das sagen? Wenn ich morgens unterwegs bin und beobachte, wie
die Menschen so sind, finde ich, dass die
Menschen sehr ernst sind. Aber vielleicht
ist das so, weil sie auf die Arbeit konzentriert sind. Ich glaube, wenn sie nicht arbeiten müssen, sind sie schon lustig. Bei
uns im Theater ist das nochmal etwas anderes. Bei uns muss man probieren, auch
lustig zu sein, wenn man gerade einen
schlechten Tag hat. Also die Frage könnte
I:
VERMISCHTES
man jetzt auch zu einem anderen Land
stellen. Aber die Schweiz kann schon lustig
sein, wenn sie will.
N: Die Schweiz ist schon lustig, aber ohne
Corona wäre sie noch lustiger.
P: Ich finde schon, dass die Schweiz sehr
lustig ist. Die Frage ist sehr allgemein gestellt und es kann sehr lustig und komisch
sein, auf die Suche zu gehen nach all den
Widersprüchlichkeiten innerhalb einer nationalen Identität und der Stereotypen,
die uns dazu einfallen. Daraus entstehen
viele komische Situationen. Das finde ich
das Interessante daran.
I: Danke euch vielmals für das Interview!
Wollt ihr noch abschliessend etwas sagen?
S: Ich hätte noch gern weiter mit Philippe
gearbeitet und ausprobiert.
N: Ich auch!
P: Ich auch mit euch!
I: Na, dann schauen wir doch, was die Zukunft bringt!
P: Und ich komme sicher bald wieder bei
euch im HORA vorbei.
LABOR & WORKSHOPS
Das neue HORA-Labor hat ein ganz besonderes Format entwickelt: Wir laden
Künstlerinnen und Künstler ein, für zwei
Wochen im Labor mit dem HORA-Ensemble zu einem bestimmten Theater-Thema
oder -Bereich zu forschen und zu probieren. Wir möchten dabei alle Theaterbereiche abdecken, die es gibt: Schauspiel,
Regie, Raum, Kostüm, Choreographie,
Technik und noch vieles, vieles mehr! Die
Workshops im Labor sind Begegnungsräume, in denen beide Seiten, das HORAEnsemble wie auch die künstlerischen
Gäste, als Expert*innen auftreten. Ziel
ist, gemeinsam ohne Druck zu arbeiten.
Das Labor ist ein geschützter Raum zum
tatsächlichen Ausprobieren, denn nur so
kann Neues, Unerwartetes, Überraschendes zusammen gefunden und erfunden
werden! Es kann am Ende eines Workshops eine Werkschau geben, doch das
ist kein Muss.
HORA-Magazin Nr. 49, Dezember 2020
17
ALLE MENSCHEN INNEN
UND AUSSEN (I)
WARTEN
Wenn ich langweilig werde, dann muss ich
immer warten. Warten ist mein Hobby.
Wenn ich warte, dann tu ich malen und
Hörspiel hören. Und auch einen Gulasch
machen. Einen Text-Gulasch.
Wenn ich warte, dann reg ich mich auf,
manchmal. Dass die anderen immer ihr
Bedürfnis haben, und ich nicht. Das regt
mich auf.
Ich warte auf das Essen. Auf eine spontane
Entscheidung (von mir selbst).
Ich warte auf Auflauf.
Ich warte noch auf meinen linken Schuh.
Auf eine kalte Suppe.
Ich warte auf ein schönes Leben.
Ich warte gerne. Auf mein linkes Ohr.
Ich warte auf meinen Rottweiler – der
hat die Katze umgebracht. Er hat sie
runtergeschluckt, aber sie ist ihm im Hals
steckengeblieben. (Das war ein Witz.)
Ich warte gerne auf schönes Wetter.
Aber wenn das Wetter nicht schön ist,
dann ist es trotzdem schön.
Wenn ich das Wasser höre, wie es regnet.
Das ist wie eine Musik.
Das Plätschern find ich schön.
Robin Gilly, HORA-Schauspieler
FÖRDERVEREIN
18
THEATER HORA BRAUCHT IHRE
UNTERSTÜTZUNG – JETZT ERST RECHT!
Theater HORA ist seit 2002 Teil der Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich
eine wiederkehrende Kultursubvention. Dennoch reicht die Summe aller Zuwendungen
nach wie vor nicht einmal dafür, die Kosten des laufenden Betriebs (feste Raum-,
Personal- und Sachkosten) zu decken.
Durch die Corona-Pandemie sind uns nicht
nur praktisch sämtliche Gastspiele weggebrochen – und damit auch eine zentrale
Einnahmequelle für HORA. Hinzu kommt:
Viele unserer Ensemblemitglieder gehören
einer Risikogruppe an, und sind deshalb
von Isolationsmassnahmen besonders
stark betroffen. Umso wichtiger ist es uns,
ihnen in dieser Situation die künstlerische
Weiterarbeit zu ermöglichen. Ein Weiterarbeiten unter Corona-Bedingungen aber bedeutet einen erhöhten Stundenaufwand für
alle. Beides – Einnahmeausfall und Mehrkosten – kann die Stiftung Züriwerk, selbst
von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, momentan kaum auffedern. Dies alles bedroht die Existenz unseres einmaligen
Kulturprojekts. Deshalb brauchen wir Ihre
Unterstützung momentan mehr denn je!
Als Spende, und/oder als Mitglied im Förderverein Theater HORA. Ihre Spende,
ebenso wie Ihr jährlicher Fördervereinsbeitrag, kommt ausschliesslich den Projekten
und Produktionen des Theaters zugute.
Unterstützen auch Sie die künstlerische
Arbeit von Theater HORA! Spenden Sie!
Und falls Sie es nicht eh schon sind: Werden Sie Mitglied im Förderverein Theater
HORA! Sie müssen nichts weiter tun, als
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Sie wenden sich direkt an verein@hora.ch
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Gemeinde Köniz / Fachstelle Kultur
Ernst Göhner Stiftung
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Förderverein Theater HORA
HKF Berlin
Kulturpark Zürich-West
Landis & Gyr Stiftung
MIGROS-Kulturprozent
Musikhaus HUG
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung
Stadt Zürich Kultur
Gemeinnützige Stiftung Symphasis
Ein herzliches Dankeschön an all unsere
Mitglieder und Spender*innen für Ihre
Treue und Beiträge. Mit Ihren Einzahlungen
tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte sein kann.
Koproduzenten
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
Theater Neumarkt, Zürich
Sophiensaele, Berlin
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Mit Text- und Bild-Beiträgen von
Noha Badir, Robin Gilly, Simone Gisler,
Nikolai Gralak, Julia Häusermann,
Philippe Heule, Adrian Mai, Yanna Rüger,
Fredi Senn, Stephan Stock, Roli Strobel,
Simon Stuber, Ivna Žic
Fotos
Gina Bolle (S.11),
Simon Brodmann (S.6),
Yanna Rüger (S.2–3, S.9, S.12, S.17, S.19)
Redaktion
Yanna Rüger und Marcel Bugiel
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Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Name/Vorname:
Jahresbeitrag (Kalenderjahr) Mitgliedschaft Förderverein: CHF 150.–
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
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Angaben für Einzahlung Mitgliedschaft:
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Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
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von Noha Badir, HORA-Schauspieler
DAS HORA MUSS BERÜHMT WERDEN,
WEIL WIR ALLES SO GUT MACHEN UND DIE KRAFT DAFÜR HABEN.
ICH WILL NOCH MEHR PROJEKTE ZUM ARBEITEN!
ICH FINDE HORA GEIL!
Gianni Blumer, HORA-Schauspieler
-
06/2020 – HORA Magazin Nr. 48
NR. 48, JUNI 2020
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
4–6
DIE NEUEN KÜNSTLERISCHEN
HORA-LEITER*INNEN
Yanna Rüger und Stephan Stock
im Interview mit den
HORA-Schauspieler*innen
9
DIE HORA-PRODUKTION
«MEDEA, DIE» AUS SICHT DER
HORA-SCHAUSPIELER*INNEN
10
NEUES VON DER HORA’BAND
11–13
DAS HORA-ENSEMBLE IM
CORONA-LOCKDOWN
15–17
NELE JAHNKE ÜBER IHRE JAHRE BEI
THEATER HORA UND IHREN
WECHSEL AN DIE MÜNCHNER
KAMMERSPIELE
18
FÖRDERVEREIN
19
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Impressum
20
AGENDA JUNI – NOVEMBER 2020
2
EDITORIAL
Liebe HORA-Freund*innen,
Der Corona-bedingte Lockdown der
letzten Monate war auch für Theater
HORA ein Schock, und wir mussten uns
zuerst in der neuen Situation zurechtfinden. Dass seitdem auch ein normaler
Probenbetrieb nicht mehr möglich ist, war
und ist für die HORA-Schauspieler*innen
eine sehr einschneidende und belastende
Situation. Die gewohnte Tagesstruktur ist
entfallen, der Druck auf die Familien oder
die Wohnheime hat sich massiv erhöht.
HORA ist ja auch so etwas wie eine grosse
Familie und weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Und das Traurige an der Situation
ist, dass sich mit Corona die Benachteiligung von beeinträchtigten Menschen nochmals erhöht hat: viele von ihnen zählen zu
einer Risikogruppe und bedürfen eines
besonderen Schutzes. Dieser besondere
Schutz kreiert wiederum eine viel stärkere
und längere Isolation als bei «Normalos».
Um unsere Ensemblemitglieder in dieser belastenden Situation emotional und
kreativ zu unterstützen, haben wir (allen
voran unsere Theaterpädagoginnen Amadea Schütz und Anna Fierz) versucht, mit
neuen Formaten, Ideen und Aufgabestellungen Freude, Struktur und Entlastung
zu bieten. Sehr rasch haben wir digitale
Ersatzformate entwickelt, mit denen ein
Training – wenn auch in reduzierter Form
– möglich ist. Der gewohnte Probenalltag,
der Austausch und das Coaching finden
nun über Skype, Zoom, WhatsApp oder
Houseparty statt. Den Kontakt, den wir
dadurch weiterhin haben, geniessen alle
sehr. Und unsere Ensemble-Mitglieder
sind nun besser mit digitalen Tools vertraut als vorher. Ich bin gespannt, was
von diesen Erfahrungen, Ideen und neu
eröffneten Denkräumen bleiben wird.
Bleiben Sie gesund!
Curdin Casutt, Gesamtleiter Theater HORA
NEUE KÜNSTLERISCHE LEITUNG
4
5
«WIR WOLLEN AUF JEDEN FALL,
DASS MIT JEDER NEUEN PRODUKTION
WIEDER ALLES MÖGLICH IST»
Die zukünftigen künstlerischen HORA-Leiter*innen Yanna Rüger (YR) und Stephan Stock (SS)
antworten auf die Fragen der HORA-Schauspieler*innen
Wie seid ihr beide zum HORA gekommen?
YR: Ich habe ja schon bei zwei HORAProduktionen mitgearbeitet, bei EGOTOPIA und TRISTAN UND ISOLDE,
und das hat mir so gut gefallen, mit dem
ganzen Team und euch HORAs, dass ich
unbedingt weiter hier arbeiten wollte. Das
war ein grosser Wunsch. Und dann war
die künstlerische Leitung ausgeschrieben
und da habe ich gedacht jetzt aber! SS:
Yanna hat mich dann, als ich gerade ein
leckeres Mittagessen gekauft hatte, angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen
könnte, mich zusammen mit ihr auf die
neue Leitung zu bewerben. Erst war ich
nervös, weil ich das eine grosse Aufgabe
fand, aber dann habe ich Lust bekommen, weil ich die HORA-Stücke sehr mag.
Noha Badir:
Was seid ihr eigentlich von Beruf?
SS: Ich bin von Beruf Schauspieler, das
habe ich in Bern und Zürich studiert. Ich
habe aber auch schon viel als Regisseur
gearbeitet und sehr häufig in Kollektiven,
wo man eigentlich alles zusammen macht
also auch Bühne und Kostüme und alles
was sonst noch zum Theater gehört. YR:
Ich bin auch Schauspielerin aber auch Kuratorin, das heisst, ich lade Theaterstücke
ein für ein Festival zum Beispiel. Und ich
mache auch Konzepte für Stücke in einer
Gruppe mit anderen Leuten.
Robin Gilly:
Warum findet ihr das HORA gut?
SS: Ich glaube, dass die Art und Weise, wie
im HORA gearbeitet wird, eine grosse
Stärke ist. Also das mit dem Labor und
dem Ensemble und dem Kreis, wo jeder
was sagen darf am Ende, und dem Tanzen
zum Einwärmen, und wie man aufeinander
achtgibt und all das. Erstens, um tolle Theaterstücke zu machen, und zweitens als
Vorbild für andere Theater. Ich finde, dass
man ganz viel vom Theater HORA lernen
kann, und es super viel Potenzial gibt, um
mit anderem Theatermacher*innen zusammenzuarbeiten.
Remo Beuggert:
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
Welche Stücke wollt ihr machen? Damit ich weiss, ob ich mitmache
oder nicht.
SS: Nun, das müssen wir jetzt erstmal alles
planen. Aber ganz sicher ist, dass wir als
Erstes ein Stück machen wollen, wo alle
vom HORA-Ensemble mitspielen. Und wir
gemeinsam eine Arbeit machen, in der wir
in einem Weltraum-Space-Abenteuer-Setting überlegen, wie man zusammen leben
und arbeiten kann. YR: Wir hoffen natürlich sehr, dass du da auch mitmachst, Simone! SS: Wir denken auch über Projekte
nach, die auf Filmen oder Fernsehserien
basieren. Ich mag Popkultur, also Filme,
Bücher und Bands, die gerade modern
sind, sehr gerne und finde sie mega wichtig
fürs Theater!
Simone Gisler:
Habt ihr schon immer im Theater
gearbeitet oder habt ihr davor etwas anderes gemacht?
YR: Ich hab auch schon im Kino gearbeitet
und im Buchladen. Aber sonst schon immer im Theater – entweder auf der Bühne oder manchmal auch im Hintergrund,
am Computer. SS: Ich habe tatsächlich
immer nur im Theater gearbeitet. Einmal
war ich zwei Monate in einer Fabrik, direkt
nach der Schule, um Geld fürs Studium
zu verdienen. Und ich hatte einige kleine
Sommerjobs. Aber sonst immer nur Theater, Theater, Theater.
Simon Heller:
Und jetzt wollt ihr Künstlerische
Leitung sein und nicht mehr Schauspieler?
YR: Ich finde es ganz toll, dass ich jetzt
beides machen kann. Und ich finde auch,
dass das eine beim anderen voll hilft und
umgekehrt. Man kann sich dann immer gut
in die jeweils andere Funktion hineinversetzen. SS: Ich mache beides gerne, aber
meine Hauptaufgabe sehe ich ab jetzt in
der künstlerischen Leitung mit Yanna. Ich
habe schon sehr viel gespielt in meinem Leben – jetzt habe ich Lust auf etwas Neues!
Sara Hess:
Würdet ihr mit mir zusammen einen Krimi drehen, wo ihr die
Polizisten seid und ich der Verbrecher?
SS: Auf jeden Fall würde ich das machen –
sogar sehr, sehr gerne! Ich liebe es zu spielen! Ich würde dann allerdings ein Polizist
sein wollen, der nicht so brav in der Uniform
rumläuft, sondern so einer mit düsterer Vergangenheit und all solchen Sachen.
Frank/Julia Häusermann:
Gibt es auch Sachen, die konzentriert sind?
YR: Es wird auf jeden Fall Sachen geben,
die sehr konzentriert und ruhig sind. Aber
es wird auch Sachen geben, die laut sind
und lustig. Das Wichtige ist die Mischung,
und dass alles gleichwertig nebeneinandersteht.
Fabienne Villiger:
Tiziana Pagliaro: Muss man bei euch Text auswendig lernen?
YR: Ja sicher, aber es kommt ganz darauf an,
was man macht. Ich denke wir werden auch
viele Texte zusammen erfinden, und dann
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
6
kann man die eigentlich schon fast auswendig, weil die ja von einem selber kommen. SS: Aber Auswendiglernen gehört
immer ein bisschen dazu. Aber ich muss zugeben: ich das selber nicht sooooo gerne.
Was erwartet ihr von uns?
Vom HORA-Ensemble erwarte ich
Lust, sich auf Neues einzulassen, Lust,
sich zu verändern und sich herauszufordern. Ausserdem Ehrlichkeit und Spass
am Mitdenken, am Nachdenken und am
Spielen. YR: Ich möchte auch gerne, dass
ihr professionell seid auf der Probe. Und
ihr euch gegenseitig respektiert. Und dass
sich alle trauen, neue Dinge auszuprobieren. Und ich hoffe, dass ihr uns vertrauen
könnt und uns auch immer sagen könnt,
wenn ihr Sachen, die wir machen, nicht
so gut findet.
7
Wann fangt ihr an?
YR: Wir haben jetzt schon so ein bisschen
angefangen. Auch damit wir noch viel Wissen mitbekommen über das HORA, bevor
es wirklich losgeht. Das ist dann ab der
nächsten Spielzeit, also August 2020.
Andi Böni:
Robin Gilly:
SS:
Was wollt ihr ändern?
SS: Wir wollen auf jeden Fall, dass mit jeder
neuen Produktion alles wieder möglich
ist. Aber wir wollen auch, dass dabei kein
Stress entsteht und man sich nicht überarbeitet. Das ist uns sehr wichtig.
Nikolai Gralak:
Wie lange seid ihr hier? Und was
wollt ihr danach machen?
SS: Wir haben jetzt erstmal einen Vertrag
für 4 Jahre. Was ich danach machen will,
weiss ich noch nicht – ich habe noch nie
so lange am Stück das Gleiche gemacht.
Vielleicht will ich dann weiter machen mit
etwas ganz anderem. Oder ich werde einfach Papa und kümmere mich um die Kinder. YR: Ich glaub auch, es ist gut mal 4
Jahre da zu sein und zu schauen, wie wir
uns alle verstehen und ob es dann allen
noch Spass macht! Aber falls das so ist,
bin ich gern nochmal 4 Jahre da!
Gianni Blumer:
YANNA RÜGER
*1986 studierte Schauspiel an der ZHdK. In
der Spielzeit 2012/13 war sie im Rahmen
des Schauspielstudios am Schauspielhaus
Zürich engagiert und arbeitete dort mit
den Regisseur*innen Barbara Frey, Bastian
Kraft, Jörg Schwahlen und Melanie Huber.
Von 2013 bis 2016 war sie festes Ensemblemitglied am Theater Neumarkt. Prägende
Zusammenarbeiten in dieser Zeit entstanden mit Peter Kastenmüller, Friederike Heller, Tom Kühnel, Laura Koerfer, den freien
Kollektiven Andcompany&Co und Das Helmi, Simone Blattner und Heike M. Goetze.
Seit dem Sommer 2016 arbeitet Yanna Rüger als freie Schauspielerin und Kuratorin
sowie an eigenen Projekten. Sie ist Initiantin
und künstlerische Leiterin des Kollektivs Infinite Cooperation. Für das Zürcher Theater
Spektakel übernimmt sie seit 2018 die CoLeitung und Kuration der Zentral Bühnen.
STEPHAN STOCK
*1985 ist Schauspieler, Regisseur und
Performer. Er studierte Schauspiel in
Bern und Zürich. Er ist Mitbegründer der
Gruppe vorschlag:hammer, die mit ihrer
ersten Produktion «Vom Schlachten des
gemästeten Lammes und vom Aufrüsten
der Aufrechten» den Preis des Körber Studio Junge Regie gewann. Seit 2016 erhält
vorschlag:hammer als eine von vier Gruppen die Spitzenförderung in NRW. Stephan Stock ist ebenfalls Mitbegründer des
paradoxen Kollektivs Neue Dringlichkeit,
welches aktiv in Zürich politisches Theater und Aktionen umsetzt und momentan
mit der Zweijahresförderung der Stadt
Zürich bedacht ist. In der Ausgabe des
Freischwimmerfestivals 2014 vertrat er die
Gessnerallee Zürich mit dem Solo «Theater der Peinlichkeit» und arbeitet seitdem
unter diesem Label in Zürich, wo er lebt
und arbeitet. Er ist Mitglied des Netzwerks
cobratheater.cobra.
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
S.2–3, 7, 8, 19 und Umschlag: Szenenfotos aus MEDEA, DIE von Maxi Schmitz
ENSEMBLE-RÜCKBLICK AUF MEDEA
9
«MEDEA WAR DIE KINDERMÖRDERIN
VON GRIECHENLAND»
Die HORA-Produktion «MEDEA, DIE» aus Perspektive der HORA-Schauspieler*innen
GIANNI BLUMER: Die Geschichte spielte sich,
glaube ich, in Griechenland ab, ich bin
mir aber nicht ganz sicher. Medea erlebt
Abenteuer und erlebt schreckliche Sachen. Und es ist total mörderisch, was sie
macht: Sie hat ihren Bruder getötet, und
tötet auch noch ihre Kinder. SIMONE GISLER:
Medea war die Kindermörderin von Griechenland. REMO BEUGGERT: In unserer Version von Medea ist mir nicht ganz klar, um
was es direkt gegangen ist, eher indirekt
war die Medea Thema. Das Einzige, was
vom Original vorgekommen ist, war das
brennende Brautkleid, und dass sie auf die
Insel gekommen ist und am Anfang war sie
willkommen und am Schluss nicht. LUCAS
MAURER: Am Anfang kommt Text von Julia,
dann laufen wir nach vorne. Dann kommt
der Abstand. Dann laufen. Dann wieder
stehen. Gruppe. Und dann kommen Serafin und Remo, sie machen eine Szene mit
Spaghetti. Dann kommt Julia mit der Vase.
Dann laufen alle HORAs quer und geradeaus. Dann kommt Text. Dann kommt wieder
stehen. Und dann ist fertig.
ROBIN GILLY: Medea musste zum Polizeiposten gehen. Nikolai und Simon waren Polizisten und Caitlin war Medea.
TIZIANA PAGLIARO: Ich war die Anwältin von
Medea, wenn ich die Rote Karte gezeigt habe, heisst das, «nichts sagen»
und «kein Kommentar». SARA HESS: Mich
hat es baff gemacht, wie Nikolai aufgeblüht ist in seiner Komissarenrolle mit so
viel Text und so. SIMON STUBER: Ich habe
mich total in die Rolle eingelebt! Polizist
zu sein hat mir zu mehr Selbstvertrauen
geholfen. Ich habe gemerkt, sobald ich
die Rolle verlassen habe, habe ich auch
etwas vom Selbstvertrauen verloren. Ich
wünschte mir, ich könnte mehr davon
behalten! REMO BEUGGERT: Am besten
war, dass ich in einer grossen Szene
spielen konnte. ROBIN GILLY: Die Gerüchteküche: die Spaghetti, das Flüstern und
Lästern. REMO BEUGGERT: Spaghetti in die
Pfanne schmeissen war toll, das Versalzen und das Bewegen, der Tanz. Sachen,
die ich privat nicht so mache. Vielleicht hat
es darum auch besonders Spass gemacht,
weil es alles neu war. GIANNI BLUMER:
Bei der Kochszene hat Julia mit Gift in
der Milch die Kinder vergiftet. JULIA
HÄUSERMANN: Das war das Lässigste, Hammergeilste. Ich hab getan, als ob ich ein
Baby sehe und ich habe es gestreichelt und
ihm Essen gegeben, zusammen krabbeln
und darüber ins Mikrofon reden. GIANNI
BLUMER: Dann waren sie tot, der eine auf
dem Tisch, der andere am Boden. JULIA
HÄUSERMANN: Es wurde ein Todestanz getanzt, nach einem Video.
SARA HESS: Das Bühnenbild war lässig,
also schön mit der Spiegelfolie auf der Bühne. Es hätte aber gut getan, mehr und längere Chorszenen zu haben. FABIENNE VILLIGER:
Garderobe, Bühne, Garderobe, Bühne.
Man hat uns zu wenig gesehen. MATTHIAS
BRÜCKER: Die Qualität vom Stück hat mich
so sehr an die Realität erinnert. Wir haben
das Stück und die Realität in Harmonie gebracht und sie fliessen zueinander.
(Die einzelnen Wortbeiträge wurden Amadea Schütz
per Videochat diktiert)
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
NEUES VON DER HORA’BAND
10
BROZION C
NEUES VON DER HORA’BAND
DAS HORA-ENSEMBLE IM
CORONA-LOCKDOWN
Die Stille vor und seit Corona, ein neues Bandmitglied und reihenweise neue Songs
Als am 15. September 2019 spätabends im
Casinotheater nach über 50 Vorstellungen
von BOB DYLANS 115TER TRAUM die
letzte Flatternote der HORA’BAND im
Raum verklungen war, das PET-Fläschli von
Enrico zum wiederholten Mal umgefallen
und die verschwitzten Hemden gewechselt waren, da fühlte sich alles still an. Für
Musiker ein durchaus angenehmer Ort,
wenngleich etwas unheimlich, so ganz ohne
Klänge. Deren gab es ja viele in dieser Show,
und ein paar Songs werden wir für immer
vermissen.
Aber grundsätzlich sollte die anschliessende Stille und Leere Platz schaffen für
neue Ideen. Die kamen dann auch. In so
überwältigender Menge und Fülle, dass wir
uns gar nicht alles merken konnten. So zum
Beispiel das Instrumental «Velvet», das wir
sogleich wieder vergassen. Das nächste Instrumental, eine Woche später, hiess dann
«New velvet». Nach einer erneuten Finsternis entstand dann endlich «New new Velvet».
Bei welcher Version wir mittlerweile sind, das
wissen wir nicht mehr so genau. Anfang Jahr
ist Dario Zanni, ein junger Mann aus Winterthur, mit seiner Gibson-Gitarre zu uns
gestossen und verwirrt seither den Sound
der Band nachhaltig und auf äusserst angenehme Weise. Der sehr klare, prägnante,
austarierte und wohlarrangierte, typische
Sound der HORA’BAND geriet in eine Art
Waschanlage. Damit meine ich nicht Reinigung oder gar Läuterung, behüte, nein. Damit meine ich, es wird teils schmuddlig, unübersichtlich, chaotischer. Eine Prise Freiheit kombiniert mit angemessenem Starrsinn. Ein Abenteuer also, eine Erneuerung
eigentlich, an der wir irre Freude haben.
Und dann kam Corona. Fast alle Konzerte
bis Ende Jahr 2020 von den Veranstaltern
abgesagt. Alle Highlights weg. Der erste,
der dann auch bei den Proben fehlte, war
Enrico. Meine Recherchen ergaben, dass
er auf seiner Wohnstation festgesetzt
wurde wegen einer möglichen Gefährdung von Risikopersonen in seinem Umfeld. Er durfte auch nicht mehr als Gärtner arbeiten gehen. Beim Scannen der
HORA’BAND wurde mir schnell klar, dass
auch alle anderen Musiker (ausser Enrico!)
durchaus Risikopersonen sind. Sie befinden sich nun seit Wochen zu Hause und
unterhalten sich mit Kakteen oder mit sich
selbst (Denise). Der Einzige, der weiterhin
in der Werkstatt erscheinen muss, ist unser Schlagzeuger Lukas Selinger. Er fährt
täglich mit dem Zug durch den halben
Kanton Zürich, um ein paar Kabel zusammenzulöten. Das ist ehrenwert, bestimmt
sogar, aber auch gefährlich. So haben wir
entschieden, am Freitagmorgen zu zweit
eine kleine Übungseinheit zu bilden, unsere Lieblingssongs an die Wand zu spielen und dabei richtig laut zu sein. Seit da
fallen mir dauernd neue Songs ein und wir
wissen gar nicht mehr wohin damit. Auch
Denise hat schon einen neuen Song (mit
Text!) kreiert, und wir hoffen dass wir noch
in diesem Leben dazu kommen, uns ernsthaft darum zu kümmern. Enrico schicke
ich jetzt Aufnahmen unserer Musik und
sehe dann auf einem Video, wie er dazu
Gitarre spielt und wie sehr es ihn schmerzt,
wenn er einen falschen Ton spielt. Das ist
mir bisher so extrem gar nicht aufgefallen.
Und das ist berührend zu sehen.
Roli Strobel, Leiter HORA’BAND
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
11
Am Samstag, 21.3.20 habe ich Folgendes
gemacht: Ich bin etwa zwischen 9 und 10
Uhr aufgestanden und dann habe ich geduscht. Danach habe ich gefrühstückt und
Kaffee getrunken. Nach dem Frühstück
habe ich angefangen, mein Zimmer aufzuräumen, und habe dazu Musik gehört auf
youtube. Ich habe etwa 2 Stunden lang
mein Zimmer aufgeräumt, und dann habe
ich eine Pause gemacht und zu Mittag gegessen. Ich hatte noch meine Spezial-Salatsauce gemacht. Nach dem Mittagessen
war ich spazieren. Danach habe ich weiter
gemacht mit meinem Zimmer. Ich musste
noch staubsaugen und mein Bett frisch anziehen. Jongliert habe ich auch noch immer
wieder. Und dann ist schon bald wieder Zeit
gewesen fürs Abendessen.
Zeitgleichung von Matthias Brücker
Ich wäre jetzt am liebsten in Uruguay.
Simon Stuber
Komm herein an ihrem Krankenbett im
Schatten sein Gesicht versteckt.
Also ich warte darauf, dass endlich die
Coronafälle weniger werden, dass wieder
Normalität einkehrt, dass ich mal endlich
alle HORAs wiedersehen kann und umarmen, und dass ich endlich wieder normal
einkaufen kann, essen gehen kann, und
natürlich zum Wohnheim wieder zurück gehen kann und meinen Freund wieder sehen
kann und umarmen und kuscheln und küssen, und dass ich wieder ins HORA gehen
kann, ich vermisse das HORA sehr, und
dass alle Menschen sich wieder sehen,
normal auf den Strassen gehen können
und keine Einschränkungen haben, dass
alle Cafés und Restaurants wieder öffnen
und alle Leute wieder arbeiten können,
und ich wünsche mir, dass es so bleibt für
eine lange Zeit, und dass alle Menschen
auf der Welt gesund sind und werden,
und dass alles wieder normal wird, das
wünsche ich mir und allen auf der ganzen
Welt, und dass wir eine große Feier machen, wenn wir alle wieder zusammen sind.
Noah Badir
Caitlin Friedly
Simon Stuber
Ich wünsche, es ist nochmal die Welt und
das Leben weiter geht bis am Ende sein. Ich
würde sehr gerne wieder in den Ausgang gehen kann, und auch mit anderen Menschen
zu leben für immer zusammen sein. Ich würde sehr gern wieder mit Kollegen und Kolleginnen abmachen, am See umähängen und
dazu reden über alles für das Leben weiter
geht. Ich werde sehr gerne wieder in den
Kino gehen. Oder in den Zoo gehen kann.
Ich werde sehr gerne wieder im See schwimmen und auch noch shoppen. Ich werde
sehr gerne wieder mein Schatz sehen kann.
Simone Gisler
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
12
DIE KÜNSTLERISCHEN AKTIVITÄTEN
DES HORA-ENSEMBLES
WÄHREND DES CORONA-LOCKDOWNS
Als Mitte März klar wurde, dass das HORA
vorerst nicht mehr öffnen kann, haben wir –
meine Kollegin Anna Fierz, unsere bombastisch tolle Jahrespraktikantin Lotti Happle
und ich, und später auch noch Nele Jahnke –
uns überlegt, wie wir die Schauspieler*innen
erreichen, miteinander in Kontakt sein, sie
untereinander vernetzen und weiterhin gemeinsam Kunst machen können – so wurde
das Projekt BROZION C (der Titel ist von
HORA-Schauspieler Matthias Grandjean)
geboren. Zuerst gab es Wochenaufgaben
per Mail, wie z.B. eigene Superhelden zu erfinden, gesunde Rezepte zu kochen, Zeitmaschinen zu bauen und Kunstwerke nachzustellen und uns davon Videos und Fotos zu
schicken. Weiter haben wir einen «Dance of
the Day» ins Leben gerufen – jeden Tag bekommen die HORAs einen Song von uns geschickt und sie nehmen ein Tanzvideo dazu
auf. Jeden Morgen machen wir über eine
Video-App ein gemeinsames Aufwärmen
in Kleingruppen, so können wir uns alle sehen und bleiben fit. Die Schauspieler*innen
zeichnen, fotografieren und machen vor
allem viele, viele Videos. Wir veröffentlichen
Ergebnisse auf den Social Media-Kanälen
von Theater HORA und jetzt im HORAMagazin. Bald wollen wir versuchen, auch
gemeinsam über Videochats zu proben.
Vielleicht können sogar kurze Stücke unter
der Regie von Ensemblemitgliedern entstehen. Es bleibt spannend…
Amadea Schütz
13
René Magritte, «La lampe philosophique», 1936
Caravaggio, «Der kranke
Bacchus» (Selbstbildnis als
Bacchus), um 1593–94
… nachgestellt von Andy Böni
… nachgestellt von Serafin Michel
… nachgestellt von Matthias Brücker
Vicente Juan Masip, «Abendmahl», ca. 1562
… nachgestellt von Noha Badir
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
Robin Gilly als Superheld
INTERVIEW MIT NELE JAHNKE
15
«ICH HATTE SEHNSUCHT
NACH EINEM ORT, WO ABSURDITÄTEN
PLATZ HABEN»
Nele Jahnke, gegenwärtig interimistische künstlerische Leiterin des Ensembles, über ihre Jahre
bei Theater HORA und ihren Wechsel an die Münchner Kammerspiele
Nele, du bist damals, 2012, mehr oder weniger direkt nach deinem ZHdK-Regiestudium zum HORA gekommen. Das ist für eine
Regie-Absolventin eine eher ungewöhnliche
Entscheidung.
Der damalige HORA-Gesamtleiter Giancarlo Marinucci hatte eine Arbeit von mir
gesehen und mir daraufhin angeboten,
beim HORA zu arbeiten. Das Stadttheater, wie ich es bei meinen Hospitanzen erlebt hatte, war kein Ort, auf den ich Lust
hatte oder wo ich dachte, ich passe da
rein. Und in der Freien Szene Konzepte zu
verkaufen, um die mich niemand gebeten hatte, das machte mich schon beim
blossen Gedanken depressiv. Gegen
all das habe ich das HORA als grosses
Geschenk empfunden. Es war wie nach
Hause kommen. An einen Ort des praktischen Tuns, an dem auch Absurditäten
ihren Platz haben, wo Scheitern nicht nur
ein Werbespruch ist, und wo sich Sinnhaftigkeit herstellt.
Damals fand bei HORA gerade ein grosser Umbruch stattfand: Mit dem Festival
OKKUPATION! hatte HORA eine Phase von Zusammenarbeiten mit externen
Künstler*innen und Gruppen begonnen, mit
Ketty Ghnassia gab es erstmalig eine eigene
Produktionsleitung, die Premiere von Jérome
Bels DISABLED THEATER war nicht lange
her und das Ensemble war viel auf internationalen Gastspielreisen… Wie hast du die
Stimmung damals erlebt?
Es waren viele Stimmungen gleichzeitig, Aufund Umbruch, eine Euphorie über den Erfolg
und die Sichtbarkeit, aber auch strukturell
eine hohe Belastung. Gleichzeitig punktuell der verständliche Frust des HORAGründers Michael Elber, dass das HORA
nur deshalb plötzlich alle interessiert, weil
jetzt ein grosser Name drüber steht. Es gab
manchmal auseinandergehende Interessen, aber es wurde lebhaft diskutiert. Für
dieses Aushalten und lebhafte Diskutieren
der Widersprüche gab es viel Raum, und ich
habe mich kopfüber und mit vollem Herzen
da reingeworfen. Denn trotz des Erfolges
war es auch eine Zeit, wo der Punk weiterlebte, wo radikal experimentelle Projekte
wie FREIE REPUBLIK HORA entstanden.
Wie hast du FREIE REPUBLIK HORA
wahrgenommen – so kurz nach dem eigenen Regie-Studium?
FREIE REPUBLIK HORA war bis jetzt
meine wichtigste Arbeitserfahrung, künstlerisch, zwischenmenschlich, politisch, in
der Befragung von Theater und Strukturen.
Letztlich haben die HORAs mir beigebracht was Regie alles heissen kann. Mehr
als mir mein Studium an der ZhdK das beigebracht hatte. FREIE REPUBLIK HORA
hatte so vieles: beglückende und grausame
Kollektiv- und wahlweise auch Horror-Regiediktatur-Momente, absurdeste Kommunikationen und künstlerische Einfälle. Ein
Wechselbad. Und immer wieder die Selbstbefragung: Was tun wir hier eigentlich?
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
16
Und wie hast du die Zusammenarbeiten
von HORA mit externen nichtbehinderten
Künstler*innen und Gruppen erlebt?
Unterschiedlich. Oft anstrengend, weil verschiedene Systeme und Institutionen aufeinanderprallten und ich sehr viel vermitteln
musste, zwischen HORAs und externen
Regie-Personen, aber auch zwischen den
Probengewohnheiten der Externen und
der Tatsache, dass das HORA halt die
Struktur einer geschützten Werkstatt hat.
Und manchmal war es auch einfach langweilig, weil die Gäste oft bei ihrer Erstbegegnung mit den HORAs steckenblieben.
Zum Teil waren es aber auch ganz tolle
Begegnungen mit anderen Künstler*innen,
und ein spannender und intensiver Einblick in ihre Arbeitsweisen. Im Nachhinein
mag ich immer noch, dass so viele, zum
Teil auch sehr widersprüchliche Handschriften Platz gefunden haben, und wir
vom Grümpelturnier bis zur Champions
League überall mitspielten und uns nicht
haben festlegen lassen.
Drei eigene Inszenierungen mit dem
HORA-Ensemble hast du in deiner Zeit
bei HORA realisiert, LA PETITE MORT
(2013), NORMALITÄT – EIN MUSICAL
(2015) und EGOTOPIA (2018). Was haben diese eigenen HORA-Arbeiten für dich
bedeutet?
Sie haben mir extrem viel Freude bereitet!
Ich hätte gerne noch mehr davon realisiert,
aber das war halt neben täglichem 9–17Uhr-Theatertraining, Begleitung externer
Produktionen, Administration und Sitzungen
nicht möglich. Aber nun kommen alle Ideen,
die sich in den letzten Jahren angesammelt
haben, so langsam an die Oberfläche bei
mir. Und mein Wunsch wäre, die nächsten
Jahre weitere künstlerische Projekte mit ihnen und in unterschiedlichsten Konstellationen zu machen.
17
Seit dem Weggang von Michael Elber und
bis zum Sommer bist du – interimistisch –
die künstlerische Leiterin des Ensembles.
Wie geht es dir mit dieser neuen Rolle?
Bereits in den Jahren davor haben wir ja
gemeinsam die Leitung gemacht – auch
wenn es so nicht in den Organigrammen
und Stellenbeschreibungen stand. Insofern war ich bei HORA schon immer an
Enscheidungsprozessen beteiligt gewesen.
Abgesehen davon waren die letzten Jahre erneut Jahre des ungewissen Um- und
Aufbruchs, in denen die überfällige Reorganisation des Betriebs viel Raum eingenommen hat. Da ging es erstmal vor
allem darum, das Schiff überhaupt weiter
auf Kurs zu halten und die Kunst zu verteidigen. Dank dem Engagement und der
Sorgsamkeit von vielen neuen und alten
Teammitgliedern sind wir zum Glück jetzt
wieder in ruhigeren Gewässern unterwegs.
Ich werde ja in Zürich wohnen bleiben und
auch das HORA nicht ganz verlassen. Vor
allem die HORA-Schauspieler*innen nicht
– das würde ich emotional auch nicht aushalten. Ich habe mit keinen Menschen so
viel Zeit verbracht wie mit ihnen in den
letzten 8 Jahren. Ich werde an den Münchner Kammerspielen auch als Regisseurin
arbeiten, und in diesem Zusammenhang
wird es auch weiter enge Zusammenarbeiten mit HORA Schauspieler*innen und
dem HORA geben. Julia Häusermann wird
gemeinsam mit mir und meinem Team für
die Eröffnung am 10.10. den Monolog «Ich
bin’s, Frank» erarbeiten und performen.
In der darauffolgenden Spielzeit wird die
HORA-Schauspielerin und -Regisseurin
Tiziana Pagliaro eine Arbeit mit Kammerspiel- und HORA-Schauspieler*innen
entwickeln – unter den Bedingungen, die
Tiziana dafür braucht.
Im Sommer wechselst du an die Münchner Kammerspiele. Was genau wirst du
dort machen?
Ich werde als Dramaturgin Teil des neuen
Leitungsteams sein, mit dem Arbeitsschwerpunkt, behinderten Künstler*innen an den
Münchner Kammerspielen Sichtbarkeit und
Mitbestimmungsmöglichkeiten zu verschaffen. Und hoffentlich auch Strukturen, in denen nicht sie sich an die am Stadttheater
herrschenden Sachzwänge und Marktlogiken anpassen müssen, sondern in denen
sie das Stadttheater mit ihren eigenen Logiken, Arbeits- und Denkweisen verändern
und bereichern. Mir ist es wichtig, dass sie
nicht nur auf repräsentativer Ebene (als
Schauspieler*innen) vorkommen, sondern
auch mitgestaltend und entscheidend.
Einfach künstlerische HORA-Leiterin zu
bleiben war keine Option?
Oh doch, es war sogar lange ein ziemliches Wechselbad der Gefühle für mich.
Erst einmal so lange nicht zu wissen, wie es
Fällt es dir schwer, das HORA zu verlassen?
Oder überwiegt die Freude, ein neues Kapitel in deinem (Berufs-)Leben aufzuschlagen?
HORA-Magazin Nr. 48, Juni 2020
überhaupt für mich weitergeht bei HORA.
Und dann auf einmal mich entscheiden
zu müssen zwischen diesem Angebot von
einem Stadttheater, bei dem die Leitung
Lust hat, neue Wege zu beschreiten, und
dem für die künstlerische Leitung von Theater HORA für weitere vier Jahre. Nachdem ich mich für München entschieden
hatte, war es wie Liebeskummer nach
der Trennung von der ersten großen Liebe. Nun ist es besser, und einiges an dieser Entscheidung fühlt sich auch befreiend an. Ein Leben ganz ohne die HORA
Schauspieler*innen könnte ich mir aber
nicht vorstellen.
Nele Jahnke *1984 studierte Regie an der
ZHdK. Seit 2012 ist sie Teil des künstlerischen Teams von Theater HORA, seit
2019 interimistische künstlerische Leiterin
des Ensembles. Neben ihrer Tätigkeit bei
HORA leitete sie zwei mal die Produktion
der «Berner Bühne» am Konzert Theater
Bern und stand immer wieder auch selbst
als Performerin auf der Bühne. 2019 erhielt
sie den Förderpreis des Kantons Zürich.
FÖRDERVEREIN
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THEATER HORA
BRAUCHT IHRE UNTERSTÜTZUNG!
Theater HORA ist seit 2002 Teil der Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich eine wiederkehrende Kultursubvention.
Dennoch reicht die Summe aller Zuwendungen nach wie vor nicht einmal dafür, die
Kosten des laufenden Betriebs (feste Raum-,
Personal- und Sachkosten) zu decken. Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung! Als
Spende, und/oder als Mitglied im Förderverein Theater HORA. Ihr jährlicher Beitrag
von nur CHF 150, ebenso wie jede Spende,
kommt ausschliesslich den Projekten und
Produktionen des Theaters zugute.
Mit Ihrer Spende und/oder Ihrem jährlichen Beitrag von CHF 150 als Mitglied
des Fördervereins Theater HORA leisten
Sie aber nicht nur einen wichtigen Beitrag
zur Ermöglichung der Projekte und Produktionen des Theaters. Sie profitieren
auch von zwei Freikarten pro Kalenderjahr, geniessen einmalige Einblicke hinter
die Kulissen und erhalten die Gelegenheit,
die HORAs bei ausgewählten nationalen
und internationalen Gastspielen zu begleiten. So bekommen Sie eines der spannendsten Kunstprojekte der Schweiz aus
der Insiderperspektive mit – und lernen
jede Menge nette, interessante und ungewöhnliche Leute kennen.
Unterstützen auch Sie die künstlerische Arbeit von Theater HORA! Spenden Sie! Und falls Sie es nicht eh schon
sind: Werden Sie Mitglied im Förderverein
Theater HORA! Sie müssen nichts weiter
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oder Email verein@hora.ch
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Amt für Kultur Kanton Bern, Ernst Göhner
Stiftung, Fachstelle Kultur Kanton Zürich,
Förderverein Theater HORA, Hallenbad
Altstetten, Hamasil Stiftung, HKF Berlin,
Kultur Stadt Bern, Kulturpark Zürich-West,
Landis & Gyr Stiftung, MIGROS-Kulturprozent, Musikhaus HUG, Pro Helvetia
Schweizer Kulturstiftung, Stadt Zürich
Kultur, Gemeinnützige Stiftung Symphasis
Spenden ab CHF 500.–
Evang.-ref. Kirchgemeinde Schlieren
Kath. Kirchenstiftung St. Anton Zürich
Stiftung Fredy und Hanna Neuburger-Lande
B. Jurman, S. Hollenstein, B. Ruckli-Zemp,
Y. Herde
Ein herzliches Dankeschön an unsere Mitglieder und Spender*innen für Ihre Treue
und Beiträge für die HORA-Produktionen.
Mit Ihren Einzahlungen tragen Sie dazu
bei, dass der Förderverein weiterhin ein
wichtiger Unterstützer für HORA-Projekte
und -Produktionen sein kann.
Koproduzenten
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
Theater Neumarkt, Zürich
Sophiensaele, Berlin
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Mit Beiträgen von
Noha Badir, Remo Beuggert, Gianni
Blumer, Andy Böni, Matthias Brücker,
Curdin Casutt, Anna Fierz, Caitlin Friedly,
Robin Gilly, Simone Gisler, Nikolai
Gralak, Frank/Julia Häusermann, Sara
Hess, Neje Jahnke, Lucas Maurer, Amadea
Schütz, Roli Strobel, Simon Stuber,
Fabienne Villiger
Fotos
Maxi Schmitz (Fotos MEDEA, DIE,
Nele Jahnke und EGOTOPIA),
HORA-Entourage (BROZION C)
WERDEN SIE MITGLIED! SPENDEN SIE! BESTELLEN SIE! VERSCHENKEN SIE!
Redaktion
Marcel Bugiel
Name/Vorname:
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Adresse:
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Tel.:
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Kontakt
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Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
AGENDA JUNI – NOVEMBER 2020
WARTEN AUF
GODOT
11. (Premiere), 13., 14., 17., 19.,
20., 24., 26., 27. Juni
Theater Neumarkt, Zürich
(verschoben auf Dezember 2020 wegen
Corona)
KONTAKTKILLER
3.-9. August
Festival Sansusi, Riga (Lettland)
(abgesagt wegen Corona)
RANDENSAFTHORROR
11. September
Theater der jungen Welt, Leipzig
(verschoben auf Juni 2021 wegen Corona)
HORA’BAND
Schweiz-Tournee 2020
(sämtliche Konzerttermine abgesagt
wegen Corona)
«LIEBE HORA, DANKEN DIR, ARBEITEN MIR, GERNE MACHEN, THEATER SCHAFEN,
ALLE MENSCHEN WIR, DAS DER DANKEN, DIR MACHEN UNS WAS.»
Matthias Grandjean, HORA-Schauspieler
-
12/2019 – HORA Magazin Nr. 47
NR. 47, DEZEMBER 2019
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
Geschätzte Freund*innen von Theater
HORA,
ein weiteres Kalenderjahr neigt sich
dem Ende zu. Für Theater HORA bedeutet dieses Jahresende allerdings nur eine
letzte, kurze Verschnaufpause – denn
die Theatersaison ist ja weiter in vollem
Gang und wir haben noch so Einiges vor!
Seit Herbst ackern wir gleich an zwei Neuproduktionen – MEDEA, DIE (Premiere
15. Februar am Fabriktheater) und WARTEN AUF GODOT (Premiere 11. Juni am
Theater Neumarkt) – die zusammen mit
TRISTAN UND ISOLDE eine Art Trilogie bilden, die sich auf grosse Stoffe der
Theatergeschichte zurückbesinnt. Wir hoffen, dass auch diese neuen, waghalsigen
HORA-Projekte wieder zahlreiche Herzen
und Gemüter erreichen.
Auch auf der betrieblichen Ebene arbeiten wir an Bahnbrechendem: Ab Herbst
2020 wird der HORA-Grundbetrieb für die
Schauspieler*innen zum «Labor» umgestaltet, in dem sie gemeinsam mit diversen
Theater- und Kunstschaffenden in unterschiedlichen Theaterdisziplinen Neues entdecken, sich weiterbilden und künstlerisch
ermächtigen können. Einen Einblick in diese Labor-Idee geben die beiden künftigen
Labor-Leiter*innen Amadea Schütz und
Ivna Žic in diesem Heft.
Und nachdem unsere bisherige Homepage nach Jahren treuer Dienste zum Jahresende technisch den Geist aufgibt, haben wir nicht nur unseren Internet-Auftritt,
sondern gleich die gesamte HORA-Optik
gestalterisch neu erfinden lassen. Ein
Amuse-bouche dieses künftigen Auftritts
finden Sie in der Beilage.
Im Namen vom gesamten Team
möchte ich einen grossen Dank an all jene
Menschen aussprechen, die HORA ideell,
monetär oder ganz einfach mit Tat- oder
Muskelkraft unterstützen. Ohne Ihr Engagement würde es uns nicht geben. DANKE!
4
JETZT WO ZÜRICHS STADTTHEATER
DEN STÜCKE-KANON ABSCHAFFEN,
SCHAFFT THEATER HORA IHN SICH
AN!
5–6
STIMMEN ZU «MEDEA, DIE»
Das nächste grosse HORA-Stück
6
«WARTEN AUF GODOT»
Juni 2020: HORA-Premiere am
Neumarkt-Theater
11
«EIN SCHÖNER MOMENT WAR,
ALS ICH GESTORBEN BIN»
Die HORA-Schauspieler*innen Gianni
Blumer und Julia Häusermann erinnern
sich an TRISTAN UND ISOLDE, die
Zusammenarbeit von Theater HORA
mit dem Berliner Opernkollektiv Hauen
und Stechen
12–14
FRAGEN ZUM GEPLANTEN
HORA-LABOR
Die designierten Labor-Leiterinnen
im Interview mit den
HORA-Schauspieler*innen
19–21
TUTTI ODER NADA!
Über HORA-Gründer Michael Elber,
der im Sommer nach über 26 Jahren
künstlerischer Leitung unser Theater
verlassen hat
22
FÖRDERVEREIN
Theater HORA braucht Ihre
Unterstützung!
23
SAVE THE DATE
Mitgliederversammlung
23
ZUM SCHLUSS
Unterstützer*innen Theater HORA
Koproduzenten
Impressum
Curdin Casutt, Gesamtleiter Theater HORA
HORA SPIELT KLASSIKER
4
JETZT WO ZÜRICHS STADTTHEATER DEN
STÜCKE-KANON ABSCHAFFEN,
SCHAFFT THEATER HORA IHN SICH AN!
Im Frühjahr 2019 wagten wir uns, gemeinsam mit dem Berliner Musiktheater-Kollektiv Hauen und Stechen, an den ersten
grossen Klassiker: An die Oper TRISTAN
UND ISOLDE. Wir zerlegten sie in eine
Requisitenschlacht und sangen uns gerade, schief und einzigartig durch Richard
Wagners Vorlage, und alle waren Tristan
und alle waren Isolde. Nun stecken wir
bereits mitten in den Proben zu MEDEA,
DIE. Damit werden wir im Februar 2020
im Fabriktheater der Roten Fabrik Premiere feiern. «Wir», das sind gleich drei externe Regisseur*innen, das HORA-interne künstlerische Leitungsteam, ein Dramaturg, eine Musikerin sowie ein Chor
aus HORA-Spieler*innen.
Im Juni 2020 schliesslich wird eine
HORA-Version von Samuel Becketts
«Warten auf Godot» am Theater Neumarkt Premiere feiern. Dort werden wir
die sich wiederholenden Texte Becketts
so oft loopen, verzerren und von Tonband abspielen, bis sie wieder interessant werden – oder wir in den kollektiven
Schlaf der Gerechten fallen.
Jetzt wo Zürichs Stadttheater den
Stücke-Kanon abschaffen, schafft Theater HORA ihn sich an! Wir wagen den
Schritt, die Verletzlichkeit und grossartigen Spiel- und Performancequalitäten
der HORA-Schauspieler*innen auf klassische Vorlagen und Rollen zu übertragen und auf der Bühne und in verschiedensten künstlerischen Formaten sichtbar zu machen. Und dabei den Spagat
zu schaffen, sie durch diese Vorlagen und
Rollen nicht einzuengen, sondern damit
ihre Eigentlichkeit und Einzigartigkeit im
Spiel überhaupt erst richtig entfalten zu
lassen. Welche spielerische Praxis gibt es
zwischen «Authentizität» und Rollen-Darstellung? Wir brechen auf in den Bereich
dazwischen.
Gleichzeitig interessieren uns dabei
andere, kollektivere, vielstimmigere Formen des Regieführens: Das MusiktheaterKollektiv Hauen und Stechen besteht vor
allem aus Frauen. Bei MEDEA, DIE führen
gleich drei Künstler*innen mit unterschiedlichen Handschriften Regie und entwickeln
daraus einen gemeinsamen Abend. Bei
«Warten auf Godot» wird es ein ZweierRegie-Team geben, bestehend aus mir
und Manuel Gerst von der Berliner Performancegruppe Monster Truck, mit grosser
Partizipation der HORA-Spieler*innen.
Nele Jahnke, interimistische künstlerische Leiterin Theater HORA
TRISTAN UND ISOLDE
nach der Oper von Richard Wagner, Premiere war am 26. April 2019 (siehe auch
S.11 und die Bilderserie dieser Ausgabe)
MEDEA, DIE
nach Euripides u.v.a., Premiere am 15.
Februar 2020 (siehe auch S. 5-6)
WARTEN AUF GODOT
nach Samuel Beckett, Premiere am 11. Juni
2020 (siehe auch S.6)
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
5
STIMMEN ZU «MEDEA, DIE»
Das nächste grosse HORA-Stück
Für das neue HORA-Projekt MEDEA, DIE
haben wir gleich drei externe Künstler*innen
eingeladen, für das Ensemble Regie zu führen
oder eine Choreografie zu entwickeln: Katharina Cromme, die nicht nur inszeniert, sondern auch selber schreibt und sich überhaupt
intensiv mit Sprache befasst, Leonie Graf, die
sich gleichsam mit Theater und mit Bewegung/Tanz beschäftigt sowie Phil Hayes , der
einen eher konzeptionellen Ansatz verfolgt.
Die drei arbeiten an einem gemeinsamen
Theaterabend, aber zunächst separat mit
dem HORA-Ensemble. Hinzu kommen Anna
Fierz, Nele Jahnke, der Dramaturg Kris Merken und Amadea Schütz, die mit einem Chor
von 15 HORA Spieler*innen arbeiten, der den
Rahmen gibt für die szenischen Beiträge der
drei Gastkünstler*innen, sowie Gessica Zinni
aka «Taimashoe» als Musikerin des Projekts.
Eine Art grosses künstlerisches Leitungskollektiv also für einen dezidiert vielstimmigen
Abend, an dem sich die «Handschriften» der
Einzelnen nicht in Konkurrenz zueinander
begeben, sondern in Dialog treten und so einen möglichst bunten und widersprüchlichen
Gesamtabend entstehen lassen sollen, eine
Reise durch heterogene Landschaften. So
vielstimmig wie der Abend werden soll, so
sind auch die Stimmen der beteiligten künstlerischen Leiter*innen dazu…
Jason und Medea sind ja eine Familie
und haben Kinder. In den meisten Versionen sind es brave und stumme Kinder,
die am Ende dran glauben müssen. Aber
die jungen Menschen, mit denen wir heute so leben, sind ja nicht brav und stumm.
Und wollen auch nicht dran glauben.
Katharina Cromme, Regisseurin bei MEDEA, DIE
Mich interessiert, dass wir uns bei HORA
mit Frauenbildern befassen, die weit in die
Theatergeschichte zurückgreifen – gerade weil sich die Spieler*innen von Theater HORA oft nur mit den sehr normativen Frauenbildern der Popkultur (DSDS,
Schlager, Helene Fischer) und Hochglanzmagazine beschäftigen.
Nele Jahnke, eine der vier Chorleiter*innen bei MEDEA, DIE
Ich beschreibe als Regisseur meistens nur
eine Ausgangsposition – a starting point.
Etwas, worauf ich neugierig bin oder Appetit drauf habe. Der Rest entsteht kollaborativ. Ich finde, es ist wie beim Kochen; du
weisst ungefähr, auf was du Lust hast und
du weisst, was du im Kühlschrank hast, was
die Zutaten sind – und damit beginnst du.
Aber was es konkret wird, weiss niemand.
Die HORAs und ich müssen zuerst mal einen Weg finden, wie wir zusammen arbeiten können. Wohin führt uns dieser Weg?
Phil Hayes, Regisseur bei MEDEA, DIE
Für mich ist Medea die Vertreterin all jener, die im politischen Raum kein Gehör
finden, die direkt mit der Gewaltsamkeit
der gesellschaftlichen Verhältnisse konfrontiert sind und nur durch Grausamkeit
noch fähig sind, zu handeln.
Kris Merken, Dramaturg bei MEDEA, DIE
Es gibt so einen Satz: Das Schiff liegt sicher
im Hafen, aber dazu wurde es nicht gebaut.
Dieser Satz kommt mir oft in den Sinn. Ich
wurde auch nicht gebaut, um im Hafen zu
liegen. Und mit HORA zu arbeiten ist eine
Expedition mit herrlichem Wind.
Katharina Cromme, Regisseurin bei MEDEA, DIE
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
6
In der Zusammenarbeit mit Caitlin, Fredi,
Matthias Grandjean und Julia interessiert
mich ihr Ausserfragestellen der eigenen
Wahrnehmung. Diese bildet den Ausgangspunkt für ihr künstlerisches Handeln,
und somit auch den Startpunkt für unsere gemeinsame Arbeit an MEDEA, DIE.
Mich reizt ihr jeweiliger Zugang zum antiken Stoff, ihre Kraft, sie selbst zu sein, und
ihr Humor ihrem Spiel gegenüber.
Leonie Graf, Choreografin und Regisseurin bei MEDEA, DIE
Es gibt nicht die eine Version der Medea,
sie wurde immer wieder geformt und ausgestaltet! In den ersten Proben mit den
HORAs habe ich schon gemerkt, dass
auch sie den Stoff nach ihren Vorstellungen ganz schön frech anpassen! Von
ihnen und ihren Improvisationskünsten
kann ich nur lernen.
Gessica Zinni aka «Taimashoe», Musikerin bei MEDEA, DIE
Beschreibung der Chorarbeit: Wir suchen
gemeinsam nach neuen Bewegungen.
Nach neuen Sprachen, Geräuschen und
Klängen. Unsere Entdeckungen verschmelzen zu einem Chor. Einem Chor, der die
Geschichte Medeas erzählt. Mal leise, mal
laut. Mal fliessend, mal stotternd zerlegen wir diesen alten Stoff in tausend Teile.
Um diese dann wieder neu zusammenzusetzen. Was dabei rauskommt wissen wir
nicht. Und das ist gut so.
«WARTEN AUF
GODOT»
Juni 2020: HORA-Premiere am Neumarkt-Theater
In Zeiten des Um- und Aufbruchs wird
im Juni 2020 bei HORA noch einmal exzessiv der Stillstand gefeiert: Mit Samuel
Becketts weltberühmtem Klassiker WARTEN AUF GODOT, in einer Kooperation
von Theater HORA und Nele Jahnke und
Kolleg*innen mit dem Neumarkt-Theater
und Manuel Gerst von der Berliner Gruppe Monster Truck. Die Handlung: Zwei
verlorene Gestalten warten auf einen Erlöser, der doch nie kommen wird. Unter
einem kahlen Baum harren sie aus, getreu
Becketts Motto: «Scheitern. Wieder versuchen. Besser scheitern». Scheitern und weitermachen war immer das Grundverständnis vom Theater HORA. Bleibt alles also
in einer Zeitschleife gefangen, oder kommt
er doch noch am Ende, der Erlöser, Godot oder wie immer er oder sie oder es
auch heissen mag? Die Premiere findet
im Juni 2020 im Theater Neumarkt statt.
Das Thema ist konsequenterweise HORA
selbst: die ZEIT. Ein Schritt zurück, zwei
nach vorne.
Anna Fierz, eine der vier Chorleiter*innen bei MEDEA, DIE
AUFFÜHRUNGSDATEN
Sa 15.02. (Premiere), Di 18.02., Mi 19.02.,
Fr 21.02., Sa 22.02., So 23.02.2020
Fabriktheater der Roten Fabrik, Zürich
www.fabriktheater.ch
AUFFÜHRUNGSDATEN
Do 11.06. (Premiere), Sa 13.06., So 14.06.,
Mi 17.06., Fr 19.06., Sa 20.06., Mi, 24.06.,
FR, 26.06., SA, 27.06.2020
Theater Neumarkt, Zürich
www.theaterneumarkt.ch
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
HORA SPIELT KLASSIKER
11
«EIN SCHÖNER MOMENT WAR,
ALS ICH GESTORBEN BIN»
Die HORA-Schauspieler*innen Gianni Blumer und Julia Häusermann erinnern sich an TRISTAN UND ISOLDE,
die Zusammenarbeit von Theater HORA mit dem Berliner Opernkollektiv Hauen und Stechen
Es geht um zwei Menschen, die sich lieben, aber nicht dürfen.
Es gibt auch zwei Menschen, die das nicht
wollen, sonst wird Tristan ermordet. GIANNI
BLUMER: Hauen und Stechen: Ich finde das
brutal. Köpfen und stechen. Das waren die
von unserem Opernprojekt. Julia Lewowski
war eine Regisseurin, die aus Deutschland
gekommen ist, mit den Sängern. Sie hat
das mega super gemacht. Sie hat das mit
ihrem Style durchgesetzt, sie hat unsere
Gruppe verkleinert. JH: Zuerst hauen sie,
dann stechen sie. Vera. Julia. Gina. Roman.
Armands. Mascha. Die Oper. GB: Zwei
Menschen waren verheiratet, der König
mit der Isolde. Aber Tristan darf nicht, er
muss auf seinen König hören. Er macht es
aber trotzdem einfach, er wehrt sich. Als
er klein war, kannte er Isolde noch nicht.
Seine Eltern sterben durch Morold. Er wird
ein starker Mann und bekämpft ihn dann.
Erst dann geht sein Abenteuer los. Er
köpft Morold. GB: Die Geschichte handelt einfach von Beziehungen. Einer verrät
Tristan, dass er mit Isolde zusammen ist,
da hatte der König nicht so viel Freude.
Er wurde am Bauch verletzt, am Schluss
stirbt er und Isolde ist alleine. JH: Allgemein hat es mir sehr viel Spass gemacht.
Ich habe es genossen. Ich war freudig aber
auch traurig und sauer, mal hoch dann
runter. GB: An einem Abend habe ich alleine geprobt mit den Sängern. Julia sagt
etwas und dann machen wir das und das.
Finde ich auch sehr anstrengend. Ich habe
Roman gefragt ob ich ein Lied üben darf
JULIA HÄUSERMANN:
und ich durfte es dann allen vorspielen.
Die Aufnahme fürs Radio war auch super
vom Lied «Mild und leise, Liebestod». JH:
Manchmal war es auch zu laut. GB: Es
gab viele Änderungen, nehme ich an. Am
Schluss war es aber mega gut. Die Premiere war in Berlin in Deutschland. JH: Die
Aufführungen waren der Hammer, es gab
Leute die hatten auch Freude oder haben
geweint. Was mir nicht so gefallen hat ist,
dass ich zwei Mal zu spät war im Hostel in
Berlin. Das Essen war top. Die Menschen
waren extrem nett zu mir. Das Leben dort
war schön. Ich habe viel geredet, auch mit
den Schauspielern. Ein schöner Moment
war, als ich gestorben bin und gesagt habe:
«Meine Mutter…» Es war gut, es hat ihnen
auch gut gefallen. Sie haben mir gesagt:
«Tristan, wie kannst du so gut spielen? Es
hat mich so berührt!» GB: Reini und der
Papi waren da. Der Papi hat gefragt, ob
es auch Bier gibt oder nur blaues Wasser,
aber er fand es auch schön. Reini fand es
mega und das Mami sagte: Das hat mir
wirklich gefallen. Und Katriona fand es
spannend. Und ich, wenn ich draussen hocken und das Stück ansehen würde, dann
würde ich sagen: «Ich finde es mega super,
es hat mir gefallen.»
Die ersten beiden Aufführungsserien von
TRISTAN UND ISOLDE waren vom 26.
(Premiere) bis 30. April 2019 in den Berliner Sophiensaelen und vom 18. bis 25. Mai
2019 im Fabriktheater der Roten Fabrik.
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
HORA-LABOR
12
FRAGEN ZUM GEPLANTEN HORA-LABOR
Die designierten Labor-Leiterinnen Amadea Schütz und Ivna Žic im Interview mit den HORA-Schauspieler*innen
Wieso heisst das
Labor «Labor»? Mischen wir dort Chemie?
Weil wir hier ganz neue Formen von Theater ausprobieren wollen – wirklich ein bisschen wie mit Chemie mischen. Wir wollen
herausfinden, woraus das Theater besteht
und was wir alles damit machen und erfinden können. Das Labor ist ein Ort, an dem
jede und jeder suchen kann, was sie oder er
am Theater alles sein kann. Es gibt so viele
Möglichkeiten! Dafür wollen wir auch andere Künstler*innen und Expert*innen einladen, die mit uns das Theater neu mischen…
Remo Beuggert und Fredi Senn:
Ist Labor ein altlateinisches Wort
für Veränderung? Wir hoffen JA!
Robin Gilly:
Wieso gibt es überhaupt eine Veränderung im HORA? Weil selten alles so
bleibt wie es ist – weder im Leben noch im
Theater. Das ist nicht immer einfach, aber
in jedem Fall ein Abenteuer!
Caitlin Friedli:
Was für Experimente werden wir
machen im Labor? Kunstexperimente. Theater, Tanz, Musik, Hörspiele, Schreiben, Malen, Denken, Diskutieren, Werken, Bauen…
Fredi Senn:
Was steckt für eine Idee dahinter? Wir wollen für alle Schauspieler*innen
eine sinnvolle Tätigkeit, und tolle Projekte
für alle! Andererseits wollen wir noch
mehr Kunst machen. Nicht nur Theater,
sondern auch Musik, Tanz, Malen, Bauen, Nähen. Wir wollen, dass die HORAs
sich noch weiter entwickeln können, auch
in neue Richtungen. Die HORAs sollen
mehr Raum bekommen, um eigene Ideen
zu verfolgen. Wir werden auch gemeinsam Stücke schauen gehen und darüber
sprechen. Und das alles soll in einem geschützten Raum geschehen, ohne Druck
und mit vielen Möglichkeiten.
Remo Beuggert:
Machen wir im Labor einen Liebestrank? Auch das können wir versuchen.
Simone Gisler:
Ist das Labor so was Ähnliches
wie eine Schule? Wenn Schule ist, dass
man miteinander spannende Sachen diskutiert und ausprobiert mit Leuten aus
verschiedenen Richtungen, dann ja. Es
gibt dort aber sicher keine Noten, kein
Richtig und Falsch, sondern viele verschiedene Meinungen und Erfahrungen.
Remo Beuggert:
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
13
Lernen die HORA-Schauspieler*innen im Labor neue Leute kennen? Ja, ganz viele unterschiedliche! Jeden
Tag gibt es zusätzlich zur Betreuung eine
Künstlerin oder einen Künstler, die oder
der Dozent*in ist. Dozent*innen können
Leute sein, die alle schon kennen, wie Roli
(Leiter der HORAB’BAND) oder Nele
(Jahnke), aber auch neue Leute, die noch
nie mit dem Ensemble gearbeitet haben.
Wir möchten viele unterschiedliche Menschen einladen, mit uns Kunst zu machen.
Aus den Bereichen Theater und Tanz,
aber auch aus anderen. Aus der Schweiz
und aus der ganzen Welt.
Matthias Brücker:
Wo wird das Labor überhaupt
sein? Voraussichtlich im umgestalteten Casinosaal.
Remo Beuggert:
Gibt es im Labor auch ein
Büro? Ja, auch ein kleines Büro wird es
dort geben.
Julia Häusermann:
Muss man sich umziehen im Labor? Das bleibt wie bisher: wir sind froh,
wenn alle in Trainingskleidern proben.
Gianni Blumer:
Werden im Labor auch Aufführungen gezeigt? Nachdem ein*e Dozent*in
mit allen HORAs aus dem Labor ein Workshop oder Projekt gestaltet hat, gibt es
immer die Möglichkeit einer Werkstattaufführung. Es muss keine geben, aber es darf.
Es wird auch weniger für ein*e Regisseur*in
oder für ein*e Künstler*in geprobt, sondern
die Dozent*innen führen die HORAs in ihre
Kunst und ihre Arbeitsweise ein und es gibt
hoffentlich viel gemeinsames Schaffen.
Immer wenn die Lust oder der Drang besteht, können wir Werkstattaufführungen
organisieren. Die werden aber wohl eher
kürzer und kleiner sein, ohne Flyer und
Billets.
Remo Beuggert:
Hat das Labor etwas mit Heilpädagogik zu tun? Eher nicht. Es wird sicher auch agogisch oder pädagogisch geschultes Personal geben (so wie ich selbst
(Amadea) ja auch), aber es wird vor allem
um Kunst gehen und ums Ausprobieren.
Robin Gilly:
DAS HORA-LABOR
Neue «Homebase» des HORA-Ensembles
wird ab September 2020 das HORALabor: Ein geschützter Raum zum Erforschen, Erfahren und Sich-zueigen-machen
von Theater und Kunst auf allen Ebenen,
zum Ausprobieren unterschiedlichster
Perspektiven und Arbeitsweisen, zum gemeinsamen Aushandeln, was Theater und
Kunst überhaupt ist, sein kann und sein
soll, für Spass und lustvolles Arbeiten,
Denken, Ausprobieren, Scheitern, Hinterfragen, Neuerfinden, Falschmachen und
ohne Angst vor Herausforderungen. Ziel
ist es, den Schauspieler*innen neue Horizonte zu eröffnen – nicht nur in verschiedenen Kunst- und Performancerichtungen,
sondern auch in Sachen Organisation,
Verantwortung tragen und Kommunikation. So sollen sie dazu ermächtigt werden, noch eigenständigere Künstler*innen
zu werden – sofern sie dies möchten.
Der Labor-Betrieb findet kontinuierlich statt, von Montagmorgen bis Freitagabend am selben Ort. Neben der Laborleitung und dem agogischen Fachpersonal
wird es unterschiedliche Dozent*innen
geben, die den Schauspieler*innen neue
Arbeitswerkzeuge vermitteln. Einigen von
ihnen sind dem Ensemble wohlbekannt,
andere neu. So bekommen die HORAs die
schöne Möglichkeit, viele unterschiedliche
Künstler*innen kennenzulernen. Es wird Arbeitsphasen mit Stundenplan geben, aber
auch abgeschlossene Blöcke unter der Leitung externer Künstler*innen, die sich über
mehrere Wochen erstrecken können.
Proben einzelne Ensemblemitglieder
an neuen Stücken (von Theater HORA
oder auch extern), oder haben sie Gastspiele, dann verlassen sie für diese Zeit
das Labor – um anschliessend wieder
hierhin zurückzukehren. Und wann immer
eine Platz frei wird im 18-köpfigen HORAEnsemble, können im laufenden LaborBetrieb auch neue Schauspieler*innen
ausgebildet werden – in dieser Hinsicht
ist das Labor auch eine zeitgemässe und
verantwortungsvolle Lösung für das Thema Ausbildung.
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
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Arbeiten wir auch mit den Händen im Labor? Gestalten? Malen? Ja unbedingt! Wir wollen mit allen Sinnen arbeiten – mit den Ohren, der Stimme, dem
Körper – die Hände gehören dazu.
Noha Badir:
Gibt es im Labor Schutzmasken? Oder Theatermasken? Es wird Masken
geben. Wir werden bestimmt auch Masken
bauen. Vielleicht sogar auch Schutzmasken.
Matthias Grandjean:
Lucas Maurer: Gibt es im Labor eine WLANVerbindung? Ja sicher.
Und schauen wir auch Filme im Labor? Filme werden wir auch bestimmt
ab und zu schauen – so wie jetzt ja auch
schon, wenn es einen guten zu einem Thema gibt, das uns beschäftigt.
Gibt es eine Testphase für das
Labor? So was wie eine Probezeit? Also
schauen wir nach einer Zeit, ob das Labor
überhaupt cool ist? Wir möchten das Labor auch mit den Schauspieler*innen zusammen gestalten. Wenn etwas nicht cool
ist, dann wollen wir es gemeinsam so verändern, dass es cool wird.
Remo Beuggert:
Ab wann beginnt das Labor? Ab
September 2020.
Fredi Senn:
Cécile:
Matthias Grandjean:
Gibt es auch Tanz im Labor?
Auch Tanz wird ein fester Bestandteil der Labor-Arbeit sein. Momentan sieht es so aus,
dass es am Montagmorgen Tanz und Yoga
gibt. Und zwar offen für alle, auch ausserhalb vom HORA. Aber es wird auch immer
wieder Projekte mit Tänzer*innen geben.
Was für Spiele und Aufwärmen machen wir im Labor? Wir werden weiter
die Spiele und Übungen machen, die wir
schon kennen. Aber hoffentlich bringen
neue Leute auch neue Spiele mit.
Cécile:
Können die Eltern auch mal ins
Labor kommen? Das fänden wir sehr schön!
Gianni Blumer:
Was haben wir für Arbeitszeiten im Labor? Wann haben wir
Feierabend? Es werden normale Arbeitszeiten sein, Die genauen Uhrzeiten wissen
wir noch nicht, aber die Arbeitszeiten werden sicher ähnlich bleiben wie im Moment
auch. Also Feierabend so gegen 17:00 Uhr.
Caitlin Friedli und Cécile:
DIE LABOR-LEITERINNEN
Amadea Schütz kennt das HORA seit vielen Jahren, zuerst durch Praktika, dann als
Leiterin der HORAmatöre und seit 2017
als Assistentin der künstlerischen Leitung.
Als solche konnte sie die Strukturen, Inhalte, Mitarbeiter*innen und insbesondere das Ensemble von Theater HORA sehr
genau kennenlernen. Ihre doppelte Ausbildung – in der Theaterpädagogik sowie
in der Sozialen Arbeit – zusammen mit
der bisherigen Arbeitserfahrung im HORA
macht sie zu einer ausgesprochenen Fachperson für die Laborleitung, in die sie auch
ihre künstlerische Auseinandersetzung mit
inklusiver Theaterarbeit stärker einbringen
möchte.
Ivna Žic arbeitet seit 10 Jahren als Regisseurin, Autorin (nominiert u.a. für den
Österreichischen und Schweizerischen
Buchpreis) und Dozentin. Sie bringt eine
langjährige künstlerische Erfahrung in unterschiedlichen Theater-Disziplinen mit,
hat sowohl in der freien Szene als auch an
Stadttheatern im gesamten deutschsprachigen Raum gearbeitet, verwirklichte Projekte mit Geflüchteten, Laien und grossen,
durchmischten Gruppen und verfügt über
ein dementsprechend weites Netzwerk. Sie
arbeitet häufig kollektiv und interdisziplinär
und setzt sich aktiv mit unterschiedlichen
Ästhetiken und Arbeitsweisen auseinander,
ebenso wie mit Ausbildungsstrukturen und
dem Erforschen der Grundbedingungen
von Theater.
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
MICHAEL ELBER
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TUTTI ODER NADA!
Über HORA-Gründer Michael Elber, der im Sommer nach über 26 Jahren
künstlerischer Leitung unser Theater verlassen hat
Es gab da mal einen Typen in Zürich, der
hat mit so genannten «anders Begabten»
gearbeitet. Theater und so was alles. Meistens hat er sie behandelt wie sich selbst.
Mal besser, mal schlechter. Augenhöhe,
sagen manche. Die Leute wurden plötzlich unerwartet selbstbewusst, obwohl andere doch jahrelang versucht hatten, sie
main-strom-linienförmig zurechtzuföhnen. Aber am Ende ging es darum eigentlich gar nicht. Das war ja das Gute. Es ging
vielmehr darum, ein interessantes, ganz
anderes Theater zu machen. Und das ist
ihm gelungen. Obwohl er wirklich alles versucht hat, dass es schief läuft.
Carl Ludwig Hübsch, Musiker und seit fast 20 Jahren Performer
bei DIE LUST AM SCHEITERN
Als ich ihn kennenlernte, war er davon
überzeugt, mit dem Theater etwas zu bewegen, etwas Nachhaltiges in der Welt
der Behinderten, von Menschen, die anders ticken, zu hinterlassen. Er war und
ist für mich ein Freigeist, der Unmögliches
möglich machte und daran glaubte, auch
wenn er öfters gegen die Wellen schwimmen musste. Für mich war er Inspiration
und ein wichtiger Mensch – in meinem
Leben und in meiner beruflichen Welt.
Michi, du hast für diese Menschen etwas
Grossartiges geschaffen. Danke dir für
die Jahre, in denen wir gemeinsam dafür
gegangen sind, und dass du es weitergeführt hast!
Gerda Fochs, auf deren Initiative Michael Elber 1989 begann, mit
Menschen mit «geistiger Behinderung» Theater zu machen, später
Mitbegründerinvon Theater HORA und bis 1995 dessen erste
Präsidentin
Er war ein guter Regisseur, wie er das
Theater gegründet hat. Das ist der einzige Mensch, der mich im Casting ausgesucht und gelobt hat. Dank ihm darf ich im
HORA schaffen. Wenn ich BOB DYLAN
anschaue: das hat er megamega super
gemacht, er ist einfach top.
Gianni Blumer, HORA-Schauspieler seit 2008
Was Michael Elber für die sogenannt «geistig behinderten» Menschen geschaffen
hat, hat er mit ihnen zusammen gemacht,
und nicht so viel – oder eben nur das dafür nötige – mit anderen Nichtbehinderten
darüber geredet. Er hat sich immer, und so
ist es noch, für die Möglichkeiten des Handelns interessiert. Und so kommt es, dass
es ohne ihn all das nicht gäbe, was HORA
ist, war, vielleicht sein wird.
Chris Weinheimer, Musiker und seit fast 20 Jahren Performer bei
DIE LUST AM SCHEITERN
Das HORA war auch immer ein symbolischer Ort, der für eine Utopie steht –
lange vor der Freien Republik HORA. Ein
trotziger Ort, der der Welt den Spiegel
vorhält. Der zeigt: Schaut mal diese Leute,
die ihr für beschränkt haltet, sie sind viel
grösser und toller und normaler als diese
ganze verkrachte Gesellschaft. Da ist für
mich viel Elber dabei. Auch darin, dass er
sagt: Ja und ich bin auch so, und hier bin
ich lieber als bei Euch. Das kann ich sehr
gut verstehen, und es ist keine einfache
Haltung für ein ganzes Leben.
Ohne Michi kann man sich das HORA
kaum vorstellen, denn hinter diesem undurchsichtigen Charakter steckt dann doch
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
20
so etwas wie eine grosse Idee. Gibt es einen
anderen Verrückten, der gleichzeitig utopisch ist, unverschämt, anstrengend und
liebevoll und überhaupt nicht brav, und
der bereit ist, so viel zu investieren und jeden Tag diesem Ensemble gegenüber zu
treten und mit ihm zu arbeiten und nachts
Schrei-Emails über neue Projekte und Kooperationen zu verfassen? Gibt es solche
Charaktere noch unter den Jüngeren? Ha,
ich glaube nicht!
Florian Loycke, künstlerischer Kopf vom Berliner Schaumstoffpuppen- und Performance-Kollektiv Das Helmi
Michi haben wir als sehr engagierte Person
kennen gelernt, der viele Projekte und Ideen
fast gleichzeitig realisieren wollte. Er ist ein
Hans Dampf in allen Gassen. Wir konnten
ihm manchmal gedanklich nicht folgen. Da
er von seinem Tun sehr überzeugt ist, lässt
er oft keine anderen Meinungen zu. Er wird
dem HORA bestimmt fehlen. Doch es ist
wie in einer «normalen» Familie: Die Nachfolger werden bestimmt versuchen, sein
Erbe in Zukunft möglichst gut weiterzuführen. Nicht auf die gleiche Art, aber sicher in
seinem Grundgedanken.
Bea und Peter Brücker, Eltern des HORA-Schauspielers Matthias
Brücker
Michi Elber hat in meinen Augen eine unfassbar besondere Leistung und eine einzigartigen Einsatz an den Tag gelegt. Er
hat das Theater HORA ohne viel Support
und mit höchstem Idealismus quasi von
Null aufgebaut, entwickelt und langfristig
etabliert. Und das schon lange, bevor Politik und Kulturmanagement die Kunst von
Behinderten entdeckt und gefördert haben. Sein unermüdlicher Einsatz war Zivilcourage im allerbesten Sinne des Wortes.
Sebastian Gramms, Musiker und seit fast 20 Jahren Performer bei
DIE LUST AM SCHEITERN
Ich kann mich Sebastian nur von ganzem
Herzen anschließen. Und vielleicht noch
hinzufügen, WIE er all das geschafft hat:
Mit (s)einer vorbildhaften, im besten Sinne
gewaltfreien, bedächtigen Art, die ihresgleichen sucht. Dieses WIE ist für mich untrennbar mit dem WAS verbunden.
Ole Schmidt, Musiker und seit fast 20 Jahren Performer bei
DIE LUST AM SCHEITERN
Was HORA Michael Elber verdankt? Alles!
Anfangs konnte es noch vorkommen,
dass wir uns an den Kopf griffen bei Michaels Ideen und uns fragten, was meint
er eigentlich? Meint der das jetzt wirklich
ernst? Sein Gedankenreichtum, seine
Begeisterungskraft, seine Hartnäckigkeit
und die verschlungenen Erklärungen haben uns aber bald überzeugt, denn das
Ergebnis war: HORA – ein einzigartiges,
tolles Theater, aber auch eine zutiefst
menschliche Arbeitsstätte, eine Heimat,
eine Brutstätte ungeahnter, genialer
Ideen, eine Probebühne fürs Leben…
Michael hat die Ensemble-Mitglieder
als vollwertige Menschen, nicht als hilfsbedürftige Behinderte wahrgenommen.
(«Ihre Behinderung interessiert mich
nicht!») Er hörte zu und diskutierte mit
ihnen auf Augenhöhe. Das ist Menschenwürde. Das gibt Selbstvertrauen und
Mut, dem Leben zu begegnen. Er hat uns
gezeigt, was alles möglich ist, wenn Herz
und Ohren und Augen offen sind.
Verena Grandjean, Mutter des HORA-Schauspielers Matthias
Grandjean
Ich finde es lässig, dass er so ein Theater
gegründet hat und so drangeblieben ist.
Dass er was aufgebaut hat, das weiterleben kann auch ohne ihn. Ich fand lässig,
dass ich mit dir Michael noch nach Macao reisen konnte. Manchmal hätte ich
dich auch in den Proben an die Wand
HORA-Magazin Nr. 47, Dezember 2019
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knallen können, weil unsere Ansichten anders waren – wir haben viel diskutiert. Ich
wünsche dir für die Zukunft das Beste!
Sara Hess, HORA-Schauspielerin seit 2007
Eine Produktion mit ihm zu machen ist
wirklich wie eine Odyssee. Eine stürmische
Überfahrt ins Unbekannte, durch grossartige Erlebnisse. Da gibt es Momente des
Wahns, der Genialität, da sind üble Pannen und da wird immer weiter versucht.
Das wissen auch die Akteure, auf die es
bei Michi immer in erster Linie drauf ankommt. Aus ihnen zieht er seine Ideen, auf
sie baut er. Da ist er eben auch bei hohem
Seegang immer ein genauer Beobachter.
Bei ihm geniessen die Schauspieler*innen
viel kreativen Ausgang. Da darf und soll
probiert und gewagt werden. Sein tausendmal gehörtes Motto ist allen bekannt:
«Spielt oder bleibt zu Hause!» Ja, und so
ist das auch gemeint. Tutti oder nada. So
ist das Tutti natürlich manchmal auch zu
viel, und bringt Emotionalität und organisatorisches Chaos. Das ist dann anstrengend. Was Michi mit seinem totalen
Theater meint, das hat er mit seiner (vor-
erst) letzten Inszenierung BOB DYLANS
115TER TRAUM nochmal eindrücklich
gezeigt. Diese Produktion (und da passt
Odysseus perfekt ins Bild) ist wie ein
schwankendes, riesiges Segelschiff, das
in einem Sturm mit voll geblähten Segeln
auf uns zuschwankt, voller Grösse und
Erhabenheit, unter höchster Gefahr! Die
Grösse und ihr Scheitern liegen nur eine
Orkanspitze auseinander. Gleich werden
wir von einer Welle oder vom ganzen Kahn
überrollt werden. Im Mindesten fliegt uns
eine gelöste Planke an den Kopf und lässt
uns zur Vernunft kommen oder endgültig
untergehen. Wir haben keine Wahl. Das ist
Gänsehaut pur. Merci Michi!
Roli Strobel, künstlerischer Leiter der HORA’BAND
Michi, auch toll finde, auch gerne habe.
Auch Familie Elber grüssen. Auch vielen
Dank dafür. Dreimal, viermal mit durfte.
Mir gefällts sein Abschied so lala. Ich
finde es schade. Die MEDEA-Aufführung
möchte ich Michi einladen. Mein Wunsch
ist, Michi Gruppe HORA zum Weihnachtessen einladen.
Matthias Grandjean, HORA-Schauspieler seit 2003
FÖRDERVEREIN
22
THEATER HORA
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Theater HORA ist seit 2002 Teil der Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich eine wiederkehrende Kultursubvention.
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Mittwoch 29. April 2020
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Das Magazin des Theater HORA –
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Redaktion
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Beiträge
Noha Badir, Remo Beuggert, Gianni
Blumer, Matthias Brücker, Curdin Casutt,
Katharina Cromme, Anna Fierz, Caitlin
Friedli, Robin Gilly, Simone Gisler, Leonie
Graf, Sebastian Gramms, Matthias Grandjean, Julia Häusermann, Phil Hayes, Sara
Hess, Carl Ludwig Hübsch, Nele Jahnke,
Adrian Mai, Conny Marinucci, Lucas
Maurer, Tiziana Pagliaro, Ole Schmidt,
Amadea Schütz, Fredi Senn, Roli Strobel,
Chris Weinheimer, Ivna Žic, Gessica Zinni
aka «Taimashoe»
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(S.1–2, S.7–10, S.15–17, S.23),
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Nele Jahnke, interimistische künstlerische Leiterin, seit 2013 bei Theater HORA
WAS MICH AN DEN HORA-SCHAUSPIELER*INNEN INTERESSIERT? ALLES. ALLES. ALLES. IHR HUMOR. IHRE ABSURDITÄT.
IHRE VERLETZLICHKEIT. IHRE SOUVERÄNITÄT. IHRE WIDERSPRÜCHLICKEIT. IHRE AUTONOMIE. IHRE EINZIGARTIGKEIT. ICH HABE
MIT NIEMANDEM SO VIEL SPASS WIE MIT IHNEN, NIEMAND ÜBERRASCHT UND BERÜHRT MICH SO TIEF WIE SIE.
-
12/2018 – HORA Magazin Nr. 46
NR. 46, DEZEMBER 2018
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3–4
EDITORIAL
Lieber Giancarlo,
Am liebsten würde ich mit dir zusammensitzen und wie damals – als wir
schlicht die Zeit nicht hatten, um allein
ein halbwegs vernünftiges Editorial zu
schreiben – einfach gemeinsam drauflosfantasieren. So, wie auch du immer das
gemeinsame Gespräch, die gemeinsame
Arbeit gesucht hast. Unser Gespräch aufnehmen und mit allen «ähms» und «hmms»
transkribieren. Weisst du noch, so haben
wir damals beschlossen, das Editorialzeitproblem zu lösen. Effizient, lustvoll, leidenschaftlich, originell und nicht normal. Und
wir hatten Spass. Okay, ich mach diese
Würdigung von dir jetzt alleine…
5 –6
VIER HAUSSREGISSEUR/-INNEN,
VIER STÜCKE
… im HORA-Jubiläumsjahr 2018
7–18
EGOTOPIA – DER STAAT BIN ICH
Eine Bilderserie von Maxi Schmitz
19–21
CURDIN CASUTT,
NEUER HORA-GESAMTLEITER
… antwortet auf die Fragen des
HORA-Ensembles
22
FÖRDERVEREIN
Theater HORA braucht Ihre
Unterstützung!
23–24
ZUM SCHLUSS
Tausend Dank!
Impressum
Agenda Dezember 2018 – Mai 2019
ZUR BILDERSERIE (S.7–18)
Als Nele Jahnke mich fragte, die Bilder für
ihr Stück EGOTOPIA zu machen, kam die
Idee auf, auf ein klar lesbares Zeichen von
Macht und solitärer Stellung zurückzugreifen: Königsportraits – für mich gleichzeitig
Ausdruck von Macht und von Einsamkeit.
Die Menschen darauf scheinen in einen
Rahmen gepresst, den sie schweigend ertragen. Wenn ich solche Portraits in einem Museum betrachtete, taten mir die Menschen
darauf leid in ihrer Isolation, und doch erschauderte ich auch vor der Macht und der
Grausamkeit, die sie ausstrahlen konnten.
Auf unseren Versionen solcher Bilder waren
die Mitglieder des HORA-Ensembles so
stark, dass ich diesen dominanten Menschen etwas entgegensetzen musste: Stilleben. Hier herrscht der Mensch über das
Tier und die Pflanzen, reisst sie aus ihrem
natürlichen Umfeld und lässt sie auf seinem
Tisch oder in einer Vase vergehen. Mir war
es aber wichtig, dass sich diese toten Dinge
zur Wehr setzen, dass ihre leblosen Körper aufbegehren und zu neuen lebendigen
Formen und Wesen werden, dass sie der
absoluten Überlegenheit dieser Menschen
etwas entgegensetzen. Wenn Fotografie
das Festhalten eines Augenblicks ist, dann
handelt es sich bei dieser Bilderserie nicht
um Fotografien im üblichen Sinne, sondern
um Bilder, die mit fotografischen Mitteln
gemacht wurden. Hier wird kein Augenblick
eingefangen, sondern etwas erzeugt: eine
stehende, andauernde Stimmung.
Maxi Schmitz, Fotografin
Ich könnte zum Beispiel ausführlich erläutern, wie du im Dezember 1999 von unserem damaligen Vereinspräsidenten beim
ersten Bewerbungsgespräch (im Sprüngli
am Paradeplatz) wahrgenommen wurdest:
als beeindruckende und positive Persönlichkeit mit sehr viel praktischem Verstand,
Herzblut und Engagement. Noch waren wir
nicht Teil von Züriwerk, und du warst mein
Wunschkandidat für die Geschäftsführung
des HORA-Vereins.
Ich könnte aber auch von unserer ersten gemeinsamen, aufregenden kulturellen Gross-Tat für die Stadt Zürich berichten, noch bevor du zu HORA kamst. Vor
24 Jahren, im April 1994, inszenierten wir
gemeinsam mit 4.-Klass-Schüler/-innen
des Schulhauses Kornhausbrücke (du
warst damals dort Lehrer) für eine breite
Öffentlichkeit «Die Konferenz der Tiere
1994» über die Situation der Kinder im
städtischen Sorgenquartier. Diese Produktion war wahrscheinlich unsere grösste �
4
� und gemeinsamste Tat überhaupt.
Schon damals konnten wir es nicht lassen
und gingen zusammen an die Grenzen.
Du hattest die Vision einer Tour durch die
ganze Stadt. Du hast einen VBZ-Bus organisiert, und wir veranstalteten Gastspiele in
vielen Zürcher Quartieren.
Immer schon wolltest du mit Beharrlichkeit etwas bewirken, etwas verändern,
die Welt ein kleines Stück verbessern. Ob
damals in der Schule mit deinen ungewöhnlichen, die Kinder ernst nehmenden
Schul-Methoden. Oder wie zuletzt, als du
mit grosser Leidenschaft vehement die
Übernahme des Neumarkt Theaters durch
das Theater HORA angestrebt hast – dich
nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern einen weiteren Schritt, eine weitere
Pioniertat zur Inklusion versuchen. Aber
die Zeit ist offenbar nicht immer schon reif
für deine visionären Ideen…
Schon nur diese vier grossartigen Festivals OKKUPATION!, die du mit einer unglaublichen zusätzlichen Energie ins Leben
gerufen, mitgestaltet, mitgetragen, mitorganisiert hast, sind ein Lebenswerk! Auch
mit der Vision einer Theaterausbildung für
Menschen mit «geistiger Behinderung» hattest du etwas vorher für unmöglich Gehaltenes ins Leben gerufen. Dieses Projekt war
damals noch einzigartig. Heute versuchen
an verschiedensten Stellen in Europa Institutionen, diese – deine! – Idee aufzugreifen
und weiterzuentwickeln. Du hast das Büro
immer liebend gerne auch mal verlassen,
um das Ensemble auf Tour zu begleiten,
und immer wieder auch spontan Transporte gefahren. Es war dir wichtig, nah
beim Ensemble zu sein. Du wolltest möglichst oft spüren: Was läuft an der Front?
Ich könnte beschreiben, wie das war,
als wir noch Tür an Tür den Proberaum und
das Büro an der Hohlstrasse hatten. Als du
vom Schreibtisch aus zuschauen konntest,
wenn Keller und Rüti wieder mal eine grandiose Improvisation ihres Könnens zeigten.
Und inzwischen lag dann wieder mal ein
lampiges Sandwich-Gürkli von Elisabeth
Bauer auf deiner Compimaus-Matte…
Oder ich könnte auch einfach nur von
unseren langen, fast schon traditionellen
Weihnachtswanderungen der Limmat entlang erzählen.
Als Geschäftsleiter hast du uns an der
langen Leine geführt. Du hast angestrebt,
dass wir alle gemeinsam Verantwortung
übernehmen und gemeinsame Lösungen
finden. Gleichzeitig hast du immerfort und
auf allen möglichen Ebenen uns den Rücken
frei gehalten. Deine sprichwörtliche Ruhe als
Kapitän auf stürmischem Schiff in diesem
oft heissblütigen und hysterischen Laden
hat manchmal Produktionen gerettet.
Kurz: Ich könnte ein komplettes Magazin von vorne bis hinten allein mit einem
solchen Editorial füllen, das dich und deine Arbeit und Visionen der letzten 18 Jahre
würdigt. Ich mache es kurz: GRAZIE! für
alles, was du mit deiner Art, an die Arbeit
heranzugehen, mir und HORA und allen
Schauspieler/-innen ermöglicht hast!
Michi
«Es gibt ein grosses und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran Teil, jeder kennt es, aber die wenigsten
denken je darüber nach. Die meisten Leute
nehmen es einfach so hin und wundern sich
kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist
die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie
zu messen, aber das will wenig besagen, denn
jeder weiss, dass einem eine einzige Stunde
wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter
kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde
erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben
wohnt im Herzen.»
Aus Michael Endes «Momo»
HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
HORA-ENSEMBLE
5
VIER HAUSREGISSEUR/-INNEN, VIER STÜCKE
IM HORA-JUBILÄUMSJAHR 2018
BOB DYLAN’S 115TER TRAUM
KONTAKTKILLER
HORA-Hausregisseur Michael Elber
über sein Stück
HORA-Hausregisseur Remo Beuggert
über seinen Live-Film
BOB DYLAN’S 115TER TRAUM zu spielen ist jedes Mal ein aktives Lernen von
Solidarität und Gemeinsamkeit auf der
Bühne. Manchmal gelingt es uns besser,
und manchmal weniger gut, Fluss in die
neu zusammengestellten Szenenpuzzles zu
bringen. Aber wenn auch mal Pleiten, Pech
und Pannen zu vermerken sind: Die Spiellust mit dem Chaos, einen schönen Abend
zu bereiten, hat noch immer obsiegt. Sämtliche Arten von (uns manchmal noch wenige Stunden vor dem Auftritt gänzlich
unbekannten) Gastkünstler/-innen und
Lokalmatadore können in dieses Stück
problemlos integriert, sämtliche Veranstalter-Wünsche bedient werden. Flexibel,
unterhaltsam, musikalisch, witzig, geheimnisvoll, den jeweiligen Ort wunderbar mit
einbeziehend. Wenn ein/-e Schauspieler/in wegen Krankheit ausfällt: Kein Problem!
Kein Stress! In Kürze haben wir z.B. zuletzt
in Bern eine Stunde vor der Aufführung die
Szenen umgebaut, Änderungen angesagt
und dann so gespielt, dass die Änderungen
nur diejenigen bemerkt haben, die auch die
Aufführung am Tag zuvor gesehen hatten.
Als Amadea mich fragte, ob ich Lust hätte, zum Film «Hired a Contact Killer» (oder
wie er hiess) Regie zu führen, hat mich das
sehr gefreut. Als wir den Film angeschaut
haben, habe ich die Hälfte verschlafen.
Ich habe mich ein paar Mal mit Marcel getroffen. Er hat mir ein Drehbuch gegeben.
Blöderweise habe ich nicht alles drin verstanden. Also habe ich mich entschieden,
ich ändere die Szenen. Ich mache daraus
meine Version, meine Geschichte. Als wir
KONTAKTKILLER in Kirchheimbolanden
draussen spielten, filmte ich mit der Kamera
den Himmel und sagte dabei immer wieder
«Sternenhimmel, Sternenhimmel». Da hörte
ich, dass es Leute im Publikum nachsagten.
Daran hatte ich Freude. Und sowieso, dass
wir es draussen spielen konnten. Und ich
habe mich sehr gefreut, dass es ziemlich gut
ankam. Was mir noch gefallen hat: Serafin
hat ja den Killer gespielt. Er hat den Killer
ohne Worte gespielt, mit dem Körper. Vielleicht, wenn ich das nächste Mal Regie führen darf, mache ich das ganze Stück ohne
Wörter, und lasse die Schauspieler/-innen
nur mit dem Körper spielen. Mal sehen.
HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
6
EGOTOPIA
KATASTROPHENFILM
HORA-Hausregisseurin Nele Jahnke
über ihr Stück
HORA-Hausregisseur Noha Badir
über sein Stück
EGOTOPIA –
DER STAAT BIN ICH
Bilderserie von Maxi Schmitz*
Bei mir sammeln sich über die Zeit immer
wieder Themen, Wörter, Bilder an, und irgendwann wächst dann vielleicht ein Theaterprojekt daraus. Im Fall von EGOTOPIA
habe ich mich zum Beispiel gefragt, warum
wir alle nur noch mit uns selber beschäftigt
sind. Und damit, unser Ich besser, schöner, perfekter zu machen. Und wie weit
wir dadurch den Kontakt zueinander verloren haben, und keine Gemeinschaft mit
gemeinsamen Ideen mehr bilden. Wie weit
wir nicht mehr miteinander reden, sondern
jeder nur noch sich selbst mit Wörtern
umkreist. Mich hat interessiert, wo unsere
Gefühle bleiben, oder das, was ich nicht
versprachlichen kann – in einer Welt, die
so von Sprache und Rationalität bestimmt
ist. Vor dem Sommer haben wir bei den
Proben eine Recherchephase gemacht.
Diese Zeit haben wir gebraucht, um für
die Spieler/-innen Figuren/Rollen zu definieren, und um herauszufinden, wie wir
diese Figuren stärken können. Wir haben
probiert, verworfen, neu erfunden. Und
standen dann im Sommer vor einem Berg
von Material, aus dem wir dann im Herbst
einen Ablauf montiert haben.
Stück heisst KATASTROPHENFILM. Anfang ist die erste Szene. Erste Szene geht
Welt, Welt, Weltschmutz, und dann kommt
zweite Szene: Bergarbeiter. Dritte Szene:
Autounfall. Einer ist Ben und eine ist Black
und Wand stösst. Dann wieder: «Auauauauauauau» auf Hochdeutsch. Und dann
sage ich: «Szene fertig». Dann kommt Szene 4: Schneeland. Sag ich: «Vergnügen,
Action, Schneeland». Szene 6 weiss ich
nicht mehr. Szene 5 ist: Wolkenkratzer flicken. Dann Szene 5. Szene 8, Szene 8 ist
glaub ich: Autoschrottboot fahren. Friedhof. Szene: Restaurant Erdbeben. Dann ist
Robin Obelix und drei Frauen verzählen:
«Was machen wir Mittagessen?» Dann
sagt wieder: «Ich bin langweilig. Wieso
ist jetzt Autofahren?». Und Tiziana sagt:
«Jetzt seckeln!». Dann kommt Erdbeben.
Szene fertig. Dann ist Szene: Hochhaus
voller Wasser. Ist dunkel und Simon ist Vater, ist Stiefvater. Robin sagt: «May Mayday Mayday, ist 5000 Meter Wasser».
Dann kommt Familie: Nikolai und Cecile.
Der sagt: «Mein Schatz, mein Schatz, du
gehst Giftwasser im Tuch». Serafin sagt:
«Mutter, Mutter, kannst du jetzt alleine?».
Tiziana sagt: «Tut mir leid, jetzt geh ich mit
dem Bus abhauen».
HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
* siehe auch Text zur Bilderserie auf S.2 unter dem Inhaltsverzeichnis
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HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
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HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
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HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
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HORA‘BAND (ab
2004, Bandleader:
Strobel) 2018
Foto: Zoé Tempest
HORA-Magazin
Nr. 46,Roli
Dezember
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HORA‘BAND HORA-Magazin
(ab 2004, Bandleader:
Nr. 46,Roli
Dezember
Strobel) 2018
Foto: Zoé Tempest
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HORA-BÜRO
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CURDIN CASUTT,
NEUER HORA-GESAMTLEITER
…antwortet auf die Fragen des HORA-Ensembles, gesammelt von
Remo Beuggert und Caitlin Friedli
Wie bist du zu HORA gekommen?
Weil Giancarlo krank wurde und er jemanden gesucht hat, der ihn vertritt. Ich
habe ihn dann mehrere Male getroffen und
er fand, dass ich das gut machen könnte.
Und er hat mich dann vorgeschlagen.
Was hast du vor HORA gearbeitet?
Ich war bei der Kulturförderung der Stadt
Zürich als Projektleiter. Kulturförderung
heisst: Ungefähr 3 Prozent von den Geldern, die die Stadt Zürich hat, dürfen verwendet werden für Kultur. Und die Kulturförderung ist die Stelle von der Stadt,
die überlegt: Wo kann man dieses Geld
am besten einsetzen.
Und jetzt sammelst du Geld für uns?
Ja, das kann man so sehen. Ich versuche
Gelder zu organisieren, damit ihr als Ensemble auf die Bühne gehen und Theater
spielen könnt.
Wie lange wohnst du schon in Zürich?
Seit 18 Jahren.
Wo bist du aufgewachsen?
In Thusis, das ist ein Bergdorf in Graubünden. Es hat etwa 3000 Einwohner. Es
war sehr schön, da aufzuwachsen – sehr
beschaulich. Aber wenn man jetzt zum
Beispiel an Kunst interessiert ist (wie ich
das war und bin), hat man dort nicht sehr
viele Möglichkeiten. Und das war auch der
Grund, wieso ich dann, als ich 20 Jahre alt
war, weggezogen bin.
Wie alt bist du überhaupt?
38, geboren 1980.
Und am welchen Tag?
Am 28. Juni, also im Sommer.
Was für eine Ausbildung hast du gemacht?
Eigentlich wollte ich Ägyptologie studieren. Das war mein grosser Traum, seit ich
ein kleines Kind war. Mein Grossvater hat
dann aber gesagt: Mach dein Hobby nicht
zum Beruf. Und dann habe ich auf diesen
alten weisen Mann gehört und dachte: Ja,
gut, dann machst du etwas, wo du auch
HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
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begabt bist und was du auch kannst, das
aber vielleicht ein bisschen lukrativer ist,
oder wo du bessere Chancen hast, einen
Job zu finden. Dann habe ich an der Universität in Zürich Musikwissenschaft studiert. Dazu habe ich aber Ägyptologie im
Nebenfach gemacht, das war meine Belohnung. Da habe ich Hieroglyphen gelernt
und ganz viel alte ägyptische Kulturgeschichte. Und dann habe ich noch im zweiten Nebenfach Kunstgeschichte studiert.
Was bedeutet für dich Theater?
Theater ist für mich ein geschützter Raum,
in dem man auch Sachen machen und sehen kann, die sonst nicht möglich wären.
Ein Raum, wo man auch Unerwartetes,
Ungewöhnliches oder Undurchdachtes erfahren kann, oder auch einfach die Gedanken mal nur schweben lassen kann.
Welche Lieblingsfarbe hast du?
Alle Blautöne und in allen Schattierungen.
Was ich nicht mag, ist Rot. Das ist auch
irgendwie in meiner Familie so. Niemand
mag Rot. Aber alle lieben Blau.
Was sind deine Hobbys?
Kultur natürlich, also: ins Theater gehen, ins
Konzert gehen, in die Oper gehen, in Ausstellungen gehen, Architektur anschauen…
Aber auch Kochen und Wein und Sport
sind für mich sehr wichtig als Ausgleich. Ich
fahre Rennvelo, und wenn ich auf dem Velo
bin, kann ich gut abschalten und habe wieder einen freien Kopf. Und ich tauche auch.
Und Ägyptologie auch, weiterhin. Ich lese
jeden Abend Artikel oder Bücher. Ja, das
ist so meine Entspannung.
Hast du Familie?
Ich wohne mit meinem Partner, mit meinem
Freund zusammen seit acht Jahren. Und
meine Familie besteht für mich aber auch
21
aus meinem Bruder und seiner Freundin
und meinen Eltern. Wir haben immer noch
eine sehr starke Verbindung zueinander.
ich gute mediatorische Fähigkeiten habe.
Also ich kann gut zwischen verschiedenen
Leuten und Meinungen vermitteln.
Wo gehst du am liebsten in die Ferien?
Das ändert sich immer so phasenweise. Momentan gerade am liebsten nach
Griechenland, weil es da sehr viel schöne
Natur, gutes Essen und auch viel Kultur
und Ruinen gibt, und gute Museen. Aber
vor ein paar Jahren war ich immer wieder
in Asien unterwegs, um an verschiedenen
Orten zu tauchen. Oder auf den Malediven war ich auch immer viel tauchen.
Davor war es Ägypten, wo ich jedes Jahr
etwa zwei Mal hingefahren bin. Auch gerade während des Studiums haben wir viele
Reisen nach Ägypten unternommen.
Vor ein paar Wochen hat Giancarlo uns
gesagt, dass er jetzt ganz geht. Fühlst du
dich bereit, seine Stelle zu übernehmen?
Ja, absolut! Ich hatte jetzt 8 Monate Zeit
zu schnuppern und in den Betrieb hineinzusehen. Es ist extrem anspruchsvoll, aber
auch megaspannend.
Hast du Haustiere?
Nein. Ich hätte extrem gerne einen Hund.
Ich bin mit Hunden aufgewachsen und
ich liebe Hunde, aber ich habe keine Zeit
dafür. Beziehungsweise ich müsste ihn ins
Büro mitnehmen. Ich finde aber, wenn
man einen Hund hat, muss man sehr viel
draussen sein mit ihm und viel Zeit haben
für ihn, und das habe ich gerade nicht.
Und ich möchte, dass das Tier einen guten
Ort hat. Vielleicht eines Tages…
Was hast du für Fähigkeiten?
Ich habe sicher gute Fähigkeiten in der
Administration und der Organisation von
komplizierten Projekten. Das habe ich in
den letzten Jahren beruflich gemacht. Ich
komme aber auch aus einer Familie, wo
die Leute gemalt haben, Kunst gemacht
haben. Und ich selber habe viel Musik gemacht und habe gezeichnet. Also diese
Fähigkeiten habe ich auch. Aber je älter
ich wurde, desto mehr bin ich weg vom
künstlerischen Produzieren, hin zum Administrieren. Und ich hörte Leute sagen, dass
HORA-Magazin Nr. 46, Dezember 2018
Machst du die Arbeit im HORA gern?
Ja, sehr, sehr gern! Sie ist sehr abwechslungsreich, ich lerne sehr viel. Ja, es macht
Spass!
Wenn du auf der Welt etwas ändern könntest, was wäre das?
Dass die Menschen mehr Verständnis füreinander aufbringen, und für andere Meinungen, weil wenn man andere Meinungen
und Menschen und Lebensformen akzeptieren kann, dann ist das Zusammenleben
sehr viel einfacher. Ich glaube, das würde
allen helfen.
HINTERGRUND
Auf seinen persönlichen Wunsch hin ist
Giancarlo Marinucci Ende November von
seiner Funktion als HORA-Gesamtleiter zurückgetreten (siehe auch das Editorial dieser Ausgabe). Er hat die HORA-Geschichte
während 18 Jahren massgeblich geprägt.
Unter seiner Leitung erreichte das Team von
Theater HORA bedeutende Meilensteine
und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Als
Nachfolger hat die Stiftung Züriwerk Curdin
Casutt bestimmt, der die Geschäfte bereits seit Februar interimistisch führt und so
das HORA-Jubiläumsjahr 2018 (25 Jahre)
verantwortete, das mit den Premieren von
BOB DYLANS 115ER TRAUM (Regie:
Michael Elber), EGOTOPIA (Regie: Nele
Jahnke), KONTAKTKILLER (Regie: Remo
Beuggert) und KATASTROPHENFILM
(Regie: Noha Badir) ganz im Zeichen der
(beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten) Hausregisseure/-innen von Theater
HORA stand.
Geboren 1980, aufgewachsen in Thusis, studierte Curdin Casutt an der Universität Zürich Musikwissenschaft, Ägyptologie
und Kunstgeschichte. Von 2012 bis 2017 arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen
für die Kulturabteilung der Stadt Zürich –
zuletzt als Projektleiter. Zwischen 2002 und
2015 war er Mitglied von unterschiedlichen
Kreativ- und Produktionsteams im In- und
Ausland im Bereich Musiktheater.
FÖRDERVEREIN
22
THEATER HORA
BRAUCHT IHRE UNTERSTÜTZUNG!
Theater HORA ist seit 2002 Teil der
Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich eine wiederkehrende Kultursubvention. Dennoch reicht die Summe aller
Zuwendungen nach wie vor nicht einmal
dafür, die Kosten des laufenden Betriebs
(feste Raum-, Personal- und Sachkosten)
zu decken. Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung! Als Spende, und/oder als Mitglied im Förderverein Theater HORA. Ihr
jährlicher Beitrag von nur CHF 150 ebenso wie jede Spende kommt ausschliesslich
den Projekten und Produktionen des Theaters zugute.
Mit Ihrer Spende und/oder Ihrem jährlichen Beitrag von CHF 150 als Mitglied
des Fördervereins Theater HORA leisten
Sie aber nicht nur einen wichtigen Beitrag
zur Ermöglichung der Projekte und Produktionen des Theaters. Sie profitieren
auch von zwei Freikarten pro Kalender-
jahr, geniessen einmalige Einblicke hinter
die Kulissen und erhalten die Gelegenheit,
die HORAs bei ausgewählten nationalen
und internationalen Gastspielen zu begleiten. So bekommen Sie eines der spannendsten Kunstprojekte der Schweiz aus
der Insiderperspektive mit – und lernen
jede Menge nette, interessante und ungewöhnliche Leute kennen.
Unterstützen auch Sie die künstlerische Arbeit des nach wie vor einzigen
professionellen Theaters der Schweiz,
dessen Ensemblemitglieder alle eine IVzertifizierte «geistige Behinderung» haben! Spenden Sie! Und falls Sie es nicht eh
schon sind: Werden Sie Mitglied im Förderverein Theater HORA! Sie müssen nichts
weiter tun, als unseren Anmeldetalon
auszufüllen. Oder Sie wenden sich direkt
an Conny Marinucci: Tel 044 405 71 40
oder Email verein@hora.ch
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Nächste Mitgliederversammlung
Förderverein
am Mittwoch, 17. April 2019
Spenden ab CHF 500.–
F. Borsari, D. Brunner, J. Meier, S. Müller,
R. u B. Stuber-Koller, M. Zurlinden,
Evang.-ref. Landeskirche Kanton Zürich,
Evang.-ref. Kirchgemeinde Schlieren
Spenden ab CHF 1000.–
Trägerverein kulturhinwil, Sammelspende
R. Gysi, Sammelspende Abschied C.
Huguenin, Sammelspende B. Schwemmer
Unterstützer
Alexis Thalberg Stiftung, Buchmann
Kollbrunner Stiftung, Dr. Adolf StreuliStiftung, Ernst Göhner Stiftung, Fachstelle
Kultur Kanton Zürich, Fachstelle Kultur
Köniz, Förderverein Theater HORA, Georg
und Berta Schwyzer-Winiker Stiftung,
Georges und Jenny Bloch Stiftung, Grütli
Stiftung Zürich, Hans Konrad RahnStiftung, Hamasil Stiftung, Kultur Stadt
Bern, Kulturförderung Kanton Bern,
Landis & Gyr Stiftung, MBF Foundation,
MIGROS-Kulturprozent, Pro Helvetia
Schweizer Kulturstiftung, René & Susanne
Braginsky Stiftung, Stadt Zürich Kultur,
Gemeinnützige Stiftung Symphasis,
Thomann Nutzfahrzeuge AG
, VontobelStiftung, Werner H. Spross-Stiftung
Koproduzenten
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Marcel Bugiel
Texte
Noha Badir, Remo Beuggert, Marcel Bugiel,
Curdin Casutt, Michael Elber, Caitlin
Friedli, Nele Jahnke, Adrian Mai, Conny
Marinucci, Amadea Schütz
Bilder
Urs Bucher, Malí Lazell, Maxi Schmitz,
www.theaterfotos.ch
Fotoserie im Zentrum dieser Ausgabe:
Maxi Schmitz
Angaben für Einzahlung Mitgliedschaft:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
Konto: 80-54072-7, IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Zahlungszweck: Mitgliedschaft
oder nutzen Sie den beigelegten Einzahlungsschein.
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
verein@hora.ch, Fax 044 405 71 10
Druck
gdz AG, Zürich
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
AGENDA DEZEMBER 2018 – MAI 2019
DEZEMBER
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 8. Dezember
Alte Fabrik, Rapperswil
Freitag, 14. Dezember
Kulturhaus Central, Uster
BOB DYLANS 116TER TRAUM –
SPECIAL/MAKING OF
Donnerstag, 13. Dezember
Seebähnli, Casa Mondo, Zürich
EGOTOPIA
Freitag, 21. Dezember
Theater Schaffhausen, Altra-Spiel 2018,
geschlossene Veranstaltung
JANUAR
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Donnerstag, 10. Januar
Intermezzo, Zug
Donnerstag, 17. Januar
Leseverein/Reformierte Kirche Kilchberg
Freitag, 25. Januar
Wohnsiedlung/Gemeinschaftsraum
Zürich Tiefenbrunnen
FRH 6: ENDSTATION ZUKUNFT
«Der Anfang vom Ende» –
Eröffnungsveranstaltung
Donnerstag, 24. Januar
Casinosaal Aussersihl, Zürich
FEBRUAR
MILO RAU –
DIE 120 TAGE VON SODOM
Samstag, 2. und Sonntag, 3. Februar
Brandhaarden Festival, Amsterdam
Freitag, 22. und Samstag, 23. Februar
Teatre Barcelona
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 9. Februar
Unfrisiert Festival im Kleintheater Luzern
EGOTOPIA
Sonntag, 10. Februar
Unfrisiert Festival im Kleintheater Luzern
MÄRZ
FRH 6: ENDSTATION ZUKUNFT
«Song Martin (und am Ende steht ein Chor)»
Eine Kollaboration von Gianni Blumer,
Nele Jahnke und Weiteren
Freitag, 1. März
Casinosaal Aussersihl, Zürich
FRH 6: ENDSTATION ZUKUNFT
«Macht was ihr wollt und wie es euch gefällt»
mit anschliessendem Publikumsgespräch
Mittwoch, 13., Samstag, 16.,Mittwoch,
20.,Samstag, 23. und Mittwoch, 27. März
Casinosaal Aussersihl, Zürich
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Sonntag, 31. März
Theater Chur
APRIL
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 6. April
Kulturkommission Vitznau
Turnhalle Vitznau
DISABILITY ON STAGE
Freitag, 12. und Samstag, 13. April
Symposium, ZHdK, Zürich
MAI
INTEGR‘ART
Donnerstag, 2. und Freitag, 3. Mai
Symposium, Zürich
DIE LUST AM SCHEITERN
Mittwoch, 15. Mai
Kulturkreis Zollikon, Gemeindesaal Zollikon
FRH 6: ENDSTATION ZUKUNFT
4 Eintags-Filmremakes von alten
Sci-Fi-Filmen
Mittwoch, 8., Samstag, 11., Montag, 20.
und Sonntag, 26. Mai
Casinosaal Aussersihl, Zürich
TRISTAN UND ISOLDE
ODER RATIONALITOT
Eine Koproduktion mit dem
Musiktheaterkollektiv Hauen & Stechen
18.–25. Mai
Fabriktheater Rote Fabrik, Zürich
Änderungen vorbehalten. Aktuelle Daten und Informationen entnehmen Sie unserem
Newsletter oder online unserem Spielplan auf www.hora.ch
-
06/2018 – HORA Magazin Nr. 45 Jubiläumsausgabe
NR. 45, JUNI 2018
JUBILÄUMSAUSGABE
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
4 –22
ZWISCHENSTAND DER DINGE
Die ersten 25 HORA-Jahre in Meilensteinen, Kurzporträts, Einzelaspekten
und Rekorden, vom ersten HORAStück aller Zeiten bis zu Elbers Merksätzen für künftige HORA-LeiterInnen
23–24
DANKE, URS BEELER!
Ensemblemitglieder über den
Leiter der HORA-Abteilung Ausbildung,
die diesen Sommer vorübergehend
schliessen muss
25
NEWS
Neues Album HORA’BAND
Neu im HORA-Team
BOB DYLANS 115TER TRAUM
26
FÖRDERVEREIN
Theater HORA braucht Ihre
Unterstützung!
27–28
ZUM SCHLUSS
Tausend Dank!
Impressum
Agenda Juni – November 2018
EDITORIAL
Liebe HORA-FreundInnen,
Hunderte von MitarbeiterInnen haben
in den mehr als 25 Jahren seit der Gründung dazu beigetragen, Theater HORA
zu dem zu machen, was es heute ist. Jeder
einzelne Neuzugang brachte einen neuen
und anderen einzigartigen Drive in das
Ganze, und mit jedem Abschied ging etwas bis dahin Wesentliches für das Gesamt-HORA wieder verloren.
Allein in den letzten Monaten gingen
Jasmin Stromeyer (Assistenz Ausbildung),
Ricco Bonfranchi (Vereinspräsident), Silas
Obertüfer (HORAzubi), Svetlana Ignijc
(Produktionsleitung), Nora Tosconi (Schauspielerin), Katharina Stoll Zurbuchen (Vorstandsmitglied) und Mali Lazell (Assistentin). Bald wird Urs Beeler (Ausbildungsleiter) – nach bald 9 Jahren unermüdlichem
Einsatz – das HORA wieder verlassen,
weil es ausserhalb vom HORA nach wie
vor keine längerfristigen Stellen für ausgebildete SchauspielerInnen mit Beeinträchtigungen gibt und die Ausbildung
deshalb sistiert werden musste.
Allen diesen, genau wie allen anderen
ehemaligen und gegenwärtigen HORAMenschen möchte ich an dieser Stelle einen grossen Dank aussprechen für alles,
was sie zu der Entwicklung von HORA
beigetragen haben, und für die Leidenschaft, mit der sie das gemacht haben!
Auch ich möchte im Verlauf des kommenden Jahres – nach mehr als 25 Jahren
– schrittweise die künstlerische Leitung
abgeben: Meinen Kindern zuliebe, aber
auch im Sinne einer Zukunft für dieses
Theater, die sicher anders, aber hoffentlich genauso schillernd und abwechslungsreich wird wie die 25 Jahre bis heute – Abschiede und Neuzugänge inklusive.
Michael Elber, HORA-Gründer
und künstlerischer Leiter des Ensembles
ZWISCHENSTAND DER DINGE
4
DIE ERSTEN 25 HORA-JAHRE
IN MEILENSTEINEN, KURZPORTRÄTS,
EINZELASPEKTEN UND REKORDEN
Am Freitag, den 13. Januar 1993 fand im
Theatersaal Rigiblick die erste HORAPremiere aller Zeiten statt: ABER ZEIT
IST LEBEN. UND DAS LEBEN WOHNT
IM HERZEN unter der Regie von Michael
Elber. Am 27. Juni 1993 dann folgte in einer Züricher WG-Küche die Gründungssitzung des Vereins Theater HORA.
25 Jahre später feiert das HORAMagazin das Jubiläum des Theaters mit
gleich zwei Sonderausgaben. Während
wir uns in der kommenden Ausgabe, die
Ende Jahr erscheinen wird, mit möglichen
Zukunftsvisionen für unser Theater und
sein einzigartiges Ensemble beschäftigen
wollen, ziehen wir in dieser hier erst einmal
Zwischenbilanz. Wir werfen einen Blick –
bzw. eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Blicke – zurück, und erzählen die
bisherige Geschichte von HORA in Meilensteinen, Kurzporträts, Einzelaspekten
und Rekorden.
Auch wenn wir versucht haben, auf
den kommenden Seiten so viele unterschiedliche Aspekte der HORA-History
unterzubringen wie möglich – wohl oder
übel bleibt diese Auswahl bruchstückhaft,
tendenziell zufällig, alles andere als zwingend. Die einzelnen Beiträge verstehen wir
zwar als Puzzlestücke – aber eben eines
Puzzles, das nicht richtig aufgeht. So wie
das HORA selbst – zum Glück. Noch
lange nicht am Ende, aber auch noch
lange nicht am Ziel – sondern irgendwo
mittendrin. Wie immer schon, eigentlich.
Oder, wie Roli Strobel, der Bandleader
der HORA’BAND, anlässlich der hier versammelten Beiträge so schön anmerkte:
«Was ist überhaupt ein Rekord? Und wann
ist es ein Rekord? Gilt das 250ste Konzert
nicht als Rekord, die vierte Platte, das
erste Vinyl, oder eine Premiere im ausverkauften Schauspielhaus Zürich? Ich meine, hey: Jeder Atemzug ist ein Rekord! Zumindest mein persönlicher. Denn er könnte
schon mein letzter gewesen sein. Jeder Ton
ist ein Rekord. Einer mehr als vorher. Und
auch deshalb können wir gar nicht anders,
als immer neu Rekorde zu brechen – so
lange wie wir weiter machen.»
In diesem Sinne ist auch die folgende
Zusammenstellung alles andere als der Versuch, ein für alle Male aufzuräumen mit der
HORA-Vergangenheit. Im Gegenteil: So
lange es in professionellen Schweizer Theatergruppen und -Ensembles weiterhin nicht
einmal vereinzelt Stellen gibt, die unseren
SchauspielerInnen und Ausbildungs-AbsolventInnen neben dem HORA offen stehen1
(siehe auch S.24 zur Sistierung des kommenden Ausbildungs-Jahrgangs), so lange
hat das Projekt, für das das HORA steht,
noch vieles vor sich. Wenn Sie uns dabei
unterstützen wollen: Werden Sie Mitglied
im Förderverein Theater HORA (siehe
S.26). Bis dahin wünschen wir Ihnen viel
Spass beim Lesen…
1
Einzige uns bekannte Ausnahme bisher: Kürzlich wurden bei
«Sonnenhalde Tandem» in St. Gallen (ausschliesslich) für Menschen mit Beeinträchtigungen Arbeitsplätze im Bereich Komiktheater geschaffen. Infos unter www.sonnenhalde-ghg.ch
HORA-Magazin Nr. 45, Juni 2018
ZWISCHENSTAND DER DINGE
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DAS ERSTE
HORA-STÜCK ALLER
ZEITEN
DIE PERFEKTE
SCHILDKRÖTE
HORA-SCHAUSPIELERIN HEIDI PFUND
ABER ZEIT IST LEBEN. UND DAS LEBEN
WOHNT IM HERZEN (1993)
Ende 1989 bereits hatte Michael Elber erstmalig in Zürich einen
Theaterkurs für Frauen mit einer «geistigen Behinderung» angeboten. Aber das eigentliche HORA-Abenteuer begann erst, als er
beschloss, fortan mit SchauspielerInnen wie ihnen Theater unter
professionellen Bedingungen zu machen. Das erste HORA-Stück,
eine Bearbeitung von Michael Endes Kinderbuch «Momo», lief
genau drei Mal im hoffnungslos überbuchten Theatersaal Rigiblick
– und danach nie wieder. � S. 7
DAS LETZTE
GRÜNDUNGSMITGLIED
Bedächtig, lächelnd, ihre Last mit stiller Grösse tragend – weil die
Erfahrung mit dem Leben lehrt, dass wir eh nur annehmen können,
was uns gegeben wurde: Die HORA-Schauspielerin Heidi Pfund
war der bestechende Beweis dafür, dass das, was in der Welt als
Behinderung wahrgenommen wird – in ihrem Fall eine extreme
Langsamkeit –, im Theater zu einer einzigartigen Fähigkeit werden kann. Niemand wird jemals besser eine Schildkröte verkörpern können als sie!
UNSERE TREUESTEN
UNTERSTÜTZER
ERNST GÖHNER STIFTUNG,
STIFTUNG DENK AN MICH, HAMASIL-STIFTUNG
Zwei Geldgeber unterstützen Theater HORA – über alle Höhen
und Tiefen hinweg – seit Beginn seiner Geschichte: Die Ernst
Göhner Stiftung und die Stiftung Denk an mich. Mit grosser Regelmässigkeit fördern seit 1998 auch die Hamasil-Stiftung und
seit 2003 die Alexis Victor Thalberg-Stiftung. Niemand möchte
sich ausmalen, was HORA ohne ihre Unterstützung geworden
wäre. Danke!!!!
DAS BÜHNENTIER
HORA-SCHAUSPIELER
ANDY WITTWER
VEREIN THEATER HORA
HORA begann als Verein – gegründet in einer Zürcher WG-Küche.
Feste Stellen gab es die ersten Jahre ebensowenig wie eigene
Räumlichkeiten. Ehrenamt, unbezahlte Überstunden und emotionale Überforderung waren in den Anfangsjahren die Regel. Von
den Gründungsmitgliedern ist heute nur noch Michael Elber übriggeblieben (zu den weiteren HORA-Urgesteinen vgl. S.18 DIENSTALTERSPRÄSIDENTINNEN).
HORA-Schauspieler Andy Wittwer (Foto S.8 links) war die zentrale Bühnenfigur der ersten HORA-Jahre. Seine Rollen spielte er
weniger, als dass er sie lebte. Der Bühne gab er sich regelrecht
hin – aufbrausend, cholerisch, liebevoll, obsessiv, witzig, Kette
rauchend, ein sich nach Anerkennung und Liebe sehnendes Bühnentier. Unvergessen.
HORA-Magazin Nr. 45, Juni 2018
ZWISCHENSTAND DER DINGE
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DAS SALZ
DES BÜHNENLEBENS
BÜHNENKATASTROPHEN 1
Ob eine Schauspielerin während der Vorstellung eine Absenz hat,
sich der Regisseur vor den Augen des Publikums einen Bandscheibenvorfall zuzieht oder ein Zuschauer die Bühne betritt und anfängt, mitzuspielen – die kleinen Fehler und die grossen Bühnenkatastrophen ereignen sich bei HORA vermutlich nicht öfter als
anderswo, sind aber natürlich auch bei uns so etwas wie das Salz
in der Suppe im grauen Proben- und Tourneealltag.
DAS ERSTE MAL
KULTURFÖRDERUNG
LENNIE UND GEORGE (1997)
Das erste HORA-Stück, das städtische Kulturförderung erhielt,
war 1997 LENNIE UND GEORGE. Ein bekannter Zürcher Regisseur sprach angesichts des Konzepts von einem Verbrechen gegen
John Steinbecks Roman «Of mice and men», dem diese Produktion zu Grunde lag. Die geistig behinderte Romanfigur Lennie sollte
nämlich von einem nicht behinderten Schauspieler dargestellt
werden, während andersherum HORA-Star Andy Wittwer (s.o.)
dessen Vormund verkörperte. «Experiment geglückt», schrieb die
NZZ nach der Premiere. � S. 8
HORA-SCHAUSPIELER
OHNE IV
KRISTIAN KRONE
An dieser Stelle ein grosser Dank an alle PerformerInnen auch ohne
staatliche IV-Zertifizierung, die sich je auf ein Bühnen-Abenteuer
mit HORA eingelassen haben! Allen voran und stellvertretend natürlich Krishan Krone, der als Schauspieler mehr als zehn Jahre
lang regelmässig bei HORA-Projekten mitwirkte. Während heute
so gut wie jeder Kulturschaffende gern mal mit HORA seinen Theaterlebenslauf aufpoliert, hatte man damals, 1995, noch viel guten
Ruf zu verlieren bei einem solchen Abenteuer.
ABER ZEIT IST LEBEN. UND DAS LEBEN WOHNT IM HERZEN, 1993, Regie: Michael Elber (Foto: Oliver Victor Koch)
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LENNIE UND GEORGE, 1997, Regie: Michael Elber und Nicole Tondeur (Foto: Heinz Dolderer)
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HORA‘BAND, ab 2004, Bandleader: Roli Strobel (Foto: Zoé Tempest)
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ZWISCHENSTAND DER DINGE
15 MINUTEN
MUNDHARMONIKASHOW
BÜHNENKATASTROPHEN 2
Ticino Wädenswil. Während eines (normalerweise nur kurzen)
Bühnen-Abtritts spricht HORA-Schauspieler Andy Wittwer gestresst Regisseur Michael Elber an: «Ich muäss go seiche sofort
dammisiech!». Das WC im Ticino aber ist nicht gleich um die Ecke.
Und sowieso dauert an diesem Abend alles ein wenig länger. Also
muss sein Spielpartner Krishan Krone die ungeplante Wartezeit
mit einer fünfzehnminütigen Blues-Mundharmonika-Show überbrücken. Unvergesslich für das Publikum!
GENREWECHSEL
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ORTSWECHSEL
HORA-AUFFÜHRUNGEN
War der Hauptimpuls zu Zeiten der Gründung vor allem gewesen,
auch für SchauspielerInnen mit IV-Berechtigung die ganz normalen Spielstätten und Bühnen der «regulären» Kultur für sich
einzufordern, so fanden im Verlauf der HORA-Geschichte dann
doch auch immer wieder Projekte bewusst jenseits der «ganz normalen» Theaterräume statt: In Clubs und Schulzimmern, Kirchen
und Wohnstuben, einer Unterführung, auf dem Kasernenareal,
einem Fussballfeld, im Park, in der Halle vom HB oder auf einer
Zürichsee-Fähre…
DIE «ESSENZ
DER HORAPHILOSOPHIE»
DIE «NULLIMPROVISATION» DIE LUST AM SCHEITERN
Warten, warten, nochmals warten (diese Spannung aushalten!)…
Zuhören (Respekt!)… Zuschauen (Respekt!)… Den Impuls wahrnehmen (Selbstwahrnehmung!)… Selber Entscheidungen fällen
(für das Ganze = Wahrnehmung der MitspielerInnen!)… Seine
Enscheidungen dann auch behaupten im Zusammenspiel… Seit
HORA-Gründer Michael Elber im Jahr 2000 zusammen mit Beat
Fäh DIE LUST AM SCHEITERN erfunden hat, will er streng genommen überhaupt kein anderes Theater mehr machen.
THEATER HORA MACHT NICHT NUR THEATER
Infragestellung von Normen, Grenzüberschreitungen, Vielfalt: Wen
wundert’s, dass Theater HORA in seiner Geschichte immer wieder auch dem Theater den Rücken gekehrt hat, um zum Beispiel
Kunstausstellungen und Festivals zu organisieren oder in anderen
Kunstformen zu wildern – so hat es Tanz-, Performance- und Musikprojekte unternommen, Videoarbeiten, ein Hörspiel, … Der Abstecher mit dem überwältigendsten Medienecho aber war sicherlich 1998 die Modenschau DREHUM – LA MODE FOLIE (s.u.).
DER MEISTER
GERETTET!
DER WOHL WICHTIGSTE PREIS FÜR DAS
ÜBERLEBEN VON HORA
Der wohl wichtigste Preis für das Überleben von HORA war 1998
der mit 100‘000 CHF dotierte Kultur- und Sozial-Preis der ZFV
Unternehmungen. Mit diesem Geld konnte HORA dann die Modeschau DREHUM – LA MODE FOLIE im Zürcher Kaufleutensaal finanzieren, moderiert von Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher. Mit den (von Menschen mit IV entworfenen) Kostümen
dieser Modeschau wurde später ALL THE WORLD IS A STAGE,
eine Interpretation von Shakespeares «Sommernachtstraums»,
inszeniert. Für die öffentliche Wahrnehmung von HORA waren
beide Produktionen enorm wichtig.
DAS SCHIFF DER TRÄUME, 2011, Idee und Projektleitung: Marcel Bugiel und Michael Elber (Foto: Michael Bause)
HORA-SCHAUSPIELER PETER KELLER
Von seinen nichtbehinderten Kollegen bei DIE LUST AM SCHEITERN wurde er ehrfurchtsvoll «Der Meister» genannt, und der
französische Choreograf Jerôme Bel bezeichnete ihn einmal als
den besten Schauspieler, mit dem er je gearbeitet hatte habe.
Seine szenische Intelligenz und kaum zu bremsende Spiellust waren legendär, und seine Inspirationskraft enorm, sodass ohne ihn
viele HORA-Projekte vermutlich niemals entstanden wären – oder
ganz anders ausgesehen hätten. Unerreicht!
ZWISCHENSTAND DER DINGE
JE LÄNGER, DESTO
KURZWEILIGER
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ZWISCHENSTAND DER DINGE
SPIEL’S NOCH
EINMAL
GASTGESCHENKE
DIE MEISTGESPIELTEN HORA-PROJEKTE
Nicht weniger als 24 Stunden dauerte die Langversion von DIE
LUST AM SCHEITERN. Gleich zwei Mal wurde sie gezeigt: einmal
in Zürich (2000) und einmal in Berlin (2006). Der Eintritt kostete 24
CHF (bzw. 24 Euro) – pro durchgehaltener Stunde bekam man als
ZuschauerIn 1 CHF bzw. Euro zurück. Zwei volle Erfolge. Die totale
Pleite hingegen: Die 8.44-Stunden-Version am Tag der Arbeit 2001 –
müde und uninspiriert wie der durchschnittlichste aller Arbeitstage.
Mit nicht weniger als 181 Vorstellungen ist Jérôme Bels DISABLED
THEATER (2012) das bisher meistgespielte aller HORA-Projekte.
Dieser Rekord wird aber in Kürze von der HORA’BAND gebrochen
werden, die seit 2005 über 150 Konzerte gespielt hat (Live-Mitwirkungen in anderen HORA-Projekten nicht mitrechnet), und im
Gegensatz zu DISABLED THEATER noch Lichtjahre davon entfernt ist, «abgespielt» zu sein. Auf Platz 3 folgt das älteste Repertoirestück DIE LUST AM SCHEITERN mit fast 90 Vorstellungen
in bald 18 Jahren – auch dies für heutige Theaterverhältnisse eine
ungewöhnlich hohe Zahl an Vorstellungen.
VOM FREIZEIT- ZUM
BERUFSTHEATER
2002: THEATER HORA WIRD TEIL DER
STIFTUNG ZÜRIWERK
Im Februar 2002 erhielt HORA endlich die Bestätigung, dass sein
Gesuch für eine vom Bund unterstützte Kulturwerkstatt nun als
Pilotprojekt bewilligt war. Fortan übernahm die Stiftung Züriwerk die Verantwortung für die Kosten des Theaters – und zahlte
SchauspielerInnen und Leitern feste Gehälter. Ein Meilenstein:
Der Schritt von der freien Gruppe zum festen Ensemble, vom Freizeit- zum Berufstheater war damit vollzogen.
BÜHNENSTURZ IN
WETTINGEN
BÜHNENKATASTROPHEN 3
Eine Vorstelliung von DIE LUST AM SCHEITERN im alten Casino
Wettingen. Die erste halbe Stunde bestand aus einer grossartigen
Clownsnummer im Hintergrund des Bühnengeschehens. Dann plötzlich streckte HORA-Meister Peter Keller den Finger in die Höhe und
ging zehn Schritte nach vorne zur Bühnenkante… und fiel dort anderthalb Meter in die Tiefe (er ist einen Schritt zu weit gegangen).
Jedoch: Unmittelbar darauf stand er wieder auf, murmelte etwas,
ging über die Treppe zurück auf die Bühne und spielte einfach weiter.
AUTHENTISCH?
SPONTAN?
UNBERECHENBAR?
UP AND DOWN
DIE LANGSAME ENTSTEHUNG DER HORA’BAND
ZUSAMMENARBEITEN MIT EXTERNEN
KÜNSTLERINNEN UND GRUPPEN
DIE HORA-SHOWS MIT DER LÄNGSTEN SPIELDAUER
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Von Krishan Krone (siehe S.6 und 11), «Blauzone»-Musikern in DIE
LUST AM SCHEITERN, unseren afrikanischen Partnern in AMANZI
(2005, siehe Foto) oder den russischen in DAS LÄCHELN AUS
VERSEHEN (2009) bis hin zum Back to Back Theatre, Jérôme Bel,
Cie Drift, kraut.produktion, Das Helmi oder Milo Rau: Wer auch immer als Gastkünstler oder kooperierende Gruppe mit HORA arbeitete – die Geschenke an unvergesslichen Begegnungen und Eindrücken waren unzählbar. Unisono sind alle viele einig: Es braucht viel
(an Energie, Geduld, Respekt, Interesse), es bringt aber auch viel
(an Spass, Überraschendem, Bereichernden, neuen Erfahrungen).
ICHOHNEWIRAUSDEROHNEMICHWELT
Für alle, die es immer noch nicht wissen: Die HORA’BAND ist kein
Nebenprojekt des Schauspielensembles, sondern eine eigenständige künstlerische Sparte. Angefangen hatte es allerdings genau
so: Mit zwei HORA-SchauspielerInnen – Denise Wick Ross und
Res (später: Sandra) Grande – mit Singer-Songwriter-Qualitäten.
Von deren Entdeckung (um 1998) bis zur Gründung der Combo
mit Roli Strobel als Bandleader mussten allerdings noch diverse
Vor-Versuche scheitern. Das erste verbürgte HORA’BAND-Konzert dann: Am 12. Oktober 2005 beim No Limits-Festival in Berlin.
REKORDPECH
DAS TRAURIGSTE HORA’BAND-KONZERT
ALLER ZEITEN
Wohnheimfest im Renggergut. Hier wohnen Ibi Yildiz und Enrico
Rizzi. Der eine der (ehemalige) Schlagzeuger der HORA‘BAND,
der andere der geniale Gitarrist und die heimliche Seele der Band.
Endlich durften sie ihr Können und ihr Talent mal als Heimspiel
vor ihren Mitbewohnern vorführen. Die Vorfreude war gross. Doch
zeitgleich mit dem ersten grossartigen Akkord der Band rief der
Grillmeister zum Bratwurst-Zmittag. Die Band wurde eingeräuchert und verlassen. Keiner hat zugehört.
VON BEATLES BIS
BEATRICE EGLI
DIE 7 LÄNGSTEN STÜCKTITEL DER BISHERIGEN
HORA-GESCHICHTE
WAS HORA-SCHAUSPIELERINNEN SO ALLES
ZUGESCHRIEBEN BEKOMMEN
Auch nach 181 Tränenausbrüchen von Julia Häusermann im Anschluss an den 181 Mal exakt gleich vorgetragenen Satz «Ich hab
das Down Syndrom – und mir tut’s leid» in DISABLED THEATER
gelten HORA-SchauspielerInnen weiterhin als unverbesserlich
spontan, ur-authentisch und in hohem Masse unberechenbar –
die Haare könnten einem zu Berge stehen bei so viel Ignoranz!!!
Wobei man sich auch vor umgekehrten Pauschalisierungen hüten
muss, denn die grosse szenische Kraft von HORA-Ikone Lorraine
Meier z.B. bestand genau darin: dass sie authentisch, spontan
und mitunter auch unberechenbar war…
Siebtlängster: Gianni Blumers HUNGERSPIEL MIT DER HÄLFTE
VOM HORA (2014). Sechstlängster: IDYLL – DER FEHLER IST
DAS SALZ DES LEBENS (2003). Auf Platz 5: BESETZEN SIE
EINEN QUADRATMETER ZÜRICH (2007). Auf Platz 4: DAS
DSCHUNGELBUCH VON ROCKY THE RHINO (2012). Drittlängster: WIR SIND SOLCHER ZEUGS WIE DER ZU TRÄUMEN (1999). Zweitlängster: ABER ZEIT IST LEBEN. UND DAS
LEBEN WOHNT IM HERZEN (1993). Der längste Titel der bisherigen HORA-Geschichte aber lautet: DER EINZIGE UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND SALVADOR DALÍ IST, DASS
WIR NICHT DALÍ SIND (2005 und Titel des dicken HORABuchs). Applaus!
MUSIK IN HORA-STÜCKEN
Es gibt Musiken, die sich wie ein roter Faden durch die verschiedensten HORA-Projekte und -Jahre ziehen: zum Beispiel die Songs
von HORA’BAND-Sängerin Denise Wick Ross in insgesamt 5 Stücken, von ALL THE WORLD IS A STAGE (1999) bis BOB DYLANS
115TER TRAUM (2018). Ebenfalls in 5 Stücken zu hören war allein in den Jahren 2014 und 2015 die Musik der Schlagersängerin
Beatrice Egli. Am längsten aber begleitet die Musik der Beatles
HORA-Stücke: erstmalig 1994 in DIE BEATLES – EINE GEBURT
DER WELT, letztmalig 2017 in LONELYHEARTSRADIO (2017).
ZWISCHENSTAND DER DINGE
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ZWISCHENSTAND DER DINGE
ERSCHÜTTERUNGEN
MASSENSPEKTAKEL
EIN HORA’BAND-KONZERT FÜR TAUBBLINDE MENSCHEN
DIE HORA-PROJEKTE MIT DEN MEISTEN
MITWIRKENDEN
Niemand von der HORA’BAND hatte eine Ahnung, worauf sie
sich da einliessen. Ein Konzert für taubblinde Menschen. Ein Publikum das nichts sieht und nichts hört!? Wie soll denn so was gehen?
Beim ersten Ton wussten sie es dann. Das Publikum kam herangetastet und -gekrochen. Mit gebannten Gesichtern. Es legte sich auf
den Boden, um die Vibrationen besser zu spüren. Es streichelte
während dem Spielen die Körper der Gitarren, und einer kroch mit
dem Kopf voran in unsere Basstrommel. Unvergesslich!
INTERNATIONALES
THEATERFESTIVAL
OKKUPATION!
Auch wenn ein HORA-Stück durchaus auch ein Solo sein kann: Im
Durchschnitt stehen bei unseren Projekten 5 bis 15 Personen auf der
Bühne. Regelrechte Massenspektakel hingegen waren YELLOW
SUBMARINE (2006, neben den HORAs gleich mehrere Schulklassen), BESETZEN SIE EINEN QUADRATMETER ZÜRICH
(2007, weit über 100 Leute), DAS SCHIFF DER TRÄUME
(2011, um die 70). Doch auch die Nullimprovisation DIE LUST AM
SCHEITERN ist ganz vorne mit dabei – wenn man sämtliche PerformerInnen zusammenzählt, die in den bald 20 Jahren seit der Premiere hier bereits mitwirkten, kommt man auch hier auf weit über 70…
ALLES WAR MAGISCH
«AUSSENSEITERKUNST» AUF DEN BÜHNEN DES
KULTURELLEN MAINSTREAMS
Nicht weniger als 5 Festivals zum Thema Kunst und Behinderung
hatte HORA zwischen 1995 und 2002 bereits organisiert, als Gesamtleiter Giancarlo Marinucci 2007 OKKUPATION! ins Leben
rief. Die Grundidee: Die Bühnen des kulturellen Mainstreams (Gessnerallee, Rote Fabrik, Schiffbau, Tanzhaus, …) mit so genannter
«Aussenseiterkunst» zu okkupieren – und dabei, en passant, selbst
einen Fuss in die Türen dieser Institutionen zu bekommen. Das Experiment ging auf – die Kontakte (u.a. zu Jérôme Bel) wurden tatsächlich geknüpft, und spätestens nach 4 Festivalausgaben musste
HORA nicht mehr besetzen, sondern wurde «ganz normal» als
künstlerischer Partner akzeptiert. Das Festival hatte erstaunlicherweise sein Ziel wirklich erreicht: Sich selbst überflüssig zu machen.
SO SCHÖN WIE NIE
DER SCHÖNSTE HORA’BAND-ABEND ALLER ZEITEN
Der schönste HORA’BAND-Abend aller Zeiten war im Club nouveau monde in Fribourg beim Fest der Fachschaft Heilpädagogik.
Alles war magisch. Der lange Holztisch, wo die Band tafelte, lag
direkt unter der Bühne. Danach stiegen die MusikerInnen hoch
über eine Treppe direkt auf die Bühne. Als sich der Bühnennebel
legte, begannen sie zu spielen. Mucksmäuschenstill war es, und die
Halle rappelvoll. Die Ekstase perfekt. Die Plakate im Weltformat.
Die HORA’BAND liebt Euch. Für immer.
EXTREMTEMPERATUREN
DAS HEISSESTE UND DAS KÄLTESTE HORA’BANDKONZERT ALLER ZEITEN
DIE ERSTE PLATTE DER HORA’BAND
Am 11. Jan. 2008 war es endlich so weit: SO SCHÖN WIE NIE, die
erste Platte der HORA‘BAND, erschien. Zusammen mit «Haubi
Songs» von Züri West wurde sie von Musikjournalisten zur besten
Schweizer Platte des Jahres 2008 gewählt. Die ersten 1000 Exemplare
waren schnell verkauft. Die zweiten 500 auch. Rekord. So geht das.
Das heisseste HORA’BAND-Konzert aller Zeiten: in einer schönen
alten Aula in Winterthur, vor 150 Diplomierten sowie 800 Freunden und Familienangehörigen. Draussen 35 Grad Celsius. Drinnen
45 Grad. Der Rektor hatte ein hellblaues Hemd an, das sich während seiner Rede zunehmend schwarz einfärbte. Keiner wusste,
ob er das Ende seiner Rede lebend erreichen würde. Exakt vier
Monate später, draussen auf dem Schiffsteg am Bürkliplatz: das
kälteste HORA’BAND-Konzert aller Zeiten. Bei minus 18 Grad,
im Rahmen der Aktion Friedenslicht, aber kältebedingt praktisch
ohne Friedenslichter.
ZWISCHENSTAND DER DINGE
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ZWISCHENSTAND DER DINGE
SCHAUSPIELSCHULE BESUCHERREKORDE
DIE HORA-SHOWS MIT DEN MEISTEN
ZUSCHAUERINNEN
2009–2018: DIE HORA-ABTEILUNG AUSBILDUNG
Die Idee war und ist einzigartig: Eine Schauspielschule nur für
Menschen mit IV-Berechtigung. Der Haken: Für eine Anstellung in
welchem Theater qualifiziert diese Ausbildung – ausser für eine
Anstellung im Ensemble von Theater HORA selbst? Mit der Gründung der Initiative «SwissAbility» wurde bereits 2010, knapp ein
Jahr nach der Gründung, versucht, diese Frage zur «gesamtgesellschaftlichen» (NZZ) zu machen. Doch vergebens: Anstellungsalternativen für SchauspielerInnen mit IV fehlen weiterhin, das HORAEnsemble ist voll, der Lehrgang 2018–20 muss ausgesetzt werden.
(siehe auch S.23/24)
5 METER
ÜBER BÜHNE UND
PUBLIKUM
DAS HÖCHSTE HORA’BAND-KONZERT ALLER ZEITEN
Es ist der coolste Klub in Winterthur: Klub Amboss. Einziges Problem: Die schmale Bühne in dieser alten Industriehalle ist fünf
Meter über Boden und Publikum, erreichbar nur über eine Leiter.
Ihrerseits hatte die HORA’BAND eine Sängerin mit Platz- und Höhenangst (Sandra Grande). Ihre Orgel hat die Band über die Leiter
da hochgestemmt. Das Schlagzeug und die Sängerin auch. Yeah.
DISABLED THEATER
UND DIE FOLGEN
2012: DAS STÜCK VON JÉRÔME BEL KATAPULTIERT
HORA IN EINE ANDERE LIGA
Es begann (fast) wie jedes andere HORA-Projekt auch, und
doch war mit der Premiere von DISABLED THEATER (2012) bei
HORA schon bald (fast) nichts mehr so, wie es vorher gewesen
war. Dieser Höhenflug war nicht immer nur leicht zu leben, und
verursachte diverse kleinere und grössere, strukturelle wie persönliche Erschütterungen die teilweise nur mit viel Lust am Scheitern
überhaupt noch zu meistern waren.
Den absoluten Besucherrekord hält die HORA’BAND – und zwar
gleich zweifach: Vor rund 10’000 Leuten begann sie am 11.
September 2010 anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums von Insieme
Schweiz im Stade de Suisse in Bern zu spielen. Allerdings fiel ihr
Auftritt auf den Zeitpunkt, an dem das Publikum mit IV aufgefordert wurde, sich auf den Weg zum Nachtessen im Wohnheim zu
begeben. Sodass am Ende des Konzerts nur noch maximal 2000
der ZuschauerInnnen da waren. Doch auch 2000 ZuschauerInnen
bleiben weiterhin unangefochtener Besucherrekord…
PREISREGEN
THEATER HORA WIRD AUSGEZEICHNET
Hatten Kulturpreise bis dahin für HORA eher Seltenheitswert, so
begannen sie mit dem Erfolg von DISABLED THEATER auf einmal
geradezu zu regnen: Anerkennungspreis der Stadt Zürich, Childrens Choice Award der Ruhrtriennale, Einladung zum Berliner
Theatertreffen, Schweizer Tanzpreis, Kulturpreis der Paul-SchillerStiftung, Alfred-Kerr-Preis und Bessie-Award-Nominierung für Julia
Häusermann, … Und schliesslich der höchste Schweizer Theaterpreis Grand Prix Theater/Hans Reinhard Ring 2016. Lustvolles
Scheitern sieht irgendwie anders aus, bleibt aber dennoch weiter
das, was uns am meisten interessiert…
AUSBILDUNGSABSOLVENTIN
HORA-SCHAUSPIELERIN
JULIA HÄUSERMANN
«Thomas Thieme sagt: ‹Bei jungen Schauspielern sehe ich Technik.
Sprecherziehungslehrer, Bewegungslehrer, die ihnen das Laufen neu
beigebracht haben.› Es ist genau das, was ihn oft am Theater ärgert. Es
nennt es «Mittelstandsbetreuung». Julia, sagt er, hat all das nicht. ‹Ich
habe Energie bewertet, Kraft, Sensibilität, Verzweiflung.› Das deutsche
Theater ist in Thiemes Augen ein einziger Kompromiss. Julia ist kein
Kompromiss. Sie kann sich frei machen von der Anpassung, weil ihre
Anpassung sowieso scheitern muss.» DIE ZEIT, 16. Januar 2014
GELD ALLEIN
MACHT NICHT UNGLÜCKLICH
DIE HÖCHSTEN FÖRDERBETRÄGE
Der höchste Förderbetrag in einem Kalenderjahr kam 2013 vom
Lotteriefonds des Kanton Zürich für das 20-jährige HORA-Jubiläum. Die höchste Privatspende in einem Jahr war ein Betrag von 7300
CHF – der Erlös aus einem Verkauf von Bildern von Michael Elbers
Vater. Wer diesen Rekord überbieten möchte: Conny Marinucci
ist für Sie da: Tel 044 405 71 40 oder Email verein@hora.ch
DIE FREAKIGSTEN
FREAKS
DAS BERLINER SCHAUMSTOFFPUPPENKOLLEKTIV DAS HELMI
HORA loves Helmi! HORA hates Helmi! Weil sie unseren SchauspielerInnen zu jeder Zeit auf Augenhöhe begegnen… und dem HORABüro auch auf Augenhöhe unserer SchauspielerInnen. Verspielt,
immer knapp vor dem Abgrund. Eine ähnlich unkontrollierte Fracht
an nicht normierter Kreativität haben wir niemals sonst mit auf
ein Gastspiel genommen. Die freakigsten Freaks der Freakszene.
Anstrengend und beglückend. Einzigartig, originell, unvergleichlich.
FREIE REPUBLIK
HORA
EIN LANGZEITPROJEKT
Als Antwort auf die Frage, mit welchem Star-Regisseur HORA
denn nach der Einladung zum Berliner Theatertreffen als nächstes zusammenarbeiten wolle, initiierte das Theater im Sommer
2013 sein Langzeitprojekt FREIE REPUBLIK HORA. Die HORASchauspielerInnen übernehmen hier selbst die Regie: über sich,
über ihre KollegInnen genau wie über externe, nichtbehinderte
künstlerische PartnerInnen.
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ZWISCHENSTAND DER DINGE
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STADT-THEATER
2017: HORA ERHÄLT ERSTMALIG
FESTE KULTURSUBVENTION
Seit 2017 unterstützt die Stadt Zürich Theater HORA mit 150‘000
CHF im Jahr und dem Backstein der Roten Fabrik als Proberaum.
Die Subvention ist die erste kontinuierliche Förderung, die HORA
als Kulturbetrieb, und nicht für die Betreuung von Menschen mit
einer Behinderung erhält – ein Meilenstein.
DIENSTALTERSPRÄSIDENTINNEN
WER IST ODER WAR AM LÄNGSTEN BEI HORA?
Von den Gründungsmitgliedern von HORA ist heute nur noch eine
einzige Person beim Theater: Michael Elber selbst (25 Dienstjahre). Ihm folgen auf Platz 2 Denise Wick Ross, die Sängerin der
HORA’BAND (20 Dienstjahre), auf Platz 3 Gesamtleiter Giancarlo
Marinucci (18 Dienstjahre), auf Platz 4 die Schauspieler Peter
Keller (bis 2013) und Matthias Grandjean (jew. 15 Dienstjahre),
auf Platz 5 Roli Strobel, künstlerischer Leiter der HORA’BAND
(14 Dienstjahre) und auf Platz 6 Conny Marinucci, Administration und Sekretariat (13 Dienstjahre). Platz 7 teilen sich gleich 5
Ensemblemitglieder: Die SchauspielerInnen Madeleine Oertle (bis
2009), Lorraine Meier (bis 2013), Remo Beuggert, Sara Hess und
Tiziana Pagliaro (jeweils 12 Dienstjahre).
REKORDHALTER
WELCHES ENSEMBLEMITGLIED IST WORIN
UNÜBERTROFFEN?
Mimisches Talent: Noha Badir. Filmwissen: Remo Beuggert. Änderungsvorschläge: Gianni Blumer. Eigener Wille: Simone Gisler. Wissen über Kathedralen: Nikolaj Gralak. Empathie für Aussenseiter:
Matthias Grandjean. Preise: Julia Häusermann. Putzenergie: Sara
Hess. Bandbreite an Stimmungen: Lucas Maurer. Explosive Bewegungsabläufe: Serafin Michel. Entschleunigung: Tiziana Pagliaro.
Unverwechselbarkeit der Stimme: Fredi Senn. Jonglage: Simon
Stuber. Grösster Urs-Beeler-Fan ever: Fabienne Villiger.
ELBERS MERKSÄTZE
… FÜR KÜNFTIGE HORA-LEITERINNEN
1. Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht. 2. Ordnung ist das halbe Leben, und ich hasse halbe Sachen. 3. Alles Gute kommt von Züriwerk.
DAS SCHIFF DER TRÄUME, 2011, Idee und Projektleitung: Marcel Bugiel und Michael Elber (Foto: Michael Bause)
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LA PETITE MORT, 2013, Regie: Nele Jahnke (Foto: Michael Bause)
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MARS ATTACKS!, 2014, Regie: Das Helmi (Foto: Sabina Bobst)
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AUSBILDUNG
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DANKE, URS BEELER!
Ensemblemitglieder über den Leiter der HORA-Abteilung Ausbildung,
die diesen Sommer vorübergehend schliessen muss
Bin ich in der Ausbildung gewesen beim
Urs Beeler. Ist mein Chef gewesen. Urs
ist lustig. Und ist auch sehr sehr schöner
Mann. Und immer streng. Ist toller Mann.
Haben wir gut gespielt und Theater gespielt mit ihm. Und ist auch lustig gewesen.
Simone Gisler
Den Urs kenn ich schon lange. Denn zuerst habe ich mit ihm gearbeitet. Es hat
mir sehr gefallen bei ihm. Er war ein netter Mann, ja. Ich hab viel gelernt: Spiellust haben. Mit Mut auf der Bühne stehen
und mich anschauen lassen. Kritik annehmen hab ich auch müssen lernen. Hab ich
damals nicht gewusst – hab ich müssen
lernen. Einstecken war früher schwer für
mich. Er war richtig streng bei dem Proben. Er hat gesagt: Nein, das musst du so
und so machen. Es ist unglaublich – ich
hab Kopfweh gehabt. Wenn er wirklich
was will, dann ist er stur. Und dann sagt
GOTT, 2017, kollektive Nicht-Regie im Rahmen von Freie Republik HORA (Foto: Anita Affentranger)
er immer: Es muss perfekt sein, es muss
echt wirken. So muss es sein bei ihm: Alles
perfekt sein.
Julia Häusermann
Ich hab nur PAGANINI bei ihm gemacht,
nicht die Ausbildung. PAGANINI war das
einzige Stück, das er mit dem ganzen Ensemble gemacht hat. Aber ich hätte gern
mehr Sachen mit ihm gemacht. Ich hab
viele von seinen Stücken gesehen: ENTE,
TOD UND TULPE, das mit dem Radio,
oder DIE GESCHICHTE VOM BAUM.
Viele Geschichten von ihm hatten mit
dem Tod zu tun. Der Urs ist ein sehr genauer Mensch. Wenn ihm eine Szene nicht
gepasst hat, dann mussten wir das ein
paar Mal wiederholen. Privat hab ich mit
dem Urs immer besser reden können als
während der Proben. Ich weiß auch nicht:
Privat ist er ein ganz anderer Mensch, als
wenn er am Proben ist. Interessant fand
HORA-Magazin Nr. 45, Juni 2018
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ich auch immer die Musik, die er für seine Stücke auswählt. Als wir PAGANINI
gemacht haben, habe ich mir dann auch
eine CD von Paganini gekauft. Und Urs hat
dann für sein Stück ein paar Lieder von
meiner CD genommen. Weil er die besser
fand als seine eigenen.
Remo Beuggert
Mein totales Lieblingsstück von Urs: ENTE,
TOD UN TULPE. Das ist schade, dass wir
das vor einer Schulklasse das letzte Mal
gespielt haben. Das ist dann nicht so der
Hammer gewesen. Weil die haben nicht so
gut zugehört. Ich hätt das gern noch mal
aufgeführt nicht mit Schülerauftritt. Wo ich
hätt sagen können: So, das ist das letzte
Mal, wo wir das spielen. Als Person ist er ein
Herzlicher. Man kann auch gut reden mit
ihm. Und er ist sehr ein genauer gewesen.
Diszipliniert. Wenn etwas nicht geklappt
hat, dann haben wir’s wiederholt. Er wollte
aus uns das Beste rausholen. Streng. Was
ein bisschen ein Nachteil gewesen ist beim
Urs: Er hat nicht so gern Pause gemacht.
Weil wir nachher so unkonzentriert gewesen
sind, hat er gesagt. Aber ich hab das nicht
so gern gehabt. Aber er hat dann zwischendrin auch noch geredet zum Erklären, und
ich hab dann in der Zeit, wo der Urs erzählt
hat, Pause machen können, ausatmen. Ich
hab ihm gern zugehört.
Sara Hess
Der Urs ist eigentlich ein netter Mensch. Er
sieht aus wie eine Frau. Ich habe die Ausbildung bei ihm nicht gemacht – ich bin Quereinsteiger. Aber ich war bei PAGANINI &
ICH dabei – wo er mal mit dem ganzen Ensemble gearbeitet hat. Die Proben mit dem
Urs waren anstrengend. Sehr lustig. Und
streng – dass wir alle Texte müssen auswendig lernen, und gleichzeitig die Bewegung.
Und konzentrieren müssen, und genau sein.
Ich finde, wenn er Lust hat, soll er noch mal
ein Stück machen. Oder schauen – und
Apero haben. Ich finde ihn cool.
Gianni Blumer
Ich mag den Urs – der ist mein Lieblingschef gewesen. Ich bin der grösste Fan –
vom Urs und seiner Freundin Britta. Ich
mag so streng arbeiten – gut zuhören und
gucken. Und dass er gesagt hat, dass ich
selber machen muss. Für mich ist es megagut gewesen mit ihm. Und ich find es
einfach ein bisschen schade wenn er geht.
Ich will einfach für ihn da sein. Ich vermiss
dich, Urs. Tschüss, gat’s guet!
Fabienne Villiger
HINTERGRUND
Im September 2008 hatte HORA-Gesamtleiter Giancarlo Marinucci die Vision, eine
Fortbildungsmöglichkeit für HORA-SchauspielerInnen in produktionsfreien Zeiten zu
schaffen. Die Idee entwickelte sich weiter,
und schliesslich wurde eine eigenständige
Schauspielausbildung daraus – einzigartig in ihrer Art. Als Ausbildner wurde der
Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge Urs Beeler verpflichtet, der seit 2007
zusammen mit Ensemblemitglied Marcel
Trinkler in dem HORA-Stück DER GASTSCHÜLER spielte, und bereits im August
2009 konnte der erste Ausbildungslehrgang
starten. Nicht zuletzt die Verleihung des Alfred-Kerr-Preises 2013 an die AusbildungsAbsolventin Julia Häusermann machte den
Lehrgang überregional bekannt. Dennoch:
selbst die renommierte Auszeichnung veränderte nichts an dem Umstand, dass das
HORA-Ensemble bis heute auch nach Abschluss «PrA Schauspielerei» für schauspielbegabte Menschen mit Beeinträchtigung
die einzige Berufsperspektive im Theaterbereich darstellt. Da das Ensemble aber
momentan seine maximale Grösse erreicht
hat und sich keine Austritte abzeichnen,
musste der für Herbst 2018 bis Sommer
2020 geplante Ausbildungslehrgang ausgesetzt werden. Damit entfällt leider auch die
Stelle von Urs Beeler, der HORA per Ende
Juli verlassen wird. Für seine Pionierarbeit
und sein riesengrosses Engagement in den
vergangenen 9 Jahren danken wir ihm von
ganzem Herzen.
HORA-Magazin Nr. 45, Juni 2018
NEWS
NEUES
ALBUM
HORA’BAND
7 Jahre nach der letzten regulären CD ist
im Februar endlich das neue Album der
HORA‘BAND erschienen – in Vinyl: SOLD
THE ROCKET TO THE MOON. Es dokumentiert die Verarbeitung der verschiedensten Einflüsse, die in dieser langen Zwischenzeit auf die Gruppe einwirkten: Die
Richtmikrofon-Aufnahmen der MusikerBewegungen durch Pascal Grüttler. Die
Live-Vertonung des Videoprojekts THE
DEMOCRATIC SET, Theater HORAs
Zusammenarbeit mit dem legendären
Back to Back Theatre aus Australien. Die
Beschäftigung mit der Art und Weise, wie
das menschliche Denken und die Entstehung von Musik funktioniert. Sowie – wie
immer und immer wieder umwerfend –
die Musik und die Texte der Sängerinnen
und Komponistinnen Sandra Grande und
Denise Wick Ross.
Preis bei HORA‘BAND-Konzerten,
HORA-Vorstellungen und bei Abholung im
Büro: CHF 20.–, Lieferung nach Hause:
CHF 25.–
25
NEU IM
HORA-TEAM
CURDIN CASUTT UND ADRIAN T. MAI
Gleich zwei neue Gesichter im HORABüro: Am 19. Februar hat interimsweise
Curdin Casutt die Gesamtleitung von
HORA übernommen, und seit 1. März hat
das Theater mit Adrian T. Mai einen neuen
Produktionsleiter.
Adrian T. Mai kommt ursprünglich
vom klassischen Musiktheater/Oper, lebt
seit 2006 in der Schweiz und war hier
zuletzt als Produktionsleiter und in der
Entwicklung von neuen Produktionen im
Bereich Musical/Tanz tätig. Bei HORA
folgt er Svetlana Ignjic, die Ende Oktober
das Theater verlassen hat, und Cristina
Achermann, die dankenswerterweise die
Zwischenzeit bis zu seinem Arbeitsbeginn übernommen hatte.
Curdin Casutt vertritt Giancarlo
Marinucci, der seit Ende November 2017
aus gesundheitlichen Gründen ausfällt.
Er ist Master of Arts, war jahrelang in
der künstlerischen Produktion im Musiktheaterbereich tätig und arbeitete in den
vergangenen Jahren bei der Kulturförderung der Stadt Zürich – zuletzt als Projektleiter, aber auch als Verantwortlicher
für die Belange der Roten Fabrik und des
Theaters Rigiblick.
Wir freuen uns, dass die beiden jetzt
bei uns sind und das HORA-Team kompetent unterstützen!
BOB
DYLANS
115TER
TRAUM
ERSTER TEIL DER SCHWEIZTOURNEE ERFOLGREICH BEENDET
Nach Gastspielen in Winterthur, Wädenswil, Rueschlikon, Rüti, Otelfingen, St.
Gallen, Schaffhausen, Volketswil, Thalwil
und Bellinzona sowie an verschiedenen
Spielorten in Zürich ist am Samstag, den
24. März der erste Teil der Schweiz-Tour
von BOB DYLANS 115TER TRAUM zu
Ende gegangen, Michael Elbers Volkstheater zum 25sten HORA-Geburtstag und
zugleich sein Abschied von dem von ihm
gegründeten Theater. Von den 18 Vorstellungen waren 17 ausverkauft.
Weiter mit der Tour geht’s ab Juni,
mit Terminen u.a. in Wald, Mainz, Rapperswil, Dietikon, Bülach, Bern, Langnau,
Zürich, Kilchberg und Luzern.
Gross- und KleinstveranstalterInnen
aufgepasst: Für Januar-März 2019 gibt es
noch freie Spieltermine. In Ihrem Theater,
Stadion, GZ – oder auch einfach in Ihrem
Wohnzimmer…
FÖRDERVEREIN
26
THEATER HORA
BRAUCHT IHRE UNTERSTÜTZUNG!
Theater HORA ist seit 2002 Teil der
Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich eine wiederkehrende Kultursubvention. Dennoch reicht die Summe aller
Zuwendungen nach wie vor nicht einmal
dafür, die Kosten des laufenden Betriebs
(feste Raum-, Personal- und Sachkosten)
zu decken. Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung! Als Spende, und/oder als Mitglied im Förderverein Theater HORA. Ihr
jährlicher Beitrag von nur CHF 150 ebenso wie jede Spende kommt ausschliesslich
den Projekten und Produktionen des Theaters zugute.
Mit Ihrer Spende und/oder Ihrem jährlichen Beitrag von CHF 150 als Mitglied
des Fördervereins Theater HORA leisten
Sie aber nicht nur einen wichtigen Beitrag
zur Ermöglichung der Projekte und Produktionen des Theaters. Sie profitieren
auch von zwei Freikarten pro Kalender-
jahr, geniessen einmalige Einblicke hinter
die Kulissen und erhalten die Gelegenheit,
die HORAs bei ausgewählten nationalen
und internationalen Gastspielen zu begleiten. So bekommen Sie eines der spannendsten Kunstprojekte der Schweiz aus
der Insiderperspektive mit – und lernen
jede Menge nette, interessante und ungewöhnliche Leute kennen.
Unterstützen auch Sie die künstlerische Arbeit des nach wie vor einzigen
professionellen Theaters der Schweiz,
dessen Ensemblemitglieder alle eine IVzertifizierte «geistige Behinderung» haben! Spenden Sie! Und falls Sie es nicht eh
schon sind: Werden Sie Mitglied im Förderverein Theater HORA! Sie müssen nichts
weiter tun, als unseren Anmeldetalon
auszufüllen. Oder Sie wenden sich direkt
an Conny Marinucci: Tel 044 405 71 40
oder Email verein@hora.ch
27
TAUSEND DANK!
Spenden ab CHF 500.–
Enerplan AG Bern
Ref. Kirchgemeinde Rümlang
Stiftung Neuburger
Trägerverein kulturhinwil
Spenden ab CHF 5000.–
Ref. Kirchgemeinde Küssnacht
Casinotheater Winterthur
Unterstützer
Alexis Thalberg Stiftung
Buchmann Kollbrunner Stiftung
Dr. Adolf Streuli-Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Fachstelle Kultur Köniz
Förderverein Theater HORA
Georg und Berta Schwyzer-Winiker Stiftung
Georges und Jenny Bloch Stiftung
Grütli Stiftung Zürich
Hans Konrad Rahn-Stiftung
Hamasil Stiftung
Kultur Stadt Bern
Kulturförderung Kanton Bern
Landis & Gyr Stiftung
MBF Foundation
MIGROS-Kulturprozent
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung
René & Susanne Braginsky Stiftung
Stadt Zürich Kultur
Gemeinnützige Stiftung Symphasis
Thomann Nutzfahrzeuge AG
Vontobel-Stiftung
Werner H. Spross-Stiftung
Koproduzenten
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
WERDEN SIE MITGLIED! SPENDEN SIE! BESTELLEN SIE! VERSCHENKEN SIE!
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und Mitglied im Förderverein werden.
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oder nutzen Sie den beigelegten Einzahlungsschein.
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
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verein@hora.ch, Fax 044 405 71 10
Redaktion
Remo Beuggert, Marcel Bugiel, Gianni
Blumer, Curdin Casutt, Michael Elber,
Simone Gisler, Julia Häusermann, Sara
Hess, Conny Marinucci, Adrian Mai,
Roland Strobel, Fabienne Villiger
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40, F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
AGENDA DEZEMBER 2017 – MAI 2018
JUNI
BOB DYLANS 115TER TRAUM
(offene Probe)
FILM REMAKE #4 (*)
DEMOCRATIC DISCO (*)
Samstag, 16. Juni
Tag der offenen Tür Rote Fabrik
Rote Fabrik, Zürich (verschiedene Orte)
www.rotefabrik.ch
KONZERT HORA’BAND
Samstag, 23. Juni
Iwaz-Anlass,
Migros-Vorplatz, Wetzikon
FILM REMAKE #4
Freitag, 29. Juni
Festival Begegnung in der Kunst,
Kirchheimbolanden (D)
www.lebenshilfe-kunst-und-kultur.de
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 30. Juni
Stiftung Wabe, Wald
www.wabe-wald.ch
JULI
GUERILLA CLASSICS MEETS
HORA (*)
Montag, 9. – Freitag, 13. Juli
Verschiedene Orte in Zürich
(Details demnächst auf unserer Homepage)
AUGUST
KONZERT HORA’BAND
Samstag, 18. August
10 Jahre Kulturfestival Säbelibum,
Heitere Fahne, Bern
www.dieheiterefahne.ch
SEPTEMBER
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Donnerstag, 13. und Freitag, 14. September
Festival Grenzenlos Kultur,
Staatstheater Mainz, Kleines Haus
www.grenzenlos-kultur.de
HORA-Magazin Nr. 45, Juni 2018
DEMOCRATIC DISCO (*)
Freitag, 14. September
Festival Grenzenlos Kultur,
Staatstheater Mainz, Kantine
www.grenzenlos-kultur.de
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 29. September
Ehemalige Fabrik Grenchen
www.netzwerk-grenchen.ch
OKTOBER
KONZERT HORA’BAND
Samstag, 6. Oktober
Haus 41, Innsbrück (A)
NOVEMBER
EGOTOPIA (*)
Dienstag, 6. (Premiere), sowie 8.–10.,
13.–15. und 17. November
Fabriktheater Rote Fabrik, Zürich
www.fabriktheater.ch
FILM REMAKE #5 (*)
Samstag, 10. November (Premiere)
Kulturzyklus «Kontraste»,
FHS St. Gallen
www.fhsg.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Sonntag, 11. November
Sigristenkeller, Bülach
www.sigristenkeller.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 30. Juni
Stiftung Wabe, Wald
www.wabe-wald.ch
Freitag, 16. November
Gemeinderatssaal, Dietikon
www.dietikon.ch
Freitag, 23. und Samstag, 24. November
Heitere Fahne, Bern
www.dieheiterefahne.ch
Freitag, 30. November
turbine Theater, Langnau am Albis
www.turbinetheater.com
(*) Premiere / erste öffentliche Aufführung
Änderungen vorbehalten. Aktuelle Daten und Informationen entnehmen Sie unserem
Newsletter oder online unserem Spielplan auf www.hora.ch
-
11/2017 – HORA Magazin Nr. 44
NR. 44
NOVEMBER 2017
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
4 –7
BOB DYLANS 115TER TRAUM
HORA-Gründer Michael Elber
über sein Volkstheater zum 25sten
HORA-Geburtstag
Remo Beuggert und Sara Hess über
das Leben von Bob Dylan
8
HORA‘BAND
Roli Strobel über Denise Wick Ross,
Sängerin der HORA’BAND
9–11
AUSBILDUNG
Begegnungsplattformen für die
Öffentlichkeit
Wiederaufnahmen
Repertoire
Workshop
Ausbildungsplätze
Raum-Vermietung
12–13
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit Andrea Pfalzgraf
14
AGENDA DEZ 2017 – MAI 2018
17
VERMISCHTES
Letzte Vorstellung DISABLED THEATER
Abschied von Svetlana IgnJic
Gesucht
18
FÖRDERVEREIN
19–20
ZUM SCHLUSS
Dank
Impressum
Zitat NZZ
2
3
EDITORIAL
LIEBE HORA-FREUNDINNEN
UND -FREUNDE
Die Vereinsgründung des Theater HORA
jährt sich 2018 zum 25. Mal, das erste
Highlight dazu ist schon angerichtet mit
der Premiere von BOB DYLANS 115TER
TRAUM, inszeniert von HORA-Gründer
Michael Elber, auf der Pfauenbühne.
Mehr dazu in diesem Heft. Gerne hätten
wir unser Jubiläum mit einem weiteren
effektvollen und dröhnenden Paukenschlag
eingeläutet: Nämlich mit der Verkündung
der Einverleibung des Theater Neumarkt…
Bereits Anfang des Jahres, im
Rahmen der Zusammenarbeit mit dem
Schauspielhaus-Ensemble bei Milo Raus
DIE 120 TAGE VON SODOM, war wiederholt die Frage aufgekommen, ob eine
dauerhafte Inklusion der HORA-SchauspielerInnen ins Schauspielhaus-Ensemble
denkbar, und ob sie überhaupt wünschenswert wäre. Zu dieser Frage hatte die
Dramaturgin Gwendolyne Melchinger bereits Ende 2016 im Schauspielhaus-Journal #10 geschrieben: «Viel interessanter
[als eine Inklusion ins Schauspielhaus-Ensemble] wäre es, wenn das HORA-Ensemble ein eigenes (Stadt-)Theater bekommen
würde, mit Kooperationen und Öffnungen
nach aussen und vielleicht sogar mit einer
eigenen Ausbildungsstätte.» Als dann im
Sommer die Intendanz des Theater Neumarkt neu ausgeschrieben wurde, haben
wir den Beschluss gefasst, genau dieses
Gedankenspiel «Stadttheater HORA»
einem Realitätstest auszusetzen. Mit grosser Euphorie haben wir uns an die groben
Züge eines tragfähigen künstlerischen
Konzepts für eine Neumarkt-Übernahme
durch HORA gemacht, Ideen sprudelten,
die Phantasie bordete über und der Eingabetermin stand noch in realistischer
Nähe. Leider kam es nicht soweit. Denn
mit dieser Übernahme hätten wir nicht nur
kultur-, sondern auch behindertenpolitisch
Neuland betreten – und administrativ einen Präzendenzfall geschaffen, auf den
niemand in der Züriwerk-Leitung auch nur
im Ansatz vorbereitet war. So mussten wir
die Bewerbung fallenlassen. Doch nicht
nur ein wenige Wochen später erschienener Artikel in der NZZ (siehe Rückseite
von diesem Heft) liess uns diesen Rückzug
dann doch bereuen: Wir hätten es einfach
versuchen müssen – gerade für all die
bühnenbegabten Menschen mit einer Behinderung, die bei uns arbeiten!
Giancarlo Marinucci,
Gesamtleiter Theater HORA
BOB DYLANS 115TER TRAUM
4
EIN BOB-DYLAN-VOLKSTHEATER ZUM
25STEN HORA-GEBURTSTAG
LIEBE FREUNDINNEN UND FREUNDE
LIEBE WEGGEFÄHRTINNEN
LIEBE BEKANNTE UND UNBEKANNTE
LIEBE NACHBARINNEN
LIEBE ARBEITSKOLLEGINNEN
LIEBE ALLE
Am 6. Oktober 2017 bin ich 60 Jahre alt
geworden. Theater HORA, mein ältestes
Kind (2 weitere sind inzwischen dazugekommen), wird nächstes Jahr 25 Jahre alt.
Im Januar 2018 wird es genau 25 Jahre her
sein, dass mit ABER ZEIT IST LEBEN.
UND DAS LEBEN WOHNT IM HERZEN
die erste öffentliche HORA-Aufführung Premiere feierte.
Beides möchte ich gerne gemeinsam
mit Euch (und mit Ihnen) feiern. Am 27.
Januar 2018 im Pfauen vom Schauspielhaus. Doch das Beste kommt noch: Denn
am 27. Januar feiern nicht nur Theater
HORA und ich Geburtstag – es feiert
auch meine Inszenierung BOB DYLANS
115TER TRAUM Premiere!
Mit diesem Stück plane ich, einen
Dank an unser Publikum zu inszenieren. Ein
Fest für und mit dem Publikum. Wenn sich
der grantige Bob Dylan schon nicht freundlich bedanken kann, bei all den Menschen
die ihn besuchen auf seiner «Never Ending
Tour», dann versuche ICH es eben, inspiriert von seinem Lebenswerk, für mein und
unser Publikum. Und somit wird diese Premiere auch ein versteckter Dank an alle
Menschen sein, die mich persönlich in den
vergangenen 60 Jahren begleitet, unterstützt, hinterfragt, beraten, verfolgt, besucht, ausgehalten und geliebt haben.
Um diese Dinge wird es u.a. gehen in BOB
DYLANS 115TER TRAUM: Um das Unterwegssein. Um Iggy Pop, Country Rock,
eine bärtige Frau und eine blinde Blindenführerin, um Caliban aus Shakespeares
«Sturm», ein Heath-Ledger-Double als
Jokerman und um das geratenste und gestammelteste «Like a Rolling Stone» aller Zeiten. Um das HORA-Ensemble, und
zwar endlich einmal wieder um das komplette. Um die HORA’BAND und ihre einzigartige Sängerin Denise Wick Ross sowie
um eine ganze Reihe illustrer Gäste. Um
einen Sprung durchs Zuckerglas-Fenster
und eine Alphorn-Version von «Mr. Tambourine Man». Um Bobs Dylans Lieblingsbuch «Die Odyssee» und um sein Verhältnis zur Götterwelt. Um sein Hobby Boxen.
Um ca. 50 Prozent Unvorhergesehenes.
Um einen Live Filmdreh des gescheiterten
Bob-Dylan-Filmprojekts «Word Gone
Mad». Um Bob-Dylan-Poesie mit TouretteSyndrom und um in die grosse Inszenierung eingebaute eigene Regiearbeiten von
HORA-SchauspielerInnen. Um äusserst
rätselhafte, schwer erklärbare Szenen, die
dann aber in einfacher Sprache erklärt
werden. Um einen grossen Rätselwettbewerb. Um Überraschungen, die auch
das Ensemble selbst überraschen werden und um überraschende Einblicke in
das Innenleben einer aussergewöhnlichen
Frau. Um Butoh in der Psychiatrie, eine
äusserst brüchige, berührende, stille Interpretation von «Blind Willie McTell», eine
hochemotionale Borderliner-Interpretation der Aphrodite, eine charismatisch einsilbige Verkörperung des hochkorpulenten
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
5
6
7
Göttervaters Zeus, um eine Kostümgala
wie in den frühen Tagen von HORA sowie,
last but not least, um Rückblicke auf 25
Jahre bewegte HORA-Geschichte.
Ganz gemäss Bob Dylans künstlerischem Credo werden Eure Erwartungen
sicher nicht erfüllt. Sondern um ein Vielfaches übertroffen, in die Irre geführt
und mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedet. Es ist mein grösster Wunsch,
dass wir mit Eurer Hilfe den «PfauenSpeed-Ausverkauft-Rekord» brechen…
Ich möchte Euch (und Sie) deshalb ganz,
ganz HERZLICH und NACHDRÜCKLICH
und voller freudiger ERWARTUNG bitten,
ab dem 5. Dezember 2017 den Vorverkauf
vom Pfauen zu stürmen (Rämistrasse 34,
8001 Zürich, Telefon +41 44 258 77 77,
Öffnungszeiten Mo–Fr 11—19 Uhr, Sa
14–19 Uhr; VVK übers Internet über
www.zurichticket.ch) für eine Karte für den
27. und/oder 28. Januar 2018, und möglichst viele Menschen in Eurer Umgebung
zu animieren diesen Abend mit mir und mit
uns im Pfauen zu verbringen.
BOB DYLANS 115TER TRAUM wird
eine Essenz sein meiner dreissigjährigen
Theaterarbeit. In meiner vielleicht letzten
Regiearbeit für HORA möchte ich alles
einbringen, was die Arbeit mit unseren
SchauspielerInnen so einzigartig und so
erfolgreich gemacht hat. Am 15. Mai 2017
schrieb die NZZ über unsere Produktion
GOTT: «Mehr Autonomie war nie.» Ich
sage Euch: Es gibt noch mehr Autonomie!
Am 27. Januar 2018 auf der Pfauenbühne.
Ich zähle auf Euch (und Sie)! Nöd vergässe!
Michael Elber, Gründer Theater HORA und künstlerischer Leiter
des HORA-Ensembles
BOB DYLANS 115TER TRAUM
DIE HORA-SCHAUSPIELERINNEN
REMO BEUGGERT
UND SARA HESS ÜBER DAS LEBEN
VON BOB DYLAN
Sein Vater hat ein Elektrogeschäft gehabt.
SARA HESS: Er ist da helfen gegangen – aber
es hat ihm gestunken. Er ist dann abgehauen nach New York.
RB: Später hat er das erste Musikvideo der
Musikgeschichte gemacht. Wo er Teile von
dem Lied auf Zettel geschrieben hat. Und
jedes Mal, wenn das Wort vorgekommen
ist, hat er es auf dem Zettel gezeigt.
SH: Wenn ihm etwas nicht in den Kram
gepasst hat, hat er angefangen zu lügen.
Zum Beispiel hat er gesagt, seine Eltern
sind schon gestorben. Er hat sich auch
immer wieder andere Namen gegeben. Sicher 10 oder 15. Irgendwann später hat er
Predigten gehalten, hat lang über «Jesus»
geschwätzt bei seinen Konzerten. Und die
Leute sind unruhig geworden und haben
ihn beschimpft. Was ich noch lässig finde:
Er hat mal einen Lachanfall bekommen
bei einer Plattenaufnahme. Und das hat
er dann so gelassen auf der Platte.
RB: Jeder andere würde es rausschneiden.
SH: Ihm ist es scheissegal. Er hat es einfach
gelassen.
RB: Es hat eine gewisse Menschlichkeit dahinter. Wo alle wieder geschockt gewesen
sind, ist, wo er eine Werbung gemacht hat
für Frauenunterwäsche. Aber das ist erst
später gewesen. Und alle sind megaüberrascht gewesen, als er eine WeihnachtsCD aufgenommen hat. Jetzt singt er auch
Frank Sinatra. Ich find‘s toll, dass er immer
verschiedene Musikrichtungen ausprobiert.
Er muss ja nicht immer bei demselben bleiben. Helene Fischer hat ihre Musikrichtungen auch geändert.
REMO BEUGGERT:
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
HORA‘BAND
8
DENISE WICK ROSS, DIE «GRANDE DAME»
DES THEATER HORA
AUSBILDUNG
9
BEGEGNUNGSPLATTFORMEN FÜR
DIE ÖFFENTLICHKEIT
Urs Beeler über Zusammenarbeiten mit externen KünstlerInnen und Engagements in der HORA-Ausbildung
Im neuen HORA-Stück BOB DYLANS
115TER TRAUM wird auch Denise Wick
Ross, die Sängerin der HORA’BAND, eine
wichtige Rolle spielen. Sie wird dort Lieder
singen, zeichnen, texten, schmunzeln, rauchen und erzählen – aus ihrem Leben und
von ihren Begegnungen mit Bob Dylan und
anderen schrägen Zeitgenossen. Denise ist
sozusagen die «Grande Dame» des Theater HORA. Sie ist dort die dienstälteste Akteurin. Ich selber kenne Denise erst
seit 14 Jahren, und da war ihre Schauspielkarriere eigentlich bereits vorbei. Für
Sandra Grande und Denise wurde damals
das Musikprojekt UP & DOWN gegründet, als Start eines musikalischen Standbeins für das Theater HORA. Daraus entstand dann 2004 die HORA‘BAND, die
bis heute existiert.
Über Denise wurde schon einiges geschrieben. Darunter auch der wunderbare Artikel von Sarah Stähli im TagesAnzeiger (Jan. 2008) unter dem Titel «Wo
das Universum einer Schildkröte gleicht»
(nachzulesen übrigens auf der Homepage vom Theater HORA). Aber weshalb
eine Schildkröte? Ganz einfach: Weil es
stimmt. Die Bewegungen von Denise sind
so bedacht und langsam wie bei einer
Schildkröte. Schildkröten werden scheinbar deshalb so alt, weil sie alles wie in
Zeitlupe erledigen. Im Gegensatz dazu
die Eintagsfliege, die ihr Leben innerhalb
einer Woche erledigt. Alles extrem schnell
wie im Zeitraffer. Dieser Fliegenart reichen
deshalb einige Tage, um das Lebenspensum einer Schildkröte zu erledigen.
Es ist wohl kein Zufall, dass es eine Schild-
kröte war, die Momo zu Meister Hora führen konnte. Ihre Langsamkeit war für die
gestressten Herren in Grau einfach nicht
zu fassen.
Denise ist eine faszinierende Person.
Unter anderem weil es schwierig ist, sie
als Person einzuschätzen. Als Sängerin
und Komponistin ist sie natürlich von unschätzbarem Wert für die HORA‘BAND!
Sie scheint wahrhaftig ihr eigenes Universum zu bewohnen, ihre Songtexte «I’m holding on a moonbeam», «Heaven’s shoals»,
«Dream weaver» etc. erzählen ja auch davon. Ihr Gesang fesselt unmittelbar. Es ist,
als hören wir der Zeit beim Arbeiten zu.
So statisch, so unendlich, so unantastbar,
ewig. So sicher, dunkel und hell gleichsam,
so langsam, so alles. Während Denise singt,
hören und fühlen wir die Zeit vergehen. Und
alles geschieht mit der Zeit. Geben wir ihr
also Zeit und Raum und hören zu. Es lohnt
sich garantiert.
Roli Strobel, Leiter HORA‘BAND
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
Bei der HORA-Geburtstagsproduktion
BOB DYLANS 115TER TRAUM spielen
unter anderem auch Simone Gisler, Lucas
Maurer, Serafin Michel und Simon Stuber
mit – als neue Mitglieder des HORAEnsembles. Noch bis zum Sommer waren
sie in der HORA-Schauspielausbildung –
zwei Jahre als Lernende und anschliessend
ein Jahr als AssistentInnen. Auch, weil sie
dort Spielerfahrung in nicht weniger als 75
Vorstellungen sammeln konnten, können
sie jetzt von der Schwelle weg in die Produktionen des Ensembles integriert werden.
Die für eine Ausbildung erfreulich hohe Aufführungsdichte wurde möglich durch eine
neue Entwicklung der letzten Jahre: Durch
Auftragsproduktionen und externe Engagements auch für die HORA-Auszubildenden.
Den Anfang machte dabei, bereits
nach drei Monaten Ausbildungszeit, eine
durch eine private Spende ermöglichte
Zusammenarbeit der Galerie TransForm
Friesenberg: NICHT VON DAUER. Später dann tourten Simone, Lucas, Serafin
und Simon mit dem Stück DAS KIND IM
MOND, basierend auf dem gleichnamigen
Buch des Zürcher Schriftstellers Jürg Schubiger, im Kanton Zürich. Für diese Auftragsproduktion zum 100-jährigen Jubiläum von
reformiert.zürich übernahm der Kirchenbote auch die Finanzierung. Zusammen mit
20 ChorsängerInnen, 3 Profi-GesangsolistInnen und 4 Profi-MusikerInnen spielten
die vier in DER SCHÖNSTE TAG, einer
Produktion des Musiktheaterkollektivs Wo
ist Hilda?. Am Casinotheater Winterthur
standen sie, ebenfalls im Engagement, in
ZIEMLICH BESTE FREUNDE auf der
Bühne, neben Stars wie Hanspeter MüllerDrossaart. 30 meist ausverkaufte Vorstellungen der Bühnenfassung des französischen Kinoerfolges gab es allein 2016 – im
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
10
Dezember folgen in einer Wiederaufnahme
15 weitere. Im Frühling 2017 schliesslich waren sie in der Eigenkreation BABY I WANT
YOU zu sehen – mit Geschichten über die
ganz normale Liebe, ausgehend von Klassikern der Pop- und Soul-Musik. Daneben
haben sie sich im Rahmen der WorkshopTriade ANDERSSEIN auch als Co-DozentInnen beweisen müssen.
Seit Beginn der Ausbildung gehört das
Ermöglichen solcher Begegnungsplattformen für die Öffentlichkeit zu einem ganz
wesentlichen Ausbildungsinhalt. Die direkte
Einbindung in Workshops und Theaterproduktionen zielt darauf, den SpielerInnen
produktives qualitätsbewusstes Arbeiten
zu lehren. Dabei evoziert das Aufführen vor
Publikum immer Lernsituationen, welche in
der Probenarbeit in derselben Art nie simuliert werden können. Wie soll der Umgang
mit Lampenfieber und Aufführungs-Stress,
das Spielverhalten vor und mit Publikum,
die optimale Bühnenpräsenz oder die Kunst
des Improvisierens bei Spielpannen, Textlücken und im Allgemeinen gelernt werden,
wenn nicht in Vorstellungen? Was gibt es
Lehrreicheres für angehende SchauspielerInnen, als zusammen mit gestandenen
Bühnenprofis auftreten zu können? Und
wo findet Inklusion in ehrlicherer Form statt
als bei unseren Workshops für interessierte
Externe? Dass sich dieses von Anfang an
verfolgte Ausbildungs-Konzept mittlerweile
auch auf Zusammenarbeiten mit externen
KünstlerInnen, Gruppen und Theatern ausgeweitet hat, gelüstet natürlich nach weiter
und mehr.
An Grenzen stiessen wir dann aber jüngst
mit LONELYHEARTSRADIO, einem Jubiläumsstück für die Stiftung Züriwerk, produziert von der freien Zürcher Gruppe
ox&öl mit zwei zusätzlichen Musikergästen und den HORAzubis des Lehrganges 2016–18. Diese Zusammenarbeit
mit einem Profi-Ensemble wurde von wesentlichen Entscheidungsträgern als Ausbildungsproduktion eingestuft – und somit
finanziell nicht unterstützt. Ein Politikum!
Unverständlich? Ich finde ja!
Wo bleibt da die heutzutage auch in
der Kultur portierte hoch gelobte so genannte Teilhabe? Gilt eine solche Entscheidung gleichermassen für jede Theaterproduktion, in der SchauspielschülerInnen mitwirken? Eine solche Finanzierungshürde
bremst uns in der Weiterverfolgung solcher
projektbezogenen Zusammenarbeiten…
Kaum gewonnen schon zerronnen?
Zumindest heisst das für die Ausbildung einmal mehr, neue Formate der Begegnung zu suchen. Aus diesem Grund
versuchen wir momentan, vermehrt unseren zentral gelegenen, gut ausgerüsteten
Casino-Saal zu vermieten. Allerdings mit
der einzigartigen Auflage, die HORAzubis
mit zu buchen: mit Szenen-Ausschnitten
aus dem Repertoire, als AssistentInnen
bei Weiterbildungen, als skurrile ServicemitarbeiterInnen oder in anderen Begegnungsmöglichkeiten. Erste Events haben
bereits stattgefunden, beispielsweise die
«Fachausweisfeier Sozialbegleitung», ein
dreitägiger Weiterbildungskurs für die
Agogis (Kursdurchführung und Raumvermietung) oder die Fachtagung «Sexualpädagogik für alle – ohne Diskriminierung»,
sowie doch in fremder Umgebung, aber
mit derselben Idee, die Jubiläumstagung
der SAGB (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft von Ärzten für Menschen mit
geistiger oder mehrfacher Behinderung).
AUSBILDUNG
11
STÜCK
ZIEMLICH BESTE
FREUNDE
STÜCK
BABY,
I WANT YOU!
IM REPERTOIRE, WIEDERAUFNAHME IN PLANUNG
Eine Eigenkreation aus bekannter Pop- und Soul-Musik, mit
Geschichten über die «ganz normale» Liebe. Ein Stück für
Menschen jeden Alters – für Schulklassen mit Unterstützung
von schule & kultur. Wiederaufnahme frühestens ab Mai 2018.
THEATER, GESPRÄCH & WORKSHOP
WIEDERAUFNAHME
In Zusammenarbeit mit dem Casinotheater Winterthur. Eine
Bühnenfassung des grossen Kinoerfolges «Intouchables», bereits 30 Mal gespielt, mit tollen Kritiken insbesondere auch für
die HORAzubis. Wiederaufnahme ab 21. Dezember 2017 bis 6.
Januar 2018 im Casinotheater Winterthur.
ANDERSSEIN –
DIE TRIADE
Workshop-Angebot, bei dem in der direkten Begegnung mit den
HORAzubis deren Expressivität, Emotionalität, Direktheit und
Verrücktheit erlebt und über das gemeinsame Spiel eigene Grenzen ausgelotet und Ungewöhnliches entdeckt werden können.
Für Schulklassen mit Unterstützung von schule & kultur.
STÜCK
LONELYHEARTS
RADIO
AUSBILDUNGSPLÄTZE
GESICHERTER
ARBEITSPLATZ
Mitte Dezember 2017 läuft die Anmeldefrist für die Schnupperzeit zu unserem Ausbildungslehrgang 2018 ab. Sie findet
vom 8.–26. Januar 2018 statt. Die INSOS zertifizierte PrAAusbildung bietet nach erfolgreichem Abschluss einen gesicherten
Arbeitsplatz im Ensemble des Theater HORA – Stiftung Züriwerk.
WIEDERAUFNAHME
In Zusammenarbeit mit ox&öl. Musik-Theater ausgehend von
dem legendären Beatles-Album «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts
Club Radio». Nächster Spielblock im März 2018, mit noch freien Daten für Schulvorstellungen und öffentlichen Vorstellungen
ab 22. März 2018 – für Schulklassen mit Unterstützung von
schule & kultur.
RAUM-VERMIETUNG
EVENT
IN PLANUNG?
Sie planen eine Tagung, eine Konferenz, einen Vortrag oder ein Jubiläum? Wir vermieten den geeigneten Raum dafür: den Casinosaal
Aussersihl. Das Einzigartige an dem Angebot: Individuell zugeschnitten auf Ihr Event sind ein HORAzubi-Stück ihrer Wahl sowie weitere
Begegnungsmöglichkeiten mit den HORAzubis Teil des Angebots.
Urs Beeler, Ausbildungsleiter
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
DETAILLIERTE INFORMATIONEN zu Aufführungen, Workshops, Vermietung und Schnupperzeit unter www.hora.ch
oder per Mail u.beeler@zueriwerk.ch oder Telefon 078 634 30 34 bei Urs Beeler, Ausbildungsleiter.
MENSCHEN RUND UMS THEATER HORA
12
RICCO
BONFRANCHI
INTERVIEWT
ANDREA
PFALZGRAF
Würdest Du Dich bitte kurz vorstellen und
Deinen Beruf erläutern.
«Ich weiss ich nöd…». Die HORA-Schauspielerin Tiziana Pagliaro sagt das in
DISABLED THEATER, und ich muss häufig an sie denken bei dieser Frage, weil es
mir oft auch so geht. Aber gut, die Fakten
kenn ich natürlich: Als gewesene Sozialarbeiterin arbeite ich seit 1995 als Journalistin (nach entsprechendem Studium
natürlich) beim Schweizer Fernsehen. Seit
einigen Jahren in der Redaktion DOK. Das
heisst, ich verdiene mein Geld mit dem Realisieren von Dokumentarfilmen. Zum Beispiel 2012 «Goethe, Faust und Julia» oder
jetzt, 2017, «Ja, ich will» – beide über Julia
Häusermann. Ein Traumjob.
Wie hast Du Theater HORA kennengelernt?
Ich wusste schon länger, dass es das
HORA gibt. Aber 2010 oder 2011 habe ich
im Tagi gelesen, dass sie jetzt auch eine
Ausbildung für SchauspielerInnen anbieten. Das fand ich bemerkenswert. Darauf
habe ich mich bei Michael Elber gemeldet, ob ich mir das mal anschauen könnte,
um daraus vielleicht einen DOK-Film zu
machen. Und so nahm alles seinen Lauf…
Hatte Dein Interesse an Theater HORA auch
damit zu tun, dass Du ursprünglich einen
sozialen Beruf gelernt und ausgeübt hast?
Kann schon sein. Sicher war mein Inte-
resse vielleicht grösser als jetzt bei einer
Bankerin oder Bäckerin. Aber ich war
gerade wegen meinem beruflichen Hintergrund vielleicht auch kritischer.
Was findest Du besonders am und im
HORA?
Alles. Aber am meisten beeindrucken mich
nach wie vor Engagement und Ausdauer
der HORA-MacherInnen. Ehrlich gesagt
dachte ich ja am Anfang, es ist einfach
ein bisschen Theater als BeschäftigungsAngebot für Menschen mit einer Behinderung. Aber schnell merkte ich, wie hochprofessionell beim HORA gearbeitet wird.
Das ist aussergewöhnlich, auch über diese
lange Zeit. Und dann diese Offenheit gegenüber dem Rest der Welt. Für mich waren die Begegnungen beim HORA immer
eine Bereicherung. Und ich fand es auch
nicht selbstverständlich, dass mir absolut
freie Hand gelassen wurde beim Filmen.
Eine geradezu ideale Zusammenarbeit.
Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle!
Auch auf Tourneen hast Du das HORA
journalistisch und filmisch begleitet. Was
fällt Dir dazu als besondere Besonderheit
ein/auf?
Korea war ein Kraftakt. Da gleichzeitig
als Filmerin und als Betreuerin dabei zu
sein, das war Irrsinn. Aber nur so konnte ich meinen Chef überzeugen, dass wir
mitreisen durften. Allein schon der Hinflug
zwischen Lorraine und Tiziana, die mich
die ganzen 10 oder mehr Stunden total in
Beschlag nahmen, war anspruchsvoll. Und
dann anschliessend gleich wieder zu drehen… Aber es war auch total spannend
und inspirierend. Ich habe viel gelernt, und
mit der Gruppe unterwegs zu sein schafft
natürlich eine grosse Nähe zu den Einzelnen. Grossartig. Wir haben auch viel gelacht. Ich war jetzt nach ein paar Jahren
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
13
nochmals mit ihnen unterwegs in Kairo,
und habe gesehen, wie die Ensemblemitglieder zu richtigen Reiseprofis geworden
sind. So etwas kann doch nur HORA bieten! Und ich gehe gerne wieder als Begleiterin mit. Dann aber ohne zu filmen!
Du hast ja im Laufe der Jahre zu Julia Häusermann ein spezielles Verhältnis aufgebaut. Könntest Du dazu noch etwas sagen, erzählen…
Ja natürlich. Ich habe in den letzten 6 Jahren sehr viel Zeit mit ihr verbracht. Und es
ist eine Freundschaft entstanden, die ich
mir früher so nie hätte vorstellen können.
Ich kannte ja auch niemanden mit DownSyndrom persönlich. Sie und auch die
anderen HORAs sind mir sehr ans Herz
gewachsen, und es rührt mich, wenn Julia
mich anruft und sagt: «Ich habe einfach
an dich gedacht!». Immer wieder nehme
ich mir vor, mich an Julia zu orientieren,
wenn es darum geht, im Moment zu leben.
Das habe ich von ihr gelernt.
2012 strahlte der SRF erstmalig Andrea
Pfalzgrafs DOK-Film «Goethe, Faust und
Julia» über die junge Schauspielerin Julia
Häusermann aus. Der Film begleitete sie
von der Zeit, wo sie die HORA-SchauspielAusbildung bei Urs Beeler absolvierte, bis
zu ihren ersten Arbeiten als Mitglied des
Ensembles – u.a. in Jérôme Bels DISABLED
THEATER. Im Oktober 2017 feierte jetzt
die Fortsetzung «Ja, ich will» im SRF Premiere. Fünf weitere Jahre lang dokumentierte
Andrea Pfalzgraf dafür Julia Häusermanns
aussergewöhnliche Karriere (Alfred KerrDarstellerpreis, Bessie-Award-Nominierung)
genauso wie ihr Privatleben. Ein Film voller
Poesie und Kraft über eine junge, selbstbewusste Frau mit grossen Träumen. An
dessen Kinoversion (Arbeitstitel: «I love me
(and you)») wird momentan gearbeitet.
HORA-Magazin Nr. 44, November 2017
15
AGENDA DEZEMBER 2017 – MAI 2018
DEZEMBER
2017
ZIEMLICH BESTE FREUNDE
21.–31. Dezember
(tägl. ausser 24. und 25. Dezember)
Casinotheater Winterthur
www.casinotheater.ch
JANUAR 2018
ZIEMLICH BESTE FREUNDE
2.–6. Januar (tägl.)
Casinotheater Winterthur
www.casinotheater.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 27. (Premiere) und
Sonntag, 28. Januar
Pfauen, Schauspielhaus
www.schauspielhaus.ch
FEBRUAR
2018
BOB DYLANS 115TER TRAUM
(SALON-VERSION)
Freitag, 2. und Samstag, 3. Februar
Herzbaracke, Zürich
www.herzbaracke.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Donnerstag, 8. und Freitag, 9. Februar
Theater Winterthur
theater.winterthur.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
(SALON-VERSION)
Samstag, 10. Februar
El Lokal, Zürich
www.ellokal.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Do, 15., Fr, 16. und Sa, 17. Februar
Theater Ticino, Wädenswil
www.theater-ticino.ch
DAS IST TANZ
Samstag, 24. Februar
Touchdown-Ausstellung,
Zentrum Paul Klee, Bern
www.zpk.org
MÄRZ 2018
BOB DYLANS 115TER TRAUM
(SALON-VERSION)
Samstag, 3. März
Mühle Otelfingen
www.muehle-otelfingen.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Freitag, 9. und Samstag, 10. März
Palace, St. Gallen
www.palace.sg
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Freitag, 16. März
Kammgarn, Schaffhausen
www.kammgarn.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 17. März
KuKo, Volketswil
www.kultur-volketswil.ch
DAS IST TANZ
Dienstag, 20. März
Touchdown-Ausstellung,
Zentrum Paul Klee, Bern
www.zpk.org
BOB DYLANS 115TER TRAUM
(CLUB-VERSION)
Freitag, 23. März
Kulturraum Thalwil
www.kulturraumthalwil.ch
BOB DYLANS 115TER TRAUM
Samstag, 24. März
Teatro Sociale, Bellinzona
www.teatrosociale.ch
APRIL 2018
DAS IST TANZ
Sonntag, 29. April
Touchdown-Ausstellung,
Zentrum Paul Klee, Bern
www.zpk.org
MAI 2018
DAS IST TANZ
Sonntag, 13. Mai
Touchdown-Ausstellung,
Zentrum Paul Klee, Bern
www.zpk.org
Änderungen vorbehalten. Aktuelle Daten und Informationen entnehmen Sie unserem
Newsletter oder online unserem Spielplan auf www.hora.ch
16
VERMISCHTES
DISABLED
THEATER
DEFINITIV LETZTE VORSTELLUNGEN
ANFANG NOVEMBER
IN PARIS UND BERLIN GESPIELT
Nach sage und schreibe 181 Vorstellungen
an rund 50 verschiedenen Aufführungsorten in 19 verschiedenen Ländern auf insgesamt 4 Kontinenten, diversen Preisen für
Stück und Ensemble, einer Einladung zum
Berliner Theatertreffen 2013 als eine der
zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des vergangenen Jahres im deutschsprachigen Raum, bis heute andauernde,
kontroverse Diskussionen und einem allein dieser Produktion gewidmetem wissenschaftlichen Aufsatzband, haben wir
Anfang November in Paris und Berlin die
definitiv letzten Vorstellungen von Jérôme Bels DISABLED THEATER gespielt.
Wir sind Jérôme Bel und allen anderen an
dieser Produktion und ihrer Welttournee
Beteiligten sowie denen, die uns die Jahre
über auf Tour begleitet haben, dankbar!
Für ihre Arbeit und ihren Einsatz, und nicht
zuletzt auch für das in vielerlei Hinsicht
unvergessliche und aufregende Kapitel,
das diese Zusammenarbeit für die HORAGeschichte war.
BOB DYLANS 115TER TRAUM / Rechts: Denise Wick Ross 2002 in der HORA Produktion 3D
17
ABSCHIED
VON
SVETLANA
IGNJIC
Nach nur 10 Arbeitsmonaten verlässt unsere Produktionsleiterin und Öffentlichkeitsarbeiterin Svetlana Ignjic das Theater
HORA; sie wagt den Schritt in die Selbständigkeit. Mit ihrer fachlichen Kompetenz und Professionalität, Zuverlässigkeit
und Freundlichkeit war sie uns in vielerlei
Hinsicht eine grosse Stütze. Wir bedauern
ihren Weggang sehr, wünschen ihr gleichzeitig aber viel Erfolg für ihre Zukunft und
hoffen, dass ihr Mut belohnt wird und sie
baldestmöglich im neuen Arbeitsfeld Fuss
fassen kann. Ihre Stelle übernimmt ab
1. März 2018 Adrian Mai. Bis dahin zeichnet interimsweise Cristina Achermann für
die Produktionsleitung bei Theater HORA
verantwortlich.
GESUCHT
«BOB DYLANS 115TER TRAUM»
SUCHT REQUISITEN-GESCHENKE,
INTERESSANTE MENSCHEN
UND WOHNZIMMER-AUFTRITTE
Nach wie vor suchen wir für unsere Geburtstagsproduktion BOB DYLANS 115TER
TRAUM noch…
… Menschen, die eine der folgenden
Sachen bei sich herumstehen haben und
uns schenken wollen: Streichinstrumente
aller Art, auch defekte und alte, Blechblasinstrumente aller Art, Mundharmonikas,
stapelbare Stühle (keine Klappstühle!),
kleine Tischchen aller Art, sowie eine Kaffeemaschine.
… Menschen, die Lust haben, mit
uns ihr Wissen oder ihre besonderen Fähigkeiten zu teilen und vielleicht sogar mit
uns zusammen auf der Bühne zu stehen:
Bob-Dylan-Doubles, -Fans, -Imitatoren und
Dylanologen aller Altersklassen, egal ob mit
oder ohne Behinderung. Hinweise bitte an
m.elber@zueriwerk.ch.
… und noch mehr Menschen, die
Interesse haben, die Salon-Version dieses
Stücks zu sich nach Hause einzuladen: für
Geburtstage und Familienfeiern, Überraschungs-Partys oder Ihre ersten Schritte
als Klein-Theater-IntendantIn – und das
alles schon für nur 1800 Franken. Für weitere Informationen und die Reservierung
Ihres persönlichen Wunsch-Termins kontaktieren Sie uns per Mail oder telefonisch
unter 044 405 71 40.
FÖRDERVEREIN
18
THEATER HORA
BRAUCHT IHRE UNTERSTÜTZUNG!
Theater HORA ist seit 2002 Teil der
Stiftung Züriwerk. Seit 2017 erhält es zusätzlich eine wiederkehrende Kultursubvention. Dennoch reicht die Summe aller
Zuwendungen nach wie vor nicht einmal
dafür, die Kosten des laufenden Betriebs
(feste Raum-, Personal- und Sachkosten)
zu decken. Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung! Als Spende, und/oder als Mitglied im Förderverein Theater HORA. Ihr
jährlicher Beitrag von nur CHF 150 ebenso wie jede Spende kommt ausschliesslich
den Projekten und Produktionen des Theaters zugute.
Mit Ihrer Spende und/oder Ihrem jährlichen Beitrag von CHF 150 als Mitglied
des Fördervereins Theater HORA leisten
Sie aber nicht nur einen wichtigen Beitrag
zur Ermöglichung der Projekte und Produktionen des Theaters. Sie profitieren
auch von zwei Freikarten pro Kalender-
jahr, geniessen einmalige Einblicke hinter
die Kulissen und erhalten die Gelegenheit,
die HORAs bei ausgewählten nationalen
und internationalen Gastspielen zu begleiten. So bekommen Sie eines der spannendsten Kunstprojekte der Schweiz aus
der Insiderperspektive mit – und lernen
jede Menge nette, interessante und ungewöhnliche Leute kennen.
Unterstützen auch Sie die künstlerische Arbeit des nach wie vor einzigen
professionellen Theaters der Schweiz,
dessen Ensemblemitglieder alle eine IVzertifizierte «geistige Behinderung» haben! Spenden Sie! Und falls Sie es nicht eh
schon sind: Werden Sie Mitglied im Förderverein Theater HORA! Sie müssen nichts
weiter tun, als unseren Anmeldetalon
auszufüllen. Oder Sie wenden sich direkt
an Conny Marinucci: Tel 044 405 71 40
oder Email verein@hora.ch
19
DANK
Ein herzliches Dankeschön aller HORAs
an unsere Mitglieder und SpenderInnen
für ihre Treue und ihre finanzielle Unterstützung der HORA-Produktionen!
Spenden ab CHF 500.–
Stiftung Dr. Valentin Malamoud
Kolpingfamilie Dietikon
Frauenverein Uitikon Waldegg
M.A. Meyer
Evang.-Ref Kirchgemeinde Schlieren
Unterstützer
Alexis Thalberg Stiftung
Buchmann Kollbrunner Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Förderverein Theater HORA
Georg und Berta Schwyzer-Winiker Stiftung
Georges und Jenny Bloch Stiftung
Grütli Stiftung Zürich
Hans Konrad Rahn-Stiftung
Hamasil Stiftung
Landis & Gyr Stiftung
MBF Foundation
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung
René & Susanne Braginsky Stiftung
Stadt Zürich Kultur
Gemeinnützige Stiftung Symphasis
Thomann Nutzfahrzeuge AG
Werner H. Spross-Stiftung
Koproduzenten
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Urs Beeler, Remo Beuggert, Ricco
Bonfranchi, Marcel Bugiel, Michael Elber,
Sara Hess, Giancarlo Marinucci,
Roland Strobel
JA, ICH WILL!
Name/Vorname:
Adresse:
E-mail:
Tel.:
Ja, ich möchte Theater HORA nachhaltig unterstützen
und Mitglied im Förderverein werden.
Ich möchte das HORA-Magazin per Post erhalten.
Ich möchte den HORA-Newsletter erhalten.
Gutscheine zum Weiterverschenken. Anzahl:
Jahresbeitrag (Kalenderjahr) Mitgliedschaft Förderverein: CHF 150.–
Gutscheine zum Weiterverschenken, pro Gutschein: CHF 40.–
Angaben für Einzahlung Mitgliedschaft:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
Konto: 80-54072-7, IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Zahlungszweck: Mitgliedschaft
oder nutzen Sie den beigelegten Einzahlungsschein.
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
verein@hora.ch, Fax 044 405 71 10
Gestaltung
Stillhart Konzept, Zürich
Fotos
Jörg Brüggemann (S.1, 5, 6, 15, 16),
Caro Gammenthaler (S. 11), Giancarlo
Marinucci (S.17), Lothar Opilik (S. 9, 11),
Mischa Scherrer (S.8)
Papier
Gedruckt auf FSC ®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40
F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
DAS NEUMARKT GEHÖRT IN
DIE HÄNDE DER BÜHNENSTÜRMER
VON THEATER HORA
«(…) Mut zum Risiko, Brüche, Neuanfänge
lautet das festgeschriebene Profil für das,
was am Neumarkt künstlerisch geschehen
soll. Mit einer einzigen Tat liesse sich dies
einlösen: Das Neumarkt gehört in die Hände der Bühnenstürmer von Theater HORA!
Im Januar 2018 wird der Verein Theater HORA 25 Jahre alt, und das Haus im
Zentrum wäre ein Geburtstagsgeschenk für
seine Arbeit am geografischen Aufmerksamkeitsrand. HORA ist das einzige ProfiTheater der Schweiz, dessen Ensemblespieler eine IV-zertifizierte geistige Behinderung besitzen. Doch nicht nur damit hat
das Theater randständige Arbeit geleistet,
die schliesslich am Berliner Theatertreffen 2012 mit der Produktion DISABLED
THEATER im Herzen der Szene internationale Anerkennung erhielt.
HORA hat in verschiedener Hinsicht
Neuland erobert: Das Theater und seine
Regisseure vor allem arbeiten mit dem
Ensemble in einer gleichberechtigten Haltung, von der Schauspieler im traditionellen
Theaterbetrieb nicht zu träumen wagen.
Die Institution Theater ist eine der letzten
männlichen, hierarchischen Bastionen,
HORA zeigt, dass Kunst an der Basis entstehen kann.
HORA lebt, was am Neumarkt einstmals scheiterte. Denn auch die Bühne am
Neumarkt stand Anfang der 1970er Jahre
für ein vorbildliches Selbst- und Mitbestimmungsmodell. Es war die Tat von Horst
Zankl, und sie machte das Haus mit einem
Schlag im gesamten deutschsprachigen
Raum bekannt. HORA als Erbe eines
Zankl, gäbe es eine organischere Nachfolgeregelung? Wer vom Theater Neumarkt
verlangt, als Experimentierbühne neue
Wege zu beschreiten, der lässt 2019/20
die Phantasten von HORA auf die Zürcher
Altstadt los.»
Neue Zürcher Zeitung vom 11. Oktober 2017
HORA Magazin Nr. 44
November 2017
-
06/2017 – HORA Magazin Nr. 43
NR. 43, JUNI 2017
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
4–9
MILO RAUS
«DIE 120 TAGE VON SODOM»
AUS HORA-PERSPEKTIVEN
- aus Sicht von Michael Elber,
Abteilung Produktion
- aus Sicht der Schauspieler
- aus Sicht von Ricco Bonfranchi,
Präsident Förderverein Theater HORA
10 –12
AUSBILDUNG
Die Ausbildung in Bildern
Neue Produktionen
Repertoire
Workshops
Schnupperzeit
13
KOLUMNE
HORA in Kairo
14
AGENDA JUNI–OKT 2017
17–18
VERMISCHTES
HORA’BAND
Subvention
Gesucht
Neue Mitarbeiterinnen
Time-out Giancarlo Marinucci
18–19
FÖRDERVEREIN
Anmeldetalon Förderverein
8 gute Gründe, Theater HORA
zu unterstützen
20
ZUM SCHLUSS
Dank
Impressum
EDITORIAL
DIE ANDERE
WAHRNEHMUNG
3
Er ist ausgeblieben, der von vielen herbeigeschriebene (und herbeigesehnte?) Zürcher Theaterskandal. Die 12 Aufführungen
von Milo Raus Stück DIE 120 TAGE VON
SODOM gingen gut besucht und «gesittet»
über die Bühne des Zürcher Schauspielhauses. Vielleicht waren die Zuschauerinnen
und Zuschauer durch die zahlreichen Medienberichte, die bereits vor der Premiere geschrieben, gedreht und gesprochen wurden,
schon konditioniert. Nachdem die 120 Tage
vorbei sind, türmt sich an der Baslerstrasse
ein nie dagewesener Stapel an Presse-Clippings und Sendungshinweisen: 120 Seiten
umfasst er. Blättern wir darin. «Was medial
zum Skandalstück aufgekocht wurde, entpuppte sich als Theater der Zärtlichkeit und
des Mitgefühls» (WOZ). «Schwer erträglich
und grandios» (Adolf Muschg im TA). «Die
Kontraste sind grell, die Effekte mitunter von
subtiler Brutalität» (Stuttgarter Zeitung).
Aber auch das ist zu lesen: «Schwer verdauliche Inszenierung» (ORF Kulturmontag).
«Die Grausamkeiten und inszenatorischen
Doppelbödigkeiten sind auf die Dauer ermüdend» (TA). Für die NZZ sind «VorzeigeBehinderte» im Stück «salonfähig» aufgetreten. «Die 120 Tage von Sodom sind 120
skandalfreie Minuten, keine Perversion ist
auszuspähen» (NZZ). In der gleichen Zeitung
wird dann aber auch der Kern von Milo Raus
Botschaft erkannt: «… eine Gesellschaft, die
Behinderung einerseits als Fetisch behandelt und andererseits dank moderner diagnostischer Verfahren alles unternimmt, um
Behinderte gar nicht erst leben zu lassen.»
Pränataldiagnostik als «Normalisierungswahn» (Milo Rau). Und dann wurde natürlich auch, medial verstärkt, die Frage «Darf
man das?» gestellt. Missbrauch und Instrumentalisierung Behinderter wurde insinuiert.
Dem trug einer der drei Herren im Stück
entgegen: «Kunst ist immer Missbrauch.» –
Eine Aussage, so provokant wie das Stück
selber…
Mark Zumbühl
MILO RAUS «DIE 120 TAGE VON SODOM»
4
5
MILO RAUS
«DIE 120 TAGE VON SODOM»
aus HORA-Perspektive(n)
Im Rahmen des Schweizer Theatertreffens
2014 hatte HORA-Gesamtleiter Giancarlo
Marinucci zufällig den Autoren-Regisseur
Milo Rau kennengelernt. Ein knappes Jahr
später schrieb er ihn an: «Gerne würde ich
mit Dir kurz ins Gespräch kommen, ob du
grundsätzlich an einer Zusammenarbeit mit
uns interessiert sein könntest.» Und erklärte:
«Nach den letzten Stücken, die wir gemacht
haben (…), wäre wiederum ein völlig neues
Format der richtige Weg für uns. Auch um
eben zu zeigen, dass HORA nicht so einfach
festzumachen, in eine Schublade zu stecken
ist. Und ein solches neues Format würde ein
Zusammengehen mit dir für uns in jedem
Fall bedeuten.» Überraschenderweise antwortete Milo Rau sofort – sehr freundlich,
interessiert, offen und unkompliziert.
Als es schliesslich wirklich zu dieser
Zusammenarbeit kam, löste sie einen Medienwirbel sondergleichen aus. Die Vorberichte erwarteten mit Vorliebe das Allerschlimmste, die Kritiken waren dann teils
erfreut, teils enttäuscht, dass das Stück
diese Erwartungen kaum bediente. Sämtliche Vorstellungen jedenfalls waren bald
schon ausverkauft.
Viel ist in den letzten Monaten über
Milo Rau und sein vermeintliches «Skandalstück» geredet worden. Wie aber hat
Theater HORA selbst diese Produktion
erlebt? Wir haben für das HORA-Magazin ein paar Stimmen gesammelt. 1
1
Eine Wiederaufnahme der 120 TAGE VON SODOM in der
kommenden Spielzeit am Schauspielhaus wird momentan vorbereitet, zudem gibt es verschiedenste Gastspielanfragen von Theatern und Festivals aus allen Teilen der Welt.
MICHAEL ELBER, HORAGRÜNDER UND KÜNSTLERISCHER
LEITER DES THEATERENSEMBLES, ÜBER SEINE ERSTE
REAKTION AUF MILO RAUS
IDEE, MIT DEN HORA-SCHAUSPIELERN
/-INNEN «DIE 120 TAGE VON
SODOM» ZU MACHEN
Von: Milo Rau
Betreff: weitere Schritte?
An: Theater HORA
Liebe Freunde von HORA
Wie Ihr ja wisst, würden wir gern mit euch
arbeiten und haben auch schon einige konkrete Ideen für Daten und Inhalte. Am besten, wir telefonieren länger miteinander,
sobald wir die «Mitleid»-Premiere draussen
haben. Aber ganz kurz schon mal ein paar
Anhaltspunkte: Ich war sehr begeistert von
eurem Hitchcock-Film, den Trash- und Gruselmomenten darin, und würde gern mit
euch eine sehr freie Adaption machen von
Pasolinis «Salò. Die 120 Tage von Sodom»,
einem meiner absoluten Lieblingsfilme, im
positiven wie im negativen Sinn. Sicherlich
kennt ihr die Handlung, was ich aber interessant finde, ist die Tatsache, dass Pasolini
die De-Sade-Adaption in der faschistischen
Alpenrepublik Salò spielen lässt. Aus Salò
würde ich gern die Schweiz machen, aus
Mussolini Blocher etc., die Parallelen liegen auf der Hand. (…) Und gern würde
ich Schauspieler von HORA mit anderen
Schauspielern «mischen», ähnlich wie in
dem Stück, das ihr in Berlin gezeigt habt
HORA-Magazin Nr. 43, Juni 2017
6
7
(das mit dem Alpenglühen am Ende). Also
eine Mischung von anarchischem Hochenergie- und klassischem Texttheater. (…)
Soviel einfach mal in aller Kürze und Würze – damit wir mit dem Denken und Planen
loslegen können.
Es grüsst herzlich aus Rennes
Milo & IIPM 2
Als ich Milos E-Mail zum ersten Mal las,
war meine spontane Reaktion: Ausgerechnet DIE 120 TAGE VON SODOM will er
mit uns machen … Na super … Einer der
gewalttätigsten Filme der Filmgeschichte!
Folter, Vergewaltigung, Mord, Scheisse
fressen, ins Gesicht pinkeln. Kalt. Brutal.
Ohne jede Menschlichkeit. Diesen Berg
mit den HORA-Schauspielern/-innen ohne
Absturz und Verluste zu übersteigen, erschien mir zunächst wie eine unlösbare
Aufgabe. Die spontanen Bedenken gegen
diese Projektidee waren massiv!
Da ich aber grundsätzlich gerne die
Türen aufhalte für Einflüsse von draussen
und lieber ja als nein sage, wenn jemand
mit einer Projektidee an mich herantritt,
bin ich nach einigem Nachdenken zu
dem Schluss gekommen, dass wir, HORAEnsemble und Team, inzwischen erfahren
genug sind, uns in Zusammenarbeit mit
Schauspielhaus, Milos IIPM, den Eltern
und den Institutionen in grossem gegenseitigen Vertrauen zusammen der künstlerischen und menschlichen Herausforderung zu stellen, die ein Stoff wie dieser mit
sich bringt. Und Kunst machen hat ohnehin
immer etwas mit Risiko zu tun. Wir haben
also schliesslich ja zu dieser Zusammenarbeit gesagt.
Insbesondere den Eltern möchte ich
an dieser Stelle einen grossen Dank für ihr
Vertrauen ausrichten! Danke, dass ihr allen die Möglichkeit gegeben habt, diesen
Weg zu gehen!
Man kann über den künstlerischen Wert
dieses Projekts streiten – wie bei jedem anderen Kunstprojekt auch. Nicht
streiten sollte man aber über den Sinn,
den dieses Projekt für unsere HORASchauspieler/-innen hatte. In keinem anderen Theaterprojekt bisher wurde ihnen
der Unterschied zwischen einer geschützten Theaterwerkstatt mit ihrer nach oben
offenen Gedanken- und Spielfreiheit und
der sie umgebenden Alltagsrealität mit ihren Regeln des Zusammenlebens so stark
bewusst wie hier. Gleichzeitig war die Zusammenarbeit mit den «nichtbehinderten»
Schauspielern/-innen vom Schauspielhaus
von einer grossen gegenseitigen Akzeptanz und Solidarität geprägt. Ich denke,
das merkt man dem Endergebnis an. Und
auch das hat sicher mit dieser brutalen,
entmenschlichten Thematik zu tun: Man
hilft sich angesichts der hier thematisierten Abgründe besonders gerne und behutsam gegenseitig über den Berg.
2
In dieser E-Mail zeigt sich übrigens auch schon Milo Raus Fähigkeit, Inspirationen von überall geradezu aufzusaugen und dann
für seine eigenen Projekte wiederaufzunehmen und weiterzuentwickeln: Die Idee einer Live-Inszenierung vor Kamera, wie sie in den
gesehenen Hitchcock-Remakes praktiziert wurde, wurde ebenso
später in SODOM wiederaufgegriffen und weiterentwickelt wie
Remo Beuggert auch in SODOM als Regisseur besetzt wurde. Und
auch Gianni Blumers und Fabienne Villigers intensive Liebesszene
in NORMALITÄT wurde direkt in SODOM übernommen. (M.E.)
HORA-Magazin Nr. 43, Juni 2017
8
WAS FANDEST DU AM SCHWIERIGSTEN AN DER PRODUKTION MIT
MILO RAU AM SCHAUSPIELHAUS?
– ANTWORTEN DER HORASCHAUSPIELER/-INNEN KURZ VOR
DER PREMIERE VON
«DIE 120 TAGE VON SODOM»3
Wenn ich etwas auswendig gelernt habe
und es dann wieder umgestossen wurde.
Nikolai Gralak
Das viele Warten. Und sich die Rolle zu erkämpfen.
Sara Hess
Erstens: Die Abendmahlszene. Das Zweite
war: Dass ich so lange warten musste, bis
ich meine Idee mit der Beinschere einbringen konnte. Da musste ich warten, warten.
Und das Dritte war für mich noch schwieriger: Das Vielessen der Schokolade. Ich
verstehe, es gehört zum Job, doch ich werde immer dicker und ich möchte eigentlich abnehmen. Ich möchte mich etwas
zurücknehmen und es tut mir echt etwas
weh, wegen dem Herzen.
Gianni Blumer
Die Tontechniker: Die haben das Kabel beim
BH durchgezogen. Das habe ich schwierig
gefunden. Weil ich gesagt habe, ich möchte es nicht da durchgezogen haben. Und
sie haben sich nicht daran gehalten.
Eigentlich gar nichts. Ich mache gern mich
umbringen, ich mache gern das mit Nora,
das mache ich gerne. Nichts ist schwierig
gewesen. Nein.
Matthias Brücker
Für mich ist schwierig, den schwangeren
Bauch anzuziehen. Er ist schwer. Für mich
ist schwierig, wann welches Kleid anziehen,
in welcher Szene. Die Schlussszene, das
Massaker, ist etwas schwierig. Hundeszene ist leicht.
Fabienne Villiger
Bei der Szene mit Matthias, bei der hatte
ich am Anfang etwas Mühe, doch jetzt ist
es okay.
Nora Tosconi
Am Anfang hatte ich etwas Mühe mit meinen Einsätzen, wann ich sagen muss «Hochzeitszene», «Hundeszene». Und zu akzeptieren, dass ich jetzt nicht mehr die Musik
mache – das war irgendwie technisch nicht
mehr möglich.
Remo Beuggert
Zum ersten Mal Film zuerst anschauen,
Schwierigkeiten mit dem Drehbuch.
Matthias Grandjean
3 Die Antworten wurden ursprünglich mündlich gegeben und
sind Transkriptionen der Tonaufnahme dieses Interviews. Zwischenrufe und zu undeutlich gesprochene Sätze wurden dabei
gestrichen, gewisse Wörter für die Verständlichkeit der Sätze etwas angepasst. Es wurde jedoch so wenig wie möglich gestrichen.
Julia Häusermann
Die Kostüme anziehen, wenn es dunkel ist.
Da weiss ich nicht: was ist das und das und
das. Welches Kostüm drankommt.
Noha Badir
Es geht. Es ist nichts schwierig. Ist alles gut,
nicht so schlimm.
Tiziana Pagliaro
HORA-Magazin Nr. 43, Juni 2017
9
RICCO BONFRANCHI ÜBER DIE
THEMATISIERUNG DER PRÄNATALEN
DIAGNOSTIK (PD) IN MILO RAUS
«DIE 120 TAGE VON SODOM»
Ricco, als promovierter Sonderpädagoge
wirfst du Milo Raus DIE 120 TAGE VON SODOM vor, beim Thema pränatale Diagnostik
(PD) so holzschnittartig zu argumentieren,
dass das Stück dem Publikum keinen wirklichen Erkenntnisgewinn bescheren kann.
Kannst du das noch einmal näher erläutern?
Das Stück zieht Parallelen zwischen der
PD und menschenverachtenden faschistoiden Praktiken, wie sie in Pasolinis Film
dargestellt werden. Und weil die PD in der
heutigen Lebenspraxis eine sehr hohe
gesellschaftliche Akzeptanz erfährt, wirft
Rau dem Publikum eine Doppelmoral vor:
Im Schauspielhaus feiere es das Theater
HORA, sei aber real in seiner überwiegenden Mehrheit für die PD – eine Technik, die in seinen Augen einer faschistischen Logik gehorche.
Wir dürfen aber nicht vergessen, dass
die Mehrheit der Gesellschaft zu mehr
oder weniger allen Zeiten gegenüber Menschen mit einer «geistigen Behinderung»
negativ eingestellt war. Es ist historisch
auch nichts Neues, dass diese Menschen
umgebracht wurden – diese Praxis gab es
in der Menschheitsgeschichte schon lange vor dem Faschismus. Die PD hat den
Umstand der Tötung behinderter Kinder
also nicht erfunden, sondern «nur» in die
pränatale Phase (vor-)verlegt. Diesen historischen Kontext völlig auszublenden
verweist für mich darauf, dass hier doch
eher oberflächlich argumentiert wird.
Im Prinzip schon. Jedoch finde ich es problematisch, wenn diese Zuspitzung auf der
Grundlage von undifferenziert dargestellten
Fakten erfolgt. Ein Beispiel: Da behauptet
der Schauspielhaus-Schauspieler Matthias
Neuschwander in einer Szene, er und seine
Freundin gehörten zu den Eltern, die die Trisomie ihres Kindes auf Grund der Nackenfalte erkannt und es dann im 6., fast im 7.
Monat abgetrieben hätten.
Fakt ist: Unter den Frauen, die sich für
die PD entscheiden und die dann wirklich
ein Down-Syndrom-Baby diagnostiziert bekommen, entscheiden sich in der Tat 92–
96 % zu einer Abtreibung. Jedoch geschieht
diese Abtreibung in der Regel vor der 12.
Schwangerschaftswoche.
Der Fall einer Spätestabtreibung (Fetozid) weit nach der 12. Schwangerschaftswoche passiert hingegen äusserst selten und
würde auch kaum nach einer Ultraschalluntersuchung (verdickte Nackenfalte) in die
Wege geleitet werden. Denn der Fokus bei
der Spätestabtreibung liegt, im Gegensatz
zur üblichen Abtreibung in Folge von PD, bei
der Frau und nicht bei dem ungeborenen
Kind. Es geht hier um ihre eigene Gesundheit, um die Gefahr, sie könnte sich selbst
etwas antun, würde sie ein behindertes Kind
bekommen. Eine Frau in derartiger psychischer Verfassung unter Faschismusverdacht
zu stellen, wie Rau dies letztendlich tut, ist
mir zu schwarz-weiss.
Aber ist eine solche Zuspitzung in der Kunst
nicht legitim, wenn man eine Debatte über
den Normalisierungswahn in der heutigen
Gesellschaft auslösen will?
HORA-Magazin Nr. 43, Juni 2017
AUSBILDUNG
10
11
DIE AUSBILDUNG IN BILDERN
Jede Menge Wissenswertes zur Ausbildung finden Sie in der
Rubrik «Ausbildung» auf unserer Homepage: www.hora.ch
BABY, I WANT YOU! / ZIEMLICH BESTE FREUNDE
BABY, I WANT YOU! / ZIEMLICH BESTE FREUNDE / DER SCHÖNSTE TAG / DAS KIND IM MOND
AUSBILDUNG
12
AUFFÜHRUNG
BABY, I WANT YOU!
Eine Eigenkreation aus bekannter Pop- und Soul-Musik mit
Geschichten über die «ganz normale» Liebe. Ein Stück für Menschen jeden Alters – für Schulklassen mit Unterstützung von
«schule&kultur».
Was nährt die Sehnsucht der jungen Männer und Frauen?
Das gesellschaftliche Vorbild, die Werbung oder schlicht ein
menschlicher Trieb? Die einen stählen ihren Körper, üben das
Küssen und phantasieren sich das «erste Mal», dichten Liebeszeilen und trainieren Liebeswerbungen, während andere nach
der grossen Liebe suchen und von der Hochzeit mit ihrem Traumprinzen schwärmen. Sie alle wollen Selbstbestimmung – über
ihren Körper, ihr Leben. Wo hören ihre Traumwelten auf, wo
prallen sie auf die Realität? Zerplatzen ihre Wunschblasen?
Oder finden sie ihre Liebe doch noch?
AUFFÜHRUNG
ZIEMLICH BESTE
FREUNDE
KOLUMNE
AUFFÜHRUNG
LONELY HEARTS
RADIO
Ein Musiktheaterstück zum 50-Jahr-Jubiläum der Stiftung Züriwerk, in Zusammenarbeit mit dem freien Zürcher Künstlerkollektiv
«ox&öl».
LONELY HEARTS RADIO ist ein Projekt zwischen den Medien
Theater, Musik und bildender Kunst, auf der Basis des BeatlesAlbum «Stg. Pepper’s Lonely Hearts Club Band», eines der ersten
Konzeptalben der Popgeschichte, und der preisgekrönten flämischen
Illustratorin Ingrid Godon, aus dem Buch «Ik wou» («Ich wünschte»). In einer wöchentlichen Radiosendung geben Moderatoren/
-innen, die ausgewiese Experten für einsame Herzen sind, ihren
Hörer/-innen mit ihren Geschichten, Wünschen und Sehnsüchten,
Ängsten und Bedürfnissen Rat. Die eingeladenen Musikergäste
drücken dabei dem Portal im umfassendsten Sinne den Livecharakter und dadurch den Stempel einer besonderen Sendung auf.
WORKSHOPS
Unsere «Anderssein»-Workshops bieten die Möglichkeit, in der direkten Begegnung mit den jungen Spielerinnen und Spielern deren Expressivität, Emotionalität, Direktheit, aber auch Verrücktheit zu erleben und über das gemeinsame Spiel eigene Grenzen
auszuloten und Ungewöhnliches zu entdecken. Somit sind sie eine
wertvolle Chance, zu erkennen, dass «normal anders sein kann».
Die Teilnehmenden benötigen kein schauspielerisches Talent,
sondern nur eine Portion Neugierde und Offenheit für neue Begegnungen.
ANDERSSEIN – DIE TRIADE
Theater, Gespräch & Workshop. Unterstützt von «schule&kultur».
SCHNUPPERZEIT
ZUM AUSBILDUNGSLEHRGANG 2018
IM REPERTOIRE
In Zusammenarbeit mit dem Casinotheater Winterthur. Eine
Bühnenfassung des grossen Kinoerfolges «Intouchable», bereits
30 Mal gespielt! Wiederaufnahme ab 21. Dezember 2017 bis
7. Januar 2018 im Casinotheater Winterthur.
Vom 8.–26. Januar 2018 findet die nächste Schnupperzeit zur
Aufnahme in den Schauspiellehrgang 2018 statt, eine INSOS
zertifizierte PrA-Ausbildung mit anschliessendem Arbeitsplatz im
Ensemble des Theater HORA – Stiftung Züriwerk.
Detaillierte Informationen zu den Aufführungen, den Workshops
und der Schnupperzeit sind unter www.hora.ch zu finden oder bei
Urs Beeler, Ausbildungsleiter, 078 634 30 34.
HORA-Magazin Nr. 43, Juni 2017
13
HORA IN KAIRO
Vom 14.3.–23.3. war das Ensemble in
Kairo. In der ersten Woche fand mit geistig
behinderten Kindern und Jugendlichen aus
Kairo und fünf HORAs ein Workshop statt.
Dieser wurde von Michi Elber und Chris
Weinheimer durchgeführt. Mit elementaren Übungen aus der Grundschule des
Improvisationstheaters wurde begonnen
und ziemlich rasant auf der Stufenleiter
des Theaterspielens weiter hochgestiegen.
Es ging vom Deutschen ins Englische und
durch Hassan dann ins Arabische. Das
klappte prima. An einem Vormittag führte
Ricco mit den Kairoer Müttern ein Workshop durch, in dem über die Situation von
geistig behinderten Kindern im Mittleren
Osten und in West-Europa diskutiert wurde.
Besonders interessiert waren diese Frauen
daran, wie die Ausbildung der HORASchauspieler/-innen aussieht, wie man zum
HORA-Ensemblemitglied wird und wie das
denn so ist.
Im Vorfeld wurde viel darüber diskutiert,
ob man in der heutigen Zeit einen Trip nach
Kairo machen kann. In Zürich wurde durch
die Betriebsleitung des HORA eine InfoVeranstaltung durchgeführt, an der alle Eltern und Betreuungspersonen teilnahmen.
Man kam einhellig zur Ansicht, die aktuelle
Situation in Kairo permanent im Auge zu
behalten und kurzfristig zu entscheiden,
ob man fliegt oder nicht. Nun, wir waren da,
und es war gut. So betrachtet, und dieser
Effekt ist nicht zu unterschätzen, leistet das
HORA auch einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Integration.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Die
zweite Woche war dann den Aufführungen
von DISABLED THEATER gewidmet. Die
fanden im Rahmen des «Downtown Contemporary Arts Festival 2017» statt. Viel
Erfolg, grosser Beifall, wie immer. Hello
Röbi Zimmermann …
Ricco Bonfranchi
AGENDA JUNI – OKTOBER 2017
JUNI / JULI
KONZERT HORA’BAND
Samstag, 3. Juni
Wildwuchs Festival, Basel
www.wildwuchs.ch
BOB-DYLAN-PERFORMANCE
Samstag, 10. Juni
Tag der offenen Tür in der Roten Fabrik,
Backstein Rote Fabrik, Zürich
www.rotefabrik.ch
DAS IST TANZ
Dienstag, 20. Juni
«Empathies» –
11te SLSAeu Konferenz, Basel
www.empathies2017.com
(Nur für Konferenzteilnehmer/-innen)
ZUSAMMEN UTOPIEN ENTWERFEN
26. Juni – 1. Juli
Theaterworkshop mit Julia Häusermann,
Sara Hess und Nele Jahnke
Linz (A)
www.schaexpir.at
AUGUST
KONZERT HORA’BAND
Sonntag, 13. August
42. Winterthurer Musikfestwochen,
Winterthur
www.musikfestwochen.ch
14
15
SEPTEMBER
LONELY HEARTS RADIO
1.–3. / 8.–10. / 28. September
Ein Musiktheaterstück der
HORA-Ausbildung in Zusammenarbeit
mit dem Künstlerkollektiv ox&öl
Casino-Saal Aussersihl, Zürich
LONELY HEARTS RADIO
Freitag, 22. und Samstag, 23. September
Ein Musiktheaterstück der
HORA-Ausbildung in Zusammenarbeit
mit dem Künstlerkollektiv ox&öl
www.theater-roxy.ch, Basel
DISABLED THEATER
Freitag, 29. und Samstag, 30. September
von Theater HORA/Jérôme Bel
Yeah Yeah Yeah – Zürcher Tanzfestival
2017, Rote Fabrik, Zürich
www.yeahyeahyeah.ch
OKTOBER
DISABLED THEATER
Sonntag, 1. Oktober
zum definitiv letzten Mal in der Schweiz!
Theater HORA/Jérôme Bel
Yeah Yeah Yeah – Zürcher Tanzfestival
2017, Rote Fabrik, Zürich
www.yeahyeahyeah.ch
DISABLED THEATER
6.–9. Oktober
Theater HORA/Jérôme Bel
Festival d’Automne à Paris,
Théâtre de la Commune, Paris (F)
www.festival-automne.com
Änderungen vorbehalten. Aktuelle Daten und Informationen entnehmen Sie unserem Newsletter
oder online unserem Spielplan auf www.hora.ch
FREIE REPUBLIK HORA, PHASE 3: WEISSE HEMDEN UND ROTER SAFT
VERMISCHTES
HORA’BAND
Mit Lukas Selinger hat die HORA‘BAND
endlich wieder einen Schlagzeuger. Hurra!
Es wird also wieder kräftig rumpeln, wenn
die Band endlich wieder auf Tournee geht.
geht. Und ab Sommer wird die Band zudem zusammen mit dem HORA-Theaterensemble proben für die gemeinsame
Jubiläumsproduktion 2018, «Bob Dylans
115ter Traum» (Arbeitstitel). In diesem Stück
wird, wen wundert’s, die HORA’BAND,
und insbesondere ihre einzigartige Sängerin Denise Wick Ross, eine zentrale Rolle
spielen.
Wir freuen uns auf alle diese jetzt wieder anstehenden Auftritte der Band, auf
die Wiederbegegnung mit ihrer einzigartigen, glücklich machenden Leichtigkeit
des Seins, auf ihre spintisierende, leicht
irre und anregende Herzensmusik, in der
beachtliches musikalisches und handwerkliches Können gepaart ist mit einem
seltenen Sinn fürs Relativieren der vorgegebenen Textur. Eine (musikalische) sechste Person mit IV-Berechtigung sucht die
Band übrigens weiterhin.
Interessensbekundungen und Hinweise
bitte an roli.s@gmx.ch.
17
KULTURSUBVENTION
Bereits im Juli 2015 hatte die Stadt offiziell
bekanntgegeben, dass Theater HORA in
das Kulturleitbild der Stadt Zürich für die
Jahre 2016–2019 aufgenommen wurde, seit
Anfang des Jahres in die Rote Fabrik integriert wurde und ab 2017 mit 150‘000 CHF
im Jahr regelmässig unterstützt werden soll.
Im Mai 2016 gab es diesbezüglich eine
Weisung an den Gemeinderat. Am Mittwoch, den 28. September schliesslich bewilligte dieser die wiederkehrende Subvention für 4 Jahre mit 95 zu 20 Stimmen. Die
Subvention ist die erste kontinuierliche Förderung, die HORA als Kulturbetrieb, und
nicht für die Betreuung von Menschen mit
einer Behinderung, erhält. Insofern ist sie ein
Meilenstein für das Theater. Gleichzeitig ist
HORA mit dieser regelmässigen Förderung
aber von der Möglichkeit ausgeschlossen,
bei der Kulturförderung der Stadt wie bisher Gelder für konkrete einzelne Kunstprojekte (sogenannte «Produktionsbeiträge»)
zu beantragen.
GESUCHT
BOB-DYLAN-DOUBLES, -FANS,
-IMITATOREN UND DYLANOLOGEN
SOWIE AUFTRITTSORTE ALLER
ART FÜR HORA-PRODUKTION ZU
BOB DYLAN GESUCHT
In Vorbereitung der Jubiläumsproduktion
zum 25jährigen HORA-Geburtstag 2018
– «Bob Dylans 115ter Traum» (Arbeitstitel,
Premiere am 25. Januar 2018 im Pfauen
des Schauspielhaus Zürich) – sucht HORAGründer Michael Elber den Kontakt zu
Bob-Dylan-Doubles, -Fans, -Imitatoren
und Dylanologen aller Altersklassen, egal
ob mit oder ohne Behinderung. Wer ein
solches / einen solchen kennt (oder vielleicht sogar selber ist), der/die melde sich
bitte bei m.elber@zueriwerk.ch. Wir sind
dankbar für jeden Hinweis! Gleichzeitig suchen wir weiter Auftrittsorte aller Art (vom
Fussballstadion bis zum häuslichen Wohnzimmer) für die Never-Ending-RollingThunder-World-Gone-Mad-Tournee dieser
Produktion durch das Zürcher Umland.
Für weitere Infos wenden Sie sich bitte an
c.remund@zueriwerk.ch.
VERMISCHTES
NEU IM
HORA-TEAM
Mit Beginn 2017 haben zwei neue Mitarbeiterinnen ihre Arbeit aufgenommen:
Svetlana Ignjic ist, nach dem Weggang
von Ketty Ghnassia, die neue Produktionsleiterin des Theaters. Nach knapp 6
Jahren am Theaterhaus Gessnerallee in
verschiedenen Funktionen (wo sie über
das Festival OKKUPATION! das erste
Mal mit HORA in Kontakt kam) war sie 3
Jahre Projektleiterin und Mitarbeiterin der
künstlerischen Leitung bei «Zürich tanzt».
Amadea Schütz unterstützt als Theaterpädagogin die künstlerische Leitung sowohl im Probenprozess als auch in der Betreuung der Schauspieler/-innen. Auch sie
verbindet mit Theater HORA bereits eine
längere Geschichte: 2011 hatte sie die Leitung der «HORAmatöre» übernommen,
sich dann aber mit diesen selbstständig
machen müssen und dafür 2015 zusammen mit Nora Häberling den Verein «Theater-Amatöre» gegründet. Jetzt kehrt sie
ans Mutterschiff zurück.
18
TIME-OUT
HORA-GESAMTLEITER
GIANCARLO MARINUCCI NIMMT
VIERMONATIGES TIME-OUT
Giancarlo Marinucci, Gesamtleiter von
Theater HORA, nimmt seit 1. April 2017
ein viermonatiges Time-out. Er wird diese
Zeit in Argentinien verbringen. Vertreten
wird er während seiner Abwesenheit durch
Copi Remund.
Giancarlo begleitet die Geschichte
des Theaters seit der ersten Inszenierung
1993, wenn auch zunächst nur als Zuschauer. Ab 2000 dann gab er schrittweise seine Anstellung als Primarlehrer
auf und begann auf Wunsch Michael
Elbers seine Arbeit bei HORA, anfangs
als Geschäftsführer des Vereins in einer
30-Prozent-Anstellung. 2007 übernahm
er die Gesamtleitung. Er initiierte in dieser
Funktion unter anderem die Gründung der
HORA-eigenen Schauspielausbildung unter Urs Beeler, das Internationale Theaterfestival OKKUPATION! sowie allgemein
die systematische Vernetzung des Theaters mit der lokalen genauso wie mit der
19
überregionalen Kulturszene und dessen
regelmässige Zusammenarbeiten mit exponierten Vertretern/-innen der «regulären»
Tanz-, Theater- und Performance-Szene.
Sein Team wünscht ihm viel unstrukturierte Zeit und dass er sie auch geniessen
kann. Und in in dieser Zeit neben kontemplativer Ruhe auch immer wieder absurde
Begegnungen und Indiana-Jones-Abenteuer, bei denen der HORA-Alltag in weitestmögliche Ferne rückt. Und freut sich jetzt
schon auf seine Rückkehr im August!
ANMELDETALON
WERDEN SIE MITGLIED
UND SCHENKEN SIE IHREN LIEBEN
ETWAS VON HORA!
Name/Vorname:
Adresse:
E-mail:
Tel:
Ja, ich möchte den Förderverein des Theater HORA
unterstützen und Mitglied werden.
Ich möchte das HORA-Magazin per Post erhalten.
Ich möchte den HORA-Newsletter erhalten.
Gutscheine zum Weiterverschenken. Anzahl:
Jahresbeitrag (Kalenderjahr) Mitgliedschaft Förderverein: CHF 150.–
Gutscheine zum Weiterverschenken, pro Gutschein: CHF 40.–
Angaben für Einzahlung Mitgliedschaft:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
Konto: 80-54072-7, IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Zahlungszweck: Mitgliedschaft 2017
oder nutzen Sie den beigelegten Einzahlungsschein.
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
Theater HORA – Stiftung Züriwerk, Baslerstr. 30, 8048 Zürich,
theater@hora.ch, Fax 044 405 71 10
8 GUTE GRÜNDE, THEATER HORA
ZU UNTERSTÜTZEN
1.
Theater HORA wirbt für Vielfalt, Einzigartigkeit und die Entfaltung unkonventioneller Kompetenzen
Interessante Kunst kann auf vielfältigere
Weise entstehen, als die Theater-Normalität uns dies glauben lässt. Die Arbeit von
HORA regt zum Nachdenken über das an,
was uns als «selbstverständlich» oder gar
als «natürlich» erscheint – und was uns
durch die Beschränktheit dieser Sichtweise
sonst alles entgeht.
2. Theater HORA ermöglicht aussergewöhnlichen Künstlern/-innen, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen
HORA-Schauspieler/-innen sind Profis in
jeder Hinsicht: Sie machen Theater nicht
als Amateure nach Feierabend, sondern
festangestellt als Beruf in Vollzeit. In der
HORA-eigenen Schauspielausbildung –
sie existiert seit 2009 und ist schweizweit
einzigartig in ihrer Art – haben viele von
ihnen einen von den Branchenverbänden
und Berufsbildungsämtern anerkannten
Abschluss gemacht.
3. Theater HORA experimentiert auf
künstlerischem Gebiet, wie Inklusion funktionieren könnte
Vom ersten Projekt an haben bei Theater
HORA Spezialisten/-innen mit und ohne
«geistige Behinderung» auf Augenhöhe zusammengearbeitet. HORA-Kooperationen
vernetzen die Kulturszene auf unerwartete
Weise und erforschen dabei ganz nebenbei auch noch, wie Inklusion auch auf
gesellschaftlichem Gebiet funktionieren
könnte.
4. Theater HORA bereichert das etablierte Theater – um ungewohnte Formen,
Formate und Qualitäten
Beim Besuch einer HORA-Vorstellung lässt
sich erkennen, was im etablierten Theater
alles möglich wäre. Denn HORA versucht
nicht, seine Ensemblemitglieder an die
Normen des «Nichtbehindertentheaters»
anzupassen. Sondern erfindet Formen und
Formate, die ihre individuellen und oft einzigartigen Qualitäten ernst nehmen und
diesen den nötigen Raum geben.
5. Theater HORA macht auch Musik –
so grossartig, dass es dich abtischt
Die vom Theaterensemble unabhängig
funktionierende HORA’BAND ist ohne
Übertreibung eine der speziellsten Bands
der Welt. Zwei Musikalben hat sie bei Tudor
Recordings bereits veröffentlicht und mittlerweile über 200 Konzerte gespielt, in
Musikklubs und Theatern, an Openairs,
und Grillständen, auf Rathausplätzen und
in Wohnheimen.
FÖRDERVEREIN THEATER HORA
6.
Theater HORAs Erfolge verändern
die öffentliche Wahrnehmung von Menschen mit einer «geistigen Behinderung»
2013 wurde HORA als erste freie Zürcher
Theatergruppe zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Und 2016 erhielt es mit
dem Schweizer Grand Prix Theater/HansReinhart-Ring den wichtigsten Schweizer
Theaterpreis. Erfolge wie diese betreffen
nicht nur die Kulturszene – es sind auch
Erfolgsmeldungen für die öffentliche Wahrnehmung von Menschen mit einer «geistigen Behinderung».
7. Theater HORA braucht Ihre Unterstützung!
Die Summe aller Zuwendungen, die Theater HORA erhält, reicht nicht einmal
dafür, die Kosten des laufenden Betriebs
(feste Raum-, Personal- und Sachkosten)
zu decken. Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung – als Mitglied im Förderverein
Theater HORA. Ihr jährlicher Beitrag von
nur CHF 150.– ebenso wie jede Spende
kommt ausschliesslich den Projekten und
Produktionen des Theaters zugute.
8. Mitglied werden lohnt sich – auch
für die Mitglieder selbst
Mit ihrem jährlichen Beitrag von CHF
150.– leisten die Mitglieder des Fördervereins nicht nur einen wichtigen Beitrag
zur Ermöglichung der Projekte und Produktionen des Theaters. Sie profitieren
auch von zwei Freikarten pro Kalenderjahr,
geniessen einmalige Einblicke hinter die
Kulissen und erhalten die Gelegenheit,
die HORAs bei ausgewählten nationalen und internationalen Gastspielen
zu begleiten. So bekommen sie eines der
spannendsten Kunstprojekte der Schweiz
aus der Insiderperspektive mit – und lernen jede Menge nette, interessante und
ungewöhnliche Leute kennen.
Werden auch Sie Mitglied im Förderverein Theater HORA und füllen Sie
das linksstehende Kontaktformular aus
oder wenden Sie sich direkt an uns.
Conny Marinucci (Büro): Tel 044 405 71 40,
verein@hora.ch, oder Ricco Bonfranchi
(Präsident Verein): bonif@bluewin.ch
Die Mitgliederbeiträge und alle Spenden
kommen ausschliesslich den Kunstprojekten und Produktionen des Theaters
zugute. Diese können nur durch Ihre Mithilfe realisiert werden, da die öffentlichen
Zuwendungen nicht einmal die Kosten des
laufenden Betriebs (feste Raum-, Personalund Sachkosten) decken.
DANK
Ein herzliches Dankeschön aller HORAs
an unsere Mitglieder und Spender für Ihre
Treue und Beiträge für die HORA-Produktionen. Mit Ihren Einzahlungen tragen Sie
dazu bei, dass der Förderverein weiterhin
ein wichtiger Unterstützer für HORA-Produktionen sein kann.
Unterstützer
Embassy of Switzerland Egypt
Ernst Göhner Stiftung
Hamasil Stiftung
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Landys & Gyr Stiftung
Martha Bock Stiftung
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung
Stadt Zürich Kultur
Stiftung Denk an mich
Koproduzenten
Fabriktheater Rote Fabrik, Zürich
Schauspielhaus Zürich
IMPRESSUM
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater
HORA – Stiftung Züriwerk
Redaktion
Ricco Bonfranchi, Marcel Bugiel,
Nani Khakshouri
Gestaltung
Stillhart Konzept und Gestaltung,
Zürich
Fotos
Fotos SODOM: Toni Suter /
T+T Fotografie
Fotos Ausbildung: Caro Gammenthaler,
Florian Kalotay, Jasmin Stromeyer
Foto HORA‘BAND: Mischa Scherrer
Papier
Gedruckt auf
FSC ®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40
F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk:
hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
HORA Magazin Nr. 43
Juni 2017
-
11/2016 – HORA Magazin Nr. 42
NR. 42
NOVEMBER 2016
INHALTSVERZEICHNIS
EDITORIAL
3
EDITORIAL
LIEBE HORA-FREUNDINNEN
UND -FREUNDE
4–9
BRENNEN-AUSBRENNEN
aus Sicht von Michael Elber
(Abteilung Produktion)
aus Sicht von Roli Strobel
(Abteilung HORA’BAND)
aus Sicht von Jasmin Stromeyer
(Abteilung Ausbildung)
Heute halten Sie nun die 42. Ausgabe des
HORA-Magazins in den Händen. Nachdem
wir ab der 37. Ausgabe das Erscheinungsbild
des Heftes grundlegend erneuert hatten, ist
seit dem letzten Heft eine weitere kleine Veränderung vollzogen worden. Wir stellen immer ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt,
eines, das uns aktuell beschäftigt und umtreibt. In diesem Heft ist es das Themenfeld
«Brennen für etwas – Ausbrennen». Dazu
äussern sich jeweils Teammitglieder aus
den drei Abteilungen, aus der Produktion,
10 –11
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit Sara Hess
12
KOLUMNE
Das «liebe» Geld
13
AUSBILDUNG
Repertoire
Neue Produktionen
Workshops
14
AUF WIEDERSEHEN
Ketty Ghnassia verlässt das
Theater HORA
17–18
ANGEBOT
Publikationen
Musik und Film
18
MITGLIED WERDEN
Anmeldetalon
19
FÖRDERVEREIN
Aktuelles
20
ZUM SCHLUSS
Dank
Impressum
3
AGENDA 2016/2017
26.
NOVEMBER
10.
FEBRUAR
DISABLED THEATER
DIE 120 TAGE VON SODOM
Samstag, 26. November, 20:00 Uhr
Teatro Niccolini in San Casciano
di Val Pensa (Firenze)
Theater HORA / Jérôme Bel
Premiere
Freitag, 10. Februar, 20:00 Uhr
Weitere Vorstellungen entnehmen Sie
bitte dem Spielplan.
Vorverkauf: www.schauspielhaus.ch
Aufführungen im Schiffbau / Box
Milo Rau / Schauspielhaus Zürich /
Theater HORA
21.
JANUAR
KONZERT HORA‘BAND
Samstag, 21. Januar, 16:00 Uhr
Insieme Treff
Regensbergstrasse 89, Zürich
AKTUELLE DATEN UND INFORMATIONEN entnehmen Sie unserem Newsletter
oder online unserem Spielplan www.hora.ch.
aus der Ausbildung oder aus der HORABand. Dabei äussern die Verfasser/-innen
ihre Gedanken in relativ kurzen Texten. Es
besteht also weder die Erwartung, dass
jeweils fundiert auf ein bestimmtes Thema
eingegangen wird, dafür steht viel zu wenig
Platz zur Verfügung, noch ist es das Ziel, aus
dem HORA-Magazin eine Fachzeitschrift
zu machen. Das Heft bleibt nach wie vor
seiner Hauptaufgabe treu, nämlich Mitglieder, Spender, Interessierte, Veranstalter,
Geldgeber über unsere Aktivitäten zu informieren. Natürlich interessiert es uns, was Sie
darüber denken und wir freuen uns immer
über Ihre Rückmeldung. Schliesslich sind
wir ein Theater, und ein Theater ist
grundsätzlich immer daran interessiert zu erfahren, was sein Publikum
über das Gesehene denkt.
Die Bühnenstücke des Theater HORA oder in welchen HORASchauspieler/-innen mitwirken, ob
diese nun aus der Abteilung Ausbildung oder der Abteilung Produktion kommen, werden in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen. Die
Medien berichten darüber, Plakate
prangen an prominenten Orten und
die Vorstellungen sind gut besucht.
Die Zusammenarbeit mit dem Casinotheater Winterthur (ZIEMLICH
BESTE FREUNDE) hat uns einerseits neue Zuschauer gebracht, die
bis anhin nie in einem HORA-Stück
waren, und andererseits hat es das
Theater HORA plötzlich in einem
neuen Genre auftreten lassen, nämlich in einer Komödie. Daneben wird
die zukünftige Zusammenarbeit mit
Milo Rau und dem Schauspielhaus
Zürich (DIE 120 TAGE VON SODOM) auch viel Publizität bringen,
aber im Gegensatz zum Komödienfach wird man das Theater HORA
in einem völlig anderen Kontext erleben können.
Die zwei Beispiele zeigen auf,
was die Stärke von HORA ist, man
kann das Theater nicht irgendwo
festmachen oder in eine Schublade zwingen, es überrascht immer
wieder, und es stellt immer wieder
auch Reflexionsfläche für viele Themen des menschlichen Daseins dar,
es fordert die Zuschauer heraus
und bringt sie zu neuen Sichtweisen,
egal ob nun auf komödiantischen,
ernsten, ungewöhnlichen oder apokalyptischen Wegen …
Ich wünsche Ihnen viel Spass
beim Lesen, verwenden Sie den Einzahlungsschein (wir brauchen‘s!) und
ich freue mich, wenn Sie eine Vorstellung oder ein Konzert besuchen.
Gesamtleiter Theater HORA,
Giancarlo Marinucci
BRENNEN – AUSBRENNEN
4
BRENNEN STATT AUSBRENNEN
aus Sicht von Michael Elber, Leiter Produktion
«WHAT’S WRONG WITH BEING
MISUNDERSTOOD?»
Bob Dylan
Kürzlich habe ich in einem Artikel des «TagesAnzeigers» von einer überdimensionalen Uhr
gelesen. Sie hängt in einer Fabrikhalle und
läuft zehnmal schneller als normal. Sie soll
der Belegschaft vor Augen führen, wie wichtig das ideale Timing bei der Produktion sei!
Etwa so fühle ich mich oft auch im Alltag:
ideal im Timing, aber zehnmal schneller als
normal, sprich: gesund.
Hoffentlich beginnen wir allmählich zu
realisieren, dass jede Trägheit, jedes Nichtstun, jede Bedächtigkeit, Langsamkeit, Entspannung, Ruhe, jedes Versunkensein, jede
Nachdenkpause, jede Hingabe an den Moment dazu beiträgt, dass wir zur Besinnung kommen können. Dann endlich wird
die Langsamkeit wieder einen neben der
Schnelligkeit gleichberechtigten Platz einnehmen dürfen.
Ich freue mich auf weitere Projekte mit bedächtigen, zehnmal langsameren Menschen.
Ich habe noch viel zu lernen.
Herzlich, Michael Elber
Obige Zitate stammen aus einem offenen Brief von Michael Elber
an die HORA-Schauspielerin Madeleine Oertle nach den Uraufführungen der ersten HORA-Produktion ABER ZEIT IST LEBEN
UND DAS LEBEN WOHNT IM HERZEN (frei nach Michael
Endes «Momo». Der ganze Brief erschien vor vielen Jahren (als
es noch keine Smartphones gab!) im «Tages-Anzeiger»-Magazin
am 24. April 1993 und ist im HORA-Buch in Gänze nachzulesen.
Nun sind 23 Jahre seit jener öffentlichen Beschwörung der Gelassenheit vergangen. Ich
habe mich zu einem Experten des «Brennens für …» entwickelt. Ich habe nicht nur
23 Jahre gebrannt für ein Projekt, ich ging
auch an die Grenze. Ich beanspruche nun
für mich und das HORA-Team, dass wir
diese Lebenshaltung nicht nur propagieren, sondern auch leben können. Wir müssen inzwischen wirklich niemandem mehr
beweisen, dass wir mit unserer Kunst auf
einem Weg mit Substanz sind. Wir können
und dürfen zehn Gänge zurückschalten
und nicht nur das obige Motto in die Welt
setzen, sondern uns auch gemütlich hinsetzen, geniessen, ernten. Ich mache ernst mit
dieser Drohung, indem ich hier einen alten
und immer noch wichtigen Text recycle.
HORA muss nicht mehr alles für alle
tun, wir müssen uns nicht mehr nach den
Bedürfnissen eines Publikums richten, wir
gehen entspannt unseren Weg und machen
das, was uns interessiert.
In der Burnout-Klinik habe ich in diesem
Sommer Bob Dylan kennengelernt. Sein Zelebrieren des Scheiterns in Konzerten, sein
Desinteresse, sich dem Publikum anzubiedern und den Erwartungen zu entsprechen,
seine Kompromisslosigkeit in vielerlei Hinsicht faszinieren mich und ich sehe viele
Parallelen zu unseren Schauspielern/-innen.
Ich brenne schon wieder für ein kommendes Musik-Theater-Projekt: IN BED
WITH BOB. Kulturschaffender ist eben ein
widersprüchlicher Beruf … Mehr demnächst!
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
5
6
BRENNEN – AUSBRENNEN
7
AUCH DIESEL BRENNT
von Roli Strobel, Bandleader der HORA’BAND
Brennen – Ausbrennen. Ein sehr intimes Thema eigentlich. Da kommen viele Gefühle
hoch. Gerade in diesen Zeiten. Ich bin der
Meinung, eine künstlerische Aktion ist immer ein Brennen. Ein Wille, eine Vision, sie
erzeugt Hitze, sie wird gelebt, gestaltet und
quasi bei der Aufführung öffentlich verbrannt. Was bleibt? Das ist unterschiedlich.
Als Performer ist man ja immer Teil dieses Pyrofestes. Man verbrennt unter Beobachtung seine Seele, seine Lunge, seinen Arm, seine Beine, seine Zukunft, seine Liebe, sein Leiden, seine Fähigkeiten
und Unfähigkeiten, seine Gegenwart. Die
Künstler sind gegenwärtig für das Publikum. Ihre Wahrheit, ihr Brennen ist der eigentliche Grund des Museum- oder Theaterbesuchs. Manche Besucher fangen Feuer, andere nicht. Ich rede hier mit Absicht
pauschal. Denn es ist ein grosses Abbrennen, ein allgemeines, das da stattfindet. Die
Medien verbrennen Information. Meist unnützes Papier eben, aber es brennt. Und
es zahlt sich. Wir können es uns schenken.
Ja genau, apropos schenken. Wir schenken
uns gegenseitig unsere Aufmerksamkeit.
Beim Proben sehr viel sogar. Um unsere Feuerstelle zu bauen, die uns und
euch warm gibt. Und wenn da nichts mehr
kommt? Nur kalte Asche, Erinnerung an einen Zustand von vorher? Das ist dann wie
Ausbluten. Welches Feuer brennt in Denise
Wick Ross, was brennt in Enrico Rizzi?
Leute, ich habe keine Ahnung. Irgendeine
innere Kraft treibt diese Menschen dazu,
immer wieder hierher in den Proberaum
zu kommen und sich an etwas zu versuchen, wovon wir keine Ahnung haben. Um
zu hören, zu spielen, zu versuchen, zu irren und alles nochmals zu machen und
irgendwann wohin zu fahren und das vorzutragen. Und dann klatschen die Leute.
Aus Dank? War es das? Ist da noch mehr?
Das Feuer. Brennt das immer? Meines
hoffentlich noch bis am Freitag. Dann ist
Einsendeschluss für diesen Artikel. Vielleicht brennt es aber noch länger, bis nach
Rolandseck bei Bonn, wo ich am Wochenende mit der Band hinfahre, mit 120 Liter
Diesel im Tank. Auch der brennt. Hoffentlich.
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
BRENNEN – AUSBRENNEN
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IN DIR MUSS BRENNEN,
WAS DU IN ANDEREN ENTZÜNDEN WILLST
von Jasmin Stromeyer, Assistentin des Ausbildungsleiters
«In dir muss brennen, was du in anderen
entzünden willst», sagte schon Augustinus Aurelius. In mir brennt ein Feuer für
die Ausbildung der jungen Schauspiellernenden des Theater HORA. Ich möchte sie, ganz im Sinne der Philosophie des
Theater HORA, in ihrer künstlerischen und
kreativen Entwicklung unterstützen und
fördern. Klar ist, dass die Auszubildenden
in den zwei Jahren ihrer Ausbildung ein
möglichst breites Repertoire an schauspielerischem Handwerk erhalten sowie
Bühnenerfahrungen sammeln sollen.
Die Azubis brennen klar für die Bühnensituation. Vor Publikum zu spielen ist
genau das, was sie wollen. Dort geben sie
in der Regel Vollgas und leben ihre Spiel-
freude aus. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob die Azubis vor leeren Stühlen
spielen oder ob sie Publikum haben. Die
Auftrittssituation entfacht Energien, die
im Probenalltag häufig fehlen. Sie dann zu
motivieren und zu animieren, ist aufwändig, gehen wir doch davon aus, dass sie
den unbändigen Drang empfinden, auf die
Bühne zu wollen und alles dafür zu geben.
In den Auszubildenden ein Gefühl für
Improvisationen zu entwickeln, ist Teil meines Feuers. Sie auch dahingehend zu unterstützen, dass sie aufeinander reagieren
und miteinander in Kontakt treten oder
ihre Emotionen wahrhaftig ins Spiel integrieren, macht die Arbeit mit den Auszubildenden so spannend und anspruchs-
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
9
voll. Nebst dem Erarbeiten dieser und weiterer Grundlagen, wie Körper-, Stimmund Rhythmustraining oder auch Wahrnehmungsübungen, brenne ich auch dafür, dass die Auszubildenden kreativ und
gestalterisch handeln. Ich möchte sie, im
Sinne des eingangs erwähnten Zitates, dafür begeistern, Spielmöglichkeiten zu entdecken, zu erforschen und auszuprobieren.
Dieses neugierige Agieren bietet ein hohes Potential an persönlichen Ausdrucksformen und Entwicklungen an. Und ich
möchte, dass sie dieses Potential ausschöpfen und ihre Komfortzone verlassen, etwas wagen und riskieren. Daraus
entsteht auch die Chance, dass man im
positiven Sinne scheitert, Neues lernt und
an Erfahrungswerten dazu gewinnt. Diese
Neugier in ihnen zu wecken ist nicht immer
einfach. Die Auszubildenden bewegen sich
oftmals lieber in Sicherheit und greifen auf
Bekanntes zurück, als dass sie etwas wagen und riskieren wollen. Welchen Rahmen
brauchen sie, um sich gleichzeitig wohl zu
fühlen und Neues auszuprobieren? Welche
Spielregeln muss ich aufstellen? Wie viele
Anweisungen und Vorgaben brauchen sie,
um kreativ zu sein? Wann ist der Freiraum
eine Überforderung?
Die kreative Arbeit mit den Azubis, das
Grundlagentraining, sie als Persönlichkeiten wie auch die Herausforderungen, die
sich in der Zusammenarbeit mit ihnen ergeben, machen die Arbeit in der Ausbildung so wertvoll. Sie auf der Bühne, nach
all der intensiven Arbeit, ihre Leidenschaft
ausleben zu sehen ist euphorisierend, wobei mein kritischer Blick auf die Leistungen
der Azubis nie ganz vom Bildschirm verschwindet. Die Ausbildung ist Teil meines
Feuers und meiner Leidenschaft dafür, das
zu tun, was mich erfüllt, und mein Wissen
und meine Neugier an die Auszubildenden
weiterzugeben.
MENSCHEN RUND UMS THEATER HORA
10
RICCO BONFRANCHI INTERVIEWT
SARA HESS
11
Würdest du dich bitte kurz vorstellen.
Ich bin Sara Hess, 30 Jahre alt und bin seit
2006 im Theater HORA.
Dann hast du ja das zehnjährige Jubiläum.
Ja, genau, das ist eine lange Zeit.
Wie kamst du ins HORA?
Es hat mich interessiert. Ich hatte einen
Tag Probezeit und habe dann direkt zugesagt. Und jetzt habe ich das Jubiläum.
Wie hat sich das HORA in dieser Zeit verändert? Hat es sich überhaupt verändert?
Das ist eine ganz schwierige Frage. Ja, es
hat sich verändert. Am Anfang wurden
mehr Stücke gespielt, z. B. HERZ DER FINSTERNIS oder YELLOW SUBMARINE.
Wir haben mehr gespielt. Solche Stücke
habe ich gerne gespielt. Eine Veränderung
ergab sich 2010 in der Ausbildung bei Urs
Beeler. Vorher war ich ja 50 %, ab dann
100 %.
Was war in den anderen 50 %?
Da habe ich in der Werkstatt WABE gearbeitet, Einsteckarbeiten. Auch die Leute
haben sich verändert. Schauspieler sind
gekommen und auch wieder gegangen.
Praktikanten gab es schon immer. Mal waren sie kurz da, manchmal länger.
Hast du ein Lieblingsstück?
Ja, ENTE, TOD UND TULPE. Auch das Abschlussstück in der Ausbildung von Remo
Z., Noah und Fabienne MY OWN SONG.
Das Gedicht von Jandl.
Ja, genau.
Du spielst ja jetzt auch schon seit einigen
Jahren das Stück DISABLED THEATER
von Jérôme Bel. Was meinst du dazu?
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
Am Anfang fand ich es sehr speziell, eigentlich finde ich es immer noch speziell.
2012, 2013 waren schon heftig, wir hatten
kaum Pausen.
Hast du Zukunftspläne?
Nein, im Moment habe ich keine. Ich möchte schon irgendwann einmal etwas anderes
machen.
Was ist für dich der Unterschied zur Arbeit
in der WABE?
In der WABE war die Arbeit oft eintöniger.
Im HORA ist es viel abwechslungsreicher,
auch durch die Reisen und dadurch, dass
man immer wieder mit anderen Leuten ist.
Es ist interessant, in verschiedenen Stücken mitzuspielen, wo andere Schauspieler sind. Da merke ich schon, dass sie mehr
können, man hinkt etwas hinterher. Aber
die Zusammenarbeit mit nichtbehinderten
Schauspielern hat mir gut gefallen (z. B.
im Stück NORMALITÄT). Bei der LUST
AM SCHEITERN gibt es auch nichtbehinderte Schauspieler, aber da merke ich den
Unterschied nicht so.
Möchtest du denn immer auch mit nichtbehinderten Schauspielern zusammen
arbeiten?
Nein, Theater mit nichtbehinderten Schauspielern soll die Ausnahme bleiben. Wäre
es immer so, wäre das HORA ja kaputt.
Wie denkst du darüber, wenn jemand im
Rollstuhl ein HORA-Schauspieler wäre?
Jemand, der zum Beispiel im Rollstuhl ist,
wäre eventuell noch eine interessante Spielvariante. Auf Reisen wäre es schwierig. Aber
eigentlich bin ich für Neues offen.
Liebe Sara, ich danke dir für das Gespräch!
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
KOLUMNE
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DAS «LIEBE»
GELD
AUSBILDUNG
13
AUFFÜHRUNG
DER SCHÖNSTE TAG
2) GUGUSDADA – DIE LUST AM SPIELEN
Workshop (halb- oder ganztags)
3) DIE ABNORMITÄT DES ALLTÄGLICHEN –
WENN NORMAL ANDERS IST
Workshop (halb- oder ganztags)
Für nicht-geistig behinderte Menschen
spielt Geld eine grosse Rolle. Dabei geht
es mir hier nicht darum, ob man viel Geld
hat, sondern einfach um die Tatsache,
dass unser Leben u. a. durch den Umgang
mit Geld bestimmt wird. Sämtliche Dinge
des Alltags werden mittels Geld gekauft,
wir bezahlen eine bestimmte Summe, wenn
wir mit ÖV von A nach B wollen, unsere
Wohnung hat einen bestimmten Mietpreis,
eine Reise müssen wir bezahlen, ebenso
der Eintritt ins Theater oder Kino usw. usf.
Viele Menschen mit geistiger Behinderung
haben nur ein eingeschränktes oder sogar
gar kein Verhältnis zum Geld. Der Geldverkehr beruht ja auf der Abstraktion,
dass wir uns für farbige Papierscheine,
auf denen ein Wert aufgedruckt ist – es
könnte im Grunde auch ein anderer sein
– Sachen, Dienstleistungen etc. erwerben
können. Da sich alle an diese Vereinbarungen halten, funktioniert das System.
Das System beruht auch darauf, dass
mir das Dezimalsystem (mehr oder weniger) vertraut ist. Ich weiss also, dass 1000
Franken mehr wert sind, als 1 Franken.
Das wissen auch viele Menschen mit einer geistigen Behinderung. Wie verhält es
sich aber, wenn ein Mensch mit geistiger
Behinderung im Ausland ist und z. B. zehn
Franken in Euro oder Hongkong-Dollars
tauschen möchte? Dann ist plötzlich das
bekannte Zahlensystem ausser Kraft gesetzt, weil eine Umrechnung vorgenommen werden muss, die das Abstraktionsvermögen des Menschen mit geistiger
Behinderung übersteigt. Da ich immer mal
wieder mit erwachsenen Menschen mit einer geistigen Behinderung im Ausland bin
(Theater HORA), habe ich diese Situation schon öfters erlebt. Da will dann ein
geistig behinderter junger Mann für seine Liebste zu Hause einen Ring kaufen.
Die Verkäuferin in Seoul zeigt ihm diverse
Exemplare und er ist sehr angetan, einen
zu kaufen. Der Ring kostete umgerechnet
ca. Fr. 300. Er hatte aber umgerechnet
nur noch ca. Fr. 5. Das Geschäft musste
mittels meiner Intervention abgebrochen
werden.
Abschliessend ergibt sich für mich die
Frage, sind Menschen, denen der Wert des
Geldes nicht so bekannt, klar, einsichtig
ist, die glücklicheren Menschen? Ich weiss
es nicht.
Ricco Bonfranchi
Detaillierte Informationen unter: www.hora.ch oder bei Urs Beeler,
Ausbildungsleiter T 078 634 30 34, u.beeler@zueriwerk.ch.
AUFFÜHRUNG
IM REPERTOIRE
In Zusammenarbeit mit dem Musiktheaterkollektiv «Wer ist Hilda?»
Wiederaufnahme Anfang Februar 2017. Die Hochzeit. Der schönste
Tag im Leben! Ein hochemotionales Ereignis, das den Alltag an
Theatralik in jeder Hinsicht übertreffen soll. Grund genug, das
vielschichtige Thema zwischen Sehnsucht und Abgrund mit den
Mitteln der Musiktheaterbühne unter die Lupe zu nehmen.
ZIEMLICH BESTE
FREUNDE
AUFFÜHRUNG
BABY, I WANT YOU!
IM REPERTOIRE
In Zusammenarbeit mit dem Casinotheater Winterthur. Wiederaufnahme ab 14. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018 im Casinotheater Winterthur. Eine Bühnenfassung des grossen Kinoerfolges
«Intouchable», bereits 30 Mal gespielt, mit tollen Kritiken insbesondere auch für die Azubi des Theater HORA.
AUFFÜHRUNG
NEU IM MÄRZ 2017
Eigenproduktion mit bekannter Pop- und Soul-Musik. Fünf junge
Erwachsene entdecken ihren Körper, erkunden Beziehung, träumen
von einer Freundin, dem ersten Mal, einem Traumprinzen, von
romantischer Liebe, einer Traumhochzeit … Ab der 5. Klasse.
WORKSHOPS
Unsere Workshops bieten die Möglichkeit, in der direkten Begegnung mit den jungen Schauspiellernenden deren Expressivität,
Emotionalität, Direktheit, aber auch Verrücktheit zu erleben und
über das gemeinsame Spiel eigene Grenzen auszuloten und Ungewöhnliches zu entdecken.
STG PEPPER’S
LONELY HEARTS
CLUB RADIO
NEU IM SEPTEMBER 2017
Arbeitstitel. In Zusammenarbeit mit «ox & öl». Der «Verein für Förderung zurückgebliebener Kinder» ging 1967 in die Stiftung «Züriwerk» über, im gleichen Jahr, in dem die Beatles mit «Sgt Pepper‘s
Lonely Hearts Club Band» eines der ersten Konzeptalben der PopGeschichte vorlegten, ein umstrittenes, surreales und hintergründiges Gesamtkunstwerk. Diese fiktive Heilsarmee-Truppe, die sich
als «Gemeinschaft der neuen freien Menschen» bezeichnete und
für die einsamen Herzen singen wollte, bietet uns Stoff für eine
musikalisch-theatralische Umsetzung.
1) ANDERSSEIN – DIE TRIADE
Theater, Gespräch & Workshop. Unterstützt von schule&kultur.
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
HORA-Magazin Nr. 42, November 2016
AUF WIEDERSEHEN
14
15
KETTY
GHNASSIA
VERLÄSST
DAS THEATER
HORA
Nach fünf intensiven und schönen Jahren
verlässt Ketty das Theater HORA, um sich
neuen Projekten zu widmen. Wir möchten
uns an dieser Stelle sehr herzlich für Kettys
wertvolle Arbeit und das Herzblut, das sie
ins HORA gesteckt hat, bedanken.
Vor über 10 Jahren führte die Liebe
Ketty in die Schweiz. Zuvor hatte sie in
Paris Wirtschaft und Kulturmanagement
studiert, dann viele Jahre für grosse Festivals wie Festival d’Automne à Paris,
Les Rencontres Internationales de SeineSaint-Denis, Les Rencontres de la Villette
etc. gearbeitet. Das Theater HORA suchte nach einer Produktionsleitung für eine
Kooperation mit dem australischen Back
to Back Theatre im Rahmen vom Festival
Okkupation 2011. Danach folgte das Stück
DISABLED THEATER, welches einer Produktions- und Tourneeleitung bedurfte. Und
so kam es, dass Theater HORA fünf Jahre
lang Kettys berufliches zu Hause wurde.
Stets wissbegierig und voller Tatendrang,
machte sich Ketty an der ZHdK an ihren
Master in Cultural Studies. Den Master
in der Tasche und voller Energie, zieht es
Ketty zu neuen Projekten und Herausforderungen. Nur ungern lassen wir sie ziehen
und sind überzeugt, dass diese Frau noch
vieles bewegen wird.
Wir wissen, dass es kein Adieu sein
wird, sondern ein «auf Wiedersehen» und
dass es viele neue Begegnungen geben wird.
Vorerst wünschen wir Ketty viel Erfolg beim
Konzipieren des IntegrART-Symposiums
und beim Mitwirken in Jörg Köppls und Tim
Zulaufs neuem Stück, einer experimentellen Oper.
FREIE REPUBLIK HORA, PHASE 3: WEISSE HEMDEN UND ROTER SAFT
ANGEBOT – PUBLIKATIONEN
HORA BUCH
THEATER HORA – DER EINZIGE
UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND
SALVADOR DALÍ IST, DASS WIR
NICHT DALÍ SIND
Das Buch der Bücher – erschienen im Verlag «Theater der Zeit»! Alles, was Sie schon
immer über die ersten 20 Jahre von Theater
HORA wissen wollten, aber nie zu fragen
wagten. 672 Seiten Bilder, Originalbeiträge, Dokumente aus dem HORA-Archiv und
Erinnerungen, Werkstattgespräche, Praxisanleitungen, allesamt mit Vorabzusammenfassungen in leichter Sprache, dazu Presseberichte, Verzeichnisse und Karten sowie
eine DVD mit Praxis-Vorführungen von
Michael Elbers Theatertraining und eine
CD mit bislang unveröffentlichten Songs
der HORA‘BAND.
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 20.–
Lieferung nach Hause CHF 40.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
17
DISABLED
THEATER
NOT JUST A
MIRROR
Ein 245 Seiten starker Sammelband in englischer Sprache ausgehend von der HORAProduktion DISABLED THEATER von
Jérôme Bel. Herausgegeben von Sandra
Umathum und Benjamin Wihstutz, mit
Beiträgen von Jérôme Bel, Kai von Eickels,
Kati Kroß, André Lepecki, Lars Nowak,
Yvonne Rainer, Yvonne Schmidt, Gerald
Siegmund, Sandra Umathum, Scott Wallin,
Benjamin Wihstutz und den Ensemblemitgliedern des Theater HORA.
LOOKING FOR THE POLITICAL
THEATRE OF TODAY
Buchbestellung im Buchhandel oder auf
www.diaphanes.com
Für den von Florian Malzacher herausgegebenen, im Berliner «Alexander-Verlag»
erschienenen Sammelband «Not just a
mirror. Looking for the political theatre of
today» porträtierte der Mainzer Theaterwissenschaftler Benjamin Wihstutz Theater
HORA als eine von 15 exemplarischen
Gruppen und Einzelkünstlern/-innen, die
Theater als politisches Labor der Gegenwart begreifen und in ihrer Arbeit aktiv
gesellschaftsverändernd agieren.
Buchbestellung im Buchhandel oder auf
www.alexander-verlag.com
ANGEBOT – MUSIK UND FILM
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19
SO SCHÖN
WIE NIE
RAUMSCHIFF
HORA
ABER AUCH
ICH
CD HORA‘BAND
CD HORA‘BAND
FILMPORTRAIT
Die erste CD der HORA’BAND, mit den
Songs «Sixties», «Faces on the Wall», «Blue
Sea Mermaid», «Küss mich jetzt!», «Magic
Gold Rock», «Trees», «Neues aus unserem
und anderen Sonnensystemen», «Monster
Bash», «Don’t walk away», «Moon Dust»,
«Die Wüste lebt», «Desire», «Für die Liebe»
sowie dem Videoclip zu «Magic Gold Rock».
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 15.–
Lieferung nach Hause: CHF 20.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
Die zweite CD der HORA’BAND, mit den
Songs «Heaven’s Shoals», «Take it easy on
yourself», «Coca Light», «Up and Down»,
«Indian Summer», «Raumschiff HORA»,
«I’m always chasing rainbows», «In the
morning», «The Dagger», «Going Underground» und «Eifach gah».
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 15.–
Lieferung nach Hause: CHF 20.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
Filmportrait über das Theater HORA und
seine Schauspieler/-innen Ende der 1990er
Jahre. Regisseur Urs Wäckerli setzt Szenen
aus der HORA-Produktion AN-SEHEN
ODER GSEHSCH MI? von 1995 und
Momentaufnahmen aus dem realen, täglichen Leben der Hauptdarsteller/-innen
gegeneinander. Eine Hommage nicht zuletzt an die früh verstorbene HORALegende Andy Wittwer. 87 Minuten, dazu
als Bonusmaterial Interviews mit Michael
Elber und Urs Wäckerli.
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 20.–
Lieferung nach Hause: CHF 30.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
FÖRDERVEREIN THEATER HORA
WARUM MACHT ES SINN, MITGLIED
DES FÖRDERVEREINS
DES THEATER HORA ZU SEIN?
Das Theater HORA ist eine Abteilung der
Stiftung Züriwerk. Diese trägt das HORA,
indem sie u. a. die Löhne der festangestellten Mitarbeiter/-innen übernimmt. Es ist
aber auch ein offenes Geheimnis, dass die
Stiftung Züriwerk vom Kanton Zürich verordnete Einsparungen vornehmen muss.
Wenn nun das Theater HORA Projekte
durchführen will, so kann dies nicht ohne
gewisse Investitionen durchgeführt werden.
Hier springt nun der Förderverein ein. Mit
einem Jahresbeitrag von CHF 150.– unterstützen Sie dieses in der Schweiz einmalige Vorhaben, nämlich ein professionell
geführtes Theater mit professionell tätigen
Schauspielern/-innen mit einer geistigen
Behinderung. Um weiter anspruchsvolle
und spannende Projekte zu realisieren,
ist das Theater HORA auf IHRE Unterstützung angewiesen. In Zeiten, in denen
öffentliche Gelder spärlicher fliessen, sind
Beiträge von Gönnern/-innen umso wichtiger. Darum macht es Sinn, Mitglied des
Fördervereins des Theater HORA zu sein!
Herzlichen Dank
Dr. Ricco Bonfranchi, Präsident
Förderverein Theater HORA
AKTUELLES
ANMELDETALON
WERDEN SIE MITGLIED
UND SCHENKEN SIE IHREN LIEBEN
ETWAS VON HORA!
Name/Vorname:
Adresse:
E-mail:
Tel:
Ja, ich möchte den Förderverein des Theater HORA
unterstützen und Mitglied werden.
Ich möchte das HORA-Magazin per Post erhalten.
Ich möchte den HORA-Newsletter erhalten.
Gutscheine zum Weiterverschenken. Anzahl:
Jahresbeitrag (Kalenderjahr) Mitgliedschaft Förderverein: CHF 150.–
Gutscheine zum Weiterverschenken, pro Gutschein: CHF 40.–
Angaben für Einzahlung Mitgliedschaft:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
Konto: 80-54072-7, IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Zahlungszweck: Mitgliedschaft 2016
oder nutzen Sie den beigelegten Einzahlungsschein.
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
Theater HORA – Stiftung Züriwerk, Baslerstr. 30, 8048 Zürich,
theater@hora.ch, F 044 405 71 10
Neue Vorstandsmitglieder
An der letzten Mitgliederversammlung im
April dieses Jahres wurden 4 (in Worten:
vier) neue Vorstandsmitglieder gewählt. Wir
sind sehr glücklich, dass sich diese Persönlichkeiten hierfür zur Verfügung stellen. Es
sind dies: Katharina Stoll (auch Stiftungsrätin im Züriwerk), Solveig Butenhoff (Fachperson Betreuung im Behindertenbereich),
Mark Zumbühl (ehemals Chef PR bei pro
infirmis) und Alex Oberholzer (Filmkritiker
& Kommentator).
Mittelbeschaffung
Wir werden uns an den kommenden Sitzungen intensiv mit der Frage der Mittelbeschaffung auseinandersetzen, da sowohl
die Mitgliederzahl als auch das Spendenaufkommen rückläufig sind.
Austritt
Leider haben wir auch einen Austritt aus
dem Vorstand zu vermelden. Unser Buchhalter, Markus Bhend, hat sich entschieden, seine ehrenamtliche Tätigkeit und
Kompetenz anderweitig einzusetzen. Wir
bedauern das sehr. Aber nun suchen wir
einen valablen Ersatz, den wir noch nicht
gefunden haben. Wenn Sie jemanden kennen oder selber an dieser Tätigkeit interessiert sind, so melden Sie sich.
DANK
IMPRESSUM
Ein herzliches Dankeschön aller HORAs
an unsere Mitglieder und Spender für Ihre
Treue und Beiträge für die HORA-Produktionen. Mit Ihren Einzahlungen tragen Sie
dazu bei, dass der Förderverein weiterhin
ein wichtiger Unterstützer für HORA-Produktionen sein kann.
HORA-Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Spenden ab CHF 200.–
J. Meier
C. Elmer
J. Dalloz
H. Kunz
C. Keller
Kath. Pfarramt Tann-Dürnten
A. Fritzsche
Stiftung P. und A. Guggenheim-Ascarelli
Ref. Kirchgemeinde Rümlang
Unterstützer
Alexis Thalberg Stiftung
Förderverein Theater HORA
Hamasil Stiftung
Stadt Zürich Kultur
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Symphasis Stiftung
MBF Foundation
Buchmann Kollbrunner Stiftung
Koproduzent
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
Schauspielhaus Zürich
HORA-Magazin Nr. 42 November 2016
Redaktion
Urs Beeler, Ricco Bonfranchi,
Michael Elber, Nani Khakshouri,
Giancarlo Marinucci,
Conny Marinucci, Roli Strobel,
Jasmin Stromeyer
Gestaltung
Stillhart Konzept und Gestaltung, Zürich
Fotos
Niklaus Spörri, Caro Gammenthaler
Papier
Gedruckt auf
FSC ®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40
F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk:
hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
-
06/2016 – HORA Magazin Nr. 41
NR. 41 JUNI 2016
INHALTSVERZEICHNIS
3
EDITORIAL
Theater HORA hat den
Hans-Reinhart-Ring erhalten!
4
AUTONOMIE
aus drei verschiedenen
Sichten
10
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit Beat Villiger
12
KOLUMNE
Gespräch zwischen einem
HORA-Schauspieler
und seinem Betreuer
13
AUSBILDUNG
Aufführung
TheaterWerkstatt
Workshops
14
AGENDA 2016
17
ANGEBOT
Publikationen
Musik und Film
EDITORIAL
THEATER HORA HAT DEN
HANS-REINHART-RING ERHALTEN!
Das ist grandios. Wer hätte das gedacht.
Aber auch, das kann doch nicht wahr
sein …
Tatsächlich ist dies eine grosse Ehre,
die da dem Theater HORA, den Schauspielern/-innen und den Verantwortlichen
am 26.5.2016 zuteil wurde. Herzlichen
Glückwunsch!
Aber lassen wir erst einmal die Fakten sprechen. Im Jahr 1957 stiftete der
Winterthurer Dichter und Mäzen Hans
Reinhart (1880–1963) die nach ihm benannte Theaterauszeichnung. Heute wird
der Preis von der SGTK (der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur)
getragen und vom Bundesamt für Kultur
unterstützt. Verbunden mit dem Preis und
der Anerkennung ist auch die Zahlung von
CHF 100‘000.– an den jeweiligen Preisträger oder an die Preisträgerin. Seit 1957
hat sich der Preis als die bedeutendste
Theaterauszeichnung der Schweiz etabliert. Es wird dabei jeweils ein speziell
hergestellter Ring überreicht.
3
Ich habe mir die Liste der bisherigen
Preisträger/-innen angeschaut und sie ist
illuster. Da findet man Namen wie Stefan
Kägi, Christoph Marthaler, Luc Bondy,
Ursus & Nadeschkin, Matthias Gnädinger,
Bruno Ganz, Volker Hesse, Gardi Hutter,
Emil Steinberger, Ruedi Walter, Heinz
Spoerli, Dimitri, Maria Becker, Heinrich
Gretler usw. usf. Man sieht, es sind bis anhin immer einzelne Schauspieler/-innen,
die den Preis erhalten haben. Das Kuratorium weicht nun zum ersten Mal davon ab
und vergibt den Preis an ein Kollektiv, eben
dem HORA.
Damit das Theater HORA zu seinen
aussergewöhnlichen Leistungen kommen
kann, sind im Laufe der Jahre verschiedene Leute in verschiedensten Funktionen
tätig gewesen. Diese können hier nicht alle
aufgezählt werden. Es ist aber auch an die
verschiedenen Schauspieler/-innen mit
geistiger Behinderung zu denken, die heute
nicht mehr zum Ensemble gehören, weil ihr
Lebensweg irgendwann einmal, wodurch
auch immer bedingt, eine andere Richtung genommen hat und sie das HORA
verlassen haben. Auch ihnen gebührt hier
ein Dank und die Anerkennung, dass auch sie
an diesem Ring partizipieren dürfen. Natürlich
sind hier die beiden
Konstanten des Theater HORA namentlich
zu erwähnen, ohne die
es das HORA nicht
gegeben hätte und die
es über all die Jahre
auch mitgetragen haben: Michael Elber und
Giancarlo Marinucci.
Sie beide, der eine ist
der künstlerische Leiter
und der andere der Gesamtleiter, tragen die
Hauptverantwortung
des Theaterbetriebes
HORA, der mittlerweile eine Grösse in der
internationalen Theaterszene darstellt. Wie
ein Symposium Ende
2015 in Berlin zum
Thema «Theater mit
Menschen mit geistiger
Behinderung» gezeigt
hat, ist das Theater
HORA vermutlich das
professionellste, qualitativ hochstehendste
und vor allem aber auch
das kreativste Theater
in Europa, in dem aus-
schliesslich Menschen mit einer kognitiven
Beeinträchtigung auf der Bühne stehen
und agieren. So konnte das HORA immer
wieder auch Trends setzen, wie zur Zeit,
indem Schauspieler/-innen nicht nur beeindruckend spielen, sondern seit neustem
auch eigene Regiearbeiten vor ein Publikum bringen.
Kommen wir abschliessend noch auf
das Geld zu sprechen. Was man ja in der
Regel nicht tut, aber beim HORA ist alles
möglich. Auch mit diesem Preisggeld ist
das HORA nach wie vor auf IHRE Spenden angewiesen. Warum? Es sind vor allem
zwei Hauptgründe, die dafür verantwortlich
sind. Da ist zum einen der Fakt, dass das
HORA, wie eben schon angedeutet, nicht
nur auf der Bühne, sondern auch dahinter, mittlerweile ein äusserst professionell
geführter Betrieb ist. Das wiederum bedeutet, dass es zur Verwirklichung diverser
Produktionen einer Reihe von Funktionen
bedarf, die von Menschen besetzt werden müssen, die von ausserhalb kommen,
aber auch bezahlt sein wollen. Zu nennen
wären insbesondere die Funktionen eines
Dramaturgen sowie einer PR-Fachperson.
Diese Personen, zumeist als Freelancer
angestellt, können nicht über das handelsübliche Budget abgerechnet werden,
sondern sind zusätzlich. Zum zweiten ist
wie oben schon angedeutet, das HORA
immer wieder für eine Überraschung gut,
d.h. es wagt sich in Bereiche vor, die experimentell, neu, unbekannt sind. Für
solche Projekte kann man kaum Anträge
an Stiftungen oder andere (z.B. staatliche) Geldgeber stellen. Gerade das
aber ist eine Stärke des HORA, dass es
immer wieder Projekte kreiert, die – als
Wagnis – natürlich auch quasi in einem
luft- (oder vielmehr: geld-)leeren Raum finanziert werden müssen … Das kostet und
muss aber auch erhalten werden können.
Diese Projekte werden weniger von einer
breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, wie
das z.B. beim Stück DISABLED THEATER
der Fall war. Aber diese Projekte werden,
und das zeigt auch dieser Ring, von einem
kunst- und theaterinteressierten Publikum
sehr wohl wahrgenommen.
Fazit: Bleiben Sie uns gewogen, besuchen Sie die Vorstellungen des Theater
HORA (www.hora.ch) und vergessen Sie
nicht, dass wir – nach wie vor – auf IHRE
Spenden angewiesen sind.
Aber jetzt freuen wir uns einfach mal
sehr darüber, dass wir diesen Ring verliehen bekommen haben.
Dr. Ricco Bonfranchi
(Präsident des Fördervereins
des Theater HORA)
AUTONOMIE
4
AUTONOMIE AUS SICHT VON NELE JAHNKE,
STV. KÜNSTLERISCHE LEITERIN
GEDANKEN UND FRAGEN
Autonomie hat für mich damit zu tun, dass
ich Entscheidungen treffe und ich eigene
Systeme und Logiken entwickle, in denen
ich handle. Es ist ein Ort, an dem ich niemanden frage, was ich tun soll, muss oder
darf. Ein Ort, an dem ich selber bestimmen kann und niemand mir etwas vorgibt.
Trotzdem gibt es Grenzen. Diese sind dort
angelegt, wo ich andere gefährde.
Brauche ich ein Bewusstsein in Bezug
auf das, was ich tue, damit ich autonom
sein kann? Was bedeutet Autonomie, wenn
ich geistig behindert bin? Welche Wahlmöglichkeiten habe ich dann wirklich? Was
ist das für eine Freiheit /Autonomie, wenn
ich zwischen 50 Fernsehkanälen oder 50
Shampoo-Sorten entscheiden kann?
Aber es geht ja nicht darum, dass ich
zwischen den Angeboten anderer wähle,
sondern darum, selber dafür zu sorgen,
dass neue Formen entstehen. Dann scheitert man vielleicht, aber man probiert aus,
versucht es und übernimmt Verantwortung.
Man setzt eigene Logiken in diese Welt, die
immer homogener und ängstlicher wird.
FREIE REPUBLIK HORA
Bei FREIE REPUBLIK HORA geht es darum, selber aktiv zu werden, sprich selber
zu machen. Es geht um die Autonomie
der eigenen Kunst, des eigenen künstlerischen Schaffens eines jeden Regisseurs
von Theater HORA, und es geht um die
Diversität dieser Kunst, denn jede Autonomie ist individuell, jeder Künstler arbeitet anders und schafft damit individuelle
Kunst. Zwingen wir die HORAs mit FREIE
REPUBLIK HORA zur Freiheit? Noch während ich diese Zeilen schreibe, frage ich
mich, wie das wohl klingt: «Wir zwingen
ihnen eine Freiheit auf.»
Mir persönlich geht es darum, dass
diejenigen HORAs, die das wollen, einen
autonomen Raum bekommen. Es ist kein
Zwang, es ist ein Angebot. Und es gibt ein
paar Regeln, die wir als künstlerische Leitung klar formulieren und damit beschliessen, wo die Autonomie endet – die Rede
ist von Sex, Gewalt, Sachbeschädigung.
Eine Ausnahme ist es dann, wenn diesbezüglich eine Vereinbarung besteht und
sich niemand verletzt.
In diesem gerahmten autonomen Raum
können die HORAs ihre künstlerische Eigentlichkeit ausleben, erfahren und somit
Entscheidungen treffen, die Konsequenzen
haben – sei es im Schönen, im Banalen, im
Materiellen, hin und wieder auch im Grausamen. Manchmal ist es grauenvoll, weil sie
sich angreifbar machen, oder aber wundervoll, weil sie gewisse Dinge selber getan
haben. Sie haben sich Dinge überlegt und
schliesslich realisiert, ganz autonom. Sie
folgen einer eigenen Logik, einer eigenen
Eigentlichkeit. Somit wehren sie sich mittels
autonomer Handlungen dagegen, dass
diese Welt immer homogener wird.
Warum spreche ich für sie? Wer bin ich,
dass ich über sie schreibe? Das sind alles
nur meine subjektiven Projektionen auf sie,
durchdrungen von meinem persönlichen
Glauben, dass man sich als Künstler/-in
angreifbar macht und wir als Menschen
und Künstler/-in für unsere Entscheidungen
Verantwortung übernehmen müssen.
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
5
6
AUTONOMIE
7
AUTONOMIE AUS SICHT
VON ROLI STROBEL, HORA’BAND
Im Fremdwörterlexikon steht, Autonomie
bedeute Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Weiter meint autonom (griech.) auch
«nach eigenen Gesetzen lebend». Dies
kommt dem Theater HORA schon sehr
nahe. Mit dem Duo Grande/Wick Ross als
Hauptakteure der HORA‘BAND lernte ich
eindrückliche Lektionen in Sachen Autonomie. Diese beiden lassen sich beispielsweise kaum was sagen, höchstens bitten
vielleicht. Aber das ist durchaus okay so.
Schon vor 20 Jahren hatte Andreas (Res)
Grande autonom beschlossen, das leidige
Briefeschreiben von Michi Elber an Bundesrätin Ruth Dreyfuss besser selber an die
Hand zu nehmen. Und in Folge dessen ihm
auch gleich mitzuteilen, dass er in Zukunft
sowieso lieber Musik machen möchte als
Theater spielen und Briefe schreiben. Apropos schreiben. Später hat Grande dann
ein eigenes Buch geschrieben. Es heisst
«Die Geschichte von Sonja und Paula»
und wurde in Eigenregie physisch und zum
Download auf dem Internet veröffentlicht.
Autonomie ist zum Beispiel, wenn Andreas
Grande mit Tätowierungen an den Armen und tiefster Tom Waits-Stimme die
HORA‘BAND gründet, um sie 12 Jahre später als Frau Sandra Grande mit Fistelstimme zwecks Eheschliessung und Gründung
eines gemeinsamen Haushaltes Richtung
Trier, Deutschland, wieder zu verlassen.
Wie viele eigenwillige (autonome!) Entscheidungen hier dazwischen liegen, wird
selbst in einem Buch kaum Platz finden.
Und dann Denise Wick Ross. Diese erdenschwere Raumstation des fast schon
Überirdischen. Sie schreibt absolut auto-
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
nom ihre unnahbaren Gedanken über unser Sonnensystem in Form von Melodien
und Liedern, die uns für immer bleiben. Eine
Person so gelassen und lethargisch, dass
ich hinter ihr stets den Schutz von etwas
Mächtigem vermute, wo ich aber leider
nie hinkomme. Alles zu gross, zu eigensinnig, zu unabhängig, zu autonom vielleicht.
Oder dann der Gitarrist Enrico Rizzi,
der in seinem Hirn wohl mehr Crashs erlebt
hat als die gesamte zivile und militärische
Luftfahrtsgeschichte zusammengerechnet
(siehe auch Autopilot). Dadurch dass er
sich nicht mehr als acht Töne in Folge merken kann, entwickelte er musikalische Freiheiten und Fähigkeiten, um die ihn selbst
gestandene Jazzmusiker beneiden. Er ist
der Erfinder einer Art Glasperlenspiel mit
ständig variierten Tönen, die weitergehen,
bis die Musik irgendwie endet. Jeder Ton
entsteht bei ihm aus dem Moment heraus.
Das ist musikalische Autonomie in Vollendung. Ihr merkt, ich gerate ins Schwärmen.
Ist wohl besser, wenn ich aufhöre.
Eigentlich hätte ich gerne Sandra Grande um ihre persönliche Definition von Autonomie gebeten. Aber da sie jährlich
mehrfach ganz autonom ihre Handynummer wechselt, habe ich grad keine passende Nummer.
Für mich heisst Autonomie, dass Menschen aus eigenem Antrieb heraus ihre
eigenen Entscheidungen treffen und sie
dann auch umsetzen und realisieren. Und
dafür bietet das Theater HORA viele gute
Beispiele.
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
AUTONOMIE
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AUTONOMIE AUS SICHT VON URS BEELER,
AUSBILDUNGSLEITER THEATER HORA
AUTONOMIE IN DER AUSBILDUNG
Die Unmittelbarkeit des Augenblicks macht
Theater zu einem einmaligen Live-Erlebnis, ganz im Gegensatz zum Film. Dadurch erfährt Autonomie auf der Bühne
eine besondere Bedeutung. Als Regisseur
schätze ich autonome Spieler/-innen. Sie
übernehmen Verantwortung für ihr Handeln, sind erfinderisch, machen Spielangebote und nehmen Autorenschaft für
ihre Rolle. Sobald ein/-e Spieler/-in in der
Aufführungssituation jedoch handelt, wie
es ihm/ihr gerade nach dem Sinn steht,
sei es im Affekt oder im vollsten Bewusstsein, kommt Autonomie als eine Macht ins
Spiel, die Mitspieler/-innen schachmatt
setzen kann.
Autonomie kann also für Mitspieler
und Regisseur Segen und Fluch gleichzeitig sein, je nachdem wie die Schauspieler/
-innen mit ihr umgehen. Das macht Autonomie in der Ausbildung zu einem zentralen Thema.
AUTONOMIE WILL GELERNT SEIN
Ich halte es mit der Autonomie wie mit der
Demokratie: Ohne Spielregeln, Auseinandersetzung und gegenseitige Akzeptanz
geht gar nichts. Autonomie kennt klare
Grenzen. Sie beginnen beim anderen,
dem Du. Sobald ich in den körperlichen
Schutz-Raum des Du eingreife, dessen Intimdistanz ignoriere, habe ich das Limit
der Autonomie überschritten. Dies zu begreifen ist schon mal sehr schwierig, insbesondere für viele Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Stehen sie dann
noch als Schauspieler/-innen auf der
Bühne, wird die Situation noch komplexer, denn im Theater gelten andere Gesetzmässigkeiten und Spielregeln. Spiele
ich eine machtgierige Figur, einen Bösewicht oder bin ich Protagonist/-in einer
Liebesszene, verletze ich per Rollendefinition den Schutz-Raum des andern. Und
doch muss dieser bestehen bleiben, indem
ich lediglich «so tue als ob». Es muss mir
immer bewusst sein, dass ich weder
Probe- noch Aufführungssituationen zur
Befriedigung persönlicher Bedürfnisse
missbrauchen darf. Und gleichzeitig, dass
das «so tun als ob» lediglich auf der Bühne seine Berechtigung hat. Hängen die Kostüme wieder an den Kleiderbügeln, treten die Schauspieler/-innen die Freiheit
des Spielens ab. Die Unterschiedlichkeit
des Handelns im gesellschaftlichen Kontext, respektive auf der Bühne, birgt somit
einigen Konfliktstoff.
9
licher Gedanke ins Spiel: Autonomie in
gestalterischen Ausbildungen und Berufen
versteht sich je nach Medium anders. Einzelkünstler haben immer die Möglichkeit,
autonom zu funktionieren. Ensemblespieler, sei es im Tanz, Theater oder der Musik,
binden sich an Verantwortlichkeit.
AUTONOMIE
UND VERANTWORTLICHKEIT
Der Umgang mit Freiheit will gelernt sein.
Viele der jungen Lernenden wachsen (über-)
behütet auf und erleben je nach situativen
Verhältnissen möglicherweise auch weiterhin eine intensive Begleitung. Mit durch-
schnittlich 18 Jahren wechseln sie direkt
aus der Schule in die Schauspielausbildung. Nicht unverständlich, dass den meisten Erfahrung und Bewusstsein für sich zu
lernen fehlen. In der Ausbildung werden
sie nun mit Freiheiten konfrontiert, welche
für sie bislang unbekannt waren. Dies führt
zu Überforderung, denn wer Freiheit will,
muss Verantwortung übernehmen, privat,
in der Gesellschaft und im Beruf, sich selber und anderen gegenüber. Doch das will
gelernt sein.
RECHT UND PFLICHT
Autonomie bewegt sich zwischen den Polen Rechte und Pflichten. Beides bedingt
sich gegenseitig, das eine ist ebenso wichtig wie das andere. Dies lässt sich vielleicht
am Besten mit einem Probeprozess vergleichen. Er verändert sich bis zur Inszenierung vom Chaos hin zu Ordnung und
Struktur. Vergleiche lassen sich auch mit
Mannschaftssportarten ziehen. Welcher
Fussballtrainer wünscht sich nicht den einen und anderen kreativen Spieler. Aber
auch für sie gelten dieselben Spielregeln.
Zudem weiss jeder Trainer, dass zu viel
Kreativität im selben Team sich neutralisiert. Somit kommt ein weiterer wesent-
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
MENSCHEN RUND UMS THEATER HORA
10
RICCO BONFRANCHI
INTERVIEWT
BEAT VILLIGER
Kannst du dich kurz vorstellen.
Beat Villiger, 59, Regierungsrat CVP Kanton Zug, wohnhaft in Baar, verheiratet
mit Rita, 3 Kinder, Daniel, Jeannine und
Fabienne
Wie seid Ihr auf das HORA gekommen bzw.
wie kam der Entscheid zu Stande, dass
Fabienne ins HORA gehen könnte, sollte?
Fabienne hat vor dem Theater HORA eine
Erstausbildung im Barbara Keller Heim in
Küsnacht/ZH gemacht. Der Betrieb hat ihr
sehr gut gefallen. So richtig gepackt hat sie
die Arbeit in der Hauswirtschaft aber nie.
Das Theater HORA kannten wir von einem
Auftritt in Fabiennes Schule. Wir waren sofort begeistert. Fabienne hatte allerdings
gar keine Freude, dass Menschen mit einer Behinderung in ihrem Schulhaus Theater spielen. Es war ihr unangenehm, ja fast
peinlich. Durch die Integration in der Schule fehlte ihr der Zugang zu Menschen mit
einer Beeinträchtigung. Fabiennes Mutter liess der Gedanke jedoch nicht mehr
los. Es vergingen zwei Jahre, bis Fabienne
dann zum ersten Mal Theaterluft bei Hora
schnupperte. Nach dem ersten Tag war
für Fabienne klar: «Das will ich machen.»
Umso grösser war die Freude, als Fabienne
die Zusage für die Schauspielausbildung
bei HORA bekam. Ich erinnere mich noch
gut, wie meine Frau Rita, unsere Töchter
Fabienne und Jeannine und ich nach dem
Gespräch überglücklich in der Globus-Bar
sassen und mit einem Prosecco auf die
Ausbildung anstiessen.
Wie war es für Dich, als Du erfuhrst, dass
Deine Tochter das Down-Syndrom hat?
Hat sich Deine Einstellung hierzu im Laufe
der Jahre geändert?
Es war ein Schock. Wir waren tagelang wie
gelähmt und überfordert, fragten uns nach
dem Warum. In Gesprächen mit Fachleuten, aber auch mit Betroffenen und dem
Lesen von Literatur zu diesem Thema bekamen wir wieder etwas Boden unter die
Füsse. Schon bald war Fabienne der Sonnenschein unserer Familie und auch im Bekanntenkreis. Unsere Tochter hat uns immer
wieder die Augen geöffnet – für das Grosse
im Kleinen, für das Immaterielle und Unscheinbare, für die Freude an persönlichen
Fortschritten. Durch meine frühere Tätigkeit als Gemeindeschreiber kam ich oft mit
sozialen Fragen und auch mit Behinderten
in Kontakt. Ich hatte nie Berührungsängste, war einige Jahre im Vorstand einer
Behindertenorganisation und Vormund
eines Mannes mit Down-Syndrom.
Was denkst Du über die pränatale Diagnostik, die heute ein übliches Verfahren
geworden ist?
Das ist eine ganz schwierige Frage. Ein
Wechselgefühl zwischen Selbstbestimmung, Moral, Ethik und einer gebotenen
notwendigen Eigenverantwortlichkeit. Ich
wurde damals auch gefragt, ob man eine
medizinische Abklärung gemacht habe. Unsere Antwort war immer die gleiche, nämlich nein, weil sich bei einer festgestellten
Behinderung beim ungeborenen Kinde ja
immer auch die Abtreibungsfrage stellt. Ob
wir heute eine Abklärung machen würden,
kann ich nicht sagen. Wir haben drei wunderbare Kinder und bei keinem eine Diagnose machen lassen, und unsere Fabienne
mit Trisomie 21 ist für mich eine schöne,
nicht wegzudenkende Bereicherung.
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
11
Was denkst Du oder geht in Dir vor, wenn
Du Deine Tochter auf der Bühne erlebst,
z.B. in dem Stück NORMALITÄT?
Ja da gehen mir immer viele Gedanken
durch den Kopf. Zum Beispiel, dass HORA
seine Schauspieler in ein möglichst selbstbestimmtes Leben, in ein tätiges Dasein
führt. Damit wird ihnen Sinn und Glück
vermittelt – und das Bewusstsein, dass es
auch auf sie ankommt.
Fabienne liebt das Theater, ihre Vorgesetzten sowie ihre Mitspielenden. Dass
sie dabei glücklich ist, ist für mich das
Wichtigste. Das Theater HORA gibt ihr Lebensinhalt und Geborgenheit zugleich.
Dass sie hier eine Ausbildung machen konnte und eine Anstellung als Schauspielerin
gefunden hat, macht mich stolz. Das Stück
NORMALITÄT ist für alle, die Schauspieler
und die Zuschauer sehr anspruchsvoll,
auch intellektuell. Aber Theater darf und
muss provozieren und zum Nachdenken
anregen. Dass Behinderte in diese Sphäre
einzutauchen wagen, spricht für HORA
und diese wunderbare Theatertruppe.
Du bist ja auch Politiker? Wie beurteilst Du
die Behindertenpolitik der Schweiz?
Nach unserer Bundesverfassung misst sich
die Stärke des Volkes am Wohl der Schwachen. Daran muss die Behindertenpolitik
weiter arbeiten. Aber auch dieser Teil der
Politik steht immer auch im Spagat zwischen Anspruch und Finanzierbarkeit. Auch
die Frage nach Separation oder Integration beschäftigt mich immer wieder. Ich bin
der Meinung, dass hier je nach Situation
beurteilt werden muss. Fabienne hatte das
Glück, dass sie ab dem Kindergarten bis
zur 3. Sekundarschulklasse mit entsprechendem Stützunterricht während ihrer
wichtigen Jugendzeit in der Schule und da-
mit auch in der Gesellschaft integriert war.
Leider fehlen ab dieser Integration vielfach
dann die weiterführenden Möglichkeiten,
wie Anlehre und Beschäftigung in Unternehmungen. Die Politik muss Schwächeren
den Zugang zur Gesellschaft ermöglichen.
Wer Behinderten eine Tür zur Welt öffnet,
sie stärkt, ihnen Selbstvertrauen und Orientierung und damit einen Lebenssinn gibt,
der wirkt jenseits einer Erledigungsmentalität. Der wirkt mit seiner Person und mit
seiner Passion. Begleiten, Bilden, Stärken:
Das ist eine Kunst. Das erlebt meine Tochter
hier im HORA, das sollten alle Menschen
mit einer Beeinträchtigung erleben dürfen.
Wie siehst Du Fabiennes Zukunft?
Wir haben bei Fabienne nie grosse Zukunftspläne geschmiedet. Ich mag es ihr
gönnen, wenn sie noch möglichst lange als
Schauspielerin tätig und gesund sein kann
und noch lange bei uns wohnt. Fabienne
hat sich stark weiterentwickelt, seit sie im
HORA ist. Als Schauspielerin beim Theater
HORA wird von ihr gefordert, dass sie kreativ ist und sich aktiv bei der Entstehung von
neuen Produktionen einbringt. Dies hilft ihr
auch im Privaten dabei, selbständiger Entscheidungen zu treffen und Dingen auch
kritisch gegenüberzustehen.
Sorgen macht mir etwas, dass wir Eltern älter werden und eines Tages Fabienne
alleine ist. Wir haben deshalb schon bei ihrer
Volljährigkeit ihre Schwester Jeannine als
gesetzlichen Beistand eingesetzt. Jeannine
ist für Fabienne wie eine zweite Mutter
und wird sicherlich einmal gut für Fabienne
sorgen. Wichtig ist mir, dass sie eine klare
Tagesstruktur hat mit Aufgaben und Freiräumen und dass sie sich im familiären Umfeld, in ihrem grossen Freundeskreis und
mit ihrem Freund Gianni weiterhin wohlund glücklich fühlen kann.
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
KOLUMNE
12
GESPRÄCH ZWISCHEN EINEM
HORA-SCHAUSPIELER (MIT DS) UND
SEINEM BETREUER
AUSBILDUNG
13
THEATERWERKSTATT
AUFFÜHRUNG
DAS KIND IM
MOND
DIE AUSSCHREIBUNG ZUR 11. THEATERWERKSTATT
2016/17 FÜR KINDER & JUGENDLICHE LÄUFT!
Interessiert? Dann melde Dich an. Wir proben jeweils
Samstag, 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl, Rotwandstrasse 4, 8004 Zürich.
Leitung: Urs Beeler, Ausbildungsleiter Theater HORA
Die weibliche Form ist hier mitgemeint / S = Schauspieler; B = Betreuer
B: Ich habe gesehen, dass du im Flugzeug
wieder voll zugegriffen hast,
als die Schokoladen verteilt wurden.
S: Stimmt ja gar nicht.
B: Stimmt sehr wohl, hab’s ja genau
gesehen.
S: Ja, und?
B: Das macht man nicht!
S: Hmm, warum nicht?
B: Das ist nicht höflich, man langt da nicht
mit der ganzen Hand rein.
S: Sie bieten es ja einem an.
B: Das stimmt schon. Aber man tut es
trotzdem nicht.
Man nimmt dann nur eins.
S: Warum?
B: Das weisst du doch. So mit der ganzen
Hand reinlangen ist eben unhöflich.
Weisst du das nicht?
S: Ja, doch, aber wenn sie es doch
anbieten.
B: Aha, du weisst also, dass du eigentlich
nur eines nehmen sollst.
S: Hmm.
B: Weisst du, wer mit der ganzen Hand
rein langen darf?
S: Nein.
B: Kinder oder Behinderte.
S: Ich bin erwachsen, selbständig und
nicht behindert!!!
B: Okay, aber du bist einverstanden,
dass Kinder und Behinderte mit
der ganzen Hand reinfassen dürfen.
Da lacht man sogar dabei.
S: Einverstanden, oki, doki.
B: Okay, warum machst du es dann, wenn
du kein Kind und nicht behindert bist?
S: Weiss ich nicht …
B: Das finde ich keine gute Antwort.
S: Hmm, ist mir doch egal.
B: Wirst du beim nächsten Mal wieder mit
der ganzen Hand reinlangen?
S: Nein!
B: Okay, das finde ich super!
Beim nächsten Flug, konnte man beobachten, wie der o.e. Schauspieler die Flugbegleiterin freundlich anlächelte und sie fragte,
ob er mehrere Schokolädli nehmen könne? Er bräuchte noch welche für eine Kollegin, die nicht dabei wäre. Die Flugbegleiterin füllte ihm eine ganze Tüte mit diesen Schokoladentäfelchen ab und gab sie
ihm freundlich lächelnd.
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
Mehr Informationen unter: www.machtheater.ch oder
beegeo@bluewin.ch und T 078 634 30 34
IM REPERTOIRE
Nach dem Bilderbuch von Jürg Schubiger und Aljoscha Blau.
Ein musikalisches Stück Familie und
zeitlose Parabel über das AndersSein – ab Schulalter
Der Mond, weil er nah ist und doch unerreichbar, bannt den Blick
und bündelt unsere Sehnsüchte. Aber wer hätte gedacht, dass
es umgekehrt genauso ist? Dass auf dem Mond ein Mann, seine
Frau, ein Kind und ein Hund sitzen, dass sie zur Erde blicken und
sich sehnen? Nach und nach wächst im Kind eine riesige Sehnsucht nach dem blauen Planeten. Und eines Tages stürzt es einfach davon …
AUFFÜHRUNG
BABY, I WANT YOU!
WORKSHOPS
Unsere Workshops bieten die Möglichkeit, in der direkten Begegnung mit den jungen Schauspiellernenden deren Expressivität,
Emotionalität, Direktheit, aber auch Verrücktheit zu erleben und
über das gemeinsame Spiel eigene Grenzen auszuloten und Ungewöhnliches zu entdecken. Wer sich auf das Spiel einlässt, hat die
Chance (Schwellen-)Angst ab- und Vertrauen aufzubauen und zu
erkennen, dass «normal auch anders sein kann». Ein Perspektivwechsel, der durchaus zur Hinterfragung gesellschaftlicher Normen
oder normierter Gesellschaftlichkeit führen kann.
ANDERSSEIN – DIE TRIADE
Theater, Gespräch & Workshop, eine Begegnung mit Menschen
mit einer Beeinträchtigung.
GUGUSDADA – DIE LUST AM SPIELEN
Was verbindet die Spieler/-innen des Theater HORA mit Pipi
Langstrumpf und Unssinnpoesie?
DIE ABNORMITÄT DES ALLTÄGLICHEN –
WENN NORMAL ANDERS IST
Die Teilnehmenden lernen Arbeitsweisen der Ausbildung kennen,
erleben das Potential des Einfachen und beschäftigen sich mit
Jandl-Gedichten im Kontext gestalterischen Arbeitens.
Detaillierte Informationen unter: www.hora.ch oder bei Urs Beeler,
Ausbildungsleiter T 078 634 30 34, u.beeler@zueriwerk.ch
PREMIERE
VORAUSSICHTLICH ENDE JUNI 2016
Eigenproduktion mit bekannter Pop- und Soul-Musik
ab der 5. Klasse
Fünf junge Erwachsene forschen nach Identität, entdecken ihren
Körper, suchen in ihm Heimat, erkunden Beziehung, träumen von
einer Freundin, einem Traumprinzen, von romantischer Liebe, einer
Traumhochzeit, einer Familie …
HORA Magazin Nr. 41, Juni 2016
14
AGENDA 2016
15
FREIE REPUBLIK
HORA
In der Phase 3 des Langzeitprojekts Freie Republik HORA nutzen sechs von einer Fachjury ausgewählte Ensemblemitglieder jeweils eine Probewoche lang die HORA-Räumlichkeiten und den Rest des HORA-Ensembles exklusiv für die Realisierung ihres eigenen
szenischen Projekts. Dazu erhalten sie auch ein eigenes Produktionsbudget, mit dem
sie externe Theaterschaffende engagieren können. Zwischen Mittwoch, dem 29.6. und
Montag, dem 4.7.2016 werden alle sechs dabei entstandenen 1-Woche-Inszenierungen
noch einmal gebündelt in einer Retrospektive im Fabriktheater gezeigt. Zuschauer/-innen,
die bereit sind, ihre Meinung zum Gesehenen im eigens eingerichteten Video-Beichtstuhl aufzeichnen zu lassen, erhalten den Eintrittspreis zurück.
JUNI
FRH3 – DIE RÄUBER
Theater HORA / Frank Thomas
Mittwoch, 29. Juni, 20:00 Uhr
FRH3 – DAS FESTESSEN
DER PRÄSIDENTIN …
Theater HORA / Gianni Blumer
Donnerstag, 30. Juni, 20:00 Uhr
JULI
FRH3 – ÜBER LEBEN
AUF DER STRASSE
Theater HORA / Sara Hess
Freitag, 1. Juli, 20:00 Uhr
FRH3 – RANDEN SAFT HORROR
Theater HORA / Tiziana Pagliaro
Samstag, 2. Juli, 20:00 Uhr
FRH3 – ICH SAGE NUR
EIN WORT
Theater HORA / Matthias Brücker
Sonntag, 3. Juli, 20:00 Uhr
FRH3 – ZYKLUS
Theater HORA / Nora Tosconi
Montag, 4. Juli, 20:00 Uhr
VORVERKAUF: Starticket, www.starticket.ch
TICKETRESERVATIONEN: Fabriktheater/Rote Fabrik, fabriktheater@rotefabrik.ch, 044 485 58 28
AKTUELLE DATEN UND INFORMATIONEN entnehmen Sie unserem Newsletter oder online auf unserem Spielplan www.hora.ch.
FREIE REPUBLIK HORA, PHASE 3: WEISSE HEMDEN UND ROTER SAFT
16
ANGEBOT – PUBLIKATIONEN
HORA BUCH
THEATER HORA – DER EINZIGE
UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND
SALVADOR DALÍ IST, DASS WIR
NICHT DALÍ SIND
Das Buch der Bücher – erschienen im Verlag Theater der Zeit! Alles, was Sie schon
immer über die ersten 20 Jahre von Theater
HORA wissen wollten, aber nie zu fragen
wagten. 672 Seiten Bilder, Originalbeiträge, Dokumente aus dem HORA-Archiv und
Erinnerungen, Werkstattgespräche, Praxisanleitungen, allesamt mit Vorabzusammenfassungen in leichter Sprache, dazu Presseberichte, Verzeichnisse und Karten sowie
eine DVD mit Praxis-Vorführungen von
Michael Elbers Theatertraining und eine
CD mit bislang unveröffentlichten Songs
der HORA‘BAND.
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 20.–
Lieferung nach Hause CHF 40.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
17
DISABLED
THEATER
NOT JUST A
MIRROR
Ein 245 Seiten starker Sammelband in englischer Sprache ausgehend von der HORAProduktion DISABLED THEATER von
Jérôme Bel. Herausgegeben von Sandra
Umathum und Benjamin Wihstutz, mit
Beiträgen von Jérôme Bel, Kai von Eickels,
Kati Kroß, André Lepecki, Lars Nowak,
Yvonne Rainer, Yvonne Schmidt, Gerald
Siegmund, Sandra Umathum, Scott Wallin,
Benjamin Wihstutz und den Ensemblemitgliedern des Theater HORA.
LOOKING FOR THE POLITICAL
THEATRE OF TODAY
Buchbestellung im Buchhandel oder auf
www.diaphanes.com
Für den von Florian Malzacher herausgegebenen, im Berliner Alexander-Verlag
erschienenen Sammelband «Not just a
mirror. Looking for the political theatre of
today» porträtierte der Mainzer Theaterwissenschaftler Benjamin Wihstutz Theater
HORA als eine von 15 exemplarischen
Gruppen und Einzelkünstler/-innen, die
Theater als politisches Labor der Gegenwart begreifen und in ihrer Arbeit aktiv
gesellschaftsverändernd agieren.
Buchbestellung im Buchhandel oder auf
www.alexander-verlag.com
ANGEBOT – MUSIK UND FILM
18
FÖRDERVEREIN THEATER HORA
SO SCHÖN
WIE NIE
RAUMSCHIFF
HORA
ABER AUCH
ICH
CD HORA‘BAND
CD HORA‘BAND
FILMPORTRAIT
Die erste CD der HORA’BAND, mit den
Songs «Sixties», «Faces on the Wall», «Blue
Sea Mermaid», «Küss mich jetzt!», «Magic
Gold Rock», «Trees», «Neues aus unserem
und anderen Sonnensystemen», «Monster
Bash», «Don’t walk away», «Moon Dust»,
«Die Wüste lebt», «Desire», «Für die Liebe»
sowie dem Videoclip zu «Magic Gold Rock».
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 15.–
Lieferung nach Hause: CHF 20.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
Die zweite CD der HORA’BAND, mit den
Songs «Heaven’s Shoals», «Take it easy on
yourself», «Coca Light», «Up and Down»,
«Indian Summer», «Raumschiff HORA»,
«I’m always chasing rainbows», In the
morning», «The Dagger», «Going Underground» und «Eifach gah».
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 15.–
Lieferung nach Hause: CHF 20.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
Filmportrait über das Theater HORA und
seine Schauspieler/-innen Ende der 1990er
Jahre. Regisseur Urs Wäckerli setzt Szenen
aus der HORA-Produktion AN-SEHEN
ODER GSEHSCH MI? von 1995 und
Momentaufnahmen aus dem realen, täglichen Leben der Hauptdarsteller/-innen
gegeneinander. Eine Hommage nicht zuletzt an die früh verstorbene HORA-Legende Andy Wittwer. 87 min, dazu als Bonusmaterial Interviews mit Michael Elber
und Urs Wäckerli.
Abholpreis im HORA-Büro: CHF 20.–
Lieferung nach Hause: CHF 30.– (Bestellung bitte per Mail an theater@hora.ch)
WARUM MACHT ES SINN, MITGLIED
DES FÖRDERVEREINS
DES THEATER HORA ZU SEIN?
Das Theater HORA ist eine Abteilung der
Stiftung Züriwerk. Diese trägt das HORA,
indem sie u.a. die Löhne der festangestellten Mitarbeiter/-innen übernimmt. Es ist
aber auch ein offenes Geheimnis, dass die
Stiftung Züriwerk vom Kanton Zürich verordnete Einsparungen vornehmen muss.
Wenn nun das Theater HORA Projekte
durchführen will, so kann dies nicht ohne
gewisse Investitionen durchgeführt werden.
Hier springt nun der Förderverein ein. Mit
einem Jahresbeitrag von CHF 150.– unterstützen Sie dieses in der Schweiz einmalige Vorhaben, nämlich ein professionell
geführtes Theater mit professionell tätigen
Schauspielern/-innen mit einer geistigen
Behinderung. Um weiter anspruchsvolle
und spannende Projekte zu realisieren,
ist das Theater HORA auf IHRE Unterstützung angewiesen. In Zeiten, in denen
öffentliche Gelder spärlicher fliessen, sind
Beiträge von Gönnern/-innen umso wichtiger. Darum macht es Sinn, Mitglied des
Fördervereins des Theater HORA zu sein!
Herzlichen Dank
Dr. Ricco Bonfranchi, Präsident
Förderverein Theater HORA
AKTUELLES
ANMELDETALON
WERDEN SIE MITGLIED
UND SCHENKEN SIE IHREN LIEBEN
ETWAS VON HORA!
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unterstützen und Mitglied werden.
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Jahresbeitrag (Kalenderjahr) Mitgliedschaft Förderverein: CHF 150.–
Gutscheine zum Weiterverschenken, pro Gutschein: CHF 40.–
Angaben für Einzahlung Mitgliedschaft:
Förderverein Theater HORA, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
Konto: 80-54072-7, IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Zahlungszweck: Mitgliedschaft 2016
oder nutzen Sie den beigelegten Einzahlungsschein.
Talon einsenden, mailen oder faxen an:
Theater HORA – Stiftung Züriwerk, Baslerstr. 30, 8048 Zürich,
theater@hora.ch, F 044 405 71 10
An 20. April 2016 fand die Mitgliederversammlung des Fördervereins statt.
Wir freuen uns, die neugewählten Vorstandsmitglieder bekannt geben zu dürfen: Solveig Butenhoff, Alex Oberholzer,
Katharina Stoll-Zurbuchen, Mark Zumbühl.
Weiterhin im Vorstand sind Andrea Ackermann und der Präsident Ricco Bonfranchi.
Auf der Homepage www.hora.ch der
Vereinsseite finden Sie die aktuellen Unterlagen zur Mitgliederversammlung.
DANK
IMPRESSUM
Ein herzliches Dankeschön an all unseren
treuen Mitgliedern und Spendern/-innen
für die Unterstützung der HORA-Produktionen und der Abteilung Ausbildung.
Mit Ihren grossen und kleinen Einzahlungen auf das Fördervereinkonto tragen Sie dazu bei, dass der Förderverein
weiterhin ein wichtiger Unterstützer für die
HORA-Projekte ist.
HORA Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Ricco Bonfranchi, Nani Khakshouri
Gestaltung
Stillhart Konzept
und Gestaltung, Zürich
Fotos
Niklaus Spoerri, Michael Bause,
Kevin Lee, Urs Beeler,
Hugo Glendinning, Frances d’Ath
Papier
Gedruckt auf
FSC ®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz AG, Zürich
Spenden ab CHF 300.–
S. Andrea-Renz
J. Dalloz
J. Faber
L. Griesser
J. Meier
Pro Familia Glarus
Unterstützer
Alexis Viktor Thalberg Stiftung
Bachmann Kolbrunner Stiftung
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Hamasil Stiftung
MBF Foundation
Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung
Stadt Zürich Kultur
Stiftung Symphasis
Koproduzent
Fabriktheater / Rote Fabrik
HORA Magazin Nr. 41
Juni 2016
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40
F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
-
11/2015 – HORA Magazin Nr. 40
NR. 40 NOVEMBER 2015
INHALTSVERZEICHNIS
3–5
HORA-PRODUKTIONEN
Freie Republik HORA, Phase 3
6–7
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit Cora Frost
8
KOLUMNE
Wie ist das eigentlich mit
Michael Elbers Ethik?
9
AUSBILDUNG
Theater und Workshop
Freie Plätze in
der Schnupperzeit
10
ANGEBOT
Theater-Workshop mit
den HORAs
Gesucht
HORA’BAND
HORA-Buch
13
RÜCKBLICK
Zirkus des Fortschritts –
eine Aufführungsreihe
von Theater HORA
und HELMI im Juni 2015
AGENDA 15. NOVEMBER 2015 – 4. JULI 2016
THEATER HORA
IN ZÜRICH UND AUF TOURNEE
KONZERTE
HORA‘BAND
15. November 2015, 18:15 Uhr
El Lokal, Zürich
zusammen mit dem amerikanischen
Songwriter Brett Newski
21. November 2015, 20:30 Uhr
Kulturhaus Odeon, Brugg
3. Dezember 2015, 20:00 Uhr
Theater Uri, Altdorf
HUMAN
RESOURCES
12. und 13. Dezember 2015, 19:00 Uhr
Kampnagel, Hamburg
FREIE
REPUBLIK
HORA
PHASE 3
Januar – Juni 2016
6 Projekte
Backstein/Rote Fabrik, Zürich
27. Juni – 4. Juli 2016
Aufführungsreihe
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
ABTEILUNG AUSBILDUNG
DAS KIND IM
MOND
BAD ADVICE
9. Dezember, 14:00 Uhr
Casino-Saal, Aussersihl
29. und 30. Januar 2016, 20:30 Uhr
Theater Ticino, Wädenswil
13. Dezember, 15:00 Uhr
Casino-Saal, Aussersihl
Weitere Daten entnehmen Sie dem Spielplan unter www.hora.ch.
INHALTSVERZEICHNIS
3–5
HORA-PRODUKTIONEN
Freie Republik HORA, Phase 3
6–7
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit Cora Frost
8
KOLUMNE
Wie ist das eigentlich mit
Michael Elbers Ethik?
9
AUSBILDUNG
Theater und Workshop
Freie Plätze in
der Schnupperzeit
10
ANGEBOT
Theater-Workshop mit
den HORAs
Gesucht
HORA’BAND
HORA-Buch
13
RÜCKBLICK
Zirkus des Fortschritts –
eine Aufführungsreihe
von Theater HORA
und HELMI im Juni 2015
EDITORIAL
LIEBE HORA-FREUNDE/-INNEN
Nicht alle lieben uns!
Je grösser der Erfolg, je mehr kritische Stimmen lassen sich vernehmen. Ist ja auch
normal. So verstehen zum Beispiel nicht
alle, warum wir um Himmels willen unseren
«geistig behinderten» Schauspielern/-innen
nun auch noch permanent in immer neuen
Projekten Führungspositionen in Form von
Regie überlassen wollen. An Schauspieler/
-innen mit einer «geistigen Behinderung» hat
man/frau sich in der Kulturszene schweren Herzens gewöhnen MÜSSEN. Aber ein
Schauspieler hat ja auch nicht zu denken!
Hat keine Verantwortung zu übernehmen!
Hat nur zu gehorchen! Das können die
HORA-Schauspieler/-innen. Aber Führungspositionen übernehmen? Geschweige
denn ein Konzept überlegen. Strategisch
denken …
Der Kopf ist rund, damit das Denken die
Richtung wechseln kann. Francis Picabia
Ich denke zum Beispiel, dass man besser
alle Flüchtlinge mit dem Flugzeug dahin
reisen lassen würde, wo sie hinwollen. Sie
hätten dann wenigstens genügend Geld,
um unsere Wirtschaft anzukurbeln. Könnten sich sofort integrieren, wenn man sie
mit offenen Armen empfinge. Weil: Reichtum
haben wir immer noch genug! Wovor haben
wir um Gottes willen Angst?
Entschuldigung: Auch das ein Gedanke, den man nicht einfach denken darf.
Gehört nicht hierhin! Aber beschäftigt mich
die ganze Zeit. Jetzt! Wo bleibt unsere Gesellschaft, wenn man Undenkbares schon
gar nicht mehr denken darf?
Die Gedanken sind frei, wer soll das verbieten. Hoffmann von Fallersleben
Nun, wir denken anders! Wir denken gerne
quer. Erstens müssen nämlich auch Schauspieler/-innen viel Verantwortung übernehmen und zweitens trauen wir unseren
Ensemblemitgliedern auch zu, absolut
bahnbrechende Ergebnisse zu erzielen,
die Kunstwelt zu bereichern mit ihren Konzepten und Inszenierungen. Sofern man
sie an ihre Fähigkeiten glauben lässt, wenn
man sie tun lässt, was sie wollen, und wenn
man ihnen assistiert. Das ist übrigens eine
Haltung, die für viele Bereiche gilt! Wohlverstanden: Assistenz! Keine Beeinflussung,
keine Ratschläge, Tipps oder Leitplanken!
Nun gut: wir können uns täuschen.
Aber auch hier sind wir viel zu schlau, um
uns das vorwerfen zu lassen. Für uns selber haben wir Leitplanken eingerichtet.
Verschiedentlich werden all unsere
Ideen mit Workshops und Kolloquien der
Theaterwissenschaft begleitet und wissenschaftlich ausgewertet. Über das neue
Projekt FREIE REPUBLIK HORA, Phase 3
und den aufregenden Weg bis zur Veröffentlichung werden voraussichtlich ein
Buch und eine DVD erscheinen.
Dieses Vorhaben wird unterstützt
vom Schweizerischen Nationalfonds zur
Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Wir freuen uns, dass man unsere Arbeit kritisch und mit offenem Geist verfolgt.
Herzliche Grüsse
Michael Elber
HORA-PRODUKTIONEN
3
FREIE REPUBLIK
HORA, PHASE 3
HORA-Schauspieler/-innen diktieren Inszenierungskonzepte
mit fünf vorgegebenen Bedingungen. Eine internationale
Jury wählt die sechs vielversprechendsten Konzepte aus.
Nun werden diese Projekte produziert.
Unter dem Titel FREIE REPUBLIK HORA,
Phase 3 (Die fünf Bedingungen) startet
eines der waghalsigsten Projekte in der
Geschichte von Theater HORA. Die künstlerische Leitung von HORA hat viel zu verlieren und wenig zu gewinnen und trotzdem müssen wir es einfach tun. Warum?
Weil wir verrückt sind? Auch wir wissen
darauf keine schlüssige Antwort. Aber: Wir
vertrauen unseren Ensemblemitgliedern.
Und es geht um das Interesse, im Sinne der
Kunst immer wieder mal Grenzen zu überschreiten. Diese Narrenfreiheit nehmen wir
uns. Wir machen Kunst und nicht Politik.
Unser Wahnsinn wird sogar dokumentiert.
Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
unterstützt das Projekt DISABILITY ON
STAGE des Institutes for the Performing
Arts and Film der ZHdK. Im Rahmen dessen werden unsere täglichen Versuche,
diesen Inszenierungen unserer Ensemblemitglieder mit viel Geduld zu assistieren
und Raum zu geben (nicht: es zu meistern!) filmisch festgehalten. Später sollen
eine DVD und ein Buch zu diesem Projekt
erscheinen. Wie bei einem Outdoor-Abenteuer müssen auch bei der HORA eigenen Risiko-Lust-am-Scheitern die Dosen
erhöht werden. Darum nun Regiearbeiten
von Menschen mit einer geistigen Behinderung. Menschen, die normalerweise
doch Leitplanken brauchen und keine
Führungspositionen einnehmen können.
Wir entschuldigen uns bereits jetzt bei
FREIE REPUBLIK HORA, PHASE 3: WEISSE HEMDEN UND ROTER SAFT
allen, die sich gerne «normal verständliches» Theater wünschen ohne Anspruch
auf ein künstlerisches Risiko. Wobei: Vielleicht wird ja unter Umständen auch normal verständliches Theater inszeniert! Wir
wissen es schlichtweg nicht und geben das
Steuerrad aus der Hand! Unverantwortlich?
Verboten? Gemeingefährlich? Spannend!
Unter dem Titel «Freie Republik HORA»
hat vor zwei Jahren etwas begonnen,
was nicht mehr aufzuhalten ist. Die Eroberung der Bühne und der Kunstwelt
durch Regiearbeiten unseres Ensembles.
Wenn Sie Ihre Wahrnehmung komplett
auf den Kopf stellen, die letzten Sicherheiten sich nehmen, sich Tausende Fragen
und keine Antworten geben lassen wollen … Wenn Sie Lust darauf haben, nicht
immer alles besser zu wissen. WENN SIE
NEUGIERIG SIND UND SICH FÜR NEUE
WEGE INTERESSIEREN: Hereinspaziert!
Ansonsten besser Musikantenstadl! Wobei: Auch bei uns ist Musikantenstadl
hoch im Kurs! Was gilt denn nun?
Dass wir mit unseren Absichten ganz im
Trend sind, beweist auch eine Einladung
von drei Regie-Produktionen aus dem Projekt FREIE REPUBLIK HORA ans Festival
«No Limits» im November in Berlin. Unter
dem Titel «Wen kümmert’s, wer spricht?»
konnten Noha Badir, Matthias Brücker
und Nora Tosconi ihre alten Inszenierungen
während eines dreitägigen Symposiums
einem Fachpublikum zeigen.
Nun beginnt also 2016 unter dem Titel
FREIE REPUBLIK HORA, Phase 3 die dritte Phase unseres weltweit einzigartigen
Vorhabens. 13 Ensemblemitglieder haben
uns im Sommer 2015 ihre Regiekonzepte
diktiert. Von diesen 13 Ideen wurden durch
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
4
eine internationale, renommierte Jury aus
Kulturschaffenden sechs Projekte ausgewählt. Im ersten Halbjahr 2016 kommt es
zu sechs mit Garantie aussergewöhnlichen Inszenierungen. Bitte verlangen Sie
Ihr Geld zurück, wenn Sie die Inszenierung nicht aussergewöhnlich finden. Wir
erwarten nicht mehr und nicht weniger,
als dass die Inszenierungen AUSSERGEWÖHNLICH sein werden.
Als kleine Vorschau hier die ersten drei
Sätze von jedem der sechs ausgewählten
Konzepte.
RÄUBER
Konzept und Regie von Frankie Thomas
5
ÜBER LEBEN AUF DER STRASSE
Konzept und Regie von Sara Hess
Schauplatz dieses Theaterprojekts ist New
York City, eine Stadt mit sehr viel Kriminalität. Es wird viel geklaut, und man muss um
das eigene Leben kämpfen und auf der Hut
sein. Es wird viel gebettelt und geschnorrt,
Musik gemacht und geschossen …
DAS FESTESSEN DER NEUEN
PRÄSIDENTIN VON «HUNGER GAMES»
Konzept und Regie von Gianni Blumer
Dieses Theaterprojekt spielt in einem
Schloss. Das Bühnenbild ist aus Pappschachteln. In dem Schloss leben Räuber …
WEISSE HEMDEN UND ROTER SAFT
Konzept und Regie von Tiziana Pagliaro
Auf der Bühne: 100 weisse Hemden, 100
Liter Randensaft, und auf dem Bühnenboden 100 Decken oder 100 Zeitungen
– gegen das Tropfen. Die drei HORASchauspieler Matthias Brücker, Matthias
Grandjean und Gianni Blumer (3 Männer) leeren die hundert Liter Randensaft
aus – auf die weissen Hemden. Wenn alle
Flaschen leer sind, malen sie sich an mit
dem roten Saft und machen sich, wie in
einem Horrorfilm, das Gesicht rot damit.
3 FRAGEN AN DIE REGISSEURE
ICH SAGE KEIN WORT
Konzept und Regie von Matthias Brücker
Die Bühne soll in diesem Theaterprojekt ca.
5 cm unter Wasser stehen. Aus dieser Wasserfläche ragen schwarzgestrichene, unterschiedlich hohe Holzpfähle/-blocks heraus, so viele, wie es HORA-Schauspieler/
-innen gibt – denn auf jedem dieser Pfähle steht jeweils ein HORA-Schauspieler.
Alle HORA-Schauspieler/-innen tragen eng
anliegende weisse Overalls und haben
Gesicht, Haare und Hände weiss geschminkt …
Auf der Bühne: Links und rechts Festbänke und Tische, insgesamt fünf. In der Mitte
ein roter Teppich mit zwei Thronen. Und
eine spezielle Krone …
ZYKLUS
Konzept und Regie von Nora Tosconi
Es fällt kein Name und sie spielt nicht mit.
Ihr Name wird nicht genannt. Was passiert, passiert ganz leise: Ein Lachen und
ein schönes Gesicht …
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
Was möchtest du dass die Zuschauer denken oder fühlen, nachdem sie dein Stück
gesehen haben. Tiziana: Sie sollen zuschauen. Sie sollen im Zuschauergespräch dann
mitreden. Sie sollen Freude haben, glücklich sein, lachen. Gianni: Die Zuschauer
sollen glücklich sein. Zweitens müssen sie
lachen. Freude haben. Und sie sollen es
weiter erzählen Nora: O Gott, das habe
ich mir nicht überlegt. Gemischte Gefühle. Und auch ein wenig nachdenken
sollen sie und sich auch freuen. Frankie:
Sie sollen sich freuen. Spass haben!
Matthias B.: Die Zuschauer sollen sich weggeschoben fühlen. Die Zuschauer sollen ein
schlechtes Gefühl haben. Sie sollen ein
schlechtes Gewissen haben wegen der
Sexszenen. Ich möchte das Thema kritisieren. Ich möchte ein Publikumsgespräch
haben danach. Ich möchte keinen Behindertenbonus. Sara: Nachdenklich sollen
sie sein. Übers Stück sollen sie nachdenken. Sie sollen Freude daran haben zuzuschauen.
Freust du dich auf diese Regiearbeit?
Warum? Tiziana: Mega. Weil ich die drei
Jungs ausgewählt habe. Gianni: Sehr, ja.
Weil Katness Everdeen die Hauptrolle
hat. Ich freue mich auf alle, die mitmachen. Nora: Ja, doch. Ja dass ich mal was eigenständig leiten kann. Frankie: Ja, mach ich
gerne! Wegen der Musik die ich einspielen kann, Beatrice Egli, Energy. Matthias B.:
Ja mega! Weil ich das gerne mache mit
den Schauspieler/-innen. Das heisst Arbeit. Sara: Ja. Weil ich mal ein Regiestück
machen kann und es nimmt mich wunder,
wie es bei den Leuten ankommt. Und ich
kann mal meine Phantasie ausleben.
Was erwartest du von deinen Schauspielern/-innen? Tiziana: Sie sollen sich anziehen. Ohne Schmuck. Gianni: Erstens dass
sie die Kostüme bringen. Und dass sie Freude haben am Theaterspielen. Nora: Dass
sie motiviert und engagiert sind und Freude haben. Frankie: Sie sollen mit Karton
spielen. Matthias B.: Dass sie Profis sind. Dass
mehr herauskommt. Dass man eine Entwicklung sieht. Nur das. Sara: Dass sie motiviert sind und Freude haben am Spiel.
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
MENSCHEN RUND UMS THEATER HORA
RICCO BONFRANCHI
INTERVIEWT
CORA FROST
Kannst du dich kurz vorstellen?
Ich bin gerne, wo ich gerade bin. Zur Zeit
als Frau in Berlin.
Woran arbeitest du gerade?
An «Zirkus des Fortschritts» mit dem Helmi
Theater und an einem Soloprogramm, in
dem ich zu Peter Frost werde.
Wie ist dein Bezug zu Menschen mit geistiger Behinderung?
Angefangen hat es mit meiner grossen Liebe zu Tante Inge. Sie war schizophren und
hat uns vier Kinder besucht. Meine älteren
Schwestern mochten sie gar nicht. Mein
Bruder und ich schon. Sie wollte Kinder
bekommen, durfte aber nicht. Ich habe
ein Lied für sie geschrieben. Hier die erste
Strophe:
Inge, dies Lied ist für dich. Nie hat jemand deinen Hunger gestillt. Nichts hat
jemals deinen Magen gefüllt. Dein Hunger
war so gross wie ein Haus, wie eine ganze
Stadt. Und nie konntest du sagen, hier bin
ich satt, hier bin ich satt.
Man lernt wenige Behinderte kennen.
Die Gesellschaft ist doch sehr getrennt. Als
Kind, in einem Buch, ein Held von mir, der
hatte einen geistig behinderten Freund.
Das wollte ich dann auch.
Wie ist das für dich, mit ihnen zu spielen?
… Wir waren überrascht von der Disziplin
und der Schärfe, mit der alles durchgeführt wurde, konterkariert von sehr viel
Humor und Respekt von beiden Seiten.
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
7
Ausserdem konnte man sich in der gemeinsamen Arbeit auf produktive Kritik
verlassen, und dies alles möchte ich extra
erwähnen, denn an anderen Häusern und
Gruppen mag sich oft Gegenteiliges begeben und begeben haben. Wir waren etwas
überfordert mit der Menge der Schauspieler und den emotionalen Ereignissen
von Entschlüssen und dem Verabschieden
einiger, da wir immer mehr HORAs in Herz
und Denken und Gespräche eingeschlossen hatten. Wir lernten uns kennen, langsam und auf eine sehr körperliche Art. Wir
redeten über Sex, Liebe, Kinderkriegen,
Popstars. Kauften zusammen ein, schnippelten Gemüse und putzten zusammen.
Und wir lernten, was Expression ist. Ein
Tanz über seine Beziehung zu einer Kollegin war wie ein öffentliches, einmaliges
Reinigungsritual von einem Medizinmann
durchgeführt …
aus einem Text, den Cora nach der gemeinsamen Aufführung von
«MARS ATTACKS» geschrieben hat
Denkst du, dass Theater mit und von Menschen mit einer geistigen Behinderung ihre
Integration in die Gesellschaft fördert oder
hat dies evtl. gar keine Auswirkungen?
Es geht darum, Räume zu schaffen bzw.
Mauern einzureissen. Es bemühen sich
viele Leute, die etwas bewirken wollen.
Aber oft geschieht dann das Gegenteil,
und das ist schade. Der Umgang mit dem
HORA ist schon anders. Jegliches Theater
fördert Integration, weil Theater ein Multiplikator ist, und sich jeweils Kennen-Lernen ist immer gut.
Was würde es für dich bedeuten, wenn
ein Kind von dir eine geistige Behinderung
hätte?
Ich habe keine Kinder. Dass die Diagnostik dem Gesellschaftsmodell der schönen
neuen Welt entgegenkommt, kann man
nicht von der Hand weisen. Das heisst auch
industrielle Optimierung für Menschen, ihre
Körper, Psyche und Arbeitskraft.
Was ist dir wichtig im Leben?
Das Leben. Die Lebenskraft wahrnehmen,
die sich in verschiedener Art und Weise
äussern kann. Ich glaube an das Chaos.
Ich glaube, Ordnung ist Faschismus. Aus
Chaos kann Ordnung entstehen, die wieder Chaos werden muss usw. Wichtig ist
auch, dass man Wände durchbricht. Fliegen, ohne nach unten zu sehen, dann wäre
man angstfrei. Und Leben heisst für mich,
angstfrei zu sein. Man muss darauf vertrauen, dass man Hoffnung hat. Man lässt
etwas zurück, wenn man stirbt. Es kann
nur ein Molekül sein. Leben ist für mich
auch Musik.
Was ist dir wichtig auf der Bühne?
Zauberei, Spiel, das Spielchaos und Ordnung. Ein Erlebnis, das aus dem Nichts
entsteht, ist gleich Magie. Man holt gemeinsam mit der Gruppe etwas hervor,
von dem man vorher gar nicht wusste,
dass es existiert. Und dann gemeinsam mit
dem Publikum. Theater hat mit Leben zu
tun. Die Themen müssen mit dem Leben
verbunden sein.
Wie siehst du eine evtl. Zukunft von HELMI
und HORA?
Was weiss man schon? Aber immer erstmal jedenfalls JA!
Liebe Cora, ich danke dir für das Gespräch.
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
KOLUMNE
8
WIE IST DAS EIGENTLICH MIT
MICHAEL ELBERS ETHIK?
Vielleicht kennen Sie Michi Elber bereits,
vielleicht aber auch nicht. Egal. Michi ist
der Gründer des Theater HORA und hat
sein früheres Hobby, nämlich Theater
spielen mit kognitiv beeinträchtigten Menschen, zu einem respektablen, professionell geführten Unternehmen ausgebaut,
das heute in der Stiftung Züriwerk einen
eigenständigen Bereich darstellt.
Aber darüber soll heute nicht reflektiert werden. Vielmehr geht es darum, mal
dem Geheimnis auf die Spur zu kommen,
WIE dieser Elber in seiner heutigen Rolle
als künstlerischer Leiter mit seinen mittlerweile 13 Schauspielern/-innen arbeitet.
Es geht hier also nicht um seine künstlerisch-ästhetischen Fähigkeiten, die sind
ja sowieso unbestritten. Wäre doch, so
meine These, der grosse Erfolg des Stücks
DISABLED THEATER ohne seine langjährige Aufbauarbeit nicht denkbar.
Wie geht er mit den Leuten, sprich
Schauspielern/-innen, um? Nach welchen
Guidelines lässt er sich leiten? Ich habe
ihn hierzu NICHT interviewt. Ich glaube,
es wäre nicht allzuviel Schlaues dabei heraus gekommen. Vielmehr hat mir mein
Philosophiestudium hier weiter geholfen.
Da gibt es nämlich in der Ethik den Ansatz der beiden amerikanischen Ethiker
Beauchamp & Childress. Die gehen von
einem Modell aus, das vier zentrale ethische Prinzipien in den Mittelpunkt stellt,
nämlich: Gerechtigkeit, Autonomie, NichtSchaden, Fürsorge/Wohltun.
Ich unterstelle hier mal, dass Michi
diesen Ethik-Ansatz nicht kennt. Aber das
macht nichts, er stimmt trotzdem. Will
heissen, aus meinen Beobachtungen bei
seiner Arbeit orientiert er sich – intuitiv –
an diesen vier Prinzipien. Dabei muss man
wissen, dass jedes dieser Prinzipien gleichwertig im Verhältnis zu den anderen steht.
So ist also nicht z. B. die Autonomie wichtiger als die Gerechtigkeit. Das bedeutet,
dass je nach Situation, je nach Person,
die an einem Geschehen beteiligt ist, sowohl das eine oder eben auch das andere Prinzip wichtiger sein kann. So kann es
sehr wohl sein, dass Michi bei dem einen
Schauspieler, um ihn zu schützen, dem
Nicht-Schaden-Prinzip den Vorzug gibt
und damit evtl. eine gewisse Gerechtigkeit
gegenüber einer anderen Schauspielerin
verletzt, oder umgekehrt. In einer anderen
Situation ist evtl. genau das Gegenteil der
Fall. Auf den ersten Blick erscheint einem,
wenn man Michi bei der Arbeit zusieht,
dass für ihn das Autonomieprinzip über
allem steht. M. E. ist dem aber nicht so. Oft
kann man nämlich sehr wohl auch grosse
Anteile des Fürsorge/Wohltun-Prinzips erkennen. Aber wie gesagt: 5 Minuten später kann es sich auch wieder ins Gegenteil
verkehren. Wichtig ist ebenfalls zu wissen,
dass wenn sich bei einer Person in Bezug
auf ihre Einschätzung z. B. des Nicht-Schaden-Prinzips etwas ändert, dies immer
auch Auswirkungen auf die anderen drei
Prinzipien hat. Ganz schön komplex, das
Ganze, bzw. man sieht, dass Michi diverse
Faktoren berücksichtigen muss, wenn etwas Schönes (!) dabei herauskommen soll.
AUSBILDUNG
9
SCHULE & KULTUR UNTERSTÜTZT
DAS ANGEBOT
ANDERSSEIN
THEATER UND WORKSHOP
Die zur Auswahl stehenden Stücke ENTE,
TOD & TULPE und DAS KIND IM MOND
setzen sich mit Themen wie Loslassen, Zulassen und dem Reiz des Fremden, auseinander. In der anschliessenden Diskussion
stellen sich die Spieler/-innen den Fragen
der Klassen und erzählen über sich und
ihren Beruf, über Wünsche und Sehnsüchte. Dabei wird spürbar wie es sich lebt im
«Anderssein».
Der abschliessende Workshop bietet
den Schülern die Möglichkeit, über das gemeinsame Spiel bei sich selber Neues und
Ungewöhnliches zu entdecken. So kann in
vielfältigen Situationen (Schwellen-)Angst
abgebaut, Vertrauen aufgebaut und erlebt werden, ob «normal» nicht auch anders sein kann.
Weitere Informationen zu den Angeboten
unter: www.hora.ch (Bilden / Die HORA Ausbildung), www.hora.ch (Bilden / Anderssein) oder bei Ausbildungsleiter Urs Beeler:
u.beeler@zueriwerk.ch oder 078 634 30 34
FREIE PLÄTZE
IN DER SCHNUPPERZEIT ZUR SCHAUSPIEL-AUSBILDUNG
2016/18
Seit Sommer 2009 führt das Theater
HORA – Stiftung Züriwerk die zweijährige Berufsausbildung «Praktiker/-in (PrA)
Schauspielerei». Diese INSOS-zertifizierte
Lehre richtet sich an darstellerisch oder
musikalisch begabte Menschen. Die Ausbildung bietet eine Weiterentwicklung in
den individuellen darstellerischen und musikalischen Kompetenzen. Gleichzeitig werden die sozialen Fähigkeiten im fachspezifischen, schulischen, hauswirtschaftlichen
und handwerklichen Bereich gefördert.
Die Auszubildenden werden vertraut
gemacht mit Probe- und Aufführungssituationen sowie dem Assistieren in Workshops. Wichtig: Sie sind nach bestandener
Ausbildung zu einer Anstellung im Theater
HORA-Ensemble befähigt! Die Schnupperzeit findet vom 11. – 29. Januar 2016 im
Casino-Saal Aussersihl statt.
Ricco Bonfranchi
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
ANGEBOT
10
THEATER-WORKSHOP
MIT DEN HORAs
Samstag: 20. Februar 2016, 10–16 Uhr, dazwischen eine zweistündige Mittagspause.
Rote Fabrik, Zürich Wollishofen. BacksteinRaum. Der Workshop ist kostenlos.
Angeboten wird der Workshop von Remo
Zarantonello, geboren 1990, ausgebildeter
Schauspieler im Theater HORA.
Dieser Workshop ist für Leute, die Interesse
am Theater spielen haben, für Menschen
mit oder ohne Behinderung, jeden Alters,
jeden Berufs. Sie müssen nichts können,
sollen nur Lust mitbringen, und wer möchte, nimmt Trainingskleider mit. Alle müssen
Turnschuhe mitbringen. Man kann sich sowohl als Gruppe als auch einzeln anmelden. Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt auf
30 Plätze.
Der Workshop zeigt, was die Schauspieler/
-innen im Theater HORA machen: Spiele,
wie Kennenlern-Spiele und ImprovisationsÜbungen. Vier bis sechs HORA-Schauspieler/-innen werden anwesend sein, um
die Spiele und Übungen vorzuzeigen. Wer
möchte, kann sein Essen mitbringen, oder
man kann auswärts essen (z.B. Restaurant
Ziegel oder Migros Morgental). Um 15:30
Informationsaustausch und Fragestellung.
Interessiert? Dann melden Sie sich unter
theater@hora.ch
Die Workshops des Theater HORA verstehen sich als ein ästhetisch, persönlich und
sozial bildendes Medium, als ganzheitliches
Erleben und Lernen. Die Auseinandersetzung mit Rollen, Identitäten, Emotionen
und Geschichten ist gleichzeitig auch eine
Auseinandersetzung mit sich selbst, den
eigenen Gefühlen, dem Körper mit seinen
individuellen Ausdrucksmöglichkeiten, dem
Leben an sich. Die spielerische Begegnung
mit den HORAs legt Potentiale frei und
bietet vor allem Möglichkeiten unbelastet
zu spielen – mit Illusion, Utopien und Wirklichkeit –, im Spiel Ängste zu nehmen, sich
in Flexibilität zu üben, Ungewöhnliches oder
Überraschendes zu entdecken, gemeinsam
Geschichten und Absurditäten zu erfinden.
GESUCHT
FÜR DIE PRODUKTION DER SECHS INSZENIERUNGEN
UNTER DEM TITEL FREIE REPUBLIK HORA, PHASE 3
100 WEISSE HEMDEN
Ob klein, gross, alt, neu, getragen, sauber,
verschmutzt, kaputt, mit Kragen, ohne
Kragen, für Männer, für Frauen EGAL!
Sie müssen einfach als weisse Hemden
erkennbar sein.
20 KINDERWAGEN
Ob klein, gross, alt, neu, gebraucht,
sauber, verschmutzt, kaputt, mit Räder,
ohne Räder, blau, gelb, rot, schwarz
EGAL! Sie müssen einfach als Kinderwagen erkennbar sein. Werden abgeholt!
BLASINSTRUMENTE,
STREICHINSTRUMENTE, TRIANGELN
Ob klein, gross, alt, neu, gebraucht, kaputt, mit Beulen, ohne Beulen, Sie müssen einfach zur Klangerzeugung taugen.
Werden abgeholt!
SOFAS
Übergabe vereinbaren unter:
theater@hora.ch
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
11
HORA‘BAND
Kostproben der Songs auf
www.hora.ch (unter HORA‘BAND/Sound)
Die HORA‘BAND kann man buchen:
HORA Büro, T 044 405 71 40,
theater@hora.ch
oder direkt mit dem Bandleader
Kontakt aufnehmen:
Roli Strobel, roli.s@gmx.ch
HORA-BUCH
THEATER HORA – DER EINZIGE
UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND
SALVADOR DALÌ IST,
DASS WIR NICHT DALÌ SIND
Wie aus einem Theaterkurs in einem Zürcher Wohnheim für geistig behinderte Frauen ein mittlerweile weltweit tourendes Theaterunternehmen wurde, vermittelt dieses
Buch in Bildern, Gesprächen, Werkstattberichten, Praxisanleitungen, Erinnerungen,
Karten und zahlreichen Dokumenten aus
dem HORA-Archiv. Beigelegt sind eine
DVD, u. a. mit Praxisvorführungen von
Michael Elbers Theatertraining, und eine
unveröffentlichte HORA‘BAND-CD.
Es können noch Bücher zum Vorzugspreis
über theater@hora.ch bestellt oder am
liebsten gleich abgeholt werden (ein Buch
ist rund 3 kg schwer).
Weihnachtsaktion: Schenken Sie Ihren
Liebsten ein HORA-BUCH zum Spezialpreis! Abholpreis CHF 20.–, Lieferung nach
Hause: CHF 40.–. Die Aktion gilt ab sofort.
FREIE REPUBLIK HORA, PHASE 3: WEISSE HEMDEN UND ROTER SAFT
RÜCKBLICK
ZIRKUS DES FORTSCHRITTS –
EINE AUFFÜHRUNGSREIHE
VON THEATER HORA UND DAS HELMI
IM JUNI 2015 IN BERLIN
titanic. grandjean hat alle kostüme ausgebreitet und probiert seit stunden herum.
dann ist er fertig mit kostüm. und setzt sich
hin. er ist jetzt maler. in ny sagt julia am
ende der titanic. die frau ist eine sängerin in
ny. und leo die cabrio ist ein maler in ny geworden und zeichnet sie. nachdem tiziana
unter allen bewerbern in «ein bett und
1000 kerzen» zweimal matthias brücker
zum liebhaber erwählt hatte sang julia
FÖRDERVEREIN THEATER HORA
DANK
WARUM MACHT ES SINN, MITGLIED
DES FÖRDERVEREINS
DES THEATER HORA ZU SEIN?
Ein herzliches Dankeschön aller HORAs
an unsere Mitglieder und Spender für ihre
Treue und Beiträge für die HORA-Produktionen. Mit ihren Einzahlungen tragen sie
dazu bei, dass der Förderverein weiterhin
ein wichtiger Unterstützer für HORA-Produktionen sein kann.
Das Theater HORA ist eine Abteilung der
Stiftung Züriwerk. Diese trägt das HORA,
indem sie u.a. die Löhne der festangestellten Mitarbeiter/-innen übernimmt. Es ist
aber auch ein offenes Geheimnis, dass die
Stiftung Züriwerk vom Kanton Zürich verordnete Einsparungen vornehmen muss.
Wenn nun das Theater HORA Projekte
durchführen will, so kann dies nicht ohne
gewisse Investitionen durchgeführt werden.
Hier springt nun der Förderverein ein. Mit
einem Jahresbeitrag von CHF 150.– unterstützen Sie dieses in der Schweiz einmalige Vorhaben, nämlich ein professionell
geführtes Theater mit professionell tätigen
Schauspielern/-innen mit einer geistigen
Behinderung. Um weiter anspruchsvolle
und spannende Projekte zu realisieren,
ist das Theater HORA auf IHRE Unterstützung angewiesen. In Zeiten, in denen
öffentliche Gelder spärlicher fliessen, sind
Beiträge von Gönnern/-innen umso wichtiger. Darum macht es Sinn, Mitglied des
Fördervereins des Theater HORA zu sein!
Herzlichen Dank
Dr. Ricco Bonfranchi, Präsident
Förderverein Theater HORA
SPENDEN AB CHF 300.–
Chramschopf Zollikerberg, Evang.
Ref. Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg
Evang. Ref Kirchgemeinde Rümlang,
A. Fritzsche, Theatergruppe Dorian (Thun)
UNTERSTÜTZER
Förderverein Theater HORA, Vontobel
Stiftung, Hamasil Stiftung, Stadt Zürich
Kultur, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Fachstelle Kultur Kanton Zürich,
G + B Schwyzer Stiftung, Paul Schiller
Stiftung, Stiftung Denk an mich
KOPRODUZENTEN
Fabriktheater/Rote Fabrik, Zürich
Festival Auawirleben, Bern
Festival wildwuchs, Basel
Compagnie Drift, Zürich
kraut_produktion, Zürich
Teatro Sociale, Bellinzona
Theater Schlachthaus, Bern
nun ein sehr langes liebeslied für leonardo
den maler (grandjean), der vor ihr auf der
eisscholle sitzt (und nach einer kuss probe, julia sagt, aber: hand vors maul (beim
küssen)). also die frau sitzt vor leo der auf
der eisscholle sitzt und singt (so ungefähr):
die reich frau versinkt
ich bin ich du bist ich
du bist so ein tolle mann in meinem leben
ich bin du du bist du
ich bin frau du bist mann
ich bin frau
du bist da wo ich bin
du bist die frau die ich liebe
du bist der mann
ich weiss wie du aussiehst
du hast eine brille auf
du hast so eine süsse gesicht
du küsst so gut
ich bin ich du bist du
du bist so lieb zu mir
du siehst so wunderschön aus
du bringst mich zum lachen
mit deiner kugelbrille
die frau ist so wichtig wie ein schmuck
RÜCKBLICK
ZIRKUS DES FORTSCHRITTS –
EINE AUFFÜHRUNGSREIHE
VON THEATER HORA UND DAS HELMI
IM JUNI 2015 IN BERLIN
titanic. grandjean hat alle kostüme ausgebreitet und probiert seit stunden herum.
dann ist er fertig mit kostüm. und setzt sich
hin. er ist jetzt maler. in ny sagt julia am
ende der titanic. die frau ist eine sängerin in
ny. und leo die cabrio ist ein maler in ny geworden und zeichnet sie. nachdem tiziana
unter allen bewerbern in «ein bett und
1000 kerzen» zweimal matthias brücker
zum liebhaber erwählt hatte sang julia
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Theater HORA – Stiftung Züriwerk, Baslerstr. 30, 8048 Zürich, theater@hora.ch, F 044 405 71 10
nun ein sehr langes liebeslied für leonardo
den maler (grandjean), der vor ihr auf der
eisscholle sitzt (und nach einer kuss probe, julia sagt, aber: hand vors maul (beim
küssen)). also die frau sitzt vor leo der auf
der eisscholle sitzt und singt (so ungefähr):
die reich frau versinkt
ich bin ich du bist ich
du bist so ein tolle mann in meinem leben
ich bin du du bist du
ich bin frau du bist mann
ich bin frau
du bist da wo ich bin
du bist die frau die ich liebe
du bist der mann
ich weiss wie du aussiehst
du hast eine brille auf
du hast so eine süsse gesicht
du küsst so gut
ich bin ich du bist du
du bist so lieb zu mir
du siehst so wunderschön aus
du bringst mich zum lachen
mit deiner kugelbrille
die frau ist so wichtig wie ein schmuck
IMPRESSUM
HORA Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Ricco Bonfranchi, Nani Khakshouri
Gestaltung
Stillhart Konzept
und Gestaltung, Zürich
Fotos
Theater HORA, Nele Jahnke,
Brian Morrow
Papier
Gedruckt auf
FSC ®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz AG, Zürich
Kontakt
Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40
F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
HORA Magazin Nr. 40, November 2015
-
05/2015 – HORA Magazin Nr. 39
NR. 39 MAI 2015
INHALTSVERZEICHNIS
3
HORA-PRODUKTIONEN
Normalität. Ein Musical
Drillen im Kopf
Das Kind im Mond (Abschlussarbeit Ausbildung 1. Lehrjahr)
6
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit
Peter Brücker
8
KOLUMNE
Wie ist das eigentlich mit
den Caregivers?
9
ANGEBOT
Gastspielproduktionen
Workshops
HORA‘BAND
10
AUSBILDUNG
Ausbildung
Berufsfindungsjahr
Theaterwerkstatt
AGENDA 2015
AKTUELLE DATEN UND INFORMATIONEN WERDEN ÜBER UNSEREN
NEWSLETTER VERBREITET ODER KÖNNEN AUF UNSEREM SPIELPLAN
EINGESEHEN WERDEN (WWW.HORA.CH).
MAI
DRILLEN IM KOPF
Eine Herausforderung der
ungewohnten Art
26./28./29. Mai 2015, 19.30 Uhr
Backstein/Rote Fabrik
Beschränkte Platzzahl:
Reservationen über ticket@hora.ch
DAS KIND IM MOND
Abschlussarbeit Ausbildung 1. Lehrjahr
27. Mai 2015, 14.00 Uhr
31. Mai 2015, 15.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Reservationen über ticket@hora.ch
JUNI
DAS KIND IM MOND
3. Juni 2015, 14.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Reservationen über ticket@hora.ch
NORMALITÄT. EIN MUSICAL
Premiere: 5. Juni 2015, 20.00 Uhr
Weitere Daten: 6.–7. Juni 2015, 17.00 Uhr
8.–10. Juni 2015, 20.00 Uhr
Fabriktheater, Zürich
www.rotefabrik.ch, www.starticket.ch
12. Juni 2015, 19.00 Uhr
Festival Wildwuchs
Kaserne Rossstall I, Basel
www.wildwuchs.ch
JULI
NORMALITÄT. EIN MUSICAL
14. Juli 2015
Territori Festival Di Teatro in Spazi Urbani
www.territori.ch
SEPTEMBER
DISABLED THEATER
4. September 2015, 10.00 Uhr
5. September 2015, 19.30 Uhr
Hans Otto Theater, Potsdam
13. September 2015
Staatstheater Mainz
BAD ADVICE
15./19./20. September 2015
Theater Rigiblick, Zürich
HUMAN RESOURCES
15. September 2015
Staatstheater Mainz, U17
OKTOBER
HUMAN RESOURCES
16. Oktober 2015
Festival Grenzgänger, München
www.grenzgaenger-theater.de
NORMALITÄT. EIN MUSICAL
28./30./31. Oktober 2015
Schlachthaus Bern
INHALTSVERZEICHNIS
3
HORA-PRODUKTIONEN
Normalität. Ein Musical
Drillen im Kopf
Das Kind im Mond (Abschlussarbeit Ausbildung 1. Lehrjahr)
6
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit
Peter Brücker
8
KOLUMNE
Wie ist das eigentlich mit
den Caregivers?
9
ANGEBOT
Gastspielproduktionen
Workshops
HORA‘BAND
EDITORIAL
10
AUSBILDUNG
Ausbildung
Berufsfindungsjahr
Theaterwerkstatt
Ich schreibe Ihnen dieses Editorial von
meinem Krankenbett aus. Die zweiwöchige
Kanadatournee hat bei mir ihre Spuren
hinterlassen. Dass das Gastspielleben kein
Zuckerschlecken ist, wussten wir, aber dass
dann nicht mal die Ostertage genügend
Regeneration bieten würden, damit hatte
ich nicht gerechnet. Zum Glück kann ich
auf ein gut funktionierendes Team zurückgreifen. Heute weiss ich, auch wenn
ich einige Tage ausfalle, bricht bei meiner
Rückkehr nicht gleich der Bürotisch unter
der Last der liegengebliebenen Arbeit zusammen. Ich kann auf Arbeitskollegen/
-innen zählen und ohne schlechtes Gewissen meine Grippe mit der notwendigen
Ruhe auskurieren. Dies ist nicht selbstverständlich, wie Sie aus den nächsten Zeilen entnehmen können.
Mittlerweile ist unser Theater vergleichbar mit einer gut geölten Unternehmensmaschine. Anfang Juni erscheint mit
NORMALITÄT. EIN MUSICAL die dritte
Inszenierung in diesem Jahr. Mit BAD
ADVICE, einer Zusammenarbeit von der
Compagnie Drift und der HORA’BAND,
und HUMAN RESOURCES, einer Koproduktion mit kraut_produktion, haben weitere Bühnenstücke den Weg in
das Repertoire gefunden. In all diesen
Stücken sind Schauspieler/-innen bzw.
Musiker/-innen aus unserem Ensemble
mit dabei. Auch in näherer Zukunft wird
es weitere Projekte geben, bei deren Besetzung HORA-Schauspieler/-innen zu
sehen sein werden.
Ohne der tagtäglich unspektakulären Proben- bzw. Ausbildungsarbeit des
künstlerischen Leiters Michael Elber und
des Ausbildungsleiters Urs Beeler wäre so
eine Entwicklung undenkbar.
LIEBE LESERINNEN UND LESER
Aber gerade in diesen zwei Bereichen unseres Alltags fehlt ein Backup. Fällt eine
dieser Personen aus, gerät unser Betrieb
ins Stocken. Wir haben bis heute keine
befriedigende Lösung, um solche Ausfälle
zu überbrücken. Genau an solchen Vorkommnissen erkenne ich den Anteil an Pionierhaftigkeit, der immer noch vorhanden
ist. Ich bin überzeugt, auch dieses Problem
werden wir mit der Hilfe der Stiftung Züriwerk bald gelöst haben.
Liebe HORA-Freundin, lieber HORAFreund, auch ein erfolgreich laufendes
Theaterunternehmen kann ohne Unterstützung privater Spenden nicht überleben! Alle unsere Projekte leben zu einem
grossen Teil von Ihren Spenden. Vielen
Dank dafür!
Herzliche Grüsse
Giancarlo Marinucci
HORA-PRODUKTIONEN
3
NORMALITÄT.
EIN MUSICAL
von Nele Jahnke
Ein Leben von der Stange führen, so sein
wie alle anderen, wie wundervoll das klingt!
Einfach nur leben in einem behaglichen
Eigenheim mit einem sicheren Einkommen in einer harmonischen Zweierbeziehung, Nachwuchs nicht ausgeschlossen,
mit Sommerferien in den Bergen oder am
Meer und zum Jahrestag ein Kurztrip nach
Venedig. Mit anderen Worten: Normalität.
Doch nur selten laufen die Dinge in der
Wirklichkeit so reibungslos wie in einem
Schlager von Beatrice Egli. Und selbst die
Beziehung von Helene Fischer und Florian
Silbereisen ist vermutlich nur halb so harmonisch, wie sie in der «Schweizer Illustrierten» erscheint. Welche Wahlmöglichkeiten hat man überhaupt?
Dem durchschnittlichen Mitteleuropäer fällt es schwer, sich eine lebenswerte
Alternative zum bürgerlichen Lebensstil
vorzustellen. Zwischen einer wachsenden
Deregulierung der Arbeit, der Pflicht zur
permanenten Verfügbarkeit via Mail und
Mobiltelefon, einem steigenden Konkurrenzdruck und dem zunehmenden Verlust von Verlässlichkeiten sind die nichtbürgerlichen Utopien verloren gegangen.
Rückzug, Halt und eine heile Welt scheinen die Gesellschaftsmodelle zu bieten,
wie sie bereits in den Heimatfilmen der
50er propagiert wurden: sicheres Einkommen, grosse Liebe, Hochzeit, Eigenheim, Kinder …
Doch wie alle Utopien leuchtet auch
die bürgerliche in schillernden Farben vor
allem für die, denen sie verwehrt bleibt.
Menschen mit einer geistigen Behinderung
zum Beispiel. Scheinbar ungebrochen neh-
NORMALITÄT. EIN MUSICAL
men sie deshalb die paradiesgleiche Normalität und die allzu einfachen Botschaften der Schlager für bare Münze – als
Glücksversprechen und Lebensmodell.
Ohne zu zögern, machen sie sich an den
Versuch, das zu leben, was alle anderen
zu sublimieren versuchen.
Denn diese anderen, von denen die
Aneignung der gesellschaftlichen Normalität gewissermassen erwartet wird, gehen
leichthin auf ironische Distanz zu ihr, flüchten in ihre Intellektualisierung und lehnen
sie letztendlich vielleicht doch nur aus
Versagensangst ab. Aber in NORMALITÄT.
EIN MUSICAL stellt sich das grosse Glück
ein. Die grosse Perfektion. Wir sind die perfekte Mitte.
Ging es in den Produktionen DISABLED THEATER und MARS ATTACKS!
um Exotik und Exotisierung von Menschen, die sich in irgendeiner Form von der
Durchschnittsgesellschaft unterscheiden,
steht diesmal die Durchschnittsgesellschaft und ihre so genannte Normalität
selbst im Fokus.
DRILLEN IM KOPF
… UND KEINE
FREIE REPUBLIK
Auszüge aus einem Interview mit dem Titel «Erziehung: ‹Zwang
funktioniert›» im «Spiegel» vom 24.1.2011 mit Amy Chua,
der Autorin des Buchs «Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen
Kindern das Siegen beibrachte»
SPIEGEL: Frau Chua, Ihre Töchter Sophia
und Louisa durften nie bei Freunden übernachten, nie Freunde mit nach Hause
bringen und sich nie ihre Hobbys selbst
aussuchen. Werden Sie von Ihren Kindern
gehasst?
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
4
Chua: Ich hoffe nicht! Mir war es wichtig,
dass Sophia und Lulu fließend Mandarin
und Englisch lernen und dass sie nur Einsen
nach Hause bringen. Sophia konnte mit 18
Monaten das Alphabet. Während andere
Kinder lernten, von eins bis zehn zu zählen,
habe ich ihr die Grundrechenarten und Dezimalzahlen beigebracht. Als sie drei war,
las sie Sartre. Natürlich wollte ich, dass
meine Kinder Hobbys haben – aber nicht so
etwas wie Handarbeit, die zu nichts führt,
sondern etwas Sinnvolles und Schwieriges,
mit Potential für Tiefe und Virtuosität.
«Oh mein Gott, du wirst schlechter und
schlechter», haben Sie Sophia einmal beim
Klavierüben gesagt, «wenn das beim nächsten Mal nicht perfekt ist, nehme ich dir
sämtliche Stofftiere weg und verbrenne
sie.» Für solche Methoden, Kinder auf Linie
zu bringen, werden Sie derzeit in den USA
angefeindet.
Rückblickend mag das Coaching etwas
extrem gewesen sein. Andererseits war es
effektiv. Mit neun gewann Sophia ihren ersten Klavierwettbewerb.
In einer Szene Ihres Buchs weigert sich Lulu,
ein Klavierstück zu üben. Sie drohen Lulu
daraufhin, ihr Puppenhaus der Heilsarmee
zu spenden und ihre Geburtstagsparty für
mehrere Jahre ausfallen zu lassen. Schließlich üben Sie mit ihr bis spät in die Nacht
und lassen sie dabei nicht einmal auf die
Toilette gehen. Das klingt fast nach Folter.
Ja, ich weiß. Es ist lustig, wie die Leute das
überhöhen. Sie sagen: «Oh mein Gott, das
ist wie Guantanamo Bay!» In Wahrheit ist
diese Episode ein gutes Beispiel dafür, dass
Zwang funktioniert. Denn nach all dem
Kämpfen fing Lulu plötzlich an, das Stück
fehlerfrei zu spielen. Dann strahlte sie und
sagte: «Mama, guck, es ist ganz einfach.»
MENSCHEN RUND UMS THEATER HORA
Glauben Sie wirklich, dass Glück nur von
schulischen Leistungen abhängt?
Ich halte nichts davon, dem Kind immer
wieder zu sagen «Du bist perfekt, mach
dir keine Sorgen», ohne dass es wirklich
etwas leistet. Irgendwann nämlich müssen
Kinder in der richtigen Welt klarkommen.
Und wenn sie dann nichts können, werden
sie wohl kaum den Job bekommen, den sie
haben wollen. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist der Schlüssel zum Glück. Und
das erreicht man nur durch Herausforderungen und Leistung.
DAS KIND IM
MOND
nach dem Bilderbuch von Jürg Schubiger und Aljoscha Blau
Ein musikalisches Stück Familie für Klein und Gross –
ab Schulalter
Der Mond, uns nah und doch unerreichbar, bannt den Blick und bündelt unsere Sehnsüchte. Doch wer hätte gedacht,
dass es umgekehrt genauso ist? Dass auf
dem Mond ein Mann, seine Frau und ein
Kind sitzen, dass sie zur Erde blicken und
sich sehnen? Sie leben ein ziemlich einsames und auch langweiliges Leben, denn
ausser Fern-Sehen oder besser gesagt
in die Ferne sehen auf den leuchtenden
blauen Planeten gibt es auf dem Mond
nichts zu tun. Nach und nach wächst jedoch im Kind eine riesige Neugierde und
Sehnsucht nach der Erde …
Eine Fabel über den Lauf der Welt,
über Kinder und ihre Erwachsenen. Eine
poetische Geschichte, die auf vielschichtige Weise grosse Themen wie Sehnsucht,
Los- und Zurück-Lassen, den Reiz des Andersartigen und den Aufbruch ins Unbekannte behandelt.
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
5
RICCO BONFRANCHI
BEFRAGT
PETER BRÜCKER
Würdest Du Dich bitte vorstellen?
Mein Name ist Peter Brücker, ich wohne
mit meiner Familie in Bergdietikon/AG.
Aufgewachsen bin ich mit drei Geschwistern in Buchrain, nahe Luzern. Die Lehre absolvierte ich als Hochbauzeichner
in einem Architekturbüro. Mit 23 Jahren
trat ich der Stadtpolizei Zürich bei, wo ich
nächstes Jahr mein 40-Jahr-Jubiläum feiere. 1983 heiratete ich meine Frau Bea.
Seit wann kennst du das Theater HORA?
Das erste Mal kreuzten sich unsere Wege
2002 mit dem Stück «3D». Meine Frau
hatte eine Anzeige in einer Zeitschrift entdeckt, in welcher behinderte Kinder für das
erwähnte Bühnenstück gesucht wurden.
Hat sich Deine Beziehung zu dieser Institution im Laufe der Jahre verändert? Wenn
ja: wie?
Natürlich waren meine Frau und ich anfangs gespannt, was uns mit den behinderten Schauspielern erwartete. Eine gewisse Berührungsangst war vorhanden.
Heute ist dies anders. In diesen intensiven
13 Jahren lernte ich all seine Bezugspersonen kennen.
Ich bin glücklich, dass es eine solche
Institution in Zürich gibt, da sie für Matthias
zu einer zweiten Heimat geworden ist. Ich
habe gelernt, dass es sich im Leben lohnt,
offen für Neues und Unbekanntes zu sein.
Wie erlebst Du Deinen Sohn als Schauspieler auf der Bühne? Welche Gefühle
bewegen dich da?
Ich bin froh, dass mein Sohn sein Hobby
zum Beruf machen konnte. Es zeigt mir,
dass auch Menschen mit Handicap viel
erreichen können. Das Wichtigste ist wohl,
dass man sie früh fördert.
Es erfüllt mich mit Stolz und Zufriedenheit, wenn er vor Publikum spielt und
am Schluss den Applaus geniessen kann.
Was waren in etwa Deine Vorstellungen,
als Dein Sohn noch klein war, was einmal
aus ihm werden wird/könnte?
Als Matthias klein war und er in Bergdietikon den Regelkindergarten und später
die HPS Wettingen besuchte, gab es für
uns nur die Arbeit in einer geschützten
Werkstatt. Andere Optionen sind sicher
auch heute noch rar.
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
6
7
Wie hast Du seine Kleinkinderzeit in Erinnerung?
An seine Zeit als Kleinkind denke ich mit
gemischten Gefühlen. Ich fühlte mich oft
ausgestellt, da die Leute ihn, anschliessend mich musterten und dann beschämt
wegschauten. Es gab aber mehrheitlich
schöne Momente. Als er zum Beispiel mit
seiner jüngeren Schwester Selina Bilderbücher betrachtete, ihr in seiner Sprache die
Zeichnungen erklärte und beide lachten.
Oder als er in der Trachtentanzgruppe
Bergdietikon barfuss vor den Zuschauern
aus dem Dorf tanzte. Das grösste Glück
für ihn und uns war, dass er als erster Behinderter in unserer Wohngemeinde den
Kindergarten für mehrere Jahre besuchen
durfte. Dort lernte er seine heutigen Kollegen/-innen kennen. So kennt man ihn
im Dorf und er gehört dazu. Wenn er Zeit
findet, hält er sich am Freitagabend im
Sportverein fit und besucht anschliessend
mit den Kollegen die Dorfbeiz.
Was bedeutete es für Dich, ein Kind mit einer Behinderung zu haben? Hat sich dies im
Laufe der Jahre verändert? Wenn ja, wie?
Dass wir ein Kind mit Down Syndrom haben, war natürlich anfangs ein Schock. Bis
wenige Sekunden nach der Geburt wussten wir nichts von einer Behinderung. Was
einem da durch den Kopf rast und was für
Bilder vor den Augen erscheinen, ist unbeschreiblich. Ich hatte grosse Mühe, den
Sohn im ersten Moment zu akzeptieren.
Wie würden meine Familie, die Kollegen,
die Verwandten reagieren?
Als ich merkte, dass er mit viel Zuneigung und Zeit Dinge lernte, die ich anfangs
für unmöglich hielt, weckte dies meinen
Ehrgeiz. So kann er heute lesen, schreiben,
Ski fahren, schwimmen und einiges mehr.
Seine Art zu leben, sich zu artikulieren und
MATTHIAS BRÜCKER MIT SCHWESTER
seine Ansichten, änderte meine Meinung
gegenüber Behinderten komplett. Dass die
Akzeptanz gegenüber Behinderten gestiegen ist, lässt mich natürlich auch ruhiger
leben und in die Zukunft schauen.
Wie wird es für Dich bzw. Deine Familie
sein, wenn Dein Sohn evtl. einmal bei Euch
ausgezogen ist?
Auf diesen Moment warte ich mit gemischten Gefühlen. Sicher wird anfangs ein seelischer Schmerz da sein, wenn er seine
Siebensachen zusammenpackt. Andererseits ist es auch ein Zeichen des Erwachsenseins, das Elternhaus zu verlassen und
zu neuen Ufern aufzubrechen.
Wenn Du Wunder vollbringen könntest, was
würdest Du für Deinen Sohn wünschen?
Wenn ich zaubern oder Wunder vollbringen könnte, würde ich sicher Matthias
eine bessere Aussprache wünschen. Doch
wenn er neben seinem schauspielerischen
Talent und dem Tanzen noch deutlich
und fliessend sprechen könnte, wäre er im
Sinne der IV nicht mehr behindert und
könnte vielleicht nicht mehr im HORA mitspielen. Für Matthias und mich undenkbar. Also lassen wir die Dinge so, wie sie
sind. Denn so wie es im Moment ist, bin ich
mehr als zufrieden.
Denkst Du, dass Du ein anderes Verhältnis
zu Menschen mit einer Behinderung hast,
weil Du Vater eines behinderten Sohnes
bist? Dass dann ein Vielfaches vom eigenen Engagement auf einen zurückfällt und
dies schlussendlich glücklich macht; dass
in der heutigen Welt neben aller Technik
und Rationalisierung noch menschliche
Werte zählen – dies und noch vieles mehr
habe ich gelernt, weil ich einen behinderten Sohn namens Matthias habe.
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
KOLUMNE
8
WIE IST DAS EIGENTLICH MIT DEN
CAREGIVERS?
Wissen Sie, was ein Caregiver ist? Das ist
eine Person, die die Schauspieler/-innen
auf ihrer Tournee begleitet oder betreut
oder pflegt oder tröstet oder beaufsichtigt oder zurechtweist usw. Natürlich stehen bei den Tourneen die Theaterstücke
im Zentrum. Ohne ein Theaterstück gäbe
es keine Einladung und keine Reise an
einen anderen Ort. Aber die Aufführung
findet ja meistens am Abend statt und
die Schauspieler/-innen stehen zum Teil
schon sehr zeitig auf und begeben sich in
den Frühstücksraum. Hier beginnt schon
das Caregiving. Dies z. B. dann, wenn jemand ca. 500 Gramm Lachs vom Buffet
abtransportiert. Da ist dann schon einmal
ein dezenter Hinweis fällig, dass eventuell
auch noch andere Leute etwas von diesem Lachs abhaben möchten. Andere
Schauspieler/-innen geniessen den Langschlaf und sind kurz vor der Schliessung
des Speisesaals noch nicht gesichtet worden. Da heisst es dann, vorbeigehen oder
anrufen. Gut, der Lachs ist eventuell schon
alle, aber es gibt ja noch viele andere Leckereien. Dann beginnt das Tages-Freizeitprogramm. Was ist im Angebot, wer
kommt wohin mit und wer bleibt evtl. im
Hotel? Dies fällt alles unter «care». Dann
geht es los und der Caregiver tut gut daran, wenn er alle seine Schäfchen wieder
heil und gesund ins Hotel oder ins Theater bringt. Es könnte durchaus sein, dass
bei ca. 4 Grad Aussentemperatur und
Nieselregen einer der Schauspieler in FlipFlops und im T-Shirt dasteht und behauptet, ihm wäre nicht kalt. Nichtsdesto-
trotz wird er «gezwungen», seinen Anorak
zu holen. Kaum sind wir dann unterwegs,
muss eine Schauspielerin auf die Toilette,
als ob es im Hotel keine gegeben hätte.
Kein Problem, wird gesucht und gefunden.
Kritischer wird es dann schon, wenn ein
Schauspieler die Schnelligkeit, in der sich
U-Bahn-Türen schliessen können, unterschätzt und auf dem Perron zurückbleibt.
Gut, das kam schon vor, aber äusserst
selten. Häufiger wird in fremden Städten
das «Lädele» gesucht. Interessanterweise
hat sich der Begriff des Shoppens noch
nicht durchgesetzt. Also stürmen wir in jeden Laden, um die Ware zu besichtigen.
Der Caregiver leistet dann Übersetzungsdienste bzw. versucht evtl. von einem Kauf
eines sehr teuren Rings abzuraten, zumal
der betreffende Schauspieler ohnehin nur
noch ca.
der geforderten Summe im
Portemonnaie hätte. Also schnell weg und
in den nächsten Laden. Aber dann endet
die Aufgabe des Caregivers und die Vorstellung beginnt. Einer muss immer im Publikum dabei sein, für den Fall, dass einem
Schauspieler während der Vorstellung
schlecht wird. Alles schon vorgekommen.
Nach der Vorstellung geht es dann in die
Entspannungsphase, sei es im Hotel oder
noch in einem Restaurant. Auch hier ist
der Caregiver wieder gefordert. Und: am
nächsten Tag geht’s wieder von vorne los.
I like to be a Caregiver!
Ricco Bonfranchi
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
ANGEBOT
9
NEUE
GASTSPIEL-PRODUKTIONEN
ANDERSSEIN
BAD ADVICE UND HUMAN RESOURCES
(AB JUNI NORMALITÄT. EIN MUSICAL)
THEATER, GESPRÄCH UND
WORKSHOP
WEITERLAUFENDE
GASTSPIEL-PRODUKTIONEN
Theater und Gespräch behandeln das Thema des angebotenen Bühnenstücks und
der Workshop das Begegnen von Menschen mit einer Beeinträchtigung.
www.schuleundkultur.zh.ch
SCHULE & KULTUR UNTERSTÜTZT
DAS ANGEBOT
MARS ATTACKS!, DISABLED THEATER, DIE LUST AM SCHEITERN,
FREIE REPUBLIK HORA UND ENTE, TOD & TULPE
Informationen für die Veranstalter:
Auf der Homepage www.hora.ch finden
Sie unter Produktionen detaillierte
Angaben zu den Stücken.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf:
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstr. 30, 8048 Zürich
theater@hora.ch, T +41 (044) 405 71 40
HORA‘BAND
Kostproben der Songs auf:
www.hora.ch (unter HORA‘BAND/Sound)
WORKSHOPS MIT
DEN HORAs
Die Workshops des Theater HORA verstehen sich als ein ästhetisch, persönlich und
sozial bildendes Medium, als ganzheitliches
Erleben und Lernen. Die Auseinandersetzung mit Rollen, Identitäten, Emotionen
und Geschichten ist gleichzeitig auch eine
Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Gefühlen, dem Körper mit seinen individuellen Ausdrucksmöglichkeiten, dem
Leben an sich. Die spielerische Begegnung
mit den HORAs legt Potenziale frei und
bietet vor allem Möglichkeiten, unbelastet
zu spielen – mit Illusion, Utopie und Wirklichkeit –, im Spiel Ängste zu nehmen, sich
in Flexibilität zu üben, Ungewöhnliches oder
Überraschendes zu entdecken, gemeinsam
Geschichten und Absurditäten zu erfinden.
Unsere Workshops richten sich an Theaterschaffende, ausgebildete Sozialpädagogen,
Treuhänder, Studierende aller Fachrichtungen, Köche, an Menschen mit und ohne
Behinderung, an Schulen, Studienbereiche,
Firmen, an Interessentinnen und Interessenten jeden Alters. Die Dauer ist variabel. Vorzugsweise finden die Workshops in unseren
Probe- und Aufführungsräumen statt.
Interessiert? Dann melden Sie sich unter
theater@hora.ch.
GESUCHT
FÜR INTO THE WILD UND DRILLEN IM KOPF
Für INTO THE WILD suchen wir ein Cello,
einen Kontrabass, eine Posaune und einige Geigenbögen. Am liebsten gratis! Die
Instrumente müssen nicht neu sein, aber
noch Klänge erzeugen können.
Für das Bühnenbild von DRILLEN IM
KOPF suchen wir möglichst viele Duplo
8er Steine. Tryouts ab Ende April in der
Roten Fabrik Die öffentliche Premiere wird
im Herbst stattfinden.
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
Die HORA‘BAND kann man buchen:
HORA Büro, T 044 405 71 40,
theater@hora.ch
oder direkt mit dem Bandleader
Kontakt aufnehmen:
Roli Strobel, roli.s@gmx.ch
HORA-BUCH
THEATER HORA – DER EINZIGE
UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND
SALVADOR DALÌ IST,
DASS WIR NICHT DALÌ SIND
Wie aus einem Theaterkurs in einem Zürcher Wohnheim für geistig behinderte Frauen ein mittlerweile weltweit tourendes Theaterunternehmen wurde, vermittelt dieses
Buch in Bildern, Gesprächen, Werkstattberichten, Praxisanleitungen, Erinnerungen,
Karten und zahlreichen Dokumenten aus
dem HORA-Archiv. Beigelegt ist eine DVD
u. a. mit Praxis-Vorführungen von Michael
Elbers Theatertraining und Videoschnipseln aus 20 Jahren Theater HORA und einer unveröffentlichten HORA‘BAND-CD.
Es können noch Bücher zum Vorzugspreis
über theater@hora.ch bestellt werden
oder am liebsten gleich abgeholt werden.
(Ein Buch ist rund 3 kg schwer.)
Abholpreis: CHF 30.–, Lieferung: CHF 60.–
AUSBILDUNG
AUSBILDUNG
ZUM/ZUR
«PRAKTIKER/
-IN (PRA)
SCHAUSPIELEREI»
Seit Sommer 2009 bietet das Theater
HORA – Stiftung Züriwerk eine Ausbildung
zum/zur «Praktiker/-in (PrA) Schauspielerei» an. Diese nach IVG Art. 16 zweijährige
INSOS zertifizierte Lehre richtet sich insbesondere an darstellerisch und/oder musikalisch begabte, ausdrucksstarke Menschen
mit dem Drang zur Bühne. Interessierte Personen, auch solche, die kein Anrecht (mehr)
auf eine erstmalige berufliche Ausbildung
haben, können im laufenden Lehrgang ein
Berufsfindungsjahr absolvieren oder über
einen Schnuppertag Aufnahme in die dreiwöchige Schnupperzeit finden. Nach bestandener Ausbildung erfolgt der Übertritt
ins Ensemble des Theater HORA.
Die nächste Schnupperzeit findet vom
11.1.–29.1.2016 statt.
Weitere Informationen unter www.hora.ch,
(BILDEN/Die HORA Ausbildung) oder bei
Urs Beeler, Ausbildungsleiter Theater HORA,
u.beeler@zueriwerk.ch, T 078 634 30 34
10
BERUFSFINDUNGSJAHR
FÜR ABSOLVENTEN
/-INNEN DER
HPS-WERKKLASSEN
Neu ab Schuljahr 2014 /15. Ziel ist, interessierten Schüler/-innen vor ihrer definitiven
Berufswahl einen intensiven Einblick in die
Theaterarbeit zu ermöglichen. Während
einem Schuljahr arbeiten sie wöchentlich
an einem Probetag mit den HORA-Lernenden zusammen.
Kontakt: Urs Beeler, Ausbildungsleiter,
Theater HORA – Stiftung Züriwerk,
u.beeler@zueriwerk.ch, T 078 634 30 34
THEATERWERKSTATT
FÜR KINDER
UND JUGENDLICHE
Am 22. August 2015 startet die 10. Theaterwerkstatt für Kinder und Jugendliche mit
einer Beeinträchtigung. Interessiert? Dann
komm zu einem Schnupperbesuch!
Samstag, 13.00–15.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl, Rotwandstrasse 4,
8004 Zürich
HORA Magazin Nr. 39, Mai 2015
Oder schau dir die Aufführung der diesjährigen Werkstatt an: FERDINAND DER STIER
4. + 11. Juli 2015, 14.00 Uhr
Mehr Informationen: www.machtheater.ch
Leitung: Urs Beeler, Ausbildungsleiter
Theater HORA, beegeo@bluewin.ch,
T 078 634 30 34
NORMALITÄT. EIN MUSICAL
PRESSEAUSSCHNITTE «HUMAN RESOURCES»
NZZ VOM 5.3.2015: «UNSEXY UND ZU
WENIG LIKES»
(…) Der Regisseur Michel Schröder mixt
aus Pop- und Rocksongs von den Beach
Boys bis zu Udo Jürgens eine melodramatische Compilation. (…) Die Darsteller nennen sich «Randständige», die in der Selektion der Facebook-Likes durchfallen. Sie
sehen sich als theatrale Ausschussware
des Humankapitals. Dazu passt, dass sie
im Vorfeld Requisiten versteigern, um den
Lohn der Hora-Mitglieder aufzubessern.
Es sind Pappmaché-Bälle, die niemand
braucht. Schröder setzt die Antihelden
FÖRDERVEREIN THEATER HORA
WARUM ES SINN MACHT, MITGLIED
DES FÖRDERVEREINS
DES THEATER HORA ZU SEIN …?
Das Theater HORA ist eine Abteilung der
Stiftung Züriwerk. Diese trägt das HORA,
indem sie u.a. die Löhne der festangestellten Mitarbeiter/-innen übernimmt. Es ist
aber auch ein offenes Geheimnis, dass die
Stiftung Züriwerk vom Kanton Zürich verordnete Einsparungen vornehmen muss.
Wenn nun das Theater HORA Projekte
durchführen will, so kann dies nicht ohne
gewisse Investitionen durchgeführt werden. Hier springt nun der Förderverein ein.
Im Folgenden können Sie ersehen, welche
Projekte im Jahre 2014 vom Förderverein
mitfinanziert worden sind: das Langzeitprojekt FREIE REPUBLIK HORA, Zuschuss
an die Ausbildung für das erste Semester 2014, Produktionsbeitrag an MARS
ATTACKS! und ein weiterer Produktionsbeitrag an GOAL MANIA. Die Gesamtsumme der unterstützten Projekte betrug
CHF 65‘000.–. Mit einem Jahresbeitrag
von CHF 150.– unterstützen Sie dieses
in der Schweiz einmalige Vorhaben, nämlich ein professionell geführtes Theater mit
professionell tätigen Schauspieler/-innen
mit einer geistigen Behinderung. Um weiter anspruchsvolle und spannende Projekte
zu realisieren, ist das Theater HORA auf
IHRE Unterstützung angewiesen. In Zeiten,
in denen öffentliche Gelder spärlicher fliessen, sind Beiträge von Gönner/-innen umso wichtiger. Darum macht es Sinn, Mitglied des Fördervereins des Theater HORA
zu sein …!
Herzlichen Dank
Dr. Ricco Bonfranchi, Präsident
Förderverein Theater HORA
DANK
Ein herzliches Dankeschön aller HORAs
an unsere Mitglieder und Spender für ihre
Treue und Beiträge für die HORA-Produktionen. Mit ihren Einzahlungen tragen sie
dazu bei, dass der Förderverein weiterhin
ein wichtiger Unterstützer für HORA-Produktionen sein kann. Stand April 2015:
SPENDEN AB CHF 300.–
Frauenverein Matthäus, J. Meier,
R. Kowanik, A. Ringier, Pfarrei St. Peter
und Paul Zürich, Pro Familia Glarus,
Ref. Kirchgemeinde Rümlang, Ref. Kirchgemeinde Volketswil, Ref. Kirchgemeinde
Zumikon, Stiftung Fredy und Hanna
Neuburger-Lande, J. Dalloz
UNTERSTÜTZER
Förderverein Theater HORA, Vontobel
Stiftung, Hamasil Stiftung, Stadt Zürich
Kultur, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Fachstelle Kultur Kanton Zürich,
G + B Schwyzer Stiftung, Pro Infirmis
Schweiz, Paul Schiller Stiftung, Stiftung
Denk an mich, Stiftung Symphasis
KOPRODUZENTEN
Fabriktheater Rote Fabrik, Festival
Auawirleben, Festival wildwuchs,
Compagnie Drift, kraut_produktion,
Teatro Sociale Bellinzona –
Bellinzona Teatro
in dem Musical des subtilen Protests der
Sinnlosigkeit aus, lässt sie Purzelbäume
schlagen, tanzen, am Keyboard in die Tasten hauen. Sie persiflieren Casting-Shows,
Dating-Sendungen, mimen Tele-Züri-Reporter, die gescheiterte Schauspielerexistenzen befragen, etwa Thomas U. Hostettler,
der in einem fulminanten Auftritt von seiner Vergangenheit als Blut- und Fleischperformer in Bern erzählt. (…)
SÜDOSTSCHWEIZ VOM 5.3.2015
VON MATHIAS BALZER
DER «SAUBANNERZUG DER RANDSTÄNDIGEN» LÄDT INS THEATER
DER ROTEN FABRIK
(…) Seltsames geht vor sich in der
Roten Fabrik. Das Zürcher Kulturzentrum ist seit über 30 Jahren uneinnehmbare Trutzburg, wenn es
darum geht, anspruchsvolle Kunst
gegen die Brandung der Massenunterhaltung zu verteidigen. Und
nun dies: Das Publikum im Fabriktheater steht auf der Tribüne
und schunkelt und tanzt zu Nik P.s
volkstümlichem Schlager «Geboren, um Dich zu lieben».
(…) Eine Form, welche nicht Schauspieler, sondern eigenständige Performer zeigt – und deshalb an diesem Abend, an dem es um die
«menschlichen Ressourcen» geht,
zulässt, dass die vier so genannt
geistig Behinderten ihre Vorlieben
auf die Bühne bringen: volkstümlicher Schlager, kurlig-quere Liebesgeschichten, Formate wie «Herzblatt» oder andere Wer-ist-der-Beste-wer-ist-die-Schönste-Spiele. (…)
TAGES-ANZEIGER VOM 6.3.2015
VON ANDREAS TOBLER
KURZ & KRITISCH THEATER
«GEGEN KRAUT UND HORA IST
KEIN KRAUT GEWACHSEN»
(…) Und genau darum geht es in
«Human Resources», dem neuen
Abend der Kraut-produktion, den
die Gruppe um Regisseur Michel
Schröder zusammen mit Hora entwickelt hat, der weltberühmten Behindertentheatergruppe aus Zürich:
um die Vermarktung des Besonderen und der Grenzüberschreitung.
Da wird gebalzt und gebettelt, verdrängt und verwertet, übertrumpft
und überrumpelt.
(…) Wer sind hier die Freaks? Die
Behinderten oder die statussüchtigen Benutzer der sozialen Netzwerke? Im «Gemeinschaftsdelirium» von Kraut und Hora spielt das
keine Rolle: Sie machen im Nebenund Miteinander bannendes Theater, in dem man sich gerne verliert.
PRESSEAUSSCHNITTE «HUMAN RESOURCES»
NZZ VOM 5.3.2015: «UNSEXY UND ZU
WENIG LIKES»
(…) Der Regisseur Michel Schröder mixt
aus Pop- und Rocksongs von den Beach
Boys bis zu Udo Jürgens eine melodramatische Compilation. (…) Die Darsteller nennen sich «Randständige», die in der Selektion der Facebook-Likes durchfallen. Sie
sehen sich als theatrale Ausschussware
des Humankapitals. Dazu passt, dass sie
im Vorfeld Requisiten versteigern, um den
Lohn der Hora-Mitglieder aufzubessern.
Es sind Pappmaché-Bälle, die niemand
braucht. Schröder setzt die Antihelden
WERDEN SIE MITGLIED!
LIEBE HORA-MAGAZIN-LESER/-INNEN
Jede Spende, jeder Mitgliederbeitrag trägt
dazu bei, dass der Förderverein weiterhin ein wichtiger Unterstützer für HORAProduktionen sein kann. Wir freuen uns,
wenn wir auf Sie als (Neu-)Mitglied oder
als Spender/-in zählen können und Sie in
Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld auf
uns aufmerksam machen oder bei uns Gutscheine zum Weiterverschenken bestellen
für Vorstellungen des Theater HORA.
Herzlichen Dank und auf bald an einer
Vorstellung!
ANMELDETALON MITGLIEDSCHAFT FÖRDERVEREIN
UND BESTELLUNG GUTSCHEINE FÜR EINE THEATER HORA-VORSTELLUNG
Name/Vorname: Adresse:
E-mail: Tel:
Ja, ich möchte das Theater HORA unterstützen und Mitglied werden.
Jahresbeitrag pro Kalenderjahr für Mitgliedschaft Förderverein: CHF 150.–
Ich möchte Gutscheine im Wert von CHF 35.– zum Weiterverschenken.
Anzahl:
Talon einsenden oder faxen an:
Theater HORA – Stiftung Züriwerk, Baslerstrasse 30, 8048 Zürich, Fax 044 405 71 10
in dem Musical des subtilen Protests der
Sinnlosigkeit aus, lässt sie Purzelbäume
schlagen, tanzen, am Keyboard in die Tasten hauen. Sie persiflieren Casting-Shows,
Dating-Sendungen, mimen Tele-Züri-Reporter, die gescheiterte Schauspielerexistenzen befragen, etwa Thomas U. Hostettler,
der in einem fulminanten Auftritt von seiner Vergangenheit als Blut- und Fleischperformer in Bern erzählt. (…)
SÜDOSTSCHWEIZ VOM 5.3.2015
VON MATHIAS BALZER
DER «SAUBANNERZUG DER RANDSTÄNDIGEN» LÄDT INS THEATER
DER ROTEN FABRIK
(…) Seltsames geht vor sich in der
Roten Fabrik. Das Zürcher Kulturzentrum ist seit über 30 Jahren uneinnehmbare Trutzburg, wenn es
darum geht, anspruchsvolle Kunst
gegen die Brandung der Massenunterhaltung zu verteidigen. Und
nun dies: Das Publikum im Fabriktheater steht auf der Tribüne
und schunkelt und tanzt zu Nik P.s
volkstümlichem Schlager «Geboren, um Dich zu lieben».
(…) Eine Form, welche nicht Schauspieler, sondern eigenständige Performer zeigt – und deshalb an diesem Abend, an dem es um die
«menschlichen Ressourcen» geht,
zulässt, dass die vier so genannt
geistig Behinderten ihre Vorlieben
auf die Bühne bringen: volkstümlicher Schlager, kurlig-quere Liebesgeschichten, Formate wie «Herzblatt» oder andere Wer-ist-der-Beste-wer-ist-die-Schönste-Spiele. (…)
TAGES-ANZEIGER VOM 6.3.2015
VON ANDREAS TOBLER
KURZ & KRITISCH THEATER
«GEGEN KRAUT UND HORA IST
KEIN KRAUT GEWACHSEN»
(…) Und genau darum geht es in
«Human Resources», dem neuen
Abend der Kraut-produktion, den
die Gruppe um Regisseur Michel
Schröder zusammen mit Hora entwickelt hat, der weltberühmten Behindertentheatergruppe aus Zürich:
um die Vermarktung des Besonderen und der Grenzüberschreitung.
Da wird gebalzt und gebettelt, verdrängt und verwertet, übertrumpft
und überrumpelt.
(…) Wer sind hier die Freaks? Die
Behinderten oder die statussüchtigen Benutzer der sozialen Netzwerke? Im «Gemeinschaftsdelirium» von Kraut und Hora spielt das
keine Rolle: Sie machen im Nebenund Miteinander bannendes Theater, in dem man sich gerne verliert.
IMPRESSUM
HORA Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Ricco Bonfranchi und Theater HORA
Gestaltung
Stillhart Konzept
und Gestaltung, Zürich
Fotos
Maxi Schmitz,
S. 5 Peter Brücker
Papier
Gedruckt auf
FSC®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz print, Zürich
Kontakt
Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T 044 405 71 40
F 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
HORA Magazin Nr. 39
Mai 2015
-
12/2014 – HORA Magazin Nr. 38
NR. 38
DEZEMBER 2014
INHALTSVERZEICHNIS
3
RÜCKBLICK
Into the Wild
6
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview
mit Nele Jahnke
8
AUSBILDUNG
Nicht von Dauer
PraktikerIn in Schauspielerei
Berufsfindungsjahr
TheaterWerkstatt
10
ANGEBOT
Workshops
AndersSein
Jubiläumsbuch
HORA`BAND
12
NEUE HORA
PRODUKTIONEN AB 2015
Human Resources
Bad Advice
Normalität. Ein Musical
EDITORIAL
LIEBE HORA FREUNDINNEN & FREUNDE
«Authentizität». Oft gehört, verschieden
missbraucht und nicht immer verstanden
im Rahmen unserer Theater-Arbeit und
immer wieder schwierig auszusprechen. In
unserem kürzlich erschienenen Buch haben wir versucht authentische Gespräche
abzudrucken. Damit der Unterschied zwischen kontrollierenden Studierten und unreflektierenden Nicht-Studierten nicht so
gross ist. Wir meinen dieses Experiment ist
es wert, weiterhin fortgesetzt zu werden.
Wir gehen gerne neue Wege. Ungewohnte
Wege. Sonst gäbe es auch kein HORA!
Alles neu macht der Dezember! HEUTE:
Freies Editorial HORA! Der experimentelle Diskussionsraum! Frei und frisch und
frech von der Elber und Marinucci! Nicht
einfach nur leicht konsumierbar. Aber echt
authentisch, direkt, spontan.
Die Spielregel: Ein Selfie. Zwei Gesprächspartner. Heute: Michael Elber,
künstlerischer Leiter HORA und Giancarlo
Marinucci, Geschäftsleiter HORA. Vier
Themen werden besprochen. Insgesamt 5
Minuten Zeit, max. 1900 Zeichen müssen
wir tippen. Das Gespräch wird aufgenommen und original abgetippt mit allen Versprechern und ähs und öhs.
G: Ja jetzt! M: Achtung los! G: Sali
Michael! M: Sali Giancarlo! Lachen. M:
Schön dass wir uns hier treffen. G: Wir haben ja den Auftrag bekommen äh von der
Redaktionsleitung HORA Magazin ein
Editorial zu schreiben. M: Eben und jetzt
haben wir gedacht wir machen das mit
dieser Spielregel, dass wir genau wir das
heute Nachmittag schnell machen können.
Also wir haben fünf Minuten Zeit. Fang
an! G: Ja. M: Äh äää. Erzähl doch etwas
über die Reorganisation HORA. Möglichst
klar und deutlich ohne ähs und öhs. G: Ja
Ohne ähs und öhs. Ähm. Wir haben ähm
uns eine neue Struktur gegeben, äh die
zwei Bereiche oder Abteilungen heissen äh
«PRODUKTIONEN» und «AUSBILDUNG».
In den PRODUKTIONEN machen wir äh
unsere Bühnenstücke, wo wir ähm entweder alleine etwas mmmh produzieren oder
wir arbeiten zusammen mit Künstlerinnen
und Künstlern, Künstlergruppen. Jetzt zum
Beispiel, das welches bereits gespielt wurde mit den HELMIS, oder das vorher mit
JÉRÔME BEL und in Zukunft machen wir
ja dann mit KRAUT etwas und so. Und mit
äh und ähm und ähm mit der Ausbildung
ist das so, dass dies jetzt ausschliesslich im
Casino-Saal äh wird statt äh stattfinden
tut, und somit wie eine klarere Trennung
ist. Es ist auch ähm es gibt dem auch mehr
Profil oder und äääh ist… M: Du wenn wir
langsamer reden, müssen wir nicht so viel
abtippen. Lachen. Sprich doch ein wenig
langsamer! G: Ehrlich. M: Sonst müssen wir
am Schluss noch ein Beiblatt machen G:
Stimmt, wir dürfen kein es Bei Ba Ba Ma
Bli Pi Beiblatt Lachen machen. Aber ich
glaube es ist mehr oder weniger klar, oder.
M: Ja ich glaube auch. G: Jetzt stell ich dir
doch auch eine Fra stell ich dir eine Frage. Und zwar ähm… Wie ist das eigentlich
gewesen in Singapur mit dem INTO THE
WILD? Kannst du das in ein paar Sätzen
so ein wenig erzählen? Was ist so für dich
das, was dir am meisten am meisten geblieben ist? Pause M: Am meisten geblieben
sind mir die klimatisierten Räume und die
Hitze. Ähm und am meisten geblieben ist,
einfach, dass dies einfach ein Projekt gewesen ist, äh wie man es wahrscheinlich im
Leben äh nicht, ööööh vielleicht zweimal,
aber nicht dreimal erlebt. Ähm weil das
war einfach ein Flow gewesen. Es ist einfach alles zusammen gekommen, was es
braucht damit etwas… ich sag jetzt nicht
Erfolg sein kann, ich hoffe das war einer,
INHALTSVERZEICHNIS
3
RÜCKBLICK
Into the Wild
6
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview
mit Nele Jahnke
8
AUSBILDUNG
Nicht von Dauer
PraktikerIn in Schauspielerei
Berufsfindungsjahr
TheaterWerkstatt
10
ANGEBOT
Workshops
AndersSein
Jubiläumsbuch
HORA`BAND
12
NEUE HORA
PRODUKTIONEN AB 2015
Human Resources
Bad Advice
Normalität. Ein Musical
ich glaube es auch, dass es einfach befriedigend ist, dass es einfach eine unglaublich
gute Arbeit gewesen ist, für alle, einfach
unglaublich befriedigend weil alle… G: War
es ein Highlight oder ein Meilenstein oder?
M: Das war glaube ich ein absolutes Hai
also mmmmm da das kann jetzt wirklich
nichts… ähm nichts toppen von dem was
ich früher gemacht habe, einfach weil äh
ich meine die Unterstützung war einfach
voll da, natürlich auch dadurch dass eben
die Leute sicher auch die richtigen finanziellen Mittel haben. Aber auch dadurch
dass sie tot… so einfach interessiert gewesen sind. Alle. Ob jetzt die Mütter, die
ähm ob die ähmm ähmm… ja es war alles
gut gewesen, was… Hast du jetzt geschaut
wegen der Zeit? Ja drei Minuten! G: Ja wir
sind schon bei drei Minuten. Also wir müssen weiter. das ist gut. G: Das reicht glaube
ich M: Also äh Rote Fabrik Thema Rote
Fabrik G: Genau! Das ist ja auch ausgehend von dieser Reorganisation. Ähm wir
ziehen oder ihr zieht in die Rote Fabrik in
den Backstein und dort ääääh werdet ihr
proben. Ab dem 1. Dezember äh ab dem
1. Januar. Lachen. 2015 haben wir einen
neuen zusätzlichen Raum. M: Ja und wir
sind integriert in ein Kulturzentrum wir sind
noch einen Schritt mehr im in der Entwicklung von unserer Funktionalen Gesundheit,
dass unsere Leute, unsere Menschen, unser Theater einfach als normales Theater
in Anführungs- und Schlusszeichen Theater akzeptiert wird und äh in der üblichen
Kulturszene integriert. Das freut mich natürlich unglaublich. Ähhh ein weiteres Ziel
ist erreicht! Ja eben und dann haben wir
noch den äh Ausbildungslehrgang. G: Der
hat ja begonnen im August von diesem
Jahr. Sechs junge Menschen haben bei Urs
Beeler die Ausbildung begonnen. Die geht
nach wie vor einfach zwei Jahre. Das erste
Jahr ist sicherlich garantiert finanziert. Wie
das zweite Jahr aussieht, wissen wir noch
nicht. Und äh die Ausbildung macht sich
ja schon einen Haufen Gedanken auch zu
ähm kleinen Arbeiten die sie zeigen wollen,
einem grösseren Publikum. Und das wird ja
im Dezember stattfinden. Dermmmm der
Ausbildungslehrgang, die Azubis werden
NICHT VON DAUER können zeigen im
im Friesenberg. Alles weitere kann man
unter der Homepage unter www.hora.ch
nachschauen. M: Also es ist jetzt schön.
Es ist jetzt Oktober. Wir wünschen euch
allen schöne Weihnachten, wenn ihr dieses Heftlein liest. Und diesen ganzen Text
kann man demnächst auf dem HORA Blog
abhören oder vielleicht auch auf der Webseite. Das kann ich nicht versprechen. Auf
dem HORA Blog kann ich es bringen. Dann
hat man dieses Editorial schon bereits bevor es im Heft kommt. Und man kann es
nachher kontrollieren, ob wir wirklich uns
an die Spielregeln gehalten haben. Danke
Adiö Tschüss G: Tschüss Zäme Danke Villmal. Lachen etc…
Der Rest wird hier nicht wiedergegeben, kann aber im Audio File angehört
werden. jetzt sind es eben 6000 Zeichen…
Michael Elber und Giancarlo Marinucci
Das Interview kann in der ganzen Länge
auf der Blogseite oder auch auf Facebook
abgehört werden. Auch das gemachte Selfie ist da zu sehen:
www.blog.hora.ch
www.facebook.com/TheaterHORA
INTO THE WILD
RÜCKBLICK
3
INTO THE WILD
INTO THE WILD war ein zweiwöchiger Workshop mit den HORA SchauspielerInnen und 50
TeilnehmerInnen mit einer geistigen Behinderung im Rahmen des Singapore International
Festival of Arts (SIFA). Die Workshops wurden
geleitet von Michael Elber und Nele Jahnke aus
dem HORA-Staff und den DIE LUST AM SCHEITERN-Musikern, gemeinsam mit den TrainerInnen aus Singapur. Die Grundlage für den
Workshop war die Nullimprovisation DIE LUST
AM SCHEITERN, das Unwissen was passieren
würde und das Interesse, dass aus der Begegnung etwas entstehen kann. Schlicht: die Freude
am Risiko. Das Ziel war ein dynamischer Prozess, ein Labor in dem Begegnungen stattfinden
können. Ein Austausch von Ideen, Methoden
und Energien. Es wurde für viele von uns eine der
erstaunlichsten, beglückendsten und vielschichtigsten Theatererfahrung, die wir je gemacht haben. Es gäbe viel zu schreiben darüber, wie wir
mit Namenfangis und Ballspielen unsere Namen
lernten, wie wir in kleinen und grossen Gruppen
Solos, Duos und Orchester bildeten, Grimassen
schnitten, uns leise und laut bewegten, wie die
erstaunlichsten Liebes-, Kriegs- und Namenlosen-Geschichten von den TeilnehmerInnen improvisiert wurden. Im Folgenden sollen einige
Bilder und unterschiedliche Stimmen die Wege
und Strassen, die Seen und Tümpel, die Dörfer
und Städte die Höhen und Tiefen (die es kaum
gab!) von INTO THE WILD einfangen und eine
Landkarte davon zeichnen.
Nele Jahnke, Performerin und Workshopleiterin, Assisitentin von
Michael Elber
This project was born when I saw Theater HORA
in Vienna last July. I heard about their desire to
make new international projects and not simply
tour endlessly the showcase of DISABLED THEATER. I felt suddenly that it would be interesting
to create just such a possibility in Singapore. Often, there is a breakthrough work which brings
‹outsiders› into the mainstream but, very soon,
this breakthrough also begins to become another pigeonhole. Who is the ‹outsiders›? How can
INTO THE WILD
challenged individuals in our societies define the
world themselves? (…) I visited Theater HORA’s
premises in Zurich and met the HORA-Staff. (…)
I left Zurich thinking that it could be wonderful to
have Theater HORA in-residence for two weeks
with Singapore International Festival of Arts, collaborating with Singaporean artists with disabilities. The Festival can move beyond consuming
yet another marvellous show and narrow the gap
between ability/disability. For this is the gap in
Singapore. We still have a distance to go in Singapore with challenged individuals who fall out
of the ‹success› trajectory. It is only exceptional
individuals who are perceived to be role models.
But what is exceptional? Perhaps we are already
exceptional when we act on our desires, when we
allow our imaginations to be free, when we harness our courage to be different in our ‹disabled›
society obsessed with materialism.
Ong Keng Sen, Festival Director of SIFA, Auszug aus dem Programmtext «A message from the Festival Director»
Even if we fail, even if we get lost INTO THE WILDERNESS OF FAILING next week (the background of INTO THE WILD is called THE PLEASURE TO FAIL) it was a great work until now.
It‘s important to take a step… A great work with
everybody without command structure. Without drill. Without stress. Without pressure. But
with a lot of hard work, concentration and fun.
It’s a flow. I’m a part of a team. Everybody takes
his responsibility for the common goal. Thank you.
Michael Elber, Künstlerischer Leiter Theater HORA, Auszug aus
dem HORA Blog
Ich finde es interessant im Ausland einen Workshop zu machen. Es ist neu im Ausland einen
Workshop zu machen mit den Singapurer Leuten. Den ersten Tag mit den Leuten zu arbeiten
von Null anzufangen und mehr Zeit zu brauchen
bis sie verstehen. Ich arbeite gerne mit ihnen zusammen. Es ist eine kurze Zeit zwei Wochen zu
arbeiten. Aber es hat eine Entwicklung gegeben.
Wir haben den Vorteil, dass wir im HORA schon
alles kennen und es auch verstehen und damit
auch als Assistenten und Vorbilder arbeiten können mit den Singapurern.
Sara Hess, HORA-Schauspielerin, Auszug aus dem HORA Blog
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
4
5
Man darf sich das nicht so vorstellen, dass wir
hier sind und unsere «tolle Technik» und die
«tollen Fähigkeiten» unserer HORA-SchauspielerInnen an andere Leute weitergeben, die das
dann lernen, und die dann in zwei Jahren auch
so toll sind, sondern wir haben einen Raum eröffnet. Ein Raum im übertragenen Sinne und im
ganz Konkreten. Wir haben auf der Bühne einen
leeren Raum, wir haben diesen Raum eröffnet
und die Leute sind rein gegangen. Manche vom
ersten Tag an, manche haben ein paar Tage gebraucht, und es macht mich extrem zufrieden
und glücklich, dass die Leute sich zunehmend
selbstbewusst in diesem Raum bewegen. Ich
glaube – ich weiss es nicht, aber ich glaube –
dass es nicht selbstverständlich für die Gesellschaft hier, dass es auch nicht selbstverständlich für unsere Gesellschaft ist, dass Leute mit
einer geistigen Behinderung in diesem Raum
tatsächlich frei agieren. Ich glaube, meistens
ist das ein geführtes Agieren, meistens müssen
sie etwas erfüllen. DIE LUST AM SCHEITERN
arbeitet da anders. Und da sind wir hier schon
weit gekommen. Sie haben sich diesen Raum
tatsächlich genommen.
Chris Weinheimer, Workshopleiter und Musiker, Auszug aus dem
Interview für die Dokumentation nach zehntägigem Workshop
We are not doing community theatre, specialneeds theatre, educational theatre, applied
theatre… none of those labels apply. We are
just doing theatre. Theatre that is alive at every
moment. In this theatre, everyone is the same
and everyone is different. Everyone has to follow
the rules and everyone can break the rules. The
group affects and decides. I affect and decide.
We wait, we listen, we watch. And… we play!
Jean Ng, theatre artist and instructor for «Down Syndrome Association», Auszug aus dem Programmtext
Die wundersame Begegnung mit den Menschen
vom Theater HORA in der Arbeit bei DIE LUST
AM SCHEITERN würde ich mit als das Beglückendste und Kostbarste bezeichnen, was mir
in den letzten fünfzehn Jahren widerfahren ist.
INTO THE WILD war für mich die Erfahrung,
dass es möglich ist, dieses Glück auch in Singapur mit dortigen «Experten des Andersseins» zu
INTO THE WILD
teilen und zu erleben. Wie gut das ging – über
alle Kultur- und Sprachgrenzen hinweg – davon
war ich selber ein bisschen überrascht.
Ole Schmidt, Workshopleiter und Musiker, Feedback ein Monat
nach dem Workshop
Theater hat aber auch die Funktion, Regeln
aufzubrechen, zu brechen und zu hinterfragen.
Letzteres stellt eine grosse Herausforderung dar,
weil ja die Erziehung von Menschen mit einer
geistigen Behinderung im Erlernen von Regeln
besteht. Da es für sie oft kognitiv nicht möglich
ist, oder nur teilweise möglich ist, Regeln bzw.
deren Hintergrund zu verstehen, geschweige
denn auch noch zu hinterfragen, werden diese
oft mittels «drill and practice» eingeübt. Improvisations-Theater gibt ihnen nun plötzlich eine
andere Wirklichkeit vor, weil in einem, im wahrsten Sinne des Wortes, abgesteckten Feld, ein
Freiraum an Regeln entstehen kann, ohne dass
Basisregeln verletzt werden dürfen. Nur auf den
ersten Blick ist dies ein (scheinbarer) Widerspruch. (…) Wenn sich eine Kursteilnehmerin in
den ersten drei Tagen kaum getraut hat vom
Stuhl aufzusehen, den Blick zu heben, geschweige denn auch nur eine Übung mitzumachen, um
dann am Ende des Workshops ein kleines Solo
vor versammeltem Publikum zu zeigen, so ist
dies, von ihrer individuellen Entwicklung her betrachtet, ein Riesenerfolg.
Ricco Bonfranchi, Präsident Förderverein Theater HORA, TourneeBegleiter und Heilpädagoge, im Essay zum Aufenthalt in Singapur
Wir haben daran gearbeitet, dass unsere TeilnehmerInnen ihre eigenen Entscheidungen fällen können. Künstlerisch hier auf der Bühne. Sie
werden nun entscheiden, was sie auf der Bühne
tun oder was sie nicht tun. Und wenn sie nichts
tun, ist das genauso wichtig, weil sie den anderen Raum geben. Das Motto ist: Warte, warte,
warte, loose, loose, luege, luege. Damit haben
wir viel gearbeitet, dazu haben sie viel gelernt.
Michael Elber, Künstlerischer Leiter Theater HORA, Ansprache
vor der Aufführung am 19.09.2014
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
MENSCHEN RUND UMS THETER HORA
6
RICCO BONFRANCHI
BEFRAGT
NELE JAHNKE
Kannst du etwas zu deiner Person sagen. (Alter,
Herkunft, beruflicher Hintergrund etc.)
Ich bin 1984 in Wolfsburg geboren, dann in Röbel, einem 500 Einwohner Dorf in Schleswig Holstein, nah an der Ostsee-Küste, aufgewachsen,
bevor ich dann meine letzten drei Schuljahre in
Berlin verbrachte. Dort habe ich beim Jugendclub der Volksbühne Berlin gespielt und dadurch
zum Theater gefunden. Nach einigen Schauspielen und dem Assistieren im Theater, einem
halben Jahr Leben in Bosnien der Liebe wegen,
habe ich ein Jahr am Fliessband in Schottland
gearbeitet und mich dann entschieden, Regie
an der Zürcher Hochschule der Künste zu studieren, was ich dann auch tat und 2011 mit dem
Master abschloss.
Wie bist du zum HORA gekommen?
Ich weiss nicht mehr wer, aber irgendwer erzählte mir vom HORA. Daraufhin verfolgte ich, was
das HORA so tat. Ich fragte auch an, um meine Masterproduktion mit Schauspielern vom
HORA zu machen, aber das ging dann aus
organisatorischen Gründen nicht. 2011 realisierte ich eine eigene, freie Produktion TRANSITARCHE am Theaterhaus Gessnerallee, wo
Schauspieler und Menschen mit einer geistigen
Behinderung vom Wagerenhof Uster mitspielten. Zu dieser Produktion lud ich den HORAStaff ein. Giancarlo und Urs sind schauen gekommen. Danach kamen Giancarlo und ich
ins Gespräch, und ich hatte Lust beim HORA
zu arbeiten, zu lernen, zu tun und Giancarlo
hatte grundsätzlich Interesse an meiner Arbeit.
Ich bin dann beim HORA dran geblieben, weil
es nicht viele Orte gibt, wo man spürt, dass
man da arbeiten will. Giancarlo, Michael und
ich blieben im Gespräch miteinander, bis ich
dann im Oktober 2012 als Praktikantin beim
HORA begann.
Was sind deine täglichen Aufgaben beim HORA?
Zum einen unterstütze ich Michael, also die
künstlerische Leitung, in verschiedenen Bereichen. Ich assistiere ihm bei Proben oder wir
leiten Proben zusammen oder ich übernehme
die Proben ganz. Dann gibt es Mails zu beantworten, Projekte aufzugleisen, Termine zu
koordinieren, Vergangenes und Zukünftiges zu
besprechen, Proben-Protokolle zu schreiben, Öl
für Posaunen zu besorgen usw.
Proben: das heisst Unterschiedliches und ist
auch abhängig, ob für eine Produktion, für einen
Workshop oder jenseits von konkreten Produktionen geprobt wird. Proben heisst auch körperliche Ertüchtigung, z.B. mit der Stimme: Sound,
Geräusche, Wörter bilden. Impros zusammen,
das heisst in der Gruppe und mit einzelnen, Geschichten erfinden, verfolgen, verdichten. Das
heisst auch: zu guter und zu schlechter Musik
zu tanzen, das heisst auch Namenfangis spielen, das heisst Geschichten auf der Bühne passieren lassen, von denen man vorher gar nicht
wusste, dass es sie gibt, das heisst Filme als Vorbereitung gucken, das heisst grüne Aliens aus
Schaumstoff basteln, das heisst erstaunt sein
darüber, was die HORAs auf der Bühne tun,
das heisst gespannt sein, wie sie mit Mimik, Gestik, Bewegung und Musik Geschichten erfinden und wie sie ein Ende finden. Das heisst viel
Spiellust zu erleben und manchmal zu erzeugen.
Das heisst bei der Probe ganz andere Dinge tun,
als man sich am Morgen vorgenommen hat,
weil die Schauspieler einem in dem Moment
der Probe neue Phantasien geben. Das heisst
Liebes-Dramen in den Pausen zu besprechen,
das heisst über Verteilung von Hotel-Zimmern
auf den Tourneen, Katniss Everdeen und Helene
Fischer zu diskutieren, und das heisst am Freitag den Probenraum zu putzen.
Was ist dein Bezug zu Menschen mit geistiger
Behinderung?
Ich glaube das erste mal, sehr bewusst, bin ich
Menschen mit geistiger Behinderung begegnet
in den Produktionen von Christoph Schlingensief. Da war ich so 17 Jahre alt. Unvergessen
blieb mir, wie Horst (ein behinderter Schauspieler, der viel mit Schlingensief gearbeitet hat) mit
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
7
einer Gitarre schräge Lieder sang und die Vorsitzende des kleinwüchsigen Verbandes, Lady
Di, herauf beschwörte und zugleich noch die
Mutter von Jesus war. Ich habe da etwas gesehen, was mich faszinierte und berührte, weil es
herrlich absurd war. Ich hatte das Gefühl, das
hat so eine eigene Kraft auf der Bühne. Die haben Antennen, die uns Nichtbehinderten längst
abgestorben sind. Das hatte eine ganz andere
Dimension. Da waren auf einmal andere Absurditäten möglich, eine ganze eigene Autonomie war da auf der Bühne unterwegs, die viele
Geschichten innerlich und äusserlich ausgelöst
haben. Da waren so eigene Ausdrucks-, Bewertungs- und Daseinsformen, eine ganz eigene
Radikalität unterwegs, die mir auch zeigten, wie
konstruiert diese Welt ist, die sich immer so –
vermeintlich – klar gebärdet.
Ich hatte danach immer Lust mit Menschen mit einer geistigen Behinderung Theater
zu machen, und habe mit einer freien Gruppe
in Deutschland einen Film, eine Performance
in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger
Behinderung auf Rügen gemacht und dann
2011 das oben erwähnte Projekt realisiert.
Während meines Studiums habe ich regelmässig ein Kind mit geistiger Behinderung als Nebenjob betreut. Und irgendwie habe ich mich,
obwohl ich so in die Mitte der Gesellschaft
geboren bin, auch immer ein wenig behindert
im Sinne des Unvermögens gegenüber den Ansprüchen des Lebens gefühlt.
Was denkst du, wenn du, auch in deiner Rolle
als Frau, von der Pränatalen Diagnostik hörst?
Schwierig. Zum einem denke ich, das liegt in
der persönlichen Freiheit einer jeder Frau, eines
Paares, zu entscheiden, ob sie ein Kind, was anders ist, austragen und aufziehen möchten. Das
ist eine individuelle Entscheidung. Ich finde nur
besorgniserregend, wie unwissend viele Frauen
darüber sind, und wie selbstverständlich diese
Tests geworden sind. Als gehörte das ganz natürlich zum Schwangersein dazu, das Kind auf
alles mögliche zu testen. Und zum anderen habe
ich natürlich Angst, dass Menschen die anders
sind, aussterben. Diese Welt wäre so viel ärmer
ohne sie und noch homogener. Dabei sind wir ja
vor lauter vermeintlicher Individualitätsbestrebungen in einer so grausam langweilig homogenisierten Gesellschaft unterwegs.
Wie schätzt du die Situation von Menschen mit
einer geistigen Behinderung in unserer westlichen
Gesellschaft ein?
Ich habe schon das Gefühl, dass Menschen mit
einer geistigen Behinderung stärker am gesellschaftlichen Leben teilnehmen als auch schon.
Dass sie nicht mehr so versteckt werden, dass
sie aus dem Bereich des Unsichtbaren herauskommen. Doch oft noch stark untereinander
bleiben, weil viele Nichtbehinderte, nach wie
vor, wenig Berührungspunkte mit den sog. Behinderten haben.
Und viele sog. Behinderte kommen mir sehr
fremdbestimmt vor. Oft: over protected. Und ihr
Leben wird durchorganisiert und systematisiert.
Ich habe das Gefühl, dass ihre Langsamkeit,
ihre eigenen Logiken und ihre Andersartigkeit,
das Konstrukt der westlichen Welt, in der wir
leben, fundamental in Frage stellen. Nichtbehinderte finden damit keinen Umgang, der erlaubt,
dass sie die Welt mitgestalten können oder sie
haben noch keinen solchen Umgang gefunden.
Denn Menschen mit einer geistigen Behinderung
stellen neue Begriffe von Leistung und Zeitlichkeit auf.
Was sind deine Zukunftspläne?
Das Leben und mich zusammenhalten. Ansonsten plane ich nicht so voraus. Unmittelbare
Zukunft: proben bis Weihnachten im HORA und
noch am Stadttheater Bern. Weihnachten nach
Hause fahren, danach mit Freunden sein. Nächstes Jahr: HORA Projekte realisieren. Und dann
weiter erfinden, spielen, viel HORA, manchmal
anderes. Im Sommer viel am Meer sein. Irgendwann wieder mal nach Schottland fahren.
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
AUSBILDUNG
8
NICHT VON DAUER
NICHT VON DAUER bezieht sich nicht nur auf
die Schauspiel-Ausbildung. Ebenso heisst die
erste Arbeit, mit welcher die neuen Lernenden
in der Adventszeit an die Öffentlichkeit treten. In einem kurzfristig vor dem Abbruch zur
Galerie umgewandelten Atelier begegnen sie
Kulturschaffenden, die ihre Grossmütter und
Grossväter sein könnten. Zwei Generationen
aus unterschiedlichen Kunstrichtungen setzen
sich mit Natur, Wandel, Zeitlichkeit und der etwas anderen Weihnachtsgeschichte von «Hirte
& Schaf» auseinander.
Alice Heri (Objekte & Bilder), Heini Fümm
(Fotos) und die Azubis (Performance/Spiel)
präsentieren Eindrücke für Aug’ und Gaumen
über Vergänglichkeit, Fortschritt und Stillstand.
Bestandteil des Projektes sind Gespräche über
Grosseltern. Mit Zitaten aus denselben sowie
Bildausschnitten von Denya Cantone stellen
sich der Ausbildungslehrgang 2014/16 und zwei
Spieler/innen des Berufsfindungsjahres 2014/15
hier vor.
«Bi mim Grossvater han ich‘s Gefühl, dä
chan nie verruckt werde. Mit däm chasch viel
Seich rede und so. Dä macht alles mit, au wenn
er scho über 80-zgi isch. Vo däm chöntsch no es
paar Sprache lehre.»
«Mini Grossmuetter isch sehr lang gstorbe
und isch im Rollstuhl gsi und ich bin sehr chli
gsi. Min Grossvater isch au gstorbe, wäge neue
Herzchlappe wächsle. Fertig.»
«Die ander Grossmami isch viel besser zwäg.
Hät Rollarwägeli und Stock zum Laufe. Hät ganz
viel schöni Sache verzellt vo Vergangenheit. Isch
schön. Hät sie emol Urbnerbode gläbed. Älleige,
im Hüttli. (…) Sie hät öppe 13 Gschwüsterti gha.
(…) Min Dädi und sini Brüder händ immer die huerä Strümpf agha. Glaub bis da ufe gange, glaub
(zeigt). Und händ immer mit Schäri ufgschnitte.
Kei Ahnig, was die susch Seich gemacht händ.»
«Mini Oma hät au dä Chrieg erlebt. Isch
mit em Chrieg gebore worde. Hät dä zweiti
Wältchrieg mitbicho. Dänn isch sie emol underwägs gis und isch mit em Kolleg in Bunker gange
und nachher sind eifach Bombe inetätscht. Aso
die Bombe, wo sie dänn händ gha. Und sie isch
imene Bunker gsi und zum Glück isch em Bunker nüt passiert.»
«Ich glaube dra, dass mer, wenn mer gstorbe isch, irgendeinisch wieder neu uf d‘Erde zrugg
chunt, als andere Mänsch, nüme als Simon. Mer
gseht eifach andersch us nachhär, will‘s wieder
vo vore afangt. Aso ich weiss nid, wie lang dass
es würd gah, bis mer wieder zrugg chunt. Das
merkt mer dänn scho.»
«Ich han en Zwillingsbrüder gha, aso eieig,
es sind eieigi Zwilling gsi. Dänn isch min Brüder
gstorbe, hät ja Chräbs gha und Hirntumor, Leukämie. Und ich has ja au gha und ich has irgendwie überlebt und ebe, er nöd. Und nachher hät
sich mit dä Ziit wie selber ergäh, so mit em Alter, dass ich dra glaube (an die Wiedergeburt).»
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
AUSBILDUNG
AUSBILDUNG
ZUM/ZUR
«PRAKTIKER/
IN (PRA)
SCHAUSPIELEREI»
Seit Sommer 2009 bietet das Theater
HORA – Stiftung Züriwerk eine Ausbildung
zum/zur ‹Praktiker/in (PrA) Schauspielerei› an. Diese nach IVG Art. 16 zweijährige
INSOS zertifizierte Lehre richtet sich insbesondere an darstellerisch und/oder musikalisch begabte, ausdrucksstarke Menschen mit dem Drang zur Bühne.
Interessierte Personen, auch solche
die kein Anrecht (mehr) auf eine erstmalige
berufliche Ausbildung haben, können im
laufenden Lehrgang ein Berufsfindungsjahr
absolvieren oder über einen Schnuppertag Aufnahme in die dreiwöchige Schnupperzeit finden. Nach bestandener Ausbildung erfolgt der Übertritt ins Ensemble
des Theater HORA.
Weitere Informationen unter:
www.hora.ch, (BILDEN/Die HORA Ausbildung) oder bei Urs Beeler, Ausbildungsleiter Theater HORA, u.beeler@zueriwerk.ch
oder 078 634 30 34
9
BERUFSFINDUNGSJAHR FÜR
SCHÜLER/INNEN
DER HPS-WERKKLASSEN
Das Theater HORA – Stiftung Züriwerk bietet SchülerInnen der HPS-Werkklassen die
Möglichkeit, während einem Schuljahr wöchentlich an einem Tag gemeinsam mit den
Lernenden des Theater HORA zu proben.
Dabei erhalten sie einen differenzierten Einblick in den Arbeitsalltag der SpielerInnen.
Die Interessierten lernen die Ansprüche an die Bühnenarbeit kennen, erfahren
im eigenen Tun welche körperlichen Anstrengungen auf einen Lernenden zukom-
men und was es bedeutet, täglich im kommunikativen Austausch mit anderen gefordert zu sein. Somit erleben die SchülerInnen die bestmöglichen Grundlagen zur
Entscheidung für eine Teilnahme an der
nächsten dreiwöchigen Schnupperzeit.
Weitere Informationen unter: www.hora.ch
(BILDEN/Berufsfindungsjahr) oder bei Urs
Beeler, Ausbildungsleiter Theater HORA,
u.beeler@zueriwerk.ch oder 078 634 30 34
THEATERWERKSTATT
FÜR KINDER
UND JUGENDLICHE
Im Sommer 2006 gründete Urs Beeler die
TheaterWerkstatt für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung. Seither
erfreut sie sich grosser Beliebtheit und startete diesen Sommer bereits in den neunten
Jahreskurs. Als Partner steht das Theater
HORA – Stiftung Züriwerk.
Interessiert? Dann komm doch zu einem
Schnupperbesuch vorbei. Wir proben:
Samstag 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl,
Rotwandstrasse 4, 8004 Zürich
HORA Magazin Nr. 38, Dezember 2014
Und wenn es Dir gefällt, kannst Du ab Sommer 2015 mitmachen. Mehr Informationen
und Fotos zur TheaterWerkstatt findest Du
unter: www.machtheater.ch
Kontakt/Leitung: Urs Beeler, Ausbildungsleiter Theater HORA, beegeo@bluewin.ch,
078 634 30 34
ANGEBOT
10
WORKSHOPS MIT DEN
HORAs
Die Workshops des Theater HORA verstehen sich als ein ästhetisch, persönlich und
sozial bildendes Medium, als ganzheitliches
Erleben und Lernen. Die Auseinandersetzung mit Rollen, Identitäten, Emotionen
und Geschichten ist gleichzeitig auch eine
Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Gefühlen, dem Körper mit seinen individuellen Ausdrucksmöglichkeiten, dem
Leben an sich. Die spielerische Begegnung
mit den HORAs legt Potentiale frei und
bietet vor allem Möglichkeiten unbelastet
zu spielen – mit Illusion, Utopie und Wirklichkeit – im Spiel Ängste zu nehmen, sich
in Flexibilität zu üben, Ungewöhnliches oder
Überraschendes zu entdecken, gemeinsam
Geschichten und Absurditäten zu erfinden.
Unsere Workshops richten sich an Theaterschaffende, ausgebildete Sozialpädagogen, Treuhänder, Studierende aller Fachrichtungen, Köche, an Menschen mit und
ohne Behinderung, an Schulen, Studienbereiche, Firmen, an Interessentinnen und Interessenten jeden Alters. Die Dauer ist variabel. Vorzugsweise finden die Workshops
in unseren Probe- und Aufführungsräumen
statt.
Interessiert? Dann melden Sie sich unter:
theater@hora.ch
JUBILÄUMSBUCH
20 JAHRE THEATER HORA
THEATER HORA – DER EINZIGE UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND
SALVADOR DALÍ IST, DASS WIR NICHT DALÍ SIND
Wie aus einem Theaterkurs in einem Züricher Wohnheim für geistig behinderte
Frauen ein mittlerweile weltweit tourendes
Theaterunternehmen wurde, vermittelt dieses Buch in Bildern, Gesprächen, Werkstattberichten, Praxisanleitungen, Erinnerungen,
Karten und zahlreichen Dokumenten aus
dem HORA-Archiv. Beigelegt ist eine DVD
u. a. mit Praxis-Vorführungen von Michael
Elbers Theatertraining und Videoschnipseln
aus 20 Jahren Theater HORA und einer unveröffentlichten HORA‘BAND CD.
Es können noch Bücher zum Vorzugspreis
über theater@hora.ch bestellt werden oder
am liebsten gleich abgeholt werden.
(rund 3 kg schwer.)
13
SCHULE & KULTUR UNTERSTÜTZT
DAS ANGEBOT
ANDERSSEIN:
ENTE
TOD & TULPE
Theater, Gespräch und Workshop. Theater und Gespräch behandeln die Themen
Leben, Sterben und Freundschaft, nach
dem Bilderbuch von Wolf Erlbruch/Theater HORA. Der Workshop befasst sich
in der spielerischen Begegnung mit Menschen mit einer Beeinträchtigung mit dem
Thema AndersSein.
www.schuleundkultur.ch
HORA‘
BAND
Kostproben der Songs auf:
www.hora.ch (unter HORA‘BAND/Sound)
Die HORA‘BAND kann man buchen:
HORA Büro, 044 405 71 40,
theater@hora.ch
oder direkt mit dem Band-Leader
Kontakt aufnehmen:
Roli Strobel, roli.s@gmx.ch
Abholpreis im Büro: CHF 30.–
Lieferung nach Hause: CHF 60.–
HORA Magazin Nr. 38, Dezember 2014
INTO THE WILD
NEUE HORA-PRODUKTIONENA AB 2015
14
12
DREI NEU-PRODUKTIONEN MIT HORASCHAUSPIELERINNEN ODER DER HORA`BAND
Das Theater HORA wird in der ersten Hälfte des
Jahres 2015 mit gleich drei neuen Produktionen
für Aufmerksamkeit sorgen. Auch in Zukunft
steht die Zusammenarbeit mit aussenstehenden Theaterschaffenden bzw. Theatergruppen
aus der regulären Kulturszene im Fokus. Der
Austausch ist für alle Beteiligte nicht nur auf
künstlerischer Ebene unglaublich befruchtend,
er bereichert das Spektrum der hiesigen Tanzund Theaterszene nachhaltig.
Auch im künstlerischen Team gab es beim
Theater HORA Veränderungen. Seit nunmehr
fast zwei Jahren unterstützt und ergänzt eine
junge Nachwuchsregisseurin den künstlerischen
Bereich. Nele Jahnke wird im nächsten Frühling
ihre zweite Regiearbeit präsentieren.
Nun möchten wir aber schön der Reihe nach
unsere drei Projekte näher vorstellen:
Ein Gemeinschaftsdelirium von
kraut_produktion und Theater HORA
HUMAN RESOURCES
Premiere 3. März 2015
Fabriktheater, Zürich
JACCARD/SCHELLING DRIFT
und HORA‘BAND
BAD ADVICE
Premiere 25. Februar 2015
Theater Equilibre-Nuithonie, Fribourg
Eigenproduktion Theater HORA
Regie: Nele Jahnke
NORMALITÄT. EIN MUSICAL (Arbeitstitel)
Premiere 5. Juni 2015
Fabriktheater, Zürich
Jedes der drei aufgeführten Projekte ist aus einer bestimmten Logik entstanden. Die Koproduktion mit kraut_produktion entsprang aus
der langjährigen Zusammenarbeit mit dem
Fabriktheater der Roten Fabrik. Aufgrund der
dort stattfindenden Vorstellungen der von uns
veranstalteten Festivals OKKUPATION (in den
Jahren 2007/2009/2011/2013), sowie der Zusammenarbeit bei den letzten zwei Produktionen (DISABLED THEATER und MARS ATTACKS!), entstand der gegenseitige Wunsch
mit Michel Schröder, Regisseur bei kraut_produktion und Co-Leiter des Fabriktheater, gemeinsam mit einem Teil des Ensembles des
Theater HORA ein Stück zu kreieren. HUMAN
RESOURCES bildet das letzte und dritte Stück
von kraut_produktion, das innerhalb ihrer städtischen Dreijahres-Gruppenförderung entstehen wird.
Hingegen bahnte sich die Idee zur Zusammenarbeit mit Cie Drift aus Peter Schellings Neugier für die Musik und Töne der
HORA‘BAND heraus. Cie Drift ist schon seit
jeher für ihre Suche nach dem Neuen und
Grenzüberschreitenden bekannt. Nun soll die
Band in die Tanzwelt von Drift für ungewohnte
Augenblicke bzw. für misslungene Ratschläge
sorgen.
Mit der nächsten Eigenproduktion möchte
das Theater HORA in die Zukunft investieren.
Nach Nele Jahnkes ersten künstlerischen Arbeit bei HORA, LA PETITE MORT, gezeigt anlässlich des Festivals OKKUPATION! im Jubiläumsjahr 2013, folgt nun die zweite Produktion
unter ihrer Regie. Nele Jahnke ist spätestens
seit dem Projekt TRANSITARCHE (2011) auch
dem Theater HORA bekannt. Ihr Verständnis
für szenische Umsetzung mit Menschen mit
einer geistigen Behinderung hat das Theater
HORA dermassen überzeugt, dass sie wenig
später angefragt wurde, das HORA-Team im
künstlerischen Bereich zu ergänzen. Das Theater HORA verfolgt seit einigen Jahren das Ziel
nicht nur mit relevanten Vertretern der regulären Tanz-, Theater- und Performanceszene
zusammen zu arbeiten, sondern eben auch mit
Nachwuchstalenten zu kooperieren.
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
AGENDA 2014 /2015
AKTUELLE DATEN UND INFORMATIONEN WERDEN ÜBER UNSEREN
NEWSLETTER VERBREITET ODER KÖNNEN AUF UNSEREM SPIELPLAN
EINGESEHEN WERDEN (WWW.HORA.CH)!
DEZEMBER
NICHT VON DAUER
Noch bis zum 21. Dezember 2014
mit den HORA-SchauspielerInnen in
Ausbildung
TransForm Friesenberg, Zürich
Anmeldung über ticket@hora.ch,
nähere Infos auf www.hora.ch
JANUAR
DISABLED THEATER
27./28. Januar
Arena del Sole und Festival Xing, Bologna
FEBRUAR
BAD ADVICE
von JACCARD/SCHELLING DRIFT
und HORA‘BAND
Revue méchante avec Orchestre
Premiere: Mi 25. Februar 2015, 19.00 Uhr
Theatre Equilibre-Nuithonie, Fribourg
Weitere Daten Fribourg:
Do 26./Fr 27./Sa 28. Februar, 20.00h
Kleintheater Luzern:
Mi 11./Do 12/Fr 13. März 2015, 20.00 Uhr
FREIE REPUBLIK HORA
Try-Outs mit dem HORA-Ensemble
Mo 23./Mi 25./Fr 27. Februar, 19.00 Uhr
Backstein/Rote Fabrik, Zürich
MÄRZ
HUMAN RESOURCES
Ein Gemeinschaftsdelirium von
kraut_produktion und Theater HORA
Premiere: Di 3. März 2015, 20.00 Uhr
Weitere Daten: Do 5./Fr 6./Sa 7. und Mi
11./Do 12./Fr 13. März, 20.00 Uhr
Fabriktheater, Zürich
ENTE, TOD & TULPE
Di 17./Mi 18. März
Theater Roxy, Birsfelden (Basel)
DISABLED THEATER
ca. zwischen 24.–29. März
Toronto (Kanada)
APRIL
FREIE REPUBLIK HORA
Try-Outs mit dem HORA-Ensemble
Daten auf www.hora.ch,
Backstein/Rote Fabrik, Zürich
JUNI
NORMALITÄT. EIN MUSICAL
vom Theater HORA
Premiere : 5. Juni 2015
Fabriktheater, Zürich
Weitere Daten Fabriktheater, Zürich:
Sa 6./So 7./ Mo 8./ Di 9. Juni, 20.00 Uhr
Weitere Daten Festival Wildwuchs, Basel:
Fr 12./ Sa 13. Juni
NEUE HORA-PRODUKTIONENA AB 2015
12
DREI NEU-PRODUKTIONEN MIT HORASCHAUSPIELERINNEN ODER DER HORA`BAND
Das Theater HORA wird in der ersten Hälfte des dort stattfindenden Vorstellungen der von uns
Jahres 2015 mit gleich drei neuen Produktionen veranstalteten Festivals OKKUPATION (in den
für Aufmerksamkeit sorgen. Auch in Zukunft Jahren 2007/2009/2011/2013), sowie der Zusteht die Zusammenarbeit mit aussenstehen- sammenarbeit bei den letzten zwei Produkden Theaterschaffenden bzw. Theatergruppen tionen (DISABLED THEATER und MARS ATaus der regulären Kulturszene im Fokus. Der TACKS!), entstand der gegenseitige Wunsch
Austausch ist für alle Beteiligte nicht nur auf mit Michel Schröder, Regisseur bei kraut_prokünstlerischer Ebene unglaublich befruchtend, duktion und Co-Leiter des Fabriktheater, geFÖRDERVEREIN
HORA mit einem
DANK Teil des Ensembles des
er bereichert das Spektrum der hiesigen
Tanz- THEATER
meinsam
und Theaterszene nachhaltig.
Theater HORA ein Stück zu kreieren. HUMAN
Auch im künstlerischen Team gab es beim RESOURCES bildet das letzte und dritte Stück
WILLKOMMEN
Ein herzliches
Dankeschönihrer
aller HORAs
vonBEIM
kraut_produktion,
das innerhalb
städTheater HORA Veränderungen. Seit nunmehr
an alle unsere Mitglieder, Spender und
fast zwei Jahren unterstützt und ergänzt THEATER
eine HORA!
tischen Dreijahres-Gruppenförderung
entsteSponsoren für ihre Treue. Das Ensemble
junge Nachwuchsregisseurin den künstlerischen
und die Schauspiel-Lernende freuen sich
Das Theater HORA isthen
das wird.
bekannteste
Sie, Ihre Familie
oder Idee
Mitarbeiter
eiprofessionelle
Theater von und
mit Men- bahnte
Bereich. Nele Jahnke wird im nächsten
Frühling
Hingegen
sich die
zur anZuner unserer Vorstellungen begrüssen zu
schen mit einer kognitiven Beeinträchihre zweite Regiearbeit präsentieren.
Cieoder
Drift
aus
Schelkönnen
Ihnen
an Peter
einem Workshop
tigung in der Schweiz.sammenarbeit
Der Förderverein mit
beim
Theater
HORA
zu
begegnen.
setzt
sich
dafür
ein,
dass
Menschen
mit
Nun möchten wir aber schön der Reihe nach lings Neugier für die Musik und Töne der
Behinderung unter qualifizierter Leitung
unsere drei Projekte näher vorstellen:
HORA‘BAND heraus. Cie Drift ist schon seit
professionelles Theater spielen und die
für ihre
dem
Neuen
eigenen künstlerischen jeher
und musischen
Fä- Suche nach
SPENDEN
AB SFR
500 und
higkeiten
fördern
können.
UND
PROJEKTBEITRÄGE
AB
Ein Gemeinschaftsdelirium von
Grenzüberschreitenden bekannt. Nun SFR
soll1000
die
Unterstützen auch Sie das Theater
AN DEN FÖRDERVEREIN UND
kraut_produktion und Theater HORA
Band
in
die
Tanzwelt
von
Drift
für
ungewohnte
HORA mit einer Mitgliedschaft, mit eiTHEATER HORA-STIFTUNG ZÜRIWERK
ner Spende oder Sammlung
. Tragen Siebzw. für misslungene Ratschläge
HUMAN RESOURCES
Augenblicke
dazu bei, die Arbeit des Theater HORA
Alexis Victor Thalberg-Stiftung,
Premiere 3. März 2015
sorgen.
zu verbreiten und zu fördern. Die MitglieE. Bachmann, Ernst Göhner Stiftung,
Fabriktheater, Zürich
Mit der nächsten
Eigenproduktion
möchte
derbeiträge (SFR 150 pro Kalenderjahr)
Fachstelle
Kultur Kanton Zürich,
und alle Spenden kommen
ausschliessFörderverein
Theater
HORA,
Hamasil
das Theater HORA in die Zukunft investieren.
lich den Projekten des Theater HORA
Stiftung, J. Dalloz, Katholische KirchenJACCARD/SCHELLING DRIFT – Stiftung Züriwerk undNach
Nele Jahnkes
ersten
künstlerischen
des Ausbildungsstiftung
St. Anton,
Kirchgemeinde Arlehrgangs zugute. Bei beit
hauseigenen
ProMittleres
Toggenburg,
M.gezeigt
Meier, anund HORA‘BAND
bei HORA,
LA
PETITE
MORT,
duktionen können Sie als Mitglied zudem
S. Geisthart, Migros Kulturprozent,
BAD ADVICE
lässlich des Festivals
OKKUPATION! im Jubiläzwei Gratis-Eintritte pro Kalenderjahr beMBF Foundation, Paul Schiller-Stiftung,
Premiere 25. Februar 2015
umsjahr
nun
die
zweite Produktion
ziehen, oder ein Mal einen
Freund2013,
oder folgt
Pro Helvetia
Kulturstiftung,
Pro Infirmis,
Freundin
zu
einer
Produktion
des
Theater
Protestantischer
Frauenverein
Cham,
Theater Equilibre-Nuithonie, Fribourg
unter ihrer Regie. Nele Jahnke
ist spätestens
HORA einladen.
Stadt Zürich Kultur, Stiftung Denk an
seit
demdesProjekt
TRANSITARCHE
(2011)
auch
Möchten auch Sie
Mitglied
Förmich,
Stiftung Dr. Valentin
Malamoud,
oder HORA
Verein bekannt.
REMIB, Vontobel
Stiftung,
Eigenproduktion Theater HORA dervereins Theater HORA
demwerden
Theater
Ihr Verständnis
sich näher informieren, wenden Sie sich
Wohlfahrtsfonds der Gelatine AG
Regie: Nele Jahnke
für 71szenische
Umsetzung
mit Menschen mit
direkt an uns: Tel 044 405
40/
Winterthur.
NORMALITÄT. EIN MUSICAL (Arbeitstitel)
einer
geistigen Behinderung hat das Theater
Fax 044 405 71 10 oder
verein@hora.ch
Premiere 5. Juni 2015
HORA dermassen überzeugt, dass sie wenig
Fabriktheater, Zürich
später angefragt wurde, das HORA-Team im
künstlerischen Bereich zu ergänzen. Das TheJedes der drei aufgeführten Projekte ist aus ei- ater HORA verfolgt seit einigen Jahren das Ziel
ner bestimmten Logik entstanden. Die Kopro- nicht nur mit relevanten Vertretern der reguduktion mit kraut_produktion entsprang aus lären Tanz-, Theater- und Performanceszene
der langjährigen Zusammenarbeit mit dem zusammen zu arbeiten, sondern eben auch mit
Fabriktheater der Roten Fabrik. Aufgrund der Nachwuchstalenten zu kooperieren.
IMPRESSUM
HORA MAGAZIN
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Ricco Bonfranchi, Conny Marinucci
AutorInnen
Urs Beeler, Michael Elber,
Nele Jahnke, Giancarlo Marinucci
Gestaltung
Stillhartkonzept und Gestaltung, Zürich
Fotos
Kevin Lee, Denya Cantore
Papier
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz print, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T: 044 405 71 40, F: 044 405 71 10
Verein: verein@hora.ch
Züriwerk: hora@zueriwerk.ch
www.hora.ch
HORA Magazin Nr. 3 8 , Dezember 2 0 14
-
04/2014 – HORA Magazin Nr. 37
NR. 37 APRIL 2014
INHALTSVERZEICHNIS
3
HORA-PRODUKTIONEN
Mars Attacks!
Goal Mania
Freie Republik HORA
Disabled Theater
Ente, Tod & Tulpe
6
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit
Beata Hochstrasser
8
KOLUMNE
Wie ist das eigentlich mit
den Vergleichen?
9
ANGEBOT
Gastspiel-Produktionen
Workshops
HORA`BAND
Jubiläumsbuch
10
AUSBILDUNG
Ausbildung
Berufsfindungsjahr
Theaterwerkstatt
Abschlussarbeit:
My own Song
EDITORIAL
LIEBE HORA FRUNDINNEN & FREUNDE
Das Zauberwerk mit neuem Namen und
neuem Outfit: HORA-Magazin. Seit acht
Jahren kennen Sie das Zauberwerk als ein
Magazin in Format DIN A5. Vermutlich haben Sie sich auch an das Format und die
Aufmachung gewöhnt. Im Vorstand und mit
der Führung des Theater HORA haben wir
uns Gedanken darüber gemacht, ob der
Magazin-Name und das Format noch unseren Bedürfnissen entsprechen und sind
zur Ansicht gekommen: Nein.
Zum Namen: Die ersten Nummern
dieses Informationsblattes des Theater
HORA hiessen noch Zauberflöte. Das wiederum hing mit dem ersten Stück zusammen, das Michi Elber auf die Bretter, die ja
bekanntlich die Welt bedeuten, gebracht
hat. Dann kam das HORA zum Züriwerk
und wurde ein integrierter Bestandteil dieser grossen Stiftung im Behindertenbereich
und der Name wurde zu Zauberwerk. Aber
eigentlich identifiziert man sich mit diesem
Namen, so meinen wir festgestellt zu haben,
kaum. Was liegt also näher, als das Magazin so zu nennen, um dessen Inhalt es ja
schliesslich und endlich auch geht? Genau:
HORA; also HORA-Magazin.
Zum Format: Das HORA Theater
ist gewachsen und ist heute ein bekannter Name. Also sind wir auch hier der
Meinung, dass Anpassungen stattfinden
müssen. Also verdoppeln wir einfach die
Grösse und so erhalten Sie das HORAMagazin in neuer Gestalt in Händen. Das
lässt einfach mehr Möglichkeiten zu und
die Bilder von Vorstellungen, die ja bei unseren Lesern sehr beliebt sind, sind nicht
mehr im Mikroformat. Veranstaltungs-Hinweise werden im neuen HORA-Magazin
durch ein kleineres Format hervorgehoben,
welches auch als Blatt herausgetrennt und
somit separat aufbewahrt werden kann.
Der Versand des HORA-Magazins erfolgt
natürlich weiterhin in der Produktion des
Züriwerk. Also geniessen Sie weiterhin das
HORA-Magazin und bleiben Sie uns gewogen. Ricco Bonfranchi
INHALTSVERZEICHNIS
3
HORA-PRODUKTIONEN
Mars Attacks!
Goal Mania
Freie Republik HORA
Disabled Theater
Ente, Tod & Tulpe
6
MENSCHEN RUND UMS
THEATER HORA
Interview mit
Beata Hochstrasser
8
KOLUMNE
Wie ist das eigentlich mit
den Vergleichen?
9
ANGEBOT
Gastspiel-Produktionen
Workshops
HORA`BAND
Jubiläumsbuch
10
AUSBILDUNG
Ausbildung
Berufsfindungsjahr
Theaterwerkstatt
Abschlussarbeit:
My own Song
FÖRDERVEREIN THEATER HORA
HEREINSPAZIERT BEIM
THEATER HORA!
Das Theater HORA ist das bekannteste
professionelle Theater von und mit Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung in der Schweiz.
Wenn Sie bereits Mitglied sind im
Förderverein des Theater HORA, haben
Sie nun die Möglichkeit, wenn Sie ein neues
Mitglied werben, zwei Gratis-Eintrittskarten für eine oder zwei HORA-Vorstellungen
zu erhalten. Der oder die Geworbene muss
lediglich ihren Namen auf seine Anmeldung
setzen und der Werber erhält zwei Tickets.
Der Verein Theater HORA setzt sich
dafür ein, dass Menschen mit Behinderung unter qualifizierter Leitung professionelles Theater spielen und die eigenen
künstlerischen und musischen Fähigkeiten
fördern können. Das Theater HORA bietet
auch eine zweijährige, anerkannte Ausbildung zum Schauspiel-Praktiker an.
Als Mitglied des Vereins Theater
HORA bleiben Sie über alle laufenden Projekte informiert und Ihr jährlicher Mitgliederbeitrag von CHF 150 kommt unmittelbar den aktuellen Produktionen zu Gute.
Möchten auch Sie Mitglied des Verein Theater HORA werden oder sich näher informieren, wenden Sie sich direkt an uns: Tel
044 405 71 40 / Fax 044 405 71 10 oder
verein@hora.ch. Die Mitgliederbeiträge und
alle Spenden, die einbezahlt werden, kommen ausschliesslich den Projekten des Theater HORA Züriwerk zugute.
Durch den Förderverein wurden in
den letzten Jahren unter vielen anderen
die folgenden Projekte unterstützt, wie zum
Beispiel: DIE LUST AM SCHEITERN, ALL
THE WORLD IS A STAGE, OKKUPATION!FESTIVALS.
DANK
Für die Spenden und Unterstützungsbeiträge. Alle HORAs freuen sich, Sie, Ihre Familie oder Ihre Mitarbeiter in diesem Jahr
an einer unserer Vorstellungen begrüssen
zu können.
SPENDEN AB SFR 500
AN DEN FÖRDERVEREIN FÜR DIE
HORA-PRODUKTIONEN
J. Meier; J. Faber; A. Ringier; G. Schreier;
R. Bonfranchi; Amos Holding AG; Pro
Familia Glarus; Ref. Kirchgemeinde Rümlang; Frauenverein Matthäus; Giuseppe
Kaiser-Stiftung; Bernold Zahnraeder
AG; Wohlfahrtsfonds der Gelatine AG
Winterthur; Römisch Kath. Behindertensehlsorge; Friedlipartner AG; Kolber +
Studiger AG; Evang. Ref. Kirchgemeinde
Regensberg.
SPENDEN AB SFR 1000
AN DIE THEATER HORA-STIFTUNG
ZÜRIWERK
Dr. A. Streuli-Stiftung; Eidgenössisches
Departement des Innern – EBGB; Ernst
Göhner Stiftung; Fachstelle Kultur Kanton
Zürich; Förderverein Theater HORA;
Hamasil Stiftung; Katholische Kirchenstiftung St. Anton; Lotteriefonds des Kantons
Zürich; Martha Bock Stiftung; MBF
Foundation; Migros Kulturprozent; Otto
Gamma-Stiftung; Paul Schiller-Stiftung;
Pro Helvetia Kulturstiftung; Pro Infirmis;
Röm.-Kath. Kirchgemeinde 8004 Zürich;
Röm.-Kath. Körperschaft des Kantons
Zürich; Stadt Zürich Kultur; Stanley Th.
Johnson Stiftung; Stiftung Denk an mich;
Verein REMIB; Vontobel Stiftung
HORA-PRODUKTIONEN
MARS ATTACKS!
3
MARS ATTACKS!
GOAL MANIA
Ein brutaler Science-Fiction-Klassiker, als Postkartenkaugummibilderbuch in den 50iger veröffentlicht und immer
wieder zensiert wegen seiner jugendgefährdenden Inhalten.
Der Ball ist rund,
und das Spiel dauert
90 Minuten.
Generationen erfreuten sich an den fiesen
Marsmännchen, die die Erdenbewohner
auf alle erdenklichen Arten quälten, folterten und vernichteten, und dabei immer
besonders an den menschlichen Prominenten und den amerikanischen Frauen
interessiert waren. In diese psychologische
Schieflage von Projektion und heimlichen
Wünschen dringen nun das Theater HORA
aus Zürich zusammen mit dem HELMI
Puppentheater aus Berlin ein, um eine surreale Perfomance um heimliche Wünsche,
Abgründe und das Ende der Menschheit zu
erfinden. Das Besondere an der Konstellation: beim Theater HORA handelt es sich
um das berühmteste Behindertentheater
der Welt, und beim HELMI um das Theater
mit den hässlichsten Puppen der Welt, und
einer unberechenbaren Gruppe von genialen Einzel-Autodidakten. Wer soll von diesen beiden Gruppen die Ausserirdischen
spielen, wo beide Parteien behaupten, nur
Menschen spielen zu können? Schon bilden sich neue Allianzen, im Spiegel der Gegenseite fängt man an, sich zu verändern:
Es entstehen Vereinigungs- und Entgrenzungssehnsüchte. Wer entführt wen? Wer
manipuliert wen? Wer ist überlegen? Wer
ist freundlich? Wer nicht? Was sollen die
Umarmungen? Bald wird klar, dass die normalen Zuschreibungen nicht funktionieren,
und dass man nur auf dem Wege der harten
Erfahrung (reality proof concept) herausfinden kann, was in Wahrheit geschah beim
Aufeinandertreffen mit den Ausserirdischen.
Parallel zur Weltmeisterschaft in Brasilien
treten zwei Teams gegeneinander an, wie
sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das Ensemble vom Theater HORA trifft auf
das Ensemble des Schauspielhauses Zürich. Werden die Schauspieler mit Behinderung aus dem Stadion geschossen, oder erleben wir das Wunder von Zürich? Und wer
gewinnt die Herzen der Theaterzuschauer?
Der krasse Aussenseiter fordert den haushohen Favoriten. David gegen Goliath. Zürich im Fussballrausch. Sichern Sie sich ein
Ticket, und peitschen Sie Ihre Mannschaft
zum Triumph! Geniessen Sie die einmalige
Atmosphäre zwischen Theater und Sportevent! Es erwartet Sie ein Spektakel mit
grossen Emotionen, schweissgebadeten
Vorzeige-Athleten und der grossen Frage
nach der Political Correctness. Für Wurst,
Bier und Unterhaltung ist gesorgt. Mögen
die Spiele beginnen.
FREIE REPUBLIK
HORA
Ein Langzeitperformanceprojekt
vom Theater HORA.
Für das neue Projekt von Theater HORA
gibt es weder Spielvorlage noch Autor/in,
Regisseur/in oder Choreograf/in, nur eine
einzige grosse Handlungsanweisung ans
Ensemble: Macht was ihr wollt, und wie es
euch gefällt. Ein auf drei Jahre angelegter
Lernprozess für Publikum und Ensemble – herauszufinden, was man selber will,
die eigenen und fremden Vorstellungen,
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
4
Bedürfnisse, Erwartungen und Theaterbegriffe spielerisch zu untersuchen, Kritik zu geben und mit Kritik umzugehen.
Höchstwahrscheinlich werden sich die
Performances dauernd verändern.
DISABLED THEATER
Eine der erfolgreichsten Bühnenproduktionen
der Freien Szene aus der Schweiz.
In einer Gesellschaft, die sich als zutiefst
normal definiert, bildet Behinderung eine
Grenze, gegen die die Kategorie der Normalität anrennt. Geistige Behinderung gilt
weithin als radikales Gegenteil der intellektuellen Schärfe und Kultiviertheit des
an zeitgenössischem Tanz und Theater
interessierten Publikums. Diese Form von
Behinderung rückt Jérôme Bel ins Zentrum der Aufmerksamkeit des Publikums.
Daraus entsteht eine neue Sichtweise, die
uns erlaubt, in gemeinsamen Dimensionen
denken zu können. DISABLED THEATER
wirft ein Schlaglicht auf die Dynamik der
Ausgrenzung, durch die diejenigen an den
Rand gedrängt werden, die als unproduktiv
gelten. Es zeigt auf, wie sie die Mechanismen dieser Repräsentation hinterfragen,
und auf die Existenz als eine ungeteilte
Form der Präsenz hindeuten können. Die
Zusammenarbeit von Jérôme Bel, einem
der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen Konzepttanzes, mit den geistig behinderten Schauspielern des Theater Hora
ist eine Unterwanderung jeder political correctness – so polarisierend wie erfolgreich.
5
ENTE, TOD & TULPE
Ein Stück für Menschen
jeden Alters
nach einem Bilderbuch von Wolf Erbruch.
Ausgangspunkt des Stücks ist das Bilderbuch «Ente, Tod und Tulpe». Darin erzählt
und zeichnet Wolf Erlbruch mit tiefgründiger
Leichtigkeit die Beziehung zwischen einer
Ente und dem Tod. Viele Wochen teilen die
Beiden ihr Leben, und unterhalten sich über
das Sterben. Mal einander zugewandt,
dann wieder einander fliehend, mit immer
währenden kleinen Gesten der Angst, des
Trotzes, des Versagens und des Vertrauens.
Tod war schon immer in der Nähe von
Ente, «nur für den Fall». Aber nun hat sie
ihn bemerkt und er stellt sich ihr vor. Natürlich ist Ente schockiert. Sie hat Angst
vor dem Sterben. Tod nimmt es ihr nicht
übel, und klärt sie auf, dass er nicht für das
Sterben zuständig ist. Er will nur da sein,
wenn es passiert. Im Gespräch merkt Ente,
dass Tod eigentlich ganz nett ist. Sie zeigt
ihm ihren Lieblingsplatz, den Teich. Doch
Tod merkt schon bald, dass dieser feuchte
Ort nichts für ihn ist. Ente schlägt ihm vor,
ihn zu wärmen. Freudig überrascht nimmt
Tod ihr Angebot an.
Tags darauf stellt Ente beruhigt fest,
dass sie noch nicht gestorben ist. Tod begleitet sie weiterhin. In den gemeinsamen
Gesprächen über das Sterben kommen
sie sich immer näher. Tage vergehen, Wochen, Monate. Es wird immer kälter. Nun
ist es an Tod, Ente zu wärmen.
Eines Morgens ist es soweit, Ente
wacht nicht mehr auf. Tod trägt sie zum
Fluss, bettet sie sanft auf das Wasser und
schenkt ihr eine Tulpe für die Reise. Lange
schaut er ihr nach und stellt fest, dass er
fast ein bisschen traurig ist.
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
Links: DISABLED THEATER Rechs: ENTE, TOD & TULPE
MENSCHEN RUND UMS THETER HORA
RICCO BONFRANCHI
BEFRAGT BEATA
HOCHSTRASSER
Beata, du bist Direktorin der Stiftung
Züriwerk, und damit die oberste Chefin
einer Vielzahl von Abteilungen und Bereichen in dieser Institution. Wie nahe ist
dir das HORA?
Sehr nahe; das Theater HORA ist mir seit
rund einem Jahr direkt unterstellt. Das hat
damit zu tun, dass Giancarlo den Bereich
sehr selbständig führt und führen muss, und
es aber zwischen uns wichtige Schnittstellen gibt, etwa bei Fragen zur Kommunikation und auch beim Fundraising.
Wie ordnest du das HORA, dessen unmittelbare Vorgesetzte du ja bist, im
Verhältnis zu den anderen Bereichen, wie
z. B. Wohnen, Produktion etc. ein?
Das Theater HORA ist in der öffentlichen
Wahrnehmung ein Kulturbetrieb. Der Kulturbetrieb «profitiert» nicht vom sozialen
Image der Stiftung Züriwerk und darf bzw.
muss darum auch ein Sonderzügli fahren,
gerade auch in der Kommunikation und
der Mittelbeschaffung. Den gleichen Anspruch wie an die anderen Wohn- und Arbeitsangebote habe ich allerdings, was die
agogische Arbeit betrifft. Der Arbeitsalltag
muss den Schauspielerinnen und Schauspielern ermöglichen, das zu tun, was sie
gerne und gut machen, damit sie zufrieden sind. Die Begleitung wiederum soll sie
fordern und darin begleiten, auch Neues
zu wagen und zu lernen.
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
7
Welche Bedeutung hat für dich der Bereich
der Kultur für kognitiv beeinträchtigte
Menschen?
Die Kultur bietet für begabte Menschen
eine ideale Arbeitstätigkeit, wo sie sich
entfalten und kreativ, also aktiv, gewinnbringend, sinnstiftend einbringen können.
Bei unseren Schauspielerinnen und Schauspielern wird uns ja so gut vor Augen geführt,
dass viele Menschen mit Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten kreative,
künstlerische Begabungen haben.
Durch das Stück DISABLED THEATER ist
das HORA quasi über Nacht in die Champions League der Theater katapultiert worden, und wird mittlerweile international auf
den Festivals «gehandelt». Wie stehst du
dazu?
Es freut mich ausserordentlich, und zwar –
den Aspekt bewerte ich dabei besonders –
stehen Menschen mit Beeinträchtigung auf
den wirklich grossen Bühnen, und haben
endlich ein wirklich grosses Publikum, das
berührt und zum Nachdenken gebracht
wird. Wir haben auch andere Produktionen, die diesen Erfolg «verdient» hätten.
Ich denke zum Beispiel an das Stück DIE
LUST AM SCHEITERN, welches vielleicht
weniger provoziert, aber mich ebenso
stark berührt.
Gab es eventuell auch von anderen Bereichen intern im Züriwerk so etwas wie
Neidgefühle über diesen Erfolg? Wenn
eine Lieferung z. B. die Produktion in Bubikon verlässt, wird wohl kaum so geklatscht
werden, wie wenn die HORA-Schauspieler
sich nach der Vorstellung vor dem Publikum verbeugen.
Nein, dann wird nicht geklatscht. Aber
unsere Auftraggeber sind uns sehr oft seit
Jahren treu und bringen uns immer wieder
Aufträge, fordern uns heraus und kommen
wieder. Anerkennung unserer Leistungen in
Form von Treue also.
Was denkst du darüber, dass die HORASchauspielerInnen ein völlig anderes Leben (z. B. teure Hotels, Empfänge, Preise,
Flüge in alle Welt etc.) führen, als z. B. ihre
KollegInnen, die in einem anderen Bereich
im Züriwerk arbeiten und leben?
Da beleuchtest du jetzt die sogenannten
Vorteile dieses Lebens. Dies ist aber auch
nicht immer nur lustig, wie ich erleben
konnte, als ich das Ensemble nach Stockholm begleiten konnte. Es gibt auch lange
Tage auszufüllen bis am Abend dann die
Vorstellung stattfindet, und auch Gefühle
von Heimweh nach der Familie oder dem
Freund zuhause.
Was wünschst du dem Theater HORA?
Ich wünsche den Macherinnen und Machern des Theater HORA vor allem viele Gelegenheiten für künstlerischen Austausch
und Auseinandersetzung mit anderen Theatermacherinnen und -machern, mit einem
breiten kritischen Publikum, mit gescheiten
Kritikerinnen und Journalisten.
Bist du Mitglied im Förderverein des Theater
HORA?
Ja, mir ist es eine Herzensangelegenheit,
die Arbeit des Theater HORA auch als
Privatperson zu unterstützen.
Vielen Dank, Beata!
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
KOLUMNE
8
WIE IST DAS EIGENTLICH MIT DEN
VERGLEICHEN?
Wenn man sich im Umfeld des Theater
HORA bewegt, kann man immer wieder
hören, dass Vergleiche angestellt werden.
Das tönt dann in etwa so: Ist das Theater
HORA so gut, wie ein anderes Theater?
Gemeint ist natürlich ein Theater mit nicht
kognitiv beeinträchtigten SchauspielerInnen. Dann wird gewerweisst: ja, sie sind
nicht ganz so gut, oder eigentlich sind sie
genau so gut usw. usf. Vergleiche gehören
zu unserem Alltag. Sie ermöglichen uns, zu
differenzieren und zu werten. Also ein natürlicher Vorgang.
Mir ist schon bekannt, dass die Verantwortlichen des Theater HORA solche Vergleiche nicht mögen oder sogar vehement
ablehnen. Theater ist Theater, heisst es
dann da. Wichtig ist der Ausdruck, die Wirkung auf das Publikum, von wem diese Wirkung ausgeht, ist völlig egal, nebensächlich.
Ok, sage ich dann, kann man akzeptieren.
Eine Bühne ist eine Bühne ist eine Bühne –
und wer drauf steht, spielt keine Rolle.
Aber ich bin kein Mann des Theaters,
sondern Sonderpädagoge und mit Vergleichen, Tests (nichts anderes als Vergleiche)
tagtäglich konfrontiert gewesen. Deshalb
kam mir die Idee, man könnte ja einmal
das Theater HORA nicht mit Regel-Theatern vergleichen, weil das im Grunde eigentlich unfair ist (aus mehreren Gründen, auf
die ich hier nicht eingehen kann), sondern
man könnte das Theater HORA ja mal mit
Theatern vergleichen, in denen auch kognitiv beeinträchtigte Menschen Theater
spielen.
Ein kleiner Ausflug hierzu: mir kam diese
Idee als Begleitperson in Korea. Wir besuchten eine Heilpädagogische Schule,
war etwas ausserplanmässig, zugegeben.
Die dort ansässigen SchülerInnen hatten
sich vorbereitet, und spielten und tanzten.
Es war für uns eine fremdartige Musik.
Aber schon bald lösten sich einige HORASchauspielerInnen aus dem Publikum und
okkupierten (Okkupation!) die Bühne, und
nahmen die Darbietungen ihrer KollegInnen auf. Es wäre nun unehrlich zu sagen,
dass keine Vergleiche stattfanden. Die
HORA-SchauspielerInnen waren schlicht
und ergreifend einfach um Längen besser, obwohl sie diese Musik nicht kannten,
nicht geübt hatten. Sie spielten also mit
Handycap und waren trotzdem besser.
Dieser Vergleich ist insofern zulässig, meine ich, weil die Menschen, die sich hier
auf der Bühne trafen, die gleichen Behinderungsbilder aufwiesen. Also, so könnte
man sagen, ist hier ein echter Vergleich
angebracht.
Gut, könnte man sagen, das waren
natürlich keine Profis, so wie die HORASchauspielerInnen, aber sie hatten sich
vorbereitet, und das Umfeld war ihnen bekannt. Also Ausgleich, wäre man geneigt
zu sagen.
Aber lassen wir diese Gedankenspielerei, nicht ohne hinzuzufügen, dass man auf
Seiten der HORA-Verantwortlichen schon
auch ein bisschen stolz war, dass «unsere»
SchauspielerInnen besser waren.
ANGEBOT
9
NEUE
GASTSPIEL-PRODUKTIONEN
MARS ATTACKS! UND FREIE REPUBLIK HORA
WEITERLAUFENDE
GASTSPIEL-PRODUKTIONEN
DIE LUST AM SCHEITERN, DISABLED THEATER UND ENTE, TOD & TULPE
Informationen für die Veranstalter:
Theater HORA - Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
theater@hora.ch, T: 044 405 71 40
Auf der Homepage
www.hora.ch
finden Sie unter Produktionen
detailierte Angaben zu den Stücken
JUBILÄUMSBUCH
20 JAHRE THEATER HORA
THEATER HORA – DER EINZIGE UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS UND
SALVADOR DALÍ IST, DASS WIR NICHT DALÍ SIND
Endlich ist es soweit! Am 19. Juni wird
unser BUCH anlässlich einer VernissageParty im Kaufleuten präsentiert.
Autoren: Michel Elber und Marcel Bugiel
Verlag: Theater der Zeit
Ab sofort kann das Buch zum Vorzugspreis
über theater@hora.ch bestellt werden.
Spender und alle die am Buch mitgewirkt
haben erhalten eine persönliche Einladung zur Vernissage, an der sie dann das
Buch mit nach Hause nehmen können,
oder dieses zu einem späteren Zeitpunkt
bei uns im HORA-Büro abholen können.
Ricco Bonfranchi
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
HORA Magazin Nr. 37, April 2014
SCHULE&KULTUR-ANGEBOT
ANDERSSEIN
Theater und Workshop zum Thema
Integration mit Menschen mit einer Beeinträchtigung. Nach dem Bilderbuch von
Wolf Erlbruch / Theater HORA. Mit der
Produktion ENTE, TOD & TULPE
www.schuleundkultur.zh.ch
ANGEBOT
WORKSHOPS
Weiterbildungsmöglichkeit mit unserem
künstlerischen Leiter oder unserem Ausbildungsleiter und dem HORA-Ensemble
für pädagogische und soziale Ausbildungsstätte, sowie auch andere Interessenten.
HORA‘BAND
Kostproben der Songs auf:
www.hora.ch, www.soundcloud.com
Die Hora‘Band kann man buchen:
HORA Büro, 044 405 71 40
theater@hora.ch
oder direkt mit dem Band-Leader
Kontakt aufnehmen:
Roli Strobel, roli.s@gmx.ch
AUSBILDUNG
AUSBILDUNG
ZUM/ZUR
«PRAKTIKER/
IN (PRA)
SCHAUSPIELEREI»
Neuer Lehrgang ab August 2014 beim Theater HORA-Stiftung Züriwerk. Ein Angebot
für darstellerisch begabte und extrovertierte Theaterfreaks.
Seit dem Sommer 2009 bietet das Theater HORA-Stiftung Züriwerk nach IVG Art.
16 eine INSOS zertifizierte Ausbildung an
zum/zur Praktiker/in (PrA) Schauspielerei. Der Lehrgang hat Bekanntheit erreicht
über den erstmals im Herbst 2012 ausgestrahlten SRF Dok-Film «Goethe, Faust
und Julia» von Andrea Pfalzgraf.
THEATERWERKSTATT
FÜR KINDER
UND JUGENDLICHE
Jeweils Samstag, 13.00 bis 15.00 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl
Achtung: dies ist ein privates Angebot von
Urs Beeler in Partnerschaft mit Theater
HORA.
Kontakt / Leitung:
Urs Beeler, Winzerhalde 6,
8049 Zürich,
044 341 46 09 – 078 634 30 34
beegeo@bluewin.ch
Weitere Informationen unter
www.machtheater.ch
10
11
BERUFSFINDUNGSJAHR
FÜR
ABSOLVENTEN/INNEN
DER
HPS-WERKKLASSEN
Neu ab Schuljahr 2014 /15. Ziel ist, interessierten SchülerInnen vor ihrer definitiven
Berufswahl einen intensiven Einblick in die
Theaterarbeit zu ermöglichen. Während eines Schuljahres arbeiten sie wöchentlich
an einem Probetag mit den HORA-Lernenden zusammen.
Anmeldung für das Schuljahr
2014/15 bis 30. Juni 2014:
Urs Beeler, Ausbildungsleiter
Theater HORA-Stiftung Züriwerk,
u.beeler@zueriwerk.ch oder
T: 078 634 30 34
ABSCHLUSSARBEIT
DES
HORAAUSBILDUNGSLEHRGANGS
2012–2014
Die HORA-Lernende werden im Sommer
dieses Jahres ihre zweijährige Ausbildung
beenden. Ende Mai zeigen sie unter der
Regie des Ausbildungsleiters Urs Beeler
ihre Abschlussarbeit:
MY OWN SONG
Ein Jandl-Projekt. Der Untertitel könnte
auch lauten: «Die Lust am Spielen». Spielen, improvisieren – was viele HORAs am
HORA Magazin Nr. 37, April 2014
Liebsten tun – mit Tönen, Geräuschen,
Lauten, Buchstaben, Wörtern mit Körper,
Musik, Raum, Objekt und insbesondere Jandls «Infektionspoesie». Sich von ihr
an- und aufregen, weg- und wieder zurückführen lassen, sich bewegen, mit- und
wegschwimmen, ein- und untertauchen und
zurückfinden, miteinander, gegeneinander,
zueinander hin und voneinander weg. Und
immer wieder überraschen und sich überraschen lassen.
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
ENSEMBLE
QUEREINSTEIGER UND ABSCHIED
3 RÜCKTRITTE
IM THEATER HORA
Zum Ende des Jahres 2013 haben 3 Schauspieler das Theater HORA verlassen. Es
sind Peter Keller, der 15 Jahre lang als
Schauspieler gewirkt hat, Lorraine Meier,
die 12 Jahre lang dabei war, und Miranda Hossle, die 4 Jahre lang zum Ensemble
gehörte.
Über die Gründe ihres Aufhörens soll
hier nicht spekuliert werden. Sie sind unterschiedlich, und wen es Wunder nimmt,
soll sie persönlich fragen.
AGENDA 2014
THEATER HORA
IN ZÜRICH UND AUF TOURNEE
22. APRIL
FREIE REBUBLIK HORA
Premiere
Fabriktheater, Zürich
www.rotefabrik.ch
24.+25. APRIL
FREIE REBUBLIK HORA
Weitere Vorstellungen
Fabriktheater, Zürich
www.rotefabrik.ch
29. MAI –
1. JUNI
MY OWN SONG
Abschlussarbeit
Casino-Saal, Zürich
www.hora.ch
(Am 1. Juni mit anschl.
Zertifizierungszeremonie)
28. JUNI
GOAL MANIA
5. MAI
MARS ATTACKS!
Premiere
Fabriktheater, Zürich
www.rotefabrik.ch
7.–11. MAI
MARS ATTACKS!
Weitere Vorstellungen
Fabriktheater, Zürich
www.rotefabrik.ch
Schauspielhaus Schiffbau, Zürich
www.schauspielhaus.ch
19. JUNI
HORA-Buch
Buchvernissage/Party
Kaufleuten, Klubsaal
Es soll ihnen aber an dieser Stelle gedankt
werden, für ihr Engagement und ihre ständige Präsenz für das Theater HORA. Alle
drei haben das Theater HORA auf ihre je
eigene Weise mitgeprägt. So werden sie in
die Ruhmeshalle (ja, wo steht die denn eigentlich?) derjenigen HORA-Schauspieler
aufgenommen, die eine gewisse Zeit lang
beim HORA gewirkt haben.
Natürlich, es sind nicht die ersten,
die beim HORA aufhören – und es werden
auch nicht die letzten sein. Das HORA lebt
vom Wandel, vom Wandel der Ideen, der
Stücke, der Kulissen, der Bühnen und nicht
zuletzt auch der Menschen. Von daher
also ein völlig normaler Vorgang.
Es werden ja auch wieder neue
Schauspieler kommen. Gerade
durch die Ausbildung zum Schauspiel-Praktiker, den das HORA ja
anbietet, ist für Nachwuchs immer
wieder gesorgt.
Werden die drei also zu ersetzen sein? Ja und Nein. Diese drei
kann man nicht ersetzen. Sie waren
in ihrer Art einmalig. Und trotzdem:
es geht weiter, auch wenn andere
Menschen, andere Namen an ihre
Stelle treten werden. So ist das Leben eben.
Mit diesen dialektischen Gedanken wollen wir diesen Dank
beenden und freuen uns, wenn wir
Peter, Lorraine und Miranda demnächst mal wieder sehen werden.
Danke vielmals und Tschüss,
ihr Drei!!! Ricco Bonfranchi
ENSEMBLE
QUEREINSTEIGER UND ABSCHIED
3 RÜCKTRITTE
IM THEATER HORA
Zum Ende des Jahres 2013 haben 3 Schauspieler das Theater HORA verlassen. Es
sind Peter Keller, der 15 Jahre lang als
Schauspieler gewirkt hat, Lorraine Meier,
die 12 Jahre lang dabei war, und Miranda Hossle, die 4 Jahre lang zum Ensemble
gehörte.
Über die Gründe ihres Aufhörens soll
hier nicht spekuliert werden. Sie sind unterschiedlich, und wen es Wunder nimmt,
soll sie persönlich fragen.
WEITERE INFORMATIONEN
Alle Spieldaten der aktuellen
Theater-Produktionen
finden Sie auf WWW.HORA.CH
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HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
Es soll ihnen aber an dieser Stelle gedankt
werden, für ihr Engagement und ihre ständige Präsenz für das Theater HORA. Alle
drei haben das Theater HORA auf ihre je
eigene Weise mitgeprägt. So werden sie in
die Ruhmeshalle (ja, wo steht die denn eigentlich?) derjenigen HORA-Schauspieler
aufgenommen, die eine gewisse Zeit lang
beim HORA gewirkt haben.
Natürlich, es sind nicht die ersten,
die beim HORA aufhören – und es werden
auch nicht die letzten sein. Das HORA lebt
vom Wandel, vom Wandel der Ideen, der
Stücke, der Kulissen, der Bühnen und nicht
zuletzt auch der Menschen. Von daher
also ein völlig normaler Vorgang.
Es werden ja auch wieder neue
Schauspieler kommen. Gerade
durch die Ausbildung zum Schauspiel-Praktiker, den das HORA ja
anbietet, ist für Nachwuchs immer
wieder gesorgt.
Werden die drei also zu ersetzen sein? Ja und Nein. Diese drei
kann man nicht ersetzen. Sie waren
in ihrer Art einmalig. Und trotzdem:
es geht weiter, auch wenn andere
Menschen, andere Namen an ihre
Stelle treten werden. So ist das Leben eben.
Mit diesen dialektischen Gedanken wollen wir diesen Dank
beenden und freuen uns, wenn wir
Peter, Lorraine und Miranda demnächst mal wieder sehen werden.
Danke vielmals und Tschüss,
ihr Drei!!! Ricco Bonfranchi
IMPRESSUM
HORA Magazin
Das Magazin des Theater HORA –
Stiftung Züriwerk
Redaktion
Ricco Bonfranchi, Conny Marinucci
Gestaltung
Stillhartkonzept und Gestaltung, Zürich
Fotos
Michael Bause, Sabina Bobst,
Urs Beeler
Papier
Gedruckt auf FSC®-zertifiziertem Papier
Druck
gdz print, Zürich
Kontakt
Theater HORA – Stiftung Züriwerk
Baslerstrasse 30, 8048 Zürich
T: 044 405 71 40, F: 044 405 71 10
Förderverein: verein@hora.ch
Theater HORA: theater@hora.ch
Stiftung Züriwerk: info@zueriwerk.ch
www.hora.ch
www.zueriwerk.ch
HORA Magazin Nr. 3 7, April 2014
-
04/2013 – Zauberwerk Nr. 35
Z auberwerk
DAS MAGAZIN DES TH
EATER HORA ZÜRIWE
RK APRIL 2013
Nr.
rogramm
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OKKUPATIO
HORA in B
THEATER
News:
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RA-BUCH M
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Rückblic
Interview m
Aktuell:
35
AGENDA AB FRÜHLING 2013
FESTIVAL ERÖFFNUNG MIT DER GROSSEN HORA-JUBILÄUMS-REVUE
SOLI
Mi 22. Mai
19:00 Uhr
Rote Fabrik/Aktionshalle
DAS IMPROVISATIONS-SPEKTAKEL
DIE LUST AM SCHEITERN
Sa 25. Mai
So 26. Mai
12:00/16:00/19:00 Uhr Rote Fabrik/Backstein
12:00/16:00/19:00 Uhr Rote Fabrik/Backstein
EINE MUSIKALISCHE FANTASIE
PAGANINI & ICH
Di
28. Mai
14:00/20:00 Uhr
Rote Fabrik/Aktionshalle
DIE HORA-JUBILÄUMSPRODUKTION
LA PETITE MORT
Mi
Do
Fr
Sa
29. Mai
30. Mai
31. Mai
1. Juni
17:00 Uhr
17:00 Uhr
17:00 Uhr
17:00 Uhr
Do 30. Mai
Fr 31. Mai
20:00 Uhr
20:00 Uhr
10./11./12. Mai
Hebbel am Ufer (HAU), Berlin
www.hebbel-am-ufer.de
DISABLED THEATER WEITERHIN ON TOUR
22. bis 24. Juni
28. + 29. Juni
5. + 6. Juli
27./29. + 30. Juli
12. + 13. Sept.
20. + 21. Sept.
31. Okt.
2. + 3. Nov.
Schäxpir, Linz
Impulse Theater Biennale,
Mülheim an der Ruhr
Julidans, Amsterdam
ImPulsTanz, Wien
Theater Roxy, Basel/Birsfelden
Festival Cialou, Warschau
Dansens Hus, Stockholm
Moving in November, Helsinki
Rote Fabrik/Backstein
Rote Fabrik/Backstein
Rote Fabrik/Backstein
Rote Fabrik/Backstein
KONZERTE HORA‘BAND
Rote Fabrik/Aktionshalle
Rote Fabrik/Aktionshalle
www.hora.ch
DIE ERFOLGSSPRODUKTION
DISABLED THEATER
DISABLED THEATER AM
50. THEATERTREFFEN BERLIN
Sa
Sa
Sa
Sa
Sa
25. Mai
1. Juni
22. Juni
31. Aug.
14. Sept.
www.schaexpir.at
www.festivalimpulse.de
www.julidans.nl
www.impulstanz.com
www.theater-roxy.ch
www.cialoumysl.pl
www.dansenshus.se
www.movinginnovember.fi
Saisoneröffnung Kulturschüür, Uerikon
Säbeli Schwimm, Lorraine Bad, Bern
Quartierfest Hottingen, Zürich
Sommerfest, Wohnheim Zollikon
Sommerfest, Martin Stiftung Erlenbach
Definitive Daten zu allen Aufführungen
und weitere Informationen unter www.hora.ch;
siehe Spielplan und über den HORA-Newsletter
*ALLE SPIELDATEN DER AKTUELLEN
THEATER-PRODUKTIONEN FINDEN
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Zauberwerk
editorial
Liebe
Zauberwerk
Inhalt
HORA-FREUNDINNEN
UND-FREUNDE
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass wir äusserst spannende
und bewegte Zeiten erleben.
Seit bald einem Jahr reisen wir mit
DISABLED THEATER von Festival zu
Festival, von einem Land zum anderen und gar von einem Kontinent
zum nächsten. Selbstverständlich
feiern wir diesen Erfolg, da dieses
Stück die Handschrift Jérôme Bels
trägt. Gleichzeitig wäre so eine Kooperation nicht entstanden, wenn
er nicht die Voraussetzungen vorgefunden hätte, um daraus einen
«Theaterhit» zu machen. Und um
genau diese Voraussetzungen geht
es in diesem Jahr.
Zwanzig Jahre Theater HORA haben
aus diesem Theater und diesen
Menschen etwas geschaffen, was
es vermutlich in dieser Form kein
zweites Mal gibt. Der Motor dieser künstlerischen Maschine ist
Michael Elber. Seine Haltung,
sein unermüdlicher Einsatz und
seine positive Energie haben aus
«geistig behinderten» Menschen
SchauspielerInnen gemacht, die
mittlerweile nichts anderes tun, als
jeden Tag auf der Bühne zu stehen
und alles von sich zu geben, um die
ZuschauerInnen zu faszinieren und
zu berühren.
Der 22. Mai bildet für das Theater
HORA den Startschuss seiner Festivitäten. Wir feiern den 20. Geburtstag mit einer HORA-JUBILÄUMSREVUE und eröffnen somit gleichzeitig die vierte Ausgabe des internationalen Festivals OKKUPATION!
Des Weiteren zeigen wir mit einer
neuen Kreation und älteren Stücken
Präsenz. Das vollständige Festivalprogramm finden Sie in der beiliegenden OKKUPATIONs-Broschüre!
Die HORA-Programmpunkte finden
Sie auch kompakt in dieser Zauberwerk-Ausgabe. Gleichzeitig haben
wir im Jubiläumsjahr unserer
Homepage ein neues Kleid verpasst:
www.hora.ch.
Nebst News, Spielplan und aktuellen Hinweisen bildet die Seite
auch ein Portal zu unseren Social
Medias, zur Anmeldung, zu unserem Newsletter, zur Verfolgung
unseres Blogs und sogar die
Möglichkeit für direkte Spenden.
Des Weiteren möchten wir noch
auf die Buchvernissage Ende des
Jahres hinweisen. Vorgesehen war
ursprünglich das Buch anlässlich des Festivals zu präsentieren,
doch aufgrund aktueller Ereignisse (Welttournee, Einladung an
das Berliner Theatertreffen), die
selbstverständlich in diesem Buch
Erwähnung finden sollen, werden
wir die Erscheinung auf frühestens
Ende des Jahres verschieben.
Und als Letztes: Auch wenn der
jetzige Erfolg uns in die ganze
Welt hinausträgt heisst das beileibe nicht, dass wir nun auf Rosen
gebettet sind. Wir sind immer auf
Spenden und Unterstützungsbeiträge angewiesen. An dieser Stelle
danken wir allen, die uns unterstützen und helfen unsere Projekte
zu verwirklichen.
Wir freuen uns auf Sie, besuchen
Sie uns am Festival!
Herzliche Grüsse
Giancarlo Marinucci
Die Zweite
Unterstützung
Aktuell
Das HORA-Buch
Rückblick
DISABLED THEATER
PAGANINI&ICH
Menschen
Interview mit Remo Beuggert
News
OKKUPATION!
HORA-Programmpunkte
Angebot
HORA'BAND
Vorschau-Schauspielausbildung
Theaterwerkstatt
Pinwand
Gesucht
Zauberwerk
die zweite
UNTERSTÜTZUNG
WILLKOMMEN BEIM THEATER HORA
HINWEIS AUF HOMEPAGE WWW.HORA.CH
Liebe Mitglieder des Vereins Theater HORA
Ihre Einzahlungen fürs Jubiläumsbuch spornen an,
bei der Realisierung dran zu bleiben. Weitere Kapitel
werden noch in den nächsten Monaten geschrieben.
Alle Mitglieder, die mindestens CHF 100.– fürs
HORA-Jubiläumsbuch spenden, bekommen ein Exemplar geschenkt.
Aufgrund der aktuellen Ereignisse (Welttournee, Einladung Theatertreffen usw.), die selbstverständlich in
diesem Buch Erwähnung finden sollen, werden wir die
Erscheinung des Jubliläumsbuches auf Ende Jahr verschieben. Zur Finanzierung dieses Buchprojektes haben
wir einen Aufruf über die Crowdfunding-Plattform
«wemakeit» lanciert.
LIEBE ZAUBERWERKLESERINNEN
UNTERSTÜTZEN AUCH SIE DAS THEATER HORA
UND WERDEN SIE MITGLIED ODER SPENDERIN BEIM
FÖRDERVEREIN DES THEATER HORA.
Nutzen Sie den Einzahlungsschein.
Wir freuen uns über jeden Beitrag.
Für den Mitgliederbeitrag (CHF 100.– pro Kalenderjahr)
oder eine Spende können Sie den beiliegenden
Einzahlungsschein verwenden oder direkt auf das
PC- oder CS-Konto einzahlen. Wir danken Ihnen für die
Unterstützung!
Informationen zur Mitgliederversammlung, die am
18. April 2013 stattfand, sind auf www.hora.ch zu finden.
Verein Theater HORA, 8040 Zürich, PC 80 – 54072 -7
IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Besonderen Dank gilt folgenden Personen und
Organisationen (Spenden ab CHF 500.—)
BSF Swiss Photo, KG Rümlang, Mobiliar, H.M. Eisfeld,
Paulus Akademie, T. Schwarzbach, Frauenverein
Gossau, Familienstiftung, H. u. B. Bender Stiftung
Verein Theater HORA, 8040 Zürich, Credit Suisse,
8070 Zürich, IBAN: CH84 0483 5034 4491 0000 0
Kontakt Verein Theater HORA: Ricco Bonfranchi,
Präsident Verein Theater HORA: bonif@bluewin.ch
Conny Marinucci, HORA-Sekretariat: verein@hora.ch,
044 405 71 40
HERZLICHEN DANK FÜR ALLE PROJEKTBEITRÄGE
Alexis Victor Thalberg Stiftung, Bundesamt des
Innern – EBGB (Eidg. Büro Gleichstellung Behinderter),
Giuseppe Kaiser Stiftung, Hamasil Stiftung,
Martha Bock Stiftung, MBF Foundation,
Migros Kulturprozent, Zürcher Kantonalbank,
Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur des Kantons
Zürich, Pro Helvetia, Pro Infirmis Zürich,
Paul Schiller Stiftung, Stanley Thomas Johnson,
Stiftung Denk an mich, Verein Theater HORA,
Vontobel-Stiftung
Stand 15. März 2013
Zauberwerk
aktuell
DAS GROSSE KLEINE
INTERVIEW MIT DEN
MACHERN
Michael und Marcel, seit bald anderthalb Jahren arbeitet ihr jetzt zusammen an einem Buch zu zwanzig Jahren Theater HORA. Wie ist der Stand?
MARCEL BUGIEL: Das ist schwer zu sagen, denn durch
das bevorstehende Theaterfestival OKKUPATION! und
die Einladung zum Berliner Theatertreffen befinden
wir uns ja noch mittendrin im Strudel der Ereignisse,
die wir unbedingt in diesem Buch mitberücksichtigen
wollen. Und auch sonst haben wir uns einfach sehr viel
vorgenommen. Das Wichtigste aber ist: Es bleibt bis
jetzt einfach unglaublich interessant, sich durch die bewegte Geschichte dieses Theaters hindurchzuwühlen.
Sich mit seiner Philosophie zu beschäftigen und sich
mit den vielen interessanten behinderten und nichtbehinderten Persönlichkeiten zu beschäftigen, die es bis
zum heutigen Tag geprägt haben. Und wenn ich einen
Wunsch frei hätte, wäre es der, mich in diesem Jubiläumsjahr mit nichts anderem zu beschäftigen.
Zauberwerk
AKTUELL
MICHAEL ELBER: Ich schliesse mich dem an. Ich würde
liebend gerne die vergangenen 20 Jahre gründlich radikal aufräumen und abschliessen: alle Leichen aus dem
Keller holen, die Spatzen vom Dach locken und die Eulen nach Athen jagen. Nein, im Ernst: Da war einfach
unglaublich viel emotionale Substanz drin, die nie aufbereitet wurde. Und jetzt geht es uns gleich nochmals
an die Substanz. Marcel und ich haben beide je zwei
kleine Kinder zu Hause und anders als früher können
und wollen wir nicht mehr die gesamte arbeitsfreie Zeit
der Arbeit widmen… Darum sind wir weit hinter dem
Terminplan. Aber es lohnt sich. Es wird ein wunderbares, einzigartiges Buch!
Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen,
nach dem 10-Jahres-Buch «Ich will Millonrein werden» erneut ein Buch zu Theater HORA herauszugeben?
MICHAEL ELBER: Nun ja, das erste Buch war ja ein Geschenk der Werbefirma «quer». Die haben sich da ungeniert ausgetobt. Das war ihr Spielfeld und wir haben
deren Kreativität gerne angenommen, denn wir hatten damals keine Kapazität, um uns selbst um ein solches Projekt zu kümmern. Nun, nach zwanzig Jahren,
nehme ich diese Herausforderung gerne an.
MARCEL BUGIEL: Angefangen hat alles damit, dass
ich mich einfach sehr für die Geschichte des Theaters
mit geistig behinderten SchauspielerInnen interessiere
und Ende 2011 zu Michael gegangen bin und ihm vorgeschlagen habe, zum 20-jährigen Bestehen von Theater HORA eine kleine Ausstellung zusammenzustellen.
Das hat Michael überhaupt nicht interessiert. Weil er
aber eigentlich jemand ist, der sich auf jedes Abenteuer einlässt, hat er mir stattdessen vorgeschlagen,
ein Buch zu machen. Nachdem die Inhalte des ersten
Buches gewissermaßen sehr stichprobenartig waren,
haben wir beschlossen, diesmal eine wirklich umfassende Darstellung zu versuchen, in der wir übrigens
auch die wichtigsten Texte aus dem ersten Buch noch
einmal aufnehmen wollen. Kann also sein, dass dieses
Buch die umfassendste Darstellung wird, die jemals
über ein Theater dieser Art erschienen ist...
von ihnen gestaltet. Und last but not least soll das Buch
eine gross angelegte Dokumentation werden, mit zahllosen Texten von und über das Theater HORA aus den
letzten 20 Jahren. Und wem das immer noch nicht
reicht, der soll sich dann mit der beigelegten DVD beschäftigen können, auf der das Ganze noch einmal in so
genannten bewegten Bildern vermittelt wird.
MICHAEL ELBER: Kurz: Alte Geschichten und neue
Schlussfolgerungen in provokant gewürzter Tunke,
garniert mit überraschenden Ausblicken.
Was dürfen die FreundInnen von Theater HORA von
diesem Buch erwarten?
MARCEL BUGIEL: Erst einmal wird es ein Bildband mit
jeder Menge Fotos, nicht nur von den über 50 HORA-Inszenierungen, sondern auch hinter den Kulissen, aus
dem Arbeits- und Tourneealltag der Gruppe. Dann
wird es ein Geschichts- und Geschichtenbuch, das interessante Details und Erinnerungen aus dem Leben
der Gruppe erzählt. Es soll aber auch ein Gesprächsband werden, über die verschiedensten Aspekte dieses
Theaters. Ein Lehrbuch für TheaterpädagogInnen und
überhaupt alle, die sich für die Theaterarbeit mit «geistig behinderten» SchauspielerInnen interessieren. Ein
eigener Teil wird natürlich den SchauspielerInnen des
Theaters gewidmet sein und wird teilweise auch selbst
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Was mit den öffentlichen Durchlaufproben zur Neu-Produktion
unter der Konzeption von Jérôme Bel anfang des Jahres
ausgelöst werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch
niemand erahnen. Das Bühnenstück DISABLED THEATER lässt
keinen Zuschauer kalt und brachte das Theater HORA und somit
auch die Stiftung Züriwerk zu unglaublichem Erfolg. Die Liste
der Gastspielorte, zu denen DISABLED THEATER 2012 eingeladen
wurde, liest sich wie die Hitsammlung eines Best-of-Albums:
Ende des Jahres erhielt das Ensemble des Theater HORA
für seine ausserordentliche Bühnenleistung von der
Stadt Zürich den Anerkennungspreis 2012 im Bereich
Theater. Der Preis in der Höhe von SFr. 10'000 wurde
von der Stadtpräsidentin Corinne Mauch überreicht.
Damit nicht genug: DISABLED THEATER gehört zu
den zehn bemerkenswertesten Theaterinszenierungen im deutschsprachigen Raum des Jahres 2012
und wurde für das Berliner Theatertreffen 2013 nominiert.
Premiere am KUNSTENFESTIVALDESARTS in Brüssel, 10 Tage
an der weltgrössten Kunstmesse dOCUMENTA (13), 8 Auftritte
am berühmtesten Theaterfestival FESTIVAL D'AVIGNON.
Danach folgten nicht minder bekannte Festivals, wie die
RUHRTRIENNALE in Deutschland, das THEATER SPEKTAKEL in Zürich, das FESTIVAL LA BÂTIE in Genf, das FESTIVAL
D'AUTOMNE in Paris und die Spielplaneröffnung des Theaters HEBBEL AM UFER in Berlin.
Angesichts des fast erdrückenden Erfolges von DISABLED THEATER war es eine spezielle Herausforderung
den angemessenen Platz einer weiteren Neu-Produktion aus unserem Hause per Ende 2012 ankündigen zu
dürfen. Unter der Regie des Ausbildungsleiters Urs Beeler entstand ein erstaunlich bewegendes Bühnenstück
mit dem Titel PAGANINI & ICH, das am 29. November
2012 im ausverkauften Casino-Saal Premiere feierte.
Die folgenden 10 Vorstellungen waren allesamt gut besucht.
Die mediale Aufmerksamkeit wurde noch durch den DokFilm von Andrea Pfalzgraf «Goethe, Faust und Julia», der
im Oktober im Schweizer Fernsehen zur besten Sendezeit
ausgestrahlt wurde, verstärkt. Die Geschichte erzählt die
zwei Ausbildungsjahre von Julia Häusermann beim Theater
HORA. Unzählige Presse-, Radio- und TV-Berichte sind im
Zusammenhang mit DISABLED THEATER produziert worden. Eine unfassbare Menge an Rezensionen, Meinungen
und Kommentaren bestätigt die Tatsache, dass dieses Stück
das Theaterereignis des Jahres darstellt.
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PAGANINI
& ICH
Zauberwerk
rückblick
PAGANINI & ICH löst vielfälige
Reaktionen aus.
Hier zwei Stimmen dazu:
Das lustvolle Stöhnen, sich
winden und dehnen, das einvernehmlich gackernde Lachen,
alles wegen Paganini! Ja, das wäre
mal was für die Tonhalle, wo
solches Ergriffen-Sein wohl «not
amused» zur Kenntnis genommen
würde
E.B.
Viel, ja allzu viel Platz in der
neuen HORA-Produktion nimmt
die Auseinandersetzung mit Paganinis ausschweifendem Sexleben
ein.
Jedes Mal, wenn der Maestro auftritt, beginnen die Frauen auf
der Bühne sich schmachtend und
stöhnend über den Körper zu streichen. Das Thema Behinderung
und Sexualität ist zweifellos ein
grosses Tabu, und daran darf man
durchaus auch rütteln – doch
muss dies auf eine so aufdringliche
Art geschehen?
A.B., NZZ 3.12.12
Zauberwerk
menschen
Zauberwerk
menschen
Ricco Bonfranchi interviewt
Remo Beuggert
(Die Antworten wurden nicht redigiert.)
Wie lange bist du schon im Theater HORA?
Ich bin seit 2007 im Theater HORA. Im Jahr 2006 habe
ich ein Casting gemacht.
Was bedeutet das HORA für dich?
Das Theater HORA bedeutet für mich viel, weil ich mich
im Theater viel bewegen kann. Das tut mir gut.
Könntest du dir vorstellen etwas anderes zu machen
als Schauspieler zu sein?
Im Moment nicht, weil wo ich in der Werkstatt noch
gearbeitet habe, hatten wir manchmal keine Arbeit.
Deswegen hockten wir manchmal nur so herum und
warteten die Zeit, bis wir Feierabend hatten. Im Theater haben wir immer Arbeit.
Welche Rolle hast du bis jetzt am liebsten gespielt?
Warum?
Ich habe Frollo (Quasimodo Geniti) und den Faust gerne
gespielt, weil diese Rollen gegen meine Natur sind. Es
ist immer eine Herausforderung eine Rolle zu spielen,
wo ich ein ganz fieser Typ spielen muss. In der Zwischenzeit mache ich es gerne. Ich schaffe es vielleicht
nicht immer, aber ich gebe mir Mühe.
Wie siehst du das DISABLED THEATER?
In der Zwischenzeit gefällt mir dieses Stück. Am Anfang hatte ich so meine Mühe damit. Weil wir die ganze Zeit auf den Stühlen herumsassen.
Was ist für dich der Unterschied zwischen
DISABLED THEATER und FAUST?
Beim DISABLED THEATER muss man sein Hirn nicht
anstrengen, weil alles gesagt wird, was man machen
soll. Beim FAUST muss man sich mehr anstrengen, wegen dem Text und den Ablauf bei dem Stück, was als
nächstes kommt.
Bist du gerne auf Tournee? Warum?
Ich bin manchmal gerne weg von zu Hause. Früher wo
ich noch im Cevi war, hatten wir immer Lager. Es erinnert mich manchmal daran an die Zeit zurück. Aber ich
komme auch gerne wieder zurück nach Hause.
Du gehörst ja innerhalb der Schauspieltruppe zu
einer Minderheit, weil du nicht das Down Syndrom
hast. Wie denkst du darüber?
Das ist mir im Grunde egal.
Wie fühlst du dich dabei, dass die meisten Schauspieler beim HORA das Down Syndrom haben.
Denkst du manchmal darüber nach?
Ich bin mir das so gewöhnt, dass ich das gar nicht mehr
sehe.
Wie bist du zu deinem Solo im Disabled Theater gekommen. du hast ja sehr viel Erfolg damit?
Wenn es mir zu Hause langweilig ist, habe ich die Bewegungen einstudiert. Zuerst habe ich es ohne Stuhl
geübt, um zu sehen, ob es geht. Am nächsten Tag habe
ich es dann mit dem Stuhl gemacht und es ist voll aufgegangen.
Wie siehst du das HORA in 10 Jahren?
Also, ich sehe, dass es vielleicht andere Schauspieler
hat. Vielleicht auch ein neuer Regisseur, Ha, ha, ha.
Was sind deine Hoffnungen, deine Wünsche?
Dass ich so lange im Theater HORA bleiben kann, wie
es nur geht.
Remo, ich danke dir für das Gespräch!
Mir hat das Interview Spass gemacht.
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KKUPATIO
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okkupation!
HORA-Programmpunkte
siehe Programmheft
OKKUPATION!
DIE LUST AM SCHEITERN
SOLI
HORA-JUBILÄUMS-REVUE
PAGANINI&ICH
Mit DISABLED THEATER zeigen die HORA-SchauspielerInnen
momentan in Gastspielen auf der ganzen Welt, dass sie
sein können, was sie schon immer waren. In SOLI zeigen
sie, dass sie mehr können als die reine Wahrheit.
Als exzellente Erzähler und unverwechselbare Darsteller
absurder Geschichten gewähren sie allen HORAficionados
Einblicke in ihr schillerndes Berufsleben, und lassen
Onstage- und Backstage-Szenen aus 20 Jahren Theater
HORA lebendig werden.
LA PETITE MORT
Eine Video-Prozession durch 13 Räume. Eine Ausstellung. Ein Verbundensein mit spirituellen und teuflischen
Kräften sprach man Menschen mit einer Behinderung
einst zu. Welche Bedeutung haben sie heute, in unserer
durchökonomisierten Welt? Versteht der, der die Welt aus
anderer Perspektive sieht, das Geheimnis von Werden und
Vergehen besser? Hat er einen unmittelbareren Zugang zu
den zentralsten aller Themen: Liebe und Tod? Was ist sein
Körper in und mit alldem?
Anfänglich als Wunderkind und grösster Geiger
aller Zeiten verehrt, wurde Paganini letzten
Endes von der Kirche zum Teufel stigmatisiert.
PAGANINI&ICH ist eine szenisch-musikalische
Fantasie über Leidenschaft, Besessenheit, Liebe
und Sexualität, über das Verbindende und das
Trennende in den Lebensentwürfen des Geigenvirtuosen Niccolò Paganini und der SchauspielerInnen
des Theater HORA. Und über das Ausgrenzen und
Ausmerzen von Andersartigkeit.
Für HORA-Gründer Michael Elber ist DIE LUST
AM SCHEITERN die Essenz der Arbeit mit geistig
behinderten SchauspielerInnen. «Da passiert
etwas, was man so wirklich nur mit ihnen machen
kann...» Auf der Bühne: Zwölf Performer. Einer
tritt ins Scheinwerferlicht, spielt oder tanzt, singt
oder spricht oder auch nicht. Vielleicht kommt ein
anderer Performer hinzu, vielleicht aber auch nicht
oder aber vielleicht ganz viele. Alles kann passieren. Oder auch nichts.
HORA TANZT DESSEN
UNGEACHTET
Was in diesem Tanzfilm passiert, ist das genaue
Gegenteil von den hinlänglich bekannten CastingFormaten, in denen ununterbrochen den immer
gleichen Standards nachgeeifert wird. Hier ist
nichts, aber auch gar nichts perfekt. Denn die
Hingabe der TänzerInnen ist wichtiger als alles
andere, Fehler sind das Salz des Lebens und nur
der Mut zum Imperfekten gibt uns die Freiheit
aufzubrechen. Theater HORA ist überzeugt: ALLE
Menschen sind Tänzer! Sogar Nichtbehinderte.
Zauberwerk
ANGEBOT
HORA'BAND
Kostproben der Songs sind auf der
Myspace-Seite der Band zu hören.
www.myspace.com/theHORAband
Die HORA'BAND
kann man buchen:
HORA Büro: 044 405 71 41
hora@zueriwerk.ch
oder direkt mit dem Beandleader
Kontakt aufnehmen:
Roli Strobel
roli.s@gmx.ch
Spielt be
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OKKUPAT nung
am 22. M ION!
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Roten Fa der
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Zauberwerk
ANGEBOT
VORSCHAU
HORA-SCHAUSPIELAUSBILDUNG
Nächste Schnupperzeit
Im Januar 2014 findet die nächste dreiwöchige Schnupperzeit
zur INSOS zertifizierten Schauspielausbildung des Theater
HORA statt. Ab Juni 2013 können InteressentInnen wieder
einen Schnuppertag buchen. Diese haben zum Ziel einen ersten
Einblick in den Probealltag des HORA zu ermöglichen und
schaffen die Basis zum Entscheid für eine Teilnahme an der
Schnupperzeit.
Informationen zur Ausbildung
finden Sie auf unserer Homepage.
Zauberwerk
ANGEBOT
THEATERWERKSTATT FÜR
KINDER UND
JUGENDLICHE
Weiterhin im Ange
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Gastspiel-Produktionen:
T 1+2
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Gastspiel-Produktion
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CASTING - die neue Produktion
Samstag 6. Juli 2013 14.00 Uhr Generalprobe
Samstag 13. Juli 2013 14.00 Uhr Première
im Casino-Saal Aussersihl, Rotwandstrasse 4, 8004 Zürich
nur auf Anmeldung unter beegeo@bluewin.ch
Neue Kurse starten jeweils mit Beginn eines neuen Schuljahres
und stehen Kindern und Jugendlichen ab 9 Jahren offen.
Detaillierte Informationen zu den Aufführungen und der
TheaterWerkstatt unter www.machtheater.ch
Kontakt / Leitung:
Urs Beeler 078 634 30 34 beegeo@bluewin.ch
t
Workshop-Angebote
für Schulen und Ausbildungsstätten, für soziale
und pädagogische Berufe und Firmen
AndersSein'
Aufführung und Workshop mit den jeweiligen
HORA-SpielerInnen
Ensemble-Workshop
Eine spielerische Begegnung mit dem Ensemble des
Theater HORA und ein Einblick in seine Arbeitsweise.
Weiterhin gesucht werd
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PraktikantInnen.
Voraussetzungen:
flexibel, technische
s Flair und Teamfäh
und Bereitschaft zu
igkeit
Archiv- und Büroar
beiten.
Interessie
Freiwillige HelferInnen
an der Bar, an der Theaterkasse
oder als Nachhause-FahrerInnen
bei Gastspielaufführungen
rt? Fragen? Dann nehm
t mit uns Kontakt
Per Email: hora@z
auf!
ueriwerk.ch
T: 044 405 71 40
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IMPRESSUM
g Züriwerk
ter HORA – Stiftun
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Zauberwerk: Das
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Bonfranchi, Conn
Redaktion: Ricco
onzept.ch
ut: www.stillhar tk
Gestaltung & Layo
arkus, Urs Beeler
eo Polcan, Vera M
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Fotos: Mich
+ Co. AG
Druck: Seiler, Däpp
Anschrift:
Stiftung Züriwerk
Theater HORA –
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stfach, 8040 Züric
Baslerstrasse 30, Po
F: 04 4 405 71 10
T: 04 4 405 71 40;
eriwerk.ch
Züriwerk: hora@zu
ra.ch
Verein: verein@ho
www.hora.ch
.
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A.
HOR
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11/2012 – Zauberwerk Nr. 34
Z auberwerk
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hora
Aktuell:
PAGANINI & ICH
Rückblick:
Children’s
Choice
Awards Ru
hrtriennale
,
Essen
Vorschau:
SCHEITERN:
DIE LUST AM
ahme in der
Wiederaufn
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Roten Fabri
DAS MAGAZIN
DES THEATER HORA
ZÜRIWERK
NOVEMBER 2012
AGENDA WINTER 2012/13
PAGANINI & ICH
AUFFÜHRUNGEN
Do 29. Nov
Fr 30. Nov
Sa 01. Dez
So 02. Dez
Di 04. Dez
Do 06. Dez
Fr 07. Dez
Sa 08. Dez
So 09. Dez
20.00 Uhr
20.00Uhr
18.00Uhr
16.00 Uhr
20.00 Uhr
20.00 Uhr
20.00 Uhr
18.00 Uhr
16.00 Uhr
SCHULVORSTELLUNGEN
Di 04. Dez 14.00 Uhr
Do 06. Dez 14.00 Uhr
Fr 07. Dez 14.00 Uhr
ENTE TOD & TULPE
Casino-Saal Aussersihl, Premiere
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl, mit Diplomübergabe
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl
Definitive Daten zu allen Aufführungen
und weitere Informationen unter www.hora.ch;
siehe Spielplan und über den HORA-Newsletter
Do 17. Jan
Theater am Gleis, Winterthur
Tag 18. Jan Theater am Gleis, Winterthur
Tag 19. Jan
Theater am Gleis, Winterthur
www.theater-am-gleis.ch
*ALLE SPIELDATEN DER AKTUELLEN
THEATER-PRODUKTIONEN FINDEN
SIE AUF WWW.HORA.CH
DIE LUST AM SCHEITERN
Fr 25. Jan
Fabriktheater, Rote Fabrik, Zürich
Sa 26. Jan
Fabriktheater, Rote Fabrik, Zürich
So 27. Jan
Fabriktheater, Rote Fabrik, Zürich
www.rotefabrik.ch
FAUST 1 & 2
Mi 6. März Kurtheater, Baden
Veranstalter: HPS Wettingen, www.schule-wettingen.ch
DISABLED THEATER
Do 14. Feb
Hamburg
Fr 15. Feb
Hamburg
Sa 16. Feb
Hamburg
www.hora.ch
Mi
Do
Do
Fr
20. März Mailand
21. März Brescia
14. März Budapest
15. März Budapest
BESUCHEN SIE THEATER
HORA AUF FOLGENDEN
SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN:
*FALLS SIE NEWSLETTER-ABONNENTIN SIND, HALTEN WIR SIE PER MAIL
AUF DEM LAUFENDEN, SO ERFAHREN
SIE IMMER DIE NEUSTEN SPIELDATEN!
www.facebook.com/TheaterHORA
*NUN KÖNNEN SIE AUCH ÜBER PAY PAL
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www.youtube.com/TheaterHORA
myspace.com/thehoraband
Zauberwerk
editorial
Zauberwerk
editorial
Liebe
Hora-Freundinnen
und-Freunde
Reisen, wo das Auge hinreicht
Als ich mich im Sommer 2011 für
ein Praktikum beim Theater HORA
bewarb, lag mein Augenmerk besonders darauf ein Theater kennen
lernen zu wollen, das den Anspruch
hegt, professionelles Theater mit
Menschen mit geistiger Behinderung auf die Bühne zu stellen.
Nach einiger spontaner Internetrecherche und Kontakt zum
HORA-Staff, erweiterte sich mein
Blickfeld also kurzerhand auf die
Schweiz, genaugenommen auf
Zürich. Mit Vorfreude blickte ich
auf zwei Schnupper- und ein paar
private Urlaubstage im sommerlichen Zürich und ahnte nicht,
dass das Thema Reise im folgenden
halben Jahr noch eine wichtige
Rolle spielen würde. Völlig unbefangen begegnete ich bei meiner
Ankunft dem Schauspiel im Casino
Saal, der Hauptspielstätte, und
erfuhr sogleich, was mir bei einem
Praktikum blühen würde:
Eine Tournee mit der Produktion
DISABLED THEATER von Jérôme
Bel, das an renommierten Theaterfestivals in ganz Europa auftreten
würde. Das war eine angenehme
Überraschung, denn ich reise für
mein Leben gern. Warum? Weil ich
gerne Erfahrungen sammle, vielleicht so wie andere Briefmarken.
In diesem Fall durfte ich auch noch
die Erlebnisse der 11 SchauspielerInnen beobachten und Ausschnitte
in einem Blog zusammen fassen.
Jetzt, ca. 20 Zugreisen und einige
100 Erfahrungen später, kommt es
mir vor, als sei die Zeit wie im Flug
vergangen. Doch das Erlebte bleibt
und prägt. So wie meine Definition
von Reise: Für mich hat diese vor
allem immer mit einem Aufbruch
ins Unbekannte zu tun.
Als das HORA vor 20 Jahren ins
Leben gerufen wurde, als ich mich
für das Praktikum bewarb, als wir
im April nach Bern aufbrachen, hat
keiner gewusst, wohin uns diese
Reise wirklich jeweils führen wird.
Das Wesen einer Reise kann von
sehr unterschiedlicher Natur sein.
Eine Art von Reise, hat viel mit
räumlichen Veränderungen zu
tun, mit Seefahrermythen und
Zugabteilen. Es ist etwas besonderes, dass das Theater HORA die
Möglichkeit hat, an einer solchen
Tournee, wie der von DISABLED
THEATER teilzunehmen. Da gibt es
fremde Sprachen, ungewöhnliche
Traditionen, unbekannte Bühnen
aber auch neu gewonnene Eigenständigkeit. Das reicht von Feierabendbier im Stassencafé, bis hin
zu selbstbestimmten Streifzügen
durch europäische Metropolen.
Jeder hat da andere Hürden, die er
überwindet und ich meine damit
nicht nur die Schauspieler, auch
ich selbst habe so manche Herausforderungen meistern müssen.
Eine andere Art von Reise ist das
Abenteuer des Lebensweges oder
auch die Verwirklichung von Projekten.
So wie ich das HORA Theater
erlebe, hat es sich nie vor dieser
Herausforderung gescheut. Gereist
sind hier schon immer alle und
das soll auch weiterhin so bleiben. Dazu braucht es natürlich die
Unterstützung von Eltern, BetreuerInnen, Vereinsmitgliedern,
ZuschauerInnen, KünstlerInnen,
PraktikantInnen, allen Menschen,
die uns gerne Aufmerksamkeit
schenken. Auf welche Reisen
blicken wir momentan? Mit Paganini durch Konzertsäle, mit Mut
zur Lust am Scheitern, durch die
letzten 20 Jahre des Theater HORA,
zum hausgemachten Festival
OKKUPATION, nach Asien…
Es gibt viele unterschiedliche Arten
von Wegzehrungen, die ein/e
Wandersmann/frau auf ihrer Reise
unterstützen und wir freuen uns
über jeden möglichen Beitrag, den
Sie uns spenden können.
Ich wünsche ihnen viel Spass auf
Ihrer Entdeckungstour durch unser
Heft.
Jana-Maria Stahl
Zauberwerk
die zweite
Willkommen beim Theater HORA!
Das Theater HORA ist das bekannteste professionelle
Theater von und mit Menschen mit einer kognitiven
Beeinträchtigung in der Schweiz. Es feiert 2013 sein
20jähriges Bühnen-Jubiläum.
Für den Mitgliederbeitrag (CHF 100.00 pro Kalenderjahr) oder eine Spende können Sie den beiliegenden
Einzahlungsschein verwenden, oder direkt auf das
PC- oder CS-Konto einzahlen. Wir danken Ihnen für
die Unterstützung!
Unterstützen auch Sie das Theater HORA und werden Sie Mitglied im Förderverein des Theater HORA.
Verein Theater HORA, 8040 Zürich, PC 80 – 54072 -7
IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Der Verein Theater HORA setzt sich dafür ein, dass
Menschen mit Behinderung unter qualifizierter Leitung
professionelles Theater spielen können und die eigenen
künstlerischen und musischen Fähigkeiten fördern
können.
Das Theater HORA bietet auch eine zweijährige Ausbildung an.
Als Mitglied des Vereins Theater HORA bleiben Sie
über alle laufenden Projekte informiert und Ihr
jährlicher Mitgliederbeitrag von CHF 100 kommt
unmittelbar den aktuellen Produktionen zu Gute.
Möchten auch Sie Mitglied des Verein Theater HORA
werden, dann wenden Sie sich direkt an uns:
Telefon 044 405 71 40 oder verein@hora.ch
Die Mitgliederbeiträge und alle Spenden die
einbezahlt werden, kommen ausschliesslich
den Projekten des Theater HORA-Stiftung
Züriwerk zugute.
Kontakt: Conny Marinucci im HORA Sekretariat
(Tel. 044 405 71 40, verein@hora.ch) oder
an Ricco Bonfranchi, bonif@bluewin.ch
Präsident Verein Theater HORA
Verein Theater HORA, 8040 Zürich, Credit Suisse,
8070 Zürich, IBAN: CH84 0483 5034 4491 0000 0
Unsere Projekte leben von Ihren Spenden und Mitgliederbeiträgen! An dieser Stelle gebührt unser aufrichtiger Dank!
Besonderen Dank gilt folgenden Personen und Organisationen (Spenden ab CHF 500.–)
A. Fritzsche
Familie und Freunde M Magos
Lions Club Zürich-City/Blofeld Communication GmbH
Ref. Kirchgemeinde Rümlang
Evang. Frauenbund Zürich
Hochzeit Fam Möckli-Gysi
Herzlichen Dank fürs Jubiläumsprogramm
20 Jahre Theater HORA (OKKUPATION!,
DER PROFI, DAS HORA-BUCH)
Mitglieder Verein Theater HORA
Hamasil-Stiftung
Herzlichen Dank für die
Unterstützungsbeiträge
zur Ausbildung
Verein Theater HORA
Stiftung Denk an mich
MBF Foundation
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeitrage an
die Produktion DISABLED THEATER
Stadt Zürich Kultur
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Pro Helvetia
Ernst Göhner Stiftung
Stiftung Denk an mich
Herzlichen Dank an die Koproduktionspartner von
DISABLED THEATER
Festival AUAWIRLEBEN (Bern), Kunstenfestivaldesarts
(Brüssel), dOCUMENTA (13), Festival d'Avignon,
Ruhrtriennale, Festival d'Automne à Paris, Les Spectacles vivants - Centre Pompidou (Paris), La Bâtie – Festival de Genève, HAU Hebbel am Ufer (Berlin)
Stand 15. Oktober 2012
NE
TER HORA-STIFTUN
UPRODUKTION THEA
Zauberwerk
AKTUELL
G ZÜRIWERK
PAGANINI & ICH
‘Paganini & Ich’ ist eine musikalische Fantasie über
Leidenschaft, Besessenheit, Liebe und Sexualität.
Eine Geschichte über das Verbindende aber auch
Trennende in den Lebensentwürfen des Geigenvirtuosen Niccolò Paganini (1782–1840) und den
SchauspielerInnen des Theater HORA. Und eine
Parabel über das Ausgrenzen und Ausmerzen von
Andersartigkeit.
Als trennendes Element nimmt die Inszenierung Bezug auf die sexuellen Ausschweifungen, erotischen
Abenteuer und Verrücktheiten Paganinis. Das Thema
«Menschen mit Behinderung und Sexualität» ist nach
wie vor ein «heisses Eisen». Es berührt oft peinlich,
weil es sich um ein Doppeltabu handelt. Zwar interessiert es die Öffentlichkeit, sie ist neugierig, vielleicht
ist gar etwas Voyeurismus mit dabei, aber andererseits
stösst sie die Vorstellung ab.
«Paganini war ein Teenischwarm –
Ich bin «en geile Siech».
«Da wo unser Denken aufhört, fängt die Kunst
‚geistig behinderter’ Menschen an.»
«Paganini war glücklich wenn er Geige spielte –
Ich bin glücklich beim Theater spielen.»
‚Paganini & Ich’ sucht nicht die Identifikation mit dem
Magier des Südens sondern eine emotionale Annäherung an sein Leben, Wesen und Genie. Im Zentrum
steht Verbindendes aber auch Trennendes beider Lebensentwürfe. Es soll andersartige Authentizität entstehen, die betroffen und neugierig macht, Verständnis und Interesse weckt.
Paganini umspinnt der Mythos des Unerklärbaren, des
Unerreichbaren, des Genialen, der exzessiven Leidenschaft, ausgedrückt in musikalischer Virtuosität und
sexueller Neigung. Aber auch der Mythos einer Andersartigkeit die den Menschen zusehends Angst machte,
weil sie aller Normalität widersprach und sich dadurch
ins Gespenstische, Dämonische, Teuflische verkehrte.
Damit war Paganinis Absturz vom gefeierten genialen
und, insbesondere vom weiblichen Geschlecht, vergötterten Saitenvirtuosen zum Teufelsbündnis mit dem
Satan-, Mörder- und Vampirprogramm.
«Paganini hatte mit vielen Frauen Sex –
Ich darf keinen Sex haben.»
«Paganini konnte virtuos auf einer Saite spielen –
Wir können gut improvisieren.»
Sein Leben war seit seiner Geburt bestimmt von schweren Krankheiten. Er litt an einer verschleppten Syphilis,
Darmentzündungen, schweren Unterleibskrämpfen,
Husten, Zahnausfall, Lichtempfindlichkeit, einer toxischen Hepatitis und Kehlkopfkrebs. Und vermutlich
auch am ‚Marfan-Syndrom’, einer Erbkrankheit, die bei
ihrem Ausbruch zu Veränderungen des Knochengewebes und somit zu Hochwuchs und Spinnengliedrigkeit
führt und alle Symptome bestätigen würde, die Paganinis Leibärzte dem Virtuosen bescheinigten.
Schon früh lernte er, stundenlang in sein Zimmer eingesperrt, seine innersten Empfindungen durch seine
Violine auszudrücken. Sein Geigenspiel war geprägt
von purer Leidenschaft, von Wärme und innerem Feuer, von Sinnlichkeit und einer exzessiven Verausgabung
für sein Publikum, von Humor und Eleganz, Virtuosität
und Freude. Sein Leben war ausschweifend, voller leidenschaftlicher Hingabe für sein Instrument und das
weibliche Geschlecht.
Die einzige Möglichkeit den zusehends unerträglicher
werdenden Schmerzen zu entgehen war für Paganini
das Geigenspiel. Nur vor Publikum vergass er all seine
körperlichen Gebrechen und Schmerzen, zündete ein
bengalisches Feuerwerk und spielte sich in Trance.
«Paganini konnte gut Geige spielen und virtuos –
Wir spielen leidenschaftlich Theater.»
Paganini galt als Wunderkind. Er verdiente mit seinen
Konzertreisen durch ganz Europa viel Geld, auferlegte
sich dabei jedoch keinerlei Schonung. So war es keine
Seltenheit, wenn er auf einer Tournee in drei Monaten 65 Konzerte in 30 verschiedenen Städten spielte. Er
kann wohl, im übertragenen Sinne, als der erste Popstar bezeichnet werden, der die Bühne dafür nutzte,
seinen Auftritten eine besonders geheimnisvolle und
dämonische Atmosphäre zu verleihen. Seine hagere
und ausgemergelte Erscheinung im schwarzen Frack
muss seine Zuschauer gebannt haben.
«Wo unser Denken aufhört da fängt (nicht nur)
Paganini an.»
«Berliner Conversationsblatt» (April 1829)
DATEN
SIEHE
A GE N D A
Zauberwerk
kolumne
ZAUBERWERK KOLUM
NE
Was macht eigentlich unser künstlerische Leiter Michi
Elber den ganzen Tag im Büro?
WIE IST DAS EIGENTLICH MIT …
dass Menschen mit einem Down-Syndrom (DS)
aussterben?
Haben Sie schon mal überlegt, wenn Sie in einer Vorstellung des Theater HORA sitzen, dass die meisten
SchauspielerInnen das DS haben? Haben sie sich auch
weiter überlegt, dass es heute im Grunde vielmehr
Säuglinge mit DS geben müsste, weil das Gebäralter der
Frauen (auch Zeugungsalter der Männer), in den letzten 30 Jahren enorm gestiegen ist. Dabei ist es eine statistisch erwiesene Tatsache, dass ein hohes Gebär- und
Zeugungsalter verantwortlich ist, für eine Zunahme
von Geburten mit DS. Warum das so ist, ist aber auch
heute noch weitgehend unklar. ABER: es gibt nicht
mehr Menschen mit DS, sondern viel weniger! Das wiederum liegt an der Pränatalen Diagnostik (PD). Genaues
Zahlenmaterial hierüber existiert nicht. Soviel ist bewiesen: bei einem positiven (!) Befund, also wenn pränatal festgestellt wird, dass ein DS vorliegt, kommt es
in ca. 90 – 94 % aller Fälle zu einer Abtreibung. So kann
man auch sehen, dass es in heilpädagogischen Schulen
heute ca. 8 % Kinder mit einem DS gibt, während dem
WAS MACHT MICHAEL
ELBER EIGENTLICH DEN
GANZEN TAG?
es in Erwachsenen-Institutionen noch ca. 20 % sind.
Auf der anderen Seite, das sei hier nur kurz erwähnt,
ist die gleiche Hoch-Technologie-Medizin dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen mit schwerster
und mehrfacher Behinderung überleben. Ich denke da
an Unfallopfer (Schädel-Hirn-Traumata, Ertrinkungsunfälle etc.), aber auch an Frühchen, d.h. Frühestgeburten ab der 25 Schwangerschaftswoche und einem
Geburtsgewicht von ca. 500 Gramm. Diese Frühchen,
das zeigen auch Statistiken, haben oft Behinderungen
unterschiedlichen Schweregrades.
Ist die PD deshalb als behindertenfeindlich zu bezeichnen? Ich glaube nicht. Sie widerspiegelt vielmehr die
auch heute noch gültige Haltung der überwiegenden
Mehrheit unserer Gesellschaft, die Menschen, die weniger leistungsfähig (Arbeit), weniger intelligent (Bildung) und weniger schön (Ästhetik) sind, eben nicht
haben möchte.
Also: wie sieht in 20 Jahren die Schauspiel-Truppe des
HORA aus?
Michi hat es sich zur Aufgabe gemacht, das gesamte Archiv des HORA zu durchforsten und in digitale Form zu
bringen. Warum tut er sich das an? Sein Ziel ist es (und
Michi erreicht seine Ziele), ein Buch über die 20jährige Geschichte des Theater HORA herzustellen. Damit wäre die
oben erwähnte Frage bereits beantwortet.
Aber: So ein Buch hat seine Produktionskosten und deshalb haben Sie bereits vor einigen Wochen einen Brief mit
Einzahlungsschein erhalten. In diesem bitten wir Sie, einen
Betrag für die Herstellung dieses Werkes zu spenden. Wir
gehen davon aus, dass wenn die Hälfte aller Vereinsmitglieder Fr. 100.—spendet, wir auf der sicheren Seite sein
werden.
Wollen Sie nicht auch zu dieser Hälfte gehören?
Zauberwerk
aktuell
Zauberwerk
menschen
Zauberwerk
menschen
Ricco Bonfranchi (RB)
interviewt Michael Elber (ME)
RB: Es ist sicherlich nicht vermessen, zu sagen, dass
das Theater Hora für Dich eine grosse Bedeutung
hat. Du gehörst zu den Gründern und hast über 20
Jahre für und mit diesem Theater gelebt und gearbeitet. Welches waren Deine ursprünglichen Motive, Dich an die Idee des Hora zu binden?
ME: Da waren keine speziellen Absichten dahinter. Ich
hab mich schon in meiner Lehrerzeit für die "nicht normierten", die "schlechten" Schüler interessiert. Schon
nur weil, ich die NORMALITÄT PER SE schon als junger
Erwachsener heftig in Frage gestellt habe. Die "schlechten" Schüler meiner Lehrerzeit hatten einfach oft spezielle Lebenserfahrungen, die ich viel interessanter fand.
Ausserdem hat mich auch der "normale" Theaterbetrieb
nie interessiert. Theater, nur um Kunst zu machen,
finde ich für mich nicht interessant. Ich verstand das
Theater immer als eine Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen, die sich nicht kennen.
Letztendlich war es Zufall, dass ich hier gelandet bin,
geführt aber durch meine Lebenseinstellung. Dass ich
mich gebunden habe, hat aber damit zu tun, dass ich
immer, trotz der immensen Arbeit, Spass hatte ein
nicht normales, spezielles Pilotprojekt aus dem Niemandsland in die Öffentlichkeit zu führen. Und die
Überzeugung, dass es Sinn macht!
RB: Haben sich deine Motive im Laufe der Jahre geändert?
ME: Ja. In der breiten Öffentlichkeit steht das Projekt
inzwischen, ohne Zweifel. Um meine Existenz muss
ich nicht mehr grosse Angst haben. Die ersten zehn
Jahre wusste ich nicht, wie ich 3 Monate später meine
Brötchen verdienen kann. Mein Motiv ist heute nicht
mehr mit all meiner Energie allen zu beweisen, dass
es funktionieren kann. Mein Motiv ist heute, meine
junge Familie mit einer sinnvollen, politisch hochbrisanten Arbeit ernähren zu können, die mich immer
noch tief befriedigt. Vor allem der Probenanteil mit den
SchauspielerInnen. Büro Arbeit könnte ich auch gut abgeben…
RB: Was hat sich grundlegendes am Theater HORA
im Laufe dieser doch langen Zeit verändert?
ME: Die hochprofessionelle Geschäftsleitung. DANKE!
Die finanzielle Absicherung durch Züriwerk. DANKE!
Die hochmotivierten professionellen MitarbeiterInnen.
DANKE!
Die Möglichkeit einer langfristigen Planung.
Früher konnte ich Praktikumsanfragen nicht positiv beantworten. Ich musste immer mitteilen, dass ich nicht
wisse, ob HORA in ein paar Monaten noch existiere.
Heute planen wir bereits die Nord- und Südamerika
Tournee 2014!
RB: Was ist gleich geblieben und sollte Deiner Meinung nach auch gleichbleiben?
ME: Die Lust alle möglichen neuen künstlerischen Herausforderungen anzugehen. Das Interesse, uns ständig neu zu erfinden. Die grosse Flexibilität. Die Offenheit gegenüber Einflüssen von Aussen. Manche nennen es Chaos! Das Interesse, eine Besonderheit eines
Menschen nicht als Defizit, sondern als Geschenk (für's
Theater!) zu betrachten.
RB: Wie siehst Du die Zukunft des HORA? Und wie
siehst Du Deine Zukunft mit dem HORA Theater?
ME: Wenn ich oben von finanzieller Absicherung durch
das Züriwerk rede, muss ich hier anfügen, dass wir jedes Jahr für unsere konkreten Projekte trotzdem, wie
alle andern Theater auch, auf Sponsoren angewiesen
sind. Finanziell abgesichert ist mein Lohn. Damit haben wir aber noch kein Theaterprojekt auf die Bühne
gebracht! Viel Zeit «verliert» unser Geschäftsleiter, weil
er ständig Anstrengungen in dieser Richtung unternehmen muss. Eigentlich würde er uns viel lieber Engagements organisieren. Doch zuerst müssen die Finanzen
organsiert werden.....
Ich sehe die Zukunft folgendermassen: Entweder haben wir jedes Jahr mehr Mühe unseren Betrieb zu finanzieren, oder wir erhalten von irgendeiner Zauberfee (Aufruf an alle die sich angesprochen fühlen) eine
langjährige Garantie. 500'000 pro Jahr würden genügen...... Wir garantieren dann weiterhin aufsehenerregende Bühnen-Projekte, welche sich für die Interessen von speziellen Menschen stark macht.
Zauberwerk
menschen
Meine Zukunft? Ich arbeite gerne hier. Ich sehe meine
Fähigkeiten hier richtig eingesetzt. Gerne würde ich
einmal in meiner HORA Karriere ohne Zeit und Gelddruck ein Stück erarbeiten! Gerne würde ich nochmals
den "Sommernachtstraum" inszenieren, "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Nadolny, die "Bibel", den
"Wilhelm Tell" und natürlich auch "Die kürzeste Geschichte der Zeit" von Stephen Hawking.
Am liebsten aber würde ich eigentlich nur DIE LUST
AM SCHEITERN spielen. Das Beste, was wir je erfunden
haben.
Ausserdem möchte ich so arbeiten können, dass ich
nicht weiterhin Raubbau an meinem Körper betreiben
muss. 20 Jahre sind genug. Ich stemme jetzt lieber zwei
Kinder in die Höhe, als nachts um 11 Uhr schwere Bühnenbildelemente in unseren Lieferwagen…
RB: Wie hat sich im Laufe der Jahre Dein Bild von
geistiger Behinderung verändert? Hat es sich überhaupt verändert? Was bedeutet 'Geistige Behinderung' für Dich?
ME: Nichts! Keine Ahnung was das ist! Hab mich nie
damit auseinandergesetzt! Interessiert mich nicht!
Ich bin NUR an speziellen, interessanten SchauspielerInnen interessiert. Das hat mich immer fasziniert.
Ich sag es auch immer wieder. Mich interessiert nicht
die Behinderung. Mich interessiert nicht das Defizit,
sondern nur die Wirkung auf der Bühne! Mich interes-
sieren nur die Fähigkeiten. Und das kann ich so sagen,
weil ich Theater mache. Ich will niemand verändern,
niemand erziehen, niemanden fördern. Ich will bloss
gutes Theater machen, welches mich als Zuschauer
auch interessieren würde. Und diese Haltung verändert, erzieht und fördert natürlich ungemein. Wenn
ich sage; "Du bist hier, weil mich deine schauspielerische Präsenz interessiert. Deine Behinderung ist mir
schnuppe."
RB: Denkst Du, dass das Theater HORA ein Beitrag
zur Integration von Menschen mit geistiger Behinderung leistet? War und ist dies für Dich ein Thema?
Wenn ja: Warum? Wenn nein: Warum nicht?
ME: JA-JA-JA! Das ist für mich ein Thema! Aber ich mach
es nicht deswegen. Ich mach es, weil ich gerne Theater
mache. Weil ich das gerne mit Menschen mache, die
eine tolle Ausstrahlung haben. Und weil das zusammen
Spass macht. Ich will nicht die Welt ändern. Aber wenn
sie sich positiv verändert durch die sinnvolle Arbeit,
welche ich mache, dann freut es mich! Und das führt
automatisch zur Integration. Das ist Integration! Alle
profitieren von einander! Integration passiert in den
Köpfen. Aber machen wir uns nichts vor. Menschen die
anders sind, die sind eben anders! Und die bleiben anders. Aber sie können trotzdem oder gerade deswegen
einen wertvollen Beitrag leisten für die Gesellschaft.
DIE LUST AM SCHEITERN
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ATER HORA
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ULLIMPROVISA
Diese Produktion ist ein ImprovisationsSpektakel. Jede Vorstellung
wird zu einem radikalen Unikat.
Auf der Bühne: Zehn Performer. Alles kann passieren. Oder auch nichts. DIE LUST AM SCHEITERN ist
der radikale Versuch, Theater aus nichts als aus
Spiellust zu machen, alles nur aus Pausen, Unsicherheiten ıınd toten Punkten entstehen zu lassen.
Um aus dem, was eben noch gescheitert war, neue,
abenteuerliche Unternehmungen und nie gesehene
dramatische Höhepunkt zu gewinnen.
Theater HORA ist zur Zeit mit Jérôme Bels DISABLED
THEATER auf Europa-Tour. Ihr absolutes Lieblingsprojekt aber bleibt diese Produktion von 2000 – die
Essenz ihrer nun bald 20jährigen Arbeit mit «geistig
behinderten» Schauspielern.
25. BIS
27. 1. 2013 IN
DE R R O T E N
FABRIK
Zauberwerk
Vorschau
Zauberwerk
rückblick
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ildren’s Choic
Das Theater HORA wurde mit DISABLED
THEATER an die Ruhrtriennale, internationales Festival der Künste, eingeladen
und spielte am 23./24./25. August 2012 im
PACT Zollverein, Essen.
Die offizielle Festivaljury der Ruhrtriennale bestand
aus einem Gremium von 72 Kindern, die aus 30 Produktionen die Besten der Besten kürten.
Die Children’s Choice Awards wurden an der feierlichen Verleihung in der Jahrhunderthalle Bochum
am 30. September 2012 um 16 Uhr vergeben: Und weil
die Schauspielerinnen und Schauspieler der Produktion DISABLED THEATER nominiert und zur Preisverleihung eingeladen wurden: …wir freuen uns sehr, dass
Julia Häusermann und Remo Beuggert zur Preisverleihung unserer Kinderjurys am 30. September kommen
können! Die Kinder werden sich sehr freuen, wenn sie
persönlich den Preis an ihre Lieblingsdarsteller überreichen können. (Festival Komitee) …jetteten die beiden
in Begleitung von Annette Sutter für einen Tag hin und
zurück.
le, Essen
Der/die Preise:
Vier
überzogen mit ein Pokale,
em Schokoladeguss, verziert mi
t Federn, Glitzer
und Glimmer.
In zwei Kategorien gingen die Preise an uns:
Die Show, in der ich tanzen wollte
«Der Preis ‚Die Show, in der ich tanzen wollte’ wird vergeben,
weil das Mädchen zu Michael Jackson getanzt hat. Ich bin ein Fan
von Michael Jackson und fand es toll, dass sie sich getraut hat auf
die Bühne zu gehen und zu tanzen.»
Das Stück, bei dem ich am meisten gelacht habe
«Wir vergeben den Preis ‚Das Stück, bei dem ich am meisten gelacht habe’, weil die Schauspieler super tolle Talente hatten, die
einen zum Lachen bringen.»
WAS
IST
EIN
BLOG?
Ein offenes Fenster, das einen Einblick
in aktuelle Gedanken und Geschehnisse
eines Menschen/ einer Gruppe zulässt.
Ein Fenster, durch das man auch seine
Meinung zurück rufen kann.
Wie ist ein Blog?
Kurz und knackig.
Aktuell und von Gestern.
Roh und pointiert.
In Bewegung und innehaltend.
Wer schreibt einen Blog?
Jede(r), die/den es bei wichtigen
Gedanken nicht nur im Kopf,
sondern auch in den Fingern kribbelt.
Und nicht vergessen:
«PAGANINI & ICH» im Casino-Saal.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
http://blog.hora.ch
Zauberwerk
ANGEBOT
HORA'BAND
CASTING HORA'BAND
DieHORA`BAND sucht MusikerInnen mit IV die ein Instrument spielen,
singen, rappen oder komponieren. Interessiert?
Die HORA`BAND würde dich gerne kennen lernen.
Vorspiel:
Freitag 23. November 2012, 19.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl, Rotwandstrasse 4, 8004 Zürich
Zur Verfügung stehen folgende Instrumente:
E-Piano, Schlagzeug, Mikrophon
oder CD-Player für's Vorspielen und Vorsingen sind vorhanden.
Anmeldung per Mail an den Bandleader: roli.s@gmx.ch
Die HORA'BAND kann man buchen:
HORA Büro: 044 405 71 41 hora@zueriwerk.ch
oder direkt mit dem Beandleader Kontakt aufnehmen
Roli Strobel, roli.s@gmx.ch
Kostproben der Songs sind auf der Myspace-Seite der Band zu hören.
www.myspace.com/thehoraband
Weiterhin im Angebot
THEATER
WERKSTATT
Sie kennen sicher die TheaterWerkstatt? Oder…?
Seit 7 Jahren bietet der Ausbildungsleiter des Theater
HORA, Urs Beeler, diese Einjahres-Kurse für Jugendliche von 9–18 Jahre an. Einige gestandene HORA SchauspielerInnen haben diese ‚Kader-Schmiede‘
(auf freiwilliger Basis versteht sich) durchlaufen.
Besuchen Sie doch auch einmal eine Vorstellung des
hoffnungsvollen Nachwuchses der Theater-Werkstatt!
Kontakt: Urs Beeler, Winzerhalde 6, 8049 Zürich,
044 341 46 09, 078 634 30 34, beegeo@bluewin.ch
Weitere Informationen unter www.machtheater.ch
044 341 46 09, 078 634 30 34 beegeo@bluewin.ch
Weitere Informationen unter www.machtheater.ch
TheaterWerkstatt für Kinder und Jugendliche
Neue Kurse starten jeweils mit Beginn eines neuen
Schuljahres und stehen Kindern und Jugendlichen
ab 8 Jahren offen. Je nach Eingang der Anmeldungen
wird eine separate KinderWerkstatt durchgeführt.
jeweils Samstag, 13.00 bis 15.00 Uhr im Casino-Saal
Aussersihl
‘AndersSein’ und weitere
theaterpädagogische Workshops
Weiterbildungsmöglichkeit mit unserem
Künstlerischen Leiter und dem HORAEnsemble oder mit unserem Ausbildungsleiter und den HORA-Lernenden
für Schulen und pädagogischen und
sozialen Ausbildungsstätten
Teamanlass für Firmen, die
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einen Weiterbildungstag
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führen wollen.
Gastspiel-Produk
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Gesucht für die neue Prod
PAGANINI & ICH
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• Holzkiste (160 x 50
x 50
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Funktionierende TV-Monitore und
DVD Abspielgeräte.
Gesucht für die Neuinszenierung
von DIE LUST AM SCHEITERN
folgende Instrument;
Tuba, Sousaphon, Waldhorn,
Posaune, Euphonium, Baritonhorn,
Tenorhorn, Mellophon. Gerne
nehmen wir auch defekte Instrumente!
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Per Email: hora@z
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T: 044 405 71 40
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Michael Elber, sucht für
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für seine Söhne! m.elb
oder 079 756 49 24
Wir suchen HelferInnen für die
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Wir können jeweils
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Entgelt bezahlen
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sowie einen Festivalpass. Es han
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Theater HORA mit
…für ein Videotanzprojekt von
HORA-Zuschauehemaligen und gegenwärtigen
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HORA-Projekt teilnehmen wol
Kontakt:
hora@zuer
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T: 044 405
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IMPRESSUM
Stiftung Züriwerk
Theater HORA –
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Zauberwerk:
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Bonfranchi, Conn
Redaktion: Ricco
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ut: Stillhar t Konzep
Gestaltung & Layo
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use, Annette Sutte
Fotos: Michael Ba
+ Co. AG
Druck: Seiler, Däpp
Anschrift:
Stiftung Züriwerk
Theater HORA –
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stfach, 8040 Züric
Baslerstrasse 30, Po
04 4 405 71 10
T: 04 4 405 71 40; F:
eriwerk.ch
Züriwerk: hora@zu
ra.ch
Verein: verein@ho
www.hora.ch
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04/2012 – Zauberwerk Nr. 33
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Vorschau:
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Europa-Tournee
DAS MAGAZIN
DES THEATER HORA
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APRIL 2012
Zauberwerk
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Zauberwerk
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Liebe
Hora-Freundinnen
und-Freunde
Eben haben wir noch die Champagnergläser erklingen lassen und
schon sind wir Mitten im Jahr. Der
Frühling hat kräftig auf die Farbtube gedrückt, wir geniessen die wärmeren Temperaturen. Vergessen
sind die Schneeberge und gefrorenen Seeflächen.
Bereits Mitte März fand die Wiederaufnahme von «ENTE, TOD
& TULPE» statt. Nachdem in der
Vergangenheit eine beunruhigende
Tendenz mit sinkenden Zuschauerzahlen beobachtet wurde, sind
wir über den Publikumszulauf zu
diesem eher leisen, humorvollen
und nachdenklichem Stück sehr erfreut. Freuen können wir uns auch
über das Interesse der Schulen!
Mit Riesenschritten nähern wir uns
dem Start der Europa-Tournee von
«DISABLED THEATER», die Vorpremiere findet anfangs Mai in Bern
statt, gleich danach geht‘s in die
Belgische Hauptstadt: Am 10. Mai
wird am KUNSTENFESTIVALDESARTS die Weltpremiere sein. Wir
werden gespannt verfolgen, was die
Medien daraus machen. Wie wird
die Stückbesprechung ausfallen?
Wird nun in den Feuilletonblättern
über das Theater HORA berichtet?
Auf der Homepage www.hora.ch
aktualisieren wir laufend die Aufführungsdaten, daneben werden
wir einen Blog aufschalten, auf
dem Sie erfahren können, wo wir
gerade sind, wie es uns geht und
was uns gerade so beschäftigt!
Es lohnt sich unseren Newsletter zu
abonnieren, so werden wir Sie informieren können, sobald es losgeht.
Auf Anfang dieses Jahres haben
wir eine wichtige Umstellung in
unserem Theaterbetrieb vorgenommen. All unsere SchauspielerInnen
sind nun zu 100% bei uns angestellt.
Diese Veränderung ermöglicht den
SchauspielerInnen ihre besonderen Fähigkeiten ausschliesslich für
die Bühnenkunst einzusetzen. In
der Organisation unseres Theaters
bringt diese Veränderung eine grössere Sicherheit in der Planbarkeit
von Projekten.
Wir nähern uns immer mehr den
herrschenden Begebenheiten eines
Theaterhauses, und das ist richtig
so! In diesem Zusammenhang ist
der Ausdruck «Normalisierungsprinzip» keine unbedeutende Worthülse
mehr. Und seit der letzten Ausgabe
von OKKUPATION! kristallisiert sich
zwischen dem Theater HORA und
dem Fabriktheater (der Roten Fabrik)
eine nähere Zusammenarbeit heraus. Wir werden in der zweiten Jahreshälfte HORA-Produktionen im
Fabriktheater zeigen. Weitere gemeinsame Projekte befinden sich
im Köcher…
Einen schönen Frühling
wünscht Ihnen
Giancarlo Marinucci
Und nicht vergessen:
26. bis 28. Mai zeigen wir wieder
den «FAUST 1 & 2» im Casino-Saal.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
AGENDA BIS HERBST 2012
DISABLED THEATER
AB MAI 2012 AUF EUROPA-TOURNEE
VORPREMIEREN
Sa 5. Mai
20.00 Uhr
Bern
Festival Auawirleben
So 6. Mai
18.00 Uhr
Bern
Festival Auawirleben
(mit Publikumsgespräch)
Zeiten siehe Homepage: www.auawirleben.ch
WELTPREMIERE
Do 10. Mai 20.30 Uhr
Brüssel Kunstenfestivaldesarts
Fr 11. Mai
20.30 Uhr
Brüssel Kunstenfestivaldesarts
Sa 12. Mai
18.00 Uhr
Brüssel Kunstenfestivaldesarts
Zeiten siehe Homepage: www.kfwa.be
Mo 9. Juli
Festival d‘Avignon
Di 10. Juli Festival d‘Avignon
Do 12. Juli
Festival d‘Avignon
Fr 13. Juli
Festival d‘Avignon
Zeiten siehe Homepage: www.festival-avignon.com
Mi 29. Aug. Theaterspektakel Zürich
Do 30. Aug. Theaterspektakel Zürich
Fr 31. Aug. Theaterspektakel Zürich
Sa 1. Sept. Theaterspektakel Zürich
DISABLED THEATER AM ZÜRCHER THEATERSPEKTAKEL 2012
www.theaterspektakel.ch
FAUST 1 & 2 MIT HORA‘BAND IM 2012
Do 24. Mai
Fr 25. Mai
Sa 26. Mai
20.00 Uhr
14.00 Uhr
18.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Casino-Saal Aussersihl (Schulvorstellung)
Casino-Saal Aussersihl
«ES IST NORMAL,
VERSCHIEDEN ZU SEIN.»
DIES MUSS MOGLI IM DSCHUNGEL LERNEN
Theater-Workshop
mit Michael Elber, Künstlerischer Leiter Theater HORA.
Inszeniert wird das Dschungelbuch frei nach R. Kipling.
KONZERTE HORA‘BAND
Zeitraum 21. Juli bis 3. August 2012
So 12. Mai
So 24. Juni
So 12. Aug.
WIEDERAUFNAHME
18.00 Uhr
21.00 Uhr
?? Uhr
Kulturpunkt, Bern
Zürcher Restspiele, Rote Fabrik
Evergrinfest, Meiringen (www.evergrinfest.ch)
Kontakt: Roli Strobel, roli.s@gmx.ch, www.myspace.com/thehoraband
PRINZESSIN & PRINZESSIN
NACH LINDA DE HAAN & STERN NIJLAND
Aufführung der TheaterWerkstatt 2011/12 unter der Regie von Urs Beeler
ÖFFENTLICHE GENERALPROBE
Sa 7. Juli 2012 14.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl (Tickets nur auf Anmeldung)
PREMIÈRE
Sa 14. Juli 2012 14.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl (Tickets nur auf Anmeldung)
DIE LUST AM SCHEITERN
BESUCHEN SIE THEATER
HORA AUF FOLGENDEN
SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN:
www.facebook.com/TheaterHORA
Herbst/Winter 2012/13 in der Fabriktheater Rote Fabrik, Zürich
www.rotefabrik.ch
AUSSERDEM
www.youtube.com/TheaterHORA
—> Definitive Daten zu allen Aufführungen und weitere Informationen
unter www.hora.ch; siehe Spielplan und über den HORA-Newsletter
myspace.com/thehoraband
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
IBAN: CH84 0483 5034 4491 0000 0
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K. Brem / T. Schwarzbach / E. Alig-Schuster /
E. Schmidt-Marty / Kollekte V. Lehmann /
E. Eigenmann, M. Leuenberger / E. Waldmann
Gschwend / Pro Familia Glarus / Verein Kath.
Behindertenseelsorge Kanton Zürich / HOLDIT /
Kath. Kirchenstiftung St. Anton / Stiftung Dr.Valentin
Malamoud / Blofeld Communication GmbH
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zur Ausbildung
Ernst Göhner Stiftung / Verein Theater HORA /
Vontobel-Stiftung / Stiftung Denk an mich /
MBF Foundation
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge an
die Produktion DISABLED THEATER
Stadt Zürich Kultur / Fachstelle Kultur Kanton Zürich/
Ernst Göhner Stiftung / Stiftung Denk an mich
Stand März 2012
Zauberwerk
Kolumne
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Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
an die Produktion ENTE, TOD & TULPE
Stiftung Denk an mich / Hamasil Stiftung / Zürcher
Kantonalbank / Alexis Viktor Thalberg-Stifutung /
Giuseppe Kaiser-Stiftung / Martha Bock Stiftung
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Für den Mitgliederbeitrag (CHF 100.00 pro Kalenderjahr) oder eine Spende, können Sie den beiliegenden
Einzahlungsschein verwenden oder direkt auf das
PC- oder CS-Konto einzahlen.
Wir danken Ihnen für die Unterstützung!
Besonderen Dank gilt folgenden Personen und
Organisationen (Spenden ab CHF 500.—)
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Unsere Projekte leben von Ihren Spenden und Mitgliederbeiträgen!
Dafür gebührt Ihnen unser aufrichtiger Dank!
Kontakt: Conny Marinucci im HORA Sekretariat
(Tel. 044 405 71 40, verein@hora.ch) oder an Simon Heller, Präsident
Verein Theater HORA (simon.heller@gmail.com).
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den Bezeichnungen? Wir alle kennen den Begriff der
Geistigen Behinderung und meinen auch zu verstehen,
was er bedeutet. Dieser Begriff ist aber immer wieder
in Zweifel gezogen worden, weil seine Nähe zum Geist
nicht verstanden worden ist. Was bedeutet Geist? In
einem religiösen Sinn könnte man es noch verstehen,
aber will man es so auch akzeptieren. Wohl eher nicht.
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat es Leute
gegeben, die wollten den Begriff ‚Geistige Behinderung‘
durch die Begrifflichkeit ‚kognitives Anderssein‘ ersetzen. Das konnte sich aber nicht durchsetzen. In den
80er sprachen wir von lernschwächeren Menschen. In
den 90er Jahren, der Begriff der geistigen Behinderung
lebte immer noch, kam dann die Einsicht, dass wir
nicht mehr von Geistig Behinderten sprechen sollten,
sondern von Menschen mit einer geistigen Behinderung. Die political correctness begann sich durchzusetzen. Es sind Menschen, die z. B. eben rote Haare haben,
oder grosse Füsse oder eben eine geistige Behinderung.
Aber in erster Linie sind es Menschen. Heute ist zu beobachten, dass in der sozialpädagogischen Szene wieder
von kognitiver Beeinträchtigung die Rede ist. Ob sich
dieser Begriff durchsetzen wird? Ich weiss es nicht. Es
bleibt schwierig und ist insbesondere bei Menschen
mit geistiger Behinderung besonders schwierig. Wenn
jemand blind ist, ist er blind oder sehbehindert. Aber
wenn die Behinderung sich auf die Denkfunktionen
(eben: Kognitionen) beziehen, wird es schwierig(er).
Im neuen Stück des Theaters Hora wird ja die Behinderung auf einer sehr persönlichen Ebene thematisiert.
Ach ja, beim Theater HORA spricht man von Schauspielern. Das aber wiederum gibt nur Sinn, wenn man
weiss, wer oder was das Theater HORA ist.
Ricco Bonfranchi
Zauberwerk
AKTUELL
Zauberwerk
AKTUELL
DISABLED THEATER
Laufend werden die Aufführungsdaten unserer Tournee veröffentlicht. Aus Rücksicht auf unsere Koproduktionspartner können nicht gleich alle Daten publiziert werden. Wir bitten Sie regelmässig unseren
Spielplan zu konsultieren oder abonnieren Sie unseren
Newsletter!
Wie es zu der neusten Produktion DISABLED THEATER kam und was dahinter steckt aus Sicht des Dramaturgen Marcel Bugiel
Mit Arbeiten wie Shirtology (1997), The Last Performance (1998) oder The show must go on (2001) hat der
Choreograf Jérôme Bel Theatergeschichte geschrieben.
Von Anfang an hat er sich dabei für ein Theater interessiert, in dem es nicht mehr darum geht, etwas anderes darzustellen als das, was ohnehin auf der Bühne
ist und stattfindet. Die Konventionen von Theateraufführungen werden bei ihm immer wieder deutlich gemacht, hinterfragt, unterwandert und zum Teil des
Spiels. Jérôme Bels Theaterarbeiten sind gewissermassen philosophisch: sie laden nicht nur zum genauen
Hinsehen, sondern auch zum Mitdenken ein. Sucht
man zum Beispiel in seinen frühen Choreografien vergeblich nach virtuosen Tanzeinlagen, dann deshalb,
weil Bel eben genau dieses Streben nach Perfektion im
Tanz in Frage stellen will. Dass er stattdessen Vorschläge macht, wie man den Tanz (bzw. unsere Auffassung
davon) «demokratisieren» könnte, ist ein ästhetisches
und ein politisches Statement zugleich. Bewegungen,
die man sich mit Interesse ansieht (was in seinen Augen das Wesentliche im Theater ist), sind für Bel nicht
zwangsläufig Bewegungen von Profitänzern. Und so
standen bei ihm schon immer neben professionellen
auch Amateur-Darsteller auf der Bühne. Wie überhaupt
die Individualität und die Subjektivität der jeweiligen
Performer für ihn das eigentliche Thema des Stücks
sind, zumindest aber der Ausgangspunkt, von dem aus
das jeweilige Thema erkundet wird.
Nachdem Bel in den letzten Jahren mit exponierten und
ausgesprochen virtuosen Vertretern der Tanzkunst gearbeitet hatte, präsentiert er in Disabled Theater (2012)
nun die Schauspieler von Theater HORA. Im Gegensatz
zu den Künstlerpersönlichkeiten der vorangegangenen
Arbeiten gehören diese durch ihre Behinderung zu einer sozialen Gruppe, die von der Teilhabe am öffentlichen Leben immer noch so gut wie ausgeschlossen ist.
Bel möchte sein Publikum, das in der Regel mit Behinderung nichts zu tun zu haben glaubt, mit ihrer besonderen Körperlichkeit, Sensibilität und Emotionalität
konfrontieren. Er möchte den Zuschauern vermitteln,
was er selbst erlebt hatte, als er im Rahmen des Theaterfestivals OKKUPATION! zum ersten Mal drei Stunden mit ihnen verbrachte. Die Dramaturgie des Abends
lehnt sich daher stark an die dieser ersten Begegnung
an – als Bel den HORA-Schauspielern eine Reihe von
Aufgaben stellte und staunend erlebte, was diese daraus machten. Denn durch die besondere Art, in der
sie mit dem Medium Theater umgehen, tauchten viele
der Fragen, die sich wie ein roter Faden durch sein bisheriges Werk ziehen, noch einmal auf ganz neue Weise auf. Von daher ist der Titel – Disabled Theater (auf
Deutsch «behindertes Theater») – bei weitem nicht nur
eine Beschreibung des Theater HORA, sondern auch,
und vielleicht vor allem, seines eigenen.
Ausbildung
Schauspielpraktiker
beim Theater HORA
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Es gab eine dreiwöchige Schnupperzeit
für Interessierte Jugendliche im Janaur
2012.
Wolf Erlburchs philosophisches Märchen und poetischer Diskurs über Freundschaft, Abschiednehmen
und Tod kennt keine vorgefertigten Weisheiten, sondern nur Denkanstösse. Dasselbe Ziel verfolgt die Inszienierung durch das Theater HORA.
Die Vorstellungen waren gut besucht. Am Sonntag fand
in Zusammenarbeit mit der Paulus Akademie Zürch
erstmals eine interessante Podiumsdiskussion zum
Thema «Mit dem Sterben leben», statt. Die Rückmeldungen auf die Arbeit, was Geschichte, Spiel, Inszenierung und Ausstattung betrifft, waren begeisternd.
Es werden drei Kandidaten aus der
Schnupperzeit in die Ausbildung aufgenommen.
Auch diesmal ist ein Kursschauspieler
aus der TheaterWerkstatt von Urs Beeler dabei.
Die ZuschauerInnen äusserten sich begeistert:
Das Interesse von Eltern und Heilpädagogischen Schulen ist gross, genaueres
über die Ausbildung zu erfahren.
«Ich war gefesselt von dieser langsamen Geschichte,
Entschleunigung pur.»
Der dritte Ausbildungslehrgang beginnt
im Sommer 2012 und dauert 2 Jahre.
«Diese Direktheit und Emotionalität im Spiel schaffen nur Menschen mit Behinderung»
weitere Informationen Siehe Homepage
www.hora.ch oder nehmen Sie mit dem
Auslbildungsleiter Urs Beeler Kontakt
auf.
weitere Inf
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rückblick
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«Wo unser Denken aufhört, da fängt Paganini an.»
Wie gut es ist, wieder in Zürich zu sein. Die Luft, die
Berge, der See – und fünf Schauspieler, mit denen eine
Woche lang nach Herzenslust Theater gemacht werden
kann.
Zehn Monate nach meiner Zeit als Assistentin kehre
ich zurück ans Theater HORA – der eine hat ein Kind
bekommen, der andere steckt tief in der Wiederaufnahme einer Produktion. Eine gute Gelegenheit, als Vertretung einzuspringen, und mit einer Workshopwoche
den reibungslosen Probenablauf zu unterstützen.
Gemeinsam mit Gianni, Remo, Lorraine und Tiziana
wollen wir uns einem Experiment stellen. Schattentheater und Nicolò Paganini – geht das zusammen? Bereits
mein Einstieg in die Workshopwoche gestaltet sich anders, als gedacht. Über das Leben von Paganini brauche
ich den fünf SchauspielerInnen gar nicht viel erzählen.
Alle sind bereits bestens informiert und stellen mich
mit ihrem Wissen über den Teufelsgeiger erbarmungslos in den Schatten. Na fein, dann stürzen wir uns eben
sofort in die Arbeit.
Für mich eine riesige Spielwiese im Bühnenformat: Der
Raum in der Baslerstrasse, an dem wir uns eine Wo-
Zauberwerk
rückblick
che lang austoben. All die Kniffe und Tricks, um die
ich mein theaterpädagogisches Repertoire in den letzten Monaten bereichert habe, kann ich hier nach Lust
und Laune ausprobieren und damit experimentieren.
Und einmal mehr merke ich auf wunderbare Weise:
Das Geheimnis ist die Improvisation, das Salz der Theaterarbeit: Den Dingen ihren Lauf zu lassen, um dann
damit zu spielen. Die Schauspieler freut es. Sie lernen
nicht nur neue Spiele und Übungen kennen, sondern
konfrontieren sich zugleich mit einem neuen Medium:
Dem Theater mit Schatten. «Ich hätte nie gedacht, dass
es gar nicht so einfach ist, sich hinter der Leinwand zu
bewegen.» sagt Remo nach der Woche. Und Gianni hat
zum ersten Mal mit dem Schattentheater zu tun gehabt: «Schön, dass wir gelernt haben, mit dem Schatten was zu machen.»
Nach einer Woche intensiver Arbeit vor und hinter der
Leinwand, zwischen heiss gelaufenen Scheinwerfern
und mit Übungen, die uns ordentlich aus der Puste
kommen lassen, steht die Präsentation. Mit einer halbstündigen Werkschau lassen wir die Mitarbeiter vom
Züriwerk an dem Erarbeiteten teilhaben – entstanden
ist eine Collage aus theaterpädagogischen Übungen
und poetischen Bildern aus dem Leben Paganinis. Genau damit beschäftigt sich auch Urs Beeler bereits seit
einiger Zeit, und somit reiht sich die Workshopwoche
ein in die Auseinandersetzung mit einem teuflischen
Thema. Und was die HORA Schauspieler mit Nicolò
Paganini zu tun haben, das wird man spätestens im
Herbst zur Premiere Urs Beelers neuem Stück erfahren.
Katharina Winkler, Rostock
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PRIN
Nach Linda de Haan & Stern Nijland für die
TheaterWerkstatt, bearbeitet von Urs Beeler
In einem kleinen Königreich regiert seit vielen Jahren
ein Königspaar. Inzwischen sind die Königseltern das
Regieren leid. Sie wollen sich zur Ruhe setzen. Also
muss ihre Tochter auf den Thron. Allerdings gibt es da
noch ein Problem: Um zu regieren, muss man – natürlich – verheiratet sein! Doch das ist die Prinzessin nicht.
Und sie zeigt auch keine Lust dazu. Sie hat nur eines im
Kopf: Ihre Band!
Also nehmen die Königseltern das ganze in die Hand
und beginnen, ihre Prinzen-Liste durchzutelefonieren. Von überall her kommen die jungen Männer um
die Prinzessin zu freien. Doch keiner kann ihr Herz erobern, bis Prinz Herrlich mit seiner Schwester Ophelia,
ins Schloss kommt. Und plötzlich ist die Prinzessin hin
und weg! Es ist Liebe auf den ersten Blick.
Die TheaterWer
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wird unterstützt tt 2011/12
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Stiftung Denk an rch:
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Öffentliche Generalprobe 7. Juli 2012
Première
14. Juli 2012
14.00 Uhr
14.00 Uhr
Nur auf Anmeldungen bis 30.6.2012
Per E-Mail an: beegeo@bluewin.ch
Platzzahl beschränkt!
Spielort:
Casino-Saal Aussersihl, Rotwandstr. 4, 8004 Zürich
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Vorschau
FABRIK
DIE LUST AM SCHEITERN
Das IMPROVISATIONS-SPEKTAKEL schlechthin!
Es gibt keine Figuren, keine Geschichte, keine Vorgaben und trotzdem entstehen Szenen von seltener Faszination. Ein jahrelanges Theatertraining an der Lust am
Scheitern, an Wachsamkeit, Mut und Risikofreudigkeit hat schliesslich dazu geführt das der Choreograph
Jérôme Bel die Gruppe für seine neue Produktion ausgewählt hat.
Nach einer fünfjährigen Pause wagt sich Michael Elber
mit einigen ausgewählten SchauspielerInnen des Ensembles wieder an sein Lieblingsstück heran.
Der Tages Anzeiger schrieb nach der Premiere im Jahr
2000:
«Sie knurren, japsen, ächzen, schreien
Ein Wagnis mit gutem Ausgang... Selten hat man einen Theaterabend mit einer derart grossen Spannung
verfolgt, selten so gezittert, dass er gelingen möge. Die
Lust am Scheitern ist ein Theaterabend, der einen ganz
eigenen Reiz entwickelt, wenn man ihm als Zuschauer
mit der nötigen Offenheit begegnet.»
Besuchen Sie uns im Fabriktheater der Roten Fabrik.
Jede Vorstellung ein radikales Unikat!
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ANgebot
«ES IST NORMAL, VERSCH
IEDEN ZU SEIN.»
Theater-Workshop mit Michael Elber, dem Gründer des Theater HORA.
Inszeniert wird das Dschungelbuch frei nach R. Kipling.
«ES IST NORMAL, VERSCHIEDEN ZU SEIN.» Dies muss Mowgli im Dschungel lernen
Im Dschungel treffen ganz unterschiedliche Tiere aufeinander. Die einen fressen Fleisch, die anderen Pflanzen, manche schwimmen, andere fliegen, manche sind riesig, andere winzig, manche nett und andere böse. Manche gelb,
andere rot, wieder andere vielfarbig. Wir Menschen haben oft Angst vor denen, die anders sind, wir haben Vorurteile und beginnen Streit. Aber niemand
ist gleich. Jeder ist anders. : «Jeder ist verschieden, darin sind wir gleich. Lern
den bunten Dschungel lieben und das macht dich reich», sagt Baloo.
Ausgehend von Kiplings Originalgeschichten wird der Workshop an unsere
zwei vergangenen Afrika Erzählungen «Amanzi!» (2004) und «Herz der Finsternis» (2007) anknüpfen, und ein Stück speziell für ein junges Publikum entwickeln.
Dodo, wie hast du das HORA kennen gelernt und wie ist die Idee
entstanden mit Gianni und Tiziana den Dreh zu realisieren?
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Ein Freund aus der Reggaeszene arbeitet beim Züriwerk und hat
mich vor ca. zwei Jahren mal angefragt, ob ich Lust hätte einen
Song für sie zu schreiben. Da ich mit der Produktion meiner neuen
CD «Funkloch» sehr beschäftigt war, hatte ich nie wirklich Muse
mich intensiver mit seiner Idee zu beschäftigen.
Ende des letzten Jahres führte das Theater HORA FAUST 1&2 auf und
ich wurde vom besagten Freund eingeladen, mir das anzusehen
und ein Bild zu machen. Ich war begeistert von der Inszenierung
und den ausdruckstarken Schauspielern, sodass ich noch während
der Aufführung entschied, mit Protagonisten des Theater HORA
meinen neuen Video-Clip zu realisieren.
Nach dem Ende der Vorstellung blieb ich noch eine Weile und
suchte den Kontakt mit dem Regisseur und den Schauspielern. Es
hat sofort «Click» gemacht. Ich kam noch nie wirklich in Berührung mit «geistig behinderten» Menschen und bin froh hat mich
das Schicksal zu ihnen geführt.
Zeitraum:
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21. Juli bis 3. Au
Kurszeiten:
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Freuen Sie sich auf ein ganz spezielles Sinneserlebnis.
Wo:
Casino-Saal Aussersihl, Rotwandstrasse 4, 8004 Zürich
Kosten: mit IV/AHV 500 Fr. ohne IV/AHV 800 Fr,
Bedingung: Freude und Lust zu spielen, singen, tanzen, sich zu bewegen, sich zu verkleiden und andere
Menschen im Spiel kennenzulernen. Verstehen einfacher Anleitungen, Gruppenfähigkeit,
Teilnahme an allen Workshop-Tagen.
Der Kurs wird mit den bereits 6 angemeldeten TeilnehmerInnen sicher durchgeführt.
Anmeldung: m.elber@zueriwerk.ch Auskunft: Michael Elber 079 756 49 24
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HORA'BAND
Kostproben der Songs sind auf der Myspace-Seite der Band zu hören.
www.myspace.com/thehoraband
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FÜR KINDER
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Neue Kurse starten jeweils mit Beginn eines neuen
Schuljahres und stehen Kindern und Jugendlichen ab
8 Jahren offen. Je nach Eingang der Anmeldungen wird
eine separate KinderWerkstatt durchgeführt.
jeweils Samstag, 13.00 bis 15.00 Uhr,
im Casino-Saal Aussersihl
Kontakt: Urs Beeler, Winzerhalde 6, 8049 Zürich,
044 341 46 09 – 078 634 30 34 beegeo@bluewin.ch
Weitere Informationen unter www.machtheater.ch
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auftreten wollen.«Ein Mensch geht durc
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Theateraufführung notwendig ist.»
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Reservation unter ticket@hora.ch
ab Mai 2012 auf Europa-Tournee
Neue Aufführungsdaten im März 2012
Siehe Spielplan auf www.hora.ch
AUSSERDEM
WWW
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SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN:
f Alle Spieldaten der aktuellen Theater-Produktionen finden Sie
auf www.hora.ch
f Falls Sie Newsletter-AbonnentIn sind, halten wir Sie per Mail
auf dem Laufenden, so erfahren Sie die neusten Spieldaten!
www.facebook.com/Theater HORA
Definitive Daten zu allen Aufführungen ab 2012 und weitere
Informationen unter www.hora.ch; siehe Spielplan oder über den
HORA-Newsletter
www.youtube.com/Theater HORA
Weitere Informationen unter www.hora.ch; siehe Spielplan und über den
HORA-Newsletter
myspace.com/thehoraband
Zauberwerk
editorial
Zauberwerk
editorial
Liebe
Hora-Freundinnen
und-Freunde
Kaum ist die dritte Ausgabe unseres
Theaterfestivals OKKUPATION! vorbei, schon bahnen sich die nächsten grossen Geschichten an. Das
Theater HORA wird im nächsten
Jahr an den bekanntesten europäischen Festivals zu sehen sein…
Aber zuerst mal tief ausatmen, der
Reihe nach:
Die dritte Ausgabe des Festivals
OKKUPATION! war in vielerlei
Hinsicht erfolgreich. Was uns vor
allem freut, sind die künstlerischen
Impulse, die daraus entstanden
sind. Die Zusammenarbeit bei
«The Democratic Set» mit dem Back
to Back Theatre aus Australien
(Schauen Sie sich die Videoclips auf
unserer Homepage www.hora.ch
an!) oder das Gemeinschaftsprojekt
«Struwwelpeter» mit 11 Künstlern
und Künstlergruppen aus dem
deutschsprachigen Raum oder die
Workshop-Begegnung des HORA-
Ensembles mit dem französischen
Choreographen Jérôme Bel.
Gerade eben dieses Zusammenkommen mit dem weltweit gefeierten
Choreographen entwickelt sich zu
einer regelrechten Erfolgsgeschichte. Jérôme Bel war vom ersten Moment von den Fähigkeiten unserer
SchauspielerInnen dermassen
gefesselt, dass er sich kurzerhand
entschloss, mit uns ein Stück zu
inszenieren.
Die bedeutendsten europäischen
Festivals möchten seine neuste
Kreation zeigen: das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel, das Festival
d'Avignon, die Ruhrtriennale in
Bochum, das Festival d'Automne in
Paris usw. Sie alle möchten in ihren
Programmen dieses kommende
Stück zeigen. Als wäre diese Reihe
nicht schon potent genug, meldet
die DOCUMENTA Interesse an der
Koproduktionsarbeit HORA- Jérôme
Bel an. Die DOCUMENTA gilt als die
weltweit bedeutendste zeitgenössische Kunstveranstaltung.
Inspiriert von der erwähnten
Zusammenarbeit mit dem Back to
Back Theatre hat Michael Elber aus
der Kiste des DEMOCRATIC SET die
BOX entwickelt. Mit der von ihm
entwickelten Improvisationstech-
nik aus DIE LUST AM SCHEITERN
werden neuartige, interessante
und hoffentlich humorvolle Begegnungen, in eben dieser Kiste,
zwischen den HORA-SchauspielerInnen und ausgewählten Gästen
entstehen. In loser Folge wird BOX
den Spielplan 2012 bereichern.
Als schon fast logische Folge aus
dieser Aufzählung mutet die nächste Ankündigung an. Auf Beginn
des nächsten Jahres werden alle unsere SchauspielerInnen zu 100% in
die Theaterarbeit eingebunden. Wir
sind der Ansicht, dass nur so innerhalb der Ausbildungsarbeit und der
Ensemblearbeit Kontinuität und
Flexibilität gehalten werden kann.
Durch diese Massnahme ist ein
neuer Grad an Professionalisierung
erreicht.
Ohne die konsequente und geduldige Arbeit unseres Ausbildungsleiters Urs Beeler könnte dieser
neue Weg nicht beschritten werden. Danke!
Begleiten auch Sie uns in dieser
Aufbauarbeit! Ohne Ihre Unterstützung, sei dies als Mitglied im
Verein Theater HORA, mit einer
Spende oder als freiwillige Hilfskraft «hinter der Bühne» ist dies
nicht realisierbar. Wir zählen auf
Sie! Seien auch Sie Teil dieses grossartigen Projekts!
Wir freuen uns auf ein blühendes
Jahr 2012!
Herzliche Grüsse
Giancarlo Marinucci
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Unsere Projekte leben von Ihren Spenden und Mitgliederbeiträgen!
An dieser Stelle gebührt Ihnen unser aufrichtiger Dank!
Kontakt: Conny Marinucci im HORA Sekretariat
(Tel. 044 405 71 40, verein@hora.ch) oder an Simon Heller, Präsident
Verein Theater HORA (simon.heller@gmail.com).
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zur Ausbildung
Ernst Göhner Stiftung / Verein Theater HORA
Vontobel-Stiftung / Stiftung Denk an mich
MBF Foundation
Für den Mitgliederbeitrag (CHF 100.– pro Kalenderjahr) oder eine Spende, können Sie den beiliegenden
Einzahlungsschein verwenden oder direkt auf das
PC- oder CS-Konto einzahlen. Wir danken Ihnen für
die Unterstützung!
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zum Förderprojekt SwissAbility
Stiftung Denk an Mich / Migros Kulturprozent
CS Foundation / Pro Infirmis
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Besonderen Dank gilt folgenden Personen und Organisationen (Spenden ab CHF 500.—)
Kath. Pfarramt St. Peter und Paul / E. Röllin /
HOLDIT / Ref. Kirchgemeinde Rümlang /
A. Fritzsche / FTV Zollikon / M. Marx / J. Meier /
TOSHIBA Leading Innovation / Verein Chramschopf
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
an die Produktion ENTE, TOD & TULPE
Stiftung Denk an mich / Hamasil Stiftung
Zürcher Kantonalbank / Alexis Viktor ThalbergStiftung / Martha Bock Stiftung / Giuseppe KaiserStiftung
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zum Theaterfestival OKKUPATION!
Eidg. Departement des Innern – EBGB / G + B Schwyzer
Stiftung / Migros Kulturprozent / Kanton Zürich Fachstelle Kultur / Stadt Zürich / Stiftung Denk an mich /
Pro Infirmis Zürich / Grütli Stiftung Zürich
Stand Oktober 2011
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Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
IBAN: CH84 0483 5034 4491 0000 0
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Zuschauerreaktionen zu den Aufführungen
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«Eine berührende Inszenierung, die SchauspielerInnen spielen wunderbar.»
«Die Aufführung war fantastisch und soooo
ooooooo schön!!! Alles war schön! Ich war gefesselt von dieser langsamen Geschichte, Entschleunigung pur. Das ganze Publikum war gefesselt,
man hätte das Fallen einer Stecknadel gehört.»
«Bühne und Kostüme sind grossartig, Inszenierung, Dramaturgie und SpielerInnen toll. Diese
Direktheit und Emotionalität im Spiel schaffen
nur Menschen mit Behinderung.»
«Ich bin berührt, begeistert und extrem erfreut
über dieses hochstehende Theater. Die Szenerien
könnten schöner nicht sein. Das schwere Thema
das beleuchtet wird, ist auf wunderbar leichte
Weise gespielt und umgesetzt.»
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RÜCKBLICK ZU PROGRAMMPUNKTEN
VOM FESTIVAL OKKUPATION!
VON KATHERINA WINKLER
Okkupation – Tag 1
Die schönste Eröffnung eines Festivals, die man sich
denken kann: Beladen mit den Gästen schaukelt sich
die MS Helvetia über den Zürichsee in den Sonnenuntergang, entspannte Gäste promenieren über das
Schiff, halten mal an dieser Ecke und stossen an, dann
verharren sie am Bug und schauen verzückt auf die sich
brechenden Wellen - besser als jedes Traumschiff, sympathischer als jede Luxusjacht.
Verschlafene Träumer schnarchen beim Eintritt der
Gäste, Geräusche aus Sturm und Wasser blubbern über
Ober- und Unterdeck. Später wandelt das Publikum
von Station zu Station, von Träumer zur Träumer, die
Kisten vor sich haben, darin ihre Lebensträume – das
Publikum muss raten, geantwortet wird nur mit ja und
nein, … Allerlei Kunstaktion ist unter dem Gewimmel.
Auf filmische Sturmfahrt kann man gehen, oder sich
auf die Spuren Mirandas, Prosperos und Calibans be-
geben – Hauptakteure aus Shakespeares STURM, eine
leise Vorankündigung der HORA-Produktion 2013. Auf
der Halbinsel Au stehen dann sechs Gestalten mitten
im Wasser, zu ihren feuchten Füssen wabbert Trockeneis über den See – sechs Calibane, die das Schiff okkupieren, staunende Gäste folgen mit ihren Blicken dem
schweigenden Trupp, der sich wie selbstverständlich
auf dem Schiff platziert und dem harrt, das da kommen
mag.
Okkupation – Tag 5
Alles liegt still heute, nur im Theater HORA wird hoher
Besuch erwartet – Jérôme Bel gibt sich die Ehre und lässt
12 putzmuntere Schauspieler zu Höchstform auflaufen.
Wie er das anstellt? Er kommt an. Setzt sich. Und sagt
dann einfach: Jetzt macht mal. Und interessiert sich
für die Menschen da vor ihm. Und dann machen die.
Und hören gar nicht wieder auf. Und zurück bleibt eine
Hand voll Beobachtender, die den Mund nicht mehr zu
bekommen. Geballte Spiellust schlechthin. Monsieur
Bel verweilt noch ein Stück und schmiedet bereits Pläne, und man wird sich im Herbst wiedersehen – so kann
das gehen, wenn Skepsis in Verblüffung umschlägt.
Okkupation – Tag 10
Und irgendwann liegt alles in den letzten Zügen. Das
Festival neigt sich dem Ende zu, ebenso wie mein Praktikum, das seinen krönenden Abschluss in diesen Tagen
findet. In den imposanten Hallen des Zürcher Schiffbaus herrscht schon in den Morgenstunden ein reges
Beschäftigt sein. Kurz vor Beginn der Performance der
Schauspieler des Theater HORA mit dem Back to Back
Theatre tritt Ruhe ein. Beinahe besinnlich ist die Stimmung, Uneinigkeiten werden befriedet, Sektkorken
schneppsen in die Höhe. Zu den Klängen von Jóhann
Jóhannsson und Hildur Gudnadóttir aus Island rattern die gedrehten Filmsequenzen an den Köpfen der
zahlreichen Zuschauer vorbei, dazwischen Intermezzi
der Schauspieler, Freunde und Helfer. Anderthalb Wochen zelebriertes Anderssein, inszeniertes Aus-demRahmen-Fallen, das in Szene gesetzte und das authentische, das alltägliche Sein zwischen anders, sogenannt
normal und egal. In der Theaterkantine des Schiffbaus
nehmen diese Tage ihr Ende, wenn alle beisammen sitzen, so wie es sein soll, bei Bier und Schnaps, und man
redet – über das, was war, was ist, und was noch kommen soll und wird.
Das Prinzip Struwwelpeter in der Roten Fabrik
Verschiedene Theater an verschiedenen Orten der
Welt, die geeint werden durch eine Geschichte – das
ist es, was sich in Zürich während OKKUPATION abspielte. Was ein jeder für sich den angestammten Orten
probte, wird zum bereits zweiten Mal in einem Gemeinschaftsprojekt auf die Bühne gebracht, in der Roten Fabrik, wo ein riesiges Struwwelpeterrelief unter vielen
verschiedenen Händen entsteht.
Der erste okkupierte Tag macht auf dicke Hose und lässt
Gutes verheissen – die Sonne über Zürich strahlt aus
allen Kräften vom Himmel, und schon in zarten Morgenstunden ist die Rote Fabrik geschäftig, und Anne
Tismer erwartet die HORA-Schauspieler und Freunde
zum Workshop. Dass die Schauspielerin einen grossen
Namen besitzt, spielt keine grosse Rolle mehr, wenn es in
der Roten Fabrik um die szenische Umsetzung der Geschichte des Faulen Roberts geht. Damit beginnt der erste Teil der
Struwwelpetertrilogie, einer Collage aus 11 Aufführungen
und 2 Happenings. Die Schauspieler, an Improvisation,
Spiellust und allgemeines Rauslassen gewöhnt, entdecken
bei diesem Workshop so ganz andere Arbeitswelten – strenges Durchinszenieren steht an der Tagesordnung bei der Arbeit an diesem kleinen Stück klassischen Regietheaters.
Unerbittlich brennt die Maisonne am Tag 2 des Struwwelpeterprinzips auf Zürich. Das Helmi aus Berlin reist an und
ist dabei schwer beladen – Schaumgummi und Klopapierrollen, Liter von Leim und Körbe voll Pappmaché befinden sich
im Helmigepäck, und der Workshopsaal der Roten Fabrik
wird belagert von bastelnden Händen, man bahnt sich seine
Wege durch vermeintliche Müllberge, die das Ventil explodierender Kreativität sind. Der Struwwelpeter geistert den
zweiten Tag über das Gelände, man sucht Abkühlung in den
Fluten des Sees und schliesst Freundschaft mit Künstlern
und Mitwirkenden von überallher. Mit dabei sind die Ratten
vom Obdachlosentheater aus Berlin genauso wie Monstertruck und Theater Mezzanin aus Graz, die hier alle das eine
verbindet: Gutes Theater zu machen.
Am dritten Tag werden die Augenringe aller Beteiligten deutlich tiefer, die Haut ist um Nuancen brauner,
Schleierwolken am Himmel, und immer noch: Sonne
über dem Festivaltreiben. Der Struwwelpeter liegt in
den letzten Zügen, Sonnenlicht flirrt in den hohen Räumen der Roten Fabrik, wo an diesem Morgen ein Lachguru und Yogameister die noch morgenmüden Leiber zu
spirituellen Höhenflügen antreibt. Ein Pulk Menschen
kugelt sich durch die Hallen, lachend und kichernd, bis
die Bauchmuskeln schmerzen. Die Suppenküche leistet
noch immer Schwerstarbeit, Freundschaften sind entstanden, Kontakte geknüpft, bevor es am Abend in die
letzte Runde geht: Anne Tismer und das Theater HORA
bringen einen der frühesten Anarchisten der Kinderliteratur ins Ziel, und das Prinzip Struwwelpeter findet
seinen würdigen Ausklang, während ein wenig, aber
nur ein wenig, sehnt man sich nach drei Tagen Fabrikgewusel nach Schlaf, nur ein paar Stunden mehr, aber
die Energie ist am Ende unerschöpflich. Bis zum Morgengrauen noch wird in den Fabrikhallen Musik gemacht und getanzt, was so gut ist, dass pubertierende
Jungschauspieler gar nicht mehr nach Hause wollen,
mutmasslich Anschlusszüge verpassen, fest entschlossen, hier und heute noch auf den Tischen zu tanzen.
Hinweis: Die HORAs sind mit Struwwelpeter in diesem Jahr nochmals anzutreffen, am 18.und 19. November in Berlin am Festival No Limits
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von ihrer Kunst. Dazu geh
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HORA. Jérôme Bel sambald die Performer des Theater
Mensch, Porträts von
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Schauspielern zu arbeiten, wie
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Königstänzer zu arbeiten.
mit einem thailändischen
turverantwortlichen wie
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Diese Projekte wurden von
Leitung Tanz des OpernBrigitte Lefèvre, künstlerische
n, dem Kurator aus Singahauses Paris, von Tang Fu Kue
iebene Projekt von Marcel
pur, oder für dieses hier beschr
festivals OKKUPATION!!
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Bugiel, Dramaturg des The
HORA, initiiert. Meine
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
DAS ZWEITE ALBUM DER HORA'BAND
HORA-SchauspielerInnen beim
CIRCOLINO PIPISTRELLO
Auch dieses Jahr hatten wir
wieder die Möglichkeit, drei
unserer SchauspielerInnen
beim Circolino Pipistrello für
eine Woche schnuppern zu lassen. Remo, Gianni und Tiziana
konnten also während sechs
Tagen vom anstrengenden Zeltaufbau, über die Entwicklung
des Circusprogramms und der
kunterbunten Aufführung vor
vollen Rängen, bis zum abschliessenden Zeltabbau alles
miterleben. Badevergnügen im
Schwimmbad Schluefweg in
Kloten inbegriffen. Herzlichen
Dank an Pipistrello für diese
tolle Kooperation.
Aus Remos Tagebuch:
Zusammen liefen wir Richtung
Freibad Kloten. Dort angekommen, trafen wir die Gruppe
von den Pipistrellos. Sie waren
gerade daran, Pflöcke mit dem
Vorschlaghammer in den Boden hinein zu hämmern. Wir
warteten, bis die Kinder zu
uns kamen. Dann haben die
Pipistrellos sich vorgestellt. Als
nächstes durften alle die Pflöcke mit dem Vorschlaghammer
hineinschlagen. Wir haben
Gruppen gebildet. Ich war mit
Gianni und Tiziana zusammen. Ich habe schon lange
keinen Vorschlaghammer in
den Händen gehabt. Es hat mir
viel Spass gemacht. Wie die
Pipistrellos dann das Gerüst
aufgebaut haben, fand ich
megaspannend. Den ganzen
Morgen brauchten wir, bis das
Zelt stand.
KOSTPROBEN DER SONGS SIND AUF DER MYSPACE-SEITE
DERBANDZUHÖREN.WWW.MYSPACE.COM/THEHORABAND
DIE HORA'BAND KANN MAN BUCHEN:
HORA BÜRO: 044 405 71 41, HORA@ZUERIWERK.CH
ODER DIREKT MIT DEM BANDLEADER KONTAKT AUFNEHMEN
ROLI STROBEL, ROLI.S@GMX.CH
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Die HORAmatöre haben im letzten Jahr einen riesigen
Qualitätssprung nach vorne gemacht. Unter der Leitung von Katherina Winkler und Amadea Schütz konnten sie zuerst am Theaterfestival OKKUPATION! und
dann am Festival Wildwuchs in Basel ihr Können zeigen. Nun wird unter Amadea Schütz eine langgehegte
Vision der HORA Leitung Wirklichkeit. Die HORAmatöre werden selbständig. Der Bildungsklub der Pro Infirmis Zürich wird diesen Kurs ab März 2012 übernehmen, finanzieren und weiter veranstalten, an einem
anderen Ort und unabhängig von HORA, aber nach wie
vor freundschaftlich mit uns verbunden. Weiterhin
können HORA-Ensemblemitglieder nach einem möglichen Ausscheiden bei uns, sich zu den Theater Amatören gesellen. Gleichzeitig ist es möglich, von diesem
Kurs ins HORA-Ensemble auf- oder einzusteigen.
Amadea Schütz dipl. Theaterpädagogin meint zur
Zukunft des Amatör-Kurses:
«Ich freue mich sehr über diese Lösung. Dieses Angebot wird ab März 2012 im Kreis 5, nähe Limmatplatz
stattfinden und natürlich heissen wir dann nicht mehr
die HORAmatöre, sondern nur noch «Die Theater Amatöre» und gehören, ausser guten Kontakten und vielen
Freunden, nicht mehr zum Theater HORA.
In der Übergangsphase von Januar bis März 2012 werde
ich den Kurs selbstständig fortführen.
Ich schaue positiv in die Zukunft und freue mich auf
mehr grosses, unkonventionelles und vor allem Spass
bringendes Theater mit den Amatören und auf jede
NEUANMELDUNG.
Der Leitung des Theater HORA danke ich für diese produktive Zusammenarbeit und, dass sie mir diese Erfahrungen ermöglicht haben.»
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5. Juni) ist
unter der Regie des Theater
HORA das
Schweizer Förderprojekt Swi
ssAbility
entstanden, mit dem Ziel
, eine Schweizer
Szene für aussergewöhnliche
Bühnenkunst zu beleben und zu etab
lieren.
Für die Weiterentwicklung
dieses
Förderprojekts wurde am
27. Oktober 2011
der «Verein SwissAbility»
gegründet.
Informationen und Kontak
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www.swissability.ch
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Druck: Seiler, Däpp
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Aktuell: Faust
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Neuauflage
mit HORA'BAND
April 2011
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Liebe
Horaund-Freunde
2011 verspricht für das Theater
HORA ein ereignisreiches und
intensives Jahr zu werden. Die
HORA’BAND ist mit ihrem zweiten
Album «Raumschiff HORA» fulminant ins neue Jahr gestartet. Im
März haben wir mit einem ersten
Aufführungsblock in unserem Theater den Frühling eingeläutet, am 18.
Mai eröffnen wir die dritte Ausgabe
des renommierten internationalen
Theaterfestivals OKKUPATION!, und
Ende August startet der neue Lehrgang unserer Schauspielausbildung.
Unverändert ist die Situation bei
der Finanzierung unseres Betriebes.
Immer wieder vermuten Aussenstehende, dass die Eingliederung
ins Züriwerk die Geldsorgen des
Theater HORA beseitigt hat. Dem ist
mitnichten so! Nach wie vor bezieht
das Theater HORA rund 70% seines
Finanzbedarfes von Unterstützungsbeiträgen aus Projekten und Spenden. Falls Sie mehr darüber erfahren
wollen, laden wir Sie dieses Jahr zur
Mitgliederversammlung des Vereins
Theater HORA just am Abschlusstag
des Festivals ein.
«Ich ist ein Anderer» so lautet das
Festivalmotto von OKKUPATION!
Wir freuen uns, die dritte Edition dieses für Zürich einmaligen
Ereignisses durchführen zu dürfen.
Nebst hochkarätigen Gruppen aus
dem In- und Ausland haben wir
Gruppen eingeladen, die mit uns
in einen künstlerischen Austausch
treten werden: In «Das Prinzip
Struwwelpeter» spielen nicht weniger als elf wichtige Theater- und
Performancekollektive (darunter
das Theater HORA) die elf Episoden
aus dem «Struwwelpeter». In der
Roten Fabrik findet ein dreitägiger
Theater-Marathon statt. Und das
weltbekannte Back to Back Theater
aus Australien hat mit «The Democratic Set» ein verblüffend einfaches
Bild für die Idee gefunden, dass alle
Menschen prinzipiell gleichwertig
sind. In einem fünftägigen Filmund Theaterworkshop, bei dem
die SchauspielerInnen von Theater
HORA ebenso mit von der Partie
sind, wie befreundete Künstler und
die schönsten Frauen und Männer
der Schweiz, wird die Probe aufs
Exempel gemacht. Zum Festivalabschluss wird in Zusammenarbeit
mit dem Schauspielhaus eine Performance zu sehen sein.
Gemeinsam mit unseren Partnern,
dem «Kulturfestival wildwuchs» in
Basel (27. Mai bis 5. Juni) und dem
«Community Arts Festival» in Bern,
(1. bis 5. Juni) ist unter der Regie des
Theater HORA ein Schweizer Förderprojekt unter dem Namen «SwissAbility» entstanden. Das Ziel dieses
Projektes ist die Belebung und Etablierung einer Schweizer Szene für
aussergewöhnliche Bühnenkunst.
Ausgehend aus einer schweizweiten
Ausschreibung haben wir Gruppen
gesucht, die bei diesem Förderprojekt mitmachen wollen. Nebst der
Unterstützung in Form von Austausch, Workshops und Seminaren,
wird nun innerhalb der Festivals
OKKUPATION! und wildwuchs ein
DANKE
Zauberwerk
EDITORIAL
Apropos Engagements unserer Schauspieler
in branchennahen Produktionen: Lesen Sie
den interessanten Bericht über Peter Keller,
HORA-Schauspieler, als Hauptdarsteller
eines Fernsehspots!
Herzliche Grüsse
Giancarlo Marinucci
Besonderen Dank gilt folgenden Personen und
Organisationen (Spenden ab CHF 500.—)
T. Schwarzbach, E. Blanka, E. Flury, Theatergruppe Oberrüti
Kirchgemeinde Mesolcina-Calanca, Stiftung Dr. Valentin
Malamoud
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zur Ausbildung
Ernst Göhner Stiftung, Verein Theater HORA,
Vontobel-Stiftung, Stiftung Denk an mich, MBF Foundation
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zum Förderprojekt SwissAbility
Stiftung Denk an mich, Migros Kulturprozent
CS Foundation, Pro Infirmis
Stand März 2011
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Motivation hierzu ist, neben dem Theater
HORA, welches schweizweit einzig professionell arbeitet, weitere Initiativen zu
fördern. In naher Zukunft sollten HORASchauspielerInnen die Möglichkeit haben
anderswo für eine Produktion verpflichtet
oder gar länger engagiert zu werden.
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Gemeinschaftsprojekt unter dem Titel
«Die Sieben Todsünden» gezeigt.
Unsere Projekte leben von Ihren Spenden und Mitgliederbeiträgen! Herzlichen Dank, dass Sie uns auch in diesem Jahr
finanziell unterstützen!
Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin oder neu das Theater HORA
unterstützen, und es somit in seiner Position als angesehenes
Theater in der Kultur-Szene stärken. Wir freuen uns auch, wenn
Sie Ihre Verwandten, Freunde und Arbeitskollegen auf unsere
Projekte aufmerksam machen.
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Faust oder nicht Faust 1 & 2?
Das ist hier die Frage!
FAUST
1+2
Der geniale Wissenschaftler Dr. Heinrich
Faust ist nahe daran, das Geheimnis des
Lebens zu entschlüsseln, zu erkennen, was
die Welt im Innersten zusammenhält. Er
ist nahe daran, Lebenswertes von Nichtlebenswertem unterscheiden zu können.
Faust wird bald fähig sein, den perfekten
Menschen zu erschaffen – und er wird es
auch tun! Durch das rastlose Streben Fausts
kann das «Paradies auf Erden» nun bald
verwirklicht werden – Gott sei Dank ist das
nicht für alle erstrebenswert. Noch gibt es
die Unangepassten, die zum Augenblick
sagen können: Verweile doch, du bist so
HINWEIS:
FAUST 1 + 2 KANN
GEBUCHT WERDEN.
WWW.HORA.CH
Zauberwerk
aktuell
schön… Eine Geschichte um Himmel und Hölle,
Liebe und Verrat, Hexerei und Wahnsinn, Mord
und Totschlag, Lebensgenuss und Lebensüberdruss, Verführung und Ablehnung, faule Kredite und Finanzskandale... und Vergebung! Das
HORA Ensemble hat sich unter der Regie von Michael Elber und zusammen mit der wunderbaren
hauseigenen HORA'BAND, den Literaturklassiker
schlechthin noch einmal vorgenommen und sich
in einer so noch nie gesehenen Interpretation
Goethes Faust dem HORA-Universum einverleibt.
Im März fanden die Aufführungen statt und begeisterten die Zuschauer einmal mehr. Mit dieser Produktion wird HORA auf Tournee gehen.
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
rückblick
Als wir für unseren Werbespot einen Hauptdarsteller
suchten, war Peter Keller einer
der möglichen Protagonisten.
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Rückblickend auf den Drehtag lässt sich vieles berichten – was jedoch das ganze Team total beeindruckte,
war die Professionalität von Peter Keller. Wartezeiten
mussten ausgesessen werden, Anweisungen verstanden und befolgt werden, viele neue Menschen stellten
sich vor, um gleich wieder im Team zu verschwinden
und nicht zu vergessen: Interviews wurden gemacht.
Kurz und gut und ganz direkt. Lieber Peter, du warst
einfach wunderbar – professionell, engagiert, offen
und hartnäckig. Deine Aufgabe, auf fremde Menschen
zugehen zu müssen, mitten auf dem Hirschenplatz,
hast du mit so viel Charme und Begeisterung erfüllt,
dass wir nur noch staunen konnten. Grossartig! Die
Zusammenarbeit mit dir hat uns viel Freude gemacht.
Dafür sei herzlich umarmt!
Bettina Konetschnig, Kommunikationsberaterin Pro Infirmis
Zauberwerk
vorschau
Zauberwerk
Vorschau
INT.
THEATER
FESTIVAL
Das Festival OKKUPATION! 2011 ist konzipiert als künstlerisch hochwertiges Kulturprojekt, das sich im öffentlichen
Kulturbetrieb behaupten will und ein reguläres, an ästhetischer Innovation interessiertes Theaterpublikum avisiert.
Drei Programmpunkte möchten wir hier vorstellen.
SWISSABILITY - EIN SCHWEIZER FÖRDERPROJEKT
FÜR AUSSERGEWÖHNLICHE BÜHNENKUNST
Um die Professionalisierung von Theater-, Tanz-, Performance- und Musikgruppen in der Schweiz zu fördern,
in denen Menschen mit einer Behinderung eine zentrale Rolle spielen, hat das Festival OKKUPATION! gemeinsam mit dem Kulturfestival wildwuchs (Basel) bereits im Sommer 2010 an sieben herausragende Schweizer Gruppen Produktionsaufträge für Aufführungs-
skizzen zu jeweils einer der sogenannten Sieben Todsünden vergeben (Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid, Trägheit). Die Arbeiten werden zu einem
einzigen, durchgehenden Theaterabend zusammengefügt und unter dem Titel « Die Sieben Todsünden» im
Rahmen der beiden Festivals gezeigt.
DAS PRINZIP STRUWWELPETER
«Das Prinzip Struwwelpeter» ist das aussergewöhnliche Zusammentreffen von elf Theaterkollektiven und
Performancekünstlern mit und ohne Behinderung, die
sich die elf Struwwelpeter-Episoden in elf halbstündigen
Theaterskizzen angeeignet haben – unter Zuhilfenahme ihrer sehr persönlichen Obsessionen. Im Rahmenprogramm: Happenings, Dia-Vortrag, Clipshow, Verlosung, Ausstellung und eine Suppen(kaspar)küche an
den drei Tagen.
THE DEMOCRATIC SET
Das Back to Back Theatre aus Australien ist die wohl berühmteste Theatergruppe der Welt, in der SchauspielerInnen mit einer geistigen Behinderung das feste Ensemble bilden.
In Zusammenarbeit mit Theater HORA wird das Back
to Back einen ca.-10minütigen Videoclip mit dem Titel
The Democratic Set drehen, der dann im Rahmen einer
Live-Performance zum Festivalabschluss in der Schiffbauhalle der Öffentlichkeit präsentiert wird.
Mehr sei hier nicht verraten!
Lesen Sie die Details
zu diesen und weiteren Programmpunkten im beiliegenden
Programmheft oder
unter www.hora-okkupation.ch
18.–28. Mai 2011
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Eine Geschichte über den Tod zu spielen, ist ein bisschen unheimlich. Die Geschichte «Ente, Tod und Tulpe»
zu spielen ist gut.» (Julia)
Ausgangspunkt des neuen Projekts der SchauspielLernenden der HORA Ausbildung
ist das Bilderbuch «Ente, Tod und Tulpe». Darin erzählt
und zeichnet Wolf Erlbruch mit tiefgründiger Leichtigkeit die Beziehung zwischen einer Ente und dem Tod.
Viele Wochen teilen die Beiden ihr Leben und unterhalten sich über das Sterben. Mal einander zugewandt,
dann wieder einander fliehend, mit immerwährenden
kleinen Gesten der Angst, des Trotzes, des Verzagens
und Vertrauens.
«Über den Tod zu reden macht mir eigentlich keine
Angst. Der Opa ist schon gestorben, Denis, ein guter
Kollege von mir, Elvis und Michael Jackson auch. Denis
hatte Leukämie wie ich, aber er hat es nicht geschafft.
Wenn ich über diese Leute rede, macht es mich traurig.
«Der Tod ist etwas Natürliches. Vor dem natürlichen Tod
habe ich nicht Angst. Aber wenn jemand einen anderen «abeknallt» oder jemand qualvoll sterben muss, vor
diesem Tod habe ich Angst. An der Geschichte «Ente,
Tod und Tulpe» gefällt mir, dass der Tod anders rübergebracht wird. Alle haben sonst Angst vor dem Tod, aber
in dieser Geschichte ist er ganz nett. Die Geschichte hat
auch etwas mit uns zu tun. Der Tod ist ein Aussenseiter
und wir mit einem Handicap sind es ja auch. (Sara)
Premiere: Donnerstag, 15. September, 20 Uhr, Casino-Saal Aussersihl
Mit Julia Häusermann, Sara Hess, Miranda Hossle und Matthias Brücker
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die fünfte Produktion aus
der TheaterWerkstatt
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FÜR Fr. 800.–!
WORKSHOP
DAS ZWEITE ALBUM DER HORA'BAND
MIT DEM THEATER HORA
22. AUGUST BIS 4. SEPTEMBER
Ziel unserer zweiwöchigen integrativen Theaterworkshops bleibt stets das gleiche und ist doch immer anders: Die TeilnehmerInnen, welche sowohl aus dem
agogischen wie auch künstlerischen Umfeld stammen,
kreieren gemeinsam mit den SchauspielerInnen des
HORA-Ensembles unter der Leitung der beiden erfahrenen HORA-Theaterleiter (Michael Elber, Regie und
Urs Beeler, Assistenz), entwaffnende Spontaneität, verzauberte Improvisationen und Momente unwiederholbarer Intensität. Kurz: Ein Klassiker der Weltliteratur
soll jeweils in kurzer Zeit einstudiert werden und auf
unnachahmliche HORA Weise auf 'die Bretter, die die
Welt bedeuten' gebracht werden.
Nicht der Wunsch nach Perfektion, sondern die Lust
am Scheitern (Titel eines der meistgespielten HORAProduktionen) ist die Triebkraft der HORA-Spielfreude.
Die HORA-SchauspielerInnen führen die WorkshopTeilnehmenden in die Kunst des Loslassens, des ungehemmte Lachens, der knisternde Liebe einer Be-
gegnung oder die konzentrierte Bewegung eines rotierenden Heliokopoterflügels ein.
Der Workshop richtet sich an alle. Die Grösse der Gruppe ist auf insgesamt 20 Personen beschränkt.(13 HORA
Ensemblemitglieder und 7 zahlende Gäste) Die Reihenfolge der Anmeldung entscheidet über die Aufnahme.
HORAs «Faust 1 + 2» ist 2008 während einem vergleichbaren Workshop entstanden und wurde später ans Berliner No-Limits Festival eingeladen!
Weitere Informationen und/oder Anmeldung direkt ans HORA-Büro:
Email: hora@zueriwerk.ch
Telefon: 044 405 71 40
IST NUN ERHÄLTLICH.
KOSTPROBEN DER SONGS SIND AUF DER
MYSPACE-SEITE DER BAND ZU HÖREN.
WWW.MYSPACE.COM/THEHORABAND
DIE HORA'BAND KANN MAN BUCHEN:
HORA BÜRO: 044 405 71 41
HORA@ZUERIWERK.CH
ODER DIREKT MIT DEM BANDLEADER
KONTAKT AUFNEHMEN
ROLI STROBEL, ROLI.S@GMX.CH
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HORAmatör Jahreskurs
Ein Jahreskurs für Erwachsene IV Bezüger, die einmal
wöchentlich in die Theaterwelt eintauchen möchten
und auf eine Werkstattaufführung hinarbeiten wollen.
Es ist ein Schnupperangebot bis Ende 2011
Jeweils Dienstagabend, 17:30 bis 19:30 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl
Interessiert?
Melden Sie sich bei: Michael Elber
Telefon 079 756 49 24
m.elber@zueriwerk.ch
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Theaterwerkstatt für Kinder und Jugendliche
Neue Kurse starten jeweils mit Beginn eines neuen
Schuljahres und stehen Kindern und Jugendlichen ab
8 Jahren offen. Je nach Eingang der Anmeldungen wird
eine separate KinderWerkstatt durchgeführt.
jeweils Samstag, 13.00 bis 15.00 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl
Interessiert?
Melden Sie sich bei: Urs Beeler, Winzerhalde 6,
8049 Zürich, Telefon 044 341 46 09
oder 078 634 30 34, beegeo@bluewin.ch
Weitere Informationen unter
www.machtheater.ch
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Weiterbildungsmöglichkeit mit
unserem künstlerischen Leiter und
dem HORA-Ensemble
oder mit unserem Ausbildungsleiter
und den HORA-Lernenden.
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VEREIN THEATER HORA
Während OKKUPATION! können Sie als
Mitglied vom Verein Theater HORA unsere
Programmpunkte an der Eröffnung und an
der Abschlussveranstaltung miterleben.
Einladungen dazu wurden im April mit Anmeldemöglichkeit verschickt.
Tragen auch Sie zum Erfolg bei!
Das Theater HORA unterstützt und
fördert seit vielen Jahren die künstlerische Entwicklung von Menschen mit Behinderung. Trotz Eingliederung des Theaterbetriebs in
die Stiftung Züriwerk im Jahr 2002
müssen über 70% des jährlichen
Budgets durch Unterstützungsbeiträge und Spenden von Stiftungen
und Privatpersonen gedeckt werden.
Die Privatmitglieder, Gönner und
Spender des Vereins Theater HORA
steuern rund CHF 100‘000 zu den
CHF 600000-900 000 bei, welche
jedes Jahr zur Finanzierung der Produktionen und Projekte nötig sind.
Als Mitglied des Vereins Theater
HORA bleiben Sie über alle laufenden Projekte informiert und
Ihr jährlicher Mitgliederbeitrag
von CHF 100 kommt den aktuellen
Produktionen zu Gute. Sie leisten
damit einen wichtigen Beitrag für
den Erfolg des Theater HORA und
ermöglichen professionelle künstlerische Arbeit mit Menschen mit
einer Behinderung. Zudem dürfen
Sie jedes Jahr ein Gratisticket für
eine Vorstellung nach Ihrer Wahl
beim Sekretariat beziehen.
Möchten Sie Mitglied des Vereins
Theater HORA werden oder einfach
mehr darüber erfahren, so wenden
Sie sich an Conny Marinucci im
HORA Sekretariat (Tel. 044 405 71 40,
verein@hora.ch) oder an Simon
Heller, Präsident Verein Theater
HORA (simon.heller@gmail.com).
Für den Mitgliederbeitrag oder
eine Spende können Sie den beiliegenden Einzahlungsschein verwenden, oder direkt auf das PC- oder
CS-Konto einzahlen. Wir danken
Ihnen für die Unterstützung!
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
IBAN: CH84 0483 5034 4491 0000 0
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partner
ZÜRIWERK
Tagesstruktur, Arbeit, Kultur und Theater
Züriwerk Produktion - In den verschiedenen Werkstattbereichen bieten wir Menschen mit Behinderung
eine ihren Fähigkeiten und Wünschen entsprechende Arbeit. Auch
die Schauspielerinnen und Schauspieler des Theater HORA arbeiten
teilzeit in unseren Werkstätten.
Wir erledigen für Sie gerne:
mechanische Arbeiten – bohren,
drehen, fräsen, schweissen allgemeine Montagearbeiten vielfältige
Verpackungsarbeiten klassische
Versandarbeiten (Mailing)
Aufräum-, Wisch- und Reinigungsarbeiten
vor Ort, temporäre Einsätze in Ihrem Betrieb
Unsere Dienstleistung wird auch
vom Theater HORA genutzt, so werden alle Versandarbeiten von den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
unserer Werkstätte termingerecht
und zuverlässig ausgeführt.
Dürfen wir auch für Sie tatkräftig
zupacken? Zögern Sie nicht, setzten
Sie sich mit uns in Verbindung.
Züriwerk Produktion
produktion@zueriwerk.ch
www.zueriwerk.ch/produktion
Telefon 044 405 71 91
Zauberwerk
menschen
INTERVIEW
Interview mit
Catharina de Carvalho
Geschäftsführerin der
Stiftung Denk an mich
Zauberwerk
menschen
Einmal mehr war ich unterwegs, um mich mit einer mir unbekannten Person für ein
Interview zu treffen. Die Information war, dass die «Stiftung Denk an mich» sich
finanziell an der Ausbildung der Schauspielerin Sarah Hess, vom Theater HORA, beteiligt. So machte ich mich auf den Weg ins Radiostudio Zürich mit einigen Fragen im Gepäck. Im Ohr hatte ich noch die Sendungen vom Samstagmorgen. Eine engagierte und
lebhafte Catharina de Carvalho stand vor mir, und ich tauchte ein in den Arbeitsalltag
der Geschäftsführerin der «Stiftung Denk an mich».
Wie kam es zur Stiftung Denk an mich?
Im Frühjahr 1968 richteten Jeannette und Martin Plattner in ihrer
damaligen Funktion als Programmgestalter für Kinder- und Jugendsendungen die Bitte an die Direktion des Radios, im Rahmen der
durch sie betreuten Kinder- und Jugendsendungen, wie auch in einem
Sendegefäss für Erwachsene, eine
Spendenaktion starten zu dürfen,
um vor allem körperlich und geistig
behinderten Kindern zu Ferien zu
verhelfen. Ihre Recherchen hatten
nämlich ergeben, dass die meisten
Sozialwerke in der Schweiz schon
damals Mühe hatten, finanzielle
Mittel für Ferienaktionen aus dem
eigenen Sammelkuchen abzuzweigen. Neben der Sammeltätigkeit
war es ihnen aber auch ein Anliegen, ganz allgemein Barrieren
abzubauen und die Integration zu
fördern. In wöchentlichen Beiträgen berichten sie jeweils am Samstag um 09.45 Uhr auf DRS1 – und
in monatlichen Sendungen damals
noch im KINDERCLUB (11.30 Uhr)
und der Sendung SIGGSAGGSUGG
(19.30 Uhr) – über unzählige, teilweise auch äusserst aufwändige
Aktivitäten und gloriose Ideen von
Radio-Hörerinnen und Hörern aller
Altersstufen, welche so mithelfen,
die Ziele der Aktion zu erreichen.
Das war der Auftakt zu einem grossen Erfolg. Das Bewusstsein dazu,
was es braucht, um mit behinderten Kindern Ferien zu machen, war
geweckt. Aus dieser einmaligen
Aktion wurde dann am 6. Februar
1969 die Stiftung gegründet.
Die «Stiftung Denk an mich»
bezweckt, geistig oder körperlich
Behinderten, in der Schweiz wohnhaften Personen, deren Angehörigen und Betreuern, Ferien- und
Erholungsaufenthalte durch eigene
Aktionen oder durch finanzielle
Unterstützung anderer Institutionen und Organisationen zu ermöglichen, aber auch die Fürsorge
für geistig und körperlich behinderte Menschen mit Wohnsitz in
der Schweiz zu fördern.
Anfangs wurden noch eigene Aktionen lanciert um Gelder zu sammeln. Als Solidaritätsaktion von
Schweizer Radio DRS hat «Denk
an mich» noch heute den gleichen
Sendeplatz. Seit 1968 jeden Samstag um 9.45 auf DRS1 und seit ein
paar Jahren parallel auch auf der
Musigwelle. So erfahren die Hörerinnen und Hörer wie für «Denk
an mich» gesammelt wird, aber
auch, wofür diese Spendengelder
verwendet werden.
Wie kamen Sie zu Denk an mich?
Schon vor der Pensionierung von
Jeannette und Martin Plattner dachte der Stiftungsrat rechtzeitig an die
Zukunft der Stiftung. Jeanette und
Martin Plattner wollten sich vermehrt ihren Enkelkindern widmen
und sich allmählich zurückziehen.
Die Stelle der Geschäftsführung
wurde ausgeschrieben und ich
bewarb mich. Anfangs war es eine
grosse räumliche Umstellung für
mich, da ich von Zürich nach Basel
pendelte. Seit Juni 2009 ist die Geschäftsstelle nun im Studio Zürich
untergebracht. Jeanette und Martin
Plattner engagieren sich noch heute
als Botschafter und Botschafterin
für die «Stiftung Denk an mich».
Was beinhaltet Ihre Arbeit – Geld verteilen?
Ja, grundsätzlich ist das ein Teil
meiner Arbeit und der andere Teil
ist, dieses Geld auch zusammenzubringen. Dank unserem Radio-fenster und der sehr grossen Solidarität aus der Schweizer Bevölkerung
gelingt das immer wieder. Die
eingenommen Gelder kommen all
denen zu Gute, die Gesuche an uns
richten. Entsprechen diese unseren
Richtlinien, unterstützen wir subsidiär und bezahlen Beiträge zum
Beispiel an Ferien und Freizeitaktivitäten, die ohne unsere Unterstüt-
zung gar nicht möglich wären. Im
Jahr können wir rund 3 Millionen
Franken unserem Bestimmungszweck zuführen.
Wie handhaben Sie die Gesuche?
Die Gesuche werden geprüft und
die Gesuchsteller erhalten eine
Beitragsbestätigung, vergleichbar
mit einer Kostengutsprache. Nach
dem Anlass wird auf Grund der
Abrechnung der effektive Beitrag
errechnet und ausbezahlt.
Die Vergabekriterien und die
entsprechenden Gesuchsformulare
sind auf unsere Homepage
www.denkanmich.ch publiziert.
Wie kam es zur Unterstützung von Sara Hess?
Ausbildungskosten können wir
gemäss unseren Richtlinien nicht
übernehmen. Damit Sara Hess jedoch diese Ausbildung absolvieren
kann, können wir ihr etwas an ihre
Mehrkosten für die dazu nötigen
Reise- und Mobilitätskosten zahlen. Grundsätzlich ist es uns wichtig, dass auch Menschen mit einer
Behinderung ihren Möglichkeiten
entsprechende Ausbildungen abschliessen können.
Gibt es Visionen für die Zukunft?
Mir und auch dem Stiftungsrat ist
Nachhaltigkeit in unserer Arbeit
sehr wichtig. Der Stiftungsrat entschied, gemäss einem 5-Jahresplan,
den Schwerpunkt Integration nachhaltig anzugehen. Neu werden wir
dieses Jahr erstmals einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen
Bereich anbieten können. Es ist
mir ein grosses Anliegen, dass wir,
wenn immer möglich, Menschen
mit einer Behinderung beschäftigen können. Neben diesem Ausbildungsplatz werden schon seit
Jahren alle unsere Druckprodukte
in Werkstätten für Menschen mit
einer Behinderung gefertigt. Wir
sind nur ein kleines Team und so
soll es auch bleiben, denn so können unsere Kosten möglichst tief
gehalten werden.
Liebe Catharina de Carvalho ich bedanke
mich für den spannenden Einblick den Sie
mir gewährt haben.
Ursula Dobler, Vorstandmitglied Theater Hora
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Aktuell:
Aufführungen
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«Die Geschichte vom Baum»
aufgeführt von den HORA-Lernenden
Eine Märchenkomödie nach Ingegerd Monthan
Dezember 2010
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Schulvorstellungen
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Fr 18. März 14:00 Uhr
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Weitere Informationen unter www.hora.ch siehe Spielplan und über
den HORA-Newsletter
Faust
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Do 24. März
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Fr 25. März
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Sa 26. März
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So 27. März
20:00 Uhr
siehe auch www.hora.ch
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ausserdem
f Alle Spieldaten der aktuellen Theater-Produktionen finden Sie auf
www.hora.ch
f Falls Sie Newsletter-AbonnentIn sind, halten wir Sie per Mail auf
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Zauberwerk
editorial
Zauberwerk
editorial
Liebe
Horaund-Freunde
Vor 17 Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir auch noch
in der 30. Ausgabe dieser Broschüre
von neuen Entwicklungen bei HORA
berichten können. HORA wächst,
erneuert und konsolidiert sich vorsichtig, langsam und stetig, ganz
im Sinne unseres Namensgebers;
dem Meister HORA aus Michael
Endes Roman «Momo». Diese gesunde Entwicklung hat nun auch
mir ermöglicht, in meinem Leben
einer neuen zusätzlichen Intensivbeschäftigung Platz zu geben.
Doch zuerst die HORA-Neuigkeiten.
Die Aufführungen von «Die Geschichte vom Baum» mit unserem
ersten Schauspiellehrgang waren
derart erfolgreich, dass wir für Dezember eine Wiederaufnahme anbieten werden. Die Presseresonanz
war riesig, interessiert und sehr
positiv. Dieses Medienecho hat nun
bewirkt, dass verschiedene Filmprojekte mit unseren SchauspielerInnen in der Pipeline sind. Mehr
darüber im nächsten Heft.
Auch für Auftragsproduktionen
im Theaterbereich sind unsere
SchauspielerInnen gefragt. Für die
Produktion «menschen!formen!»
weilten drei Ensemblemitglieder
mehrere Monate in Köln und
erarbeiteten dort mit Kölner SchauspielerInnen ein Musiktheater
für das Sommerblut Festival. Für
das Grenzenlos Festival in Mainz
wurden wir und weitere 10 Gruppen eingeladen eine Struwwelpeter
Geschichte zu interpretieren. Fünf
Ensemblemitglieder konnten im
Sommer während einer oder zwei
Wochen beim Circolino Pipistrello
Zirkusluft schnuppern. Die Teilnahme von HORA-SchauspielerInnen
am Kunstagogik-Ausbildungs
Theaterblock hat bereits Tradition.
Die jahrelange künstlerische und
mediale Aufbauarbeit zeigt Früchte.
Die HORA-SchauspielerInnen sind
gefragt wie nie.
Auf der anderen Seite dieser erfreulichen Professionalisierung des
Ensembles im Zeichen des Normalisierungsprinzips steht die Erhöhung
der Ansprüche an unsere SchauspielerInnen. Auf Ende Jahr steht eine
Reduktion des Ensembles an, um
den jungen, talentierten, spielfreudigen Schauspiellernenden Platz zu
machen.
Ende Juli 2010 hat uns Jacqueline
Moro verlassen. Sie hatte während
meines Time-Outs 2008 meine
Stellvertretung übernommen. Danach entstand unter ihrer Regie die
grandiose in Kirchen gespielte Musiktheaterversion von «Der Glöckner
von Notre Dame». Leider war es uns
nach diesem aufwändigen Projekt
aus finanziellen Gründen nicht
möglich, meine lange gehegte Vision
einer persönlichen Entlastung
durch die Etablierung einer künstlerischen Co-Leitung zu realisieren.
Ich möchte hier Jacqueline Moro für
ihr grosses Engagement danken.
Ihr stets gut gelauntes und gewinnendes Wesen und ihren liebevollen
Umgang mit unseren SchauspielerInnen haben wir sehr geschätzt. Ich
wünsche Ihr mit all Ihren zukünftigen Projekten viel Erfolg. Die
Massen sollen zu der von ihr inszenierten monatlichen Theatersoap in
Eglisau strömen!
danke
Zauberwerk
EDITORIAL
Zauberwerk
angebot
Auch wenn eine Co-Leitung nicht Realität wird, ich
werde mich in der Zukunft nicht mehr ausschliesslich
dem Theater HORA widmen können, und ich freue
mich sogar darauf! Mein «bisheriges Kind», das Theater
HORA, kann nun nach bald zwanzig Jahren auf
eigenen Füssen stehen. Mit der Geburt meines Sohnes
Marlon in diesem Juli kann ich nun dem Genuss einer
weiteren neuen befriedigenden, sinnstiftenden Fulltime Beschäftigung nachgehen. Diesen Focus-Wechsel
ermöglicht haben alle meine langjährigen Wegge
fährten, welche HORA dahin gebracht haben, wo es
heute steht: Giancarlo Marinucci, Conny Marinucci,
Urs Beeler, Kathrin Iseli, Rocco Maio, Jacqueline Moro,
Roli Strobel und gegen hundert weitere PraktikantInnen,
AssistentInnen, Vorstandsmitglieder, Züriwerk-Mitar
beiterInnen, SchauspielerInnen, BühnenbildnerInnen...
Sie alle haben in den letzten zwanzig Jahren dazu beigetragen, dass das Theater HORA zu einer festen Grösse
der Schweizer Theaterszene und zu einem anerkannten
Berufsangebot für behinderte Menschen geworden ist.
Unsere Projekte leben von Ihren Spenden und Mitgliederbeiträgen! Herzlichen Dank, dass Sie auch in
diesem Jahr Spenden und Mitgliederbeiträge
einzahlen!!!
HORAmatör-Jahreskurs
Besonderen Dank gilt folgenden Personen und
Organisationen (Spenden ab CHF 500.—) und Sponsoren
Neuauflage HORAmatöre
Ich bin froh, weiterhin in einem solch tollen, kreativen,
mit positiver Energie geladenen Umfeld arbeiten
zu können.
Danke an alle die mich und uns in den letzten Jahren
bei unserer Vision unterstützt haben.
Stiftung Denk an Mich, Stadt Zürich Kultur, Hamasil
Stiftung, Alexis Viktor Thalberg Stiftung, Martha Bock
Stiftung, Zürcher Kantonalbank
Herzlichen Dank für die Unterstützungsbeiträge
zur Ausbildung SchauspielpraktikerIn (PrA)
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Ernst Göhner Stiftung, Verein Theater HORA,
KPMG Foundation, Vontobel-Stiftung, Stiftung Denk
an Mich, Nussbaumer-Simonin Stiftung
Herzlichen Dank für den Unterstützungsbeitrag
Neuproduktion «menschen!formen!»
Stand Oktober 2010
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Michael Elber
Gründer und künstlerischer Leiter Theater HORA
IMC Trading B. V Zug, Verein Theater HORA,
T. Schwarzbach, J. Meier, Ref. Kirchgemeinde
Rümlang, Ref. Kirchgemeinde Kanton Zug, Mettiss AG
Ein Jahreskurs für Erwachsene IV Bezüger, die einmal
wöchentlich in die Theaterwelt eintauchen möchten
und auf eine Werkstattaufführung hinarbeiten wollen.
Es ist ein Schnupperangebot bis Ende 2011
Jeweils Dienstagabend
17:30 Uhr
im Casino-Saal
Interessiert? Melden Sie sich beim Kursleiter:
Michael Elber
079 756 49 24
m.elber@zueriwerk.ch
Eintritt ab sofort möglich!!
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Ein Ausbildungs-Angebot des Theater HORA Züriwerk
seit Sommer 2009 für junge darstellerisch begabte,
extrovertierte Theater- Tanz- und Gesangstalente mit
IV-Verfügung.
«Die Geschichte vom Baum» ist die erste Produktion
der Lernenden und wurde im September dem interessierten Publikum in einem ersten Aufführungsblock
vorgestellt.
Weitere Aufführungen siehe Agenda.
Wiederum werden Schulvorstellungen angeboten,
unterstützt von Schule & Kultur (eine Abteilung des
Volksschulamtes des Kanton Zürich). Klassen aus dem
Kanton Zürich besuchen diese Vorstellungen unentgeltlich (dies gilt nicht für Stadtzürcher Schulklassen).
«Die Geschichte vom Baum», ein witziges poetisches
Stück, eine Parabel über habgierige Zeiten und den
Umgang des Menschen mit der Natur.
Rückmeldungen zur Aufführung «Die Geschichte
vom Baum»
Es ist sehr anrührend, ernsthaft, temperamentvoll
und fröhlich gespielt. Ich kann nicht ganz ermessen,
wie viel Arbeit, Übungen, Überlegungen, Vorberei
tungen bis zur Aufführung nötig waren - aber es war
sicherlich viel. Das Spiel hat die Zuschauer berührt,
wie auch aus einzelnen Reaktionen zu hören war.
Ursula Hoffmann
(...) «Wie Miranda Hossle mit tänzerischer Eleganz als
Eberesche raschelt, sich biegt und fürchtet, wie Damian
Bright und Matthias Brücker als clowneskes Schurken
paar in ihrer Show von beleidigten Leberwürsten zu
Killern mutieren - das soll von uns sogenannt «Normalen»
mal einer mit so viel Freude rüberbringen.»
Corina Freudiger, Tages-Anzeiger vom 10.9.10
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Schule in Köln
Reflexion des Theaterprojekts «menschen! formen!» - von Elefantenmenschen, Wolfsjungen und verlorenen
Prinzen, im Rahmen von «Sozial
macht Schule» mit einer Schulklasse
der 9. Jahrgangsstufe. Ringelnatz
strasse aus Köln.
Die Schüler aus Köln hatten die Gelegenheit das Stück menschen!formen!
im Vorlauf ihrer Entstehung und anschliessend als Aufführung kennen zu
lernen.
Anbei die Reflexion der
Klassenlehrerin
Das Projekt wurde mit freundlicher
Unterstützung des ASB Landesverband
NW e.V. realisiert.
Das Stück ist im Rahmen des Sommerblut Kulturfestivals entstanden, als
eine Koproduktion von Theater HORA
Zürich und dem Freien Werkstatt Theater (FWT) Köln.
Das Projekt eröffnete den Schülern der 9. Jahrgangsstufe die Möglichkeit, behinderte und nichtbehinderte
SchauspielerInnen zuerst kennen zu lernen und später
bei der Arbeit zu beobachten. Kaum ein Schüler in dem
Alter wäre wohl von selbst auf die Idee gekommen,
ins Theater zu gehen. Theaterbesuche sind in dieser
Altersgruppe eher die Ausnahme. So konnten sich
unsere Schüler mit der Thematik «Normalität» auf völlig neuen Wegen intensiv beschäftigen. In mehreren
Schritten wurde das Thema vorbereitet, vom Regisseur
und den SchauspielerInnen erarbeitet, bühnenreif
interpretiert und abschliessend in der Schule von den
SchülerInnen reflektiert.
Die Vorbereitungsphase erstreckte sich über mehrere
Wochen, in der mit den SchülerInnen die Thematik
mit Hilfe von Filmen und verschiedenen Unterrichtsmethoden eingeführt wurde. Der Regisseur des Stücks,
Michael Elber, kam mit einigen Schauspielern an zwei
Vormittagen in die Schule, um den SchülerInnen sein
Theaterstück näher zu bringen. Auf diese Weise haben
die SchülerInnen die SchauspielerInnen kennenlernen
können, die sie dann später bei der Aufführung wiedererkannt haben.
Das Theater als ausserschulischer Lernort war den
SchülerInnenn bereits bekannt. Die SchülerInnen be-
Zauberwerk
RÜCKBLICK
zeichneten das Stück später als «cool», «interessant»
«sehr schnell», «laut», «traurig», manchmal «langweilig» und in einigen Passagen auch «sehr witzig». Ungewohnt war für die Schüler, dass ein durchgängiger
Handlungsstrang mit Haupt- und Nebenrollen fehlte.
Beeindruckt waren sie auch von den selbst gebauten
Instrumenten, mit denen aber auch «nerviges Geschrei» erzeugt wurde, was andere wieder besonders
«witzig» fanden. Für viele Schülerinnen und Schüler
war es kaum vorstellbar, dass Menschen, die weder lesen noch schreiben können, trotzdem lange Texte auswendig lernen («Man denkt immer von Behinderten,
dass sie nichts können!»). Ohne die intensive Vorbereitung hätten die SchülerInnen das Stück bei weitem
nicht so offen erleben können.
Sehr deutlich wurde den SchülerInnen, dass es den
«Behinderten» nicht gibt, dass alle Menschen in bestimmten Bereichen des Lebens nicht der Norm entsprechen. Dies wurde auch in der Nachbesprechung in
der Schule deutlich. Für einige SchülerInnen war die
Äußerung einiger SchauspielerInnen über ihre Homosexualität erschreckender als die Tatsache, dass andere
in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung wohnen müssen. Hier wurde deutlich, dass auch
dieses Thema noch dringend intensiver bearbeitet werden sollte.
Anja Dinslaken
(Klassenlehrerin der Klasse 9b und StuBo in Köln)
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Statements aus den Publikumsdiskussionen aufgenommen von Yvonne Schmidt (Theaterwissenschaftlerin ZHdK) nach den Aufführungen
«menschen!formen! in Zürich
«Das Lied ‚Heimat’ hat mir am besten gefallen. Es ist
mir heiss und kalt den Rücken heruntergelaufen. Das
war einfach wunder- wunderschön!»
«Das Stück hat alle Grenzen ausgelotet. Und da war es
völlig egal, ob es Menschen mit oder ohne Behinderung sind.»
«Für mich hat das Stück alle Türen
aufgemacht: Eine grossartige Einladung an die Zuschauer, über alles zu
lachen und zu weinen. An manchen
Stellen habe ich laut gelacht, manchmal geweint.»
«In Theaterprojekten mit Behinderten ist es sehr oft so, dass es heisst:
Wir machen etwas für die Behinderten! Das ist hier nicht so, da es überhaupt keine Rolle mehr spielt. Deswegen bedanke ich mich bei euch,
endlich mal was Richtiges gesehen
zu haben!»
«Wenn es ein Stück ist, das mich hinterher beschäftigt, aus dem ich mit
vielen Fragen herausgehe, dann war
es ein gutes Stück.»
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
Pipistrello +
HORAs
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Eindrücke unserer Lernenden von zwei
Schnupperwochen mit dem Zirkus Pipistrello
Wir haben uns auf die Arbeit mit dem Zirkus
Pipistrello in Wallisellen gefreut. Wir hatten
keine Ahnung,was auf uns zu kommt. In der
zweiten Woche in Jona hatten wir schon herausgefunden wie die Arbeit geht. Wir waren begeistert
von diesen Leuten und der Arbeit und vom Zeltaufbau.
Matthias hat in der ersten Woche ein fauler Bäcker
gespielt, Damian ein Ansager und ein Polizist. In der
zweiten Woche haben Matthias und Damian getanzt.
Mirandas Begeisterung war beim Feuer. Sie hat mit
verschiedenen Werkzeugen Sachen gemacht, zum
Beispiel Feuer geschluckt, Feuer gespuckt und einen
brennenden Stab geschwungen. Es war sehr mutig,
dass sie sich das getraut hat. Wir haben gut gegessen
und getrunken. Das Wetter: teils Regen und Sonne.
Wir hatten viel Freude und haben immer gelacht.
Die Show von Pipistrello war sehr schön, wenn nicht
eine Wespe Damian gestochen hat. Das war am Ende
der zweiten Woche. Uns hat das Stück gefallen und die
Figuren waren Puck und Oberon beim Sommernachts
traum. Die Zwei haben uns sehr gut gefallen. Titania
fällt uns auch noch ein und Hipoleta. Der Puck ist ein
Witzbold.
Die Pipistrello Leute haben uns und die Kinder gut aufgenommen. Es war interessant das Zelt miteinander
aufzubauen. Am zweiten Tag konnten wir auswählen,
was wir im Zirkus üben und zeigen wollen. Ich habe
mich fürs Zaubern entschieden. Miranda hat beim
Feuerspeien mitgemacht. Matthias und Damian haben
getanzt. «Füris» und Zauberer haben gemeinsam geübt. Es war eine gute Stimmung in der Gruppe. Zuerst
haben wir ausprobiert was wir in der Show machen
könnten. Dann haben wir geübt und geübt. Und später
haben wir die Show zusammengestellt. Wir haben mit
Zirkusleuten Mittag gegessen und miteinander geredet.
Es war eine gute Stimmung. Wir haben für die Show
geübt. Dann konnten wir die ganze Show im Zelt üben.
Der Durchlauf war gut. Juppie! Samstag! Jetzt können
wir zeigen was wir gemacht haben und es hat viele Zuschauer. Die Show war lässig. Mir hat es gut gefallen
im Pipistrello. Gute Stimmung!
Damian Bright, Matthias Brücker, Miranda Hossle
Sara Hess
Zauberwerk
vorschau
HORA`BAND
Das zweite Album der HORA‘BAND
«Raumschiff HORA»
wird Ende Jahr in die Läden kommen.
Kostproben der Songs sind auf
der Myspace-Seite der Band zu hören.
www.myspace.com/thehoraband
PLATTENTAUFE
im El Lokal, Gessnerallee 11, 8001 Zürich
SA 11. Dez. 20:20 Uhr
Eintritt CHF 10.-
Vorwort Plattentaufe HORA`BAND
«Raumschiff HORA« dokumentiert die Entwicklung
der Band von 2008-2010. In dieser Zeit unternahmen
die MusikerInnen eine lange Reise durch die Zeit.
Sie sammelten Worte und Klänge und setzten sie zu
neuen Songs zusammen. Sie besuchten Gnome, trafen
Faust & Mephisto und jagten Regenbogen im Weltall.
Dort, am Rande des Himmels, erlebten sie indische
Sommer und kühlten sich mit seltsamen Getränken.
Wunderschöne Klänge kamen des Weges und zogen
weiter bis ans Ende der Tage. Die Lieder wurden grösser und die Musik gewann an Tiefe. Nichts war mehr
wie vorher, bis zur magistralen Landung.
Willkommen zurück auf der Erde!
Erneute Zusammenarbeit mit
Tudor Recording AG, Zürich www.tudor.ch
Die HORA`BAND kann man buchen
Kontakt: HORA Büro: 044 405 71 41
oder hora@zueriwerk.ch
oder direkt mit dem Beandleader
Kontakt aufnehmen
Roli Strobel, roli.s@gmx.ch
Zauberwerk
Vorschau
Zauberwerk
vorschau
PZATION
ÜRICH
OKKU
18.-28. MAI 2011
Das Festival OKKUPATION! 2011 ist konzipiert als
künstlerisch hochwertiges Kulturprojekt, welches sich
im öffentlichen Kulturbetrieb behaupten will und ein
reguläres, an ästhetischer Innovation interessiertes
Theaterpublikum avisiert. Wie der Veranstaltungstitel
nahe legt, will das Festival mit seinem Programm den
öffentlichen Raum besetzen, die Kunst vermeintlicher
Aussenseiter im öffentlichen Raum temporär verorten,
dabei den geschützten Raum verlassen und offensiv
als Projekt grenzüberschreitender Kunst und Kultur
auf künstlerischer und lebensweltlicher Ebene vielfältig Begegnungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen fördern und dazu beitragen,
Barrieren abzubauen und vermeintliche Grenzen zu
überwinden. Das Festival präsentiert sich dabei einerseits als einmalige europäische Plattform integrativer
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Zauberwerk
Vorschau
INT.
THEATER
FESTIVAL
Theaterarbeit in Zürich, andererseits als Bühne für
genreübergreifende (Theater-)Kunst unter Berücksichtigung europaweit anerkannter Ensembles der «regulären» Szene.
Neben Theater- und Tanzproduktionen sind auch
Präsentationen aus theaterverwandten Kunstsparten
geplant, sowie die Durchführung eines internationalen Colloquiums zur Position von Arbeiten sogenannt
behinderter Künstler im Rahmen gegenwärtiger
Authentizitäts-Diskursen in Gesellschaft und Theater.
Ein Rahmenprogramm mit Filmen, Ausstellungen, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen wird die grossen Produktionen begleiten und thematisch vertiefen.
Ganztägige theaterpädagogisch-praktische Einführungsworkshops zu allen grösseren Produktionen sol-
len Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen
darin unterstützen, am Festival auch als Zuschauer
teilzunehmen und selbstbewusst den eigenen Zugang
zum Medium Theater zu suchen und zu finden.
Förderung der Schweizer Szene
Um die Professionalisierung von Theater-, Tanz-, Performance- und Musikgruppen in der Schweiz zu fördern, in denen Menschen mit einer Behinderung eine
zentrale Rolle spielen, hat das Festival OKKUPATION!
gemeinsam mit dem Kulturfestival Wildwuchs (Basel)
bereits im Sommer 2010 an sieben herausragende
Schweizer Gruppen Produktionsaufträge für Aufführungsskizzen von maximal 15 Minuten Länge zu
jeweils einer der sogenannten Sieben Todsünden vergeben (Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid,
Trägheit). Die Arbeiten werden zu einem einzigen,
durchgehenden Theaterabend zusammengefügt und
unter dem Titel «Sieben Todsünden» im Rahmen der
beiden Festivals gezeigt.
Integrative Begegnung
Gerade im Bereich von Kunst und Kreativität sind
Grenzen fliessend, sind Barrieren überwindbar, sind
Begegnungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen vielfältig möglich.
Über die Betrachtung vollzogener Integration auf
der Bühne und der Begegnung im Zuschauerraum
hinaus, ist das Theaterfestival OKKUPATION! als Ort
und Medium der Begegnung zu verstehen. In einem
integrativen Workshop- und Rahmenprogramm wird
behinderten und nichtbehinderten Menschen Gelegenheit gegeben, über vermeintliche Grenzen hinweg
Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu sammeln, sich
auszutauschen und gemeinsam zu feiern.
Das gleichberechtigte Zusammenleben behinderter
und nichtbehinderter Menschen ist ein Ziel, das
sicherlich von einem Grossteil der nichtbehinderten
Bevölkerung prinzipiell mitgetragen wird. In der
Realität stehen der Verwirklichung dieses Zieles jedoch
gerade seitens Nichtbehinderter häufig Vorurteile
und Berührungsängste im Wege.
Das internationale Theaterfestival
OKKUPATION! will vor diesem Hintergrund auf der Ebene von Kunst, Kultur
und Freizeitgestaltung dazu beitragen,
Distanzen zu überwinden und Gemeinsamkeiten zu entdecken - letztendlich
zugunsten eines gleichberechtigten
Nebeneinanders und Miteinanders in
allen Lebensbereichen.
Zauberwerk
Vorschau
FAUST
Neuauflage von «Faust».
Michael Elber, Künstlerischer Leiter Theater HORA,
überarbeitet zur Zeit mit dem HORA-Ensemble die
«Faust»-Produktion, die vom 16. bis 23. März 2011 im
Casino-Saal zur Aufführung kommt.
THEATERWERKSTATT
FÜR KINDER
UND
JUGENDLICHE
Zauberwerk
Angebot
Die TheaterWerkstatt bietet Kindern
und Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung die Möglichkeit, sich in einer
ihnen nahe stehenden Ausdrucksform
auszuprobieren und weiterzubilden,
bis hin zu einer öffentlichen Aufführung. Gleichzeitig ist sie aber auch
Nachwuchs-Förderung für das Theater
HORA, indem sie Jugendlichen vor dem
Schulabgang ‘Berufsorientierung’ sein
kann. Wer in der TheaterWerkstatt mitspielt erlebt, was Theater spielen bedeutet, erfährt, wie groß seine Lust dazu ist
und bekommt eine Vorstellung, was in
der Ausbildung zur/zum SchauspielerIn
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wird.
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melden sie sich beim Kursleiter:
Urs Beeler
044 341 46 09 – 078 634 30 34
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sozialen und pädagogischen Berufen.
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Agenda.
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Die «Geschichte vom Baum» geht
auch auf Tournee und kann als Vorstellung mit anschliessender «Fragestunde» oder als das ganztägige Projekt «AndersSein», mit Vorstellung,
‘Fragestunde’ und zwei Lektionen
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VEREIN THEATER HORA
Tragen auch Sie zum Erfolg bei!
Das Theater HORA unterstützt und
fördert seit vielen Jahren die künstlerische Entwicklung von Menschen mit Behinderung. Trotz Eingliederung des Theaterbetriebs in
die Stiftung Züriwerk im Jahr 2002
müssen über 80% des jährlichen
Budgets durch Unterstützungsbeiträge und Spenden von Stiftungen
und Privatpersonen gedeckt werden.
Die Privatmitglieder, Gönner und
Spender des Vereins Theater HORA
steuern rund CHF 100‘000 zu den
CHF 600‘000-900‘000 bei, welche
jedes Jahr zur Finanzierung der Produktionen und Projekte nötig sind.
Als Mitglied des Vereins Theater
HORA bleiben Sie über alle lau-
fenden Projekte informiert und
Ihr jährlicher Mitgliederbeitrag
von CHF 100 kommt den aktuellen
Produktionen zu Gute. Sie leisten
damit einen wichtigen Beitrag für
den Erfolg des Theater HORA und
ermöglichen professionelle künstlerische Arbeit mit Menschen mit
einer Behinderung. Zudem dürfen
Sie jedes Jahr ein Gratisticket für
eine Vorstellung nach Ihrer Wahl
beim Sekretariat beziehen.
Möchten Sie Mitglied des Vereins
Theater HORA werden oder einfach
mehr darüber erfahren, so wenden
Sie sich an Conny Marinucci im
HORA Sekretariat (Tel. 044 405 71 40,
verein@hora.ch) oder an Simon
Heller, Präsident Verein Theater
HORA (simon.heller@gmail.com).
ZÜRIWERK
Für den Mitgliederbeitrag oder
eine Spende können Sie den beiliegenden Einzahlungsschein verwenden, oder direkt auf das PC- oder
CS-Konto einzahlen. Wir danken
Ihnen für die Unterstützung!
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
IBAN: CH61 0900 0000 8005 4072 7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
IBAN: CH84 0483 5034 4491 0000 0
Für Mitglieder: Verlosung 5x2 Tickets
für Plattentaufe HORA'BAND
am SA 11. Dezember im El Lokal
Teilnahme Verlosung:
verein@hora.ch
«Wenn ich ein Profi werden will,
dann muss ich auch die Arbeit
in der Produktionswerkstatt
kennen.»
Heute treffen wir Lorraine Meier,
langjähriges Mitglied der Schauspieltruppe des Theater HORA
und seit September neben der 50%
Anstellung bei Theater HORA neu
mit weiteren 50% in der Produktionswerkstatt Züriwerk Stadt tätig.
Im Theater HORA hat sie sich als
Schauspielerin etabliert. Nun arbeitet sie sich in das neue Arbeitsfeld
in der Produktionswerkstätte Züriwerk ein. Sie hat nun eine 100%
Anstellung bei Züriwerk.
Und so besuchen wir Lorraine an
ihrem neuen Arbeitsplatz an der
Limmatstrasse 120, wo sie mit ihren Kollegen Karten für den Limmatverlag zur Verpackung vorbereitet. Vor ihr liegen fünf Stapel mit
Postkarten, die sie fein säuberlich
in Zehnerbündel sortiert.
Lorraine ist gerade aus Mainz zurückgekommen, wo sie mit dem
Theater HORA im «Struwwelpeter»
mitgewirkt hat. Auf die Frage, wie
sie die Umstellung von der Bühne
in die Produktionswerkstatt meistere, lacht Lorraine herzlich und
sagt, dass es schon manchmal
streng sei, es ihr aber auch sehr gut
gefalle hier. Die Arbeit sei spannend. Wie ihre Kollegen hat auch
sie ganz verschiedene Aufgabenbereiche, am liebsten aber setzt sie
Sachen zusammen.
Obwohl die Arbeit in der Produktionswerkstatt eine ganz andere ist,
als die auf der Bühne, empfindet
Lorraine sie als sinnvoll und wichtig. Sie sagt: «Wenn ich ein Profi
werden will, dann muss ich auch
diese Arbeit kennen.»
An ihrem ersten Arbeitstag hatte
sie Lampenfieber wie vor einem
Bühnenauftritt. Ihr Herz schlug
und ihre Hände zitterten wie verrückt. Sie konnte sich aber sehr
schnell einleben und viele neue
Freunde in ihr grosses Herz schliessen. Am liebsten würde Lorraine
nur Schauspielerin sein am Theater
HORA . Wieder lacht sie, wirft die
Hände in die Luft und fügt noch
hinzu: «In der Werkstatt werde ich
aber auch gebraucht und die Arbeit
gefällt mir und die Leute auch.»
Züriwerk Produktion - Ihr Partner
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Zauberwerk
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INTERVIEW
mit den Eltern von Julia Häusermann,
Lernende
Theater HORA
Zauberwerk
menschen
Interview mit Esther Häusermann,
Mutter von Julia Häusermann, der
Schauspiellernenden (oder Auszubildenden) seit diesem Sommer.
Die Mutter wurde interviewt von
unserer Praktikantin Katherina
Winkler.
Frau Häusermann, wie kam es,
dass Julia irgendwann den Weg
zum Theater eingeschlagen hat?
Julia war ja, bevor sie ins Ensemble
vom Theater HORA eintrat, schon
bei der Kinder- und Jugendwerkstatt, die Urs Beeler leitet, dabei.
Von dieser Werkstatt hatten wir
schon früh etwas erfahren, ich
erinnere mich aber nicht mehr
genau wo. Vielleicht hatten wir
davon schon etwas in einer alten
Zauberwerk-Ausgabe gelesen. Der
Weg war somit eigentlich ganz
klar, denn Julia hat schon immer
gern Theater gespielt. Ausserdem
ging sie auch auf eine anthroposophische Schule, an der auch viel
Theater gespielt wurde, und wir
haben uns gedacht, dass ihr das
doch als Hobby gefallen würde.
Zunächst musste aber überlegt
werden, wie der organisatorische
Aufwand bewältigt werden konnte.
Wir wohnen ja im Zürcher Oberland, und die Proben mit Urs Beeler
fanden jeden Samstag in Zürich
statt. Da habe ich mir aber gesagt:
Ich nehme das auf mich, und habe
Julia jeden Samstag nach Zürich
gebracht. So war Julia dann die
nächsten vier Jahre bei der Kinderwerkstatt untergebracht.
Wie kam es dann zu dem grossen
Schritt von der Jugendwerkstatt
zum HORA-Ensemble?
Ich finde einfach, dass es für behinderte Menschen hier in der Schweiz
nicht viele attraktive Möglichkeiten zur Berufswahl gibt. Zwar
scheint sich das zu ändern, der
Bereich öffnet sich immer mehr.
Aber generell gibt es eben wenig
interessante Angebote. Wir haben
dann Urs Beeler gefragt, ob Julia
genügend Talent hätte, ihr Hobby
zum Beruf zu machen, und als uns
Urs Beeler dies bestätigte, wollten
wir die Sache versuchen. Zunächst
konnte Julia drei Wochen im Januar
schnuppern. Sie kam dann auch
jeden Abend todmüde nach Hause,
sie sagte dabei aber immer: Ich will
diese Lehre. Und damit war die
Sache für uns klar.
War denn schon früher abzusehen, dass aus Julia einmal eine
Schauspielerin werden würde?
Ja. Sie hat eigentlich immer eine
Rolle gespielt, egal wo sie war - zu
Hause, in der Schule. Immer hat
sie sich irgendetwas ausgedacht,
war ein Prinz, ein Ritter...
Und kann es sein, dass Julia eine
heimliche Zuneigung zu Michael
Jackson hat? Das scheint zumindest in den Proben durchzusickern...
(lacht) Ja! Auch, wenn das mittlerweile in Hassliebe umgeschlagen
ist - seinen Tod nimmt ihm Julia
sehr übel - und manchmal nimmt
sie mich zur Seite und meint: «Du
weisst ja, dieser Amerikaner...»
Zauberwerk
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Rückblick:
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Vorschau:
MENSCHEN!FORMEN!
Das Magazin des Theater HORA Züriwerk
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AGENDA APRIL-SEPTEMBER 2010
URAUFFÜHRUNG NEUPRODUKTION
MENSCHEN!FORMEN!
IM MAI IN KÖLN SOMMERBLUT-KULTURFESTIVAL
1. BIS 23. MAI PREMIERE IN KÖLN
Fr 21. Mai
18.00 Uhr
FWT Köln
Sa 22. Mai 18.00 Uhr
FWT Köln
So 23. Mai 18.00 Uhr
FWT Köln
siehe unter www.sommerblut.net
TOURNEE IN DEUTSCHLAND
Mo 24. Mai
So 6. Juni
Do 24. Juni
18.00 Uhr
18.00 Uhr
18.00 Uhr
Kulturzentrum, Lindlar
Bremer Shakespeare Company, Bremen
Zeche Carl, Essen
IM JUNI IN ZÜRICH, PREMIERE IN ZÜRICH
Do 10. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Fr 11. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Sa 12. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
So 13. Juni 18.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Di 15. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Mi 16. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Do 17. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Fr 18. Juni 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Ticketreservationen unter www.hora.ch siehe Spielplan
HORA-BAND ON TOUR
So 18. April
14:30 Uhr
Do 22. Juli
18:00 Uhr
So 7. August
Sa 21. August
Sa 11.September 17:00 Uhr
siehe auch www.hora.ch
Insieme Treff Regensbergstr. 89, Zürich
Sommerfest Klinik Hard, Embrach
Broicher Schlossnacht, Mülheim a.d. Ruhr, (D)
Säbelibum-Festival, Lorraine Bad, Bern
50 Jahre Insieme CH, Stade de Suisse, Bern
WERKSTATTAUFFÜHRUNG «ALTERSHEIM
VAMPIRET» DESTHEATERNACHWUCHSES
DER 4.THEATERWERKSTATT
Sa 17. Juli
10.45 Uhr öffentliche Hauptprobe (Anmeldung erforderlich)
14.00 Uhr Casino-Saal (Anmeldung erforderlich)
«DIE GESCHICHTE VOM BAUM»
AUFGEFÜHRT VON DEN HORA-LERNENDEN
EINE MÄRCHENKOMÖDIE NACH INGEGERD MONTHAN
Mi 8. Sept. 20.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl
Do 9. Sept. 20.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl
Fr 10. Sept. 20.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl
Sa 11. Sept. 20.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl
So 12. Sept 16.00 Uhr Casino-Saal Aussersihl
Die definitiven Daten erfahren Sie über den HORA-Newsletter
sowie über www.hora.ch
AUSSERDEM
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dem Laufenden. Neue Spieldaten erfahren Sie per Mail!
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www.hora.ch ein, nach dem Intro finden Sie auf dem Notizzettel
den Link «NEWSLETTER». Befolgen Sie nun die Anweisungen
auf dem Bildschirm.
f Wir bedanken uns für die Registrierung. Wir versichern Ihnen,
dass ihre Email-Adresse nicht an Drittpersonen weitergegeben
wird.
ZAUBERWERK
ANGEBOT
Als FACEBOOK User kann man
HORA-FreundIn werden
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www.facebook.com
Zauberwerk
editorial
Liebe
HoraFreundinnen
und-Freunde
Zauberwerk
editorial
Seit über einem halben Jahr ist nun
die Ausbildung zur/zum SchauspielerIn im Gang, drei Lernende vertiefen in der zweijährigen Ausbildung
ihre Kenntnisse im Theaterbereich.
Daneben sind sie Mitglieder des
HORA-Ensembles und arbeiten an
Produktionen oder treten in Theaterstücken auf. Für den nächsten
Studienbeginn sind bereits neue
KandidatInnen am Start. Eine
neue spannende Ära in der HORAGeschichte nimmt ihren Lauf. Aber
vorher werden die Drei ihr Erlerntes
in einer eigenen Aufführungsreihe mit dem Titel «Die Geschichte
vom Baum» im Herbst dieses Jahres
zeigen.
Die vergangene Produktion «Quasimodo geniti» vermochte in ihren
gut zwanzig Vorstellungen das
Publikum zu begeistern, die Musik
und die spezielle Atmosphäre in den
grossen und kleinen Kirchen steuerte wesentlich zu diesem Gefühl
bei. Einziger Wermutstropfen waren
leider die nicht in Griff zu kriegenden hohen Kosten. Deswegen
müssen zukünftige Auftritte gut
überlegt werden.
Seit anfangs Februar hat HORA eine
«Auslandfiliale» in Köln. Der künstlerische Leiter, Michael Elber, und
drei SchauspielerInnen aus dem
HORA-Ensemble arbeiten in einer
Koproduktion mit dem «Sommerblut
Festival». «menschen! formen!»,
so das neue Stück, wird zuerst seine
Uraufführung am 21. Mai in Köln
feiern, ab dem 10. Juni wird es
zum ersten Mal in Zürich gezeigt.
Nebst Lorraine Meier, Peter Keller
und Matthias Grandjean sind acht
deutsche DarstellerInnen dabei, die
anfangs dieses Jahres extra dafür
in Köln gecastet wurden. Dieses
Projekt ist insofern für HORA wichtig, da es nebst unserer Ausbildung
erweiterte Ausbildungsfelder für
unsere SchauspielerInnen schafft.
Alle unsere Aktivitäten wären ohne
Sie, liebe LeserInnen und Spender
Innen nicht machbar, Ihnen gebührt
unser grösstes Dankeschön. Auch
wenn nun der gesamte HORA-Betrieb in der Stiftung Züriwerk integriert ist, heisst das nicht, dass wir
von jeglicher privaten Unterstützung
befreit sind. In Wirklichkeit ist es so,
dass wir nur ca. 20% unserer Mittel
über die staatlichen bzw. (seit NFA)
kantonalen Subventionen erhalten.
Der restliche jährliche Bedarf liegt
zwischen Sfr. 600 000 und 900 000
je nach Anzahl Produktionen. Dies
ist jeweils die Summe, die jedes Jahr
reingeholt werden muss!
Wir bitten Sie neu oder weiterhin
das Theater HORA mit einer Spende
zu berücksichtigen. Es gibt nicht
viele Organisationen, die eine so
lange kontinuierliche Arbeit vorweisen können. Die Nachhaltigkeit ist
uns ein Kernanliegen. Wer möchte
als SpenderIn nicht die Gewissheit
haben, dass sein geschenktes Geld so
langfristig eingesetzt wird. Habe ich
Ihnen nicht einen guten Grund geliefert um sich für das Theater HORA
einzusetzen?
Übrigens, eine Mitgliedschaft beim
HORA lohnt sich immer: Die Vereinsmitglieder können über das
HORA-Büro Ihr Ticket reservieren,
ein Eintritt pro Jahr ist umsonst.
Giancarlo Marinucci
Geschäftsleiter Theater HORA
Züriwerk
DANKE
Zauberwerk
DIE ZWEITE
BESONDEREN DANK GILT FOLGENDEN
PERSONEN UND ORGANISATIONEN (SPENDEN
AB CHF 500.—) UND SPONSOREN
Verein Theater HORA
Ernst Schwemmer Stiftung
KPMG Mitarbeiteranlass, Charity Run
Mitarbeiteraktion Technische Direktion Schauspielhaus Zürich
Brunold Zahnräder AG
Frauenverein Gossau
Frauenverein Matthäus
J. Meier
M. und A. Fritzsche
S. Granacher
Stiftung Dr. Valentin Malamoud
Pfarrkonvent Verband der Stadtzürcher
Kirchgemeinden
V. Vogt-Moser
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HERZLICHENDANKFÜRDIEUNTERSTÜTZUNGSBEITRÄGE
ZUR AUSBILDUNG
SCHAUSPIELPRAKTIKERIN (PRA)
Ernst Göhner Stiftung
Verein Theater HORA
KPMG Foundation
Vontobel-Stiftung
Stiftung Denk an Mich
Nussbaumer-Simonin Stiftung
Credit Suisse Foundation
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Unsere Projekte leben von Ihren
Spenden und Mitgliederbeiträgen! Herzlichen
Dank, dass Sie auch in
diesem Jahr Spenden und Mitgliederbeiträge einzahlen!!!
Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin oder neu das
Theater HORA unterstützen, und es somit in seiner
Position als angesehenes Theater in der Kultur-Szene
stärken.
Wir freuen uns auch, wenn Sie Ihre Verwandten,
Freunde und Arbeitskollegen auf unsere Projekte aufmerksam machen.
HERZLICHEN DANK FÜR DEN UNTERSTÜTZUNGSBEITRAG NEUPRODUKTION «MENSCHEN!FORMEN!»
Stiftung Denk an Mich
Hamasil Stiftung
HERZLICHEN DANK FÜR DIE
UNTERSTÜTZUNGSBEITRÄGE TOURNÉE
«QUASIMODO GENITI»
Röm.-kath. Kirchgemeinde Gipf-Oberfrick
Evang.-ref. Kirchgemeinde Zürich-Albisrieden
Kulturförderung der Stadt Zug
Kulturkommission Gemeinde Wald
EW Wald AG
Hürlimann-Wyss Stifung
Kuffner Stiftung
Migros Kulturprozent
Hamasil Stiftung
Verein Theater HORA
Stand März 2010
UNSERE HORAS BEI IHNEN
ZU HAUSE ODER SIE BEI UNS
IM CASINO-SAAL
Sie mit ihren MitarbeiterInnen, StudentInnen, SchülerInnen bei
uns in unserer Spielstätte im Casino-Saal Aussersihl
Buchen Sie Theater-Workshops und/oder TheaterKurs-Tage und schaffen Sie sich mit SchauspielerInnen in Ihren Schulen, Firmen, Ausbildungsstätten
für theaterpädagogische oder sozialpädagogische
StudentInnen adäquate lustvolle Zeitfenster,
mit dem Ziel, sich in die Theaterwelt einzuleben und
neue Zugänge zu schaffen für eigene Themen in Beruf und Alltag.
Gönnen Sie sich Theater-Produktionen aus unserem
vielfältigen Angebot für offene oder geschlossene
Gesellschaften.
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Workshops ebote/
«Theater s
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Zauberwerk
angebot
Zauberwerk
ANGEBOT
AUSBILDUNG ZUM/ZUR SCHAUSPIELPRAKTIKERIN (PrA)
Weiterbildungsangebote/Workshops «Theaterspiel
mit Menschen mit und ohne Behinderung» für Institutionen, Schulen, Firmen usw. werden weiterhin angeboten.
LEITUNG
Künstlerische Leitung und HORA-Ensemble
TEILNEHMENDE
HORA-Ensemble 10-14 Personen und/oder Lernende,
sowie bis zu zwanzig TeilnehmerInnen des Auftraggebers
WORKSHOP
INTERESSIERTE
ORT
Casino-Saal Aussersihl oder zur Verfügung
gestellter Raum des Auftraggebers
DAUER
von einem Tag bis zu zwei Wochen
evtl. anschliessende Workshop-Aufführung
KOSTEN
in Absprache mit dem HORA-Büro
KONTAKT
HORA Büro: 044 405 71 41 oder hora@zueriwerk.ch
Theater HORA Züriwerk, Administration, Baslerstr. 30
Postfach, 8040 Zürich
Zauberwerk
aktuell
Ein Angebot des Theater HORA Züriwerk seit Sommer 2009.
Für junge darstellerisch begabte, extrovertierte Theater-Tanz- und Gesangstalente mit IV
Die Ausbildung dauert zwei Jahre
Ein großer Teil der Ausbildung (50%-60%) findet gemeinsam mit dem Profi-Ensemble des Theater HORA im Casino-Saal Aussersihl statt und besteht in der praktischen
Erarbeitung und Aufführung von Bühnen-Produktionen.
Neben einem Morgen allgemeinbildenden Unterrichts besteht ein zweiter Teil der Theaterarbeit aus einem Grundausbildungsangebot – Theater exklusiv nur für die Auszubildenden (ca. 20%). Ausserdem soll während einem Tag
die Woche als fixer Bestandteil der Ausbildung die Arbeit
in der Produktionswerkstätte Züriwerk oder im Hausdienst des Theaters kennengelernt werden, da das Theater
HORA nach der Ausbildung nur einen 50% Arbeitsplatz im
Ensemble anbieten kann.
Aufnahmebedingung ist eine Teilnahme an einem Castingtag sowie eine bestandene Schnupperzeit – zusammen mit anderen BewerberInnen – während der Dauer
von drei Wochen. Zudem muss eine IV-Verfügung vorliegen. Interessierte melden sich bei:
Theater HORA Züriwerk
Ausbildung
Baslerstrasse 30
Postfach
8040 Zürich
hora@zueriwerk.ch
Aus dem Ausbildungsalltag:
Durchschnittlich einen Tag pro Woche setzen sich die angehenden SchauspielpraktikerInnen (PrA) innerhalb der
Gruppe intensiv mit dem ‘schauspielerischen Handwerk’
auseinander. Diese Grundausbildung zielt jährlich auf
eine Werkstattaufführung hin. Sie bietet den Lernenden
die Möglichkeit, sich in einer kleinen Formation auf der
Bühne auszuprobieren und dient zudem der erweiterten
Ausbildungsleitung als Instrument zur Qualitätsbeurteilung. Die erste Werkstattaufführung ist anfangs September 2010 geplant (siehe Agenda).
Die Geschichte vom Baum
eine Märchenkomödie nach Ingegerd Monthan
in einer Bearbeitung von Urs Beeler
Es hätte ein Tag wie jeder andere werden können für die
Eberesche. Doch heute ist alles anders. Eine besonders vorwitzige Wurzel entdeckt einen Ledersack voll Gold, einen
Schatz der endlich Abwechslung in ihren einsamen Alltag
bringen könnte. Da kommen sie auch schon des Weges,
zwei Ganoven, des Lebens überdrüssig. Sie reagieren sehr
irritiert auf die sprechende Baumdame, die sie für Prinzen
hält und ihnen ihren Schatz schenken möchte. Aber einen Schatz schlägt man nicht aus. Harry und Jojo werden
aktiv und gehen skrupellos voran.
«Die Geschichte vom Baum» ist eine Märchenkomödie,
ein poetisches Stück aus einer habgierigen Zeit, eine Parabel über den Umgang des Menschen mit der Natur.
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Zauberwerk
AKTUELL
Zauberwerk
RÜCKBLICK
ZUM CASTING «MENSCHEN!FORMEN!» IN KÖLN
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PROBEN IN KÖLN FÜR DIE NEUPRODUK
MENSCHEN!
FORMEN!
Für die Theaterproduktion «menschen! formen!»
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haben wir mit einer bundesweiten (Nordrhein-WestWWW.HORA ERBLUT.NET
falen) Ausschreibung jeweils vier geistig Behinderte
WWW.SOMMT KULTURFESTIVAL
und Profischauspieler gesucht.
SOMMERBLUMAI 2010
Rund 40 Interessierte aus ganz Deutschland nahVOM 1. - 23.
men am 7. Januar 2010 an einem Casting im «Freien
Werkstatt Theater» in Köln teil. Dazu kamen drei bereits in der Schweiz ausgewählte SchauspielerInnen.
Beeindruckt hat mich von Anfang an die Intensität
dieses Castings. Alle wussten um was es ging und
haben ohne Unterschied alles für die Teilnahme am
Theaterprojekt gegeben.
Regisseur Michael Elber und der Musiker CarlLudwig Hübsch haben mit einer Vielzahl von
spannenden Improvisationen die individuellen
Fähigkeiten der SchauspielerInnen, aber auch TeamIN KÖLN
fähigkeit und soziale Kompetenz herausgearbeitet.
KONFERENZ
DER PRESSE
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Dadurch fiel es uns nicht schwer, nach der
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«1. Runde» eine Vorauswahl zu treffen. In der
«2. Runde» am Nachmittag wurde verstärkt mit
den schauspielerischen Fähigkeiten der Bewerber
gearbeitet, wobei beeindruckende kleine Theaterszenen entstanden. Die endgültige Auswahl am frühen
Abend fiel schwerer, dennoch waren wir uns in der
Entscheidung für die acht SchauspielerInnen sehr
einig. Mein Respekt verdient die Tatsache, dass alle
BewerberInnen unsere offen transportierten Entscheidungen sehr fair zur Kenntnis nahmen.
Rolf Emmerich, Produktionsleiter Sommerblut
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ttfinden. Von Elefantenmenschen, Wolfsjungen
und verlorenen Prinzen
Ein weiteres Zeichen für die internationale Anerkennung der Schauspiel-Ausbildung im Theater
HORA. Zum ersten Mal wurden SchauspielerInnen
vom Theater HORA für ein auswärtiges Theaterprojekt engagiert. Das «Sommerblut Festival» in
Köln hat den Regisseur Michael Elber sowie drei
SchauspielerInnen des Theater HORA eingeladen
und engagiert, um die HORA-Arbeitsweise zu vermitteln, und um mit Kölner SchauspielerInnen mit
und ohne Behinderungen ein Stück zu entwickeln.
In diesem theatralen Traumgebilde des Regisseurs
Michael Elber und des Kölner Musikers Carl Ludwig
Hübsch (bekannt aus der früheren HORA-Produktion
»Die Lust am Scheitern») werden Filme von drei RegieIkonen zum Ausgangspunkt für eine inspirierend
eigenartige Reise.
Werner Herzogs «Jeder für sich und Gott gegen alle»,
David Lynchs «The Elephant Man» und François Truffauts «L’enfant sauvage» (Der Wolfsjunge) beschreiben
alle den Versuch, einen langjährigen Aussenseiter in
die «normale» Gesellschaft einzubinden.
Vorhang auf! Nebel weg! Mit viel Humor und schräger
Musik, chaotischer Lust und Melancholie, gesungener
Trauer, bewegtem Schmerz, mit nicht vorhersehbaren
Missverständnissen und Höhenflügen, Freakshow
elementen und Alptraumbildern werden provokative,
absurde Fragen gestellt zur «Normalisierung» der vermeintlich Anderen.
Professionelle SchauspielerInnen und MusikerInnen
mit und ohne geistige Behinderung aus Deutschland
und der Schweiz machen sich dabei auf eine theatrale
Spurensuche in das Innenleben der ZuschauerInnen.
Wir sind die gefährlichen Passagiere eurer Phantasie!
PROBENINKÖLN
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Erlebnisberichte na
Februar März 2010
Probenblock in Köln
Regisseur Michael Elber begreift das Theater wie David
Lynch das Kino: "Das Kino kann die Zuschauer in eine
Welt jenseits des Intellekts entführen, in der sie sich
ganz und gar ihrer eigenen Intuition anvertrauen müssen. Es geht nicht darum, etwas zu verstehen, sondern
darum, etwas zu erfahren.» (D. Lynch)
PS: Wenn Sie wissen wollen, was Michael Jackson mit
diesen drei Filmen zu tun hat, dann müssen Sie sich
möglichst bald eine Karte für die wenigen Vorstellungen reservieren.
Matthias Grandjean, handgeschrieben am 11. März
nach dem letzten Probetag des ersten Blocks
Mir haben. Wir uns alle Ganzen Tag schaffen im Theater proben. Und wer sind. Aber Leuten ist Lust machen.
Für lustig und traurig. Das den Boss. Sein und Lieb
sein. Sommer Blut. Wir arbeiten uns alle in Theater.
Viel machten. Übung macht das mit mir warten und
beobachten wir anschauen hat es Menschen hat Erde
und Sonne mit Schatten und mit das erwarten geht
hinauslaufen mit und macht. Für das gut es er rollen
spielen macht und musik spielen geht gut ende.
Matthias Grandjean
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Zürcher Aufführun
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siehe Agenda
Zauberwerk
AKTUELL
Lorraine Meier, diktiert im Zug Köln-Zürich 12. März
Es ging gut beim Proben. Ich habe viel mitgespielt.
Leider musste ich in den Spital, das muss ich jetzt auch
noch sagen. Ich wurde operiert. Als ich kam, habe ich
mein Instrument gespielt. Ich habe sehr gut Kontakt
aufgenommen mit Ingmar, Mirco und alle andern
auch. Und Rolf auch. Und Cedric. Und nachher gingen
wir alle zusammen noch Nachtessen. Und nachher gingen wir noch Mittagessen. Ich habe eine Überraschung
eingekauft. Für alle. Ich vermisse alle andern auch. Ich
habe auch eine Foto gekriegt. Dann kann ich an alle
denken. An Ingmar und Mirco. Wir sind auch noch etwas trinken gegangen. Miklos und ich und die zwei, da
haben wir eingekauft. Gekocht. Und Küche gemacht.
Gestern haben wir geputzt. Badezimmer geputzt.
Staubsaugen. Ich habe immer gemacht was Miklos
gesagt hat. Ich durfte in wenig Fernsehen schauen vor
dem Nachtessen. Ich half auch beim abtrocknen.
Michael: Nun jetzt mal stop. Habt ihr in Köln
eigentlich nur gegessen?
Es geht um einen Wolfsjungen. Dort haben wir mit
Blasinstrumenten gespielt. Die Stimme haben wir auch
gebraucht. Er war in einem Käfig. Dann hat man ihn
befreit. Und er hatte Angst. Dann kamen Menschen
die ihm geholfen haben. Dann ist er zum Hafen. In ein
Schiff eingestiegen. Abgefahren. In den Zug eingestiegen. In den Spital. Er hat im Spital gewohnt. Den
Namen des Stücks weiss ich jetzt auch nicht mehr. Wir
haben noch getanzt. Bewegung. Mit dem Körper haben
wir auch etwas gemacht.
Zauberwerk
AKTUELL
Peter Keller, diktiert im Zug Köln- Zürich 12. März
Matthias hat sich hingelegt und ich bin daran. Köln.
Carl Ludwig. Ingmar ist gut. Auf dem Stuhl. Und Ingmar. Ingmar. Ich bin auf den Boden gelegen. Er auch.
Lorraine und Peter gesungen und Puls gemacht. Lorraine Spritze und Verband wechseln. Lorraine Pille nehmen und schlucken. Matthias und Peter spielen guten
Puls gespielt. Du Michael zugeschaut und geklatscht.
Und Lorraine hat auch geklatscht. Und ich habe den
Affen gemacht. Und Keller: Hell!.So jetzt alles.
Christiane Grieb, aufgeschrieben spätabends
vor dem letzten Probentag des ersten Blocks
Am ersten Tag haben wir mit Bällen gespielt und
so fing es an mit Theater. Wir spielten Fangen und
formten uns und beschäftigten uns mit Film das ist unsere Arbeit. Das ist Theater unsere Arbeit macht Spass.
Wir proben für das Sommerfestival Sommerblut und
sind in der Presse.
Ich Christiane bin 30. Theater bedeutet für mich
Freiheit. Ich weiss wer ich bin. Durch Theater bin ich
erwachsen geworden. Für mich und für alle sind wir
eine Gruppe die das zusammenhält. Wir bleiben für
immer zusammen. Egal was auch passiert. Wir bleiben
zusammen.
Alexander Trunk, handgeschrieben aus seinem
Probentagebuch ohne Korrekturen übernommen
Wir mussten uns auch die Kunststoffbälle zuwerfen
und sofort den Namen sagen und zurufen mussten
und genau dem Partner in die Augen sehen, damit er
auch den Ball fängt. Wir haben uns einen DVD Film
angeschaut: Der Elefantenmensch. Wir mussten dann
erzählen was wir in dem Film vom Elefantenmenschen
gesehen haben mit kurzen Sätzen. Daraus wurde eine
Geschichte erzählt und dann Musik gemacht. Wir
haben mit Carl-Ludwig Atemtechnik mit unseren
Stimmen gemacht. Wir mussten auch genau den Ton
treffen, dass gleichzeitig eine Musik entsteht. Wir
proben auch mit unserem Musikinstrument. Es wurde auch gezeigt wie man das Mundstück benutzt. Wir
übten auch brüllen, flüstern, schreien, traurig sein,
lachen, schimpfen. Wir mussten auch auf dem Boden
stehen. Wir haben eine Statue gestanden. Wir mussten
mit dem Kopf arbeiten an der Statue. Wir haben auch
noch die Musik, die Schauspieler z.b. an der Nase herumführen, jemanden zuflüstern, zu jedem Guten Tag
sagen. Wir sind wie eine Gemeinschaft zu arbeiten an
allen Schauspieler.
Live Mitschrift aus einer Probe im März im FWT in
Köln. Matthias Grandjean spielt und erzählt den
Tod von Kaspar Hauser:
«Und wenn der fertig ist, geht in hinteren. Und dann
ein schaffen. Ein Garten Pflanzen oder ein Obst oder
eine Pflanze. Und dann nachher eine Gärtnerin oder
der Gärtner mit dem Messer in die Brust gestochen und
haben gesagt. Und dann springt rennen immer rennen, rennen, rennen, rennen bis der Herr kommt. Und
dann Herr Kasper sagt: Gärtnerin hat mit dem Messer
gestochen. Und dann liegen nur Bett und dann Pfarrer
und die Pfarrerin sagt, sagt und sagt. Und der zweite
Pfarrer sagt ihm Hospital geht und dann ins Hospital
bringt. Und dann Kaspar ist gestorben im Hospital.
Und die Ärzte sagt: Hirn. Und mit dem Messer in dem
Hirn ganze fertig aufgeschnittene Blumenkohl. Sagt:
am Fuß ist der Namen.
Die Live Untertitelung der gesprochenen Texte ist ein
Bestandteil des Konzepts von «menschen! formen!»
Zauberwerk
AKTUELL
QUASIMODO
GENITI
EINE UNERWARTETE ERFAHRUNG UND
DEREN BEGLÜCKENDE FORTSETZUNG
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Über Monate hatten sich die gelegentlichen
Proben des Theater HORA in der Kirche St.
Jakob hingezogen – bis zur Hauptprobe aber
blieb auch für mich als verantwortlichen Pfarrer der City-Kirche die Inszenierung durch
Jacqueline Moro ein Geheimnis. Meine Mitarbeit beschränkte sich darauf, dem TheaterEnsemble und den Musikern von ‚Voice Steps’
die Tür für Proben offen zu halten. Allerdings
so, dass der Kirchenraum seine mystische Kraft
nicht verlieren und zur Probebühne würde. Das spirituelle Angebot der Kirche sollte
dadurch keine Einschränkung erfahren.
Dann kam die Generalprobe. Ich war äusserst
gespannt – und wurde reich belohnt! Es zeigte
sich: die Inszenierung erforderte eine kurze
Einführung ins Stück – aber nicht als eigentliche
Werkeinführung gedacht. Diese 7-MinutenBegrüssung sollte der ‚Vorhang’ sein, der es
zum einen den Schauspielern erlaubte, zu
Beginn unbemerkt ihre Ausgangsstellung (unter
der Wolldecke) einzunehmen. Zum anderen
sollte er dem Publikum die Möglichkeit geben,
die hochgeschraubten‚Werd-ich-auch-allesverstehen?-Ängste’ verdampfen zu lassen.
Die Reaktionen des Publikums waren durchwegs positiv: «Quasimodo geniti» begeisterte.
Jede Vorstellung unterschied sich von der
Vorangegangenen und ich konnte es kaum
glauben, dass das Ensemble fähig war Kritik
und Anregungen der Regisseurin sofort aufzunehmen und umzusetzen. Immer mehr griff
die Faszination Theater auch nach mir selbst.
So habe ich mich sehr gefreut und keinen
Moment gezögert als die Anfrage kam, ob ich
nicht mit dem Ensemble auf Tournée gehen
würde. Ich habe es nicht bereut. Ich habe den
‚Geist’ vom Theater HORA besser kennengelernt und miterlebt, wie SchauspielerInnen
und MusikerInnen innerhalb einiger Monate
an ihrer Aufgabe gewachsen und gereift sind.
VIELEN DANK allen – besonders Jacqueline Moro – für diese Erfahrung.
Anselm Burr
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ANgebot
Die TheaterWerkstatt bietet Kindern
und Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung die Möglichkeit, sich in
einer ihnen nahe stehenden Ausdrucksform auszuprobieren und weiterzubilden, bis hin zu einer öffentlichen Aufführung. Gleichzeitig ist
sie aber auch Nachwuchs-Förderung
für das Theater HORA, indem sie
Jugendlichen vor dem Schulabgang
‘Berufsorientierung’ sein kann. Wer
in der TheaterWerkstatt mitspielt,
erlebt was Theater spielen bedeutet,
erfährt, wie groß seine Lust dazu ist
und bekommt eine Vorstellung was
in der Ausbildung zur/zum SchauspielerIn (PrA) gefordert wird.
Die TheaterWerkstatt 2010/11 startet nach den Sommerferien und
findet jeweils am Samstagnach-
mittag von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl statt. Sie
steht Kindern und Jugendlichen ab
8 Jahren gegen Entrichtung einer
Kursgebühr offen. InteressentInnen
sind jederzeit herzlich zu einer
Schnupperprobe eingeladen.
Anmeldung:
Urs Beeler,
Winzerhald
e 6, 8049 Zü
rich,
044 341 46 0
9 – 078 634
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
Eine Chance auf Integration durch «Interaktion und Fremdverstehen»
Die Veränderung der Einstellung von Schulkindern gegenüber
Menschen mit geistiger Behinderung durch interaktive Theaterprojekte
Masterarbeit von Heidi Christen Baier
Den krönenden Abschluss der fünfsemestrigen berufsbegleitenden
Ausbildung an der Interkantonalen
Hochschule für Heilpädagogik Zürich bildet die Masterarbeit. Heidi
Christen Baier entschied sich im
Rahmen dieser Arbeit, die Einstellungen der Schulkinder gegenüber
Menschen mit geistiger Behinderung zu beobachten. Ihr Titel: «Eine
Chance auf Integration durch Interaktion und Fremdverstehen».
Die Schulische Heilpädagogin (SHP)
in Ausbildung lancierte zwischen den
Sommer- und Herbstferien 2009 in
der Schuleinheit Steinmürli Dietikon
ein Kunstprojekt mit dem Titel
«Jeder ist anders». Kinder und
Erwachsene mit und ohne Behinderung begegneten einander und
bauten dabei, wie der empirische
Teil ihrer Arbeit zeigt, Vorurteile ab.
Bestandteil dieser Begegnungen war
das Theater HORA mit dem interaktiven Theaterprojekt ‘AndersSein’. Urs
Beeler, Marcel Trinkler und Lorraine
Meier bewegten mit ihrer Arbeit
vierzehn Klassen der Primarstufe.
Sie regten zu einer kognitiven Auseinandersetzung an (Kopf), weckten
Emotionen (Herz) und regten zum
Ausprobieren und Üben von Handlungen (Hand) und Verhalten an. Das
Theaterstück ‘Der Gastschüler’, ein
darauffolgendes offenes Gespräch
und ein Theaterworkshop gehörten
zum Projekt-Paket. Die Kinder und
ihre Lehrpersonen erlebten das
Thema «Integration von Kindern
und Jugendlichen mit geistiger
Behinderung» auf spielerische
Weise hautnah. Sie schmunzelten,
lachten, staunten, bewunderten
und fragten, dachten nach und
kamen ins Grübeln. Sie schlüpften
in die Rolle der Ausgegrenzten und
der Ausgrenzenden. Sie fühlten
sich in die betreffenden Menschen
ein und besprachen Erfahrung und
Wirkung danach im Metagespräch.
Informationen zum Bezug der
Masterarbeit «Eine Chance auf
Integration durch Interaktion
und Fremdverstehen» von Heidi Christen Baier erhalten sie bei
heidi.christen@theateria.ch
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DIE GESCHICHTE VOM BAUM HORA`BAND
Eine Märchenkomödie für alle Schulklassen der Unter- und Mittelstufe,
sowie StudentInnen von sozialen
und pädagogischen Berufen
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Aufführung und Workshop mit den
Spielenden und dem Regisseur für
alle Schulklassen der Unter- und
Mittelstufe, sowie StudentInnen von
sozialen und pädagogischen Berufen
Beide Projekte werden unterstützt
von schule&kultur des Kantons
Zürich sowie«AndersSein» zusätzlich von der Paul Schiller-Stiftung.
Das zweite Album der HORA‘BAND
«Raumschiff HORA» wird
Ende Jahr in die Läden kommen.
Ab April werden erste Kostproben
der Songs auf der MyspaceSeite der Band zu hören sein.
www.myspace.com/thehoraband
Roli Strobel
roli.s@gmx.ch
Die HORA‘BAND kann man buchen
Kontakt: Telefon 044 405 71 41
oder hora@zueriwerk.ch
Theater HORA Züriwerk
Administration
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8040 Zürich
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partner
TRAGEN AUCH SIE ZUM ERFOLG BEI!
Das Theater HORA unterstützt und
fördert seit vielen Jahren die künstlerische Entwicklung von Menschen
mit Behinderung. Trotz Eingliederung des Theaterbetriebs in die Stiftung Züriwerk im Jahr 2002 müssen
über 80% des jährlichen Budgets
durch Unterstützungsbeiträge und
Spenden von Stiftungen und Privatpersonen gedeckt werden. Die Privatmitglieder, Gönner und Spender des
Vereins Theater HORA steuern rund
CHF 100‘000 zu den CHF 600‘000900‘000 bei, welche jedes Jahr zur
Finanzierung der Produktionen und
Projekte nötig sind.
Als Mitglied des Vereins Theater
HORA bleiben Sie über alle laufenden Projekte informiert und Ihr
jährlicher Mitgliederbeitrag von
CHF 100 kommt den aktuellen
Produktionen zu Gute. Sie leisten
damit einen wichtigen Beitrag für
den Erfolg des Theaters HORA und
ermöglichen professionelle künstlerische Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung. Zudem dürfen Sie
jedes Jahr ein Gratisticket für eine
Vorstellung nach Ihrer Wahl beim
Sekretariat beziehen.
Möchten Sie Mitglied des Vereins
Theater HORA werden oder einfach
mehr darüber erfahren, so wenden
Sie sich an Conny Marinucci im
HORA Sekretariat (Tel. 044 405 71 40,
verein@hora.ch) oder an Simon Heller, Präsident Verein Theater HORA
(simon.heller@gmail.com).
Für den Mitgliederbeitrag oder eine
Spende können Sie den beiliegenden
Einzahlungsschein verwenden, oder
direkt auf das PC- oder CS-Konto
einzahlen. Wir danken Ihnen für die
Unterstützung!
Verein Theater HORA, 8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
Kto. 344491-00, Clearing-Nr.: 4835
PC 80-500-4
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INTERVIEWKPMGZÜRICH
Ursula Dobler (Vorstand Verein Theater HORA)
im Gespräch mit Isabelle Imfeld,
Internal Communications & Corporate Social Responsibility
Die Geschäftsleitung vom Theater
HORA hatte mich angefragt, ob ich
nochmals bereit wäre, für das Zauberwerk ein Interview zu machen. So bekam ich von Giancarlo Marinucci den
Namen von Isabelle Imfeld. Sie arbeitet für die Firma KPMG, zudem gab er
mir noch folgende Hintergrundinformationen: Das Theater HORA ist ein
fester Bestandteil des «Make a difference day» von KPMG. Des Weiteren
unterstützt die KPMG Foundation
den Ausbildungslehrgang für junge
Schauspielerinnen und Schauspieler
des Theater HORA. KPMG hat zudem
im Rahmen ihres letzten Hardware
Rollouts 30 Desktops und Laptops an
die Stiftung Züriwerk gespendet.
Mit diesen Angaben habe ich mich
auf den Weg nach Zürich gemacht an
den Hauptsitz der Firma an der Badenerstrasse.
Was macht KPMG?
KPMG ist eines der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. In diesem Bereich ist KPMG
die drittgrösste Firma in der Schweiz.
In der Schweiz beschäftigt KPMG an
11 Standorten 1600 Mitarbeitende,
davon ca. 900 am Hauptsitz in Zürich.
Weitere Standorte gibt es in der Westschweiz, im Tessin und in den grösseren Städten der Deutschschweiz.
Was versteht man unter dem
Begriff Corporate Social Responsibility?
Der Begriff umschreibt den freiwilligen Beitrag einer Firma zu einer
nachhaltigen Entwicklung. Er steht
für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln in der eigentlichen Geschäftstätigkeit, was soziale
und ökologische Belange angeht. Das
Konzept Corporate Social Responsibility (CSR) widerspricht der These, dass
die einzige Verantwortung der Unternehmen das Erzielen von Profit ist.
Entstand daraus der «Make a difference day»?
Ja, der «Make a difference day» ist ein
Teil dieses Konzepts.
Dieser spezielle Tag hat zum Ziel, dass
die Mitarbeitenden von KPMG mehr
in Berührung kommen mit einem Teil
der Gesellschaft, welcher doch relativ
weit weg ist von ihrem Alltag. Sie
sollen die Gelegenheit dazu haben,
sich in Bereiche zu begeben, welche
ihnen fremd sind. Dadurch werden
sie sensibilisiert für gesellschaftliche
Probleme.
Zauberwerk
menschen
Nehmen die Mitarbeitenden freiwillig an dieser Aktion teil?
Ja, das ist freiwillig. Den Mitarbeitenden wird ein Arbeitstag dafür
zur Verfügung gestellt. Wir legen
einen Tag im Jahr fest, der für alle
unsere Standorte in der Schweiz gilt.
Meistens ist das im September, weil
dann die Wetterbedingungen meist
auch Outdoor-Veranstaltungen
erlauben. Der Mechanismus ist
einfach: Ein Projektteam sucht
vorgängig nach möglichen Projektpartnern. Auch die Mitarbeitenden
können Projekte und Ideen einreichen. So wurde auch das Theater
HORA zu einem Projektpartner, und
das bereits zum vierten Mal. Die
Projekte werden auf der Intranetseite aufgeführt und beschrieben. Dort
können sich die Mitarbeiter anmelden. Im letzten Jahr hatten wir über
300 Teilnehmende.
Der «Make a difference day” kam
auf Wunsch unseres CEOs zustande.
Wir haben in der Schweiz mit 6 Projekten gestartet, und heute können
die Mitarbeitenden aus 23 verschiedenen Projekten auswählen.
Zauberwerk
menschen
Was für verschiedene Projekte
werden angeboten?
An vielen Standorten gibt es Projekte mit Pro Natura. Waldstücke
werden gesäubert oder Winterunterschlupfe für Tiere gebaut. Das
sind sehr beliebte Projekte, da die
Mitarbeitenden für einmal im Freien
arbeiten können. Einige Projekte,
wie das Theater HORA, organisieren
wir mit behinderten Menschen. Mit
der Behinda Zürich unternehmen
die KPMG Mitarbeitenden jedes Jahr
einen Ausflug. Die Organisation
Drahtzug, welche psychisch kranke
Menschen beschäftigt, war im letzten Jahr ebenfalls ein Projektpartner. Ein anderes Projekt konnten wir
mit der Plattform Networking-forjobs realisieren. Unsere Mitarbeitenden haben dabei mit qualifizierten
Immigranten einen Workshop
durchgeführt zum Thema «Wie
bewerbe ich mich in der Schweiz auf
einen Job».
Was nehmen die Mitarbeitenden
von KPMG von diesem Tag mit?
Bei der Projektauswahl war und ist
es uns immer wichtig, dass beide
Seiten davon profitieren. Haben wir
eine Idee für ein Projekt, wollen wir
immer auch wissen, ob auch die
Organisation einen Nutzen daraus
ziehen kann und entsprechend an
einer Zusammenarbeit interessiert
ist.
So können Menschen mit einer
Behinderung Ausflüge machen,
welche sonst aufgrund von zu wenig
Betreuungspersonal nicht zustande
kämen. Unsere Mitarbeitenden lernen einen neuen Teil der Welt und
bisher vielleicht unbekannte Bedürfnisse kennen und werden darauf
sensibilisiert. Beim Projekt mit den
psychisch kranken Menschen etwa
können Berührungsängste abgebaut
werden. So kann ein Bewusstsein
geschaffen werden für eine Gruppe
Menschen, mit der die meisten im
Alltag kaum Kontakt haben.
Was nehmen sie spezifisch vom
Theater HORA mit?
Im letzten Jahr war es zum ersten
Mal so, dass sich nach dem Ausschrieb der Projekte sofort genügend
Mitarbeitende für das Theater HORA
angemeldet hatten, ohne dass wir,
wie die Jahre davor, nochmals dafür
werben mussten. Für viele unserer
Mitarbeitenden ist die Welt der
Behinderten eine fremde Welt, und
dazu kommt die ebenfalls weitgehend unbekannte Welt des Theaterspielens. Der Projektbeschreib lässt
vieles offen, und für viele braucht es
etwas Mut, sich darauf einzulassen.
Waren die Mitarbeiter aber dann mit
dabei, waren sie immer restlos begeistert. Die spielerische Begegnung
mit behinderten Menschen bleibt
in Erinnerung und hilft bei künftigen Begegnungen im Alltag. Viele
unserer Mitarbeitenden kannten das
Theater HORA vorher nicht, manche von ihnen besuchen aber auch
später Vorstellungen. Ich selber habe
letztes Mal am «Make a difference
day» ebenfalls beim Theater HORA
mitgemacht und habe daraufhin
mit einigen Arbeitskolleginnen
die Aufführung Quasimodo geniti
gesehen.
Was denken Sie, nehmen die
HORA-SpielerInnen mit?
In den letzten Jahren wurden die
Projekt-Verantwortlichen von uns
per Fragebogen gebeten, die Effektivität der Zusammenarbeit zu beurteilen. Den Antworten konnten wir
jeweils sehr gute Kritik entnehmen.
Ganz offenbar konnten auch die
HORA-SchauspielerInnen sehr stark
profitieren vom Input von aussen.
Ich denke, dass es für die HORASpielerInnen jedes Mal wieder eine
Herausforderung ist, sich auf völlig
fremde Menschen einzulassen.
Auch bei Improvisationen, welche
sie sonst in ihrem ihnen vertrauten
Kreis machen, kommen so ganz
neue Aspekte dazu. Aber wirklich
weiss ich natürlich nicht, was sie
fühlen dabei – wenngleich ich es
natürlich sehr gerne wissen würde!
Die KPMG Foundation beteiligt
sich an den Ausbildungskosten
der HORA-Schauspieler – wie kam
es dazu?
2007 wurde die Stiftung gegründet. Der Stiftungsrat hatte damals
entschieden, eher kleinere, soziale
Projekte in der Schweiz zu unterstützen, darunter auch Projekte mit
Menschen mit einer Behinderung.
So kam auch ein Antrag vom Theater HORA zur Stiftung. Die Anträge
werden nach klaren Kriterien evaluiert. Da damals vom «Make a difference day» her schon eine Beziehung
zum Theater HORA bestand und die
Kriterien erfüllt waren, wurde der
Antrag gutgeheissen und ein Unterstützungsbetrag gesprochen.
An dieser Stelle möchte ich mich bei
Isabelle Imfeld bedanken für das offene und interessante Gespräch. Ich
bekam durch sie die Möglichkeit,
einen kleinen Einblick in eine Firma
zu bekommen - in eine mir sonst
auch sehr fremde Welt.
Ursula Dobler
Zauberwerk
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Fotos: Michael Elb
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Druck: Seiler, Däpp
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Baslerstrasse 30, Po
F: 044 405 71 10
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AGENDA NOVEMBER-JANUAR 09/1
HORA ON TOUR MIT QUASIMODO GENITI
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HORA‘BAND ON STAGE
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Oktober/November 2009
Premiere in Zürich
Fr 23. Oktober
20.00 Uhr
Mo 30. Oktober
19.30 Uhr
Sa 7. November
19.00 Uhr
Sa 24. Oktober
16.00 Uhr
20.00 Uhr
Fr 13. November
20.00 Uhr
Sa 14. November
16.00 Uhr
20.00 Uhr
Di 3. November 09 20.00 Uhr
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So 20. Dezember 09 ab 12 Uhr
Sa 24. Oktober 09
16.00 Uhr
20.00 Uhr
Alle Spieldaten der aktuellen Theater-Produktionen wie
«Tanzpalast» oder «Faust 1 & 2» oder «Der Gastschüler»
oder «Die Lust am Scheitern» finden Sie auf www.hora.ch
f
Falls Sie Newsletter-AbonnentIn sind, halten wir Sie per
Mail auf dem Laufenden. Neue Spieldaten erfahren Sie
per Mail!
«Du bist die schönste Hässlickeit, die ich je in meinem Leben gesehen habe“
Januar/Februar 2010
10. Januar
17.00 Uhr
15. bis 17. Januar 2010 20.00 Uhr
21. bis 23. Januar 2010 20.00 Uhr
29. Januar 2010
19.30 Uhr
31. Januar 2010
17.00 Uhr
3./5./6. Februar
20.00 Uhr
City-Kirche, Offener St. Jakob am Stauffacher
Neue Ref. Kirche ZH-Albisrieden
Reformierte Kirche Wald
City-Kirche, Offener St. Jakob am Stauffacher
City-Kirche, Offener St. Jakob am Stauffacher
City-Kirche, Offener St. Jakob am Stauffacher
Reformierte Kirche Eglisau
Offene Kirche St. Gallen
City Kirche Zug
Reformierte Kirche Opfikon
Reformierte Kirche Gipf-Oberfrick
Offene Kirche Elisabethen (Basel)
Ticketreservationen unter www.hora.ch siehe Spielplan
Altes Spital, Solothurn
Schweizer Stiftungstag profonds, Luzern
Pigna-Tagung, Kloten
Aktion Friedenslicht,
Bürkliplatz (Schiffsteg) Zürich
City-Kirche, Offener St. Jakob
am Stauffacher
Siehe www.hora.ch oder www.myspace.com/theaterhora
NE WSLETTER
Weiterhin
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das neue Angebot informiert sind. Geben Sie die Internetadresse www.hora.ch ein, nach dem Intro finden Sie auf
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HORAMATEUR AUFFÜHRUNGEN
6./7./8. November 09, 20 Uhr, Casino-Saal Aussersihl
Gruppenreservationen bei Salomé Schwarzbach 079 787 93 70 oder
salome.schwarzbach@gmx.ch
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Wir bedanken uns für die Registrierung. Wir versichern
Ihnen, dass ihre Email-Adresse nicht an Drittpersonen
weitergegeben wird.
ZAUBERWERK
ANGEBOT
Als FACEBOOK User kann man
HORA-FreundIn werden
Melden Sie Ihre Freundschaft zu
Theater HORA im Facebook an:
www.facebook.com
Zauberwerk
editorial
Liebe
HoraFreundinnen
und-Freunde
Zauberwerk
editorial
Ein Traum ist wahr geworden!
Seit dem 17. August 2009 bietet
das Theater HORA eine Ausbildung zur Schauspielerin bzw.
zum Schauspieler an.
Die offizielle Terminologie dazu
heisst «Ausbildung zum Schauspielpraktiker PrA», dies ist im deutschsprachigen Europa ein einmaliges
Angebot.
Drei Lehrlinge haben diesen Sommer unseren Ausbildungsgang in
Angriff genommen. Nach zwei
Jahren wird ihnen ein Attest ausgestellt, das sie befähigen soll nicht
nur im Profi-Ensemble von HORA
zu bestehen, sondern hoffentlich
auch bald in fremden Produktionen
des Theater- oder Filmbereichs
sprichwörtlich eine Rolle zu übernehmen.
Unsere drei Anwärter gehören bereits dem HORA-Ensemble an und
sind vollständig im regulären Probebetrieb integriert. An einem Tag
in der Woche gehört die Probebühne
ihnen ganz alleine. Hier werden
vertieft weitere darstellerische Kompetenzen gelernt; Fertigkeiten die
bei einer produktionsgerichteten
Arbeit sonst nicht möglich wären.
Dem Theater HORA ist es wichtig,
dass die Lernenden einen erweiterten Einblick in theaternahe aber
auch theaterfremde Arbeitsfelder
erhalten, deshalb arbeiten sie einen
Wochentag im Hausdienst des
Casino-Saales oder in einem weiteren Produktionsfeld von Züriwerk
( momentan Bäckerei, möglich sind
weitere Felder wie Gärtnerei, Auslieferdienst, Lettershop, Mechanik,
Montage u.a.).
Für uns beinhaltet die Ausbildungsarbeit nicht nur Schauspieler
auszubilden, sondern auch aktiv
den Arbeitsmarkt nach möglichen
Einsatzorten durchzuforsten und
diese für unsere ausgebildeten
Schauspieler zu erschliessen. Denn
wir möchten nicht, dass sie ausschliesslich die HORA-Welt kennen.
Und vielleicht heisst es dann irgendwann einmal: «...and the Oscar goes to...» . Träumen ist erlaubt!
«Quasimodo geniti» – Ein Musiktheater in Anlehnung an die
Geschichte «Der Glöckner von
Notre Dame» von Victor Hugo.
In der Gestalt des Quasimodo vereinen sich die schlimmsten Vorstellungen von Entstellung, Hässlich-
keit und «abnormalem» Verhalten.
Obwohl seine Geschichte im Mittelalter spielt, steht der Glöckner von
Notre Dame auch heute noch stellvertretend für all die Menschen, die
dem gängigen Ideal von Schönheit,
Vollkommenheit und Normalität
nicht entsprechen. Doch was ist
eigentlich Schönheit? Und wer
bestimmt was schön ist? Kommt
wahre Schönheit von Innen?
Die Welturaufführung dieser Neuproduktion wird am 16. Oktober in
Berlin gezeigt, ab dem 23. Oktober
können die Vorstellungen in Zürich
besucht werden. Weitere Aufführungen finden in St.Gallen, Zug,
Basel und anderen Orten statt.
Buchen Sie Ihr Ticket bequem über
unsere Internetseite: www.hora.ch
Wir freuen uns über Ihren Besuch.
Übrigens, eine Mitgliedschaft
beim HORA lohnt sich immer: Die
Vereinsmitglieder können über das
HORA-Büro ihr Ticket reservieren,
ein Eintritt pro Jahr ist gratis.
Giancarlo Marinucci
Geschäftsleiter
Theater HORA Züriwerk
BESONDEREN DANK GILT FOLGENDEN
MITGLIEDERN, SPENDERN
(SPENDEN AB CHF 500.—) UND SPONSOREN
Verein Theater HORA
Hotel Splendid
Evang.-ref. Kirchgemeinde Rümlang
Trachtengruppe Buchall
HOLDIT
J. Meier
E. Röllin
T. Schwarzbach
U.H. Kundert
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Unsere Projekte leben von Ihren Spenden
und Mitgliederbeiträgen! Herzlichen
Dank, dass Sie auch in diesem Jahr Spenden und Mitgliederbeiträge einzahlen!!!
Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin oder
neu das Theater HORA unterstützen, und
es somit in seiner Position als angesehenes Theater in der Kultur-Szene stärken.
Wir freuen uns auch, wenn Sie Ihre Verwandten und Freunde auf unsere Projekte
aufmerksam machen.
Zauberwerk
DIE ZWEITE
HERZLICHEN DANK FÜR DIE UNTERSTÜT- HERZLICHEN DANK FÜR DIE UNTERSTÜTZUNGSBEITRÄGE ZUR AUSBILDUNG
ZUNGSBEITRÄGE ZU OKKUPATION! 09
Ernst Göhner Stiftung
Verein Theater HORA
KPMG FOUNDATION
Nussbaumer-Simonin Stiftung
HERZLICHEN DANK FÜR DIE UNTERSTÜTZUNGSBEITRÄGE ZU QUASIMODO GENITI
Hamasil Stiftung
Stiftung Denk an mich
Zürcher Kantonalbank
Alexis und Victor Thalberg Stiftung
Stanley Thomas Johnson Stiftung
Hürlimann-Wyss Stiftung
Präsidialdepartement Stadt Zürich
Giuseppe Kaiser Stiftung
Kulturförderung der Stadt Zug
Charitiy Run KPMG
Migros Kulturprozent
Verein Theater HORA
City Kirche, Offener St. Jakob, Zürich
RPH- Promotor Stiftung Vaduz
EDI-EBGB
Stiftung Denk an mich
Sozialdepartement Stadt Zürich
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Pro Infirmis Zürich
Martha Bock Stiftung
Verein Chramschopf
HERZLICHENDANKFÜRDIEUNTERSTÜTZUNG
VON HÖHRA-ANDROMEDA TAPES
Bildungsclub Pro Infirmis
Kultur und Sozialstiftung Möbel Pfister
Verein Theater HORA
Stand September 09
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Zauberwerk
DIE ZWEITE
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ANGEBOT
WORKSHOP
INTERESSIERTE
UNSERE
HORAS BEI IHNEN
ZU HAUSE
Weiterbildungsangebote/Workshops «Theaterspiel mit
Menschen mit und ohne Behinderung» für Institutionen,
Schulen, Firmen usw. werden weiterhin angeboten.
LEITUNG
Künstlerische Leitung und HORA-Ensemble
Seit 1992 überzeugt das Theater HORA mit seinen
SchauspielerInnen mit einer Behinderung ein immer
zahlreicheres Publikum: fast 40 verschiedene Produktionen und über 500 Aufführungen schmücken
unsere Statistik. Aktuell können wir Ihnen verschiedene Produktionen anbieten. Auf unserer Homepage
www.hora.ch finden Sie eine genauere Beschreibung
der Stücke, welche mit Bildern ergänzt und im Falle
der Band sogar mit Hörproben versehen sind.
Unsere Produktionen sind
«Der Gastschüler» (geeignet für Schulen), «Tanz
palast»(Ein Fest unter Mitwirkung der Zuschauer),
Faust 1 & 2 (Das Drama um Faust und Mitwirkung der
HORA‘BAND),»Quasimodo geniti» (ein musikalisches
Theaterstück nach «Der Glöckner von Notre Dame»
von Victor Hugo).
Und weiterhin im Angebot:
Die unkonventionelle HORABAND und das erfolgreich festivalerprobte Improvisationsstück «Die Lust
am Scheitern».
TEILNEHMENDE
HORA-Ensemble 10-14 Personen, sowie bis zu
zwanzig TeilnehmerInnen des Auftraggebers
ORT
Casino-Saal Aussersihl oder zur Verfügung
gestellter Raum des Auftraggebers
DAUER
von einem Tag bis zu zwei Wochen
evtl. anschliessende Workshop-Aufführung
KOSTEN
in Absprache mit dem HORA-Büro 044 405 71 41
Zauberwerk
ANGEBOT
Zauberwerk
AKTUELL
AUSBILDUNGSLEHRGANG FÜR
JUNGE SCHAUSPIELERINNEN
Ein neues Angebot des Theater HORA Züriwerk für junge darstellerisch begabte,
extrovertierte Theater- Tanz- und Gesangstalente mit IV.
Die Ausbildung dauert zwei Jahre.
Ein grosser Teil der Ausbildung findet gemeinsam mit
dem Profi-Ensemble des Theater HORA im Casino-Saal
Aussersihl statt und besteht in der praktischen Erarbeitung und Aufführung von Bühnen-Produktionen.
Neben einem theoretischen Unterricht wird auch die
Möglichkeit zum Hausdienst im Theater angeboten.
Ein Teil der Theaterarbeit besteht aus einem Grundausbildungsangebot - Theater exklusiv nur für die Auszubildenden.
Ausserdem soll während einem Tag in der Woche
als fixer Bestandteil der Ausbildung die Arbeit im
Hausdienst des Casino-Saales oder in einem weiteren
Produktionsfeld von Züriwerk (momentan Bäckerei,
möglich sind weitere Felder wie Gärtnerei, Auslieferdienst, Lettershop, Mechanik…) sein. Dies ist wichtig,
da das Theater HORA nach der Ausbildung nur einen
50% Arbeitsplatz im Ensemble anbieten kann.
Bedingung ist eine Teilnahme
an einem Castingtag mit
anderen BewerberInnen sowie
eine Schnupperzeit während
der Dauer von mindestens
2 Wochen.
Interessierte können sich
melden bei Michael Elber
hora@zueriwerk.ch
Theater HORA Züriwerk
Ausbildung
Baslerstrasse 30
Postfach
8040 Zürich
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HORA`BAND
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RÜCKBLICK
Die erste grosse Auslandreise des
Jahres 2009 führte die HORA’BAND
nach Mülheim, Deutschland, mitten in den Ruhrpott. Auf Schloss
Broich, ein Steinwurf von der malerischen Ruhr entfernt, wurde ein
bombastisches, mittelalterliches
Fest gefeiert, dass die Steine wackelten. Etwa 1500 Besucher wurden
eingelassen, um sich von Gau
klern, Bänkelsängern, Seiltänzern,
Hofnarren und anderen Chaoten
unterhalten zu lassen. Für die
musikalische Unterhaltung war die
HORA’BAND vorgesehen. Ausgerü-
stet mit Lauten, Schallmeyen, Luftorgel, Schlagwerk und mit Minnesang betritt die Band die Bühne. Mit
Einbruch der Dunkelheit und dem
unheimlichen Kerzenlicht entlang
der Ringmauern entwickelt sich
das Konzert zu einem magischen
Ereignis.
Und als just beim letzten Akkord
hinter der Schlossmauer ein Feuerwerk hochsteigt, ist das ein
dramatischer Höhepunkt, den die
Musiker und das Publikum wohl nie
mehr vergessen werden. Mit diesen
eindrücklichen Bildern im Gepäck
nimmt die Band die 650 km weite
Heimreise beschwingt unter die
Räder, um erst am schweizerischen
Zoll jäh gestoppt zu werden. Der
Beamte will uns partout nicht mehr
einlassen. Erst als Salomé verzweifelt ins Zollhäuschen schreit, wir
seien eben alle behindert, dämmert
es dem Eidgenossenwärter. Ganz
ähnlich der Parkplatzwärter der
Martin-Stiftung, der elegant unseren Bus stoppte, durchs Fenster
schaute und uns anbrüllt: «Sinder
alli behinderet? Guet, dänn chönder
inechoo!»
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
UNGSRE
Die Stimmungsreise war ansteckend, ganz offensichtlich, sonst
hätte sich das Publikum am Schluss
bestimmt nicht auf das Parkett
gewagt.
Zur Eröffnung der Spielsaison im
Theater am Gleis Winterthur zeigte
das HORA Ensemble am 13. September 09 den Zuschauerinnen
und Zuschauern die Vielfalt tänzerischen Ausdruckes. In feierlichen
Kostümen schwebte, wirbelte
und stampfte die Gruppe über die
Bühne – im ständigen Wechsel der
Emotionen: Mal berührend, mal
witzig, mal schräg, mal charmant.
Im Saal herrschte von Anfang bis
Schluss eine äusserst aufmerksame
Stimmung, da das Publikum laufend
durch skurrile Momente überrascht
wurde: Ein galanter Herr bittet die
Dame zum Tanz, lässt sie aber dann
mitten auf der Bühne stehen, weil
«irgendetwas nicht stimme» – eine
Fotografin gibt sich jede erdenkliche
Mühe, die Gesichter der zu fotografierenden Personen möglichst
vorteilhaft erscheinen zu lassen und
entscheidet sich dann im letzten
Moment, vielleicht doch lieber die
Hinterköpfe abzulichten - ein Spiegel
erwacht zum Leben – als Tanzpartner werden Stühle gebraucht – aus
ISE
CHE
einem scheinbaren Durcheinander
bilden sich wie aus dem Nichts Reihen, Kreise, Figuren.
Wie gesagt: Sie war ansteckend, die
TANZFREUDE. Und deshalb sagte
auch niemand «nein», als das Ensemble zum Abschluss das Publikum
auf die Bühne bat, um vor Ort eine
humorvolle Choreografie einzustudieren.
Ich kann sie allen empfehlen, die
Reise in den Tanzpalast – eine Reise
mit positiven Folgen, versprochen!
Seraina von Wartburg, Praktikantin
Theater HORA
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TANZPALAST
FEEDBACK NAC
H EINER AUFFÜRHUNG
«Ich wollte dir nochmals danken für euren
tollen Besuch und Auftritt bei uns in der
Schule.
Ich und die ganze Schule waren tief beein
druckt von eurem Auftritt.
Diese Konzentration und Betroffenheit bei
den Schülerinnen und Schülern habe ich
in all meinen Jahren auf der Oberstufe an
einem «Schulgrossanlass» nie zuvor erlebt.
Ihr habt die Schüler und Lehrpersonen wirklich erreicht. Ich bin stolz auf Euch und auf
diesen Morgen.»
G. Simmen
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Ausblick
QUASIMODO
GENITI
«Du bist die schönste
Hässlichkeit,
die ich je in meinem Leben
gesehen habe.»
(Meister Coppenole zu Quasimodo
in «Glöckner von Notre Dame»)
Die Weltaufführung war im Oktober 2009
in Berlin beim Festival No Limits
Nun steht die deutschschweizer Tournee
an (siehe Agenda).
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«Jeder ist anders!», so heisst das
Kunstprojekt, das die Masterthese
der Absolventin der interkantonalen
Hochschule für Heilpädagogik HfH
Zürich, Heidi Christen, begleitet. Ihr
Arbeitstitel: «Kunst als Wegbereiterin
für eine integrative Schulkultur». Sie
beobachtet darin die Einstellungen
der Schulkinder gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung.
In diesem Zusammenhang kam
es vom 18. August bis zum 15. September 09 zum Zusammenschluss
mit dem Projekt «AndersSein» des
Theater HORA. In den Genuss dieser
speziellen Art von Bildung kamen die
Kinder und Erwachsenen der Schuleinheit Steinmürli in Dietikon ZH.
Urs Beeler, Lorraine Meier und Marcel
Trinkler, die Künstler des Theater
HORA, bewegten mit ihrem Projekt
«AndersSein» 18 Klassen der Primarstufe. Die Kinder und ihre Lehrper-
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sonen erlebten das Thema «Integration von Kindern und Jugendlichen mit
geistiger Behinderung» auf spielerische Weise hautnah. Sie schmunzelten, lachten, staunten, bewunderten und fragten, dachten nach
und kamen ins Grübeln, sprachen
an, traten zurück, probierten aus, erfuhren und – lernten: Jeder ist anders!
Das Projekt ‘AndersSein’ startet mit
der Aufführung ‘Der Gastschüler’.
Das Stück spielt im Klassenzimmer
der zuschauenden Schülerinnen und
Schüler. Zu erleben gibt es Integration pur, sowie die Geschichte einer besonderen Freundschaft. Im Anschluss
daran findet ein Gespräch mit den
beiden Schauspielern statt. Die zwei
bis vier Lektionen des Workshops
haben zum Ziel, in den Schülerinnen
und Schülern die Neugierde nach Unbekanntem, Fremdem und Andersartigem zu wecken und in der direkten
spielerischen Begegnung mit einem
Menschen mit einer Beeinträchtigung Ängste zu nehmen. Das Ziel ist
auch, allfällige Vorurteile abzubauen
und Staunen über ungeahnte Fähigkeiten auszulösen. Zudem bieten der
Workshop den Lehrkräften Inputs
und Möglichkeiten zum weiteren
Umgang mit dieser, durch die Umsetzung des sonderpädagogischen
Konzeptes in der Stadt Zürich, sie immer stärker betreffenden Thematik.
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November. Am Schluss gibt es drei
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DIE HORA-PROJEKTE
In diesem Magazin werden über die
vielfältigen Projekte und Erfolge des
Theater HORA berichtet. Dahinter
steht ein Team, das mit viel Herzblut
und grossem Engagement immer
wieder neue Ideen umsetzt. Obwohl
das wichtige Voraussetzungen sind,
ist das Theater HORA zwingend auf
Personen angewiesen, welche die Projekte auch finanziell unterstützen.
Als Mitglied des Vereins Theater
HORA bleiben Sie über alle laufenden Projekte informiert und Ihr
jährlicher Mitgliederbeitrag von CHF
100 kommt den aktuellen Produk-
tionen zu Gute. Sie leisten damit
einen wichtigen Beitrag zum Erfolg
des Theater HORA und ermöglichen
professionelle künstlerische Arbeit
mit Menschen mit einer Behinderung.
Für den Mitgliederbeitrag oder eine
Spende können Sie den beiliegenden
Einzahlungsschein verwenden, oder
direkt auf das PC- oder CS-Konto
einzahlen. Wir danken Ihnen für die
Unterstützung!
Möchten Sie Mitglied des Vereins
Theater HORA werden oder einfach
mehr darüber erfahren, so wenden
Sie sich an Conny Marinucci im
HORA Sekretariat (Tel. 044 405 71 40,
verein@hora.ch) oder an Simon
Heller, Präsident Verein Theater
HORA (simon.heller@gmail.com).
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
Kto. 344491-00, Clearing-Nr.: 4835
PC 80-500-4
BEGEGN
DEN ELT UNG MIT
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Matthias Brücker ist in der Ausbildung beim Theater HORA Züriwerk
zum Schauspielpraktiker seit August 2009. Seine Eltern wurden interviewt
von Ursula Dobler, Vorstand Verein Theater HORA.
Matthias Brücker, 18 Jahre alt, ist
der erste Auszubildende der HORA
Schauspielschule Zürich. Um mehr
von Matthias und seinen Eltern,
Peter und Bea Brücker, zu erfahren,
habe ich ein Treffen bei der Familie
zu Hause in Bergdietikon vereinbart. Getroffen aber habe ich die
Eltern an einem der letzten warmen
Sommerabende in der Cafeteria im
Limmattalspital. Matthias lag zu
dieser Zeit mit einer Lungenentzündung auf der Intensivstation. Trotz
der schwierigen Situation wollten
die Eltern den vereinbarten Termin
einhalten und mir von ihrem Leben
mit Matthias erzählen.
Wie war der Start von Matthias
ins Leben und wie war die Situation für Euch als Eltern, als Ihr
erfahren habt, dass Euer Kind
Trisomie 21 hat?
Bea: Wir waren sehr erschrocken
damals als unser Wunschkind,
genau in diesem Spital hier, nach
einer langen und strengen Geburt
zur Welt kam und wir ziemlich unsanft vom Arzt aufgeklärt wurden,
unser Knabe hätte Anzeichen auf
Mongolismus.
Peter: Dieses Kind wollte ich nicht
nach Hause nehmen. Vorstellungen
von Menschen mit Down Syndrom
hatte ich sofort vor mir. Das wollte
ich nicht.
Bea: Ja, es war eine schwere Zeit.
Die Eltern von Peter haben uns
geholfen, die ersten Schritte auf
Matthias zu zu machen. Peter hat
ihn auf den Arm genommen und
von diesem Zeitpunkt an war und
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Peter: Nie mehr würde ich jetzt
Matthias missen wollen. Er kann
ehrliche Gefühle zeigen, wie kaum
jemand sonst und wir können viel
von ihm lernen. Er ist überall beliebt, gut integriert und liebt es vor
Menschen zu stehen.
Hat Matthias die öffentlichen
Schulen besucht?
Bea: Er war in der Spielgruppe und
danach ist die Kindergärtnerin auf
uns zu gekommen mit dem Vorschlag, Matthias in den öffentlichen
Kindergarten zu integrieren, sie
würde diese Aufgabe gerne übernehmen. Das hat uns natürlich sehr
gefreut.
Peter: Später hat sich die Schulpflege eingeschaltet und wir mussten
gegenseitig einen Vertrag unterschreiben, dass wir keine Ansprüche
stellen würden im Bezug auf die spätere Einschulung in die erste Klasse.
Bea: Matthias hatte eine Begleitperson im Kindergarten und ab und zu
wurde die Heilpädagogin der Heilpädagogischen Schule Bremgarten
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beigezogen. Diese Zeit hat bewirkt,
dass Matthias enorm viele Kinder
von unserem Dorf kennen gelernt
hat. Es war eine zeitlich sehr intensive Zusammenarbeit. Danach hat
für Matthias die Schulzeit in der
Heilpädagogischen Schule Wettingen begonnen.
Wann hatte Matthias den ersten
Kontakt zum Theater?
Bea: Ich hatte durch Zufall gehört,
dass Michael Elber vom Theater
HORA, schauspielbegeisterte Kinder
und Jugendliche mit einer Behinderung suchte. So ging ich mit Matthias, damals 11 Jahre alt, an ein Casting und er wurde aufgenommen.
Seine drei Jahre jüngere Schwester
Selina war ebenso begeistert und da
es nicht sehr viele Teilnehmende
dort gab, konnte auch sie bleiben.
Peter: Das war eine sehr intensive,
schöne Zeit. Wöchentliche Proben
wechselten ab mit mehr zeitlichem
Aufwand bei Produktionen. Video
aufnahmen erinnern uns noch
heute an diese Zeit.
Bea: So wurden wir auch Mitglieder
im Theater HORA, bekamen alle
Informationen und besuchten auch
dort verschiedene Aufführungen.
Auf diese Weise erfuhren wir, dass
Urs Beeler, welcher für die Förderung des Nachwuchs für das Theater
HORA zuständig war, wieder neue
Schauspieler brauchte. Matthias war
sofort überzeugt, dass das der richtige Platz für ihn sei und so fuhren
wir die letzten Jahre jeden Samstag
nach Zürich in den Casino-Saal
Aussersihl zur Probe. Der Vorschlag
nun von Seiten des Theater HORA,
Matthias in das Ensemble der Profis
wechseln zu lassen, löste bei ihm
wiederum grosse Begeisterung aus.
Warum habt Ihr Matthias für die
Schauspielpraktiker Ausbildung
angemeldet?
Bea: Wir waren bei der IV-Berufsberatung schon vor einem Jahr. Viele
Wechsel dort machten die Beratung
schwierig und wir entschieden,
Matthias ein weiteres Jahr in der
Heilpädagogischen Schule zu lassen.
Für die IV-Anlehre als Industriepraktiker konnte er dann in diesem Jahr
schnuppern.
Peter: Wir bekamen aber den
Bescheid, dass er sich dafür nicht
eigne. Lange Zeit an einem Tisch zu
sitzen ist schwierig für ihn. Genau
zu dieser Zeit erfuhren wir von der
Möglichkeit einer Ausbildung als
Schauspielpraktiker im Theater
HORA, wussten aber noch nicht,
ob die IV auch bereit ist, dafür zu
bezahlen. Die Berufsberaterin war
darüber nicht informiert, aber der
Meinung, wie sollte jemand Schauspieler sein können, der abgelehnt
wird, eine IV-Anlehre machen zu
können.
Bea: Wir Eltern machten uns stark
für Matthias und hatten viele Gegenargumente. Nach einem Besuch
der Berufsberaterin im HORA bei
einer Theaterprobe, an welcher auch
Matthias mit dabei war und nach
einem informativen Gespräch über
diese neue Ausbildung mit Michael
Elber und Jacqueline Moro war klar,
dass Matthias diesen beruflichen
Weg gehen kann.
Peter: Es hatte sich gelohnt, die
Begabung von Matthias im Auge zu
behalten. Seine Fähigkeit, Gefühle
auszudrücken, sich in Rollen zu be-
geben, das wird er jetzt noch intensiver lernen, auch wenn er jeweils
sehr müde von seinem Arbeitsplatz,
den er selbständig und allein erreicht, nach Hause zurückkehrt.
Michael Elber wird Matthias während seiner zwei Jahre immer wieder
mit der Kamera begleiten, damit
eine informative Dokumentation
entsteht über diese Ausbildung.
Was sind Eure Erwartungen als
Eltern?
Peter: Matthias hat die Möglichkeit,
seine musischen Fähigkeiten auszuleben. Er kann täglich dem nachgehen, was seine Leidenschaft ist. Das
ist ein grosses Privileg. Ich sage oft
zu Matthias, wenige Menschen haben das Glück, das machen zu können, was sie am liebsten machen.
Sei stolz auf dich! Wenn ich zurückdenke an den Anfang von seinem
Leben, unsere Enttäuschung, unsere
Trauer, muss ich heute sagen, es ist
optimal gelaufen. Jetzt macht er 60%
Theater, 10% Schule und 30% wäre
Beschäftigung, und weil er nicht
der ist, der gerne ruhig am Tisch
sitzt, kann er dieser Beschäftigung
im Casino-Saal nachgehen, indem
er dem Hauswart zur Seite steht.
Kulissen in Stand stellen, putzen,
aufräumen – genau das Richtige für
Matthias. Er kann seine körperliche
Kraft ausleben.
Bea: Erst habe ich gedacht, Matthias muss doch etwas Vernünftiges,
Richtiges lernen. Aber gemeinsam
mit meinem Mann habe ich erkannt, Matthias muss seine Chance jetzt nutzen. Was die Zukunft
bringt, wissen wir nicht.
Ich bin beeindruckt vom Leben von
diesem jungen Mann. Mit einer
Einladung zur ersten Vernissage seiner Bilder in der Tasche mache ich
mich auf den Heimweg. Schon jetzt
freue ich mich auf den Moment, wo
ich Matthias persönlich und wieder
gesund kennen lernen kann. Sei es
im Stück Quasimodo geniti oder an
der Ausstellung seiner farbenfrohen
Bilder.
Herzlichen Dank seinen Eltern
Bea und Peter für das offene und
ehrliche Gespräch.
Ursula Dobler
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Rückblick:
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AGENDA JUNI–NOVEMBER 2009
HORA UND OKKUPATION!
«Das Lächeln aus Versehen» HORA/Kroog/Blauzone
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So
12. Juni, 20.00 Uhr
13. Juni, 20.00 Uhr
14. Juni, 20.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
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HÖHRA «andromeda tapes», ein Hörspiel-Projekt
Mo
15. Juni, 19 und 22 Uhr
Urania Sternwarte, Zürich
Faust 1 & 2 mit dem HORA-Ensemble, der HORA`BAND und weiteren MitspielerInnen
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16. Juni, 19 Uhr
17. Juni, 19 Uhr
Aktionshalle Rote Fabrik
Aktionshalle Rote Fabrik
HORA‘BAND zum Festivalabschluss
Sa
20. Juni, 20 Uhr
Kunstraum Walcheturm
HORA in Berlin beim Festival NO LIMITS vom 15.-19. Oktober 09
Weiterhin
HORA‘BAND ON TOUR
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19. Juni 09, 20 Uhr
Arts Community Festival,
Dampfzentrale Bern
Sa
8. August 09 Art Obscura Festival,
Mülheim an der Ruhr, Deutschland
WELTURAUFFÜHRUNG«QUASIMODOGENITI»
Segenskirche am Prenzlauerberg, Berlin
WIEDERAUFNAHME «FAUST 1 & 2»
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Kulturbrauerei, Berlin
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Aufführungen des Theaternachwuchses der 3. TheaterWerkstatt
«DIE FROSCHPRINZEN UND DIE
ZERTANZTEN SCHUHE»
frei nach dem Märchen der Gebrüder Grimm
Sa
11. Juli 2009, 10.45 Uhr
Sa
11. Juli 2009, 14.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
(öffentliche Hauptprobe)
Casino-Saal Aussersihl
TOURNEE «QUASIMODO GENITI»
Schweizer Erstaufführung
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23. Okt. 09, 20 Uhr
24. Okt. 09, 16 und 20 Uhr
30. Okt. 09, 20 Uhr
13. Nov. 09, 20 Uhr
14. Nov. 09, 16 und 20 Uhr
City-Kirche St Jakob, Zürich
City-Kirche St Jakob, Zürich
Ev.-ref. Kirche Zürich-Albisrieden
City-Kirche St Jakob, Zürich
City-Kirche St Jakob, Zürich
6./7./8. November 09
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Unsere HOMEPAGE ist seit Februar 2009 im neuen Kleid
ersichtlich und auch in Englisch abrufbar.
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Weitere Aufführungen in Zürich, St. Gallen, Zug und Basel folgen.
AUFFÜHRUNGEN DER HORAMATEURE
«SPIEGLEIN,SPIEGLEIN...»
Alle aktuellen Spieldaten und Informationen über weitere
Theater-Produktionen wie «The Fool on the Hill»,
«Herz der Finsternis», «Der Gastschüler» oder «Die Lust
am Scheitern» finden Sie auf www.hora.ch
Zauberwerk
editorial
Zauberwerk
editorial
Liebe
HoraFreundinnen
und-Freunde
Liebe HORA-Freundinnen
und -Freunde
Als frischgebackene Direktorin der Stiftung Züriwerk wurde ich letzthin gefragt,
was das Theater HORA eigentlich im
Züriwerk soll. Es kostet ja nur, zumal trotz
erfolgreichem Fundraising Ende Jahr immer noch ein Defizit bleibt! Auch lässt sich
die Marke HORA nicht so einfach unter
der Erscheinung «Stiftung Züriwerk» unterordnen, zu bekannt und etabliert ist der
Name. Die TheaterbesucherInnen möchten
eine Vorstellung des Theater HORA besuchen, was sich dahinter verbirgt, nämlich
die «Stiftung Züriwerk» interessiert nicht,
weil sie in diesem Zusammenhang nicht
richtig zu fassen ist.
Diesen Widrigkeiten zum Trotz müssen
und wollen wir als Stiftung Züriwerk hinter
dieser Idee HORA stehen: Sie ist uns wichtig, weil Kunst schlicht und einfach zum
Leben gehört!
Züriwerk hilft mit, dass Menschen mit
einer Behinderung ihr besonderes Talent
zum Beruf machen, künstlerisch tätig
sein können. Das Theater HORA schafft
Arbeitsplätze und bietet einen kreativen
Raum für ausdrucksvolle, spielfreudige,
anziehende, starke Menschen, die von Natur aus fürs Schauspielern begabt sind. Und
zwar ganz besonders dazu begabt sind!
Züriwerk trägt zu einem kulturellen
Genuss der besonderen Art bei. Im Theater
HORA werden umwerfende, nachdenkliche, spannende und traurige Geschichten
erzählt. Und dies von Menschen, denen
keine Schauspielakademie beigebracht hat,
auf der Bühne zu stehen. Wie diese Menschen auftreten, erzählen und uns in ihren
Bann ziehen!
Im Theater HORA werden die KünstlerInnen und SchauspielerInnen permanent
gefordert ihr Bestes zu geben. Sie tun es
mit einer überwältigenden Bühnenpräsenz
und einer Identifikation mit ihrer Rolle die
an Selbstverlorenheit grenzt.
Das HORA Ensemble erbringt mit seinen
Produktionen kulturelle Leistungen, die
unser, die mein Leben mit jedem Theaterbesuch bereichern. Die Stiftung Züriwerk
schafft mit ihrem Engagement für das
Theater HORA Platz für ein besonderes
Stück Kultur. Diesem besonderen Stück
Kultur müssen wir schlicht und einfach
Sorge tragen. Herzlichen Dank Ihnen allen,
die uns darin unterstützen.
Beata Hochstrasser,
Direktorin Stiftung Züriwerk
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Die Projekte von Theater HORA Züriwerk
leben von Mitgliederbeiträgen des
Verein Theater HORA, Spenden und Sponsoren.
Besonderen Dank gilt folgenden Mitgliedern,
Spendern* und Sponsoren
ALLGEMEINE UNTERSTÜTZUNG:
HOLDIT
Stiftung Dr. Valentin Malamoud
Pfarrkonvent evang.-ref. Kirchgemeinden
Evangelischer Frauenbund Zürich
GSM GEAR SPARES + MAINTENANCE AG
Evang.-ref. Kirchgemeinde Andelfingen
A. Fritzsche
T. Schwarzenbach
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DIE ZWEITE
PROJEKTBEZOGENE UNTERSTÜTZUNG:
TANZPALAST
Gemeinde Berg am Irchel
Verein Theater HORA
HORA‘BAND UND DAS TONTRÄGERPROJEKT
«RAUMSCHIFF HORA»
Buchmann Kollbrunner Stiftung
Kirchenrat des Kanton Zürich
Migros Kulturprozent
Stadtverband Evang. Ref. Kirchgemeinden
Stiftung Denk an mich
Röm.-kath. Pfarramt St. Anton
Verein Theater HORA
FORT- UND WEITERBILDUNG
DER HORA-SCHAUSPIELERINNEN
Ernst Göhner Stiftung
KPMG Foundation
Verein Theater HORA
OKKUPATION! 09
RPH-Promotor Stiftung Vaduz
EDI – EBGB
(Eidgenössisches Departement des Innern –
Eidg. Büro für die Gleichstellung von Menschen
mit Behinderung)
Sozialdepartement der Stadt Zürich
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Stiftung Denk an mich
Migros Kulturprozent
Pro Infirmis Zürich
Martha Bock Stiftung
Verein Theater HORA
QUASIMODO GENITI
Stanley Thomas Johnson Stiftung
Hamasil Stiftung
Stiftung Denk an mich
Zürcher Kantonalbank
Alexis und Victor Thalberg Stiftung
Stadt Zürich, Kultur
Hürlimann-Wyss Stiftung
Giuseppe Kaiser-Stiftung
Verein Theater HORA
Co-Produktion HORA/KROOG/BLAUZONE
«Das Lächeln aus Versehen»
Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr
Verein Theater HORA
HÖHRA «ANDROMEDA TAPES
Bildungsclub Pro Infirmis
Kultur- und Sozialstiftung Möbel Pfister
Verein Theater HORA
Stand April 09
*verdankt werden Spenden ab SFr. 500.–
Zauberwerk
DIE ZWEITE
UNSERE HORAs
BEI IHNEN ZU
HAUSE
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Verbringen Sie mit unseren SchauspielerInnen eine lustvolle und erfahrungsreiche Zeit, sei es bei Ihnen oder bei uns
im Casino-Saal Aussersihl. Treten Sie
ein in die faszinierende Welt des Theaters und bauen Sie so Brücken in Ihren
(beruflichen) Alltag.
Kontakt: HORA Büro: 044 405 71 41
oder hora@zueriwerk.ch
Theater HORA Züriwerk
Administration
Baslerstr. 30
Postfach 1029, 8040 Zürich
Zauberwerk
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«Du bist die schönste
Hässlichkeit, die ich je
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dem Theater HORA
gegeben, was sie für
mich sehr spannend
und herausfordernd
macht.
Rahel Bucher
Zauberwerk
RÜCKBLICK
UNTER DER LEITUNG VON PETER KELLER (HORA ENSEMBLE),
BEAT FÄH UND CARL-LUDWIG HÜBSCH
WORKSHOP AN DER MUSIKHOCHSCHULE STUTTGART
IMPROVISATION AUF HOHEM NIVEAU
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Der deutsche Musiker Carl Ludwig Hübsch
und der Schweizer Regisseur Beat Fäh luden
im Rahmen ihres Lehrauftrags an der Musikhochschule Stuttgart den Schauspieler
Peter Keller vom Zürcher Theater HORA
als Überraschungsgast ein. Das Seminar von
Hübsch und Fäh untersuchte Grundbedingungen für improvisatorische Vorgänge.
15 Studentinnen und Studenten der Jahrgänge II und III erarbeiteten unter der Leitung
von Hübsch/Fäh einen Katalog von ästhetischen und inhaltlichen Möglichkeiten, um
Freiräume zu öffnen, die sich später auch im
klassischen Rollenspiel bewähren müssen.
Als Prüfstein für die StudentInnen improvisierte Peter Keller auf der Studiobühne der
Musikhochschule in mehreren vorwiegend
musikalisch determinierten Zyklen. Peters
Fähigkeit, Situationen von unterschiedlich hohen Abstraktionen im leeren Raum
entstehen zu lassen und dabei immer in
höchstem Masse authentisch zu sein, begeisterte alle SchauspielerInnen und alle anwesenden ProfessorInnen. Die Begegnung
mit Peter wird den StudentInnen mit Sicherheit den wichtigsten Impuls des ganzen
Seminars gegeben haben. Sein Witz, seine
Wärme, seine schauspielerische Zielsicherheit und sein überragendes Timing werden
wohl die SchauspielerInnen während ihrer
Ausbildung wie ein lebendiger Mythos
begleiten. Ich hoffe, er wird ihnen auch ein
Prüfstein für ihre weitere schauspielerische
Arbeit sein. Für die Anliegen der Menschen
mit geistiger Behinderung hat Peter einen
unbezahlbaren Beitrag geleistet.
Beat Fäh
Zauberwerk
RÜCKBLICK
FAUST ODER NICHT FAUST?
DAS IST HIER DIE FRAGE!
«TANZPALAST» –
EIN BEGEISTERNDES FEST
Am 28. und 29. November 2008 erlebte das
Landihaus Berg am Irchel eine wundersame
Verwandlung: Das Theater HORA und das
JAMs Tanztheater machten das Landihaus an
diesen beiden Abenden zum Tanzpalast. Mit
erfrischender Leichtigkeit setzten sie um, was
sie versprochen hatten:
Alle drehten aufeinander zu und feierten mit
dem Publikum ein ungewöhnliches Fest.
Sowohl die SchauspielerInnen des Theater
HORA begeisterten als auch die Kinder
und Jugendlichen von JAMs, der JazztanzGruppen von Jacqueline Moro. Gemeinsam
spielten und tanzten sie mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit ohne Berührungsängste. Dies war umso erstaunlicher, als
dass die SchauspielerInnen und die Tänzerinnen einander erst im Herbst kennengelernt
hatten. Jacqueline Moro gelang es sehr gut,
kleine und grössere Mädchen, Teenager
und SchauspielerInnen miteinander zu einer
Einheit zu verschmelzen und sie als Gesamtkunstwerk auftreten zu lassen.
Wen auch immer man nach den beiden
Aufführungen fragte; alle Beteiligten, ob
Kind, Jugendliche, SchauspielerInnen oder
ZuschauerInnen, waren begeistert über das
Geleistete, das Gesehene und Gehörte. Die
Aufführung war ein würdiger Höhepunkt
zum zehnjährigen Bestehen von JAMs!
Peter Haslebacher
Ein buntgemischtes Ensemble aus gegenwärtigen
und zukünftigen HORA SchauspielerInnen,
TheaterpädagogInnen und LaiendarstellerInnen,
die sich für den Workshop bei Michael Elber
angemeldet hatten, setzten sich mit dem Thema
«Was um Himmelswillen ist den so schlimm am
Verweilen?» auseinander und zeigten einem interessierten Publikum ihre Interpretation anlässlich
einer Werkschau. Als musikalische Umgarnung
war die HORA`BAND eine wunderbare Bereicherung.
Aufgrund des vollen Erfolgs wird das Stück
nochmals aufgeführt. Siehe Rubrik Ausblick.
«TANZPA
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
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Wie und in welcher Gesellschaft wollen wir
leben? Dieser grossen, zugegeben kaum zu
beantwortenden Frage will sich das internationale Theaterfestival «OKKUPATION!»
zumindest ansatzweise nähern. Stand das
erste Festival 2007 unter dem Motto, mit
der Kunst sogenannter Aussenseiter den
anerkannten (Kultur-)Raum temporär zu
besetzen, sieht sich «OKKUPATION!» 2009
neben der künstlerischen Qualität vor allem
einer inhaltlichen Auseinandersetzung verpflichtet. Veranstaltet von Theater HORA
Züriwerk und seinen zahlreichen Partnern,
präsentiert das Festival ein Programm,
das sich mit Theater, Tanz, Performance,
Konzerten, Filmen und Lesungen auf die
Suche begibt nach Bedingungen persönlicher Individuation und gemeinschaftlichen
Zusammenlebens.
SPIELORTE
Theaterhaus Gessnerallee, Schiffbau
(Schauspielhaus), Rote Fabrik, Tanzhaus Zürich,
Casino-Saal Aussersihl, Urania-Sternwarte
Zürich, Kunstraum Walcheturm, City-Kirche am
Stauffacher, Festivalzentrum: Zeughaushof.
HORA ist bei der OKKUPATION!
mit verschiedenen Projekten präsent!
siehe Agenda oder www.hora-okkupation.ch
HÖHRA «andromeda tapes»
Ein AudioProjekt des Theater HORA Züriwerk
und des Bildungsclub Pro Infirmis Zürich
Eines Tages im Jahr 2009 sind «sie» da. «Sie»
kommen von Andromeda und haben sich
gut auf ihren «Besuch» vorbereitet. Ihr Aussehen: exakt menschlich. Ihre Sprache: der
örtliche Dialekt in Zürich. Nahezu inkognito mischen sich die Ausserirdischen unter
die Menschen und erforschen die Kultur
der Stadt. Dabei werden ihre einzigartigen
Stimmen aufgezeichnet. Die «Tapes» stehen
am Aufführungstag den ZuhörerInnen
exklusiv zur Verfügung, bevor die Dokumente ihre lange Reise antreten, zurück in
die Weite des Alls. Allerdings gestaltet sich
die Abreise schwieriger als erwartet…
Die «andromeda tapes» werden am
15.6. 2009 im Rahmen des Festivals
«OKKUPATION!» hörbar gemacht.
Siehe Agenda.
FAUST
1&2
Zauberwerk
Ausblick
Wiederaufnahme mit HORA-Ensemble,
HORA`BANDundweiterenMitspielerInnen
Heinrich Faust, ein angesehener Forscher
und Lehrer, zieht Bilanz in seinem Leben
und kommt zu einem doppelt niederschmetternden Fazit: Obwohl er bald den
perfekten Menschen geklont haben wird,
fehlt es ihm an tiefer Einsicht und brauchbaren, wirklich sinnvollen Ergebnissen.
Zudem ist er als Mensch unfähig, das Leben
zu geniessen. In dieser verzweifelten Lage
verspricht er Mephistopheles seine Seele,
wenn es diesem gelingen sollte, ihn aus
seiner Unzufriedenheit und Ruhelosigkeit
zu befreien. Gleichzeitig weiss Faust, dass
er immer ruhelos, getrieben, unzufrieden,
macht- und geldgierig bleiben wird. Mephistopheles nimmt Faust mit auf eine Reise
durch die Welt, verschafft ihm Einblick
in Banalitäten und Mysterien, in Finanzskandale und Kriege, Drogentrips und
Schönheitsoperationen und verstrickt ihn
in die tragisch verlaufende Liebschaft mit
der jungen Margarete, genannt Gretchen.
Doch was hat das alles mit «Philemon und Baucis» der schönsten Liebesgeschichte der Welt zu tun?
Das Theater HORA entführt Sie einmal
mehr mit einem Literaturklassiker in
seine eigene, einfach skurrile Welt der
theatralen GrenzgängerInnen. Wenn Sie
einmal im Leben «Faust 1 & 2» am selben Abend sehen und verstehen wollen;
dann haben Sie hier die Möglichkeit.
Als besonderer Leckerbissen wird das
Stück von der famosen HORA’BAND
begleitet. Ihr genialer Theater-Soundtrack,
mit den Songs wie «Desire», «Take it
easy», «Coca light» und «Küss mich jetzt»
werden Sie verzaubern. Und nach «Going
Underground» werden Sie verzweifelt
aufstöhnen: «Augenblick; verweile doch,
du bist so schön!» Wollen wir wetten?
Lassen Sie sich diese Wiederaufnahme nicht
entgehen. Zum letzten Mal in Zürich!
Aktionshalle Rote Fabrik 16. und 17. Juni,
19.00 Uhr innerhalb der OKKUPATION!
Zauberwerk
ANGEBOT
Zauberwerk
Angebot
FÜR KINDER
UND JUGENDLICHE
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Aufführungen: 6.
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Regie: Salomé Sc
und schwarz
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Kursleiterin
Salomé Schwarzb
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079 787 93 70
salome.schwarzb
ach@gmx.ch
‘DIE FROSCHPRINZEN UND DIE
ZERTANZTEN SCHUHE’
frei nach dem Märchen der Gebrüder Grimm ‘Die zertanzten Schuhe’
Samstag 11. Juli 2009, 10.45 Uhr, CasinoSaal Aussersihl (öffentliche Hauptprobe)
Samstag 11. Juli 2009, 14.00 Uhr,
Casino-Saal Aussersihl
Aufführung der TeilnehmerInnen der dritten Auflage der Kinder und Jugendwerkstatt
Die TheaterWerkstatt bietet Kindern und
Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung die
Möglichkeit, sich in einer ihnen nahestehenden Ausdrucksform auszuprobieren
und weiterzubilden und sogar in einer
öffentlichen Aufführung mitzuwirken.
Gleichzeitig ist sie aber auch Nachwuchsförderung für das Theater HORA, indem
sie Jugendlichen vor dem Schulabgang
‘Berufsorientierung’ sein kann. Wer in der
TheaterWerkstatt mitgespielt hat, weiss was
Theater spielen bedeutet, hat erfahren, wie
gross seine/ihre Lust dazu ist, was in der neu
angebotenen Ausbildung zur SchauspielerIn (PrA) gefordert wird und ob er/sie das
Theaterspielen zum Beruf machen will.
Die TheaterWerkstatt 2009/10 startet nach
den Sommerferien und findet jeweils am
Samstagnachmittag von 13.00 bis 15.00 Uhr
im Casino-Saal Aussersihl statt. Sie steht
Kindern und Jugendlichen ab acht Jahren
gegen Entrichtung einer Kursgebühr offen.
InteressentInnen sind jederzeit herzlich
zu einer Schnupperprobe eingeladen.
Anmeldung:
Urs Beeler, Winzerhalde 6, 8049 Zürich,
044 341 46 09 – 078 634 30 34
beegeo@bluewin.ch
Weitere Informationen unter
www.machtheater.ch
Die TheaterWerkstatt 2008/09
wird unterstützt von
STIFTUNG DENK AN MICH und der
STIFTUNG FÜR DAS BEHINDERTE KIND
Zauberwerk
ANgebot
Das Projekt
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Aufführung ‘Der Gastschüler’
und Workshop mit zwei Spielern
für alle Schulklassen der Unter- und
Mittelstufe, sowie StudentInnen von
sozialen und pädagogischen Berufen.
«‘Der Gastschüler’ war das wirklich
Eindrücklichste seit langer Zeit. Ich habe
das Stück früher schon einmal gesehen
und es deshalb meiner Klasse unbedingt
zeigen wollen. Das Theaterstück war
ganz nahe an der Welt der Kinder. Die
Diskussion anschließend ans Stück war
sehr eindrücklich. Schülerinnen, Schüler
und Schauspieler haben mutig gewagt,
schwierige Fragen zu stellen und zu
beantworten. Das Thema beschäftigt die
Kinder auch jetzt noch…» - Christine
Morscher, Schulhaus Kolbenacker Zürich
Das Projekt ‘AndersSein’ startet mit der
Aufführung ‘Der Gastschüler’. Das Stück
spielt im Klassenzimmer der SchülerInnen.
Zu erleben gibt es Integration pur, sowie die
Geschichte einer besonderen Freundschaft.
Im Anschluss daran findet ein Gespräch
mit den beiden Schauspielern statt. Die
zwei bis vier Lektionen des Workshops
haben zum Ziel, in den SchülerInnen die
Neugierde nach Unbekanntem, Fremdem
und Andersartigem zu wecken und in der
direkten spielerischen Begegnung mit
einem Menschen mit einer Beeinträchtigung Ängste zu nehmen. Das Ziel ist auch
allfällige Vorurteile abzubauen und Staunen
über ungeahnte Fähigkeiten auszulösen. Zudem bieten sie den Lehrkräften Inputs und
Möglichkeiten zum weiteren Umgang mit
dieser, durch die Umsetzung des sonderpädagogischen Konzeptes im Kanton Zürich,
sie immer stärker betreffenden Thematik.
Das Projekt wird unterstützt von
der Paul Schiller Stiftung und
schule&kultur, Bildungsdirektion
Kanton Zürich.
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Maskenbau-Kurs mit Michael Elber
19. Juli und 26. Juli, 09.00 Uhr - 17.00 Uhr
Casino-Saal Aussersihl
Der Bau einer Maske macht Spass (auch für Menschen mit Behinderung), weil man beim Formen
mit dem Ton nichts falsch machen kann. Wer sagt
denn, dass das Gesicht eine schöne Nase haben
muss oder einen freundlichen Mund? Muss ein
Mund überhaupt sein? Ob dick oder dünn, alt oder
jung: es ist egal! Sie ist, wie sie ist! Jede für sich.
Wie wir! Nach Fertigstellung des Motivs aus Ton,
dem Kaschieren mit Basler Masken-Papier und
dem Einfärben, stellt sich die Maske (kurz) der
Gruppe vor. Dies ist das Ziel dieser zwei Tage.
Kosten: SFr. 130 pro Person (inkl. Material)
Mitnehmen: Föhn und Arbeits-hemd oder Schürze.
Anmeldung bis Ende Mai 09, m.elber@zueriwerk.ch
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Dieses Jahr konzentriert sich die
HORA‘BAND auf die Aufnahmen zum
neuen Album « Raumschiff HORA»
(Arbeitstitel). Einige Stücke sind schon
im Kasten.
Die Band war und ist auch in diesem Jahr
immer wieder zu hören und zu sehen und
kann selbstverständlich auch gebucht
werden.
Besuchen Sie die MySpace Seite der
HORA‘BAND. Da finden Sie bisher
unveröffentlichtes Material wie den Song
«Chasing Rainbow» vom neuen Album.
www.myspace.com/thehoraband
Kontakt
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Okkupation 2009
Vom 10. – 20. Juni 2009 find
et die zweite
Okkupation! in Zürich statt (ein
internationales Theaterfestival in Zusam
menarbeit mit
Basel, Bern und Genf )
Workshops an Schu
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Unser reichhaltiges
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Marinucci im HORA Sekretariat (Tel. 044
405 71 40, verein@hora.ch) oder an Simon
Heller, Präsident Verein Theater HORA
(simon.heller@gmail.com).
Für den Mitgliederbeitrag oder eine Spende können Sie den beiliegenden Einzahlungsschien verwenden, oder direkt auf
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danken Ihnen für die Unterstützung!
Verein Theater HORA
8040 Zürich
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Verein Theater HORA
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Kto. 344491-00, Clearing-Nr.: 4835
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unterstützt die
HORA-Projekte
Guido Simmen,
Chorleiter von VoiceSteps
interview von Remo Beuggert,
Schauspieler Theater HORA:
Hast duVoiceSteps gegründet? Und wie lange
besteht dieser Chor schon?
Ja, ich habe 1983 den Kinderchor Cham gegründet. Er hieß «Chamer Spatze» und war
eigentlich der Kinderkirchenchor. Seither
hat er mich durch mein Leben begleitet und
dieses geprägt. Dass daraus eine Musicalschule wurde, hat sich dann in kleinen
Schritten ergeben. VoiceSteps ist seit 10
Jahren unser Name und der Name sagt
auch, dass wir uns schon seit längerer Zeit
nicht nur als Chor verstehen. Heute hat die
Musicalschule VoiceSteps 180 Kinder und
Jugendliche zwischen 4 u. 25 Jahren.
Wenn du frei entscheiden könntest, wo
am liebsten würdest du auf der Welt mit
VoiceSteps auftreten?
Das ist eine spannende Frage. Ich habe
gerade nicht eine bestimmte Bühne oder
einen bestimmten Ort im Kopf. Ein Traum
für jeden Musicalproduzenten ist sicher, ein
Stück in einem der grossen Musicaltheater
inszenieren und spielen zu können. Einmal
mit VoiceSteps in einem Profitheater spielen können und einfach technisch und mit
der Infrastruktur aus dem Vollen schöpfen
zu können, das wäre schon toll.
Hast du eine Gesangsschule absolviert?
Ich habe fünf Jahre Gesangsunterricht bei
verschiedenen, ganz tollen Gesangslehrern genossen. Außerdem habe ich fünf
Semester an der Akademie für Schul- und
Kirchenmusik in Luzern studiert. Aber ich
habe natürlich auch extrem viel mit und
von den jungen Menschen in meiner Arbeit
als Chorleiter und Musiklehrer gelernt.
Hast du eine Familie?
Ja, ich bin verheiratet und habe drei lässige
und liebe Kinder. Meine Tochter ist 13,
mein Sohn wird bald 11 und dann haben wir
noch einen kleinen Sonnenschein, unsere
einjährige Tochter.
Wenn du auf Tournee bist, vermisst du deine
Familie und vermissen sie dich?
Ich glaube schon. Nein, ich weiss natürlich,
dass es so ist. Weil meine Frau auch arbeitet, ist es für uns immer auch zusätzlich
schwierig, wenn ich fort bin. Aber manchmal hat die Familie ja auch etwas von meiner Arbeit und kann mit dabei sein, wenn
mit VoiceSteps etwas Spezielles stattfindet.
Zauberwerk
menschen
VoiceSteps-SängerInnen und Theater HORA-SchauspielerInnen teilen die Begeisterung
für Theater und Gesang und Proben für die Neuproduktion» Quasi modo geniti», die im Herbst 2009
zur Aufführung kommt. (Siehe Rubrik AKTUELL)
nen Part übernommen. Natürlich könnte
ich mir vorstellen, notfalls einzuspringen.
Aber das wäre schon der äusserste Notfall
und wenn sich wirklich keine andere
Lösung mehr finden ließe. Und ich käme ja
überhaupt schon nur für sehr wenige Rollen
in Frage, ich müsste schon auch noch in die
Rolle passen.
Welches Stück hat dir bisher am meisten
gefallen?
Das tönt vielleicht etwas abgedroschen,
aber mir hat jedes Stück in der Zeit in der
wir dran waren gerade am besten gefallen.
Das ist wohl so. Speziell war für mich das
Musical «Romeo und Julia» vor zwei Jahren,
weil ich dort auch in einer kleinen Rolle
mitspielen durfte.
Welches Musical oder welchen Film würdest
du am liebsten aufführen?
Oh, da gibt es eigentlich viele. Mir haben
die Musicals von Claude-Michel Schönberg
und Alain Boublil, «Les Miserables» und
«Miss Saigon» immer sehr gefallen. Aber
mein ganz großer Favorit ist und bleibt das
Musical «Rent». Das ist ein Rockmusical
mit fantastischen Songs und einer genialen
Story.
Wenn einmal ein Sänger ausfällt, würdest du
einspringen? War das schon einmal der Fall?
Das war so zum Glück noch nie der Fall.
Wie gesagt, ich habe auch schon einen klei-
War das schon immer dein Wunsch einen
Chor zu führen?
Nein, das kam bei mir eigentlich sehr spät.
Angefangen hat es mit Singrunden am
Lagerfeuer, die ich mit der Gitarre und
Gesang begleitete.
Was hast du vorher gemacht?
Ich habe eine sehr bewegte berufliche
Geschichte. Zuerst habe ich Koch gelernt.
Danach habe ich Katechetik studiert und
wurde Religionslehrer und Jugendarbeiter.
Erst später habe ich die musikalische Ausbildung an der Akademie für Schul- und
Kirchenmusik in Luzern besucht. Ich habe
dann Musik unterrichtet, später habe ich
ein Arbeitsintegrationsprojekt geleitet und
dort das Schiffskapitänspatent erworben.
Mein letzter Beruf neben der Leitung von
VoiceSteps war Schulsozialarbeiter.
Siehst du einen Unterschied zwischen uns
HORA-Schauspielern und den VoiceSteps?
Ja schon. Ich denke, unsere VoiceSteps
SchauspielerInnen können viel von der
Professionalität und vor allem von der Natürlichkeit der HORA- SchauspielerInnen
profitieren und lernen. Umgekehrt können
unsere VoiceSteps SchauspielerInnen
HORA hoffentlich musikalisch, vor allem
gesanglich inspirieren und mitreißen. Aber
es gibt auch viele Gemeinsamkeiten. Allen
voran teilen wir natürlich die Begeisterung
für das Theater und die Bühne.
Wie fandest du unser erstes Treffen?
Wie auch die VoiceSteps Jugendlichen war
ich sehr beeindruckt von unserer ersten
Begegnung. Auf der Heimfahrt stellten
wir fest, dass wir uns alle sehr wohl gefühlt
haben mit euch und euch nach diesen zwei
ersten intensiven Tagen schon total ins
Herz geschlossen haben. Mich hat sehr bewegt, wie herzlich ihr auf uns zugekommen
seid und uns aufgenommen habt. Danke!
Freut ihr euch, mit uns zusammen den «Quasimodo geniti» aufzuführen?
Keine Frage. Das wird ein ganz tolles
Erlebnis. Ich freue mich auf unsere nächste
Begegnung im Juni und bin sehr gespannt,
wie sich das Stück dann entwickeln wird.
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Fotos: Michael Elb
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Druck: Schmid & Sc
Anschrift:
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Theater HORA Zü
Zürich
stfach 1029, 8040
Baslerstrasse 30, Po
F: 044 405 71 10
T: 044 405 71 41;
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Züriwerk: hora@z
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Verein: verein@ho
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Liebe
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Langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu,
es ist Zeit um kurz zurück zu schauen,
innezuhalten, was waren die wichtigen Stationen des Theater HORA in diesem Jahr?
Gleich zu Beginn des Jahres feierten wir
im Januar die Taufe des ersten Albums der
HORA’BAND im berstend vollen Theater Stadelhofen. Einen tollen Artikel zum
Debutalbum erschien gleichentags in der
Weltwoche. Die 34. Theaterproduktion
«Tiopua» war zugleich die Abschlussarbeit
von Lisa Halbmann aus der Theaterpädagogikklasse der Zürcher Hochschule
der Künste, 8 Aufführungen wurden in
der zweiten Hälfte April im Casino-Saal
gezeigt und fast alle Vorstellungen waren
ausverkauft. Wenig später folgte im Mai
die Gastspieleinladung zum Festival «mit-
einander und selbstverständlich» im Stadttheater Winterthur. Im Juni kehrte Michael
Elber aus einer achtmonatigen Auszeit
wieder ins HORA zurück. Besondere Erwähnung ist sicherlich unser dreiwöchiger
Aufenthalt in Russland (mehr darüber in
diesem Heft), was viele spannende Erinnerungen in uns haften liess. Zwei weitere
Gastspieleinladungen mit «The Fool on the
Hill» folgten im Oktober in Versailles und
im November in Stuttgart. Und wenn Sie
nun diese Zeilen lesen wird in einigen Tagen ein zweiwöchiger Workshop (HORAs
Faust) in unserem Saal stattfinden, welcher
mit 7 Vorstellungen enden wird.
Das nächste Jahr steht ganz im Zeichen von
Eigenproduktionen. Gleich zwei grosse
Projekte befinden sich in der Vorbereitungsphase: «Quasi modo geniti», eine
Adaptation von Victor Hugos «Der Glöck-
ner von Notre-Dame» bei der Jacqueline
Moro Regie führen wird, ist die neue
«grosse Kiste» des Theater HORA. Die
Musik wird ein tragendes Element dieses
Stückes sein. Première ist am 15. Oktober
2009 im Casino-Saal Aussersihl. Gleich
einen weiteren Termin können Sie in Ihrer
Agenda vormerken. Nach dem Grosserfolg der ersten OKKUPATION! im letzten
Jahr werden wiederum temporär Orte
und Häuser von öffentlichem Interesse
besetzt um Kunst von Menschen mit und
ohne Behinderung zu zeigen. Vom 10. bis
20. Juni 09 erwarten wir Künstler und
Künstlergruppen aus Deutschland, Italien,
Frankreich, Österreich, Holland, England, Argentinien, Südkorea und aus der
Schweiz in Zürich. Wir freuen uns liebe
HORA-Freundinnen und -Freunde Sie bei
uns zu empfangen.
Giancarlo Marinucci
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Unsere Projekte leben von Ihren Spenden
und Mitgliederbeiträgen! Herzlichen
Dank, dass Sie auch in diesem Jahr Spenden und Mitgliederbeiträge einzahlen!
Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin oder
neu das Theater HORA unterstützen,
und es somit in seiner Position als angesehenes Theater in der Kultur-Szene
stärken.
Wir freuen uns auch, wenn Sie Ihre
Verwandten und Freunde auf unsere
Projekte aufmerksam machen.
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
Kto. 344491-00, Clearing-Nr.: 4835
PC 80-500-4
Herzlichen Dank für Projektbeiträge an die Kulturwerkstatt
Verein Theater HORA
Hamasil Stiftung
Evang.-Ref. Kirchgemeinde Rümlang
Herzlichen Dank für die Unterstützung des neuen Projekts
Raumschiff der HORA`BAND
Stiftung Denk an mich
Verband der Stadtzürcherischen
Evang.-Ref. Kirchgemeinden
Buchmann-Kollbrunner-Stiftung
Migros Kulturprozent
Herzlichen Dank für die Unterstützung OKKUPATION! 09
Stiftung Denk an mich
Stadt Zürich
Seit 1992 überzeugt das Theater HORA
mit seinen SchauspielerInnen mit einer
Behinderung ein immer zahlreicheres
Publikum: über 30 verschiedene Produktionen und über 500 Aufführungen
schmücken unsere Statistik. Aktuell
können wir Ihnen verschiedene Produktionen anbieten. Auf unserer Homepage
www.hora.ch finden Sie eine genauere
Beschreibung der Stücke, welche mit Bildern ergänzt und im Falle der Band sogar
mit Hörproben versehen sind.
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Unsere Produktionen sind «Der Gastschüler» (geeignet für Schulen), «The
Fool on the Hill» (ein musikalisches
Tanzmärchen), «Herz der Finsternis»
(nach dem gleichnamigen Roman von
Joseph Conrad) und ab Oktober 2009
«Quasi modo geniti» (ein musikalisches
Theaterstück nach «Der Glöckner von
Notre Dame» von Victor Hugo).
Und weiterhin im Angebot:
Die unkonventionelle HORA'BAND und
das erfolgreich festivalerprobte Improvisationsstück «Die Lust am Scheitern».
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Kräftig durchgeschüttelt werden in dieser
aussergewöhnlichen HORA Kurzproduktion alle Stile, Themen und Stücke der
Theatergeschichte.
Nach nur zwei Wochen Probezeit tritt
ein buntgemischtes Ensemble aus einigen
gegenwärtigen und zukünftigen HORA
SchauspielerInnen und aus neu dazu
gestossenen TheaterpädagogInnen und
LaiendarstellerInnen auf die Bühne.
Das Drama um Faust, Mephisto und
Gretchen wird in der eigenwilligen HORA
Version gespielt.
Seit der Inszenierung von «Momo» 1993
beschäftigt uns die Frage: «Was um Himmels willen ist denn eigentlich so schlimm
am Verweilen?» Dies wird die Pudels-
Moro’s Tanztheater,
Anlässlich des 10- Jährigen Jubiläums von JAMs Jacqueline
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Eine Geschichte um Himmel und Hölle,
um Liebe und Verrat, um Hexerei und
Wahnsinn, um Mord und Totschlag, um
Lebensgenuss und Lebensüberdruss, um
Verführung und Ablehnung, um Geisterbeschwörung, Falschgeldproduktion,
Finanzskandale…
Sex, Drugs and Rock’n’Roll oder auch
nicht!
PS: Ultimativ letzter Anmeldeschluss für
den vorangehenden Workshop 1.–11. Dezember ist der 27. November. Es sind noch
zwei Plätze frei für Theaterinteressierte
mit und ohne Behinderung.
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
THEATER HORA IN RUSSLAND
WORKSHOP UND AUFFÜHRUNG IN EINER FREMDEN KULTUR
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Auf Einladung des Theaterpädagogen
Andrej Afonin (Behindertenorganisation Kroog aus Moskau) verbrachten fünf
HORA-SchauspielerInnen, ein Schauspieler
aus Deutschland, sowie Michael Elber und
Giancarlo Marinucci (Leitung HORA),
Caroline Benz (Kostümschneiderin) und
Hans-Peter Kienast als Betreuer zweieinhalb
Wochen im Spätsommer in Russland.
Die ersten zehn Tage arbeiteten wir im
Ivanovo-Gebiet, 350 km nordöstlich von
Moskau, in einem Feriencamp mit den russischen SchauspielerInnen in gemeinsamen
Workshops. Unser Probeort lag einsam
an einem wunderschönen kleinen See,
umgeben von Birkenwäldern. Wir teilten
die Feriensiedlung mit ca. 200 Kindern
zwischen 10 und 15 Jahren, die dort ihre
Sommerferien verbrachten. Wie es fremde
Kulturen an sich haben, waren die Mahlzeiten etwas ungewohnt. Nach dem Vorbild
unserer fünf HORA SchauspielerInnen, die
sich schnell einlebten und auch das Essen
genossen, passten auch wir uns an die neuen
Gegebenheiten an.
Die Einladung und der Workshop kamen
zustande aufgrund einer Erfahrung des
Initianten Andrej Afonin, der vor einiger
Zeit an einem Theaterworkshop von Michael Elber in Berlin teilgenommen hatte.
Das Ziel dieses interkulturellen Austauschs
waren neue Erfahrungen zu sammeln im
gemeinsamen Improvisationstheater. Mit
drei gemeinsamen Aufführungen, nach
dem Vorbild der Inszenierung «Die Lust am
Scheitern» wurde der Workshop abgeschlossen. Zwei von diesen Aufführungen
fanden in Moskau, im Kulturhaus Dom
statt. Wir spielten vor vollen Rängen und
die Besucher waren vom Stück beeindruckt.
Der Moment des gemeinsamen Auftritts,
russische und schweizerische Schauspieler–
Innen miteinander auf der Bühne, in originellen und passenden Kostümen, berührte
und begeisterte gleichermassen. Die Verständigung war für uns nicht immer einfach,
da sowohl die Sprache wie auch die Schrift
total fremd waren. Eine junge Dolmetscherstudentin aus Moskau begleitete uns
während unseres Aufenthaltes permanent
und Andrej Afonin konnte aufgrund eines
Studiums in Deutschland gute Übersetzerdienste leisten.
Die Weltstadt Moskau mit über 12 Millionen
EinwohnerInnen faszinierte uns während
fünf Tagen. Wir bewegten uns mit der etwas
veralteten Metro, die auf einem weitverzweigten Netz die ganze Stadt erschliesst
und zuverlässig unsere Truppe von A nach
B brachte. Die riesigen Umsteigehallen und
endlosen steilen Rolltreppen werden uns
noch lange in Erinnerung bleiben. Viele
eindrückliche historische Bauten prägen
Moskau. Wir besichtigten den Kreml, einige
Kirchen und monumentale Denkmäler.
Riesige Baustellen und moderne Ladenstrassen symbolisieren den Aufbruch dieser
Weltstadt.
Fazit:
Fünf SchauspielerInnen erlebten dank ihrem
Können und einer motivierten HORA-Crew
eine eindrückliche Zeit in einer fremden
Kultur. Hintergründe und Einblicke in den
Sozialstaat Russland hinterliessen auch bei
allen vielfältige Eindrücke. Für das Selbstbewusstsein und die weitere Entwicklung der
KünstlerInnen ist dies bestimmt ein wichtiger
Meilenstein in ihrem Leben.
Hans-Peter Kienast
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OKKUPATION!
Internationales Theaterfestival Zürich, 10–20. Juni 2009
allem einer inhaltlichen AuseinandersetProzesse entstehen Inszenierungen,
Nach dem Erfolg im Jahr 2007 findet das
zung verpflichtet. Auf der Suche nach
die vom Leben jenseits der Mehrheitsinternationale Theaterfestival «OKKUIdentität in Grenzerfahrungen einerseits,
Normalität erzählen und dabei ungeahnte
PATION!» vom 10. bis 20. Juni 09 zum
auf der Suche nach gesellschaftlicher
Wahrnehmungen nahe legen, künstlezweiten Mal in Zürich statt. Veranstaltet
Anerkennung und Verortung andererrisch überraschen, häufig im besten Sinne
von Theater HORA Züriwerk, präsenseits, präsentiert sich ein Programm, das
postdramatisch sind. Ein an ästhetischer
tiert das Festival behinderte und nicht
Bedingungen persönlicher Individuation
Innovation interessiertes Theaterpublibehinderte KünstlerInnen, vermeintliche
undgemeinschaftlichenZusammenlebens
kum im Blick, keinerlei Sozialarbeit im
Aussenseiterkunst und international
verhandelt und das sich der zugegeben
Sinn, zeigt «Okkupation!» Bühnenkunst
anerkannte Vertreter der sogenannt
viel zu grossen Fragestellung zumindest
in originären Theatersprachen, die
normalen Bühnenkunst. Wesentlich
ansatzweise nähern will: Wie und in
darüber hinaus wesentlich ein themabestimmt wird das Festivalprogramm
welcher Gesellschaft wollen wir leben?
tisches Anliegen vereint. Stand «OKKUvon Gruppen, in denen geistig behinderte
Informationen: www.hora-okkupation.ch
PATION!» 2007 unter dem Motto, mit
KünstlerInnen eine tragende Rolle spielen,
der Kunst sogenannter Aussenseiter den
in denen behinderte und nicht behinderte
Andreas Meder
anerkannten (Kultur-)Raum temporär
Akteure mit professionellem Anspruch
zu besetzen, sieht sich das Festival 2009
seit Jahren gemeinsam an künstlerischen
neben der künstlerischen Qualität vor
Prozessen arbeiten. Als Ergebnis dieser
Theater Workshop für
Institutionen
Zauberwerk
Angebot
Je ein Tages-Workshop mit SeniorInnen
(Soziallabor Uster Okt 08), oder mit
WirtschaftsprüferInnen der KPMG, drei
Tage mit AbsolventInnen der Kunstagogik
Ausbildung, eine ganze Woche mit BewohnerInnen des Wohnheims Sonnmatt in Langenbruck (BL), die Erarbeitung des Tanzpalastes mit Kindern der JAMS Tanzschule,
unser dreiwöchiger Workshop mit der
integrativen Theatergruppe Kroog in Russland, der mehrtägige Austausch mit zwei
deutschen integrativen Theater-Gruppen
anlässlich der Theatertage in Winterthur…
Noch nie zuvor hat das Theater HORA so
vielfältige und verschiedene Gruppen mit
seiner Kunst des Loslassens, der Lust am
Scheitern und damit der Freude am Spiel
zusammengeführt, bereichert und wiederbelebt. Gönnen auch Sie sich (oder Ihrer
Fima/Ihrer Institution/Ihrem Verein) Theater-«Wellness» Tage mit dem HORA Ensemble. Melden Sie sich an im HORA Büro.
Telefon 044 405 71 41
«Die Theaterwoche mit Michael Elber ist
vorbei und die SchauspielerInnen sind um
viele tolle Erlebnisse reicher. Die Aufführung am Freitagabend hat uns alle sehr
gefreut und gezeigt wie wichtig es ist, das
was erarbeitet wird auch zu zeigen. Vielen
Dank an Michael Elber, der es verstand,
die einzelnen Akteure am richtigen Ort
abzuholen, ihre Vorlieben und Talente
geschickt aufzunehmen und zu fördern
und daraus ein Programm zu entwickeln.»
Res Moser Heimleiter Werkheim
Sonnmatt Langenbruck (BL)
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unsere Lehrer.
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044 405 71 42 oder
Infos: Michael Elber Tel.
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Die HORA‘BAND macht sich 2009 an die Arbeit um ihren
zweiten Tonträger aufzunehmen. So viel sei verraten:
Die Instrumente klingen auf dem neuen Album noch
grösser und die Stimmen der Sängerinnen Denise und
Sandra noch tiefer. Die Klänge liegen dabei entspannt
auf einer Fläche etwa so gross wie der Zürichsee.
Der Titel für das neue Werk könnte «Raumschiff HORA»
heissen. Natürlich wird sich die Band weiterhin die Zeit
nehmen um Konzerte zu spielen, Neues auszuprobieren
und Euch zu begeistern. Auf ein frohes Wiederhören also!
Kontakt
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Mittel- und Oberstufe, sowie Studentinnen
und Studenten von sozialen und pädagogischen Berufen
Jeder Mensch ist anders. Das wissen wir
alle. Und doch fällt es uns nach wie vor und
immer wieder schwer, Menschen mit einer
Behinderung, sei sie physischer, psychischer oder kognitiver Art, zu begegnen.
Aus diesem Grund hat das Theater HORA
Züriwerk das Theaterstück ‘Der Gastschüler’ entwickelt und mit Erfolg bereits in
über 20 Schul- und öffentlichen Aufführungen gespielt.
In Zusammenarbeit mit der Paul Schiller
Stiftung, dem Volksschulamt und weiteren
namhaften Institutionen soll künftig dieses
Schulzimmer-Stück, in Verbindung mit
einem je eintägigen Workshop den Schulen
angeboten werden. Ziel ist, das Thema Integration auf spielerisch hautnah erlebbare
Weise den Schülerinnen und Schülern von
Fachleuten und direkt Betroffenen näher
zu bringen und den Lehrkräften Inputs
und Möglichkeiten zum weiteren Umgang
mit dieser sie immer stärker betreffenden
Thematik zu liefern.
Für die Unterstufe bleibt ‘Der Gastschüler’
weiterhin in Zusammenhang mit einem
nachfolgenden Gespräch im Angebot.
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Theater HORA
Der Verein Theater HORA ist eine
wunderbare und wichtige Einrichtung,
um die HORA-Projekte auch finanziell zu
unterstützen. Seien es Mitgliederbeiträge,
Spenden oder Sammlungen zu ausserordentlichen Anlässen, alle einbezahlten
Beiträge kommen ausschliesslich den
Projekten des Theater HORA Züriwerk
zu Gute.
Der Vorstand dankt Ihnen und allen
Personen, die jährlich mit einem Mitgliederbeitrag und/oder einer Spende dazu
beitragen, dass die professionelle Theaterarbeit mit den Schauspielerinnen und
Schauspieler sich weiterentwickeln kann
und neue Projekte umgesetzt werden
können, die das Publikum berühren und
begeistern.
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Möchten Sie Mitglied des Vereins Theater
HORA werden oder einfach mehr darüber
erfahren, so wenden Sie sich an Conny
Marinucci im HORA Sekretariat (Tel 044
405 71 40, verein@hora.ch) oder an Simon
Heller, Präsident Verein Theater HORA
(simon.heller@gmail.com).
Für den Mitgliederbeitrag oder eine Spende können Sie den beiliegenden Einzahlungsschein verwenden, oder direkt auf
das PC- oder CS-Konto einzahlen. Wir
danken Ihnen für die Unterstützung!
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
Kto. 344491-00, Clearing-Nr.: 4835
PC 80-500-4
unterstützt die
HORA-Projekte
Zauberwerk
menschen
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menschen
Interview mit Remo Beuggert,
HORA Schauspieler
fragten mich an, ob ich nicht Lust hätte an
einem Casting teilzunehmen. So besuchte
ich im Herbst 06 ein zweitägiges Casting.
Schon dort gefiel mir die Atmosphäre im
Theater sehr. Ich ging dann bis Ende Jahr
jeden Montag zum Theater. Im Januar 07
hatte ich noch einen Monat Probezeit,
bevor sie mich definitiv in den Kreis der
HORAs aufnahmen.»
Wie bist du zum Theater HORA gekommen?
Seit wann bist du dabei?
Ein Zufall brachte mich zum Theater
HORA, 2006 wurden ich und meine
Arbeitsgruppe von meinen Betreuern
ausgewählt, um in einem Abschiedsfilm
für Ursula Bächtiger als Darsteller vor der
Kamera einen Wunsch zu äussern. Im Büro
des HORA Theaters wurde dann der Film
bearbeitet und geschnitten und da sahen
mich die Leiter des Theater HORA und
Die Leiter haben wohl dein Talent erkannt,
hast du dich schon früher mit dem Theater
beschäftigt?
«Als langjähriger CEVI Leiter musste ich
dort schon oft in verschiedenste Rollen
schlüpfen. Dort habe ich es sicherlich ein
wenig gelernt, aber sonst hatte ich noch
nicht wirklich Erfahrungen im Theaterbereich.
Wie war das Casting für dich? Hattest du
am Anfang als du aufgenommen wurdest
Probleme?
Das Casting war cool...spielen war voll läs-
sig. Das Casting war in zwei Nachmittage
eingeteilt. Am ersten Nachmittag machten
wir Spiele um einander kennen zu lernen
und am zweiten Nachmittag schauten wir
einen Charlie Chaplin -Film und mussten
Ausschnitte auf der Bühne wiedergeben...
An viel mehr kann ich mich nicht mehr
erinnern, da es schon eine Weile her ist.
Lachen war anfangs ein grosses Problem
für mich, ich konnte mich nicht beherrschen, obwohl in gewissen Situationen das
Lachen überhaupt nicht angebracht war.
Zum Zweiten habe ich mit Hemmungen
gekämpft. Doch nach nun fast zweijähriger
Erfahrung kann ich sagen, dass ich das
Ganze mit der Zeit in den Griff bekommen
habe.
In welchen Stücken hast du bei den HORAs
schon mitgespielt?
Welches hat dir am Besten gefallen?
The Fool on the Hill», «Herz der Finsternis», «Tiopua» und jetzt im neuen Stück
«Tanzpalast». Am Besten hat mir «The
Fool…» gefallen, weil es so fröhlich ist und
wir so gute Erfahrungen auf der Bühne
gesammelt haben. Die Aufführung in
Winterthur war unschlagbar, das Publikum
war ausser sich, sie haben geklatscht wo
sonst niemand geklatscht hat… Einmal, als
ich im Stück alleine auf der Bühne stand
und mit dem Finger schnippte, klatschte
die ganze Menge bei meinem Abgang, dass
hat mich sehr glücklich gemacht. Auch die
Musik des Stückes habe ich sehr gerne. Die
Covers der Beatles waren super.
«Die Lust am Scheitern» ist auch noch ein
Stück in dem ich sehr gerne mitspielen
würde, wenn sich die Möglichkeit ergibt
und wir es wieder vorführen.
Was hast du schon für Erlebnisse gehabt mit
den HORAs?
Ich habe viele gute Erfahrungen gemacht,
die ich sicherlich nicht so schnell vergessen
werde, wie zum Beispiel der Auftritt in
Winterthur. hehehe… einmal beim «Herz
der Finsternis» rutschten mir die ganze
Zeit die Hosen herunter, weil sich meine
Hosenträger gelöst hatten. Ein anderes
Mal stolperte ich während einer Foolaufführung über meine eigenen Hosen und
zeriss sie, dank meinem Kollegen Marcel
konnte ich mich wieder konzentrieren, er
holte mich mental wieder ins Stück zurück.
Daran werde ich mich sicherlich noch lange
erinnern. Manchmal nervt mich die stete
Wiederholung der Szenen, aber das ist halt
so, wenn man Theater spielt und ein neues
Stück einstudiert.
Wenn du einen Arbeitstag im Theater HORA
beschreiben würdest - wie sieht der aus?
Ich stehe um halb acht auf und am 07:40
Uhr gehe ich aus dem Haus. Manchmal
stehe ich auch ein wenig früher auf und
genehmige mir einen Kaffee. Um 7:40
Uhr gehe ich in Richtung Bahnhof um die
S-Bahn nach Zürich zu nehmen. Auf dem
Wege höre ich oftmals Musik oder lese ein
wenig. Im Casino-Saal Aussersihl angekommen, spreche ich mit meinen Kollegen.
Anschliessend machen wir ein Aufwärmen
und üben unsere Stücke mit einer kleinen
Pause dazwischen. Am Mittag essen wir
oftmals zusammen am Tisch im CasinoSaal. Nach der Nachmittagsprobe mache
ich mich dann auf den Weg nach Hause. Im
Zug kämpfe ich oftmals mit dem Schlaf,
weil ein ganzer Tag proben sehr intensiv
sein kann. Wenn ich nach Hause komme,
schalte ich oftmals den Fernseher ein oder
lese einwenig.
Was machst du neben dem Theater HORA
noch, was sind deine Hobbies?
Lesen, schreiben, Musikhören, Fernsehen
schauen und bei den CEVIS die Fröschli
leiten. Ich bin nun schon seit 1989 bei den
CEVIS und wollte eigentlich auch schon
2006 aufhören, aber dann wurde ich
angefragt, ob ich gerne die Kleinsten, die
«Fröschli», leiten möchte. Das ist einmal
im Monat. Wir gehen dann oftmals in den
Wald basteln, Geschichten hören oder
spielen.
Zauberwerk
menschen
Zauberwerk
menschen
Welche Ziele hast du für die Zukunft, was
würdest du gerne erreichen?
Ein wenig Gewicht zu verlieren, aber dies
ist sehr schwierig… Nach Amerika würde
ich auch gerne einmal gehen, um einfach
ein wenig herumzureisen. Reisen tue ich
sehr gerne. Ich war schon in vielen Ländern
Europas, wie zum Beispiel in Frankreich,
Italien oder Spanien…
Was würdest du selbst als deine Stärken
bezeichnen?
«Meine Ruhe, aso ähm meine ruhige Art,
gelassen, flexibel, freundlich»
Remo bezeichnet sich selbst als einer der
gerne schreibt, hier zum Schluss des Interviews der Beginn einer Geschichten.
Trainer
Ein Mann mit kurzem, braunem Haar, er
hiess Valerian, ging immer jeden Morgen
oder Nachmittag, je nachdem wann er Zeit
hatte und nach dem Wetter, spazieren. An
diesem Nachmittag kam ihm ein Mann
entgegen. Kräftig gebaut und sah wirklich
fit aus. Hinter ihm kamen etwa 11 Knaben
(Valerian hatte sie gezählt) hinter ihm
hergerannt. «Das sind sicher gute Fussballer, wenn sie so hart trainieren», dachte sich
Valerian. Er schaute ihnen noch zu, bis sie
hinter einem Haus verschwunden sind.
Valerian entschied sich , wieder einmal in
den Wald zu gehen.
Als er den Wald am Späten Nachmittag
verlies, sah er den Mann, der offenbar ein
Trainer war, hin und her laufen, die Knaben
in einer Reihe nebeneinander gestellt.
«SO WIE IHR SPIELT UND RENNT,
WERDET IHR NIE EIN SPIEL GEWINNEN…
UND WAS MACHEN SIE HIER?» Valerian
hatte sich neben den Trainer gestellt und
antwortete: «Ich schaue ihnen zu, wie sie
die Kinder anbrüllen!» Valerian sagte es mit
ruhiger Stimme....
Interview: Lukas Müller
Zauberwerk
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Zauberwerk
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Liebe
Horaund-Freunde
Liebe HORA-Freundinnen
und -Freunde
Ausbildung. Weiterbildung. Fortbildung.
Das sind doch die Dinge, die uns in der
Arbeitswelt weiterbringen. Wer kennt das
nicht! Auch das HORA: Ein professionelles
Umfeld zu bieten, um gute künstlerische
Arbeit zu vollbringen ist das eine. Auf der
anderen Seite müssen die SchauspielerInnen nicht nur in einer Theaterproduktion ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten trainieren, einschleifen und vertiefen, sondern
auch in der produktionsfreien Zeit.
Also dann, wenn keine Vorstellung unmittelbar bevor steht. So wie der Sportler in
seinen täglichen Trainings an den Wettkampf herangeführt wird, ist das auch in
der künstlerischen Arbeit.
Der Name HORA steht für eine Ausbildungsstätte und für Arbeitsplätze im
künstlerischen Bereich und er steht ein für
gutes Theater, für Tanz und Musik und
für immer weitere, ergänzende Bereiche,
wie zum Beispiel die Nachwuchsförderung.
Nun ist es an der Zeit sich konkrete Gedanken zu machen, wie ein Ausbildungslehrgang für unsere SchauspielerInnen
aussehen soll. Konzepte dazu liegen schon
seit Jahren in der Schublade. Sie werden
bald mehr davon hören.
Heute halten Sie die fünfundzwanzigste
Ausgabe des zweimal jährlich erscheinenden Informationsheftes in der Hand,
seit über zwölf Jahren also bringen wir
Ihnen Informationen aus dem Tätigkeitsfeld des Theater HORA zu Ihnen nach
Hause. Die Informationsflut, die auf uns
herabprasselt, ist enorm. Auch wir können
uns der Informationsüberbringung und der
Kommunikation mit unserem Publikum,
mit unserer Kundschaft nicht entziehen.
Häufig werden zweifelhafte Massnahmen ergriffen, nur um aufzufallen, um
die Medien anzuziehen, um im Mittelpunkt zu stehen. Wir können uns solche
Massnahmen in unserem Tätigkeitsfeld
nicht leisten und wir möchten das auch
nicht, dafür ist der Preis zu hoch und der
daraus entstehende Schaden zu gross. Wir
werden aber weiterhin versuchen Ihnen,
liebe Leserin und lieber Leser mit witzigen
und vielleicht auch ein bisschen frechen
Bildern die HORA-Welt näher bringen.
Die Öffentlichkeitsarbeit ist anspruchsvoll,
sie braucht Fingerspitzengefühl und die
Bereitschaft am richtigen Ort das Richtige
zu sagen. Auch diese Arbeit ist ohne finanzielle Unterstützung nicht zu leisten.
GoldenHans. Das Thalia Theaeter in Ham
burg hat unserem langjährigen EnsembleMitglied Marcel Trinkler die Auszeichnung «GoldenHans» verliehen. Das ist der
Oscar für SchauspielerInnen mit Behinderung. Mit diesem Preis wird Marcel Trinkler als bester deutsprachiger Schauspieler
für seine ausserordentlichen Leistung
im Stück «Die Lust am Scheitern» geehrt.
Am 13. April wurde Marcel Trinkler in
Hamburg an die Verleihung eingeladen,
er konnte daran nicht teilnehmen, weil er
als Schauspieler an den Aufführungen zu
«Tiopua» engagiert war. Deswegen liessen
wir dem Thalia Theater eine Videogrussbotschaft übermitteln. Darin bekräftigte
Marcel Trinkler, dass er die Auszeichnung
GoldenHans ohne die Mithilfe seiner
KollegInnen aus dem HORA-Ensemble
nicht erreicht hätte. Was für ein Schauspieler!
Danke Marcel!
Giancarlo Marinucci
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Unsere Projekte leben von Ihren Spenden
und Mitgliederbeiträgen! Herzlichen
Dank, dass Sie auch in diesem Jahr Spenden und Mitgliederbeiträge einzahlen!
Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin oder
neu das Theater HORA unterstützen,
und es somit in seiner Position als angesehenes Theater in der Kultur-Szene
stärken.
Wir freuen uns auch, wenn Sie Ihre
Verwandten und Freunde auf unsere
Projekte aufmerksam machen.
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Besonderen Dank gilt folgenden
Mitgliedern und Spendern
(Spenden ab CHF 500.–)
Herzlichen Dank für Projektbeiträge der Kulturwerkstatt
Verein Theater HORA
Bundesrat M. Leuenberger, A. Fritzsche,
T. Schwarzenbach, J. Meier, P. Keller,
Frauenverein Matthäus, Trachtengruppe
Gerzensee
Alexis Victor Thalberg-Stiftung
Röm.-kath. Zentralkommission
Kanton Zürich
Herzlichen Dank für die
Unterstützung HORA‘BAND
Kanton Zürich
Kath. Kirchenstiftung St. Anton Zürich
Migros Kulturprozent
Verein Theater HORA
Seit 1992 überzeugt das Theater HORA
mit seinen SchauspielerInnen mit einer
Behinderung ein immer zahlreicheres
Publikum: 33 verschiedene Produktionen
und über 500 Aufführungen schmückt
unsere Statistik. Aktuell können wir
Ihnen verschiedene Produktionen anbieten. Auf unserer Homepage www.hora.ch
finden Sie eine genauere Beschreibung
der Stücke, welche mit Bildern ergänzt
und im Falle der Band sogar mit Hör
proben versehen sind.
HORA
ZU
HAUSE
Unsere Produktionen sind: «Der Gast
schüler» (geeignet für Schulen),
«The Fool on the Hill» (ein musikalisches
Tanzmärchen) und «Herz der Finsternis»
(nach dem gleichnamigen Roman von
Joseph Conrad)
Und weiterhin im Angebot:
Die unkonventionelle HORA‘BAND und
das erfolgreich festivalerprobte Impro
visationsstück «Die Lust am Scheitern»
Zauberwerk
die zweite
Zauberwerk
die zweite
Am 11. Januar 2008 hat die HORA‘BAND
im Theater Stadelhofen ihr Debutalbum
«So Schön Wie Nie» vor laufender Kamera
getauft. SF1 drehte für die Sendung «Leben
Live» einen mehrminütigen Beitrag, der
später auch auf 3SAT zu sehen war. Von
der Kritik euphorisch aufgenommen,
folgten Artikel über Band und Platte im
Tages Anzeiger, Berner Zeitung, Der Bund,
Die Weltwoche und eine Sendung mit
Interview auf Radio 24 und Radio Basilisk.
Der Musikjournalist Albert Kuhn wählte in der Weltwoche das Album der
HORA‘BAND zur besten Schweizer Platte
des Jahres (zusammen mit dem neuen
Album von ZüriWest!) Das lassen wir so
durchgehen.
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Natürlich wird die HORA‘BAND auch
dieses Jahr ihre mitreissenden Konzerte
spielen. In der Zwischenzeit hat die Band
bereits viele neue Lieder einstudiert,
eines mit dem Titel «Raumschiff HORA».
Ein Song zum Abheben.
Logisch. Konzertdaten sind abrufbar
auf der HORA Website und unter
www.myspace.com/thehoraband
Kontakt: Roli Strobel: roli.s@gmx.ch
DIE HORA’BAND ÜBERZEUGT FRIBOURG
Integration ist ein Thema, das am Heilpädagogischen Institut der Uni Fribourg
in Lehre und Forschung allgegenwärtig ist.
Eine Gruppe Studierender, die Fachschaft
Heilpädagogik, nahm sich dies zum Anlass,
um im Rahmen ihrer Tätigkeit einen
Beitrag an die Integration von Menschen
mit einer Behinderung zu leisten. Was verbindet mehr als Musik? Mit einem Konzert,
an dem Menschen mit und ohne Behinderung einander begegnen, wollten sie dieses
Ziel erreichen. Musikalisch fiel die Wahl
auf die HORA’BAND, welche aufgrund
ihrer Zusammensetzung hervorragend
zu diesem Projekt passte. Das Nouveau
Monde, eines der renommiertesten Lokale
Fribourgs, erwies sich als der geeignete
Veranstaltungsort. Wie sich am Abend des
14. Mai 2008 zeigte, wollten sich rund 300
Personen dieses einmalige Ereignis nicht
entgehen lassen. Als die HORA’BAND zu
spielen begonnen hatte, sorgte sie dafür,
dass neben Integrationsgedanken auch der
Spassfaktor nicht zu kurz kam. Mit spritzigen, melancholischen, zum Tanzen und
dann wieder zum Nachdenken anregenden
Liedern riss die HORA’BAND das Publi-
kum in ihren Bann. Sandra Grande lud alle
ein auf ihre Reise durch Wüste und Weltall
und Denise Wick Ross beeindruckte mit
ihrer Bühnenpräsenz. So war es denn auch
kein Wunder, dass das Konzert erst nach
mehreren Zugaben, von denen die eine
wieder besser war als die andere, ein Ende
fand.
Stefanie Scheidegger,
Fachschaft Heilpädagogik Uni Fribourg
Zauberwerk
RÜCKBLICK
TIOPUA IM ZAUBERWERK
Haben Sie eigentlich schon einmal einen
Apfel gestohlen? Oder jemandem einen Apfel an den Kopf geworfen? Haben Sie vielleicht sogar schon von Äpfeln… geträumt?
Träume, Utopien, Wünsche und Zukunftsvisionen sind das Thema der Diplominszenierung «Tiopua» der TheaterpädagogikStudentin an der Züricher Hochschule der
Künste Lisa Halbmann, und Äpfel spielen
dabei eine entscheidende Rolle.
Manchmal hängen sie zu hoch und sind unmöglich zu erreichen. Manchmal fallen sie
ungepflückt vom Baum. Manchmal werden
sie mit Zähnen und Klauen verteidigt. Und
manchmal machen die Äpfel ganz schön
sexy.
Zwischen die persönlichen träumerisch
und immer sehr bild- und symbolstark
inszenierten Episoden einzelner SpielerInnen, die sich alle um den Umgang mit
den eigenen Utopien drehen, mischt sich
jedoch eine Zukunftsvision, die viele der
Schauspielerinnen und Schauspieler ganz
direkt betrifft:
Ist die Welt der Zukunft eine Welt
ohne behinderte Menschen?
In dem Ensemble, das aus Profidarstellern
des Theater HORA, LaienschauspielerInnen und Profis neu zusammengestellt
worden war, blitzt diese Frage immer
wieder durch die Traumsequenzen.
«Wo seid ihr denn alle?» rufen zwei Darstellerinnen in den dunklen Raum. «Wir
sind nicht geboren worden» flüstern die
Anderen aus der Finsternis.
Ist also die erstrebenswerte schöne
neue Zukunftswelt eine Welt ganz ohne
Ver-Rückte?
Haben all die bunten Wunschvorstellungen, die appetitlich glänzenden Äpfel denn
überhaupt auch Gültigkeit für behinderte
Menschen?
Ist es nicht besser, eine Runde Soma-Pillen
zu verteilen, die alle wunschlos glücklich
und zufrieden und gleich macht?
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Keines dieser Fragezeichen wird in einen
Punkt verwandelt, und in diesem schwebenden, luftigen Umgang mit Welt-Bildern
liegt wohl das Geheimnis der berührenden
Reise durch menschliche Träume, die trotz
ihrer Leichtigkeit niemals belanglos wird.
Insgesamt ist Lisa Halbmanns Collage so
rund wie die allgegenwärtigen Äpfel. Die
eigenen Träume der Teilnehmenden haben
ihren großen Platz, durch das konsequente
Leitmotiv bleibt die Inszenierung jedoch
immer als Ganzes bestehen. Die drei
Live-Musiker begleiten die Schauspieler
konsequent und sensibel auf ihrer Reise
und schaffen einen zauberhaften Rahmen
für das Stück.
Am Ende des Theaterabends darf jeder
Zuschauer eine ganz persönliche Utopie
mit nach Hause nehmen.
Eine runde, rotbackig glänzende Frage:
Wie wünschst du dir eigentlich die Welt?
Maria Mattes, eine Besucherin derVorstellung
«Tiopua»
Zauberwerk
RÜCKBLICK
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
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realisiert hat.
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Jacqueline Moro
Zauberwerk
ANgebot
Zauberwerk
Angebot
NEU IM HORA-ANGEBOT
Das Projekt
«AndersSein»
Aufführung und Workshop von Menschen mit einer Behinderung für Schulklassen der Mittelund Oberstufe, sowie Studentinnen und Studenten von sozialen und pädagogischen Berufen
Jeder Mensch ist anders. Das wissen wir alle.
Und doch fällt es uns nach wie vor und immer
wieder schwer, Menschen mit einer Behinderung, sei sie physischer, psychischer oder
kognitiver Art, zu begegnen. Aus diesem
Grund hat das Theater HORA Züriwerk das
Theaterstück «Der Gastschüler» entwickelt
und mit Erfolg bereits in 20 Schul- und
öffentlichen Aufführungen gespielt.
In Zusammenarbeit mit der Paul Schiller
Stiftung, dem Volksschulamt und weiteren
namhaften Institutionen soll künftig dieses
Schulzimmer-Stück, sowie die Ensemble-Produktion «The Fool on the Hill», in
Verbindung mit einem je eintägigen Workshop den Schulen angeboten werden.
Ziel ist, das Thema Integration auf spielerisch hautnah erlebbare Weise den Schülerinnen und Schülern von Fachleuten und
direkt Betroffenen näher zu bringen und
den Lehrkräften Inputs und Möglichkeiten
zum weiteren Umgang mit dieser sie immer
stärker betreffenden Thematik zu liefern.
Für die Unter- und Mittelstufe bleibt «Der
Gastschüler» weiterhin in Zusammenhang
mit einem nachfolgenden Gespräch im
Angebot.
Nachwuchsförderung
THEATER-WERKSTATT 2008 / 2009
Noch vor der Abschlussvorstellung der
diesjährigen TheaterWerkstatt «Des Kaisers
neue Kleider» - Samstag 12. Juli 08 13.30 Uhr
Casino-Saal Aussersihl - beginnt bereits
wieder die Anmeldefrist zur dritten Auflage. Die Werkstatt ist offen für Kinder und
Jugendliche ab 8 Jahren und findet weiterhin
jeden Samstagnachmittag von 13.00 Uhr bis
15.00 Uhr im Casino-Saal Aussersihl statt.
Falls genügend Anmeldungen vorliegen,
wird am späteren Vormittag eine separate
Werkstatt für Kinder durchgeführt.
Falls sie sich für einen Probebesuch in der
noch laufenden Werkstatt interessieren,
laden wir Sie herzlich ein. Selbstverständlich gilt dies auch für die Aufführung. Für
Anmeldungen und weitere Informationen erreichen sie mich per e-mail oder
Telefon: Urs Beeler 044 341 46 09 –
078 634 30 34 oder beegeo@bluewin.ch.
Die TheaterWerkstatt 2007/08
wird unterstützt von der
STIFTUNG DENK AN MICH und der
STIFTUNG FÜR DAS BEHINDERTE KIND
Aufführung des HORA-Nachwuchses
‘DES KAISERS
NEUE KLEIDER’
frei nach dem Märchen von H.C. Andersen
eine Aufführung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 2. TheaterWerkstatt
Sa, 12. Juli 08, 14 Uhr, Casino-Saal Aussersihl
Öffentliche Generalprobe, 10.30 Uhr,
Casino-Saal Aussersihl
Generalprobe nur auf
Anmeldung: beegeo@bluewin.ch
Zauberwerk
ANGEBOT
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Projekte bei HORA
Weiterbildungsan
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Workshops;
HORAmateur – Der Jahreskurs
08/09 für Theateramateure
Neu: Jeden Montagabend;
Beginn am 20. Oktober 2008
Der HORAmateur - Kurs richtet sich
an Erwachsene mit einer geistigen oder
körperlichen Behinderung, welche in
ungezwungener Atmosphäre Theaterluft
schnuppern möchten. Neben darstellendem Spiel wird auch mit Pantomime,
Tanz- und Musikelementen gearbeitet. In
verschiedenen Rollen wird mit und ohne
Worte und Kostümen improvisiert, ganze
Szenen werden zusammen erfunden und
gespielt.
Verborgene Talente und AusdrucksMöglichkeiten können dabei entdeckt und
gefördert werden.
Der Kurs findet jeweils am Montagabend
von 18 bis 20 Uhr statt. Der Kurs wird von
Salomé Schwarzbach geleitet. Sie ist ausgebildete Theater- und Musikpädagogin.
Interessierte wenden sich per Mail
an folgende Adresse:
salome.schwarzbach@gmx.ch
Bei Fragen rufen Sie an unter
folgender Nummer:
Telefon 079 787 93 70
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Der
Vorstand...
Am 14. Mai fand die Mitgliedersammlung
des Verein Theater HORA statt. Neben
dem Vorstand und der künstlerischen
Leitung fanden auch zwei Mitglieder den
Weg an die Baslerstrasse. Nochmals ganz
herzlichen Dank an P. Keller und E. Weiss.
Wir sind überzeugt, sie haben einen guten
Einblick in das Schaffen des Vereins
erhalten. Über den konkreten Inhalt und
deren Ergebnisse werden wir mittels dem
Protokoll informieren, welches zu gegebener Zeit jedem Mitglied zugestellt wird.
Neben der Wiederwahl der Vorstandmitglieder Daniel Elber und Jean-Pierre
Wullemin mussten wir leider auch einen
Rücktritt kommunizieren. Ernst Nef,
der über 10 Jahre aktiv im Vorstand
mitgewirkt hat, hat nun seinen defintiven
Austritt bekannt gegeben. Das bedauern
wir natürlich sehr; gleichzeitig freuen wir
uns aber, dass wir Ernst Nef weiterhin für
das eine oder andere kommunikative Problem zu Rate ziehen können. Zum Verein
HORA kam er ursprünglich durch seinen
behinderten Sohn, der in einer Produktion mitgewirkt hat. Nach seiner Pensionierung als Gymnasiallehrer, Literaturkritiker und Zeitschriftenredakteur war
die Arbeit im Verein eine bereichernde
Abwechslung. In seiner Vorstandskarrie-
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re hat Ermst sich nicht nur um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert und unzählige
Interviews geführt, nein er hat uns auch
noch bei den englischen Übersetzungen
stark unterstützt. Ernst, wir wünschen
Dir auf diesem Weg weiterhin viele tolle
Theatererlebnisse, die Du hoffentlich bei
guter Gesundheit geniessen kannst. Deine
Kollegen aus dem Vorstand.
Möchten Sie Mitglied des Verein Theater
HORA werden, so wenden Sie sich an uns:
Tel 044 405 71 41 oder Fax 044 405 71 10
oder verein@hora.ch
Die Mitgliederbeiträge und alle Spenden,
die auf das PC- oder CS-Konto einbezahlt
werden, kommen ausschliesslich den
Projekten des Theater HORA Züriwerk
zugute.
...braucht
Unterstützung
Der Vorstand sucht neue Kollegen. Haben
Sie Lust, aktiv im Vorstand mitzuarbeiten?
Möchten Sie den Verein nicht nur finanziell
sondern auch ideell unterstützen?
Vorkenntnisse sind keine notwendig, wer
Lust hat und motiviert ist, ist herzlich willkommen. Nehmen Sie noch heute mit dem
Vereinspräsidenten Simon Heller (simon.
heller@ubs.com) Kontakt auf. Wir freuen
uns, Sie schon bald kennen zu lernen.
Verein Theater HORA
8040 Zürich
PC 80 – 54072 -7
Verein Theater HORA
8040 Zürich
Credit Suisse, 8070 Zürich
Kto. 344491-00, Clearing-Nr.: 4835
PC 80-500-4
Zauberwerk
menschen
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Interview mit Urs Beeler
Kochen hat auch viel mit Theater zu tun
Wie bist du zum Theater HORA gekommen?
Seit wann bist du dabei?
«Da muss ich etwas ausholen… Vor zirka
fünf Jahren habe ich Michael Elber bei
einem Theaterspiel von Coprinus kennengelernt. Coprinus war dazumal eine freie
Theatergruppe, bei der ich mitwirkte. Ich
wusste schon vor diesem ersten Treffen,
wer Michael war, doch erst seit diesem
Zeitpunkt begann ich mich punktuell fürs
Theater HORA zu interessieren. Ich besuchte viele Aufführungen von HORA und
so kam ich vermehrt ins Gespräch mit
Michi und auch mit Wanda Wolfensberger. Vor 3 Jahren glaubte ich eine gewisse
Frustration bei Michi zu spüren. Er wollte
mehr an die Öffentlichkeit mit dem Theater HORA. Da schlug ich vor, dass man
das über die Schule erreichen könnte und
erzählte ihm von meiner Idee für das nachmalige Theaterstück «Der Gastschüler».
Das Stück «Der Gastschüler» wurde in diversen Klassenzimmern öffentlicher Schulen aufgeführt, wobei die Integration eines
Kindes mit einer geistigen Behinderung in
eine Schulklasse Thema ist. Parallel zu «Der
Gastschüler» entstand auch der Gedanke
für die Gründung einer Theaterwerkstatt
für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Beeinträchtigung. Das war wohl der
Beginn meiner Zusammenarbeit mit dem
Theater HORA vor etwa drei Jahren.
Wie war dein erster Eindruck vom Theater
HORA?
Ich hatte grossen Respekt vor der Arbeit,
die Michael Elber in all den Jahren geleistet
hatte und vor dem entsprechenden Verzicht, der damit verbunden ist. Ich kann gut
nachvollziehen, was es heisst, einen Betrieb
aufzubauen. Ich habe selbst so begonnen.
Im Jahre 1982 habe ich in Schaffhausen
das Theater Sgaramusch gegründet, eine
professionelle Theatergruppe, die noch
heute für Kinder und Jugendliche spielt. Ich
leitete sie während 14 Jahren. Grundsätzlich
hat mir die Offenheit der HORA-MitarbeiterInnen Eindruck gemacht. Ich spürte
keinen Hauch von Berührungsängsten zu
den SchauspielerInnen, das hat imponiert.
Welche Ausbildungen und Weiterbildungen
hast du hinter dir?
Nach der Matura machte ich ein Turnund Sportlehrerstudium. Anschliessend
besuchte ich eine Bewegungstheaterschule,
doch nach einem Jahr schon brach ich ab.
Meiner Ansicht nach wurde ich dort zu
wenig ernst genommen, zudem hatte ich
genug von Schulen. Bald darauf gründete
ich das Theater Sgaramusch. Der grösste
Teil meiner Ausbildung war wohl Praxis.
Klar habe ich auch Lehrkräfte engagiert,
die mir Privatstunden gaben. Doch ich
muss sagen, dass ich mit jedem neuen
Projekt, das ich anpackte, viel mehr Neues
dazugelernt habe. Ich habe die Erfahrung
gemacht, dass die gelernte Theorie sich
in der Praxis meist nicht durchsetzen lässt.
In den letzten zehn Jahren habe ich vor
allem unterrichtet und zwar fast ausschliesslich auf Anfragen von Heilpädagogischen Schulen.
Du leitest eine Theaterwerkstatt für Kinder
und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung. Was reizt dich und motiviert dich
bei deiner Arbeit?
Ich fühle mich wohl im Zusammensein mit
diesen Menschen. Ich kann viel von ihnen
lernen. Sie haben spannende Eigenheiten,
die mich dazu bewegen, Dinge auch mal
von einer anderen Seite her zu betrachten.
Zudem fordern sie eine grosse Flexibilität,
was mir und ihnen ein grosses Lernfeld
bietet und ein waches Sensorium verlangt.
Ich mag auch, dass sie ihre Ideen nicht
sofort zensieren. So ist viel mehr möglich.
Es stehen weniger Normen im Wege, im
Spiel entstehen wertfreiere Umsetzungen
und Ausdrücke.
Welche Ziele verfolgst du?
Ich möchte, dass ein Jugendlicher mit
einer geistigen Beeinträchtigung nach der
Schule eine Tätigkeit ausüben kann, die
seinen Fähigkeiten entspricht. Das Theater
HORA ist der einzige Ort den ich kenne,
der eine solche Ausbildung anbietet. Dort
lernen die SchauspielerInnen immer dazu
und werden in ihren Fähigkeiten gefördert.
Sie werden ernst genommen. Ich habe
Institutionen kennengelernt und höre vor
allem von Menschen mit einer Beeinträchtigung selber, dass sie sich oft unterfordert
und nicht ernst genommen fühlen.
Welches sind die Herausforderungen?
Im Moment ist das grosse Altersspektrum
eine enorme Herausforderung. In der
Gruppe habe ich 9- bis 17-Jährige Kinder
und Jugendliche, das sind so extrem differente Entwicklungsstufen. Die Älteren
müssen viel Geduld aufbringen und doch
auch ihre Interessen befriedigen können.
Vor allem das Auswählen einer interessanten Geschichte erweist sich als sehr anspruchsvoll. Das Separieren ist noch nicht
möglich, da es zu wenige Anmeldungen
gibt. Es ist schwer an die Leute zu kommen
und Werbung zu machen.
Was spielt sich an einem Samstag in der
Theater Werkstatt ab.
Hast du einen klar strukturierten Ablauf?
Klar verfolge ich einen Faden, aber ich
nehme auch andere Kurven. Es kommt
ganz darauf an, wie die Kinder aufgelegt
sind. Entweder muss ich sie zum Laufen
bringen, oder beruhigen. In dieser Beziehung muss ich flexibel bleiben. Gewisse
Grundprinzipien sind schon da. Ich
fördere die Kinder indem ich sie fordere.
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Das heisst, dass sie sich mal durchbeissen,
etwas durchziehen müssen, dann können
sie rückblickend stolz auf ihre Leistungen
sein. Solche Berg- und Talfahrten sind
Erfahrungen, die man machen soll.
Wie sieht eine Arbeitswoche aus bei dir?
Keine Woche ist gleich wie die andere. Es
sind viele verschiedene ‘Baustellen’ offen
und ich switche von der einen zur anderen.
In einem Jahr läuft immer extrem viel, und
über ein Jahr hinaus planen ist sowieso unmöglich. Einerseits ist diese Art zu arbeiten
total spannend, andererseits aber auch
extrem anstrengend. Da ich selbständig
bin, kommt auch die Büroarbeit hinzu, die
Organisation, Vorbereitungen für Projekte,
Theaterstücke schreiben...usw. Wenn man
so arbeitet fällt es schwer Tiefe in einem Bereich zu finden und Sicherheit zu schaffen.
Es herrscht öfters Unklarheit wie man zu
seinem Mindesteinkommen kommt, da Prioritäten gesetzt werden müssen. Es ist eine
Knacknuss all diese «Baustellen» sinnvoll zu
verbinden, um davon leben zu können.
Die einzige Regelmässigkeit in meinen
Arbeitswochen ist das Unterrichten und
Fördern von Theater an zwei Heilpädagogischen Schulen. Aber auch diese Tätigkeit
ist eine Baustelle. Wenn die Bauherrin oder
der Bauherr das Haus für gut befindet, ist
meine Arbeit zu Ende.
Wie gestaltest du deine Freizeit? Hast du
Hobbies denen du regelmässig nachgehst?
Primär erhole ich mich in meiner Freizeit.
Dies geschieht im Austausch, in der Begegnung mit Leuten, mit dem Freundeskreis,
vor allem aber mit meiner Partnerin. Wir
reden über Gott und die Welt, nur selten
über Theater, nehmen uns zwischendurch
den Freiraum eine Reise anzutreten. Mir
wird das Pflegen einer Partnerschaft immer
wichtiger, vielleicht hat das ja mit dem zunehmenden Alter zu tun. Ganz oft kochen
wir auch zusammen. Obwohl, Kochen hat
auch viel mit Theater zu tun. Gutes Essen
und gutes Theater ist ein Genuss und tut
gut. Theater und Rezepte besitzen eine
Grobstruktur, an der man experimentieren, mit der man spielen und die man neu
zusammensetzen kann. Diese Kreativität
gefällt mir. Dasselbe gilt übrigens auch für
Ballsportarten.
Fällt es dir leicht Privates von der Arbeit
zu trennen?
Das fällt nicht leicht, ein gewisser Druck ist
immer da. Zwar läuft es immer besser, ich
kann auch mal etwas sein lassen und mir
sagen:« S‘chunt wies chunt!» Früher habe
ich meist das ganze Wochenende durchgearbeitet, mich regelrecht zugedeckt mit
Arbeit. Das ist wohl die Gefahr, wenn man
alleine lebt.
In einer Partnerschaft verschieben sich die
Interessen. Ich will, so gut wie möglich,
die Prioritäten anders setzen und mir Zeit
nehmen, die Beziehung zu pflegen, was
sehr schön ist.
Interview: Sarah Marinucci
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Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Ein Kind kommt auf die Welt. Die Mutter
und der Vater sind stolz und glücklich,
dass alles prima gelaufen ist; Verwandte
und Bekannte gratulieren und freuen
sich mit. Das Kind wird reich beschenkt
und alle sind neugierig auf die ersten
sprachlichen und bewegungstechnischen
Errungenschaften des kleinen Menschen.
Weiterhin geniesst der Knirps die uneingeschränkte Unterstützung, nicht nur
der Eltern und Grosseltern, sondern auch
von deren Freunden und Kollegen, nicht
zu vergessen die Paten. Sie allesamt kümmern sich liebevoll um das Wohlergehen
des Kindes. Die Jahre vergehen, das Kind
wird grösser, aus dem Kind ist ein Jugendlicher geworden, und als verantwortungsbewusste Eltern hegen, pflegen und
erziehen sie ihr Kind. Das Interesse der
Verwandten, Freunde und Paten schwindet nicht ganz, aber es beschränkt sich auf
spezielle Ereignisse, auf Geburtstage oder
Weihnachten...
Plötzlich entdecken aber die Eltern an
ihrem Kind ausserordentliche Fähigkeiten, die man unbedingt fördern muss;
ihnen sind ihrem finanziellen Rahmen
Grenzen gesetzt und sie wenden sich erwartungsvoll an Freunde und Paten…
Vermutlich merken Sie schon worauf
ich hinaus will. Das Theater HORA ist
vergleichbar mit einem 15jährigen Kind,
es hat schon vieles erlebt und auch schon
vieles erreicht, die Geschenke waren
zwar hart umkämpft, nichtsdestotrotz
kriegt es die elterliche Unterstützung
unvermindert fort. Nun will es aber höher
hinaus, vielleicht seine Welt erobern.
Wie sieht es aber mit seinen «Verwandten, Bekannten, Freunden und Paten» aus?
Ziehen die dann auch mit?
Das Theater HORA, integriert in die Stiftung Züriwerk, unterstützt und fördert
seit fünfzehn Jahren die künstlerische
Entwicklung von Menschen mit Behinderung. Nach wie vor laufen mindestens
zwei Theaterproduktionen pro Jahr vom
Stapel, finden neue Musikstücke den Weg
an die Konzerte, unterstützen wir den
Nachwuchs, geben den Amateuren ihre
Chance und möchten mit unvergesslichen
Workshops echte Integration vorleben.
Mit den HORA-Highlights, wie unser
diesjähriges Festival OKKUPATION!,
unserer Zusammenarbeit mit Simbabwe, den Teilnahmen an internationalen
Festivals haben wir den Anspruch mehr
zu sein, mehr erreichen zu wollen. Das
Theater HORA besitzt das Potential und
die Ambition, einen grösseren Platz im
Kulturbereich einzunehmen.
Aber all diese «Errungenschaften» helfen
uns nicht über die Schwierigkeiten der
kontinuierlichen Finanzierung hinweg zu
sehen. Gerade in dieser «Entwicklungsphase» braucht das HORA die Unterstützung seiner Mitglieder und Spender nach
wie vor!
Das jugendliche HORA – Kind mit seinen
besonderen Fähigkeiten wünscht sich
nichts sehnlicher als Freunde und Paten,
Zauberwerk
EDITORIAL
Zauberwerk
DIE ZWEITE
die es unterstützen, um diese Ziele zu
erreichen.
Ich möchte mich bei allen langjährigen
und neuen Theater HORA-Mitgliedern
ganz herzlich bedanken, dass sie uns in
all den Jahren und gerade jetzt die Treue
halten. Sie ermöglichen uns Kunst mit
Menschen mit einer geistigen Behinderung auf einem professionellen Niveau zu
machen.
Gleichzeitig möchte ich unsere langjährigen Freunde, Bekannten und Paten
ansprechen, die zwar regelmässig dieses
Heft erhalten, nicht Mitglied sind und bis
jetzt noch nie gespendet haben: Lassen
Sie sich überzeugen, bei uns können Sie
auch den unverbindlicheren Weg eines
Gönners beschreiten. In diesem Sinne
möchte ich Sie animieren den beiliegenden Einzahlungsschein ihrem Zweck
entsprechend einzusetzen: «Mitglied»,
«Spende»oder «Gönner».
Giancarlo Marinucci
Die HORA BAND hat dieses Jahr 22
Konzerte gespielt und während dieser
Zeit ihr Debutalbum aufgenommen.
Jetzt erntet sie die Früchte ihrer Arbeit.
Die HORA BAND hat einen Plattenvertrag bei der TUDOR Recording AG!
Am 15. Dezember 2007 kommt ihr Erstlingswerk «So Schön Wie Nie» in die
Plattenläden. 14 Eigenkompositionen vom
Allerfeinsten der Marke HORA BAND.
Eigensinnlich, wunderbar, stark und umwerfend!
Für Zauberwerk-Leser gibt es die Möglichkeit das Album jetzt schon zu bestellen. Zum Vorzugspreis von SFr. 25.– inkl.
Porto und MWSt.
Beiliegende Postkarte von diesem
Zauberwerk abtrennen und einsenden.
Plattentaufe mit Konzert und Präsentation eines Videoclip des Songs «Magic
Gold Rock» ist am Freitag, 11. Januar 2008
um 20.15 Uhr im Theater Stadelhofen.
Dazu sind alle herzlich eingeladen.
Ticketreservationen werden im HORA
Büro entgegen genommen. Billette an der
Abendkasse.
HORA BAND kann man buchen
Kontakt: HORA Büro: 044 405 71 41
oder hora@zueriwerk.ch
Theater HORA Züriwerk
Baslerstr. 30
Postfach 1029
8040 Zürich
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Schon seit Jahren erhalten wir Spenden und Mitgliederbeiträge für
unsere Projekte. Jahr für Jahr gibt es treue aber auch neue begeisterte Zuzüger, welche sich zu den Mitfinanzierer der grandiosen
Leistungen des Theater HORA zählen können. Dafür wollen wir
uns ganz herzlich bedanken. Doch muss betont werden, dass jeder
Mitgliederbeitrag und sämtliche Spenden, ob klein oder gross,
unseren Projekten zugute kommen und diese nur so finanziert
werden können. Die daraus entstehenden Theaterproduktionen
fördern die künstlerische Entwicklung unserer SchauspielerInnen
mit einer geistigen Behinderung, und tragen dazu bei, dass die
Öffentlichkeit auf das professionell künstlerische Schaffen aufmerksam wird und das Theater HORA präsent bleibt.
Bei der Realisierung unserer Ideen und Pläne sind wir auf alle Fälle
immer wieder auf Ihre Spenden und Mitgliederbeiträge angewiesen.
Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin oder neu das Theater HORA
unterstützen und es somit in seiner Position als angesehenes Theater in der kulturellen Szene stärken.
Besonderen Dank gilt folgenden Mitgliedern und Spendern
(Spenden ab CHF 500.–)
Chrams c hopf Zollikerberg,
HOLDIT
Ernst S c hwemmer Stiftung
Hamasil Stiftung
Inner Wheel Club
J. Meier
pro familia Glarus
T. S c hwarzenbac h
Stiftung St. Peter und Paul
Herzlichen Dank
an Verein Kerzenziehen
S c hwerzenbac h und AV Ganz
für die Ans c haffung des neuen
Videoprojektors im Theater
HORA
Projektbeiträge für
Herz der Finsternis
Verein Theater HORA
Pro Helvetia
Projektbeiträge für Tiopua
Verein Theater HORA
Stiftung Denk an mi c h
Hans und Hulda Klinger Stiftung
Zürc her Kantonalbank
Ev.-Ref. Kirc hgemeinden Züri c h
Buchmann-Kollbrunner-Stiftung
Herzlichen Dank
STIFTUNG FÜR DAS BEHINDERTE KIND für die Unterstützung
derKinder-undJugendtheaterwerkstatt 2007/08
Speziell hervorheben wollen wir
die Stiftung Denk an mich, die
dieses Jahr folgende Produktionen und Projekte unterstützt
hat:
• OKKUPATION!
• Tiopua
• Kinder-undJugendtheaterwerkstatt 2007/08
Seit 1992 überzeugt das Theater HORA
mit seinen SchauspielerInnen mit einer
Behinderung ein immer zahlreicheres
Publikum: 33 verschiedene Produktionen
und über 500 Aufführungen schmückt
unsere Statistik. Aktuell können wir Ihnen verschiedene Produktionen anbieten.
Auf unserer Homepage www.hora.ch
finden Sie eine genauere Beschreibung
der Stücke, welche mit Bildern ergänzt
und im Falle der Band sogar mit Hörproben versehen sind.
HORA
ZU
HAUSE
Unsere Produktionen sind «Der Gast
schüler» (geeignet für Schulen), «The
Fool on the Hill» (ein musikalisches
Tanzmärchen) und «Herz der Finsternis»
(nach dem gleichnamigen Roman von
Joseph Conrad)
Und weiterhin im Angebot:
Die unkonventionelle HORA BAND und
das erfolgreich festivalerprobte Improvisationsstück «Die Lust am Scheitern»
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Willkommen und
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Mitte September startete im Casino-Saal
ein erneutes, zweitägiges Casting für das
feste HORA-Ensemble.
Sechs neue SchauspielerInnen wählten
wir für die kommende Probezeit vom
November-Dezember 07 aus.
Mit ihnen wird das Ensemble wieder neu
durchmischt und wir hoffen, dass verschiedene Impulse und grosse Spielfreudigkeit die Theaterproben bestärken.
Herzlich willkommen heissen wir für die
Probezeit: Susanne Born, Reto Bossung,
Ana-Paula Da Silva Rosa, Reto Hintermann, Rudolf Jetter, Rahel Maurer
Auf Ende Oktober haben uns Regina
Sauter, unsere langjährige Schauspielerin
und Verena Maurer, die sich in einem
Jahr schnell im Ensemble integrierte, aus
privaten Gründen verlassen. Wir danken
ihnen, für ihre respektvolle und treue
Theaterarbeit mit uns.
Erwähnen möchten wir hiermit diejenigen die weiterhin, zum Teil seit Jahren,
uns mit grosser Freude, Engagement,
vielseitigen Denkanstössen und viel Professionalität begleiten:
Remo Beuggert, Sandra Grande, Matthias Grandjean, Sara Hess, Peter Keller,
Lorraine Meier, Madeleine Oertle, Tiziana Pagliaro, Marcel Trinkler, Walter
Weiss, Maryin Willemsen, Helen Züger
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RÜCKBLICK
Der mystische Kampf zwischen Gut und Böse, diesmal angesiedelt im Pfefferland.
Dieses liegt 80 0000 Meilen unter dem Meer, ein Wunderland ohne Winter, in
dem die Lieder der Sergeant Pepers Heart Club Band alle Bewohner mit Liebe und
Freude erfüllen. Doch des einen Freud ist bekanntlich des andern Leid. Und so
versucht der einsame Blaumiese, auch als «Nowhereman» bekannt und verspottet,
mit allen Mitteln dem musikalischen Treiben ein Ende zu machen. Ein Happyend
musikalisch, farblich und emotional bewirkt durch die weise Voraussicht des
Fools, entlässt die Zuschauer mit viel Freude in die anschliessende Beatles-Disco.
Das Theater HORA Züriwerk zeigt in Anlehnung an die frühere Produktion «3D»
eine eigene Version der «Yellow Submarinee»-Geschichte. Unter dem Titel «The
Fool on the Hill» wird dieses Stück aus dem Jahre 1968 zu einem farbenfrohen
Tanztheater verarbeitet, welches auch für Kinder verständlich ist. Sämtliche Musik besteht aus Coverversionen von Beatles-Songs.
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Unter diesem Motto haben sieben Kinder
und Jugendliche aus der bisherigen Gruppe
sowie zwei neu dazu gestossene die Proben
zur zweiten Theater-Werkstatt begonnen.
Und auch diesmal arbeiten wir auf eine
Aufführung hin. Vor den Sommerferien ’08
wollen wir unsere neue Geschichte unserem
Publikum präsentieren.
Die Proben finden weiterhin jeden Samstag
nachmittag von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr im
Casino-Saal Aussersihl statt. Interessentinnen und Interessenten sind auf Anmeldung
WEITERHIN IM HORA-REPERTOIRE
«DER GASTSCHÜLER» Ein ‘Stück Schulzimmer’ für Kinder,
JugendlicheundErwachsenezumThemaBehinderung&Integration.
jederzeit herzlich zu einem Probebesuch
eingeladen. Bitte setzen Sie sich telefonisch
oder per e-mail mit Urs Beeler in Verbindung: 044 341 46 09 / 078 634 30 34 oder
beegeo@bluewin.ch.
Das Stück spielt in den jeweiligen Klassenzimmern der zuschauenden SchülerInnen.
Und zu erleben gibt es Integration pur sowie
die Geschichte einer besonderen Freundschaft. Zwei schräge Vögel landen in einem
Schulzimmer und beginnen die Geschichte
von Herman zu erzählen. Wie er eines Tages
als behinderter Gastschüler in eine 3. Klasse
kam und die scheinbar alltägliche Ordnung
durcheinander brachte. Anhand des Notizheftes seines Mitschülers Florian spielen die
beiden lustige, traurige und merkwürdige
Augenblicke einer ungewöhnlichen Freundschaft.
Die Theater-Werkstatt für Kinder und Jugendliche wird unterstützt von der
STIFTUNG DENK AN MICH und der
STIFTUNG FÜR DAS BEHINDERTE
KIND.
Die aktuellen Spieldaten erfahren Sie im
Büro des Theater HORA oder unter
www.hora.ch. Das Stück eignet sich ganz
speziell auch für Studierende von sozialen
und pädagogischen Berufen.
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Probezeiten: Montags 13.30-16.30 Uhr.
Premiere: 11.04.08
Aufführungen: 12./13.04. und 16.–20.04.08
Die Proben haben im Oktober 07 begonnen.
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Als im August 1993 kurz nach der Gründung des Vereins Theater HORA unser
erstes fotokopiertes «Info-Blatt» an einige
wenige Mitglieder und an alle Behinderteninstitutionen des Kantons Zürich versandt
wurde mit dem Aufruf, zur Suche nach
neuen SchauspielerInnen für die zweite
HORA Produktion, inspiriert von Chaplins
City Lights, hatte ich noch viele unrealistische Träume. Eine Theaterkulturwerkstatt! Eine eigene Bühne! Einen gesicherten,
regelmässigen Lohn! Begeisterungsfähige
MitarbeiterInnen! Inzwischen sind wir mit
«Herz der Finsternis» bei der 26. HORA
Produktion angelangt. Der Verein hat über
500 Mitglieder und wir können in aller
Ruhe mit viel Goodwill unter dem Dach
der Stiftung Züriwerk unsere Produktionen erarbeiten.
Ein grosses Dankeschön an alle, welche
meine Träume finanziert haben!
HORA besteht unterdessen auch aus einer
«Amateur» Gruppe, geleitet von Salomé
Schwarzbach, einer Jugendgruppe, geleitet
von Urs Beeler, der HORA Band Züriwerk,
geleitet von Roland Strobel. Dass dies
möglich wurde, sorgen allen voran Giancarlo Marinucci und Conny Marinucci im
Büro, Rocco Maio für Unterhalt im CasinoSaal, Kathrin Iseli als Regieassistenz und
natürlich alle Beteiligten im Züriwerk und
im Verein Theater HORA, welche unsere
Arbeit mittragen wie u.a. der Direktor der
Stiftung Züriwerk Dr. Gottfried Hodel, der
Geschäftsleiter von Züriwerk Stadt HansPeter Kienast und der Präsident des Vereins
Theater HORA Simon Heller. An alle, die
in den letzten Jahren mitgeholfen haben
und die hier nicht erwähnt werden können,
an dieser Stelle auch nochmals ein grosses
«Danke!»
In den verschiedenen aktuellen Produktionen sind immer wieder dieselben
temporären MitarbeiterInnen mit Leib und
Seele dabei, ihren unentbehrlichen Beitrag
zu leisten zur Verwirklichung unserer Fantasien. Und last but not least sind da noch
unsere SchauspielerInnen, welche teilweise
schon seit Jahren mir in jeder Probe ihre
ungebremste, bewundernswerte Bühnenleidenschaft schenken.
Zauberwerk
EDITORIAL
Zauberwerk
editorial
So kann ich nun nach 15 Jahren Aufbauarbeit
mit grossem Vergnügen und Entspannung
meinen Rucksack packen und auf neue
Inspirationen und Abenteuer im Ausland
hinfiebern. Ab Oktober wird Jacqueline
Moro, eine versierte Tanz- und Theaterpädagogin, für 8 Monate (unterstützt von
Lisa Halbmann und Kathrin Iseli) meine
Arbeit übernehmen und ich bin sicher,
dass dies ein wertvolles Time-Out für alle
Seiten sein wird. Eine Premiere von ihrer
Arbeit wird voraussichtlich im Mai 08 im
Stadttheater Winterthur stattfinden.
Doch vorerst besetzen wir Zürich mit einem
künstlerischen Feuerwerk der Extraklasse.
Zum Doppeljubiläum von 15 Jahre Theater
HORA und 40 Jahre Stiftung Züriwerk
leisten wir uns den Luxus zu zeigen, wozu
wir fähig sind.
Ich kann Ihnen nur empfehlen: Verpassen
Sie unser Festival «Okkupation!» nicht.
Nach langen Jahren der Überzeugungsarbeit gehen nun plötzlich überall die Türen
auf. Durch die integrative Tanz- und Theaterarbeit mit «Laien» erhält die stagnierende freie Bühnenszene Impulse, welche
sie dringend braucht. In England z.B. wird
schon seit Jahren kein Unterschied mehr
gemacht zwischen Laienproduktionen und
professionellen Produktionen. Der einzige
Gradmesser ist die Qualität des Gezeigten.
Community Dance ist aus der Überzeugung und Erfahrung heraus entstanden,
dass jeder Mensch kreativ ist und das
Recht hat zu tanzen.
Dieses Recht besteht unabhängig von
Alter, Fähigkeiten, Geschlecht, Kultur,
Lebensumständen und Hintergründen.
Royston Maldoom («Rhythm is it») ist da
nur ein Beispiel von vielen. Rimini Protokoll aus Zürich ist mit seinen mit Laien
entstandenen Produktionen weit über die
Grenzen der Schweiz bekannt geworden.
Die Gruppe arbeitet für ihre Inszenierungen immer mit Laien zusammen, die
bei Rimini Protokoll «Spezialisten» heißen
und die in den Inszenierungen sich selbst
darstellen. Inzwischen sind sie zu Protagonisten einer boomenden Reality-Theater-
Bewegung geworden. Heute machen
Kulturinteressierte sich lächerlich mit dem
Ausspruch: «Das kann ja keine Qualität
haben… Da spielen doch bloss Behinderte,
Senioren, Asylanten, Strafgefangene, Obdachlose… einfach Unausgebildete!»
Nehmen Sie sich Zeit, studieren Sie unser
Programm zum Festival «Okkupation!»
und reservieren Sie sich Karten, möglichst
für mehrere Vorstellungen. Unser Wunsch
wäre ein interessiertes Festivalpublikum,
welches diese einzigartige Theaterlandschaft, diese unverwechselbaren, innovativen Theaterhandschriften kennen lernen
und mit uns über Sinn oder Unsinn einer
«Okkupation!» diskutieren will. Sie haben
es mit ihrem Interesse in der Hand, ob eine
solche Festivalidee wie in Berlin auch in
Zürich eine Fortsetzung finden wird.
Mit Ihrem Interesse an unserem Festival
helfen Sie uns mehr denn je, die Zukunft
der künstlerischen Arbeit mit Menschen
mit einer Behinderung in Zürich und anderswo zu sichern.
Michael Elber
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Herzlichen Dank, dass Sie mit Ihren Mitgliederbeiträgen,
kleinen und grosszügigen Spenden nach wie vor dazu
beitragen, dass unsere Produktionen und dadurch die künstlerische Entwicklung der Schauspielerinnen und Schauspieler
mit geistiger Behinderung finanziert werden können.
Es kommt immer wieder vor, dass wir Sammelspenden erhalten,
sei es von Geburtstagsfeiern, von Benefiz- oder Jubiläumsveranstaltungen oder von einer Abdankung.
Herzlichen Dank, dass Sie auch in diesem Jahr mit solchen
Sammelspenden an das Theater HORA denken.
Besonderen Dank gilt folgenden Mitgliedern
und Spendern (Spenden ab CHF 500.—)
Familie Geertsen, Th. Schwarzenbach
Gemeindeverwaltung Zumikon, Frauenverein Matthäus
Chramschopf Zollikerberg, HOLDIT
R. Gfeller, GSM Gear Spars & Maintenance AG
Projektbeiträge
Verein Theater HORA
Verband der Röm.-Kath. Kirchgemeinden der Stadt Zürich
Stiftung Kastanienhof
Röm.-kath. Zentralkommission des Kantons Zürich
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Projektbeiträge für das Festival «Okkupation!» (Stand 03/07)
SBB ShopVille-RailCity Zürich
Migros Kulturprozent
Tages Anzeiger (Medienpartner)
G + B Schwyzer Stiftung
Eidg. Departement des Innern, EBGB
Lotteriefonds des Kantons Zürich
Pro Infirmis Zürich
Sozialdepartement der Stadt Zürich
Aktion Denk an mich
Stiftung PONTE Projektfonds
Otto Gamma Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Werner H. Spross-Stiftung
Jubiläumsstiftung Zürich Versicherungen
Für die neuste HORA-Produktion («Herz der Finsternis»),
die innerhalb des Festivals uraufgeführt wird, danken wir
heute schon (Stand 03/07):
Präsidialdepartement der Stadt Zürich
Dr. Adolf Streuli Stiftung
Fondation H. Looser
Hamasil Stiftung
Martha Bock Stiftung
Buchmann Kollbrunner Stiftung
Fondation Nestlé pour l’Art
Stanley Thomas Johnson Stiftung
Unsere HORA-Produktionen
bei Ihnen zu Hause?
Seit 1992 überzeugt das Theater HORA
mit seinen SchauspielerInnen mit einer
Behinderung ein immer zahlreicheres
Publikum: 26 verschiedene Produktionen
und über 500 Aufführungen schmückt
unsere Statistik. Aktuell können wir Ihnen
verschiedene Produktionen anbieten.
Auf unserer Homepage www.hora.ch
finden Sie eine genauere Beschreibung der
Stücke, welche mit Bildern ergänzt und
im Falle der Band sogar mit Hörproben
versehen sind. NEU sind «Der Gastschüler»
(geeignet für Schulen), «The Fool on the Hill»
(ein musikalisches Tanzmärchen) und
«Herz der Finsternis» (nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Conrad)
Und weiterhin im Angebot: Die unkonventionelle HORA-Band Züriwerk, das
erfolgreich festivalerprobte Improvisationsstück «Die Lust am Scheitern» und die
feurig poetisch anmutende Tanztheaterproduktion «Nach allen Regeln der Kunst».
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Dieses Jahr wurde die HORA-Band
Züriwerk bereits für zehn Konzerte
gebucht.Weitere werden bestimmt
folgen. Auch die Aufnahmen für
das erste Bandalbum laufen auf
Hochtouren. Erscheinen wird der
Silberling im Herbst 2007.
Na dann, ein Toast auf die Zukunft,
wir können‘s kaum erwarten!
Roland Strobel
Zauberwerk
RÜCKBLICK
zum Thema
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Produktionsleitung: Gia
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Zauberwerk
RÜCKBLICK
Schülerinnen und Schüler einer Schulklasse aus Zürich-Oerlikon
haben nach dem Theaterstück ihre Eindrücke aufgeschrieben.
Anbei eine Auswahl:
Ich fand das Stück sehr witzig. Es wird
den anderen Klassen sicher auch gefallen.
Ich fand es ein bisschen langweilig, als
sie die Fische nachgemacht haben. (Oliver)
Ich fand das Theater lustig. Am meisten hat mir
der Schülerrap gefallen. Das mit den Fischen
fand ich langweilig. Das Schokoladenaufessen
in der Migros fand ich auch lustig. (Katarina)
Ich fand es sehr toll. Marcel hat sehr
gut gespielt, Urs natürlich auch. (Lisa)
Ich habe euer Theater sehr toll gefunden.
Aber als Hermann vor den Eltern gesungen
hat, fand ichs langweilig. Ich wünsche
euch alles Gute und viel Erfolg. (Yannick)
Gefallen hat mir, dass ein Behinderter
mit einem normalen Menschen spielt.
Aber was mir nicht gefallen hat, dass
sie nur zu zweit sind. (Jvana)
Möchten Sie sich das Stück ins Schulzimmer holen,
dann setzen Sie sich mit uns in Verbindung
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Bevor wir mit «Herz der Finsternis»
(Premiere Juni 07) im Rahmen des Festivals
«Okkupation!» die dunkeln Seiten der
menschlichen Seelen ausloten und damit
einmal mehr eine riskante künstlerische
Gratwanderung begehen, leisteten wir uns
eine HORA Produktion, wie sie immer
wieder vom Publikum gewünscht wird.
Farbig, grotesk, schrill, durchgeknallt,
witzig, mit wahnwitzigen Kostümen, viel
Musik, einer einfachen Dramaturgie,
die Rollen den SchauspielerInnen
auf den Leib geschrieben…
Sie erleben ein Tanztheatermärchen
über die Kraft der Liebe, über die Magie
der Musik. Love is all you need!
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Völlig frei inspiriert vom 68er Beatles
Zeichentrickfilm «Yellow Submarine» ist
HORA Produktion Nr. 25. «The Fool on
the Hill» entstanden: Die erste Produktion
mit dem neuen Ensemble. Sweet Loretta
Martin, Mr. Moonlight, Martha my Dear,
Molly is the Singer in a Band, Dr. Robert,
Lucy in the Sky, Mr. Kite, der Paperback
Writer, Elena Ratti, Prudence, Julia und
wie sie alle heissen im Pfefferland, sie alle
werden vom Nowhere Man dem Blaumiesi
böse schikaniert. Zusammen mit Glove
dem fliegenden Handschuh nimmt der
Blaumiesi das Zepter in die Hand und
verwandelt alle, die nicht rechtzeitig
wegkommen in bewegungslose Statuen.
Schliesslich kann nur der Kapitän, Fred
Moonlight mit dem gelben Unterseeboot
entkommen. In Indien bei einer Yoga
Lektion von Guru Deva findet er die
Retter: John, Paul, George und Ringo!
Sie nehmen nach einem heissen Ratschlag
des Gurus den Kampf gegen die Blaumiesi-Ordnung auf. Der faule Verrückte
auf dem Hügel, der es ja schon immer
gewusst hat, der genau weiss, wie die Welt
sich dreht, schafft es letztendlich, dass
auch der eigenartige Blaumiesi in die Welt
der Pfefferländer aufgenommen wird.
Everybody’s talking about IV, AHV,
ASV, BSV, NFA, HSV, FCZ. But: All we
are saying is give integration a chance!!!
Stellen Sie sich ein riesen
grosses Werbe Plakat am Opernhaus in
Zürich vor. Auf
diesem steht allein im Mi
ttelpunkt ein
Mann mit Down-Syndrom
des Theater
HORA, der unter dem Tit
el «Show Up!»
auf eine mit verschieden
en Preisen ausge zeichnete Produktion auf
merksam macht,
bei der er – neben bekan
nten anderen
Schauspielerinnen und
Schauspielern – die
Hauptrolle spielt. Könn
te so etwas überhaupt Realität sein oder
bleibt es doch eher
eine Wunschvorstellung
?
An der europäischen Fac
htagung zur
künstlerischen Bildung
geistig beeinträchtigter Menschen, die vom
25. – 27. Januar
2007 in Hamburg durch
geführt wurde,
konnten Giancarlo Marin
ucci, Roland
Strobel und ich uns ein
Bild davon machen,
wie stark sich in den let
zten Jahrzehnten
die künstlerische Arbeit
von und mit
behinderten Menschen
verändert und sich
in der Kunstszene an vie
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festen Platz erobert hat
. Dies gilt nicht nur
für die Arbeit in Film un
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auch für die Musikszene
und die Bildende
Kunst, in welcher Künst
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Künstler mit Assistenzb
edarf in Ateliers
arbeiten und ihre Werke
durch professionelle
Galerien ver treiben las
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Was aber braucht es, da
mit solche Projekte
ver wirklicht werden kön
nen und wo steht
das Theater HORA und die
Stiftung Züriwerk
in diesem Prozess?
Die interessanten Ausfü
hrungen zur Ge schichte einzelner Projek
te machten deutlich, dass viele von ihnen
auf einem grossen
Engagement einzelner
Personen basieren
und dass der Kampf um
Anerkennung und
Unterstützung oft viel Au
sdauer voraussetzt. In den zahlreichen
Gesprächen
am Rande der Tagung wa
r für mich aber
auch erkennbar, dass da
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international einen aus
gezeichneten Ruf
und einen festen Platz
in der Theaterszene hat. Und auch für die
HORA-Band
eröffnen sich durch Ko
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ue Perspektiven,
die viel versprechend sin
d. Aber wie steht
es mit der bildenden Ku
nst? Könnte dieser
Bereich vielleicht ein we
iteres Standbein
innerhalb einer Kulturw
erkstatt der Stiftung Züriwerk sein?
Diese Idee wird mich auf
jeden Fall weiter beschäftigen und vie
lleicht mit der
Unterstützung anderer
dazu beflügeln,
einen weiteren Traum zu
ver wirklichen.
Aber vorerst gilt die Ko
nzentration einer
anderen Produktion, näm
lich dem internationalen Theaterfest
ival «Okkupation!».
Und hier heisst es schon
bald in namhaften
Theaterhäusern der Stadt
Zürich: «Show Up!»
Dr. Gottfried Hodel
Direktor Stiftung Züriw
erk
Zauberwerk
ANGEBOT
Auch die HORAmateure sind inzwischen
wieder an der Erarbeitung einer neuen
Produktion. Die Kursleiterin Salomé
Schwarzbach hat sich mit den KursteilnehmerInnen über deren Lieblingsrollen
unterhalten und hat schliesslich mit ihnen
zusammen eine skurril-witzig-absurde
Vampir-Geschichte erfunden:
Ein Schriftsteller in einer Midlife-Krise
will sich von den Strapazen des Lebens
Zauberwerk
Angebot
auf einer Kreuzfahrt erholen. Leider
erlebt er mehr nervenaufreibende Abenteuer als ihm lieb ist. Die Gallionsfigur
des Windjammers, wird jeweils in der
Nacht zu einem blutrünstigen Vampir.
Die gebissenen Passagiere verwandeln
sich in tanzverrückte Katzen. Vergleiche
mit dem Musical Cats sind von nun an
ganz und gar beabsichtigt!
HORAmateure ist eine Einstiegsplattform fürs HORA-Ensemble. Theater Fans
(mit IV) haben hier die Möglichkeit, das
Theater HORA ohne Druck und mit einem
minimalen Zeitaufwand kennen zu lernen.
Der Kurs findet einmal pro Woche
(momentan Dienstagabend 18 Uhr – 20 Uhr)
im Casino-Saal Aussersihl statt. Es muss im
Gegensatz zum Profiensemble ein Kursbeitrag bezahlt werden. Nach «Peer Gynt»
und «Der Sturm» wird jetzt mit «Auf hoher
See» die dritte Aufführung auf die Bühne
gebracht. Aspiranten (mit IV), welche an
einem intensiven Tanz-, Theater- und
Musiktraining interessiert sind, können
noch bis Ende Mai in diese Produktion einsteigen. Informationen und Anmeldungen
unter 044 405 71 41. Assistiert wird Salomé
Schwarzbach von Barbara Boyo. Ein zusätzlicher Praktikant wird noch gesucht.
Nachdem im vergangenen Sommer die
erste Theater-Werkstatt mit zehn Kindern
und Jugendlichen erfolgreich gestartet ist,
planen das Theater HORA und Urs Beeler
bereits deren Zweitauflage.
Wiederum werden sich die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer (ab 7 Jahren) auf:
…eine Abenteuerreise in das Land der
schönsten, miesesten, aufregendsten,
und unmöglichsten Erlebnisse und Geschichten, auf eine Entdeckungsreise in
das Leben anderer Menschen, Tiere und
Phantasiewesen…
begeben und das Kursjahr mit einer Aufführung beenden.
Kurszeit:
Jeweils Samstag 13.00 bis 15.00
(Start nach den Sommerferien 07; ca. 35
Kursanlässe bis zu den Sommerferien 2008)
Kursort:
Noch offen, je nach Eingang der Anmeldungen wird eine separate Kinder-Werkstatt (7–12-jährige) durchgeführt.
Für detaillierte Informationen
wenden Sie sich an:
Urs Beeler
Winzerhalde 6
8049 Zürich
T: 044 / 341 46 09
M: 078 / 634 30 34
beegeo@bluewin.ch
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Zauberwerk
AUSBLICK
Zauberwerk
AUSBLICK
Musiker und Schauspieler bei «Die Lust am
Scheitern» und verantwortlich für die
Musikkomposition bei «Herz der Finsternis»
Ole Schmidt hat gerade die Premiere von
«Das Fest» hinter sich, wo er die Bühnenmusik komponiert hat, zu der Inszenierung
von Philip Tiedemann am Theater in der
Josefstadt in Wien. Im Moment konzeptioniert er Musik zu einem Video von Diana
Wesser «dancing about architecture» und
ein Kammermusikstück nach «Spektralanalysen einer Blaumeise».
Seit den Anfängen des Projektes
«Die Lust am Scheitern» hat mich die
Musik, die die HORA-SchauspielerInnen
machen, immer besonders fasziniert.
Zentrales strukturelles Element ist
dabei eines, das auch mich schon lange
beschäftigt: die Wiederholung.
Die Wiederholung, die Schleife, der Loop,
die Variation des «immer Gleichen»:
Wo fängt die Variation an, wo ist das
«Gleiche» noch gleich? Wenn man das
«Gleiche» zum dritten Mal hört, ist es
dann noch das «Gleiche» wie das, was man
beim ersten Mal gehört hat? Rückt jetzt
vielleicht ein Element in den Vordergrund,
das man beim ersten Hören noch gar nicht
wahrgenommen hat? Es entsteht eine
Rückkoppelung, ein Feedback, für Hörer
und Musiker gleichermassen, es findet also
auf beiden Seiten eine Veränderung der
Rezeption des Gehaltes statt. Als nächstes
ergibt sich die Frage nach der Dauer, der
Potenz, dem Puls: Wie lange trägt dieses
immer Gleiche, wo sind seine Grenzen, in
welches «Nächstes» muss es sich dann
organisch verwandeln? Ist die Wiederholung
schon die Verwandlung, die Verpuppung?
Muss das «Nächste»vielleicht frei einfallen? Ist es mit dem Vorherigen nicht schon
dadurch ausreichend verbunden, dass es
danach kommt? Diese (nicht nur musikalischen) Fragen wurden und werden von
den musizierenden HORA-SchauspielerInnen in faszinierender Weise immer
wieder neu bearbeitet, thematisiert, wenn
nicht gar gelöst.
Jetzt wollen wir den Pudding an die Wand
nageln: Nach musikalischen Vorstudien zu
«Herz der Finsternis» auf einem HORAWorkshop und in einer Vorprobenphase
reifte die Idee, die Bühnenmusik für «Herz
der Finsternis» ausschliesslich aus bearbeiteten Aufnahmen des neugegründeten
HORA-Streichensembles und dessen LivePerformance zu realisieren.
So wird in «Herz der Finsternis» die besondere Musik der HORAs als Bühnenmusik
zu hören sein.
Musiker und Schauspieler bei «Die Lust am Scheitern»
und Schauspieler bei «Herz der Finsternis»
Chris Weinheimer arbeitet zur Zeit an der
Bühnenmusik zu «Faust». Die Inszenierung
von Roland May hatte am 25.2.07 am Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau (das liegt
im östlichsten Zipfel Deutschlands, zwischen
Polen und Tschechischer Republik) Première.
neuerer Zeit auch einer der umstrittenen
Romane der Weltliteratur. Trotz seiner
Kürze beinhaltet er die zentralen Themen
des Menschen:
Wer bin «ich», wer sind «die Anderen», was
ist «das Andere»?
«Herz der Finsternis» (1902) von Joseph
Conrad ist der teilweise autobiographische
Roman einer Reise. Der Erzähler, Marlow,
war als Angestellter der Belgischen Kongo-Gesellschaft auf der Suche nach einem
vermissten Agenten, einem gewissen Kurtz.
Er beschreibt, während er mit Freunden auf
einer Segelyacht vor London auf die Flut
wartet, diese Suche: von seiner Bewerbung
in Brüssel, der Reise den Kongo hinauf als
Kapitän eines kleinen Dampfbootes bis zum
Auffinden Kurtz’, von dessen Tod und dem
Besuch bei der verwitweten Ms. Kurtz in
England. «Herz der Finsternis» ist einer der
wichtigsten, der meistgelesensten und in
«Herz der Finsternis» ist auch die Geschichte einer Reise ins Herz Afrikas, die für den
Erzähler zu einem Trip in das eigene Unterbewusstsein wird. Der Roman von Joseph
Conrad ist für das «Theater HORA» Vorlage
für ein Stück, das die Mittel von epischem
Theater, Performance und Konzert nutzen
wird. Die Form ist dieselbe: hier wie dort
wird die Geschichte erzählt. Aber auf der
Bühne soll sie zum Leben erweckt werden:
die HORA-SchauspielerInnen sind die Verkörperungen der Erinnerung des Erzählers
Marlow. Sie lassen szenisch und musikalisch
die Welten, in denen er sich bewegt, entstehen. Die offene Einheitsbühne verwandelt
sich durch sie u.a. in ein belgisches Kontor,
einen Überseedampfer und zuletzt in den
kongolesischen Stützpunkt des Agenten
Kurtz. Mit ihm begegnet dem Erzähler ein
Mensch, der aufgebrochen ist in eine Welt
jenseits aller moralischen Werte. Es wird
klar, wo das Böse seinen wirklichen Sitz
hat: nicht im düsteren, fremden Kontinent,
sondern im dunklen Herzen jedes Menschen.
Dieses Projekt von sogenannt Behinderten
und sogenannt Normalen ist eine Geschichte
über das Fremde, das Andere. Und sie wird
von den «Experten des Andersseins» erzählt.
Zauberwerk
AUSBLICK
Zauberwerk
AUSBLICK
Beat Fäh führt die Regie bei
«Herz der Finsternis»
Beat Fäh inszeniert momentan «Buddenbrooks» an der Schauburg in München.
Weitere Inszenierungen neben «Herz
der Finsternis» in diesem Jahr sind «Der
Gott des Gemetzels» von Jasmina Reza
in Dreseden, «Der Schimmelreiter» von
Theodor Storm in München und «Zur
schönen Aussicht» von Ödön von Horváth
in Oberhausen.
«Die Lust am Scheitern» war für mich eine
der herausragenden Arbeiten meiner über
20-jährigen Regietätigkeit und es vergeht
wohl seither kaum eine Arbeit wo ich nicht
in der einen oder anderen Form davon
erzähle. Meine Erwartungen wurden damals
qualitativ und atmosphärisch bei weitem
übertroffen. Die Schauspieler des Theater
HORA haben der Vorarbeit, die ich mit
den Musikern von «Post no bills» gemacht
hatte einen überraschenden Sinn gegeben.
Ihre Eigenwilligkeit und Beharrlichkeit
hat mich immer wieder vor neue Rätsel
gestellt, die ich aber mit grosser Zuneigung
zu diesen Menschen lösen wollte. Es war
damals ein wunderbarer Perspektivenwechsel, ein Bruch in den gewohnten,
eingeschliffenen Formen der Probenabläufe einer Stadt- oder Staatstheater Produktion. Es war sehr befriedigend, frischer
und motivierter aus einer Arbeit herauszugehen. Es gibt bei den Berufsschauspielern
immer sehr schöne Bilder zu sehen und
sehnsüchtige Kommentare zu hören, wenn
ich von der Lust am Scheitern erzähle.
Sie scheinen mich immer um diese Arbeit
zu beneiden. Sie sehnen sich genau wie ich
nach neuen Impulsen für die alltägliche
Arbeit, nach unkonventionellen Denkansätzen, nach kreativem Chaos, nach «der
Lust am Scheitern».
Ich freue mich auf die Arbeit an «Herz der
Finsternis» mit dem Theater HORA und
hoffe, dass ich für alle Beteiligten einen
Weg finde, die Balance zwischen Herausforderung und Können zu halten und den
Geist von «Die Lust am Scheitern» weiter
erhalten kann.
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06/2006 – Zauberwerk Nr. 22
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Das Magazin de
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Nummer 21, Juni
2006
Rückblick:
HORA am Blickfelderfestival
Ausblick:
«Il sogno della vita»
Ausblick 2007:
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Internationales Festival «Okku
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Liebe
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Liebe Leserinnen und Leser
Liebe Mitglieder und Gönnerinnen
und Gönner des Vereins Theater
HORA
Dreizehn Jahre nach der ersten HORA
Produktion «Aber Zeit ist Leben und das
Leben wohnt im Herzen» nach Michael
Endes Roman «Momo», haben wir 379 Aufführungen von 24 verschiedenen HORA
Produktionen in der Schweiz, Deutschland,
Österreich und Italien erlebt. Nun gönnen
wir uns eine kleine Verschnaufpause. Aufgrund verschiedener unglücklicher, nicht
planbarer Vorfälle sahen wir uns gezwungen, die angesagte Wiederaufnahme von
«Il sogno della vita» vom Frühjahr auf den
Herbst 06 zu verschieben. (Siehe Agenda) Ausserdem wird es entgegen unseren
angekündigten Plänen, auch nicht mehr zu
einer Wiederaufnahme von unserem Dalí
Open Air Stück im Oerlikoner MFO-Park
kommen. Schade!....
Aber...
Wie gewohnt machen wir das Beste aus
den nicht unvorhersehbaren Umständen.
Chaos erfordert Kreativität. Wir sammeln
jetzt Kräfte, um im Sommer 2007 umso
populärer wieder auf der Bildfläche zu
erscheinen.
Reservieren Sie sich die Zeit von 6. bis
24. Juni 2007!
Unter dem Titel «Okkupation» laden wir
die bekanntesten, professionell arbeitenden integrativen Theatergruppen aus Europa, die grossen Theaterhäuser Zürichs, die
Medien ein, um den Alltag und Ihr Denken
zu besetzen.
Seit diesem Sommer bereitet das Theater HORA Züriwerk und die Lebenshilfe
GmbH aus Deutschland mit grosszügiger
Starthilfe der Pro Infirmis Zürich das
nächste Highlight der HORA Geschichte
vor. Am 6. Juni 2007 wird im Theaterhaus
Gessnerallee zum 40 Jahr Jubiläum der
Stiftung Züriwerk ein zweiwöchiges internationales integratives Festival eröffnet.
Theater Stap aus Belgien mit «Ook»; einer
Choreografie von Sidi Larbi Cherkaoui
(Compagnie C. de la B.) und Compagnie de
L’Oiseau Mouche aus Frankreich mit «Et
six Gisèle(s)?», einer provokant verstörenden Interpretation des berühmten romantischen Ballets «Gisèle», sind die ersten
Fixpunkte des Festivals.
Das Theater HORA wird im Casino-Saal
Aussersihl eine Premiere frei nach Joseph
Conrads Roman «Heart of darkness»
zeigen. Ausserdem planen wir, unsere
befreundeten MusikerInnen aus Simbabwe
nochmals einzuladen und eine Konzerttournee mit «Inkonjane» zu organisieren.
Um diese Tournée auf die Beine zu stellen,
haben wir ein Patronatskomitee gegründet.
Näheres dazu im Innenteil. Weitere Aufführungen des Festivals sollen im Festivalzentrum in der Roten Fabrik, im Tanzhaus
Wasserwerk und im Schauspielhaus stattfinden. Sie sehen also, das Theater HORA
lässt Sie mit neuen Ideen langfristig nicht
im Stich. Unbehinderte Bühnenmomente
warten darauf; Ihre Nerven zu kitzeln, Ihre
Augen zu betören, Ihre Ohren zu öffnen,
Ihr Denken zu verwirren; um Sie dann....
verstummen zu lassen.
Wir hoffen, wir haben Ihnen jetzt den
Speck durch den Mund gezogen! Wir
freuen uns!
Michael Elber,
Künstlerischer Leiter Theater HORA
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Herzlichen Dank an alle Privatpersonen, die mit ihrer
kleinen oder grosszügigen Spende zugunsten unseres Vereins
Theater HORA dazu beitragen, dass wir immer mehr Menschen
mit Behinderung in ihrer künstlerischen Entwicklung
unterstützen können.
Herzlichen Dank all unseren langjährigen und
neuen Mitgliedern, die mit ihrem Mitgliederbeitrag und
mit zusätzlichen kleinen oder grosszügigen Spenden dazu
beitragen, dass unsere Produktionen finanziert werden können.
Projektbeiträge:
Alexis Victor Thalberg Stiftung
Gessner AG
Hamasil Stiftung
Pro Infirmis Zürich
Römisch-katholische Zentralkommission
Stiftung für das behinderte Kind
Verein Theater HORA
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Besonderen Dank gilt folgenden Mitgliedern
und Spendern (Spenden ab CHF 500.00)
Unsere HORA-Produktionen
bei Ihnen zu Hause?
Fritzsche Marianne & Andreas
Gfeller Roland
Sponagel-Senti Felix & Monika
Wassmer R.
Schwarzenbach Theo
Evang. Frauenverein Matthäus
Gemeindeverwaltung Zumikon
Römisch kath. Kirchgemeinde Zürich-Oerlikon
Stiftung Dr. Robert Thyll-Duerr
Seit 1993 überzeugt das Theater HORA
Züriwerk mit seinen SchauspielerInnen mit
einer Behinderung ein immer zahlreicheres
Publikum. 24 verschiedene Produktionen in
fast 400 Aufführungen haben inzwischen
über 24‘000 Personen begeistert. Für die
nächsten zwei Jahre können wir Ihnen verschiedene aktuelle Produktionen anbieten.
Für jedes Bedürfnis gibt es ein Angebot:
Von der günstigen, unkonventionellen
HORA-Band Züriwerk «Golden Reed»,
zu unserer Open-Air Maskenperformance
«Der einzige Unterschied zwischen uns
und Salvador Dalì ist, dass wir nicht Dalì
sind», über das erfolgreiche festivalerprobte
Improvisationsstück «Die Lust am Scheitern» oder die feurig poetisch anmutende
Tanztheaterproduktion «Nach allen Regeln
der Kunst» bis zur äusserst aufwändigen
Grossproduktion «Il sogno della vita» ist für
jedes Theaterherz etwas zu haben.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir
beraten Sie gerne. Bestimmt lässt sich das
Richtige für Ihren Anlass finden!
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Ursprünglich war «Up and Down» als
neunte Produktion des Theater HORA im
April 2000 in Anlehnung an Ionescos «Die
Stühle» entstanden. Die selbstgeschriebenen Songs der zwei HORA-DarstellerInnen Denise Wick Ross und Andreas
Grande, waren eingebettet in eine Theaterinszenierung. Bald wurde aber klar, dass
diese Kombination von Musik im Theater
kein befriedigendes Resultat hervorbrachte. Das Essentielle, nämlich die Message
ihrer Lieder ging völlig verloren. Die Produktion wurde zu einem «Liederabend».
Letztes Jahr übernahm der Musiker Roland
Strobel die Leitung dieses Projektes. Er beschloss im näheren Umfeld, weitere Menschen mit einer Behinderung zu suchen,
die gerne Musik machen. Nach einiger Zeit
bildete sich ein sechsköpfiges Ensemble.
Somit ist es keine Frage, dass diese Stücke
und der hierdurch hergezauberte Mikrokosmos, durchaus seine Existenzberechtigung hat, und es gelingt jedes Mal, Gefühle
und Sentimentalität bei den Zuhörern zu
wecken, die für eine kurze Zeit in eine
neue Sphäre eintauchen können. Die durch
die Vorführenden präsentierte Welt, regt
vieles zum Nachdenken an und vermag gar
neue Wege aufzuzeigen, wie wir unseren
realen Alltag meistern könnten.
Mehr dazu unter www.hora.ch
Zauberwerk
RÜCKBLICK
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RÜCKBLICK
«Nach allen Regeln der Kunst»
in Solothurn
Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums von
Insieme Solothurn gastierte das Theater
HORA in Solothurn.
«Ein eigenartig-einzigartiges, augenzwinkerndes und ausgesprochen lustvolles
Tanzspiel. Eine absurde, beinahe sprachlose Geschichte um Regeln, Normen und
Ordnung, das Brechen von Regeln, die
Missachtung von Normen, die Bekämpfung von Ordnung und das verbotene Gelächter auf der Bühne.» So ist die Beschreibung des Tanzspiels «Nach allen Regeln
der Kunst», das im Stadttheater Solothurn
im März 2006 aufgeführt wurde.
Oltner Tagblatt/MLZ
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Nach «Il sogno della vita» (2004) ist nun
dieses Jahr das erfolgreichste Stück des
Theater HORA beim Blickfelder-Festival
2006 gezeigt worden.
Das 11. internationale «Blickfelder – Theaterfestival für ein junges Publikum», so der
Originaltitel der Veranstaltung, war vom
10. März bis 1. April 2006 auf verschiedenen Bühnen, sowohl in Zürich wie auch in
Bern, Chur, Luzern, Schaan und Steckborn
präsent. «Die Lust am Scheitern» wurde in
Zürich in der Kanzlei-Turnhalle aufgeführt. Das Motto der neusten Ausgabe
des Blickfelder-Festivals hiess «Theater
soll wie Fussball sein». Diejenigen, die
«Die Lust am Scheitern» schon miterleben
durften, werden mit uns einig gehen, dass
unser Stück sehr viel mit dem Wesen des
Fussballspiels gemeinsam hat.
Schüler und Schülerinnen haben nach dem
Theaterbesuch ihre Eindrücke aufgeschrieben. Anbei eine Auswahl
Ich fand das Theater toll. Ich habe mich
glücklich gefühlt. Es war toll zu erfahren, dass
behinderte Menschen so viel können. Und das
alles einfach so spontan.
Deborah
Das Theater hat mir sehr gefallen, weil es
sehr humorvoll, spontan war. Aber es war
auch teilweise unangenehm, eklig! Man
meinte fast, dass es wirklich echt war, und
darum liess ich mich ein bisschen verwirren.
Kathrin
Es war am Anfang langweilig, weil
irgendwie nichts passierte. Es gab Szenen,
die waren lustig und es gab Szenen, die
waren langweilig.
Dominic
Er spielte ein Instrument und den Doktor der
jemandem das Bein repariert. Also ich hörte es
so, dass das Bein mit einer Art Schraube zurück
repariert würde.
Keuser
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Das Theater Hora hat mir sehr gefallen.
Und was ich besonders lustig fand,
war dieser Mann mit den verknickten
Füssen. Eine Person kam nach vorne
und sagte: «Mist, ich habe Flöhe», und
dann fing sie an, Fliegen zu töten und
dann zu essen. Und plötzlich sagte sie:
Ich muss nasenbohren, und das fand ich
sehr eklig. Zuerst hatte sie mit einem
Finger in der Nase gebohrt und dann
hatte sie mit zwei Fingern in der Nase
gebohrt. Ich möchte diese Rolle nicht
spielen, weil dann müsste ich vor der
ganzen Klasse in der Nase bohren.
Nadja
Zauberwerk
Angebot
Zauberwerk
Angebot
Workshops für Schulen,
Institutionen, aber auch
Betriebe und Firmen
Theater-Schnupperkurse und
Theater-Weiterbildungskurse
Das HORA-Ensemble hat auch dieses
Jahr gemeinsam mit Michael Elber einige
Weiterbildungs- und Schnupperkurse
im Casino-Saal durchgeführt. Während
einem Tag oder auch bis zu einer Woche
fanden sich diese sehr unterschiedlichen
Gruppen gleichberechtigt zusammen bei
Spiel, Bewegung, Musik, viel Lachen und
interessanten theatralischen Begegnungen.
Die Begeisterung auf beiden Seiten war
Weiterbildungsangebote/Workshops:
«Theaterspiel mit Menschen mit und ohne Behinderung»
für Institutionen, Schulen, Firmen usw.
gross. «Eigentlich müssten wir jetzt gleich
ein Stück zusammen inszenieren,» so der
Tenor nach dem Workshop. Fazit: Selten
macht die theaterpädagogische Arbeit
so stark Sinn wie bei diesen Workshops.
Wenn man von Integration spricht, hier
wird sie wirklich hundertprozentig gelebt,
ohne Unterschiede.
Leitung:
Michael Elber und HORA-Ensemble
Teilnehmende:
HORA-Ensemble 10-14 Personen, sowie bis zu zwanzig
TeilnehmerInnen des Auftraggebers
Ort:
Casino-Saal Aussersihl (Nähe Helvetiaplatz) oder zur
Verfügung gestellter Raum des Auftraggebers
Dauer:
von einem halben Tag bis zu zwei Wochen
evtl. anschliessende Workshop-Aufführung
Kosten:
In Absprache mit dem Büro 044 241 70 07
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ANGEBOT
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Endlich ist es soweit! Immer wieder wurden
wir angefragt, ob das Theater HORA ein
Angebot für Kinder und Jugendliche einrichten kann. Darauf mussten wir immer
abschlägige Antworten geben, da bis jetzt
niemand das Risiko eingehen wollte, etwas
ganz Neues aufzubauen. Nun also haben
wir eine Nachwuchsförderungs-Abteilung!
Urs Beeler hat während seiner 25-jährigen professionellen Theaterarbeit in den
letzten 5 Jahren vermehrt mit Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen mit Beeinträchtigung gearbeitet. Unter seiner Leitung sollen Mittwochnachmittag und/oder
Samstag Jahreskurse stattfinden.
Für weitere
Informationen
wenden Sie sich an:
Urs Beeler
Winzerhalde 6
8049 Zürich
T: 044 341 46 09
beegeo@bluewin.ch
Zauberwerk
ANGEBOT
Zauberwerk
AUSBLICK
«...Und da kommt die Produktion dem Geiste Fellinis, der ja seinerseits filmend über das
eigene Tun reflektiert, ebenfalls häufig mit
Laien gearbeitet und ihnen seine Drehbücher angepasst hat, bemerkenswert nahe:
seiner Mischung aus Komik und Wehmut,
aus Bürgerlichkeit und Zirkuszauber, aus
Alltäglichem und Traumhaften (...) und es
entsteht jene Verzauberung, zu der dann
immerhin auch konkreter benennbare Mittel beitragen: intensive Beleuchtungseffekte,
präzise eingesetzte Videoaufnahmen und,
natürlich, viel originale Filmmusik.»
Zürichsee Zeitung 26.03.04
«Ich zwinge einen Schauspieler nie dazu,
in eine fremde Haut zu schlüpfen, ich lasse ihn
lieber das ausdrücken, was er ist und kann.»
Federico Fellini
Viele faszinierende Parallelen zu Fellinis
Arbeitsweise veranlassten uns (Michael
Elber, Nicole Tondeur und Krishan Krone)
dazu, im Winter 03/04 ein Stück zu entwickeln, welches von den Filmen (insbesondere «La strada») dieses Altmeisters
inspiriert wurde. Im Rahmen des Blickfelder Festivals 04 wurde es schliesslich mit
Erfolg aufgeführt.
Aufgrund der kurzen Zeit, die uns zur
Erarbeitung zur Verfügung stand, gelang
es uns allerdings nicht, sämtliche Sze-
nen zu streichen, die uns nicht gelungen
schienen. Eine Wiederaufnahme stand
lange in Frage durch den damaligen Unfall
von Marcel Trinkler, dem Darsteller von
Matto, dem Hochseilartisten.
Nun steht einer Neubearbeitung nichts
mehr im Wege. Wir möchten Sie herzlich
einladen, einer gekürzten Neubearbeitung
noch einmal oder zum erstenmal die Ehre
zu erweisen. Das ohne Zweifel visuell
schönste Stück aus der HORA-Küche
hofft nochmals auf ein grosses Publikum.
«Die Freude der Schauspieler schwappt ins
Publikum über – die 20. HORA Produktion
ist einmal mehr grossartig.
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Zauberwerk
AUSBLICK
Zauberwerk
AUSBLICK
Zauberwerk
PARTNER
Patronatskomitee
Wie im Editorial erwähnt, planen wir unsere Freunde aus Simbabwe, diese drei wunderbaren, talentierten körperlich behinderten MusikerInnen, die unserem Amanzi
Projekt zu einem grossen Publikumserfolg
verholfen haben, im Sommer 07 wieder zu
einer Konzerttournee einzuladen. Zu diesem Zweck haben wir in Solothurn am 10.
März 06 anlässlich eines HORA-Auftritts
eine Unterschriftensammlung gestartet
für ein Patronat, welches dieses Projekt
unterstützt.
Bereits an diesen zwei Abenden haben
sich 9 Personen bereit erklärt, dieses
Projekt mit je CHF 500.-- zu unterstützen.
Inzwischen sind weitere 7 SpenderInnen
dazugekommen. Erst wenn insgesamt 50
Personen bis Ende Jahr sich einverstanden
erklärt haben, mit ihrem Beitrag den drei
MusikerInnen hier in der Schweiz ihren
Aufenthalt zu finanzieren, werden diese
Spendewilligen einen Einzahlungsschein
erhalten. Wohlgemerkt: Diese CHF 25‘000.-- ,
welche durch 50 SpenderInnen zusammenkommen, werden ausschliesslich für
Pflege- und Betreuungsaufwendungen
eingesetzt. Bei Nichterreichen dieses Ziels
werden wir das Projekt absagen.
Als Gegenleistung für die CHF 500.-erhalten Sie zwei Gratiseintritte für ein
unvergesslich, berührendes Konzert von
«Inkonjane».
Wenn Sie nun Ihr Interesse bekunden (telefonisch, schriftlich oder per Mail im HORA
Büro), Ende Jahr CHF 500.-- zu bezahlen,
senden wir Ihnen ein Bestätigungsformular und eine Gratis-CD mit Musik der A
Capella Gruppe «Inkonjane» aus Bulawayo
mit Fibion Nkomo, Prudence Mabhena und
Pharis Mashava.
Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre
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06/2006 – Zauberwerk Nr. 21
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Das Magazin de
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Nummer 21, Juni
2006
Rückblick:
HORA am Blickfelderfestival
Ausblick:
«Il sogno della vita»
Ausblick 2007:
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Internationales Festival «Okku
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Liebe
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Liebe Leserinnen und Leser
Liebe Mitglieder und Gönnerinnen
und Gönner des Vereins Theater
HORA
Dreizehn Jahre nach der ersten HORA
Produktion «Aber Zeit ist Leben und das
Leben wohnt im Herzen» nach Michael
Endes Roman «Momo», haben wir 379 Aufführungen von 24 verschiedenen HORA
Produktionen in der Schweiz, Deutschland,
Österreich und Italien erlebt. Nun gönnen
wir uns eine kleine Verschnaufpause. Aufgrund verschiedener unglücklicher, nicht
planbarer Vorfälle sahen wir uns gezwungen, die angesagte Wiederaufnahme von
«Il sogno della vita» vom Frühjahr auf den
Herbst 06 zu verschieben. (Siehe Agenda) Ausserdem wird es entgegen unseren
angekündigten Plänen, auch nicht mehr zu
einer Wiederaufnahme von unserem Dalí
Open Air Stück im Oerlikoner MFO-Park
kommen. Schade!....
Aber...
Wie gewohnt machen wir das Beste aus
den nicht unvorhersehbaren Umständen.
Chaos erfordert Kreativität. Wir sammeln
jetzt Kräfte, um im Sommer 2007 umso
populärer wieder auf der Bildfläche zu
erscheinen.
Reservieren Sie sich die Zeit von 6. bis
24. Juni 2007!
Unter dem Titel «Okkupation» laden wir
die bekanntesten, professionell arbeitenden integrativen Theatergruppen aus Europa, die grossen Theaterhäuser Zürichs, die
Medien ein, um den Alltag und Ihr Denken
zu besetzen.
Seit diesem Sommer bereitet das Theater HORA Züriwerk und die Lebenshilfe
GmbH aus Deutschland mit grosszügiger
Starthilfe der Pro Infirmis Zürich das
nächste Highlight der HORA Geschichte
vor. Am 6. Juni 2007 wird im Theaterhaus
Gessnerallee zum 40 Jahr Jubiläum der
Stiftung Züriwerk ein zweiwöchiges internationales integratives Festival eröffnet.
Theater Stap aus Belgien mit «Ook»; einer
Choreografie von Sidi Larbi Cherkaoui
(Compagnie C. de la B.) und Compagnie de
L’Oiseau Mouche aus Frankreich mit «Et
six Gisèle(s)?», einer provokant verstörenden Interpretation des berühmten romantischen Ballets «Gisèle», sind die ersten
Fixpunkte des Festivals.
Das Theater HORA wird im Casino-Saal
Aussersihl eine Premiere frei nach Joseph
Conrads Roman «Heart of darkness»
zeigen. Ausserdem planen wir, unsere
befreundeten MusikerInnen aus Simbabwe
nochmals einzuladen und eine Konzerttournee mit «Inkonjane» zu organisieren.
Um diese Tournée auf die Beine zu stellen,
haben wir ein Patronatskomitee gegründet.
Näheres dazu im Innenteil. Weitere Aufführungen des Festivals sollen im Festivalzentrum in der Roten Fabrik, im Tanzhaus
Wasserwerk und im Schauspielhaus stattfinden. Sie sehen also, das Theater HORA
lässt Sie mit neuen Ideen langfristig nicht
im Stich. Unbehinderte Bühnenmomente
warten darauf; Ihre Nerven zu kitzeln, Ihre
Augen zu betören, Ihre Ohren zu öffnen,
Ihr Denken zu verwirren; um Sie dann....
verstummen zu lassen.
Wir hoffen, wir haben Ihnen jetzt den
Speck durch den Mund gezogen! Wir
freuen uns!
Michael Elber,
Künstlerischer Leiter Theater HORA
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Herzlichen Dank an alle Privatpersonen, die mit ihrer
kleinen oder grosszügigen Spende zugunsten unseres Vereins
Theater HORA dazu beitragen, dass wir immer mehr Menschen
mit Behinderung in ihrer künstlerischen Entwicklung
unterstützen können.
Herzlichen Dank all unseren langjährigen und
neuen Mitgliedern, die mit ihrem Mitgliederbeitrag und
mit zusätzlichen kleinen oder grosszügigen Spenden dazu
beitragen, dass unsere Produktionen finanziert werden können.
Projektbeiträge:
Alexis Victor Thalberg Stiftung
Gessner AG
Hamasil Stiftung
Pro Infirmis Zürich
Römisch-katholische Zentralkommission
Stiftung für das behinderte Kind
Verein Theater HORA
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Besonderen Dank gilt folgenden Mitgliedern
und Spendern (Spenden ab CHF 500.00)
Unsere HORA-Produktionen
bei Ihnen zu Hause?
Fritzsche Marianne & Andreas
Gfeller Roland
Sponagel-Senti Felix & Monika
Wassmer R.
Schwarzenbach Theo
Evang. Frauenverein Matthäus
Gemeindeverwaltung Zumikon
Römisch kath. Kirchgemeinde Zürich-Oerlikon
Stiftung Dr. Robert Thyll-Duerr
Seit 1993 überzeugt das Theater HORA
Züriwerk mit seinen SchauspielerInnen mit
einer Behinderung ein immer zahlreicheres
Publikum. 24 verschiedene Produktionen in
fast 400 Aufführungen haben inzwischen
über 24‘000 Personen begeistert. Für die
nächsten zwei Jahre können wir Ihnen verschiedene aktuelle Produktionen anbieten.
Für jedes Bedürfnis gibt es ein Angebot:
Von der günstigen, unkonventionellen
HORA-Band Züriwerk «Golden Reed»,
zu unserer Open-Air Maskenperformance
«Der einzige Unterschied zwischen uns
und Salvador Dalì ist, dass wir nicht Dalì
sind», über das erfolgreiche festivalerprobte
Improvisationsstück «Die Lust am Scheitern» oder die feurig poetisch anmutende
Tanztheaterproduktion «Nach allen Regeln
der Kunst» bis zur äusserst aufwändigen
Grossproduktion «Il sogno della vita» ist für
jedes Theaterherz etwas zu haben.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir
beraten Sie gerne. Bestimmt lässt sich das
Richtige für Ihren Anlass finden!
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Ursprünglich war «Up and Down» als
neunte Produktion des Theater HORA im
April 2000 in Anlehnung an Ionescos «Die
Stühle» entstanden. Die selbstgeschriebenen Songs der zwei HORA-DarstellerInnen Denise Wick Ross und Andreas
Grande, waren eingebettet in eine Theaterinszenierung. Bald wurde aber klar, dass
diese Kombination von Musik im Theater
kein befriedigendes Resultat hervorbrachte. Das Essentielle, nämlich die Message
ihrer Lieder ging völlig verloren. Die Produktion wurde zu einem «Liederabend».
Letztes Jahr übernahm der Musiker Roland
Strobel die Leitung dieses Projektes. Er beschloss im näheren Umfeld, weitere Menschen mit einer Behinderung zu suchen,
die gerne Musik machen. Nach einiger Zeit
bildete sich ein sechsköpfiges Ensemble.
Somit ist es keine Frage, dass diese Stücke
und der hierdurch hergezauberte Mikrokosmos, durchaus seine Existenzberechtigung hat, und es gelingt jedes Mal, Gefühle
und Sentimentalität bei den Zuhörern zu
wecken, die für eine kurze Zeit in eine
neue Sphäre eintauchen können. Die durch
die Vorführenden präsentierte Welt, regt
vieles zum Nachdenken an und vermag gar
neue Wege aufzuzeigen, wie wir unseren
realen Alltag meistern könnten.
Mehr dazu unter www.hora.ch
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RÜCKBLICK
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RÜCKBLICK
«Nach allen Regeln der Kunst»
in Solothurn
Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums von
Insieme Solothurn gastierte das Theater
HORA in Solothurn.
«Ein eigenartig-einzigartiges, augenzwinkerndes und ausgesprochen lustvolles
Tanzspiel. Eine absurde, beinahe sprachlose Geschichte um Regeln, Normen und
Ordnung, das Brechen von Regeln, die
Missachtung von Normen, die Bekämpfung von Ordnung und das verbotene Gelächter auf der Bühne.» So ist die Beschreibung des Tanzspiels «Nach allen Regeln
der Kunst», das im Stadttheater Solothurn
im März 2006 aufgeführt wurde.
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Nach «Il sogno della vita» (2004) ist nun
dieses Jahr das erfolgreichste Stück des
Theater HORA beim Blickfelder-Festival
2006 gezeigt worden.
Das 11. internationale «Blickfelder – Theaterfestival für ein junges Publikum», so der
Originaltitel der Veranstaltung, war vom
10. März bis 1. April 2006 auf verschiedenen Bühnen, sowohl in Zürich wie auch in
Bern, Chur, Luzern, Schaan und Steckborn
präsent. «Die Lust am Scheitern» wurde in
Zürich in der Kanzlei-Turnhalle aufgeführt. Das Motto der neusten Ausgabe
des Blickfelder-Festivals hiess «Theater
soll wie Fussball sein». Diejenigen, die
«Die Lust am Scheitern» schon miterleben
durften, werden mit uns einig gehen, dass
unser Stück sehr viel mit dem Wesen des
Fussballspiels gemeinsam hat.
Schüler und Schülerinnen haben nach dem
Theaterbesuch ihre Eindrücke aufgeschrieben. Anbei eine Auswahl
Ich fand das Theater toll. Ich habe mich
glücklich gefühlt. Es war toll zu erfahren, dass
behinderte Menschen so viel können. Und das
alles einfach so spontan.
Deborah
Das Theater hat mir sehr gefallen, weil es
sehr humorvoll, spontan war. Aber es war
auch teilweise unangenehm, eklig! Man
meinte fast, dass es wirklich echt war, und
darum liess ich mich ein bisschen verwirren.
Kathrin
Es war am Anfang langweilig, weil
irgendwie nichts passierte. Es gab Szenen,
die waren lustig und es gab Szenen, die
waren langweilig.
Dominic
Er spielte ein Instrument und den Doktor der
jemandem das Bein repariert. Also ich hörte es
so, dass das Bein mit einer Art Schraube zurück
repariert würde.
Keuser
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Das Theater Hora hat mir sehr gefallen.
Und was ich besonders lustig fand,
war dieser Mann mit den verknickten
Füssen. Eine Person kam nach vorne
und sagte: «Mist, ich habe Flöhe», und
dann fing sie an, Fliegen zu töten und
dann zu essen. Und plötzlich sagte sie:
Ich muss nasenbohren, und das fand ich
sehr eklig. Zuerst hatte sie mit einem
Finger in der Nase gebohrt und dann
hatte sie mit zwei Fingern in der Nase
gebohrt. Ich möchte diese Rolle nicht
spielen, weil dann müsste ich vor der
ganzen Klasse in der Nase bohren.
Nadja
Zauberwerk
Angebot
Zauberwerk
Angebot
Workshops für Schulen,
Institutionen, aber auch
Betriebe und Firmen
Theater-Schnupperkurse und
Theater-Weiterbildungskurse
Das HORA-Ensemble hat auch dieses
Jahr gemeinsam mit Michael Elber einige
Weiterbildungs- und Schnupperkurse
im Casino-Saal durchgeführt. Während
einem Tag oder auch bis zu einer Woche
fanden sich diese sehr unterschiedlichen
Gruppen gleichberechtigt zusammen bei
Spiel, Bewegung, Musik, viel Lachen und
interessanten theatralischen Begegnungen.
Die Begeisterung auf beiden Seiten war
Weiterbildungsangebote/Workshops:
«Theaterspiel mit Menschen mit und ohne Behinderung»
für Institutionen, Schulen, Firmen usw.
gross. «Eigentlich müssten wir jetzt gleich
ein Stück zusammen inszenieren,» so der
Tenor nach dem Workshop. Fazit: Selten
macht die theaterpädagogische Arbeit
so stark Sinn wie bei diesen Workshops.
Wenn man von Integration spricht, hier
wird sie wirklich hundertprozentig gelebt,
ohne Unterschiede.
Leitung:
Michael Elber und HORA-Ensemble
Teilnehmende:
HORA-Ensemble 10-14 Personen, sowie bis zu zwanzig
TeilnehmerInnen des Auftraggebers
Ort:
Casino-Saal Aussersihl (Nähe Helvetiaplatz) oder zur
Verfügung gestellter Raum des Auftraggebers
Dauer:
von einem halben Tag bis zu zwei Wochen
evtl. anschliessende Workshop-Aufführung
Kosten:
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ANGEBOT
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Endlich ist es soweit! Immer wieder wurden
wir angefragt, ob das Theater HORA ein
Angebot für Kinder und Jugendliche einrichten kann. Darauf mussten wir immer
abschlägige Antworten geben, da bis jetzt
niemand das Risiko eingehen wollte, etwas
ganz Neues aufzubauen. Nun also haben
wir eine Nachwuchsförderungs-Abteilung!
Urs Beeler hat während seiner 25-jährigen professionellen Theaterarbeit in den
letzten 5 Jahren vermehrt mit Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen mit Beeinträchtigung gearbeitet. Unter seiner Leitung sollen Mittwochnachmittag und/oder
Samstag Jahreskurse stattfinden.
Für weitere
Informationen
wenden Sie sich an:
Urs Beeler
Winzerhalde 6
8049 Zürich
T: 044 341 46 09
beegeo@bluewin.ch
Zauberwerk
ANGEBOT
Zauberwerk
AUSBLICK
«...Und da kommt die Produktion dem Geiste Fellinis, der ja seinerseits filmend über das
eigene Tun reflektiert, ebenfalls häufig mit
Laien gearbeitet und ihnen seine Drehbücher angepasst hat, bemerkenswert nahe:
seiner Mischung aus Komik und Wehmut,
aus Bürgerlichkeit und Zirkuszauber, aus
Alltäglichem und Traumhaften (...) und es
entsteht jene Verzauberung, zu der dann
immerhin auch konkreter benennbare Mittel beitragen: intensive Beleuchtungseffekte,
präzise eingesetzte Videoaufnahmen und,
natürlich, viel originale Filmmusik.»
Zürichsee Zeitung 26.03.04
«Ich zwinge einen Schauspieler nie dazu,
in eine fremde Haut zu schlüpfen, ich lasse ihn
lieber das ausdrücken, was er ist und kann.»
Federico Fellini
Viele faszinierende Parallelen zu Fellinis
Arbeitsweise veranlassten uns (Michael
Elber, Nicole Tondeur und Krishan Krone)
dazu, im Winter 03/04 ein Stück zu entwickeln, welches von den Filmen (insbesondere «La strada») dieses Altmeisters
inspiriert wurde. Im Rahmen des Blickfelder Festivals 04 wurde es schliesslich mit
Erfolg aufgeführt.
Aufgrund der kurzen Zeit, die uns zur
Erarbeitung zur Verfügung stand, gelang
es uns allerdings nicht, sämtliche Sze-
nen zu streichen, die uns nicht gelungen
schienen. Eine Wiederaufnahme stand
lange in Frage durch den damaligen Unfall
von Marcel Trinkler, dem Darsteller von
Matto, dem Hochseilartisten.
Nun steht einer Neubearbeitung nichts
mehr im Wege. Wir möchten Sie herzlich
einladen, einer gekürzten Neubearbeitung
noch einmal oder zum erstenmal die Ehre
zu erweisen. Das ohne Zweifel visuell
schönste Stück aus der HORA-Küche
hofft nochmals auf ein grosses Publikum.
«Die Freude der Schauspieler schwappt ins
Publikum über – die 20. HORA Produktion
ist einmal mehr grossartig.
Blick 26.03 04
Zauberwerk
AUSBLICK
Zauberwerk
AUSBLICK
Zauberwerk
PARTNER
Patronatskomitee
Wie im Editorial erwähnt, planen wir unsere Freunde aus Simbabwe, diese drei wunderbaren, talentierten körperlich behinderten MusikerInnen, die unserem Amanzi
Projekt zu einem grossen Publikumserfolg
verholfen haben, im Sommer 07 wieder zu
einer Konzerttournee einzuladen. Zu diesem Zweck haben wir in Solothurn am 10.
März 06 anlässlich eines HORA-Auftritts
eine Unterschriftensammlung gestartet
für ein Patronat, welches dieses Projekt
unterstützt.
Bereits an diesen zwei Abenden haben
sich 9 Personen bereit erklärt, dieses
Projekt mit je CHF 500.-- zu unterstützen.
Inzwischen sind weitere 7 SpenderInnen
dazugekommen. Erst wenn insgesamt 50
Personen bis Ende Jahr sich einverstanden
erklärt haben, mit ihrem Beitrag den drei
MusikerInnen hier in der Schweiz ihren
Aufenthalt zu finanzieren, werden diese
Spendewilligen einen Einzahlungsschein
erhalten. Wohlgemerkt: Diese CHF 25‘000.-- ,
welche durch 50 SpenderInnen zusammenkommen, werden ausschliesslich für
Pflege- und Betreuungsaufwendungen
eingesetzt. Bei Nichterreichen dieses Ziels
werden wir das Projekt absagen.
Als Gegenleistung für die CHF 500.-erhalten Sie zwei Gratiseintritte für ein
unvergesslich, berührendes Konzert von
«Inkonjane».
Wenn Sie nun Ihr Interesse bekunden (telefonisch, schriftlich oder per Mail im HORA
Büro), Ende Jahr CHF 500.-- zu bezahlen,
senden wir Ihnen ein Bestätigungsformular und eine Gratis-CD mit Musik der A
Capella Gruppe «Inkonjane» aus Bulawayo
mit Fibion Nkomo, Prudence Mabhena und
Pharis Mashava.
Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre
Unterstützung
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Rückblick:
Dali-Maskenperformance
Gastspiel in Berlin
Ausblick:
«Il sogno della vita»
Zauberwerk
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Zauberwerk
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Von der Zauberflöte zum
Zauberwerk
Liebe Leserinnen und Leser
Liebe Mitglieder und Gönnerinnen
und Gönner des Vereins Theater
HORA
Die «Zauberflöte», das bisherige Organ
des Vereins Theater HORA, gibt es nicht
mehr. Auf Mitte 2002 wurde das Theater
HORA in die Stiftung Züriwerk integriert.
Damit konnte der Betrieb des Theater
HORA von der Freizeit in die Arbeitszeit
verlegt werden. Die operative Führung
des Theaters HORA wurde vom Verein
an Züriwerk Zürich übertragen. Mit dem
Namenswechsel und dem neuen Format
der Zeitschrift ist nun der letzte Schritt in
der Aufgabentrennung getan.
Zauberwerk wird Sie weiterhin über alle
Aktivitäten des Theater HORA informieren. Auch wenn die Zeitschrift nicht mehr
das Vereinsorgan ist, wird der Verein
Theater HORA in jeder Ausgabe über seine Tätigkeit berichten. Alle Produktionen
des Theater HORA sind nur dank Sponsorenbeiträgen möglich. Der Verein Theater
HORA ist dank den Mitgliederbeiträgen
und Spenden unser grösster Sponsor.
Deshalb werden Sie in jeder Ausgabe
auch einen Einzahlungsschein des Vereins
vorfinden. Für Ihre Unterstützung, ideell
und finanziell, direkt und über den Verein,
danken wir herzlichst im Namen unserer
Schauspielerinnen, Schauspieler, Musikerinnen und Musiker mit Behinderung.
Jean-Pierre Wuillemin,
Geschäftsleiter Züriwerk Zürich
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Herzlichen Dank an alle Privatpersonen, die mit ihrer
kleinen oder grosszügigen Spende zugunsten des Vereins
Theater HORA dazu beitragen, dass wir immer mehr
Menschen mit Behinderung in ihrer künstlerischen Entwicklung unterstützen können.
Herzlichen Dank all unseren langjährigen und
neuen Mitgliedern, die mit ihrem Mitgliederbeitrag und
mit zusätzlich kleinen oder grosszügigen Spenden dazu
beitragen, dass unsere Produktionen finanziert werden können.
Besonderen Dank gilt an folgende Mitglieder
(Spenden ab CHF 500.–)
Angstmann Elvira, Brunner Ursula, Galerie Schlégl
Gruentzig Sonja, Kurer Peter, Schwarzenbach Theo
Wolfensberger Sylvia
Zauberwerk
DIE ZWEITE
Projektbeiträge:
Aktion «Denk an mich»
Cassinelli-Vogel Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Familien-Vontobel-Stiftung
G + B Schwyzer Stiftung
Hamasil Stiftung
Martha Bock Stiftung
Pro Helvetia
Röm.-Kath. Zentralkommission
Sozialamt der Stadt Zürich
Stanley Thomas Johnson Stiftung
The Ramsay Foundation
Verband der Stadtzüricherischen evangelisch ref. Kirchgemeinden
Verein Theater HORA
Zürcher Kantonalbank
Unsere HORA-Produktionen
bei Ihnen zu Hause?
Seit 1993 überzeugt das Theater HORA
Züriwerk mit seinen Schauspielerinnen
und Schauspielern mit einer Behinderung
ein immer zahlreicheres Publikum.
23 verschiedene Produktionen in mehr als
200 Aufführungen haben inzwischen
über 23000 Personen begeistert. Für die
nächsten zwei Jahre können wir Ihnen
verschiedene aktuelle Produktionen
anbieten. Für jedes Bedürfnis gibt es ein
Angebot: Von der günstigen, unkonventionellen HORA-Band «Up and Down»,
zu unserer Open-Air Maskenperformance
«Der einzige Unterschied zwischen uns
und Salvador Dalì ist, dass wir nicht
Dalì sind», über das erfolgreiche festivalerprobte Improvisationsstück «Die Lust am
Scheitern» oder die feurig bis zu poetisch
anmutende Tanztheaterproduktion
«Nach allen Regeln der Kunst» bis zur
äusserst aufwändigen Grossproduktion
«Il sogno della vita» ist für jedes Theaterherz etwas zu haben.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir
beraten Sie gerne. Bestimmt lässt sich das
Richtige für Ihren Anlass finden!
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Dalì-Maskenperformance im MFO-Park
«Das mache ihnen erst einmal
einer nach»
(Neue Zürcher Zeitung, 15.8.05)
Mitten in einem Park tickt die Live-Musik
zu Salvador Dalìs schwarzen Engeln,
die verteilt mit geheimnisvollen Flügeln
(Kostüme Caroline Benz) auf einem Gerüst
stehen. Das Stück verwandelt den
MFO-Park hinter dem Bahnhof Oerlikon
in eine surreale Landschaft, in der
Wollust, Habgier, Leichtsinn, Neid, Völlerei, Faulheit, Zorn und Stolz miteinander
spielen. Dalì zeigt sein Atelier und lässt
die Zuschauer teilnehmen an seinem
exzentrischen Wahnsinn. Die Zuschauer
gehen mit den Schauspielerinnen
und Schauspielern durch die Hölle, das
Fegefeuer und den Himmel. Die wandelnden Dalì Gestalten mit grossen weissen
Köpfen und schwarzen Kostümen ver-
zerren sich, taumeln, tanzen, laufen mit
schwarzen schweren Koffern über
Scherbenkies. Dirigiert werden die Phantasiegestalten, die den Park bevölkern,
vom Malermeister Salvador Dalì. Alle
tanzen nach seiner Pfeife, zwischendurch
gibt er Anweisungen mit seinem Spazierstock, den er wie eine Waffe benutzt.
Eine Dalì-Gestalt weigert sich, ihm weiter
zu gehorchen. Dieser Gestalt gelingt es,
sich vom Wahn des Malers zu befreien,
so dass sich nach und nach alle Figuren
die Masken von den Köpfen nehmen. Die
Menschen, die unter den Masken hervor
kommen, ziehen ins Paradies ein. Dort
spielen sie keine stumme Rolle mehr, dort
erzählen alle von eigenen surrealen
Geschichten und Dalì spielt jetzt ihre Bilder nach. Es findet ein Spielen, Tauschen,
Verwischen und In-Frage-Stellen mit
und von Grenzen statt. Während der
gesamten Aufführung werden die Schau-
spielerinnen und Schauspieler von beeindruckender, verzauberter Musik begleitet.
Inspiriert wurde das Schauspiel von
Salvador Dalì, der in den 50er und 60er
Jahren 100 Grafiken zu den Versen aus dem
Werk «Die göttliche Komödie» von Dante
schuf. Im nächsten Sommer wird das
Stück wieder aufgenommen und die Reise
in Dalìs Welten wird fortgesetzt. Wer
noch nicht mitgereist ist durchs Jenseits
bis zu den Sphären des Glücks, hat also
noch nächsten Sommer Möglichkeiten, auf
traumhafte Reisen zu gehen.
Ein wahnsinniges Stück, das mitreisst und
einen in fremde Welten führt, mit eindrücklichen Bildern und einer geheimnisvollen Stimmung.
Marie Bosshard
HORA-Praktikantin im Sommer 05
Zauberwerk
RÜCKBLICK
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die Schauspielerinnen und Schauspieler
vom Theater HORA. Es ist ganz egal ob
und wer eine Behinderung hat, alle wollen
Theater machen. Jeder nimmt jeden
ernst. Es geht um das Theater. Es ist
konzentrierte Stimmung, selbstständig
kümmert sich jeder um seine Aufgaben.
Alle helfen so gut es geht mit beim
Auf- und Abbauen des Bühnenbildes.
Auch die Regie, der Produktionsleiter, die
Bühnenbildnerin, die Kostümbildnerin
und die Praktikanten arbeiten konzentriert und gemeinsam. Jeder hat Lust, für
das Theater HORA zu arbeiten.
Mitten in so eine Stimmung bin ich rein
geraten. Meine Semesterferien haben
gerade begonnen, ich bin lange mit dem
Zug aus Deutschland unterwegs gewesen
und wusste kaum, was auf mich zukommen
wird. Ich hatte von meinen bisherigen
Theatererfahrungen den Eindruck, dass
es oft stressig beim Theater zugeht, dort
ein ewiger Profilierungszwang herrscht
und die Stimmung meistens durchtränkt
von Konkurrenz ist. All das habe ich nicht
beim Theater HORA gespürt. Hier ist
eine entspannte Stimmung. Alle arbeiten
miteinander. Auch ich habe mich ernst
genommen gefühlt. Jeder hat die
Möglichkeit sich einzubringen. Jeder ist
mitverantwortlich. Auch ich. Die
Dalì-Proben und Dalì-Aufführungen
konnte ich mit erleben, während dessen
habe ich das Theater HORA immer besser
kennen gelernt. Viel war zu tun, aber
keiner hat sich überfordert gefühlt. Die
Schauspielerinnen und Schauspieler haben
bei Wind und Regen mit gemacht, alle
anderen auch. Nach der letzten Aufführung war eine kurze Pause, dann bekam
ich die Theater-Proben mit. Auch hier
blieb die konzentrierte Stimmung.
Achtung habe ich vor den Schauspielerinnen und Schauspielern. Souverän machen
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denen man nur chinesisch sprechen oder
mit einem Instrument spielen darf.
Ohne nachzudenken spielen sie. Ehrlich
und direkt kommt mir ihre Art zu spielen
vor. Professionelle und überzeugende
Schauspielerinnen und Schauspieler sind
sie! Und plötzlich ist mein Praktikum zu
Ende. Die Zeit war viel zu schnell. Gerne
würde ich noch mehr von dem Theater
HORA lernen. Macht weiter so! Ihr seid
ein tolles Theater. Viel wurde bei euch
auf die Beine gestellt. Viel läuft bei euch!
Danke für die gute Zeit.
Marie Bosshard
Zauberwerk
RÜCKBLICK
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RÜCKBLICK
Zauberwerk
RÜCKBLICK
Untenstehend einen Bericht von einer Zuschauerin bzw. Mitarbeitenden
Redaktorin der Zeitschrift «Ohrenkuss – da rein da raus»:
Gleich mit zwei Produktionen ist das
Theater HORA diesen Herbst nach Berlin
eingeladen worden.
Die Organisatoren des internationalen
Theaterfestivals «No Limits» in Berlin vom
7. bis 16. Oktober hatten in ihrem Programm die bekanntesten und erfolgreichsten integrativen Theater aus Europa
aufgenommen: Compagnie Création
Ephémère und Compagnie de l’OiseauMouche aus Frankreich, Theater Maatwerk aus den Niederlanden, Theater
RambaZamba und Theater Thikwà aus
Deutschland und aus England Theatre
Workshop. Damit aber nicht genug: Nebst
diesen hochkarätigen Gästen gab es ein
vollgefülltes Rahmenprogramm: Rufus
Beck las aus «Supergute Tage oder Die
sonderbare Welt des Christopher Boone»
(Mark Haddon) oder Neville Tranter’s
Stuffed Puppet Theatre, ein Meister
der Puppenspieler-Zunft spielte Schicklgruber Alias Adolf Hitler, um nur zwei
Beispiele zu nennen. Mehr zu lesen unter
www.no-limits-festival.de.
Das Theater HORA zeigte am No LimitsFestival «Die Lust am Scheitern» gleich an
zwei aufeinander folgenden Abenden und die
HORA-Band hatte seine Feuertaufe in der
pulsierendsten Metropole Deutschlands.
Alles ist möglich – eben:
«No limits» // keine Grenzen
In Zusammenarbeit mit den Musikern von
Post No Bills zeigte das Theater HORA
sein Improvisationsstück «Die Lust
am Scheitern». Die Zuschauer betreten
den Raum, finden ihren Platz, die
Geräuschkulisse senkt sich, Ruhe kehrt
ein. Was wird passieren? Eine Frage, die
sich Publikum und Akteure zugleich
stellen könnten. So treten die Spieler auf,
kommen auf die Bühne, erfüllen den Raum
mit ihrer Person und was sie darstellen
möchten, einzeln oder es kommt jemand
dazu. Vielleicht wird das ganze auch
mit Musik unterlegt oder es wird dazu
gesprochen, vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht wird eine Geschichte eines
hinreissenden Ehepaares erzählt, welches
sich aufgrund von Gedächtnisverlust
der Gattin nicht wieder erkennt und jedes
Mal neu verliebt oder auch nicht.
Alles ist möglich und endet nicht im
Chaos. Denn Theater HORA zeigt
hier keine sinnlose Aneinanderreihung,
hier findet Kommunikation und Respekt
vor Augen der Zuschauer statt. Die
Akteure kennen die Stärken und Schwächen des anderen, beobachten sich
gegenseitig, hören einander zu und reagieren auf die improvisierte Aktion des Kolle
gen, musikalisch wie darstellerisch. Das
Stück wurde auf dem Festival an zwei
Abenden gezeigt. Der Zuschauer hatte also
die einzigartige Möglichkeit, das Stück
ein zweites Mal zu sehen und zu verglei
chen: Jede Vorstellung ist einzigartig, hat
einen neuen Ausgangspunkt, der zu einem
anderen Ende führt. Der Titel ist als Einstellung Voraussetzung für das Gelingen,
eben «Die Lust am Scheitern».
Rosanna D’Ortona, Köln
Rosanna D’Ortona ist Redaktionsassistentin bei Ohrenkuss
www.ohrenkuss.de, die Ohrenkuss-Redaktion
wird noch ausführlicher über das Festival berichten.
Zauberwerk
Angebot
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Angebot
Weiterbildungsworkshops für
Schulen,Institutionen,aber
auch für Betriebe oder Firmen.
Theater-Weiterbildungskurse
Gleich drei Mal hat das HORA-Ensemble
im vergangenen Jahr gemeinsam mit
Michael Elber (künstlerischer Leiter
Theater HORA) einen Weiterbildungskurs für Kunstagogik-Absolventinnen
im Casino-Saal durchgeführt. Während
je drei Tagen fanden sich diese sehr
unterschiedlichen Gruppen gleichberechtigt zusammen bei Spiel, Tanz, Musik,
viel Lachen und interessanten theatralischen Begegnungen. Die Begeisterung
auf beiden Seiten war gross.
«Eigentlich müssten wir jetzt gleich ein
Stück zusammen inszenieren.» so
der Tenor nach dem Workshop, Michael
Elber dazu «Selten machte meine theaterpädagogische Arbeit so stark Sinn wie
bei diesen Workshops. Wenn man von
Integration spricht: Hier wird sie wirklich
zu 100% gelebt ohne Unterschiede.»
Weiterbildungsangebote: «Theaterspiel
mit Menschen mit und ohne Behinderung» für Institutionen, Schulen usw.
können bei uns im HORA-Büro gebucht
werden.
Leitung:
Michael Elber und HORA-Ensemble
Teilnehmende:
HORA-Ensemble 10–14 Personen, sowie bis zu zwanzig
TeilnehmerInnen des Auftraggebers (z.B. Studierende
von HPS, «Sozschulen», Agogik, Personal einer BehindertenInstitution oder Betriebe, die einen Seitenwechsel planen)
Ort:
Casino-Saal Aussersihl (Nähe Helvetiaplatz) oder
zur Verfügung gestellter Raum des Auftraggebers
Dauer:
von einem halben Tag bis zu zwei Wochen
Evtl. anschliessende Workshop Aufführung
Kosten:
In Absprache mit dem HORA-Büro, Telefon 044 241 70 07
Zauberwerk
AUSBLICK
«…Und da kommt die Produktion dem
Geiste Fellinis, der ja seinerseits filmend
über das eigene Tun reflektiert,
ebenfalls häufig mit Laien gearbeitet und
ihnen seine Drehbücher angepasst
hat, bemerkenswert nahe: seiner Mischung
aus Komik und Wehmut, aus Bürgerlichkeit und Zirkuszauber, aus Alltäglichem
und Traumhaften (…) und es entsteht
jene Verzauberung, zu der dann immerhin auch konkreter benennbare Mittel
beitragen: intensive Beleuchtungseffekte,
präzise eingesetzte Videoaufnahmen
und, natürlich, viel originale Filmmusik.»
(Zürichsee Zeitung 26.03.03)
«Ich zwinge einen Schauspieler nie dazu, in eine
fremde Haut zu schlüpfen, ich lasse ihn lieber das
ausdrücken, was er ist und kann.»
Federico Fellini
Viele faszinierende Parallelen zu Fellinis
Arbeitsweise veranlassten uns (Michael
Elber, Nicole Tondeur und Krishan Krone)
dazu, im Winter 03/04 ein Stück zu
entwickeln, welches von den Filmen (insbesondere «La strada») dieses Altmeisters
inspiriert wurde. Im Rahmen des
Blickfelder Festivals 04 wurde es schliesslich mit Erfolg aufgeführt. Aufgrund
der kurzen Zeit, die uns zur Erarbeitung
zur Verfügung stand, gelang es uns
allerdings nicht, sämtliche Szenen zu
streichen, die uns nicht gelungen schienen.
Eine Wiederaufnahme stand lange in
Frage durch den damaligen Unfall von
Marcel Trinkler, dem Darsteller von
Matto dem Hochseilartisten. Nun steht
einer Neubearbeitung nichts mehr im
Wege. Wir möchten Sie herzlich
einladen, einer gekürzten Neubearbeitung
noch einmal oder zum erstenmal die
Ehre zu erweisen. Das ohne Zweifel visuell
schönste Stück aus der HORA-Küche
hofft nochmals auf ein grosses Publikum.
Am Karfreitag, dem 14. April zeigen
wir zusätzlich als Gratisvorstellung «La
strada», der Film von 1954 der als Vorlage
für «Il sogno della vita» diente.
«Die Freude der Schauspieler schwappt
ins Publikum über – die 20. HORA
Produktion ist einmal mehr grossartig. »
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AUSBLICK
(Blick 26.03 04)
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Der einzige Unterschied zwischen
uns und Salvador Dalì ist, dass wir
nicht Dalì sind.
«Mit Dalí in den Himmel. Das mache ihnen
erst einmal einer nach: die zauberhafte
Entführung aus der Tristesse eines
verregneten Sommerabends in einem Park,
dessen kunstreiche Metall-Steine-Scherben-Architektur sich zwar durch vieles
auszeichnet, nicht aber durch Charme.»
(NZZ 15.08.05)
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Daszmacht uns eben niemand nach, darum
dürfen wir die Oerlikoner Bevölkerung
und auch weitere Kreise noch einmal
mit unserem Open-Air Genie-Streich vom
Sommer 05 beglücken. Hoffen wir, dass
das Wetter uns nicht noch einmal davon
spült. Erleben Sie mit uns einen zauberhaften Sommerabend im August 06 nur im
MFO-Park in Zürich-Oerlikon.
Ohrenschmalz am
Tassenschrank :
Ein zweites Mal wird der deutsche Schauspieler, Regisseur und Sonderpädagoge
Walter Koch mit unserem Ensemble und
10 zusätzlichen Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb von
zwei Wochen ein Stück erarbeiten. Seien
Sie gefasst auf ein ganz und gar nicht
normales Weihnachtsspiel der besonders
schrägen Sorte.
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Nach «Il sogno della vita
» (2004) wird nun
nächstes Jahr das erfolg
reichste Stück
des Theater HORA beim
Blickfelder-Festival 2006 zu sehen sein.
Das 11. internationale «Blickf
elder – Theaterfestival für ein junges Pub
likum», so
der Originaltitel der Verans
taltung wird
vom 10. März bis 1. April
2006 auf
verschiedenen Bühnen,
sowohl in Zürich
wie auch in Bern, Chur, Luz
ern, Schaan
und Steckborn spielen. «Di
e Lust am
Scheitern» wird in Zürich
aufgeführt vom
22. März bis 24. März 200
6. Das Motto
der neusten Ausgabe des
BlickfelderFestivals heisst «Theater
soll wie Fussball
sein». Diejenigen, die «Di
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Scheitern» schon miterle
ben durften, werden mit uns einig gehen,
dass unser
Stück sehr viel mit dem
Wesen des Fussballspiels gemeinsam hat
.
Lassen Sie sich überrasc
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Lust am Scheitern» im näc
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in der Kanzleiturnhalle in
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Eine Produktion von Wa
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unserem Workshopleiter
(siehe Spielplan
2005/06)
Beim Theaterstück «Pupp
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es um Liebe, Zwänge un
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Es ist eine satirische Kom
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William Shakespeare
Inhalt des Stücks: Zwei Kin
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Regie: Ana Schlaegel un
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Spieldatum: Freitag, 27.
Januar 2006,
20.00 Uhr im Casino-Saal
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überhaupt nicht leichter wäre, sondern
verantwor tlich und involviert in das
im Gegenteil. Und da Kathrin Iseli soganze Geschehen. Auch mache sie sich
wieso nicht gerne mit Schemas arbeite,
mehr Überlegungen zu ihrer Arbeit
kämen ihr diese Spiele und Offenheiten
mit den Schauspielerinnen und Schaugerade recht. Sie betonte aber auch, dass
spielern. Was ihr besonders gefalle an
dies nur zustande käme, wenn man die
ihrem Engagement sei, dass sie auch viel
Schauspielerinnen und Schauspieler als
profitieren kann. Zum Beispiel erzählte
gleichwer tiges Gegenüber betrachte.
sie von ihrem «Gratismentaltrainer»
Zum Schluss äusserte die tatkräftige
Peter Keller. Sobald Kathrin Iseli nur an
HORA-Mitarbeiterin noch einige Wünseine ruhige und gemächliche Art denke,
sche für die Zukunft des Theaters. Das
wäre ihre derzeitige Stresssituation
Theater HORA sollte das Ansehen und
fast wie weggeblasen. Dazu kommt noch,
die Akzeptanz der Gesellschaft erlangen
dass die HORA-Schauspielerinnen und
wie andere «normale» Theater auch.
Schauspieler sehr offen seien und dass
Das Theater HORA hatdas Recht
bei den Proben mit ihnen zusammen
als THEATER angeschaut zu werden.
immer eine Art Spiel entstehe. Auch fügte
sie noch hinzu, dass eine Arbeit zusamSarah Marinucci
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